Die Verdammten - Kritik

La Caduta degli dei

IT/CH/US/DE · 1969 · Laufzeit 154 Minuten · FSK 16 · Drama · Kinostart
Du
  • 8

    Das ist Viscontis deutschester Film. Der Familienclan derer zu von Essenbeck, eines Stahlkonzerns (in Dtd. beginnt er mit ‘Kr‘ und endet auf ‘upp‘, wobei Übereinstimmungen durchaus gewollt sind) muss sich nach der Machtergreifung mit den Nazis arrangieren.
    Das überaus opulent ausgestattete Drama kommt mit einer Starriege von Darstellern daher und einem Plot der durch lange Dialoge und einer großen Schar von Anverwandten hohe Anforderungen an die Konzentration der Zuschauer stellt.
    Zwei historisch verbürgte Ereignisse bilden den gefestigten Hintergrund der Aktivitäten: der Reichstagbrand vom 27./28. Febr. 1933 und der angebliche Röhm Putsch Sommer 1934, der keiner war, sondern nur als Mittel zum Zweck verwendet wurde um etwaige Unterführer zu beseitigen.
    Während dieser Zeit bilden die Mitglieder des Clans Koalitionen, schmieden Pläne gegen einander und werden sich am Ende selbst eliminiert haben. Ein anderer Schiegersohn Herbert Thalmann (Umberto Orsini) macht mit den Nazis einen Deal und kann seine Kinder retten. Ehefrau Elisabeth (Charlotte Rampling) kommt ums Leben.
    Lange Zeit scheint es, als ob Schwiegersohn Friedrich Bruckmann (Dirk Bogarde), der sich fortan von Essenbeck nennt, mit Ehefrau Sophie (Ingrid Thulin) das Sagen haben würde, doch SS Mann Aschenbach (Helmut Griem) und Martin Essenbeck (Helmut Berger) machen sie kalt. Martin gibt den Oberbösewicht und wird als Sieger aus den familiären Machenschaften hervorgehen. Zuvor hat er sich als pädophile Transe geoutet und an seiner Mutter Sophie vergangen. Das bringen die ‘Ärzte‘ mit ihrem Song genau auf den Punkt. Visconti schildert das ohne Voyeurismus, aber mit deutscher Gründlichkeit. Verdammt sind sie alle. Wenn einen der Stoff interessiert, sollte man sich den Film zweimal anschauen.

    • 8 .5

      Der SA Führer wird von dem deutschen Schauspieler Reinhard Koldehoff verkörpert.
      Helmut Griem spielt den SS Obersturmbandführer Achenbach.

      • 8 .5
        jostberlin 08.02.2015, 19:48 Geändert 08.02.2015, 19:52

        Habe nach vielen Jahrzehnten mir nochmal diesen Film angesehen und war wieder sehr beeindruckt. Die Dramaturgie zeigt immer noch die meisterliche Hand eines der größten Regisseure. Die Riege der Schauspieler überzeugen in ihren Rollen. Erwähnen möchte ich vor allem Helmut Griem der später in Cabaret mit Liza Minelli eine wichtige Nebenrolle spielte. Er spielt den SS Obersturmbandführer Achenbach der geschickt die menschlichen Schwächen des Schwerindustriellen Familienclans von Essenbeck ausnutzt um die kriegswichtige Firma in Hinters Kriegsdienst zu stellen.
        Gipfeln tut das Epos im Von Hitler gebilligten Massenmord durch die SS an die SA Führung bei einem wüsten Orgie im bayerischen Bad Wiessee. Das ist sicher nichts für sanfte Gemüter entspricht aber den historischen Ereignissen.

        • 7

          Hier kämpft jeder gegen jeden und versucht dabei so viele wie möglich für sich einzuspannen. Der Untergang des Hauses von Essenbeck könnte auch eine Seifenoper sein, doch Visconti kommt ohne Seife aus. Hier gibt es keine Guten, jeder hat seinen Abgrund und fällt hinein. Der Film begleitet den Prozess der Selbstzerstörung bis ins kleinste erschütternde Detail, nichts wird ausgelassen, Mord, Inzest, Pädophilie und eine Massenhinrichtung machen den Film zu einer Qual für die Mitmenschlichkeit. Die Zeit des Nationalsozialismus kennt keine Rücksicht, sie kennt nur willige Menschen deren Weg nach Oben mit Leichen gepflastert ist, Menschen die vor dem drohenden Unheil versagen, Menschen die sich einspannen lassen. So geht nicht nur der einzelne unter oder gar eine Familie. Ein ganzes Land wird in Schutt und Asche zerlegt und hinterlässt auf seinem Weg in die Zerstörung einen Kontinent in Trümmern.

          • 8

            Allein wegen Helmut Berger als Marlene Dietrich schon sehenswert. Als dekadenter Industriellensohn Martin von Essenbeck (klar angelehnt an die Familie Krupp) gibt er hier alles, um die großbürgerliche Sippe zu schockieren. Visconti ist hier am allerschwülstigsten, geht bis zur inzestuösen Beziehung zwischen Sohn und Mutter, erzählt von dekadenten und degenerierten Herrschaften und wird von der Kritik dafür geschimpft. Ich halte "Die Verdammten" trotzdem für absolut gelungen. Sowieso wegen der irren Ingrid Thulin als pädophiler Mutter, Dirk Bogarde und des wunderschönen Helmut Griem in einer Nebenrolle.
            "Die Verdammten" ist immer noch weit über dem Durchschnitt dessen, was sich Film nennt, eben richtiges Visconti-Kino in ästhetischer Perfektion.

            • 5 .5

              Sicherlich ist dieser bewusst kontrovers inszenierte Film von Visconti keine leichte Kost und wartet ob der Laufzeit von beinahe 2,5 Stunden mit der ein oder anderen Länge auf. Die Sezierung einer Industriellenfamilie in Zeiten des aufstrebenden Nationalsozialismus erinnert nicht von ungefähr an den Werdegang der Krupp-Dynastie und ist äußerst komplex gehalten. Dennoch wirkt der Film ein wenig überladen und manchmal gar sonderbar künstlich. Die Obsessionen eines Martin von Essenbeck, gespielt von Helmut Berger, wirken mitunter im ernsten Kontext der Geschichte seltsam unpassend. So ist es auch diese Rolle, an der sich am Ende die Geister meiner Ansicht nach scheiden dürften. Helmut Berger schwankt zwischen Genialität und leichtem Hang zum Overacting. Stellenweise ist die Darstellung eindrucksvoll, manchmal jedoch auch ins Unglaubwürdige gesteigert.

              2
              • 5 .5

                Der einzige schlechte Visconti, den ich kenne. Die Kruppfamilie ist eben nicht das Haus Tomasi und der Röhm-Putsch keine Oper. Das Ende wirkt wie die Karrikatur eines Viscontifilms.

                • 8

                  Der Film erzählt die Geschichte eines fiktiven Stahlwerkes während der NS-Zeit. Nicht alles ist erfunden, teilweise erinnert sie an die Familiengeschichte von Alfred K. Wer denkt, dass der Film ein ruhiges Familienepos ist, der täuscht sich gewaltig. Vielmehr ist er eine Mischung aus Kindesmißbrauch, Mord und Inzest.
                  Alleine schon sehenswert wegen Helmut Berger.
                  Sehr schwere Kost, die einem schwer verdaulich im Magen liegt.

                  • 10

                    Muss man sehen! Und vor allem der hervorragenden helmut bergerin. aber auch wegen der SA-Party am See und ihrem grausamen ende.