Dogma - Kritik

Dogma

US · 1999 · Laufzeit 130 Minuten · FSK 16 · Komödie, Fantasyfilm · Kinostart
Du
  • 5

    [...] Die ersten 60 Minuten des Films klappen summa summarum super, es gibt im Positiven Sinne bescheuerte Pointen in christlich-religiöser Motivik, die restlichen 60 Minuten stellen sich aber mehr und mehr als ein Skript-Wirrwarr raus. Smith schafft es in Hälfte zwei nicht seine vielversprechenden Ansätze zu steigern, stattdessen nimmt das narrative Niveau ab und Smith geht immer weiter die Stringenz seiner apokalyptischen Komödie verloren. [...] “Dogma” ist bei weitem kein schlechter Film und für eine kleine Pseudoreligionsstunde durchaus zu gebrauchen, letztlich setzt Smith aber zu sehr auf seinen plakativen Skandal-Effekt und vergisst es seine Hausaufgaben in Sachen Erzählstruktur und Spannungsaufbau zu machen.

    • 1

      Ein weiterer hieb- und stichfester Beweis dafür, dass es Kevin Smith wie kein Zweiter versteht, an gutem Geschmack und vorallem an meinem persönlichen Humorzentrum gezielt vorbei zu navigieren.
      "Dogma" genießt landauf-landab den Ruf einer gelungenen Satire, einer grotesken Abrechnung mit Glauben, Moral und der kirchlichen Definition von beiden. Während der zweistündigen Selbstkasteiung, sowie innerhalb der Zeit, die seitdem vergangen ist, frage ich mich stetig: Wo soll sie sein, die Satire?

      Ist sie versteckt in den nonexistenten Engelsgenitalien?
      Verbirgt sie sich hinter den zwei eklig-peinlichen Nerdvisagen?
      Ist sie in der Metaebene der ganzen schlimmen und total-trendy-gewagten Schimpftiraden verborgen?
      Klemmt sie im Lauf der Desert Eagle des gefallenen Engels fest, und wartet auf den nächsten Headshot?

      Die Liste an filmischen Schmutz liese sich weiter fortführen, einzig es fehlt mir die Muse dazu, es zu tun. "Dogma" ist in vielerlei Hinsicht die konsequente Weiterentwicklung dessen, was mit "Clerks" seinen unheilvollen Anfang nahm: Ein nervtötender Reigen aus Zoten und platten Popkulturverweisen, legitimiert unter dem Deckmantel des dehnbaren Begriffs der Satire. Außerdem: Hey, es geht gegen die Kirche - da braucht es ja nicht viel um für selbstgerechtes Schenkelklopfen zu sorgen.
      Smith will in "Dogma" keine Missstände kritisieren, letztendlich will er seinen Zuschauern überhaupt nichts sagen - sein Thema ist wie die Mehrzahl seiner Pointen Kalkül, keine Profession. Er zelebriert uralte Klischees, er erfreut sich an jedem vermeintlichen Tabubruch, ganz gleich wie nutzlos und irrelevant er auch sein mag. Dabei ist "Dogma" selten schonungslos, dafür umso öfter einfach niveau- und witzlos.

      Fast möchte man Smith und seinem Cast dafür danken, dass sie bei der Kritik keine Zugeständnisse zulassen, sondern den inadäquaten inhaltlichen Unzulänglichkeiten auch noch einen gehörigen Batzen an handwerklichem Unvermögen beimischen: Sämtliche Spezialeffekte (mit denen der Film trotz offensichtlicher Defizite nicht geizt) sind grottig; unter den Darstellern weiß einzig Rickman mit seiner sichtlich gelangweilten Darstellung der göttlichen Gegensprechanlage Metatron halbwegs zu überzeugen. Der Rest schlafwandelt durch das smith´sche Paralleluniversum und manövriert sich von einem Drehbuchloch ins nächste.

      Das Schlimme an "Dogma" ist in letzter Konsequenz, dass er die meisten Cineasten mehr aufregen dürfte, als etwaige Glaubensfanatiker. Smith´Film spaltet sein Auditorium - anders als die Pythons - nicht wegen verletzer Glaubensüberzeugungen oder Moralvorstellungen, sondern mit der Frage, ob man bereit ist, sich pubertäre Plattpointen als intellektuelle Scheinentthronung verkaufen zu lassen.
      "Dogma" wird sein Publikum unter frustrierten Agnostikern und Kirchengegnern, die unreflektiert alles goutieren, was aus der vermeitlich aufgeklärten Ecke kommt, finden, daran besteht kein Zweifel. Aber fernab dieser Zielgruppenstreichelei liefert Smith einen weiteren Nagel zu seinem Sarg ab.

      16
      • 8

        Super gemachter lustiger,actionreicher film

        2
        • 7 .5

          [...] Wenn Smith die gängigen Vorstellungen des Christentums nicht gerade demonstrativ ins genaue Gegenteil verkehrt, bietet er in „Dogma“ eine scharfsinnige Auseinandersetzung mit dem Thema Religion, stets begleitet von viel Ironie und brillant geschliffenen Dialogen, wo wie immer kein Blatt vor den Mund genommen wird. Inhaltlich ist der Film so kontrovers, dass sich eine Analyse gar nicht erst lohnt. Es sei lediglich gesagt, dass „Dogma“ – darin liegt die Eleganz – sowohl die Grundhaltung treuer Kirchgänger als auch die Grundhaltung erklärter Atheisten weder bedienen noch angreifen will. Das letzte Wort hat jedenfalls immer Regisseur und Autor Kevin Smith selbst, da er im Vor- und Abspann ausdrücklich erwähnt, dass es sich um reine komödiantische, nicht ernstzunehmende Fiktion handelt und weil er schlicht und ergreifend selbst ein gläubiger Christ ist. [...]

          1
          • 8

            Auch der vierte Film von Kevin Smith ist eine perfekte Komödie mit einem kräftigen Schuss Selbstironie, der selbst die etwas ernsthafteren Szenen zur besten Unterhaltung werden lassen.

            • 7

              Muss man eigentlich jede Filmkritik zu diesem Film damit beginnen, dass er sich über die Form lustig macht, wie der Glaube heutzutage ausgeübt wird? Eigentlich nicht. Doch er macht sich über Form lustig, wie der Glaube heutzutage ausgeübt wird - und trifft dabei immer wieder ins Schwarze. Loki war für Soddom und Gommorah, die Plagen und die Sintflut verantwortlich (“Mit Streichhölzern ein Feuer machen kann jeder. Aber Schwefel regnen zu lassen, das ist ein ganz anderes Kaliber!”), Rufus wurde aus der Bibel ausgelassen, weil er schwarz ist, Gott geht gerne Minigolfen und ist eine Frau - und außerdem Alanis Morissette. Dazu ist Bethanin die Groß-groß-groß-[...]-groß-Nichte von Jesus - da gehören schon einige kranke Gedanken zu, und davon sind in dem Film einige vorhanden.

              Das alles muss man aber akzeptieren, und solange man kein all zu streng gläubiger und spaßbefreiter Katholik ist, macht der Film dann auch richtig Spaß. Er macht sich im Übrigen ja auch gar nicht über den Glauben oder Gott lustig, sondern über den Glauben heute - es sollte nicht etwas sein, wovor man Angst haben sollte, sondern etwas, dass einem Freude macht - und das versucht einem Kevin Smith mit diesem Film (und mit Unterstützung von “Kumpel Christus”) klar zu machen. Also nichts, worüber man sich aufregen müsste.

              Leider übertreibt es “Dogma” dann ab und zu mit der christlichen Belehrung. Ok, Belehrung ist das falsche Wort, wirklich was lernen kann man hier nicht. Doch wenn über die gesamte Laufzeit im Grunde nur über Gott geredet wird (Jesus war übrigens auch schwarz), dann kann einem das schon ein wenig auf die Nerven gehen. Aber nur ein wenig. Die Schauspieler agieren von ganz ok (Ben Afflek, Alanis Morissette, Salma Hayek) bis gut (Matt Damon) und sehr gut (Alan Rickman) und hinterlassen so ein solides Gesamtbild und der Witz ist größtenteils auch auf einem guten Niveau - wenn man von dem “Scheiß-Dämon aus Golgatha” mal absieht, aber seine Entstehungsgeschichte ist wiederum recht lustig. Auch lustig: Beschwert sich Metraton am Anfang noch, dass sich niemand auskennt, wenn es nicht um Filme geht, scheint er am Schluss nur noch in Filmzitaten zu sprechen. Hier ist fröhliches Mitraten angesagt, mein Lieblingsspruch: “Es ist ganz einfach: Auftragen - und polieren!” (und, welcher Film?). Aber seht selbst.

              “Dogma” funktioniert als Komödie mit letztendlich dann doch vorhandener, wenn auch durchgeknallter Handlung, sehr gut und macht Spaß. Doch in die Kirche geh ich erst wieder, wenn Kumpel Christus dort auf mich wartet.

              http://xander81.wordpress.com/2008/11/25/kritik-dogma/

              • 8

                nimmt kein Dogma vor den Mund ;)