Drachenläufer - Kritik

The Kite Runner

US · 2007 · Laufzeit 128 Minuten · FSK 12 · Drama · Kinostart
Du
  • 8

    Marc Forster inszeniert ein eindringliches Drama über Freundschaft, Schuld und Sühne, das zudem das erschreckende Resultat zeigt, was die sowjetische Invasion und das daraus folgende Schreckensregime der Taliban aus Afghanistan gemacht haben. Realistisch, bewegend und sensibel umgesetzt. Ein oft leiser, an manchen Stellen aber auch schwer bedrückender Film. Kurz und knapp: Sehr zu empfehlen.

    9
    • 8 .5

      Forster zeigt nicht nur Diskriminierung, sondern auch, wie es selbst den Wohlmeinendsten nicht gelingt, unsichtbare gesellschaftliche Schwellen zu überwinden - was selbst für die Exilanten in den USA noch gilt. Er legt offen, wie einer, der Schuld auf sich geladen hat, sein Unwohlsein auf das Opfer projiziert. Und er setzt einen humanistischen Bildungsbürger aus Afghanistan in Szene, der in einer Situation auf Leben und Tod seltene Zivilcourage an den Tag legt.

      • 5

        Poetisch, sensibel und plastisch ist der erste Teil des Films, die lange Rückblende in die Kindheit umgesetzt, in satten Farben. Gerade im Vergleich dazu wirkt Amirs Leben als Erwachsener in San Francisco ein wenig blass [...] Es fehlt im Film die Zeit, alle Beziehungen, Ereignisse, Verflechtungen in epischer Breite zu erzählen.

        1
        • 5 .5

          Forster schafft die perfekte Umsetzung des massenkompatiblen Erfolgromans/Drehbuchs. Emotionen werden geweckt, die Gier nach kultureller Exotik wird bedient und nun weiß auch Klein-Lieschen das die Afghanen eigentlich ganz nette Leute sind und es in Kabul auch mal schöne Ecken gab. Eben genannte Ecken gibt es im Film indes nicht. Der ist faltenfrei glatt gebügelt und formschön konsumierbar.

          1
          • 4

            "Drachenläufer" ist ein Hollywoodprodukt, trotz seiner afghanischen und iranischen Darsteller/innen. Dass eine Verfilmung der Komplexität der Buchvorlage niemals gerecht werden kann, ist nicht das Problem. Vielmehr erkennt man schon an ihrem typischen dramaturgischen Dreisatz Schuld-Scham-Erlösung beziehungsweise Vergebung, für welchen Markt sie geschrieben wurde. Hier braucht sich Forster nur zu bedienen und tut dies leider mit zum Teil recht eindimensionalen Charakteren und einer Riesenportion Sentimentalität.

            • 6

              Es spricht für den deutschen Regisseur, hier nicht permanent auf die Tränendrüsen zu drücken. Umso deutlicher treten dafür die Schwachstellen des Originals auf, die ein wenig vorhersehbare Dramaturgie mit ihren "überraschenden" Wendungen und Wiederbegegnungen, die man als Rezipient längst erahnt.

              7
              • 7

                Das unaufdringliche Setdesign, die Landschaftsaufnahmen und dezent animierten Bilder vom Drachenflugwettbewerb sind ein Genuss. Wer allerdings tiefere Einsichten in die afghanische Kultur, Hintergrundwissen zur politischen Entwicklung zwischen den siebziger Jahren und dem Jahrtausendwechsel vom Film erwartet, wird bitter enttäuscht.

                2
                • 7

                  Ohne sich wirklich von der Buchvorlage emanzipieren zu können, inszeniert Marc Forster („Wenn Träume fliegen lernen“) diese anschmiegsame Geschichte um eine Freundschaft mit Konsequenzen als bewegendes und vor allem zum Schluss auch packendes Drama. Dabei gelingt es dem in der Schweiz aufgewachsenen Regisseur, die von Hosseini in seinem Roman skizzierten Figuren erstaunlich lebendig werden zu lassen, was nicht zuletzt den weithin unbekannten, dennoch ganz großartigen (Nachwuchs)darstellern zu verdanken ist. Dies verbindet Forster mit dem unverhohlenen Appell, diesem geschundenen Land mit seinen eingeschüchterten Bewohnern möglichst schnell auf die Beine zu helfen, damit es endlich wieder an eine Zeit anknüpfen kann, in der es nicht der Schlagzeilenlieferant unser täglichen Abendnachrichten war.