Drei Uhr nachts - Kritik

Bob le flambeur

FR · 1956 · Laufzeit 98 Minuten · Drama, Kriminalfilm
Du
  • 6 .5

    Bei seinem ersten, echten Ausflug in die Unterwelt befindet sich Jean-Pierre Melville noch sichtbare in der Selbst- und Stilrichtungsphase, wie das französische (Gangsterfilm)Kino sich im Dusk Till Dawn zwischen Film Noire und Nouvelle Vague. Dabei schon gekennzeichnet von jazzig-verqualtem Milieu-Flair und markanten Charakteren wie dem Nachtschwärmer, von Freund und Feind gleichermaßen respektierten Gentleman-Gauner und Gambler Bob, der für ein immer schmutziger werdendes Geschäft viel zu sauber geblieben ist, aber nie so sauber sein wird als das er wirklich den Absprung schaffen könnte. Erst recht nicht, wenn ihn Verantwortungsbewusstsein und väterlicher Beschützerinstinkt einerseits in das Business zurückziehen, andererseits ihm dort drohen zum Verhängnis zu werden. Auch hier dominiert der Umbruch, droht alte Werte durch neue Forschheit zu ersetzen und zu verdrängen, allerdings im deutlich pessimistischeren Kontext. Fast schon ein Abgesang auf die „gute, alte Ganovenehre“; das Aussterben einer vergleichsweise ehrlichen Haut, die einem droht über die Ohren gezogen zu werden. Stark und typisch Melville besonders in der akuten Planungsphase des großen Coups: Präzise, zielstrebig und trotzdem geduldig; schroff und doch elegant, nur noch nicht so grandios wie in der Folgezeit. Leicht schwächelnd im Abgang, der zwar eine moralisch nette wie trotzdem leicht ironisch-zynische Pointe beinhaltet, aber noch ein gutes Stück von einem Melville-Finish im großen Stil entfernt ist. In seiner gesamten Ausrichtung, seiner anregenden, bestechend-strebsamen Stilistik bereits hier ein echter Blick- und Stimmungsfang im leichten Rohbau eines meisterlichen Architekten.

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