Ein Hauch von Zen - Kritik

Xia nü / AT: A Touch of Zen

TW/HK · 1971 · Laufzeit 180 Minuten · FSK 12 · Eastern, Actionfilm, Abenteuerfilm
Du
  • 8 .5

    Auch wenn „Ein Hauch von Zen“ als der erste Wuxia-Film gilt, ist man gut beraten, keinen Actionknaller im herkömmlichen Sinne zu erwarten. Der Filmtitel gibt einen guten Hinweis darauf, wie der Film vom Regisseur gemeint war. Es geht nicht nur um Intrigen, um Spuk, um Agenten und Action, es geht auch um die Frage, wer oder was schliesslich in der Lage ist, den dargestellten Konflikt WIRKLICH zu klären. Taktik, Gewalt und Geschicklichkeit alleine können es nicht, soviel sei hier schon verraten. So gesehen hat „Ein Hauch von Zen“ dann fast schon eine philosophische Note und das erklärt dann wohl auch, warum die Action- und Kampfszenen nur Mittel zum Zweck sind, diese philosophischen Fragen deutlich zu machen.

    Die Einführung in den Film ist fast meditativ, aber auch humorvoll und erst nach einer Stunde nimmt der Klassiker mit der ersten (hervorragend choreographierten) Kampfszene ordentlich Fahrt auf. Noch etwas später erst wird das bis dahin nur vermutete politische Intrigenspiel in einigen Rückblicken erhellt. Dies tut dem Film aber meiner Meinung nach keinen Abbruch – im Gegenteil. Die Atmosphäre der ersten Hälfte des Films ist ganz auf diese Spannung ausgelegt, worum es eigentlich genau geht. Man weiss es nicht und ahnt es nur – wenig Dialoge, herumschleichen in dunklen Gemäuern, und lange, ruhige Kameraeinstellungen verstärken diese Spannung genauso wie die Atmosphäre der meditativen Landschaftsaufnahmen.

    In der zweiten Hälfte des Films überwiegen dann die Kampfszenen und akrobatischen Einlagen, die ganz ohne technische Spielereien auskamen und so gesehen besonders faszinierend sind. Optisch besticht vor allen Dingen die Ausstattung und die Schauplätze, die Kämpfe im Bambuswald und in der Felsenlandschaft haben eine Ausdrucksstärke, die den Film zu einem optischen Genuss machen... Die Kulissen und Landschaftsaufnahmen sind für einen Film, der fast 40 Jahre auf dem Buckel hat genauso wie die Kostüme grandios – nicht umsonst gilt „Ein Hauch von Zen“ als stilbildend und –prägend für spätere Filme des Genres. Aus dieser filmhistorischen Betrachtungsweise zog der Film für mich nochmals eine zusätzliche Faszination: Wenn man moderne Genre-Highlights wie „Tiger & Dragon“, „A Chinese Ghost Story“ oder „House of the Flying Daggers“ im Hinterkopf hat, erschließt sich sehr schnell, dass „Ein Hauch von Zen“ das große Vorbild war und ist, an dem sich die genannten Filme orientieren.

    Der Genremix aus Agenten-, Liebes- und Geistergeschichte mit einem philosophischen Unterton finde ich auch heute noch reizvoll – damals muss es eine absolute Revolution gewesen sein. Darum ist er zu Recht ein Klassiker des asiatischen Kinos und für einen Fan desselben, der Kino nicht nur für Unterhaltung, sondern für Kultur hält, eine absolute Pflichtlektüre.

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