Flags of Our Fathers - Kritik

Flags of Our Fathers

US · 2006 · Laufzeit 131 Minuten · FSK 12 · Drama · Kinostart
Du
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    Clint Eastwood versucht mit FLAGS OF OUR FATHERS (Fahnen unserer Väter) einem der größten amerikanischen Mythen auf den Grund zu gehen: Die Bildikone "Raising the Flag on Iwo Jima " von Joe Rosenthal und auf welche Weise sie die Erinnerungskultur der USA geprägt hat. Zueinander im Kontrast stehen der Schrecken des Pazifikkriegs und die Instrumentalisierung der Überlebenden zu "Kriegshelden". Iwo Jima wird als Ort des Sieges und Triumphs gesehen, obgleich sich dort Leichenberge und zerstörte Landschaft befinden. Unter diesen Bedingungen müssen die "Helden" leben - hin und hergerissen zwischen Schuld und Sühne, Trauma und Bewältigung. Ob somit Amerikas Egozentrismus ein Stück weit abgeschwächt ist, bleibt fraglich; Eastwood rühmt trotz aller tiefsinnigen Kritik den Patriotismus, die Daseinsberechtigung einer heroischen Ikone.

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      Scheint nach meiner oberflächlichen Internetrecherche dicht an der Wahrheit zu sein. Phasenweise etwa langatmig, auch der indianische Soldat Ira Hayes wird für meinen Geschmack etwas heulsusig dargestellt, das hat das reale Vorbild sicher nicht verdient. Trotzdem insgesamt für eine filmisch Darstellung recht glaubwürdig. Ich kann die Vermarktung der Helden angesichts der Situation, gegen Hitlerdeutschland im Krieg zu sein, nicht verurteilen. Trotzdem bleibt natürlich, dass die Wahrheit gegen die Propaganda keine Chance hat. Schmerzlich zu sehen, dass die Helden des Krieges nach dem Krieg wieder vergessen werden. Das haben sie nicht verdient, zumindest die nicht, die Nazis und Faschisten in Europa und Asien besiegt haben.

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        Clint Eastwood legt Teil eins eines sehr interessantes Projektes vor: er schildert die blutige Schlacht um Iwo Jima in zwei Filmen, dieser hier bringt die amerikanische Sicht. Klar, Kriegsfilme hats seit „Der Soldat James Ryan“ in einer ziemlichen Überfülle gegeben, da hat man sich fast schon dran leid geguckt, doch was Altmeister Eastwood hier vorlegt ist schon was besonderes. Wenngleich auch besonders verzwickt: der Film springt am laufenden Band zwischen Gegenwart und etlichen Dingen in der Vergangenheit wild hin und her, puzzelt so nach und nach ein Gesamtbild zusammen aber man muß schon ordentlich aufpassen um nicht den Faden zu verlieren. Im Rahmen des ganzen gibt es dann eine Reihe Kriegsszenen die wieder einmal versuchen sich an die legendäre Eröffnungspassage aus „James Ryan“ zu hängen – und es schaffen. Eine endlose Serie Grausamkeiten prasselt da auf den Zuschauer ein, handwerklich perfekt inszeniert und von immenser Schockwirkung. Aber der Film spielt noch auf einer anderen Ebene, er zeigt die drei Soldaten die gegen ihren Willen zu Helden gemacht werden und die Rücksichtslose amerikanische Kriegsmaschinerie die versucht Geld zu machen. Alles in allem also ein prall gefühlter und sehr langer Streifen, tiefsinnig, bewegend und furchtbar – und die bislang beste Darstellung von Ryan Phillipe den ich echt noch nie so gut wie hier gesehen habe.

        Fazit: Schmerzliches Drama das ein wenig zu oft zwischen den Zeiten rumspringt, aber mit ruhiger Hand eine packende Geschichte erzählt!

        • die fsk muss beim schauen am anfang eingeschlafen sein. wie kann man den denn ab 12 freigeben ? allein die szene mit dem abgeflogenen kopf :D

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            Flags of Our Fathers ist ein Kriegsfilm, welcher die Sicht der Schlacht um die Insel Iwo Jima aus der Sicht der Amerikaner zeigt. Was mich überrascht hat, war der Fakt, dass er letzendlich größtenteils nach besagter Schlacht spielt und einige der Überlebenden zeigt, wie sie danach weiterlebten und was sie machen mussten. Aber auch so ist er interessant genug, dass er fesseln kann.

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              Sehr Ambitioniertes Werk von Clint Eastwood, mit großartiger Bildersprache und vielen verschiedenen Charakteren.
              Für mein empfinden ist es hier zuviel des Guten, auch die Zeitsprünge sind zu sprunghaft und man verliert etwas die Gedult und der Plot ist somit nicht stimmig genug um einen ganz zu packen.
              Sicherlich kein schlechtes Kriegsepos mit vielen Fakten und guten Kampfszenen,aber der große Knaller ist er dann auch wieder nicht.
              Pathos ist hier auch ein ständiger begleiter, nur ist das für diese Art von Filme nicht zu vermeiden!

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                Sie kommen mit ihrer Flotte über den Pazifik angefahren, bewaffnet und zum Kampf bereit. Sie sind Soldaten und ziehen für die Vereinigten Staaten von Amerika in den Krieg. Ihr Ziel: eine japanische Vulkaninsel namens Iwo Jima, von welcher aus sich strategisch der beste Angriff vorbereiten lässt. Es ist das Jahr 1944 und der zweite Weltkrieg allgegenwärtig, auch, wenn die amerikanische Bevölkerung ihm schon überdrüssig erscheint und ein schnelles, rasches Ende für sie wohl das Angenehmste wäre.
                Die jungen Krieger wissen in etwa, wie der Krieg so abläuft, ohne ihn selbst wirklich erlebt zu haben. Sie docken an Land an, als Flieger über ihren Köpfen sausen. Es ist fast zu ruhig, aber jeder weiß, es ist nur die Ruhe vor dem Sturm. Als sie alle ihre ersten Schritte auf den schwarzen Sand gesetzt haben, wird das Feuer eröffnet. Es knallt, es kracht, es explodiert, die Granaten prasseln überall ein, die Kugeln sausen durch die Luft und schneiden diese wie Sägeblätter, und zumindest gedämpft aus der Ferne sind die Bombeneinschläge wie Feuerwerke zu hören - wenn sie nicht neben dir dein Trommelfeld zum Platzen bringen und deinen Kameraden in Arme, Beine, Kopf und Gedärme zerlegen, welche deinen Rücken eindecken, als du es gerade noch geschafft hast, dich auf den Boden zu werfen. Willkommen im Krieg.

                "Flags of our Fathers" ist ein Teil von Clint Eastwoods Verfilmung der Schlacht auf Iwo Jima, die er in 2006 anfertigte, und die aus 2 Filmen, 'Letters from Iwo Jima' und eben diesem Werk besteht. Beide Filme drehen sich um dieselben Ereignisse, schildern diese jedoch jeweils aus der Sichtweise eines der beiden bekriegenden Parteien. 'Flags' beleuchtet die amerikanische Seite. Dies bedeutet allerdings nicht, dass er diese beschönigt. Davon ist er soweit entfernt wie diese zu verurteilen. Hat der Krieg erst einmal begonnen, gibt es für das Individuum kein Gut und Böse mehr. Man tötet. Und man wird getötet.
                Ja, viele preisen, ihre Kameraden nicht im Stich lassen zu wollen, und doch sind sich hier viele selbst am Nächsten und würden sofort das Schlachtfeld verlassen, bekämen sie Gelegenheit dazu. Andere sind so zusammengeschweißt, dass sie von einander bereits quasi abhängig sind - auf emotionaler Ebene, im Einsatz SIND sie abhängig - und sich an diese Person klammern und beschützen wollen. Nicht aus Ehre, nicht aus Heldentum, darauf wird ganz offenkundig geschissen. Sondern, weil sie in dieser Extremsituation sonst niemanden haben. Und ja, es sind Freunde, so eng beieinander wie Brüder. Aber sie sind keine Helden.

                Als Helden vermarktet wird eine Gruppe junger Soldaten, die in Iwo Jima eine US-amerikanische Flagge aufstellten. Warum das? Ein Kriegsfotograf nahm einen Schnappschuss davon auf. Der Mast war noch nicht gerade aufgestellt, die Männer nur von hinten zu erkennen und auch das Flattern war nicht besonders ästhetisch eingefangen worden. Doch war es dieses Bild, welches in nahezu jeder Zeitung der USA abgedruckt wurde, und welches zum Symbol für Hoffnung und Sieg erhoben wurde. Der Impakt dieses Bildes sollte dafür sorgen, dass das Budget für den Krieg wieder aufgestockt wird und vermehrt Kriegsanleihen gekauft werden.
                Geschossen wurde das Foto eigentlich nicht von der ersten gehissten Fahne, da diese ein Politiker hat mitgehen lassen. Jene, die auf dem Bild zu Ruhm gelangte, war eigentlich lediglich die Ersatzflagge. Dies sorgte auch für einige Verwirrungen bei der namentlichen Nennung, welche Männer nun eigentlich auf dem Bild zu sehen sind.

                Lediglich drei von diesen als Legende vermarkteten Fahnenaufstellern sind noch am Leben und werden aus dem Kriegsgebiet herausgeholt. Rene, Doc und Ira. Ersterer wohnte der Tat eigentlich nicht bei, und letzterer möchte eigentlich gar nicht als Held gesehen werden, da er in seinen Augen nichts Heldenhaftes geleistet hat. Die drei sollen auf Tournee gehen und sich als Quasi-Prominente dafür einsetzen, dass die Bürger wieder beginnen, den Krieg zu finanzieren. Ira trifft es am Härtesten, denn als lebende Legende wird er zwar vom Volk gefeiert, als Bürger darf er sich aufgrund seiner indianischen Herkunft jedoch nicht einmal in einer Bar betrinken, um zu vergessen, was er in den Schlacht gesehen hat und wie er seinen besten Freund verlor.
                In einer Szenerie, die Paul Bäumers Urlaub im 1930er Jahre Meisterwerk 'Im Westen nichts Neues' ähnelt, treffen die "Helden" von Iwo Jima auf Politiker, die "mal davon gehört haben", dass der Krieg wohl schlimm wäre. Diese Leute wissen nicht, wie es dem Individuen dort unten geht, und es interessiert sie nicht. Sie steuern die Schachfiguren nicht einmal. Sie befehligen nur die Spieler, zu spielen.
                "Stimmt es, dass sie einen Japaner mit einem Tomahawk niedergestreckt haben?" wird Ira von einem grinsenden High Society-Schickimicki gefragt. "Nein", entgegnet dieser mit einem geheuchelten Kichern. "Das sollten Sie aber sagen, das verkauft mehr Auflagen", wird ihm erklärt.

                Hier werden Mythen geschaffen, die die Masse bewegen, von Personen, die mit den Ereignissen auf Iwo Jima nicht vertraut sind, und das auf so perverse Weise, dass jenen, die miterlebt haben, was dort geschieht, nur schlecht werden kann.
                Zwei Mütter werden immer wieder gezeigt: eine, deren Sohn auf dem Foto zu sehen ist, jedoch nicht genannt wird, und eine, deren Sohn nicht abgebildet, jedoch in allen Zeitungen als Fahnenhisser erwähnt wird. Beide klammern sich an dieses Bild, obwohl sich beide nicht ganz sicher erscheinen, ob sie ihr Kind erkennen. Auf beide wird von oben an zwei unterschiedlichen Stellen des Filmes geschissen.
                Die Farben des Filmes sind blass und gefiltert, grau dominiert die Szenerie des Schlachtfeldes, und der sich darauf befindlichen Personen. Das Geschehen pendelt nichtchronologisch zwischen dem grausamen Geschehen am Schlachtfeld und dem in der sicheren Stadt hin und her.

                Wenngleich "Flags" und 'Letters' auch als zwei eigenständige Filme funktionieren, so rate ich doch dazu, sich alle beide anzusehen, sofern es möglich ist sogar noch am selben Tag. Nicht nur verlaufen die Kriegsszenen oftmals parallel, so werden dieselben Angriffe (z. T. sogar durch dieselben Einstellungen)
                Diese Filme sind als Gesamtwerk konzipiert und sollten von daher auch als solches behandelt werden.
                So meint ein amerikanischer Offizier in diesem Werk, man solle die Sanitäter beschützen, da die Japaner wissen, dass ohne sie mindestens zehn weitere Soldaten sterben werden. Im japanischen Pendant erklärt der Befehlshaber, dass man Sanitäter vor Allem deswegen erschießen sollte, da die Amerikaner sehr viele Krieger opfern würden, um einen von ihnen zu beschützen.
                Auch ein Angriff, bei dem die Japaner in Tunneln agieren, wird in seinem vollen Umfang erst deutlich, wenn man beide Filme gesehen hat.
                So kommen die Soldaten aus 'Flags' mehr oder minder beiläufig an einer Stelle vorbei, an der eine Gruppe japanischer Kämpfer mit Handgranaten Harakiri begangen hat. Erst der japanische Film erläutert Schicksal und Beweggründe dieser Einheit. Im Gegenzug wird in 'Letters' plötzlich Feuer im Tunnel entfacht, während man in 'Flags' in einer längeren Sequenz des Einsatz eines Flammenwerfers mitbekommt. Es ergibt sich ein komplexer Querschnitt der gesamten Schlacht, wodurch klar wird, dass es hier keine gute und keine böse Seite gibt, sondern einzelne Individuen, die von oben in eine abgrundtief böse Situation getrieben werden und unterschiedliche Charaktereigenschaften und Einstellungen aufweisen. In beiden Filmen gibt es keine Helden. Nur Leute, die in manchen Situationen etwas Herausragendes erbringen.
                Aber nicht aus Patriotismus und schon gar nicht aus Heldentum, sondern, weil sie es in diesem Szenario für das beste halten. Und weil sie, selbst im Krieg, immer noch ihre Emotionen und ihre Seele beibehalten haben.

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                  Clint Eastwood hat mit "Flags of our Fathers" eine Kriegsfilm geschaffen, der die Glorifizierung sog. "Kriegshelden" hinterfragt und uns wie auch z.B. "Der Soldat James Ryan","Full Metal Jacket" oder "Im Westen Nichts Neues" zeigt, dass ein Krieg keine Helden, sondern nur Verlierer kennt. Zusammen mit dem (in meinen Augen noch besseren) "Letters from Iwo Jima" bildet dieser Film eine gelungene Darstellung der Schrecken des Pazifikkrieges und der Schicksale der Soldaten.
                  Toller Film den ich mir wohl noch einige Male ansehen werde.

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                    Fand ich unglaublich gut. Aber doch auch echt hart! Ein Film der einem- oder zumindest mir echt an die Nieren gegangen ist.
                    Clint Eastwood zeigt die harte, ungeschminkte Wahrheit des Krieges und die Geschichte der besagten Flagge. Einfach nur grauenvoll wie ignorant die Amis seien können.
                    Eigentlich wollte ich mir den Film nur ansehen, weil da echt ein Haufen süßer Typen mitspielt, da der Film aber so tragisch, hart und deprimierend war, war ich zwar traurig, dass es nur einer von ihnen geschafft hat, aber ich hab mich auf die Story konzentriert.
                    Trotzdem das Cast war echt gut, Ryan Phillippe, der endlich zeigen konnte, dass er was draufhat! Schade nur, dass der Film bei vielen Kritikern durchgefallen ist, genauso wie bei den Oscars, ich halte den Film nämlich für sehr gelungen!!

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                      Clint Eastwood und (Anti-)Kriegsfilme - das passt. Er versteht es eine drückende Atmosphäre zu kreieren, während der Kriegsszenen, zeigt aber auch, was während dessen in Amerika los war und um was es der Regierung nur noch ging (wenig überraschend - Kriegsanleihen verkaufen). Schauspielerisch machen alle einen guten Job, allen voran Ryan Phillipe als Hauptdarsteller. Das einzige was ich kritisieren muss ist, dass der Film doch einige Längen hat, besonders in den Sequenzen, in denen die "Helden" durch Amerika reisen, um die Propagandamaschine anzuwerfen. Zusammenfassend ein sehr guter Kriegsfilm, hat mir besser gefallen als die Darstellung des japanischen Pendants, Letters from Iwo Jima.

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                        RoboMaus 25.03.2015, 17:03 Geändert 25.03.2015, 17:05

                        Zu Beginn ist 'Flag of our Fathers' interessant und einnehmend gemacht, d.h., die Phase, in der es um die Einnahme von Iwo Jima und die Auseinandersetzung mit den Japanern geht. Der Rest, und da reden wir von drei Vierteln eines über 2 Stunden-Filmes, ist Aufarbeitung eines (wenigstens für mich) unbedeutenden Details amerikanischer Geschichte. Die Story um die zu Helden gemachten Soldaten und deren Zurschaustellung für den Verkauf von Kriegsanleihen ist einfach zu banal, um Interesse zu wecken. Oder hat jemand ernsthaft erwartet, dass es anders läuft? Sollte der Film wirklich dazu dienen, herauszukehren, wer nun die echten Helden mit (oder ohne) Fahne sind? Ist das von Interesse für ein Publikum ausserhalb von Amerika? Mit zunehmender Spieldauer wird das Thema noch vertieft, und damit nimmt leider auch die Langatmigkeit zu. Nicht gerade ein Highlight von Clint Eastwood.

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                          Krieg ist kein Computerspiel. Krieg ist real.

                          Steven Spielberg wusste dies, als er 1998 mit der Eröffnungsszene am D-Day in „Der Soldat James Ryan“ zeigte, wie schrecklich Krieg wirklich ist. Ihm gelang es damals, Brutalität, Atmosphäre und Realismus zugleich in einer Szenerie unterzubringen, und dem Zuschauer so zu verdeutlichen, wie grauenhaft der Zweite Weltkrieg war.

                          In Flags of our Fathers hingegen wirkt nichts real. Alles wirkt wie eine einzige Computersimulation der Geschehnisse bei Iwo Jima. Weder die Schüsse der MGs, noch die Kanonen der Marinekriegsschiffe, noch der Staub, und auch nicht, und das ist das wohl aller Schlimmste, die Szenenbilder. Man wird beim Schauen einfach das Gefühl nicht los, dass der gesamte Film in einem Studio gedreht wurde. Hinzu kommt noch der Eastwood’sche Look, der in Filmen wie Invictus oder Gran Torino zwar unersetzlich ist, doch in diesem (Anti?)-Kriegsfilm nur dazu beiträgt, dem Zuschauer einen kalten, lahmen und unpackenden Streifen zu liefern. Denn Flags of our Fathers ist in eine so triste und sterbenslangweilige Optik getaucht, dass man sich wirklich fragt, ob Eastwood seinen Film ganz genau so haben wollte. Die Kameraführung (im Found-Footage Look, wohlgemerkt) lässt die Kriegsszenen auch noch so unglaublich trashig wirken, dass man sich manchmal wirklich fragen muss, ob hier vielleicht Dolph Lundgren hinter der Kamera stand.

                          Und eben dies ist auch der Grund, weshalb Flags of our Fathers auf mich nicht wie ein Kriegsfilm/Antikriegsfilm wirkt, sondern eher wie der x-te Teil von dem neuen DICE-Shooter.

                          Doch mal abseits von den Kriegsgeschehnissen: hier sieht die Sache gleich ganz anders aus! Denn hier zeigt Clint, was für ein unglaublicher Regisseur er ist, als er auf eindringliche und krasse Weise darstellt, wie die amerikanischen Soldaten von ihrem Land zum Helden gemacht werden, ob sie wollen oder nicht. Hier ist sogar all dies, was die Kriegsszenen so lahm machte, bestens aufgehoben! Soldaten sind auch nur Menschen.

                          Ein Film, dem ich sehr Zwiegestalten gegenüber bin. Einerseits eine top Message, andererseits schwache und unberührende Bilder. Dennoch ist Flags of our Fathers einer der besseren Genrevertreter, der sogar überraschend unpatriotisch geraten ist. Ich bin mir fast schon sicher, dass "Letters from Iwo Jima" viel mehr kann.

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                          Übrigens, falls ihr Langeweile oder Angst vor trolligen Kommentaren habt, besucht uns (Hueftgold, Val Vega und mich) doch mal!

                          http://inglouriousfilmgeeks.com/

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                            _Reise durch das Werk des Clint Eastwood

                            STATION XVII: FLAGS OF OUR FATHERS

                            „It’s hard enough to be called a hero for saving someone’s life. But for poling a flag!?“

                            Nachdem Clint Eastwood mit HEARTBREAK RIDGE in den 80ern einen „Kriegsfilm“ abgeliefert hat, der meiner Ansicht nach nicht nur eine flache Frechheit, sondern auch und vor allem gefährlich verharmlosend war, versucht er es hier erneut. Und ich muss sagen, der Anfang war mehr als gelungen. Dennoch ist der Film letztendlich schluderig und eine Enttäuschung, weil nicht nur viel mehr drin gewesen wäre, sondern auch viel mehr erreicht werden wollte… Nur gelungen ist es eben nicht.

                            „So much for no man left behind.“
                            Dennoch zum Anfang (in etwa die erste Stunde): Die Szenen im Krieg sind mehr als atmosphärisch inszeniert. Die Tonkulisse ist teilweise richtiggehend bedrückend. Überall wird rumgeballert und verreckt. Zudem umkreist Eastwood anfangs einen Soldaten. Ist er ein Opfer? Ein Held? Wir wissen es nicht, es gelingt uns nicht Genaueres zu greifen.
                            In einer Szene im Krieg sieht man zwei amerikanische Soldaten und einen Japaner. Ein Amerikaner ist verletzt, der andere will ihm helfen, als sie von besagtem Japaner angegriffen werden. Der gesunde Amerikaner verletzt den Japaner, sodass dieser direkt neben dem verletzten Amerikaner liegt und röchelt. Beide liegen auf der Schwelle zum Tod. Und doch ist nicht nur ihre grundeigene Einstellung grundverschieden, es zeigt sich hier für mich auch die Absurdität des Krieges. Denn diese beiden Menschen unterscheiden sich nicht. Wer entscheidet, dass der eine stirbt, während dem anderen geholfen wird? Ist das gerecht? Existiert so etwas in dieser Situation? Nehmen Menschen, die am Krieg teilnehmen nicht fast schon eine gottgleiche Position ein, wenn sie über andere Menschen richten (bzw. sie richten), als wäre es das normalste auf der Welt?

                            Des Weiteren rechnet FLAGS OF OUR FATHERS in seiner ersten Stunde gehörig mit dem politischen Apparat ab, der hinter dem Kriegsgeschehen steht. Wird doch die berühmte Fotografie der Amerikaner, die die rot-weiß gestreifte Flagge mit den Sternchen hissen, benutzt, um allerhand Werbung für den Krieg zu machen. Jeder, der teilnimmt ist ein Held. Für das Land zu sterben ist der ehrenvollste Tod überhaupt. Eastwood kritisiert die Instrumentalisierung, Wahrheitsverdrehung und die Kriegspropaganda der Politiker auf’s Schärfste, in dem die Politiker Krieg, Tod und Elend für Geld, Profit und eigene Macht verwenden. Dass diese Politiker dann auch noch Desinteresse am Soldaten, also dem Leidtragenden des Krieges, zeigen, offenbart die tiefgreifende Kritik auf die Politiker, die gute Mine zum bösen Spiel veranstalten und falsche Wahrheiten mit teuflischem Lächeln verkaufen.

                            Und als wäre das noch nicht genug, inszeniert Eastwood die Kriegsszenen sowie auch die Feiern und Gala-Abende, auf denen die „heldenhaften“ Überlebenden für den Krieg werben sollen, bravourös. Letztere Szenen erinnern in ihrer Wirkung schon ein bisschen an die Szene in Marty Scorseses AVIATOR, in der DiCaprios Charakter Howard Hughes zu seiner übergroßen Film-Premiere geht und von den Fotografen nahezu zerdrückt wird. Die Blitze der Kameras sprechen da für sich. Letztendlich sind Fotos auch nur Lügen und stehen niemals für die ganze Wahrheit. Sondern für die Wahrheit einer Millisekunde. Und was zählt eine Millisekunde in einer Kriegs-Offensive, die über einen Monat geht? Reichlich wenig.

                            Aber wie gesagt, ich rede hier nur ungefähr von der ersten Stunde. Dann haben wir noch eine weitere Stunde vor uns. Und mit der schießt sich Eastwood derart selbst ins Knie, dass ich mich wundere, was diesem Altmeister da durch den Kopf gegangen sein muss.

                            Einerseits wären einem die Charaktere nämlich zu keiner Zeit nähergebracht, sodass wir lediglich Figuren zuschauen. Identifikation oder gar Anteilnahme bleibt dem Zuschauer komplett verwehrt. Zudem sind diese Figuren verblendete Soldaten, die den Befehlen ihrer Vorgesetzten folgen. Im Kriegsgeschehen sehe ich das als gegeben an. Aber in den Szenen mit den Politikern hebelt das die komplette Kritik des Films irgendwie aus. Es wirkt so, als wäre der Film von einem anderen Regisseur übernommen worden, der überhaupt keine Ahnung vom Kern der Geschichte hat und sich der Kritik der ersten Stunde gar nicht bewusst ist. So eine Kehrtwende sieht man selten. Zudem schleicht sich der Film gegen Ende dann doch in das bewährte und irgendwie blöde Kriegsfilm-Schema. „Die Armee ist toll. Die Kameradschaft auch. Ach, so schlimm war’s doch gar nicht.“ Unnötig, so eine Beschönigung am Ende dann doch einzufädeln. Unnötig und ein altbekannter Fehler, den ich von Eastwood nicht erwartet hätte.
                            Zudem gibt es das Problem, dass einem die letzten 20 Minuten, die das spätere Leben der Soldaten zeigen, herzlich egal sind, weil einem die Charaktere in den vergangenen 100 Minuten ja zu keinem Moment nähergebracht wurden. So entstehen dann am Ende Längen, die vor allem auffallen, weil der Rest des Films doch relativ gut gerutscht ist.
                            Dazu verkommt eine weitere Tatsache fast schon zur Kleinigkeit. Nämlich sind ein paar blutige Momente des Films derart unglücklich verzettelt, dass die Gewalt des Krieges nicht als Schrecken, sondern als Schauwert vermittelt werden. Auch etwas, was ich nicht von Eastwood erwartet hätte.

                            Letzten Endes ist FLAGS OF OUR FATHERS ein Film, der super anfängt und deshalb ganz viel verspricht - und letzten Endes nichts wirklich einhält. Das ist bitter und hinterlässt keinen guten Eindruck. Eastwood stolpert über seine eigenen Vorhaben und (zugegebenermaßen riesigen) gesteckten Ziele. Und so ist dieser Film nicht der erhoffte grandiose und erwachsene Eastwood-Kommentar zum Krieg. Aber vielleicht ist dieser ja nicht weit. Der nächste Eastwood-Kriegsfilm steht schließlich schon in den Startlöchern und ist ein Pendant zu diesem Film.

                            Nächste Station: LETTERS FROM IWO JIMA

                            _Smooli

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                            Nächste Station: http://www.moviepilot.de/movies/letters-from-iwo-jima/comments/1252186

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                              Handwerklich solide und auch die Kriegsszenen erschütternd in Szene gesetzt, schafft es Clint Eastwood im ersten Teil seiner Antikriegsfilmreihe zu überzeugen. Die Flashbacks- der Krieg auf der Insel Iwojima - sind gewohnt in graubraunen Mantel umhüllt. Überall Kugelhagel, Explosionen links und rechts. In mitten darin befinden sich Soldaten, die einem sicheren Tot in die Arme rennen.
                              Der Film fällt, weil er meiner Meinung nach etwas träge seine Protagonisten beleuchtet, etwas distanziert aus und näher sicht aber nie vollständig seinem Zuschauer. Auch fallen die dazugehörigen Kriegsszenen unkommentiert aus.
                              Wirklich punkten kann der Film "daheim" in Amerika, wenn die Geschichte um die Flaggenhissung ausgeschlachtet wird, ein ganzes Volk dafür euphorisiert wird, um eine blutige, sinnlose Schlacht monetär zu unterstützen. Es schwingt auch eine leise Kritik gegenüber diese nationale Lüge, ohne, dass sich diese Kritik aber weiter nach vorne positioniert, wo sie eigentlich hingehört hätte.
                              Die Figuren in diesem Film sind soweit gut verkörpert worden. Ryan Philippe als Sanitäter und besonders Adam Beach als "Häuptling" überzeugten noch am meisten. Besonders beim zweiten merkt man an, wie der Krieg und das spätere Heldsein, mit dem er aber nichts zu tun hatte, an ihm nagt und aus dem seelischen Gleichgewicht bringt.
                              Die alles entscheidende Frage, ob Heldsein immer positiv ist, zeigt der Film im Stillen äußerst ansehnlich. Genau deswegen und wegen Eastwood solidem Händchen für ein typisch erzähltes Kriegsbiopik, sehenswert.

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                                Im Zuge der letzten Diskussion bzgl. Antikriegsfilmen, die aus meiner Sicht sehr intelligent und ambivalent geführt wurde, ist Flags of Our Fathers einer der Filme, die es trotz der gezeigten Kriegsszenen keinerlei Verherrlichung, Faszination, Entschuldigung oder ähnliches aufbringen lassen. Eastwood schafft es den Krieg als etwas darzustellen, was Einzelschicksale völlig unberücksichtigt lässt. Menschen werden dazu gezwungen Tiere zu werden. Schicksale in Massen sind ein hinzunehmender Kollateralschaden. Für mich eine der dramatischsten Szenen ist eigentlich gar keine Kriegsszene. Beim Ausschiffen der Flotte fliegt ein Matrosse von Bord. Es folgt kein heldenhaftes Rettungsmanöver. Es fährt kein Rettungsboot aus. Der Matrose ertrinkt. Genau diese Szene ist es, die den Krieg so dramatisch beschreibt. Etwas unmenschliches, bei dem sich Machtmenschen hinter den Schreibtischen ihren Fantasien hinterherhecheln auf Kosten von unzähligen Menschenleben.
                                Und wenn man das heutige Geschehen mit ansieht, scheint man sich machtlos zu fühlen. Viele Menschen scheinen es einfach nicht zu begreifen, dass es keine echten Gewinner gibt aus einem Krieg - ausser dass ein paar Machtmenschen ihre Fantasien gedeckt bekommen und ein paar Rüstungskonzerne satte Aufträge einfahren. Widerlich! Und genau das legt Flags of Our Fathers so tragisch und offensichtlich hin und konfrontiert uns mit dem Leiden des Krieges, egal welche Rechtfertigung für diesen Krieg hinhalten muss.
                                Einer der wenigen guten und damit auch wichtigen Beiträge in diesem Genre.

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                                • 7

                                  Kein schlechter Film, allerdings geht er im Vergleich zu Letters from Iwo Jima wirklich unter, zu viele Erwartungen darf man also nicht haben.

                                  • 8 .5

                                    Kriegsfilme sind so gar nicht mein Genre, aber Clint Eastwood kann man sich immer mal gönnen. Und einmal mehr ein starkes Werk. Die Kriegsszenen gehen echt unter die Haut. Sehr bewegend das Schicksal der Soldaten, welches auch noch für Kriegspropaganda ausgenutzt und ausgeschlachtet wird. Die Folgen des Krieges für die Soldaten, welche weit über den Krieg selbst hinausgehen, wurden sehr stark umgesetzt. Alle Schauspieler konnten mich nicht ganz überzeugen, deshalb ein paar Abzüge. Trotzdem typisch Clint Eastwood. Richtig hohes Niveau.
                                    Was ich hier so lese, war "Letters from Iwo Jima" noch besser. Wir werden sehen. Freu mich schon drauf.

                                    • 7

                                      Achtung! Leichte Verunreinigungen durch Spoiler!

                                      Es ist doch erstaunlich, wieviele Menschen den Krieg hassen und verachten und sich in ihrer Ignoranz niemals vorstellen könnten, sich an einem solchen zu beteiligen. Wie sehr sie doch Nationalismus und Patriotismus hassen. Wer kennt jemanden, der scharf darauf wäre, zu kämpfen, zu töten und zu sterben? Die Frage, die mir dann immer in den Sinn kommt, wenn ich so etwas höre, ist: Wieso gibt es kein Beispiel dafür, das sich die Menschen einer Nation geschlossen geweigert haben, ihren Führern in einen solchen Wahnsinn zu folgen?

                                      Diese und andere Fragen beantwortet auch Clint Eastwood in diesem für mich genial inszenierten Film nicht. Niemand, außer vielleicht denen, die einen Krieg miterlebt haben, könnten sie beantworten. Trotzdem, man korrigiere mich, ist dies der erste von einem Regisseur gedrehte Doppelfilm, der die Schicksale einzelner Personen beider Kriegsparteien zeigt. Eastwood erzählt im "ersten Teil" oberflächlich betrachtet, die Geschichte der Einnahme Iwo Jimas aus der Sicht der amerikanischen Angreifer und im zweiten aus Sicht der japanischen Verteidiger.

                                      Dabei verzichtet er, im Gegensatz zu Spielberg im hier vielzitierten "Soldat James Ryan", auf große Namen und weitestgehend auf bekanntere Gesichter. Das gibt dem Film, im Zusammenspiel mit den vielen Rückblenden, eher den Charakter eines Dokumentarfilms oder einer Serie wie "Band of Brothers".

                                      Was er uns aber noch zeigt und was in vielen Filmen zu kurz kommt, auch wenn jeder vernunftbegabte Mensch das wissen sollte, ist die Verlogenheit und Skrupellosigkeit, mit der die Mächtigen der Kriegsgegner ihre Soldaten nicht nur an der Front verheizen, sondern auch als Propagandafiguren in der Heimat. Dabei ist ihnen jedes noch so unanständige Mittel recht, um die traumatisierten "Helden" in der Spur zu halten.

                                      Auf großartigen Empfängen werden sie von den Reichen und Mächtigen, deren eigene Söhne übrigens vom Dienst freigestellt Cocktails schlürfen, betatscht und angeglotzt wie besonders exotische Tiere. Besonders deutlich ist die Rolle des Indianers Ira Hayes angelegt, dem auf den Empfängen freundlich die Hand gereicht wird, während man ihn als "Häuptling" bezeichnet und fragt, ob er seinen Tomahawk benutzt hätte, der aber draußen auf der Straße nicht einmal eine Bar betreten darf.

                                      Man könnte die Schlusssequenz vielleicht als Patriotismus abtun, das traue ich Clint Eastwood aber nicht wirklich zu. Es ist eher eine Verneigung vor den Menschen, die nicht für ihr Vaterland oder irgendwelche hehren Ideale gekämpft haben, sondern für ihre Familien, für sich und im günstigsten Fall, wenn sie sich ihre Menschlichkeit bewahren konnten, für ihre Kameraden.

                                      "Frieden wird in die Herzen der Menschen kommen, wenn sie ihre Einheit mit dem Universum erkennen." - Black Elk, Medizinmann der Lakota

                                      GOOD NIGHT AND GOOD LUCK!

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                                      • 5

                                        trotzdem verglorifizierung! bah.
                                        wenn nicht fürs vaterland sterben, dann eben für die freunde. amerikaner kennen keinen sinnlosen tod. ekelhaft!

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                                        • 7 .5

                                          Über das Bröckeln der Fassade des amerikanischen Patriotismus

                                          Meist sind Kriegsfilme entweder historisch genau und so oft weniger unterhaltsam oder künstlich mit triefenden Lovestories zum stumpfen Holywoodblockbuster verarmt. Nicht so "Flags of our Fathers". Es geht um überschwängliche Stilisierung einfacher Soldaten zu heldenhaften Figuren, die lediglich durch das Aufstellen einer Flagge dazu geworden sind. Erzählerisch inspirierend umgesetzt durch Rückblenden, Perspektivwechsel, angemessener Gewaltdarstellung, realistischen Gefechten und den polarisierenden Gegensatz von Schein-"Friede-Freude-Eierkuchen" gegenüber Verlust, Gewalt und Diskriminierung. Ich bin nach diesen soliden 7,5/10 Punkten sehr gespannt auf "Letters from Iwo Jima":

                                          Mr. Eastwood, make my day!

                                          • 7

                                            Das Landungsszenario auf Iwo Jima ist überragend umgesetzt und wirkt zugleich reichlich authentisch; hier macht sich auch sogleich das Mitwirken von Steven Spielberg bemerkbar, denn Parallelen zu der einzigartigen Schlachtinszenierung bei "Der Soldat James Ryan"oder aber auch zu den HBO-Serien "Band of brothers" und "The Pacific", sind unverkennbar.

                                            Die Geschichte, die Clint Eastwood im Anschluss daran erzählt, ist allerdings mitunter weniger interessant, da den Charakteren nicht die entscheidene Tiefe eingehaucht wird, die bei einem funktionierenden Drama erforderlich wäre. Lediglich der Kontrast wird überdeutlich - sterbende Soldaten im schwarzen Sand irgendeiner ansonsten völlig unbedeutenden Vulkaninsel mitten im Pazifik einerseits, die Bemühungen ein kriegsmüdes Amerika in der Heimat zu mobilisieren, um den Krieg u.a. in Form von Kriegsanleihen zu finanzieren, andererseits. Ein dreckiges Geschäft, wie es bis zum heutigen Tage immer weiter perfektioniert wurde.
                                            Sobald jedoch die immer wiederkehrenden Erinnerungsfetzen den greulhaften Blick auf Iwo Jima richten, wird die Perversion des sinnlosen Tötens spürbar.

                                            Insgesamt nicht ganz so beeindruckend wie "Letters from Iwo Jima", aber zumindest phasenweise ziemlich überzeugend.

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                                            • 5 .5

                                              Ambitioniert ist Clint Eastwoods Prämisse, dem brutalsten Kapitel des Pazifikkrieges im zweiten Weltkrieg einen dualen Blickwinkel zu verleihen; und tatsächlich ist der republikanischen Spitzhacke im Rentnermodus mit seinem Auftakt „Flags of Our Fathers“ ein durchaus sehenswertes Stück Film gelungen, welches den Heroismus in seiner patriotischen Tollkühnheit entmystifiziert und die lechzende Instrumentalisierung von drei konstatierten Heimkehrern durch die propagierenden Mechanismen der Politik offenlegt. Ein von pathetischer Inbrunst gezeichnetes Foto geht durch die Medien und ein verzogenes System klopft sich dafür stolz auf die angeschwollene Brust, stilisiert die Überlebenden zu Helden und verliert sich schließlich eigenständig im selbsterschaffenen Trugbild, den Krieg wirklich zu kennen und zu begreifen. Eastwoods Modalität scheitert allerdings indessen daran, dass er ausgerechnet seinen Charakteren kein substanzielles Profil schenkt, sie von mehr oder weniger ausdruckslosen Darstellern verkörpern lässt und eine seltsame Distanz evoziert, die sich im eigentlich emotionalen Bestreben als herber Rückschlag entpuppt, während sich die intensiven Schlachtmontagen auf Iwo Jima als bildgewaltiger Schrecken figurieren. Am Ende dreht sich Eastwood noch einmal um die eigene Achse, frönt die Kameradschaft und hinterlässt einen faden Nachgeschmack auf der Zunge. Die Logik des Krieges? Eine Frage, dessen Antwort den tausenden Gefallenen unter dem schwarzen Sand von Iwo Jima verwehrt bleiben sollte, ihre vor Todesangst vibrierenden Schreie im Kugelhagel hallen auch heute noch über die Insel.

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                                              • 6

                                                Nach der oberflächlichen Ehrerbietung vor dem Opfer eines Menschen für sein Land, nach dem pathetischen Salut, der wehenden Flagge, bleibt schließlich nicht mehr als eine trauernde Mutter, die nur Trost in der Illusion findet, jemand könne sich für etwas „Größeres“ opfern. Und es bleibt ein Indianer, der für ein Land kämpft, das schon lange nicht mehr seines ist; der für eine Nation einsteht, die niemals wirklich für ihn einstand und der selbst samt Heldenstatus nicht gefreit scheint vor Ressentiments und Alltags-Rassismus. Es ist eine verrückte Welt, in der der Gratwandel zwischen Tod und Jubelschrei so nahe beieinander liegt, in der Fotos Kriege gewinnen, Helden aus Pragmatismus geboren werden und Töten Orden bedeutet. Eastwood scheint diese Welt auch nicht ganz zu verstehen, aber wer tut das schon?

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                                                • 5

                                                  Das schwächere der beiden Zweiter-Weltkrieg-Dramen von Eastwood. Die Grundaussagen des Films - Krieg war auch damals schon Geschäft und die Schicksale der einzelnen Soldaten sind schnell vergessen - sind schnell klar und auch nicht wirklich neu. Der Film zieht sich aber immer weiter und bringt keine weiteren Erkenntnisse. Vor allem aber nervt das schmalzige Ende.

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                                                  • 4

                                                    Flags of our Fathers ist genauso viel Kriegsfilm wie Whopper ein gemischter Salat. Es ist zwar alles dabei, aber einfach nicht die Hauptsache. Und was ist die Hauptsache? Ewig langes, hundertfaches "wir sind nicht die wahren Helden" Gelaber in der Nachkriegszeit, nur um am Ende dann doch als Helden dargestellt zu werden. Die vielleicht 25 Minuten leidlich gelungene Kriegsszenen werden ohne erkennbare Ordnung als überfallartige Rückblenden in die 106 minütige Nachkriegsbetroffenheitsdramette eingestreut. Jede Pizza ist ordentlicher belegt.

                                                    Nein, ich rate sehr ab. Es ist vor allem kein wirklicher Schwesterfilm zu "Letters of Iwo Jima". Du verpasst nichts, wenn du diesen hier nicht siehst.