Forgetting Dad - Kritik

Forgetting Dad

DE · 2008 · Laufzeit 83 Minuten · Dokumentarfilm · Kinostart
Du
  • 8 .5

    Der Dokumentarfilm besticht mit berührenden Bildern, die zusammen mit dem unruhigen, intensiven Soundtrack an vielen Stellen einen regelrechten Sog entwickeln, dem man sich kaum entziehen kann. Ein philosophischer Diskurs über Identität, Familie und letztlich die Frage nach (Willens)Freiheit - spannend wie ein Krimi.

    • 7

      „Forgetting Dad“ wirkt über weite Strecken wie eine Familientherapie, die auch tiefe Wunden aufreißt. Etwa bei Ricks Schwester Jan, die beim Lesen des ärztlichen Gutachtens vor der Kamera ins Weinen ausbricht. Trotz des manchmal voyeuristischen Blicks gelingt es dem Filmemacher, seiner Spurensuche durch herkömmliche dokumentarische Mittel wie Archivmaterial, Interviews und Off-Kommentar, aber auch dank der Kameraarbeit von Axel Schneppat und der Filmmusik von Ari Benjamin Myers eine dramaturgische Struktur aufzudrücken.

      Dass die entscheidende Frage offen bleibt, gehört ebenso zu den künstlerischen Mitteln eines Dokumentarfilmes, der trotz berührender Momente nicht auf Überwältigung des Zuschauers zielt. Ihm bleibt es überlassen, eine Antwort zu finden.

      • 7 .5

        Und das ist die größte Stärke des Films: Das er fragt, ohne zu antworten. Rick deutet Möglichkeiten an, stellt Vermuten und Hypothesen an, die das Verhalten seines Vaters erklären können, doch auf eine eindeutige und damit fast zwangsläufige reduzierte Antwort lässt er sich nicht ein. In diesen Momenten findet „Forgetting Dad“ zu nachgerade philosophischer Qualität, wird aus einer individuellen Vater-Sohn Geschichte eine universelle Erzählung über schwierige Familienverhältnisse und Abnabelungsprozesse.