Ghost Dog - Der Weg des Samurai - Kritik

Ghost Dog: The Way of the Samurai

US · 1999 · Laufzeit 116 Minuten · FSK 16 · Drama · Kinostart
Du
  • 7

    Jarmusch hatte eine sinfonische, eine hippe Persiflage im Sinn, den letzten Verbliebenen einer untergangenen und übergangenen Generation ein Mausoleum zu bauen. Dies ist ihm geglückt; "Ghost Dog" saugt an der Schwelle zu einem digitaleren (und damit kaum noch archaischen) Zeitumschwung, der sich in "Dead Man" bereits andeutete, die zentimetergenauen Nichtigkeiten auf, die zum traumlogischen Epos des Endlichen gedeihen: wandern, gleiten, schwimmen. In der Tat tastet sich Forest Whitaker durch eine nicht näher kategorisierbare, abgeblätterte Infantilwelt irgendwo zwischen postmodernem Cartoon und meditativem Identitätsdrama voran – er füttert Vögel, schleckt Schokoladeneis, liest Bücher, fährt ins Dunkel, ins Nichts, das linke Auge zu einer Jalousie verkniffen. Dieser heimelige Profisoldat ist ein Meister ausgetüftelter Bewegungen, und seine mythologische Lebensreise steht zugleich für jede geistige Reise, die Jarmuschs unvollkommene Eigenbrötler antreten. Fernab jeder ideologischen, sexuellen als auch kulturellen Beschränkung, verkuppelt der Film mit zunehmendem Interesse differente Geistesrichtungen. Ost und West, Sprachnot und Sprachübermut sind längst nicht mehr Indikatoren des Verständnisses, als im Vergleich dazu austauschbare, absolutistische Zweckvehikel. "Ghost Dog" erspürt das Seiende und Werdende im Fühlen und Schwingen von unterschwelligen Zeichen, die dem Menschen etwas Mystisches schenken und dieser genau aus diesem Grund für Jarmusch ewig unabgeschlossen und determiniert im Totenfluss verbleibt.

    9
    • 8

      Wenn er auch manchmal ein wenig zu reflexiv erscheint, so ist »Ghost Dog« doch wie ein guter Rap: die Wiederentdeckung einer kraftvollen Poesie. [Hans Schifferle]

      • 6

        [...] Dass „Ghost Dog – Der Weg des Samurai“ oftmals wie ein etwas zerfahrenes Mosaik wirkt, liegt an Jim Jarmuschs ambitiösem Übermut, den symphonischen, mit vielerlei Impulsen konnotierten Gedankenstrom in die inhärenten Poesie des Kriegers zu kanalisieren. Da geht es um die multinationale Einkehr, sieht sich eine echte Freundschaft doch dem gesprochenen Wort überdrüssig, genau wie den intergenerationellen Einklang, wenn Ghost Dog in der jungen, bibliophilen Pearline nicht nur einen unbescholtenen Gesprächspartner findet, sondern auch einen Menschen, dem er seinen Lebensweg in gewisser Weise vererben kann. Und wie unschätzbar ist es da, Traditionen nicht nur zu wahren, sondern sie auch weiterzureichen?

        11
        • 7 .5

          Ich könnte ihm stundenlang zusehen, diesem Ghost Dog. Wie er sich mit einem 8-jährigen Mädchen über Literatur und das Leben unterhält oder wie er sich von seinem besten Freund, dem Eishändler, aus einem Buch über Bären vorlesen lässt, ohne auch nur ein Wort von seinem Französisch zu verstehen, wenngleich er ungefähr weiß, dass mit dem Bär eigentlich er gemeint ist. Oder wie er einfach nur auf seinem Dach liegt, umringt von unzähligen Tauben, seinen Gefährten, und ein Buch über die Kriegskunst und den Ehrenkodex der Samurai liest. Oder wie er kaltblütig aber doch zugleich irgendwie sanft seine "Ziele" ermordet und das mit solch einer Eleganz, dass sie direkt von den Choreographen von OLDBOY stammen könnte. Dieser Hüne mit dem sanften, traurigen Blick lässt sich auch von einem Vogel, der auf seinem Scharfschützengewehr zufälligerweise Platz genommen hat, den "perfekten Schuss" vereiteln. Ich könnte ihm einfach ewig zusehen; ganz egal wie lange er - mit einem coolen RZA-Track begleitet - still durch die Stadt fährt auf der Suche nach seinem nächsten Auftrag. GHOST DOG verbindet dabei die New Yorker Hip Hop- und Urban-Kultur so symbiotisch mit japanischer Philosophie und Lebens- und Denkweise, dass man sich das eine ohne das jeweilig andere nun kaum noch vorstellen kann.
          GHOST DOG ist ein Film über Freundschaft, japanische Philosophie, Gerechtigkeit, Rache, und er ist ein Film über das Leben selbst. Aber vor allem ist er eines: Ein Film über einen schwarzen Profikiller in New York, der nach dem Kodex der Samurai lebt und handelt. Und das bis zum bitteren Ende.

          13
          • 10

            Kult- Regisseur Jim Jarmusch vermischt die Kulturen der Großstadt. Dort die Italiener, drüben die Japaner, die Amerikaner und dann noch die Franzosen. Dies nutz Jarmusch für einen grandiosen, humanistischen Gag: Der Killer spricht nur Englisch, der Eiscrememann nur Französisch und trotzdem reden sie, ohne es selbst zu wissen, über genau das Gleiche. Und dies ist nur ein Grund warum "Ghost Dog" ein faszinierender Film ist. Da wäre noch die lässige Hip Hop Groove der den Film trotz all der Tragik in ein lässiges Flair packt und da wäre noch der Verfall der müden Mafia, die Jarmusch ohne große Klischees dafür mit viel Ironie und voll gestopft mit lakonischen Bildern und Figuren. Dass lakonische ist dabei die Vene, die den Film mit Wärme und Leben füllt und dies auf eine so einzigartige Weise dass man am ende gar nicht richtig wahr nimmt, dass man gerade einen Film über einen Profi- Killer gesehen hat. Das hat selbst Luc Bessons "Léon" nicht geschafft und der ist schon eine Klasse für sich.

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            • 6

              [Dass] GHOST DOG glücklicherweise nicht in erster Linie für Jarmusch-Fans ein schöner Film geworden ist, liegt an den Schauspielern, an guten Einfällen und gelungenen Einzelszenen, und vor allem an der Musik der New Yorker Band RZA, dem zeitgemäßesten Element im ganzen Film. In deren Takt wiegend, geht selbst Jarmusch gradlinig seinen Weg. Und irgendwie sieht man es gern.