Ghostland - Eine Reise ins Land der Geister - Kritik

Ghostland: The View of the Ju'Hoansi

DE · 2016 · Laufzeit 88 Minuten · FSK 0 · Komödie, Drama · Kinostart
Du
  • 7 .5

    Damit enthält sich der Film jeder Wertung und vergisst bei allem Unterhaltungswert der Erlebnisse der Ju/'Hoansi im Land der Geister nicht die bittere Armut, die ihr Leben in ihrer Heimat bestimmt. [Reinhard Lüke]

    • 7

      Mit ethnologischem Blick beobachtet das Regie-Trio in Ghostland - Reise ins Land der Geister den Stamm und liefert spannende Einblicke in eine unbekannte Welt. [Michael Meyns]

      • 7
        dbeutner 01.04.2017, 18:56 Geändert 01.04.2017, 19:21

        "Ghostland" hat mich in allererster Linie durch die im Film transportierte Menschlichkeit der dargestellten Ju/’Hoansi fasziniert. Warmherzig, sehr humorig, optimistisch & gemeinschaftlich. Ich selbst bin eher ungern in Gruppen mit mehr als zwei Personen ;-) -- da sagt es schon was aus, dass diese Gruppe / Gemeinschaft so warmherzig und grundgutgelaunt erscheint, dass ich mir vorstellen könnte, sehr gerne mit diesen Menschen zusammenzusein.

        Beim Filmischen finde ich leider einige Sachen nicht ganz so gelungen: Der Verzicht auf Off-Stimme klaut einmal mehr wahnsinnig viel Informationen, die teilweise zur korrekten und vollständigen Rezeption schlicht notwendig sind (als Ergänzungsmaterial empfehle ich zB das Interview mit Simon Stadler und Catenia Lemer in https://www.journal-frankfurt.de/journal_news/Kultur-9/Zu-Besuch-bei-den-Ju-Hoansi-im-Ghostland-Die-Geister-die-ich-rief-27057.html; auch http://www.lcfn.info/de/juhoansi/informationen/ethnologie).

        Nach dem Interview ist auch klarer, dass der Film tatsächlich die Ereignisse nur dokumentiert, die von anderen eh angestoßen wurden (also die Reise nach Deutschland & Europa). Trotzdem grenzt die Darstellung mitunter für mein Gefühl an der Ausschlachtung von Schauwerten (vom Busch nach Frankfurt mit viel Fokus zunächst dort, da wurde mir zB etwas mulmig; auch die Konfrontation mit prolliger WM-Begeisterung, die natürlich einen ironischen Unterton hat, war mir etwas zu grobschlächtig).

        Inhaltlich passiert dann auch "nur" einigermaßen exakt das, was man sich von der Versuchsanordnung ausgehend vorstellen kann. Dass es Menschen gibt, die zu dem Film sagen (vgl. Interview-Link oben): "Ich habe noch nie so an unserer weißen Welt gezweifelt als jetzt wo wir euren Film gesehen haben und uns die Ju/'Hoansi die Augen geöffnet haben" -- hm, da runzele ich mit der Stirn und frage mich, wie wenig man als Mensch zuvor über eigene Kultur, Folgen der Industrialisierung & des Kapitalismus und gänzlich andere Möglichkeiten zu leben bisher reflektiert hat (gar nicht?). Insofern: Schön, wenn Blinden die Augen geöffnet werden, aber da ist mein intellektueller Anspruch doch /deutlich/ höher. Und leider gibt es kein Nachfassen, keine Reflektion über die unmittelbaren (und wie gesagt mE ziemlich komplett vorhersehbaren) Reaktionen hinaus.

        Trotzdem, wie gesagt, absolut sehenswert, mit interessanten relativ kleinen Einblicken in ein anderes Leben. Und natürlich für Menschen, die sich weder mit ganz anderen Ethnien und Kulturen noch mit grundsatzkritischen Fragen zur eigenen Lebensweise beschäftigt haben ggf. augenöffnend. Ich bezweifele aber, dass das auf das Publikum im hohen Prozentsatz zutreffen wird.

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