Girl - Kritik

Girl

BE/NL · 2018 · Laufzeit 105 Minuten · FSK 12 · Drama · Kinostart
Du
  • 6

    [...] Ungeachtet der artifiziellen Filterfarbe, ist "Girl" ein ungekünsteltes, verständnisvolles Reflexionsvermögen inhärent. Die Kamera (Frank van den Eeden) ist dabei Laras Freund. Sie findet in Laras familiären Auseinandersetzungen manches menschliche Stillleben (Arieh Worthalter spielt einen hingebungsvoll fassbaren Vater), dekoriert mit einem Gesicht der Zweideutigkeit, bewegt sich mit ihr, wenn sie sich bewegt, einmal, zweimal, dreimal ruckartig, andernorts fließend, und betastet ihren Körper pietätvoll. Ihr T-Shirt, auf dem die Rolling-Stones-Zunge aufgedruckt ist, darf als falscher Hinweis für den Zuschauer interpretiert werden, dass Laras Unbehagen keineswegs in eine subversive, akademische Geschlechterrebellion führt. "Girl" verweist kaum an das Werkzeug zur Theorie und Lukas Dhont moderiert keinen intellektuellen Diskurs, sondern ein soziales Nahfeld, wie Verhaltens- und Befindlichkeitsnormen, sobald sie im Begriff sind, in ihrem Prozess auf Anteilnahme zu hoffen, kleine und kleinste Bereiche menschlicher Tragweite erfassen.

    1
    • 5

      Und tatsächlich bedient sich Girl zahlreicher voyeuristischer Perspektiven: Laras Obsession für ihr Genital scheint auch der Kamera zu eigen, die sich immerzu auf die Suche nach der verräterischen Beule macht.

      • 5

        Girl reduziert seine Figur auf den Konflikt des Gefangenseins im falschen Körper und sperrt sie damit erst recht ein in ein duales Geschlechterschema, in dem entweder nur das eine oder das andere zählt.

        • 9

          Girl ist ein Transgender-Drama der anderen und absolut herausragenden Art [...].

          • 5 .5

            "Schon sein, was man noch wird: Der belgische Regisseur Lukas Dhont inszeniert in Girl das Transgender-Sein als Kampf gegen den eigenen Körper." [Manon Cavagna]

            • 7 .5
              NDR 18.10.2018, 09:49 Geändert 18.10.2018, 10:36

              Was hier mit großem Feingefühl gezeigt wird, ist ein hochkomplexer, spannender Prozess. [...] Für die Heldin von Girl gilt es, sich ihren Körper überhaupt erst einmal zu erobern.

              • 7 .5

                Eine 15-Jährige im Jungenkörper träumt von einem Leben als Frau und als Balletttänzerin. „Girl“ erzählt einfühlsam von einem jungen Menschen, der sich und seine Identität sucht und dabei immer wieder an körperliche Grenzen stößt. Das ist trotz des speziellen Themas universell genug, dass sich das Publikum leicht mit ihr identifizieren kann – auch dank eines überzeugenden Darstellers.

                • 8

                  Der Film gibt Laras innerem Prozess, bei dem Geschlechtsumwandlung, Tanztraining und Pubertät immer mehr kollidieren, viel Raum, auch indem er gesellschaftliche und sonstige Hürden weitgehend ausschaltet.

                  • 7 .5

                    Der junge, belgische Regisseur Lukas Dhont, welcher mit seinem Kurzfilm “L’infini” (2014) bereits international auf sich aufmerksam gemacht hat, gibt mit dem Spielfilm “Girl” (OT: “Girl”, Belgien & Niederlande, 2018) sein Langfilm-Debüt, welches auf den Cannes-Festspielen 2018 sehr viel Aufmerksamkeit bekam. Der Film passt gut zur einer neuen Bewegung der Sichtbarmachung von Transgender-Themen, wozu der Film “Eine fantastische Frau” von Sebastián Lelio viel beigetragen hat und sogar mit einem Oscar ausgezeichnet wurde.

                    • 8

                      [...] Sanft und still inszeniertes Porträt mit einem herausragenden Ensemble und einem feinen Blick für Details.

                      • 8

                        Ein als Junge geborenes Mädchen fängt kurz vor dem Beginn ihrer Hormontherapie an einer renommierten Ballettschule an. Überzeugender Debütfilm mit großartigem Hauptdarsteller. [Tim Lindemann]

                        • 8

                          Ein intensiver und absolut sehenswerter Film, der die Zuschauer noch eine Weile begleiten wird. [Christoph Schelb]