God's Own Country - Kritik

God's Own Country

GB · 2017 · Laufzeit 104 Minuten · FSK 12 · Drama · Kinostart
Du
  • 8 .5
    Sternenkind68 08.03.2018, 20:57 Geändert 08.03.2018, 21:25

    Sterni goes Queer Cinema...

    Alec Secareanu, den Ihr aktuell auf meinem aktuellen PB bewundern könnt, war für mich die eigentliche Überraschung.
    Er ist genau wie in seiner Rolle gebürtiger Rumäne.
    Ein sympathischer Vollbart, in dem man sich einfach verlieben muss.
    Der Film weist deutlich Parallelen zu "Brokeback Mountain" auf.
    Doch anders als dieser geht "God´s Own Country" noch viel weiter.
    Wo Jake Gyllenhall und Heath Ledger vielleicht dachten, in den Sex-Szenen schon mutig zu sein, da geht der britische Film doch sehr viel weiter.
    Zum Beispiel sieht man die beiden Hübschen nach dem Sex teilweise nackt miteinander quatschen, sie öffnen sich, quatschen über ihren Background.
    Der Film ist ebenso zärtlich, intim und familiär, wie er rau und dreckig ist.
    Es gibt keine Frauen im Leben der zwei Liebenden.
    Sie wollen gar nicht "normal" sein, sondern ihre Liebe leben.
    Bei dem von Schlaganfällen gepeinigten alten Schafzüchter habe ich an den Film mit Russell Crowe gedacht, der auch mal einen Schwulen spielte und seinen Vater nach einem Schlaganfall versorgen musste
    ( das hieß dann "Die Summe der Gefühle" ).
    Gemma Jones ist in ihrer Rolle gewohnt hart und unerbittlich.
    Mein Fazit:
    Wem "Brokeback Mountain" samt seiner sentimentalen Filmmusik zu kitschig war, könnte hier eine Alternative finden.

    10
    • 10
      Lindener1966 02.03.2018, 03:17 Geändert 02.03.2018, 03:21

      Es ist nicht so, dass ich mir jeden schwulen Film ansehe und deshalb auch nicht den vollen Überblick habe. Wahrscheinlich verpasse ich auch den ein oder anderen Knaller.
      Oft aber lassen mich dann die Filme irgendwie kalt, obwohl sie hoch gelobt wurden, z.B. „Mit Siebzehn“. Manche finde ich superschön, habe trotzdem aber nicht unbedingt das Verlangen, sie gleich nochmal zu schauen, z.B. „Die Mitte der Welt“ oder „Moonlight“. Aber dann, so alle paar Jahre finde ich dann doch so eine Perle, oder sie findet mich.“, „Der Ornithologe“, „Weekend“, „Freier Fall“ (seufz), oder eben jetzt „God's Own Country“. Ich kommentiere nur Filme, die mich wirklich restlos begeistern und einen großen emotionalen Impact bei mir haben und dieser hier gehört ganz eindeutig dazu.

      Gerade die letzten beiden Filme werden oft mit "Brokeback Mountain" verglichen, der Übermutter des schwulen Mainstream Kinos. Was diese drei Filme gemeinsam haben: die Anziehung zwischen den Männern bricht sich Bahn in den Bergen, beim Joggen im Wald oder auf einem abgelegenen Bauernhof ohne Handyempfang fernab jeder Großstadt in einem rauen, männerdominierten Umfeld. Ebenda, wo wir sie nicht erwarten würden und die Protagonisten vielleicht am wenigsten. Mehr aber auch nicht, auch wenn God's Own Country BBM ziemlich oft in diversen Szenen zitiert. Ich bin jahrelang in der berliner Szene rumgeturnt und habe momentan so gar kein Interesse, queere Geschichten von strauchelnden Kids im Großstadtsumpf zu goutieren. Den Film habe ich gesehen und ich war sogar in der Premiere.
      ICH WILL DEN SCHWULEN HEIMATFILM!!!
      Et voilá! Hier ist er! Der Heimatfilm des 21. Jahrhunderts.
      Kurze Einführung: Der junge Johnny lebt mit seinem schwerkranken Vater und seiner Großmutter auf einem abgewirtschafteten Hof in Yorkshire. Der nur wenig ältere, angeheuerte rumänische Landarbeiter Gheorghe verändert Johnny und das Leben auf der Farm grundlegend.
      Der Film steht ganz auf dem harten Boden der bäuerlichen Realität, so direkt gezeigt, wie man es kaum einmal in Dokus zu sehen bekommt. Geburt, Tod, Armut, Isolation. Ein Idyll ist das ganz und gar nicht. Ich komme aus Norddeutschland, God's Own Country könnte auch in Ostfriesland spielen. Da hängen die regenschweren Wolken tief, die Leute trinken Tee oder Bier und reden ansonsten auch nur das Nötigste. Wohltuend übrigens, wenn man das OmU sehen möchte. Man kann dem Text immer gut folgen ohne dabei die Handlung zu verpassen. Die Geschichte von Johnny und Gheorghe wird durch Bilder, Gesten, Blicke und ohne viele Worte erzählt, wie z.B. auch in „Freier Fall“. Das mag ich sehr, weil hier Schauspieler und Regisseure ihr Können besonders beweisen müssen und für den Zuschauer genügend Raum für eigene Vorstellungen bleibt. Auch spielen Hände hier eine entscheidende Rolle. Ständig sehen wir Hände, die etwas tun. Aber ich will nicht zu viel verraten.
      Neben aller Härte, Rohheit und Authentizität ist dieser Film aber auch so gnadenlos romantisch. Wir sehen hier, wie sich ein einsamer, saufender, grober und mürrischer Kotzbrocken von Yorkshire-Lad, der sich selbst am wenigsten mag, verliebt und wohl zum ersten Mal in seinem Leben so etwas wie Geborgenheit empfindet und dabei immer weicher wird, zärtlicher und irgendwann fühlt, dass es für ihn vielleicht doch ein schönes Leben dort auf der Farm geben könnte, eine Perspektive und auch das Ende der Einsamkeit. Gheorghe nimmt sich seiner an, als wenn er eines der Lämmer wäre, allerdings eines, das man zähmen muss. Da gibt es ganz klitzekleine Gesten, die sind zum Heulen schön und so nach und nach blüht dieser Junge mit dem verkniffenen Gesicht auf und wird sogar richtig hübsch mit seinen Sommersprossen und den abstehenden Ohren (steh ich ja total drauf). Allerdings bleiben natürlich schwere Rückschläge nicht aus.
      Josh O'Connor ist einfach sagenhaft gut als Johnny und stellt dessen Veränderung glaubhaft dar. Ebenso die anderen drei Darsteller. Hier fasse ich mich aber mal kurz.
      God's Own Country ist trotz der miserablen Situation ganz im hier und jetzt verortet. Hier geht es nicht um eine homophobe Umgebung oder Familie sondern um eigene Grenzen und Beschränkungen und um die Macht der Liebe, und darum, dass man sie ergreifen sollte, wenn sie sich einem bietet. Und ganz nebenbei ist dieser Film auch eine Verbeugung vor den Menschen, die sich in diesem Landstrich behaupten.
      Ein sinnlicher, erotischer und poetischer Heimatfilm mit Bodenhaftung ohne Kitsch (kleine Lämmchen und Osterglocken können gar nicht kitschig sein!) den ich immer wieder anschauen möchte. Für mich wirklich einer der schönsten Filme der letzten Jahre und ganz klar ein Allzeitfavorit.

      • 4

        Britischer Brokeback Mountain Abklatsch.
        Selbe Thematik und selbe Umsetzung. Ich kann tatsächlich keinen Unterschied feststellen.
        Hier zeigt sich mal wieder, dass meine Entscheidung keine Trailer mehr zu schauen um Filme zu 100% genießen zu können, auch negative Folgen haben kann.
        Ich bin der gleichgeschlechtlichen Liebe gegenüber eigentlich recht aufgeschlossen, hier war's mir aber irgendwie einfach zuviel.
        Aus animalischem Trieb wird Liebe und Vorurteile werden nach und nach abgebaut. Noch ein bisschen die Flüchtlings- und Zuwanderungsproblematik ausgeschlachtet und die rechte Haltung ländlicher Briten ausgebaut.
        Schon ist ein provokativ-moderner Film erschaffen, der mich aber nur mit enerviert-augenrollendem Seufzen zurückgelassen hat.

        • 8
          Markbln 23.02.2018, 19:39 Geändert 24.02.2018, 10:26

          Wie schade, dass GOD'S OWN COUNTRY so unbekannt ist. Er wird zurecht oft mit Brokeback Mountain verglichen. Und er ist doch ganz anders, aber auf jeden Fall genauso gut. Ich halte ihn sogar für authentischer, weil rauher und ungestylter. Francis Lee ist ein großer Film über die inneren Kämpfe, die ein schwuler Mann in der irischen Einöde mit sich führt, gelungen. Blicke und Gesten seiner Charaktere und die rohe Körperlichkeit sind wesentlich intensiver als beim Film von Ang Lee. Es wäre auch ungerecht, die beiden Filme miteinander zu vergleichen, nur weil es um zwei schwule Bauern geht. GOD'S OWN COUNTRY ist grandios gespielt und wunderbar in Szene gesetzt. Ohne das große Melodram herauszukehren, ist das Ergebnis doch ein unglaublich intensives Erlebnis. Ein ganz starkes Debüt, dass man sich nicht entgehen lassen sollte.

          3
          • 7

            Broke Back Mountain ohne Budget, aber mit Happy End.

            2
            • 7 .5

              Ein Film, wie der Ort an dem er spielt: Es braucht etwas Zeit zum Aufwärmen, doch nach einer Weile schliesst man vieles ins Herz. [Christoph Schelb]

              • 7 .5
                udowegener 11.11.2017, 07:48 Geändert 11.11.2017, 07:54

                Brokeback Mountain im Dogmastil.
                Sehr eindringliche Studie eines jungen schwulen Bauern,
                im moralisch engen Korsett einer provinziellen Kleinstadt
                .
                Sein Schwulsein lebt er nur mit lieblosem anonymen Sex aus und
                flüchtet sich ansonten in Bier und Machismo.

                Doch eines Tages kommt ein neuer Knecht auf den Hof.
                Dieser schafft es ....
                Liest sich ein wenig wie eine ZDF-Fersehschnulze?
                Ist es irgendwie auch. Aber Stil, Thema,Kamera und vor Allem das Spiel aller Schauspieler
                machen die Wandlung des jungen Mannes sehr sehenswert.

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                • 9

                  "God’s Own Country" (2017) ist der erste Langfilm von Francis Lee und ist ein ganz und gar naturalistischer Film, der ähnlich wie "Quand a on 17 ans" (2016) rohe Körperlichkeit mit atemberaubenden Landschaftsaufnahmen verbindet - in diesem Fall die ländliche Umgebung von Yorkshire.
                  Aber auch wenn es sich um eine Liebesgeschichte zwischen zwei Männern handelt, ist es eigentlich ein Liebesfilm an das bäuerliche Leben, das keineswegs idyllisiert wird, sondern in seiner ganzen Rauheit und Brutalität wiedergegeben wird. (Die Szenen von Schafs- und Kalbs-Geburten sowie Todesfälle sind alle echt, auch mussten die Schauspieler mehrere Wochen vor dem Drehbeginn anfangen auf einem Bauernhof richtig körperlich zu arbeiten. )
                  Die Stadt als solche kommt im Film nur in Form von Studenten vor, denen vorgeworfen wird, dem realen Leben geflohen zu sein.
                  Weitere angeschnittene Themen sind Arbeitsmigration, Rassismus und Altenpflege. Homophobie kommt nicht vor, obwohl man das als "Homosexueller" am ehesten mit dem Land assoziieren würde - Édouard Louis schreibt in seinem ersten Roman" Das Ende von Eddy"(2016) sogar dass die Flucht vom Land in die Stadt die einzige Möglichkeit für Schwule ist, ihr Leben erst richtig zu leben. Hier bildet Lee vielleicht ein etwas allzu harmonisches Bild vom doch recht konservativen Land ab.
                  Ein wirklich guter, lebensnaher Film und eine Liebeserklärung an eine aussterbende Kultur.

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                  • 7 .5

                    "Francis Lees "God's Own Country" lotet die Grenzen zwischen schönen, aber einsamen Landschaften und den sich in ihr aufhaltenden Körpern aus. Die Geschichte einer Transformation in Zeiten des Brexit." [Dominic Schmid]

                    • 7

                      Das britische Filmdrama überzeugt mit eindrucksvollem Spiel seiner Darsteller. [Katharina Stöger]

                      • 7 .5

                        God’s Own Country ist ein Liebesdrama voll pulsierendem Leben, authentisch gezeichnet und nuanciert erzählt. [Lars Tuncay]

                        • 7

                          Wie wichtig die Arbeit trotz aller Mühsal für die Figuren ist, vermittelt sich weniger durch die spärlichen Dialoge als durch die aufmerksame Kameraführung, die den Mikrokosmos der Farm mit all seinen erdverkrusteten und strohverklebten Details einfängt. [Marius Nobach]

                          • 7

                            Britisch- schottischer Brokeback-Mountain-Remix um einen Bauernjungen und einen rumänischen Hilfsarbeiter, der sich in der zweiten Hälfte vom amerikanischen Vorbild emanzipiert, dabei aber teilweise ausgetretene und klischeehafte Liebesfilm-Pfade beschreitet , ohne wirklich etwas zu bewegen oder zu riskieren.

                            Noch besser als die Darsteller des jungen Liebespaares sind der Vater und die empathische Großmutter.

                            Kein großer Wurf, da zu wenig individuell, aber sehenswert und mit einigen durchaus sehr starken Momenten.

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                            • 8

                              Berührender Liebesfilm zwischen einem Jungbauern aus Yorkshire und einem sanften Saisonarbeiter aus Rumänien, ein Essay über Landschaften und Körperlichkeit: das alles ist Francis Lees Debüt »God's Own Country«. Queer Cinema at it's best. [Hans Schifferle]

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                              • 0

                                langatmig, wenig authentisch, eine sich ziehende, vorhersehbare Liebesgeschichte.
                                Klang vielverspechend, war dann aber leider der schlechteste Film den ich bisher gesehen habe.

                                • 8

                                  Das rigorose Debütwerk überzeugt durch die raue, authentische Darstellung der Farmarbeit, die poetische Qualitäten der schüchternen Lovestory sowie eindrucksvolle Darsteller. [Dieter Oßwald]

                                  • 8 .5

                                    God's Own Country erforscht die menschliche Natur und spricht die Sprache von Brutalität und Zärtlichkeit bereits fließend. Der Film ist eine atemberaubende Liebesgeschichte, die in ihren tiefsinnigsten Momenten reine Poesie ist. [Terri White]

                                    • 10

                                      Berlinale 2017 #11

                                      England, Yorkshire, wo die Menschen, auch von der Landwirtschaft gebückt, nach unten gucken und die Schönheit ihres spröden Landes nicht sehen. Um den Hof einer Familie, bestehend aus Großmutter, Vater und Sohn, steht es nicht zum besten. Der Vater ist nicht mehr in der Lage die Arbeit zu verrichten, kommandiert den Sohn aber herum, es ist ungewiss, ob dieser Hof eine Zukunft hat. Johnny hat sich in einem Leben mit abendlichen Pubbesuchen und dem täglichen Absturz eingerichtet, die einzige Form der Rebellion zu der er in der Lage ist. Es ist ein Film der leisen Töne, der sehr präzise ausgearbeitet ist, am Rande von den ökonomischen Problemen erzählt und den familiären Schwierigkeiten.

                                      Zur Unterstützung während der Woche in der die Lämmer geboren werden, engagiert der Vater einen rumänischen Landarbeiter, der seine Farm in Rumänien aufgeben musste. Ich wusste nicht, wie schön die Geburt eines Lamm ist. Wenn Gheorghe das kleine Lebewesen aus dem Muttertier holt, dann traut dieser Film dem Zuschauer zu, hinzuschauen und zeigt die Liebe, die dieser Mann seiner Umgebeung entgegenbringt. So baut er auch Stück für Stück die Hürden bei Johnny ab und dieser verliebt sich schließlich in ihn. Es braucht auch dann noch ein gutes Wegstück, vor allem wird Johnny lernen sich selbst zu lieben und so zu emanzipieren.

                                      Trotz der Zerbrechlichkeit - manchmal hat man mit einem Menschen den man ein ganzes Leben begleitet nur einen Moment - ist dies ein Film der Hoffnung, die hier in dem Wunsch besteht, sich ein gemeinsames Leben aufzubauen. Dabei wird wenig Dialog genutzt, aber viele Blicke. Und das süßeste Lächeln das zwischen zwei Menschen möglich ist, wenn man die eigene Verliebtheit im Gesicht des anderen gespiegelt sieht.

                                      "Freak!"

                                      "Faggot!"

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