I, Tonya - Kritik

I, Tonya

US · 2017 · Laufzeit 119 Minuten · FSK 12 · Sportfilm, Drama · Kinostart
Du
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    Flux_Chris: Fluxkompensator 31.10.2018, 09:22 Geändert 31.10.2018, 09:22

    [...] Nichtdestotrotz bleibt I, TONYA eine Filmempfehlung, allein wegen der extrem guten Performance der Schauspieler und dem erlesenen Soundtrack. Es werden leider nicht alle Erwartungen an einen solchen Kritikerliebling des Jahres erfüllt, aber dies hängt auch von den eigenen Ansprüchen an den Film ab. An die Intensität von MONEYBALL oder FOXCATCHER reicht es für mich leider nicht heran. [...]

    • 8 .5

      [...] Normalerweise sind Sportfilme ja absolut nicht mein Ding und sportler-Biografien schon gar nicht, doch nachdem mich jüngst (und nicht zum ersten Mal) "Eddie the Eagle" eines Besseren zu belehren wusste, war ich auch entsprechend gespannt auf Craig Gillespies "I, Tonya", zumal der ja fernab eines reinrassigen Feel-Good-Movies noch einen weitaus interessanteren Ansatz verfolgt, die Geschichte von Tonya Harding als extrem widersprüchliche, extrem unterhaltsame Pseudo-Mockumentary zu inszenieren. Die punktet nicht nur mit einem bissig-satirischen, schwarzhumorigen Einschlag, sondern überzeugt auch in ihren dramatischeren Momenten, womit wir es hier mit einer höchst ungewöhnlichen und – so viel sei vorweggeschickt – wahnsinnig lohnenswerten Tragikomödie zu tun haben, die man sich auch bei absolutem Desinteresse hinsichtlich Eiskunstlauf nicht entgehen lassen sollte. [...]

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      • 5

        Der Fall um die Eiskunstläuferin Tonya Harding ging um die Welt. Nun macht sich Hollywood Gebrauch von dem Stoff und verfilmt das wahnsinnige Unterfangen mit Margot Robbie in der Hauptrolle. Hält I, Tonya das, was Trailer und Auszeichnungen (Oscar in der Kategorie Beste Nebendarstellerin) versprechen?

        Während in vielen Biopics die dokumentarische Ruhe dominiert, ist es in I, Tonya der scrosese‘sche Pop-Einfluss mit reizüberflutenden Schnitten, knallbunten Bildern, Songs aus dem Mainstream und einer großen Prise schwarzem Humor. Alles in allem zielt der australische Indie-Regisseur, Craig Gillespie (Lars und die Frauen), auf ein modernes Erzählgewand. Der Unterhaltung schadet dies auf keinen Fall, schließlich vergehen die zwei Stunden Laufzeit wie im Flug. Jenseits der Oberfläche befinden sich dennoch heimtückische Schwächen.

        Gillespie bezieht sich mit seinem Film stark auf die Interviews der Betroffenen, deren Gesamtbild sich wiederholend als widersprüchlich herausstellt. Das mag ein interessanter Erzählkliff sein, gerade da sich hier, anders als bei Scorseses Biopics, auf verschieden Ansichten explizit gestützt wird. Sonderlich innovativ oder erfrischend wirkt das Ganze jedoch nicht. Stattdessen müssen die Figuren dem Zuschauer auf die vielen widersprüchlichen oder scheinbar überspitzten Szenarien wiederholend hinweisen. Plakativ wird daran erinnert, dass es tatsächlich wahre Begebenheiten sind. Sonderlich witzig ist das nicht – nur peinlich. Schließlich zeigt es nicht von Raffinesse andauernd auf die Waghalsigkeit der Protagonisten hinzuweisen, wenn man es als Zuschauer selbst sieht. Doch Gillespie möchte nicht missverstanden werden und besteht auf jede Realiätserinnerung.

        Lediglich ausgleichen kann dieses Unterfangen nur der grandiose Cast, der bis auf die letzte Rolle ausgezeichnet besetzt ist. Da gebe es neben Sebastian Stan als cholerischen Ehemann und Paul Walter Hauser als miserablen Kleinganoven die bestialische Mutter von Tonya, gespielt von Allison Janney. Sie gibt ihrer Figur nicht nur den nötigen Ekel, sondern auch zugleich eine höchstinteressante Tiefe, wie sie das Drehbuch nur teils erreicht hätte. Das verdient zweifelsohne den Oscar als Beste Nebendarstellerin. Zu guter Letzt wäre da natürlich noch Margot Robbie, die zwar eher durch ihre Physis beeindruckt als durch die charakterliche Tiefe, jedoch ganz klar auch einige Szenen für sich gewinnen kann.

        I, Tonya ist kein Highlight unter den Biopics. Dafür ist seine Erzählung teils zu imitiert von Scorsese und an anderen Stellen lediglich nervendes Selbstloben. Wer jedoch nur auf kurzweilige Unterhaltung und gutes Schauspiel setzen möchte, wird hier mit diesen Ansprüchen durchaus befriedigt. [Robin Längert]

        • 7 .5

          [...] White-Trash-Milieustudie trifft auf Sport, und die Mischung zündet. In den teils virtuos gefilmten Eiskunstlaufszenen liegt allerdings auch ein großes Manko: Margot Robbies Gesicht wurde oft digital auf einen Profikörper gesetzt, was leider schmerzhaft deutlich zu sehen ist. Abgesehen von diesem CGI-Fauxpas macht „I, Tonya“ alles richtig – ein witziges, spritziges, stark gespieltes und erfrischend unzuverlässig erzähltes Biopic.

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          • 8

            Ungewöhnlich für ein Biopic dieser Art ist die Erzählweise von I, TONYA. Weil sich bei wichtigen Momenten die Versionen der Beteiligten unterscheiden, entscheidet sich der Film beide Versionen nebeneinander zu zeigen. Wenn Tonya ihrem wegrennenden Mann mit einer Flinte in der Hand hinterherschießt, dann aber direkt in die Kamera sagt, sie hätte das nie gemacht, entbehrt das natürlich nicht einer gewissen Komik und Selbstironie. Mir hat der Film nicht zuletzt wegen Margot Robbie und Allison Janney sehr gefallen.

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            • 7

              [...] Ständig findet sie sich zwischen den Fronten wieder und muss sich gegenüber anderen beweisen, während sie es ist, die unter physischem wie psychischem Missbrauch leidet und versucht, gegen das Trauma anzukämpfen. Nur auf dem Eis vergisst sie die Welt um sich herum und beginnt, für wenige kostbare Minuten zu schweben. Wenn sich die Musik steigert und die Kamera sowohl die Geschwindigkeit als auch die Bewegung dieses furiosen Schauspiels einfängt und imitiert, beginnt I, Tonya wahrlich zu fliegen und atemberaubende Schönheit zu offenbaren. Ewig währt er aber nicht, dieser Traum. Denn sobald das Unmögliche geschafft ist, zerschellt er am Kliff der Hässlichkeit.

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              • 7 .5

                Die Schauspielleistungen in I, Tonya sind überragend. Die Inszenierung ist nicht weniger mitreißend. Die Kameraführung dynamisch. Die Montage wild. Das Zeitkolorit (die Achtziger- und Neunzigerjahre) schön getroffen. [Martin Thomson]

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                • 7

                  Keine Wahrheiten behaupten zu wollen oder das in der Boulevardpresse bis auf den letzten Tropfen ausgeschlachtete Thema final klären zu wollen, ist als filmischer Ansatz gut gemeint. Er birgt aber gleichzeitig die Gefahr der Trivialisierung einer Gesellschaftsschicht, aus der Harding unverkennbar kommt. [Toby Ashraf]

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                  • 8

                    Es ist faszinierend anzusehen, wie sich die Australierin Margot Robbie als Tonya Harding durch ihr Leben kämpft. Sie ist vulgär, trotzig und kämpferisch: aber keine Witzfigur. [Andreas Fischer]

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                    • 8

                      Getragen von hervorragenden Darstellern, vor allem den wirklich Oscar-würdigen Darbietungen von Robbie und Janney, erweist sich I, Tonya als echtes Kino-Schmankerl, das den legendären Harding/Kerrigan-Skandal auf wirklich originelle und clevere Weise aufbereitet. [Frank-Michael Helmke]

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                      • 6

                        Erträglich und sogar unterhaltsam gemacht wird diese Story allenfalls als Farce. I, Tonya ist eine unablässig mit der Wahrheit jonglierende und die Gefühle manipulierende Mixtur aus scharfzüngigem Witz und unverstellter Anklage, bei der sich Lachen und Zorn binnen Sekunden ablösen. [Franz Everschor]

                        • 7 .5

                          Das Gute an diesem Film ist, dass er die Widersprüche nicht auflöst, keine einfache Wahrheit serviert wird, stattdessen die Selbstinszenierungen nebeneinander stehen lässt und dabei das tragikomische Porträt einer Kampf-Sportlerin auf dem Eis gestaltet. [Stefan Benz]

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                          • 7

                            Der Film erzählt diese Geschichte im Stil eines "Mockumentary" [...] mit gespielten Zeugenaussagen, Übertreibungen und schrägem Humor. Und einer fantastischen Margot Robbie als Tonya Harding ...]. Dass der Film gegen Ende seinen satirischen Biss verliert, dafür allerdings gibt es Abzüge in der B-Note. [Bettina PeuleckeBettina Peulecke]

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                            • 7

                              Kann Janning aus Tonyas Mutter zumindest noch eine äußerst lebendige Karikatur machen, wird bei den anderen Nebenfiguren in I, Tonya kein Redneck-Klischee ausgelassen. [Till Kadritzke]

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                              • 4

                                "Die Eiskunstkunstläuferin Tonya Harding schien genau zu wissen, was der Jury an ihr nicht passte. Das Biopic von Craig Gillespies offenbart dagegen eine äußerst fragwürdige Verschleierungsstrategie." [Olga Baruk]

                                • 8

                                  Getragen von hervorragenden Darstellern [...] erweist sich I, Tonya als echtes Kino-Schmankerl, das den legendären Harding/Kerrigan-Skandal auf wirklich originelle und clevere Weise aufbereitet. [...] Im ansonsten sehr formelhaften und überraschungsfreien Biopic-Genre ist I, Tonya jedenfalls ein Kleinod von fast einmaligem Einfallsreichtum. [Frank-Michael Helmke]

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                                  • 8

                                    Diese böse, schwarze Komödie macht vermutlich zu viel Spaß, um eine wirklich komplett wahre Begebenheit zu erzählen. Oder ist es vielleicht genau andersum? [Matt Glasby]

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                                    • 7

                                      Für sich genommen ist der Film witzig, bissig, mit hervorragenden Leistungen von Robbie und insbesondere Janney. Er erhebt aber schon im Titel I, Tonya den Anspruch, etwas über die «reale» Tonya Harding zu erzählen. Dafür gibt Gillespie sie jedoch zu oft für einen Lacher preis und verliert die Figur vor allem in der zweiten Hälfte aus dem Blick. [Nina Jerzy]

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                                      • 6

                                        Aus dem Fall Tonya Harding komponiert Craig Gillespie mit 20 Jahren Abstand ein böse-vergnügliches Mockumentary, ein schwindelerregendes Vexierspiel, in dem er zusammen mit Hauptdarstellerin Margot Robbie und Nebendarstellerin Allison Janney mit den verschiedenen Versionen der Wahrheit jongliert. [Anke Sterneborg]

                                        • 8

                                          Die Geschichte um die begnadete Eiskunstläuferin Tonya Harding, deren Karriere sehr hässlich endete, hätte Stoff für ein Drama oder auch einen Thriller gegeben. „I, Tonya“ macht daraus jedoch eine böse bis satirische (Meta-)Komödie, die sich über alles und jeden lustig macht, der damit zusammenhängt. Das ist wahnsinnig unterhaltsam und doch auch bitter, das tragische Underdogschicksal ist gleichzeitig ein erschreckender Blick auf das ausgestoßene Unterschichtenmilieu Amerikas.

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                                          • 8

                                            Eigentlich ist diese Geschichte zu verrückt, um wahr zu sein. Und weil sie so verrückt ist, lässt sie sich nur als Satire erzählen. Umwerfend, nicht nur auf dem Eis: Margot Robbie. [Michael Ranze]

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                                            • 6

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                                                I, Tonya ist einer der besten Filme des Jahres. [Christy Lemire]

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                                                • 5
                                                  NewYorkTimes 08.12.2017, 14:01 Geändert 08.12.2017, 18:15

                                                  Bei I, Tonya ist es schon verblüffend, wie die Filmmacher sich dazu entscheiden, eine comichafte Geschichte zu erschaffen, die erbärmlich und gleichzeitig entmutigend ist. Der Humor des Films wirkt eher schräg und verzerrt als lustig. [Manohla Dargis]

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                                                    Die Geschichte der Eiskunstläuferin Tonya Harding [...] wird hier mit viel scharzem Humor erzählt. Damit wie auch mit dem Durchbrechen der vierten Wand entsteht ein unglaublich unterhaltsamer Film mit einer grossartigen Margot Robbie in der Hauptrolle. [Christoph Schelb]

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