Im Lauf der Zeit - Kritik

Im Lauf der Zeit

DE · 1976 · Laufzeit 175 Minuten · FSK 18 · Road Movie, Drama · Kinostart
Du
  • 10

    Freitagmorgen, Anfang März. Meine Nacht endet früher als gedacht, da die Wellensittiche im Wintergarten meiner Nachbarn ihren Dienst früher als gewohnt beginnen. Immerhin, ich wache wie jeden Morgen mit Vogelgezwitscher auf, was ja auch nicht die schlechteste aller Optionen ist. Auf meinem Handy befindet sich eine knapp siebenminütige Sprachnachricht einer Freundin, die gerade, wieder einmal, eine schwierige Zeit durchmacht und sich damit an mich wendet. Noch müde von der Nacht liege ich hin- und hergerissen zwischen weiterschlafen und doch schon aufstehen im Bett, durch den Spalt der bewusst offen gelassenen Schlafzimmertür kommt ein kleiner Hauch Tageslicht, der weitaus weniger erhaben scheint als in den vergangenen Tagen. Für gewöhnlich grüßt mich auf diesem Wege die Sonne des frühen Morgens, lässt das Bett mit ihrer Wärme erstrahlen, doch diese bleibt anm heutigen Tage offenbar aus.

    Ich nehme einen Schluck aus dem Glas Wasser neben meinem Bett, von dem ich nicht weiß, ob es denn nun halbvoll oder doch halbleer ist, wer weiß das schon, entscheide mich doch aufzustehen und begebe mich an den Ende des Gangs um mich müde unter die Dusche zu schleppen. Ich habe das Brot vergessen, kommt es mir in den Sinn, wieder einmal, ich habe schon wieder das verfluchte Brot vergessen, dann eben gleich noch zum Bäcker, dann eben ein paar Minuten weniger duschen. Dazwischen immer Gedanken an den Abend zuvor, den eigentlich sehr gut verlaufenen Donnerstag, die Zeit im Schwimmbad, beim Asiaten das "Geschmacksverstärker sind in China üblich" als große Lüge am Ende der Speisekarte und die Stunden im Billiardcafé. Ich hatte endlich mal wieder einen der zahllosen, immer gleichen Abende nach meiner Arbeit genutzt, nicht nur die Zeit vergeudet, die viel zu schnell verfliegt, ohne das man es merkt.

    Auch ich merke das wieder einmal als ich ins Auto steige, 07:58 Uhr, viel zu spät bereits, später zumindest als gedacht, wenn auch noch rechtzeitig um beim Bäcker vorbeizuschauen und um halb neun im Büro zu sein. Gerade den Motor gestartet, drehe ich den Schlüssel auch gleich zurück in seine Anfangsstellung, haste hinaus in den milden Morgen, durch die Haustür, die Treppen zur Wohnungstür hinauf und zurück ins Schlafzimmer. Die Pakete, die Post, da war doch noch etwas, was ich fast wieder vergas, die kleine Vase, die einen neuen Besitzer gefunden hat und die Retoure der Kleidung, die einfach nicht aussah, wie sie hätte aussehen sollen. Dann wieder zurück, aus dem Schlafzimmer zur Wohnungstür, die Treppen hinab, der immer selbe Ablauf in einem Zahnrad der vernichtend schnell zerstörerischen Monotonie. Den Motor nochmal starten, jetzt aber, 08:02 Uhr, der Bäcker, das Büro, die Zeit, die ich nicht habe.

    Wir hasten zu oft. Ich zumindest. Zumindest habe ich das Gefühl zu hasten, obgleich ich ein Mensch bin, der sich viel zu häufig und gerne von Verpflichtungen und Konventionen löst, der sich nicht einfügen mag in das Erfüllen permanenter Verpflichtungen, obgleich auch ich am Ende Geld verdienen muss, mich um Erledigungen kümmern muss, denen ich gerne Filme, ein gutes Buch oder Reisen vorziehen würde. Monotonie, die permantente Übermüdung und diese verflucht anhängliche Einsamkeit sind es, die mich klein halten, durch meinen Kopf kreisen und mich am Ende doch wieder dazu bringen ein paar Worte zu verfassen, damit ich mich zumindest für die Dauer eines kleinen Augenblickes frei fühle. Frei wie Bruno und Robert, deren Vergangenheit wir nicht kennen, über die wir nicht viel wissen und viel erwarten, die sich treiben lassen, in einem alten Möbelwagen, entlang einer imaginären innerdeutschen Grenze in trostlos-tristen Gegenden, die eine vorzügliche Parabel auf die Leere ihrer, meiner, vielleicht unser aller Leben bietet. Da ist nicht viel, nur der in der Ferne laut vorbeiziehende Zug als Relikt eines hastigen Fortschritts, der hier bewusst umgangen wird. Worte und Schnelllebigkeit, die für drei Stunden verschwinden, uns zwingen einmal zurückzukehren zu uns und der Stille, fast meditativ in uns zu kehren und uns zu erinnern, dass es die kleinen Dinge sind, die im Leben zählen.

    Ich liebe den Sonnenschein, der mich morgens durch meine Schlafzimmertür weckt; das Knistern der Schallplatten; das Zwitschern der Vögel am Morgen; die Bäume beim Blick aus meinem Wohnzimmerfenster; die 35qm Dachterasse, die Teil meiner Wohnung ist und dass ich dabei an "Ghost Dog" denken muss; den kleinen Marienkäfer, der vor ein paar Wochen in meine Wohnung kam und seither in meinem Wohnzimmer haust; Kräutertee in allen Varianten; den Geruch von Kaffee und den Geschmack von Reis; die Poesie von Schwarz-Weiß-Fotografie; Kerzenlicht und Blumen im Übermaß; endie Überreste eines Regenschauers, die nach und nach vor meinem Fenster heruntertropfen; Croissants mit Marmelade und Orangensaft an jedem Samstagmorgen; Stille. Ich liebe das Kino, die Poesie der kleinen Leute und Filme, Wim Wenders introvertierte Art und "Im Lauf der Zeit", weil er so viel ist und so wenig sein möchte.

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    • 7
      EudoraFletcher68 17.02.2018, 07:01 Geändert 29.06.2018, 21:58

      Meiner Meinung nach geht es in dem sehr langsamen dreistündigen (!!!) Roadmovie eigentlich um Homoerotik, auch wenn diese nie offen ausgelebt oder benannt wird. Bei meiner Recherche im Internet habe ich dazu allerdings nichts gefunden. Wie ich darauf komme:

      ANFANG HANDLUNGSSPOILER
      Die beiden Protagonisten Bruno (Rüdiger Vogler) und Robert (Hanns Zischler) sind oft nur ziemlich leicht bekleidet und werfen sich für mein Empfinden begehrliche Blicke zu. Obwohl sie sich lange siezen, flirten sie eigentlich die ganze Zeit miteinander. Dann will Robert unbedingt mit Bruno zum Baden an den Baggersee gehen. Später geht Bruno mal ins Pornokino und überrascht den Filmvorführer beim Onanieren. Der Film dreht sich hauptsächlich um Männer und diese werden auf eine Art in Szene gesetzt, dass ich oft dachte, das ist doch ein Film für Schwule.
      ENDE HANDLUNGSSPOILER

      Ansonsten wird wenig gesprochen und der Film ist außerdem recht (zu?) lang. Mir ging es so, dass ich immer wieder etwas anderes machen musste, obwohl mir die Bilder teilweise sehr gut gefallen haben, es sind wirklich tolle Landschaftsaufnahmen und mich ansprechende Atmosphäre dabei. Durch meine Schwierigkeit mich auf den Film ganz einzulassen, habe ich manches nicht mitbekommen. Vielleicht dann bei der Zweitsichtung mit weniger Unruhe. Dass man Bruno beim Kacken zusehen darf, find ich allerdings ein wenig krass, sogar für heutige Verhältnisse!

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      • 8 .5
        Sinneast 05.02.2017, 13:30 Geändert 05.02.2017, 15:12

        In einem dreistündigen Roadmovie, verengt sich die schicksalhafte Begegnung zweier fliehender Männerseelen, zu einer stillen Leidenschaft aus Faszination und unfreiwilliger Gegenreflexion.
        Wim Wenders zeichnet uns Menschen in dokumentarischer Form ruhig und besonnen, frei von jeglichen Vorurteilen und Anspruchsdenken, gefangen und getrieben durch unsere innersten Ängste und Sehnsüchte.
        Jede noch so kleine Einstellung, erzählt in Mimik, Gestik und unausgesprochenen Gedanken mehr über das Leben und die Menschen selbst, als man es auf sonst so herkömmlicher Schaffensart serviert bekommt.
        Dies nutzt Wenders geschickt dazu, um seine eigene Hommage und kritische Entwicklung am Film und dem Kino schlechtin zu setzen.
        Die wunderschöne Unaufgeregtheit seiner Bilder, bewegt sich am historischen Rande einer geteilten Nation und stellt sich über jegliche Grenzen hinweg.

        Im Lauf der Zeit ist aus der Retroperspektive heraus betrachtet der Gegenentwurf zu unserer heutigen Gesellschaft und der Entwicklung des Films.
        Wim Wenders ist seiner Zeit weit voraus und hat ein unglaubliches Gefühl dafür, Herz, Seele und Humor auf die ehrlichste Art zu berühren.

        Als Zuschauer hast du keine andere Wahl, als Dich selbst in den LKW zu setzen, um die 3 h Seelenstriptease durchs eigene Gemüt fahren zu lassen.

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        • 7

          Der dritte und letzte Teil von Wim Wenders’ Roadmovie-Trilogie (Alice in den Städten, Falsche Bewegung und Im Lauf der Zeit) ist gewissermaßen eine direkte Fortführung im größeren Stil von Alice. Während Alice über die Fotografie und das Fernsehen erzählte, zeigte, wie die Menschen versuchen sich in ihrer wundersamen Wirkung zu verlieren, wie der Bilderrausch immer ausbeutender und aufsehenerzwingender wird. Hier jedoch geht es Wenders um die große Liebe Kino. Der Film von 1976 ist in schwarz-weiß gedreht, dauert 176 Minuten und ist überaus ruhiges Autoren-Kino. Ausbeutend und aufsehenerzwingend ist hier gar nichts, viel mehr fordert Wenders von seinem Publikum eine neue Herangehensweise ans Kino. Eine, die sich tiefergehend mit dem Medium auseinandersetzt und dem Film Respekt und Geduld entgegenbringt. Leider ist das heutzutage anscheinend schon zu viel verlangt. […] Wenders baut eine immens enge Beziehung zwischen den Figuren und dem Publikum auf und versucht darüber, das persönliche Kino zu retten. Ein Versuch, der nun rückblickend gesehen zum Scheitern verurteilt war. Aber ist Wenders auch gescheitert? Ist er das wirklich, wenn es immer wieder Zuschauer gibt, die den Weg zu Im Lauf der Zeit finden, die sich befreien lassen und für drei Stunden überzeugen lassen, dass das Kino so lebendig ist wie eh und je. Deshalb folgt Wenders seinen Figuren bis in intimste Momente (buchstäblich bis zum Defäkieren in der Natur). Deshalb zeigt er seine Figuren beim Ausführen von Kino in seiner Reinform. Robert und Bruno vollführen Schattenspiele hinter der großen Leinwand für ein Publikum bestehend aus Kindern. Licht und Dunkel verzaubert das junge Publikum - wohl auch deshalb hat Wenders den Film in schwarz-weiß gefilmt. Es braucht nicht viel, um die Magie des Kinos aufleben zu lassen. Und dass sie langsam schwindet hängt auch mit der filmischen Sozialisierung zu tun. Jeder hat die Chance, den Stand des Kinos zu verbessern und Filme zu respektieren. […]

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          • 7

            Auch eine Scheibe, die ich monatelang vor mir hergeschoben habe, weil ich nicht wusste wann ich die Böcke und die Muße haben würde, mir einen Film anzusehen, der zweieindreiviertel Stunden dauert.
            Am Tag der deutschen Einheit war für mich der richtige Moment dafür und es geht ja auch teils darum IM LAUF DER ZEIT.

            SPOILER
            In meinem ersten kurzen Kommentar dazu hatte ich geschrieben, dass es sich um einen eher harten Coming of Age Film handeln würde. Und das ist er auch aber dies offenbart sich ja erst am Schluss.
            In diesem Film hab ich das erste Mal einen Menschen cineastisch und echt Scheißen sehen, auch ein Novum.
            SPOILERENDE
            Ich hab noch nicht allzuviel von Wenders gesehen und wenn ich seinen Namen höre, dann kann ich eigentlich nur einen Seufzer von mir lassen, weil ich von den Filmen, die ich von ihm sehen konnte ich dass Gefühl hatte, dass diese irgendwie etwas lähmendes in sich haben und ich gerne Filme sehe, die mich befeuern, beflügeln und mir mit einer guten soliden Richtgeschwindigkeit mir Welten, Lebenswelten, Realitäten und Persönlichkeiten zeigen, die man sonst nicht so unbedingt in der Form mitbekommt. Bei Wenders schwebt so eine grundlähmende oder entschleunigte Stimmung vor, die durch die Musikauswahl auch noch bestärkt wird. Diese Melancholie, Einsamkeit und Sehnsucht habe ich nicht in mir in mir und deswegen irritiert sie mich auch stellenweise bei Wenders so derart stark, dass es mich langweilt. (Ich hoffe ich tue ihm damit Unrecht, aber es ist kein Wunder, dass ich spritzige Dialoge wie in Filmen aus den 30ern und 40ern mit Howard Hawks jedem Film von Wenders vorziehe, einfach weil die Figuren, Handlungen und Menschen ihre Lebensflamme und ihren Esprit mit indirekter Lebensfreude abbrennen und nicht so vor sich hinintrovertieren wie es bei Wenders häufig der Fall ist. Stille Momente sind wichtig sowohl im Leben als auch im Film, wenn diese stillen Momente jedoch ein Dauerzustand sind, dann muss man das mögen. Ich tue das nicht.)
            FAZIT: Im Lauf der Zeit ist auf alle Fälle sehenswert. Einmal reicht dann aber auch.

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            • 7
              Stefan Ishii 09.07.2016, 14:00 Geändert 09.07.2016, 14:23

              "Im Lauf der Zeit" von Wim Wenders ist formell betrachtet zweifelsohne ein wunderbarer Film. Entschleunigung pur. Wer so etwas liebt und viel Empathie für die Figuren in Filmen entgegenbringen kann und möchte, kommt hier vollkommen auf seine Kosten. Der Film kann auch ansonsten mehrere starke Momente vorweisen und der geneigte Zuschauer wird hier sehr viel Wenders-typisches wiederfinden. Auch die Einbettung der Handlung in einen Diskurs über Vergangenheit (Prolog) und Zukunft (Epilog) des Kinos ist hervorragend (beziehungsweise kann nachdenklich stimmen).

              Doch ich habe ein persönliches Problem, das in die Beurteilung eines Filmes nicht wirklich hineingehört, mich jedoch so sehr stört, dass dies sogar Einfluss auf meine Bewertung von "Im Lauf der Zeit" hat: Leider ist mir Rüdiger Voglers Figur Bruno Winter extrem unsympathisch. Seinen Rückzug aus der hektischen Welt mag man bewunderswert finden und wahrscheinlich wäre eine tiefergehende Untersuchung seiner Gründe sehr interessant gewesen, doch so erscheint mir sein Charakter bewußt weltantagonistisch, egoistisch und stellenweise sogar etwas menschenfeindlich. Immerhin konfrontiert Hanns Zischler ihn kurz vor Ende mit seinen Fehlern, doch reicht mir dies noch nicht wirklich aus. Somit fehlt mir in diesem ansonsten wirklich schönen Road Movie letzten Endes etwas, mit dem ich mich persönlich identifizieren kann oder das eine gewisse Botschaft transportiert.

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              • 7

                So, die DVD liegt am Tisch und glotzt mich an, aber heute hab ich keine Muße, aber bald, aber bald....

                • 9 .5

                  Die Wenders-Filme spielen immer auf mehreren Ebenen. Hier ist es
                  • eine Hommage an das alte Dampfkino, fast schon ein Nachruf.
                  • ein Roadmovie
                  • eine wortkarge Männerfreundschaft zwischen Bruno (Rüdiger Vogler) und Robert (Hans Zischler)
                  • beide sind u.a. auf der Suche nach ihren Wurzeln
                  • beide leben ohne Frauen, obwohl sie das eigentlich nicht wollen
                  • eine visionäre Vorausschau: Amerikanisierung unseres Lebens
                  Die Fahrt entlang der Zonengrenze macht den Film zu einem historischen Dokument. Die eindringlichen Bilder machen die fast menschenleere Gegend irgendwie fast spürbar. Nach 25 Jahren Wiedervereinigung ist diese Region heute ebenso wenig besiedelt wie das ehemalige Randgebiet der BRD in den 70er Jahren. Die kleinen Kinos, deren baldiges Ende hier vorhergesagt wird, hießen damals meist ROXY und die Tanken TEXACO. Dorfnamen wie ‘Machtlos‘ oder ‘Friedlos‘ fallen. Von Product Placement keine Spur: deshalb ungeniert Binding und Coca Cola. Und die Möbelwagen hatten noch keine hydraulischen Laderampen sondern Treppen.
                  Die s/w Bilder sind mit einem sanften, sehr melodiösen Soundtrack (Roger Miller, Crispian St. Peters, Chris Montez) unterlegt. Über weite Strecken geht es ohne Worte dahin. Für die unschuldige Liebesgeschichte mit Pauline (Lisa Kreuzer) nimmt sich Wenders nicht viel Zeit. Frauen sind halt problematisch sagt einer. Und Robert erfährt erneut wie gestört das Verhältnis zu seinem Vater ist.
                  Die Anlehnung an ‘Easy Rider‘(1969) kann man vernachlässigen, nicht aber den absoluten Schocker des Films: Bruno macht genüsslich und in aller Ruhe ‘ne Wurst! Aber nicht die vom Metzger. Dafür gibt es Theater im Theater (Schattenspiele) und ein verbal verspieltes Ende. Ein Dokument für den Filmolymp. Ewig gut!

                  • 9

                    3 Stunden Wim Wenders. Ein Erlebnis !
                    Die erste und die letzte Szene des Filmes könnten für sich stehen. Fast schon mit dem Holzhammer tischt uns Wenders seine Meinung zum Kino auf und es ist eine Meinung die aktueller nicht sein könnte : Das Kino wird kommerzialisiert.Der Autorenfilm beginnt auszusterben, billige Massenware überflutet das Kino. Aus heutiger Sicht eine Ansicht die sich als prophetisch erwiesen hat.
                    Das heutige Massenkino besteht nur aus seelenlosen Stangenware die uns mit hektischen Schnitten und technischer Perfektion, die doch nichts bringt, bombardieren. Wenders erkannte das und deswegen drehte er IM LAUF DER ZEIT.
                    IM LAUF DER ZEIT wirkt aus heutiger Sicht wie eine Flucht vor dieser Art von Kino. Der Film stammt zwar aus den 70ern aber er ist komplett in Schwarz/Weiß und legt keinen wert auf Technik. Genauso wie Wenders vor dieser Art des Kinos fliehen, fliehen seine zwei Protagonisten vor der Gesellschaft. Beide scheinen enttäuscht von ihrer Umwelt. Ihr Road-Trip führt sie durch die wunderschöne, friedliche, unberührte Landschaft Deutschlands.
                    IM LAUF DER ZEIT wirkt auch wie eine Flucht für den Zuschauer. Man verliert sich in den bildschönen Aufnahmen des Filmes, kombiniert mit der Musik, kann sich zurücklehnen und genießt einfach nur die Fahrt der beiden Freunde in dem Wohnwagen.
                    Trotz der Überlänge ist der Film zu keiner Sekunde anstrengend. Eher entspannend.
                    Eine kleine Flucht, einfach mal vor allem.

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                      Wim Wenders pur und ungekürzt!

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