In den Gängen - Kritik

In den Gängen / AT: In the Aisles

DE · 2018 · Laufzeit 125 Minuten · Drama · Kinostart
Du
  • 8 .5

    In den Gängen ist voller zärtlicher Beobachtungen und menschlicher Empathie für seine unterdrückten Protagonisten. [Stephen Dalton]

    • 8

      In den Gängen ist ein sehr authentischer Film, sehr zärtlich, der trotz der eher zweckmässigen Kulisse, in der er spielt, viel Wärme ausstrahlt. [Julia Stache]

      • 9

        Liebeswerte Figuren. Großartige Darsteller. Einfallsreiche Regie. Umwerfende Dialoge. Poetische Momente. So entsteht im Mikrokosmos Großmarkt einer der bewegendsten deutschen Filme der letzten Jahre. [Dieter Oßwald]

        • 8 .5
          Edward Nigma: CinemaForever 27.02.2018, 13:50 Geändert 27.02.2018, 13:51

          [...] Thomas Stubers In den Gängen, der letzte Wettbewerbsbeitrag der diesjährigen Berlinale, ist gleichzeitig auch mein bisheriger Festivalhöhepunkt. Der vierte deutsche Film im Wettbewerb ist eine einfühlsame Studie über jene, die von der Gesellschaft oft übersehen werden, ein Film über die fast unsichtbaren Arbeiter in Großmärkten und ihren vor den Blicken der Kunden verborgenen Mikrokosmos. Regisseur Thomas Stuber sucht in seinem Film die Größe im Kleinen – Bilder des erwachenden Großmarktes werden pompös mit klassischer Musik untermalt. Aus den Lautsprechern tönt Johann Strauss‘ An der schönen blauen Donau und weckt sofort Erinnerungen an Stanley Kubricks Klassiker 2001: Odyssee im Weltraum. Stuber lässt den Zuschauer eine neuen Welt erkunden, jedoch geht es nicht in ferne Galaxien, er öffnet uns lediglich Türen zu verschlossenen Arealen des scheinbar Vertrauten. Die eisigen Weiten der Tiefkühlabteilung (von den Mitarbeitern scherzhaft Sibirien getauft), ein geheimes Meer (die Aquarien der Fischabteilung) oder einfach nur ein Ausflug an den Kaffeeautomaten, der zum stetigen Mittelpunkt der kleinen Welt wird, die sich der wortkarge Protagonist Christian (großartig: Franz Rogowski, der im Zusammenspiel mit Sandra Hüller wirklich brillieren kann) langsam erschließt, werden zu melancholischen Zufluchtsorten im stressigen Arbeitsalltag. Die größte Stärke von Thomas Stubers In den Gängen liegt jedoch in seiner grandiosen Figurenzeichnung. Der Regisseur dirigiert gleich ein ganzes Figurenkabinett liebevoller Außenseiter, zumeist Wendeverlierer, die in ihrem Großmarkt irgendwo in Ostdeutschland eine Ersatzfamilie in ihren Mitarbeitern gefunden haben. Dabei werden dem Zuschauer nie mehr Informationen als zwingend nötig gegeben, Konflikte bleiben unausgesprochen, Motivationen können nur erahnt werden. Doch irgendwann ist jede Schicht zu Ende, dann müssen alle zurück in die Wirklichkeit. In den Wohnungen gibt es keine Poesie, hier herrscht karge Tristesse, aus dem die Arbeiter erst am nächsten Morgen, mit Beginn der nächsten Schicht, wieder erwachen dürfen. [...]

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