In ihren Augen - Kritik

El Secreto de Sus Ojos

ES/AR · 2009 · Laufzeit 129 Minuten · FSK 12 · Kriminalfilm, Thriller, Drama · Kinostart
Du
  • 8
    epdFilm 03.12.2015, 16:19 Geändert 03.12.2015, 16:20

    Eine uneingestandene Liebe und ein eigentlich aufgeklärter Mordfall führen die Beteiligten nach 25 Jahren wieder zusammen. Dass in Argentinien die Geister der Vergangenheit nicht zur Ruhe kommen wollen, ist in Juan-José Campanellas Verknüpfung von Kriminal- und Liebesfilm auch eine diskret politische Botschaft. [Gerhard Midding]

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    • 8

      In Ihren Augen ist spannend und auch bewegend aber vor allem spürt man die Liebe die Campanella zu seinem Land hegt

      • 7 .5

        Dass „El Secreto de Sus Ojos“ 2010 überraschend mit dem Oscar für den besten fremdsprachigen Film ausgezeichnet wurde und damit die Favoriten „Das weiße Band“ aus Deutschland sowie „Ein Prophet“ aus Frankreich hinter sich ließ, ist bezeichnend für die vermeintliche Unscheinbarkeit des Films, hinter der sich so einiges verbirgt. In aller Ruhe präsentiert sich die auf zwei Zeitebenen erzählte Kriminalgeschichte, die sich immer wieder auch besonders auf zwischenmenschliche Beziehungen konzentriert. Es ist weder ein richtiger Krimi, wie man ihn sich vorstellt, noch eine richtige Liebesgeschichte. Aber diese beiden Fast-Komponenten treiben sich gegenseitig an und werden zu einem stimmigen, ergreifenden Ganzen. [...]

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        • 9

          So verbeißt sich [der Protagonist] in eine Tätersuche, die "In ihren Augen" neben dem stillen Liebesdrama außerdem zu einem unglaublich spannenden Thriller werden lässt.
          [...] Ein würdiger Gewinner des Oscars für den besten fremdsprachigen Film.

          • 7

            Dass sich "In ihren Augen" trotz [...] Schwächen bei der Oscarverleihung gegen den hoch favorisierten deutsch-österreichischen Konkurrenten "Das weiße Band" durchsetzte, dürfte vor allem der Verdienst des Kameramanns Félix Monti gewesen sein. Er beweist ein bemerkenswertes Gespür für eine harmonische Bildaufteilung, achtet stets auf eine perfekte Ausleuchtung und versteht es, Schärfe und Unschärfe präzise und im passenden Moment einzusetzen.

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            • 9

              "In ihren Augen" ist ein bisschen Film Noir und eine große Romanze, dabei aber auch ein bisschen Buddy-Movie und gleichzeitig ein politischer Film. Und das Verblüffende: All dies funktioniert auch noch. Einzig, dass hier der Zuschauer am Anfang überfordert und nicht mehr an die Hand genommen wird, kann man diesem Film überhaupt vorwerfen. Ansonsten muss man sagen: Hut ab, Señor Campanella.

              • 9

                "In ihren Augen" ist [...] ein sehr emotionaler, schwermütiger Film, der von der lähmenden Kraft der Erinnerung erzählt, von unerfüllter Liebe und der Angst, sich zu offenbaren. Eine faszinierende Melange aus Romanze und Thriller, in der Vergangenheit und Gegenwart, Erinnerung und Wirklichkeit wunderbar ineinander fließen. Ein virtuos erzähltes, exzellent gespieltes und in betörenden Bildern eingefangenes Drama.

                • 8 .5

                  „In ihren Augen“ ist ein politisches Drama mit Thrillerelementen im „Film noir“-Stil. Spannend und unterhaltsam nähert sich Campanella elementaren Themen wie Justiz und Gerechtigkeit. Im Zentrum steht die Frage nach der Aufarbeitung der Vergangenheit, der Kampf gegen die „impunidad“, die Straflosigkeit für die Mörder, die die argentinische Gesellschaft bis heute beschäftigt. Der überzeugende Ausstattungsfilm lebt von Rückblenden, von Sprüngen zwischen der Gegenwart und der Vergangenheit. Für deren Glaubwürdigkeit sorgt neben den Maskenbildnern auch das hervorragende Darstellerensemble, angeführt von Ricardo Darín.

                  • 8 .5

                    [...] Das "amerikanische Kino-Auge" muss bei diesem Film einmal komplett abgeschüttelt werden. Das Lichtspiel der schnellen Krach-Aktionen, Schnitte und Lösungen existieren hier nicht. Wir tauchen in diese Welt der sonderlichen Normalos ein, nehmen die befremdliche Sorgfalt, Ruhe auf, atmen diese besondere Atmosphäre eines unbekannten Landes ein, erleben private Politik, blicken auf eine mitreißende berührende Stimmung und tragische Stimmungen.
                    Es ist ein reicher Film, behutsam wie originell entwickelt und spannend. Wir fühlen nur das, was wir sehen, was passiert: Unwahrscheinliche Tricks wie Doppelbödigkeit und "dickes Heldentum" brauchen wir nicht zu befürchten. Volle Konzentration auf das Hier. Man darf sich auf die verschiedenen zusammenhängenden Geschehnisse mehr und mehr fasziniert einlassen.

                    • 8 .5

                      Klug verschachtelt breitet Regisseur Juan José Campanella sein sich über mehrere Jahrzehnte erstreckendes und mit Anleihen beim Film Noir gespicktes Porträt eines hartnäckigen Polizeibeamten aus. Hier wirkt nichts aufgesetzt oder künstlich, vielmehr lässt Campanella seine verschiedenen Erzählstränge auf organische Weise miteinander verwachsen. In dieses packende Konstrukt flechtet er noch einige politische Anspielungen, die zeigen sollen, dass im prädiktatorischen Argentinien bis Mitte der 1970er Jahre der Boden schon fruchtbar war, aus dem heraus dann 1976 das Regime von Jorge Rafale Videla furchtbare Grausamkeiten an seinen politischen Gegnern und Studenten begehen konnte.
                      Mit Ricardo Darín hat der Regisseur zudem einen grandiosen Hauptdarsteller gefunden, der eine lässige Souveränität und Ruhe ausstrahlt und diesen sorgsam erzählten Filmkrimi mühelos trägt. In satten Farben durchdacht fotografiertes und in seiner Summe ganz großes Kino aus Argentinien, das als Land in den vergangenen Jahren immer wieder mit kleinen, aber feinen Filmperlen wie dieser zu überraschen wusste.

                      • 9 .5

                        Der hervorragende Schnitt, für den Regisseur Campanella selbst verantwortlich zeichnet, verwebt die unterschiedlichen Zeitebenen exzellent miteinander. Das vielschichtige Drehbuch verknüpft darüber hinaus den Justizthriller mit einer ein Vierteljahrhundert andauernden Liebesgeschichte und vor allem mit der Geschichte Argentiniens. Aus der Kriminalgeschichte wird ein Politthriller, weil die persönliche Geschichte von Menschen, die „zu dem Schluss kommen, dass man die Vergangenheit nicht verstecken kann, dass man sich mit der Vergangenheit auseinandersetzen muss” (Regisseur Campanella) mit der Geschichte Argentiniens unmittelbar vor dem Militärputsch 1976 verbindet. In den Jahren 1974-76 begünstigte die Regierung Isabel Peróns die Gründung der antikommunistischen Terror-Organisation „Triple A“, die sich als Vorläufer des Staatsterrorismus der Militärdiktatur herausstellen sollte. In den Film „In ihren Augen“ bildet die politische Situation jedoch nicht in konventioneller Art die Folie, auf der sich die Handlung entwickelt. Die „dramaturgisch unorthodoxe Weise“ (Campanella), in der sie vielmehr in die Handlung seines Filmes einbricht, zeugt von einem souveränen Umgang des Regisseurs mit der Filmsprache und hinterlässt beim Zuschauer eine nachhaltige Wirkung.

                        „In ihren Augen“ ist ein vielschichtiger, hervorragend gespielter, grandios inszenierter und mit einer gehörigen Portion trockenen Humors angereichter Film, der in seinem Eintreten für eine zweite Chance auf den zwei Filmebenen das moralische Urteilsvermögen des Zuschauers herausfordert.

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                        • 8

                          Ein stimmiges Werk, das seinen Vorschußlorbeeren gerecht wird (...) Gekonnt verwebt Campanella romantische Handlungsstränge mit Krimi-Elementen, hier und da unterbrochen von humorvollen Auflockerungen. IN IHREN AUGEN ist atmosphärisch, exzellent fotografiert (die viel gerühmte Stadion-Szene ist in der Tat aller Ehren wert) und über seine zwei Stunden Laufzeit durchaus spannend.

                          • 7

                            ...Der Oscar als bester fremdsprachiger Film präsentiert sich als gerechter Verdienst. Wer einen so gewagten Drahtseilakt zwischen Romantik und Kriminaldrama mit einem stimmigen Gesamtkonstrukt abschließt, hat Großes vollbracht. In ihren Augen bleibt trotz etwas komplexerer Themen immer ein Film für das Publikum, der einem auch mal die Möglichkeiten menschlicher Wandlungsfähigkeit vor Augen hält, anstatt sich in grenzenlosem Pessimismus zu suhlen. Letztendlich war dies wohl auch der entscheidende Faktor, warum Hollywood den argentinischen Vertreter, den spießbürgerlichen Schreckensszenarien eines Michael Haneke vorgezogen hat.

                            • 7 .5

                              [...] Ob der Oscar – so viel Wert man ihm denn verleihen mag – wirklich verdient gewesen ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Neben der etwas zu schnulzigen Musik – Streicher hier, Klavier dort – kann man eigentlich nicht viel an El secreto de sus ojos aussetzen. Campanellas Film hat Kraft, ist einfühlsam und unterhält über die Laufzeit von mehr als zwei Stunden und kann ohne Zögern in die Liste der sehr guten Filme dieses Jahres hinzugefügt werden.

                              • 8 .5

                                Neben den schauspielerischen und inhaltlichen Qualitäten heben aber auch die optischen Qualitäten den Film weit über das Mittelmass hinaus. [...]
                                Man braucht sich in «El secreto de sus ojos» nur wenige Einstellungen mit ihrem stupenden Spiel von Licht und Schatten anzusehen, um gewahr zu werden, dass mit Monti hier ein wahrer Meister seines Fachs am Werk ist – in einem Film, der seinen Zauber und seine nur bedingte Entschlüsselbarkeit auch nach mehrmaligem Anschauen bewahrt und der stets neue Einblicke eröffnet in ein Labyrinth, das sich jeder einfachen Begehbarkeit konsequent entzieht.