Interior. Leather Bar. - Kritik

Interior. Leather Bar.

US · 2013 · Laufzeit 63 Minuten · FSK 16 · Dokumentarfilm, Drama · Kinostart
Du
  • 9

    Scheinbar geht es um verlorene Filmausschnitte, doch mit dem belauschen von Gesprächen, dem zeigen von aufgehübschten Männernkörpern und dem blauäugigen Lächeln von Heteromännern, stellt James Franco hier ein für die meisten geltenden Grundprinzip unserer Gesellschaft in Frage: nah bei den Darstellern bricht er ihr (und sein) Bild von Heteronormativität und der bipolaren Geschlechternorm: wer fickt wen, wer filmt was, wer schaut sich sowas an (oder eben nicht) und wer findet das wie? Für mich sind das hier 60 Minuten simple, aber äußert schöne und schlaue Gesellschaftskritik. Wer meint, in diesem Film Pornografie zu sehen, sich aufregt über fehlende Geschichte oder sich über diese seltsam dargestellte Szenerie echaffiert, für den ist dieser Film eigentlich gemacht, sollte ihn sich aber nochmal in Dauerschleife reinziehen.

    1
    • 5

      Die geplante Neuerfindung der gelöschten Szenen aus Friedkins Film nehmen in der einen Stunde von Interior. Leather Bar. gerade mal 15 Minuten ein. Der Rest ist eine Dokumentation, die heutige Schauspieler dabei beobachtet, wie sie die Szenen proben und filmen...diskutables Projekt.

      • 5

        [...] Ein wagemutiges Projekt, initiiert von Universalwerbefigur James Franco und seinem Kumpel Travis Mathews, sowohl "Bondage-Kunstporno" (der Begriff fällt während des Drehs) als auch entartete Installation, der Versuch einer künstlerischen Deutung eines, wenn man so will, "offenen Kunstwerks" und zugleich der spielerische Umgang mit selbstreflektierender Trivialkultur und impulsiver Körperästhetik, die das postmoderne Zitat und die Hommage als gemeinsamen Nenner versteht, um zu suchen, warum man es macht, und um zu erkennen, dass man es machen muss. [...] In manchen Gesprächsrunden bei Kaffee- und Mittagspausen wirkt "Interior. Leather Bar." insofern wie ein launiges, latent romantisches Kaffeekränzchen unter verrückten Freunden, die sich intime Dinge erzählen, obwohl sie den Sinn dahinter beharrlich herauszufinden versuchen, während ihr gesellschaftlich zu gern als abnorm deklarierter Fetisch in allen Varianten nach kurzer Eingewöhnungszeit zu etwas mutiert, das schulterzuckend hingenommen wird. Da baumeln Hoden und erigierte Schwänze, Berührungen, Liebkosungen, Lust, Begehren vor der Kamera, immer ungefiltert, direkt und bemerkenswert naturalistisch – alles völlig normal, alles okay, alles andere als schlimm. [...]

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        • 3

          Die Idee von Interior. Leather. Bar. ist schon ganz spannend. Von William Friedkins Film CRUISING mit Al Pacino mussten angeblich insgesamt 40 explizite Minuten rausgeschnitten werden, um es durch die amerikanische Zensur zu schaffen.
          Travis Mathews und James Franco wollten nun ihre Version der herausgeschnittenen Szenen zeigen. Herausgekommen ist ein pseudodokumentarischer Film, der vor allem seine Dreharbeiten und ihre Schauspieler in den Mittelpunkt stellt und was es für sie bedeutet, in einem "schwulen Kunstporno" mitzuspielen und wie weit sie in ihren Szenen gehen würden. Dabei ist nie so richtig klar, was da hinter den Kulissen eigentlich gescriptet oder persönliche Haltung ist. Und es wird endlos geredet, es wird geklönt, diskutiert und einfach mal ordentlich gesabbelt. Und James Franco findet es schade, dass er so heterosexuell erzogen wurde. Und alle klopfen sich bewundernd auf die Schultern, bei so einem Film dabei zu sein. Ich konnte es kaum fassen, was da zusammengequatscht wurde, sei es nun laut Drehbuch oder nicht.
          Ich hatte es an anderer Stelle in dieser Woche schon einmal bei einem anderen Film geschrieben. Szenen aus dem Film und einzelne Bilder als Multimediainstallation (was wohl auch der ursprüngliche Gedanke war) in einer Ausstellung und ich kann mich begeistern. Als Film wirkt es unfassbar konstruiert und funktioniert eigentlich nur in den kurzen Spielszenen (insgesamt lediglich ein paar Minuten), die tatsächlich mit CRUISING zu tun haben.

          2
          • 7

            Tatsächlich aber ist der Film nicht, was er zu sein vorgibt. Also eben kein aufgeblasenes Selbsterfahrungs-Kunstprojekt, und schon gar kein Making-of dieses Kunstprojekts. Stattdessen ist das Ganze sehr smart.

            • 3

              Irgendetwas scheint bei dem Projekt aber massiv schiefgelaufen zu sein. Denn nur einige wenige der insgesamt 60 außergewöhnlich endlosen Minuten in Interior. Leather Bar. [...] versuchen sich vorzustellen, was Friedkin und sein Hauptdarsteller Al Pacino damals nicht zeigen durften

              • 5

                Der herausragend gespielte Film Interior. Leather Bar. beleuchtet das Spannungsfeld zwischen Regie und Schauspieler sowie Kunst, (schwuler) Pornografie und Zensur, ohne es jedoch grundsätzlich auszuloten. [...] Eine differenzierte Perspektive auf die reale SM-Szene ermöglicht ein solcher Zugang nicht.

                • 5 .5

                  Die verlorenen 40 Filmminuten vermag der erstaunlicherweise dann doch recht zaghaft und unentschlossen geratene Film auch nicht nur ansatzweise wiederauferstehen zu lassen, aber wenigstens gelingt es [...] den einen oder anderen Zuschauer womöglich mit seiner latenten Homophobie zu konfrontieren.

                  • 7

                    Der Legende nach wurden aus William Friedkins berüchtigtem Serienkiller-Thriller "Cruising" mit Al Pacino satte 40 Minuten, herausgeschnitten, um eine Freigabe zu erhalten. James Franco und Travis Mathews haben sich daran gemacht, diese Szenen nun nachzustellen. "Interior. Leather Bar." ist eine rohe Mischung aus Doku und Spielfilm, die erst mal sehr schwierig einzuordnen ist, weil die Grundlage des Ganzen, Friedkin, Pacino und "Cruising" zwar gebührende Ehre erhalten, aber auch schnell in den Hintergrund treten, und sich der Film anderen Dingen widmet. Ich empfand dieses Projekt allerdings als wahnsinnig interessant, weil der Film zwischen seinen ganzen wirren Ideen und Fiktionen stets die Wahrheit sagt und wenn Franco über Sex, Homosexualität und schwulen Sex in Verbindung mit Hollywood und seiner Person philosophiert von Grund auf ehrlich ist, was sehr faszinierend wirkt.

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                    • 4

                      [...] James Francos Anteil ist jedenfalls sehr gering. Er führt die Kamera und gibt in ein paar Momenten seine lobenswerten Kommentare von sich. Leider erreicht „Interior. Leather Bar.“ seine selbst auferlegten Ziele nicht. [...]

                      3
                      • 5

                        Francos Intention, schwulen Sex in den Mainstream zu holen, ist aller Ehren wert. Sein Diskussions- und Laberfilmchen dagegen ziemlich öde. Franco hat sich für sein Projekt ein paar Schwule und ein paar wenige Heteros geholt, mit denen er seine Idee 60 Minuten lang durchkaut: Kann man das machen? Will das jemand sehen? Wie stellt man es dar? Ist es ein guter Schachzug, dass der unbekannte Dorfschauspieler (Val Lauren) ein Schwulenfilm-Projekt des bekannten James Franco unterstützt? Kann er dadurch berühmter werden oder versaut er sich alles?
                        Der Sex an sich machte dann übrigens nur rund fünf der 60 Minuten aus.

                        • 7 .5

                          Originelle Filmidee, sympathische Umsetzung. James Franco ist wohl fasziniert von den Möglichkeiten und den Umgang der schwulen Männer mit Sexualität :-)

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                          • 5 .5

                            Interior. Leather Bar ist eine filmarchäologische Expedition zu einem lange Zeit verhassten Zentralfilm der frühen 1980er. [...] Die schnörkellose Arbeit scheitert letztendlich an den eigenen zu hohen Ansprüchen, ist aber dennoch ein Schlüsselwerk im zwischen Kunst und Kommerz oszillierenden Schaffen des furchtlosen Gesamtkünstlers James Franco.

                            • 7

                              Elegant und fast unmerklich tastet sich Francos Konzept [...] voran: Während des kühl konzentrierten Geschminkt- und Besprühtwerdens zerlegt das Filmbild die Körper und Gesichter sukzessive in Fragmente, die sich immer drängender einander anzunähern und zu mischen scheinen, noch bevor der eigentliche Dreh den Darstellern genau das abverlangen wird.