Jetzt.Nicht. - Kritik

Jetzt.Nicht. / AT: Das Maß aller Dinge; Jetzt. Nicht.

DE · 2017 · Laufzeit 88 Minuten · FSK 12 · Drama · Kinostart
Du
  • 6 .5

    [...] In einem Bewerbungsgespräch wird Walter die Frage gestellt, wofür er außerhalb seines Berufs brennt. Seine Antwort? Schweigen. Jetzt.Nicht. ist gleichermaßen Gesellschaftsporträt wie die entschleunigte Beobachtung eines Einzelschicksals. Walters Problem ist, dass er keine Existenz, keine Identität außerhalb der Arbeit besitzt. Die Arbeit ist seine Komfortzone, außerhalb dieser gibt es für ihn keine Überlebenschancen. Dementsprechend hilflos gibt er sich nach seiner unerwarteten Freistellung. Existenzängste, (Selbst-)Zweifel, Frustration. All das sind Gefühlsregungen, mit denen Walter zuvor nicht vertraut war. Wie verarbeitet man derartige Empfindungen? Mit Aggressionen. Da wird auf den Chef der Frau eingeschlagen, der Dienstwagen im nächsten See versenkt, mit Boxhandschuhen auf eine Straßenlaterne eingeprügelt. Und doch bleibt Walter eine seltsam verschlossene, in sich verkapselte Persönlichkeit, die keine Entwicklung durchmacht, sondern der Ikonografie der Verlorenheit durchweg treu scheint.

    Interessant ist auch, wie klar Jetzt.Nicht. aufzeigt, dass in der echten Welt, der Welt jenseits von Erfolgsbilanzen und Abverkaufszahlen, keine Resultate mehr einzuholen sind. Egal, wohin sich Walter bewegt, wer ihm begegnet, zu welchen Handlungen er sich hinreißen lässt – nichts davon bringt Konsequenzen mit sich, die sich auf den weiteren Verlauf in Walters Leben auswirken könnten. Resultate, Ergebnisse, Zählbares gibt es eben nur in der Berufswelt. Dass Jetzt.Nicht. sich auch gekonnt weigert, Walter als Identifikationsfigur aufzubauen, erweist sich für den emotionalen Zugang des Geschehen natürlich als äußerlich hinderlich, versteht sich aber auch als programmatischer Kniff, der auf dieses eiskalte Klima innerhalb von Deutschland hinweist. Im Brennglas der Gegenwart, in dem sich Jetzt.Nicht. aufhält, sind Gefühle nur noch Ballast. Hauptsache der Wecker klingelt morgen um 7:00 Uhr wieder. [...]

    5
    • 6

      [...] Julia Keller zeigt in ihrem Langfilmdebüt einen zutiefst einsamen Menschen, und sie braucht dazu keine Dialoge. Jetzt. Nicht. ist ein Film, der über Bilder wirkt. [...] Der Erzählkosmos von Jetzt. Nicht. ist allerdings auch hermetisch abgeriegelt, der Zuschauer findet kaum einen Weg hinein. [Oliver Kaever]

      • 6 .5

        Ein in düsteren Bildern verdichtetes Drama, das dem Gefühl des „Aussortiertseins“ aus der Leistungsgesellschaft nachspürt, allerdings daran leidet, dass es ihm nicht gelingt, die Hauptfigur zu einem Charakter auszubauen, dem man Anteilnahme entgegenbringen kann. [Kirsten Taylor]

        • 8

          Das Gute an dem Film ist, dass Regisseurin Keller beim Thema bleibt, nie abschweift, fast immer zeigt sie Walters sukzessive erfolgenden Erkenntnisgewinn. [Michael Dlugosch]

          • 8

            Mit tollem Licht, toller Akustik und gelungener Bildauswahl bleibt die Regisseurin ihrer Wahrhaftigkeit bis zum konsequenten Ende treu. Eine reife Leistung. [Claudia Nitsche]

            • 6

              Ein langsamer Film über einen Mann, der überraschend entlassen und damit vollständig aus der Bahn geworfen wird. Ein Film, der die Verweigerung »Jetzt nicht« in jede Szene trägt. [Ulrich Sonnenschein]

              • 7

                [Jetzt.Nicht. ist e]in überzeugender Debütfilm, der auf intelligente Weise vom Sinnverlust in der modernen Leistungsgesellschaft erzählt. [Michael Meyns]