Junges Licht - Kritik

Junges Licht

DE · 2016 · Laufzeit 122 Minuten · FSK 12 · Drama · Kinostart
Du
  • I am looking for a song 1:10:00 similary
    Scene where 3 heroes go home

    • 7

      Eine Milieu- und Zeitstudie des Ruhrpotts in den 60ern, die viel Authentizität und Nostalgie versprüht.

      Den visuellen Schnickschnack hätte es da gar nicht gebraucht.

      • 8
        realkontrol.com 29.03.2018, 23:47 Geändert 29.03.2018, 23:50

        Interessantes Zeitcholorit über die Lebensweise der Kumpel, Stahlkocher und Kokser im Ruhrpott der 60er. Dabei fällt mir eine Strophe aus dem sehr zum Film passenden Songtext von Marius Müller-Westernhagen ein:

        Ich bin wieder hier
        In meinem Revier
        War nie wirklich weg
        Hab mich nur versteckt
        Ich rieche den Dreck
        Ich atme tief ein
        Und dann bin ich mir sicher
        Wieder zu hause zu sein

        • 8
          DerDed 29.05.2017, 16:54 Geändert 29.05.2017, 17:24

          Erinnert mich als 59 geborener streckenweise auch an meine eigene Kindheit, die Drehschauplätze Marl und Bottrop sind quasi nur ein Steinwurf weit weg von mir hier.
          Ausgesehen hat es hier aber auch ähnlich, Bergbau ( Zeche Fürst Leopold ) hatten wir hier auch. Mein Vater war jahrelang unter Tage, ich selbst war Ende 70, Anfang 80 auch ein paar Jahre in der Grube. Die "unter Tage" Aufnahmen zu diesem Film sind auf der Zeche Auguste Viktoria ( Marl ) gedreht worden wo ich damals auch Bergjungmann gelernt habe.

          Der Wechsel zwischen Farbe und Schwarz-Weiß hat sehr gut zu dieser Ruhrpottgeschichte gepasst, das ganze hat der Geschichte meiner Meinung nach die richtige Atmosphäre gegeben. Insgesamt eine schöne Mischung aus Zeitporträt und Coming-of-Age-Elementen.

          Klasse Besetzung, die Schauspieler überzeugen allesamt, allen voran aber der junge Hauptdarsteller Oscar Brose.

          1
          • 7 .5

            Herrliche Milieustudie im Ruhrpott der 60er Jahre.
            Die unterschiedliche Charaktere im Überlebenskampf dieser harten Zeit werden gut dargestellt und nehmen einen mit.
            Der Film hat Charakter so wie die Menschen zu dieser Zeit.

            • 6

              Das Beste an JUNGES LICHT ist Oskar Brose. Der 12-jährige Nachwuchschauspieler gibt den sensiblen Bergarbeitersohn Julian ganz wunderbar. Wie er mit seinem Feinripp-Unterhemd auf dem Balkon steht und mit dem rauen Leben im Rohrpott in den 60er Jahren zurecht zu kommen versucht begeistert mich. Charly Hübner poltert dagegen zu überzeichnet als Bergarbeiter durch die Szenen. Penetrant und fast schon ärgerlich ist aber der permanente Format- und Farbwechsel. Als wollte man dem Zuschauer mit solchen didaktischen Mitteln seine Begrenzheit zeigen.
              Die Verfilmung von Ralf Rothmanns Roman hat aber auch magische Momente und viel Zeitkolorit, an den sich damals Geborene bestimmt gut erinnern.

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              • 6

                [...] Als Mischung aus Nachkriegsdrama und Coming-of-Age Film wirkt Junges Licht oftmals recht unentschlossen, welcher Facette er sich vorrangig widmen will. Gelingt es ihm zunächst gut die Hoffnungs- und vor allem Ausweglosigkeit des alltäglichen Lebens der damaligen Zeit zu porträtieren, so verliert er sich später etwas zu stark im typischen Erwachsenwerdens des Protagonisten. Gerade ein Satz wie: „Abhauen gibt’s nicht, wär schön, aber gibt’s nicht“, welchen der einfache Familienvater gegen Ende des Films äußert, hallt nach. Im Kontrast zu all den Erwachsenen, die ihre Träume und Ziele bereits aufgegeben haben, funktioniert der junge Julian als Hauptfigur wirklich gut, auch wenn er immer wieder droht in etwas naive Klischees abzudriften. [...] Neben einer ruhigen und unauffälligen Inszenierung fallen immer wieder Spielereien mit dem Format auf, die den ansonsten sehr klassischen Film auflockern. Leider ist der Wechsel zwischen schwarz-weiß und der Sprung vom Breitbild- zum 4:3-Format, der immer wieder stattfindet, nicht mehr als reine Spielerei. Als simples Wachrütteln des Zuschauers funktioniert der auffällige Formatwechsel durchaus, doch darüber hinaus scheint er weder bestimmten Gesetzmäßigkeiten zu folgen, noch von inhaltlicher Relevanz zu sein. Schade, hätte man diesen formalen Ansatz ernster genommen und bewusster eingesetzt, dann hätte der ansonsten eher im Erzählkino verankerte Film auch aus ästhetischer Hinsicht relevant sein können. So funktioniert das Ganze immerhin als markante Erinnerung daran, wie sehr sich das Medium in den letzten Jahrzehnten weiterentwickelt hat. Dennoch wäre mehr möglich gewesen und vielleicht ist dieser fehlende Wagemut auch symptomatisch für das, was im deutschen Kino noch viel zu oft fehlt. [...]

                4
                • 8
                  Der Siegemund 19.12.2016, 10:18 Geändert 19.12.2016, 12:04

                  "Der Mensch kann nur sündigen, es gehört zu seinem Leben, das wirst du auch noch merken. Das Gebet wurde falsch übersetzt. Es heißt nicht 'Herr führe uns nicht in Versuchung' es heißt eigentlich 'Herr führe uns in der Versuchung'." - Pfarrer Stürwald

                  Zwischen Sittengemälde, Ästhetik und Nostalgie wandert "Junges Licht", gleichzeitig ein Symbolismus, den man wohl auf zwei Weisen deuten kann.

                  Das junge Licht ist einerseits die junge unbefleckte christliche Seele des 12 jährigen Julian, welcher erstmals der Versuchung ausgesetzt wird, zum anderen ist es die Seele des heranwachsenden jungen in die Tradition der Bergmänner, deren Licht = Bergmannslicht ihnen den Weg durch das Dunkel der Stollen erleuchtete. Im naiv mythologischen-symbolischen Glauben erlebt der Bergmann die Arbeit in der Hitze der dunklen und manchmal todbringenden Stollen als beschwerlichen lebensgefährlichen Weg durch die Hölle, denn hier ist das Beschreiten der Dunkelheit eine Analogie zum christlichen Dualismus zwischen Hell und Dunkel.

                  Julian ist gerade mal 12 Jahre jung, aber die Pubertät ist noch nicht eingetreten, während alle Erwachsenen um ihn herum eine schnelle Reife von ihm erwarten. Die Kindheit wurde in einer von physischen Kräften dominierten Arbeitswelt als Defizit verstanden und so wird wird das junge Licht in der rauen Mentalität der Arbeit zwischen "Saufen, Ficken und Malochen" unsanft von der Erwachsenenwelt der Versuchungen bedrängt. Seine hübsche frühreife Nachbarin Maruscha, die vorgibt 15 zu sein (vielleicht ist sie sogar jünger) ist schon ein Leckerbissen, was ihm nicht entgeht, auch wenn der Reiz an den Frauen bei Julian weniger Passion als Imitation von Erwachsenen ist. Maruscha versucht es vergeblich ihn zu reizen, denn ihr Leben ist gerade vom Überfluss an Geilheit in der Pubertät geprägt. Man spürt deutlich, dass sie alles in sich hineinstecken würde, auch den unbefleckten Julian würde sie an sich heranlassen, würde er doch nur mitspielen. Den älteren Jungs entgeht nicht, dass er direkt neben Maruscha wohnt. Er soll mit der Kamera, welche ihm ein Hausbewohner geschenkt hat, "Fotos die zum Wichsen taugen" von ihr schießen, was er auch prompt versucht, jedoch nicht ohne, dass sie etwas davon bemerkt. Aber Maruscha macht das nichts aus, denn sie ist zeigefreudig und hat dringenden Bedarf nach männlicher Zuneigung.

                  Als Julians Mutter samt jüngerer Schwester in eine Kur fährt, sind sein Vater wochenlang alleine zuhause. Zum ersten Mal ist der Vater auf sich selbst gestellt und während dieser arbeiten geht, ist Julian ganz alleine. Er ist damit eines der ersten "Schlüsselkinder" deren Bedeutung eigentlich nicht zweideutig ist, denn diese Kinder haben meist nicht einen "Schlüssel zur Selbstständigkeit" erhalten, sondern wurden vernachlässigt und überfordert. Auch ist er einigen Gefahren ausgesetzt, was Ängste in ihm herauf befördert. Er spürt sie zwar, kennt die Gründe jedoch nicht, aber als Zuschauer erkennt man deutlich, was bedrohlich in der Dunkelheit des Kellers auf ihn lauert und ihm die Seele rauben könnte.

                  Selten erlebt man eine solch schöne Bildgestaltung, wenn es um Industriekultur geht. Eines davon kann man auf dem Cover schon sehen, doch in der Nacht, wenn die Kokerei hell erleuchtet ist, ergibt sich ein wahres Gemälde der Industriekultur. Zum Leben erweckt hat der Film ein Bild, das seit mehr als 30 Jahren aus Deutschland verschwunden ist.

                  Ich stamme zwar nicht aus dem Ruhrgebiet, aber das Saarland war ebenso von Kohle und Stahl geprägt. Ich kann mich erinnern, dass um 18 Uhr, der saarländische Rundfunk die Bergmannshymne "Das Steigerlied" anstimmte bzw. ein Jingle zum Beginn der Werbung gespielt wurde. Das waren noch Zeiten, als die Kultur noch Bergbau dominiert war. Dieses Lied hören wir in "Junges Licht" natürlich auch. Zwar ist das Saarland malerisch und erinnert an einigen Stellen an den Schwarzwald, doch die Kultur ist weniger von Kunsthandwerkern, als von Arbeitern geprägt und das spürt man auch heute noch in der Kulturlandschaft. Die großen Dichter und Denker kamen selten aus dem Saarland, eher ein Land der Arbeiter und Schwenker (= saarländisches Grillgerät, es wurde meistens in Pausen im Stahlwerk selbst hergestellt). Selbst hatte ich Bergmänner und Stahlarbeiter in der Familie, doch mit den 80er Jahren wurde immer mehr importiert und die Gruben und Hütten entließen ihre Arbeiter in eine ungewisse Zukunft. In "Junges Licht" ist Kohleförderung und die Stahlproduktion auf dem Höchststand. Es gab sogar einen Mangel an Arbeitern, der durch die Zuwanderung italienischer Gastarbeiter ausgeblichen wurde. Doch davon erfährt man in diesem Film nichts.

                  In "Junges Licht" erfährt man vom Rauchen, Saufen, Prügeln und Vögeln, man erfährt auch wie dreckig und unangenehm die Arbeit im Stollen war, wenn man noch mit dem druckluftgetriebenen Handmeißel die Kohle von Hand abtrug. Die Arbeit war nicht nur schwer sondern schwer gesundheitsschädigend. Kein Wunder, dass man das in Ausland verlagert hat, wo die Sozialsysteme nicht vorhanden sind, denn die Renten für Bergmänner waren aus heutiger Sicht ziemlich dick gewesen. Wurden die Bergleute arbeitsunfähig, wurden sie gar mit fast vollen Bezügen frühverrentet. Es ließ sich gut leben, wenn man bedenkt, dass viele unter Staublungen litten und daran wenige Jahre später starben. Einer meiner Nachbarn starb erst mit 90 Jahren, nachdem er mit 50 Jahren wegen Staublunge frühverrentet worden war. Er hatte trotzdem noch ein angenehmes Leben. Ich verdiente mir ab und zu was dazu, um für ihn Zigaretten zu kaufen, und waren nicht die Zigaretten oder Armut, die ihn ins Grab brachten.

                  Es war eine Zeit in der man zu den Nachbarn noch viel mehr Kontakt hatte und im Sommer man schon mal als Kind von einem Garten zum anderen wanderte, um beim Grillen etwas abzustauben. Die Erwachsenen taten es uns Kindern gleich. Man verständigte sich auf der Straße, statt in der Anonymität des künstlichen Lichtes und der heruntergelassenen Rollläden zu leben. Es war aber auch eine Zeit des Qualms, Rauchs und Smogs. An meiner Kommunion sah ich ab 18 Uhr abends nichts mehr aus den Augen und hatte am nächsten Tag Kopfschmerzen, weil 30 Leute meinten uns das Haus mit Zigarettenrauch zuqualmen zu können, ohne einmal die Fenster zu öffnen. In den Hüttenstädten stank es regelmäßig, wenn abgegast wurde, so dass man sagte "die Hütte stinkt" während die Kraftwerke und Kokereien soviel Rauch ausströmten, dass man, wie bei "Junges Licht", im Nebel saß. Kürzlich hatte man herausgefunden, dass es in London einmal hunderte Todesfälle an einem Tag gab, weil der Smog mit dem Regen chemisch reagierte und die Leute erstickten.

                  "Junges Licht" ist nicht nur eine optische Wiederherstellung der Zeit sondern auch ein kleines Sittengemälde mit verstecktem Symbolismus und Doppeldeutigkeiten, das man wirken lassen muss.

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                  • 1

                    Ist das Kunst oder kann das weg?

                    Also das kann für mich weg.

                    Was sollte das eigentlich werden?
                    Wenn man ins Schwärmen kommt, wenn man eigentlich nichts weiß und nur abstrakte Brocken hingeworfen bekommt und meint, die Erkenntnis, dass da etwas dahinter stecken muss, reiche schon für den Applaus nach dem Abspann - bitte schön.

                    Ich habe schon lange nicht mehr eine so langweilige sinnlose Aneinanderreihung von Szenen gesehen.

                    Warum der Film immer von 4;3 und 16:9 wechselt und SW und Farbe. Keine Ahnung. Ich hatte aber auch keine lust da lange nachzudenken,

                    Oder mir was auszudenken.

                    Hier hat jemand was von erzählerische Qualitäten geschrieben. WTF?

                    Was für ein griff ins Klo.

                    • 7
                      sachsenkrieger 24.11.2016, 00:09 Geändert 24.11.2016, 00:10


                      WALTER: Du hast noch die freie Wahl, Junge! Du kannst entweder in die Grube einfahren, in die Kokerei gehen oder Stahlarbeiter werden...

                      In Zeiten, in denen das FBI ermittelt, wenn Papa seinem Sohnemann im Jet den Sitzgurt mit sanfter Gewalt anlegt, und die Jugend, um den Weg nach Hause zu finden, die ganze Zeit die Fresse ins Smartie drücken muss, ist ein Film wie JUNGES LICHT, auf jeden Fall eine sinnvolle Reise in eine Vergangenheit, die glücklicherweise selbst an Opa Sachse vorbeigegangen, aber noch gar nicht so lange her ist. Da rauchten der Pütt und der Papa, die Katzen waren auch am Tage grau und alle Mamas jagten zu lauter Musik, tagein tagaus, die Erstgeborenen um den Nierentisch. Basierend auf einem Roman von Ralf Rothmann, zeigt uns Adolf Winkelmanns Film, was so los war im Revier, nicht lange nach dem größten aller (bisherigen) Weltenbrände. Eine Zeit, in der Wörter wie Emotionen und Seele, den "einfachen" Menschen von nebenan, noch so fremd waren, wie die Vorstellung, das aus Kohle einmal Diamanten werden könnten. Ansprechend inszeniert ist das Ganze auf jeden Fall und auch nahezu durchgehend gut besetzt. Zum Punktabzug in der B-Note, führt allerdings das ziemlich sinnfreie Rumspielen mit den Formaten und der Colorierung. Alles in allem ein schöner, nicht immer leicht zu verdauender, doch irgendwie auch wehmütiger Rückblick in eine Zeit, in der alles noch so viel leichter war, und gleichzeitig so unendlich viel schwieriger...

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                      • Manchmal kommen Kunden in unsere Videothek, die nach Filmen von Adolf Winkelmann fragen. Sie sind meist männlich und nicht mehr ganz jung. Winkelmann ist der filmische Poet des Ruhrgebiets und diesmal taucht er ein in die 60er Jahre. Am Horizont zeichnen sich rauchende Fabrikschlote ab - das sieht der zwölfjährige Julian Collien (Oscar Brose) von seinem Balkon aus. Sein Vater (Charly Hübner) arbeitet im Bergbau und die Mutter (Lina Beckmann) ist mit seiner Erziehung genau wie mit der Schwester überfordert. Wird es zuviel, muss der Kochlöffel herhalten, genau wie in der katholischen Schule, wenn die Lehrerin zum Rohrstock greift. Julian ist also die meiste Zeit auf sich allein gestellt. Er bricht aus und begibt sich auf Streifzüge durch die Arbeitersiedlung, hinein in eine Welt, die er noch nicht versteht. Hier leiden die Menschen unter der Enge des Milieus und von einem Wirtschaftswunder ist nichts zu spüren. Winkelmann portraitiert die Welt der Malocher mit dem rauhbeinigen Charme, der seine Filme so faszinierend macht! Am besten ist Junges Licht, wenn die Kehrseite der sauberen Moral der alten Bundesrepublik durchschlägt: Da ist die Nachbarstochter Maruscha (Greta Sophie Schmidt), eine verruchte Lolita, die Vater und Sohn um den Finger wickelt. Ihr Stiefvater überrascht Julian und verwickelt ihn in anzüglich schmierige Gespräche und schliesslich muss seine Mutter sogar wegen seelischer Störungen aufs Land. Julian läuft mit staunenden Augen durch diese Welt und imitiert die Erwachsenen. Dabei wechselt ständig die Perspektive, was Winkelmann deutlich macht, indem er zwischen Farbe und Schwarzweiss hin- und her springt. Damit arbeitet er auch stilsicher gegen die gängigen Ruhrpott Klischees an, denn im Herzen ist Junges Licht ein Abenteuerfilm geworden. Genauso verwunschen erscheinen die Arbeitersiedlungen oder die Hochöfen in der orangeroten Färbung des Himmels. Winkelmann ist eben der Poet des Ruhrgebiets!

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                          Framolf 28.05.2016, 02:31 Geändert 28.05.2016, 04:08

                          Erzählerisch, schauspielerisch, visuell (Kameraarbeit und Szenenbild) und in Sachen Detailtreue hat dieser Film sehr viel zu bieten. Doch leider hinterlässt er hier und da auch einen etwas fahlen Beigeschmack: Die Förderung durch RAG und Evonik spiegelt sich auch in der Umsetzung des Filmes wider. Die Arbeit unter Tage und der dazugehörige Industriezweig werden hier schon extrem unkritisch dargestellt. Natürlich gehört es zum Konzept des Films, die damalige Zeit romantisch zu verklären, wogegen grundsätzlich auch nichts einzuwenden ist. Aber man kann es auch übertreiben. Auch das Frauenbild gestaltet sich derart stereotyp, wie man es schon lange nicht mehr gesehen hat. Natürlich ist das auch dem gezeigten Stoff geschuldet, aber auch hier gilt: Wozu diese Übertreibung? Es muss doch auch damals noch irgendeinen anderen Frauentyp als "Mutter" oder "Luder" gegeben haben. Während die Männerwelt in verschiedenen Facetten gezeigt wird (Malocher, heranwachsender Sohn, Veteran, Pfarrer, Lehrer, Pädophiler, halbstarker Draufgänger, jugendlicher Rotzlöffel), sind die Frauen fast ausschließlich entweder mit Hausarbeiten beschäftigt (Frau Gorny und Frau Collien, die bezeichnenderweise auch erst dann zur Erholung geschickt wird, als ihre Haushaltsführung unter ihren psychischen Problemen leidet) oder sie schlafen sich durch die Betten des halben Stadtviertels (Frau Morian, Marusha) - andere Frauentypen kommen im Prinzip nicht vor. Drittes Problem: Es ist völlig in Ordnung, wenn man mit einem spärlichen Score auskommen muss. Aber wenn dieselben Themes in verschiedenen emotionalen Lagen verwendet werden, läuft man Gefahr, die Handlung und deren Aussage zu verwässern. Und leider tappt Winkelmann voll und ganz in diese Falle (Gorny!). Seine Entscheidung, das Geschehene (wohl zugunsten der Herstellung eines Bezuges zwischen dem gezeigten Geschehen und der Gegenwart des Rezipienten) in drei verschiedenen Bildformaten und im Wechsel zwischen farbiger und schwarz-weißer Darstellung zu präsentieren, verdient jedoch Anerkennung - auch wenn der Wechsel stellenweise etwas beliebig wirkt und sich zudem die Frage stellt, warum ausgerechnet für die Szenen im beengten Stollen das großflächigste der drei Formate gewählt wurde.

                          Unter dem Strich ein Film, der sich in einigen Bereichen auf sehr hohem Niveau bewegt, in anderen Bereichen jedoch unnötig und leichtfertig an Höhe verliert. Die Verantwortung dafür dürfte in erster Linie bei der Regie und weniger bei der literarischen Vorlage zu verorten sein. Ohne die genannten Patzer hätte der Film großes Kino werden können. So aber reicht es leider nur zu gehobenem Mittelmaß.

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                          • 6 .5

                            Ausgerechnet der bis unter die Fingernägel dauerschmutzige Ruhrpott wirkt in Digital-HD wie mit der Kernseife poliert. Selten hat man Fleckigkeit und grobes Korn schmutzigen Filmmaterials mehr vermisst als hier. [Thomas Groh]

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                            • 8

                              Keine Nostalgie und kein Pathos durchwehen den Film. Stattdessen hat die Atmosphäre etwas lauernd Bedrohliches. [Christoph Schröder]

                              • 8

                                Ungebrochener Respekt vor der Leistung der Bergleute paart sich mit spürbarer Zuneigung zu den Menschen, ohne dass diese überhöht, sondern mit lakonischem Humor vielmehr geerdet werden. [Horst Peter Koll]

                                • 7 .5

                                  Aber bei aller mit Kohlestaub belegten Beweihräucherung der harten und ungesunden Industrievergangenheit hat Junges Licht auch reichlich erzählerische Qualitäten. Und viele, viele gute Schauspieler. [Günter H. Jekubzik]

                                  • 8

                                    Vor allem Charly Hübner als melancholischer Malocher und der natürlich aufspielende Oscar Brose als fragiles Unschuldslamm veredeln dieses gelungene Epochenbild einer entschwundenen Welt. [Norbert Raffelsiefen]

                                    • 8
                                      epdFilm 26.04.2016, 11:19 Geändert 06.05.2016, 23:09

                                      Adolf Winkelmanns melancholischer, aber nie sentimentaler Film über das Coming-of-Age eines 12-Jährigen im Ruhrpott der 60er Jahre ist eine bittersüße Milieustudie und ein Sittenbild der alten Bundesrepublik. [Andreas Busche]

                                      • ?

                                        Ist hier schon ein DVD Start bekannt?