Kommissar Wallander: Die falsche Fährte - Kritik

Wallander: Sidetracked

SE/GB · 2008 · Laufzeit 90 Minuten · FSK 16 · Thriller, Kriminalfilm
Du
  • 7 .5

    Schöne Farben, unaufgeregte Kameraführung und der zweifellos nervtötendste Handy-Klingelsound, den ich je gehört habe. Kenneth Branagh ist unzweifelhaft ein hervorragender Schauspieler. Gegen Rolf Lassgard als Wallander bleibt er trotzdem irgendwie farblos.

    • 7 .5

      Für einen Fernsehkrimi bietet diese Wallanderverfilmung eine dichte Atmosphäre und eine gute Geschichte. Den melancholischen Grundton muß man allerdings mögen. Es gibt keine Dialogkaskaden, keine große Action, dafür Selbstzweifel und Verständnislosigkeit gegenüber der dunklen Natur des Menschen. Es ist nicht einfach diese Grundtöne einen Film tragen zu lassen und wurde schon oft in den Sand gesetzt. Branagh leistet aber eine unglaublich gute, vor allem subtile Arbeit. Schlechtere Schauspieler verfallen in solchen Szenen immer in "Overacting" und wirken eher lächerlich als tragisch. Den Rest besorgt die schwedische Landschaft und eine gediegene Kameraführung.
      Spannungstechnisch wird die Story ab ca. der Hälfte durchsichtig, wobei ich das nicht unbedingt als störend empfand. Dreifache Winkelzüge wirkten bei dieser Art von Krimi irgendwie fehl am Platz.
      Fazit: Deutsche Produktionen könnten sich mal ruhig eine Scheibe abschneiden. Das beste vom Tatort-Schrott kommt nicht an diesen Branagh-Wallander heran.

      1
      • 4 .5

        Man muss Mankells Wallander mögen, um von diesem Film entsprechend begeistert zu sein. Edel und weise sind die Motive allemal; wir wissen, wenn die Justiz nicht funktioniert, ist die Demokratie zum Scheitern verurteilt.

        Beim ersten Auftauchen einer bestimmten Figur ist offensichtlich, wer der unbekannte Rächer ist, der hier den Abschaum per Axthieb richtet; Wallander selbst, der nur in sich selbst leidet, erkennt ihn auch beim zweiten Treffen nicht. Es ist kein Krimidrama um einen besonders fähigen Detektiv sondern ein Befindlichkeitsdrama um einen adipösen und ungesund lebenden Schweden und nebenbei auch ein Drama um Menschenhandel und die Prostitution Minderjähriger. Dass sich die Schuldigen in der ehrenwerten Oberschicht finden, versteht sich von selbst.

        Die bildgewaltige Eröffnung mit dem Flammentod im leuchtend gelben Rapsfeld versinkt trotz eines gewissen britischen Tempos und exzellenter Photographie in einer einschläfernden Erzählung; auch die Soap-Dialoge zwischen Wallander und seinem Alzheimer-Vater machen das Drumherum zu einem faden Fernsehabend um das Mankell-Mantra, der im dunklen Herzen der Gesellschaft forscht und daran krankt: "In was für einer Welt leben wir bloß, in der sich ein 15jähriges Mädchen selbst verbrennt?"

        Branagh spielt bewusst träge, sperrig und besserwisserisch, leicht dicklich und mit geröteten Augen, wofür er den britischen Broadcasting Press Guild Award und weitere Fernsehpreise erhielt; berühren kann diese dauertraurige Maskerade der depressiven Schwermütigkeit nicht. Das liegt dann - Branagh zugute haltend - an der Figur des Wallander, der ewig an seiner eigenen Betroffenheit leidet.

        Branagh selbst sagt, dies sei kein Whodonit sondern ein Whydonit. Diesem Anspruch der Motivationen wird der Film nicht gerecht. Er lässt neben Branagh nur die Landschaft von Ystad als zweite Hauptdarstellerin. Immerhin bieten die wenigen Auftritte von John McEnery als versoffenem Ex-Journalist Lars Magnusson und David Warner als Wallanders Vater in dieser Tristesse für kurze Lichtblicke.

        Gegen Ende - der pensionierte Polizeibeamte und Oberschurke der gesellschaftlich hochrangigen Zuhälterbande um Kunsthändler und Justizminister wird gegen seinen Willen aus dem Gefängnis entlassen, um als Köder seinen Schädel zur Spaltung anzubieten - kommt tatsächlich etwas Freude auf, doch dann stehen Wallander und sein Vater auch schon wieder bleischwer am Bootssteg und starren in die schwedische Landschaft. Die omnipräsente Landschaft, die dem Vater seit Jahren die immergleichen Motive für die immergleichen Bilder bietet, so wie der Sohn die immergleichen Motive des ewiglich Bösen ergründet.