L.A. Crash - Kritik

Crash

US · 2004 · Laufzeit 113 Minuten · FSK 12 · Drama · Kinostart
Du
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    [...] Eine böswillige Intention scheint dabei das einzige zu sein, das man Paul Haggis nicht vorwerfen kann. Vielmehr scheint sein Film überambitioniert in der Planung, stümperhaft in der Ausführung und scheitert letztlich nicht nur am kompletten Unverständnis der Materie, sondern auch an seiner sich selbst auferlegten Aspiration. Müsste man ein so heikles und bereits des Öfteren bis zum Erbrechen diskutiertes Thema wie Rassismus eigentlich mit Samthandschuhen anfassen, packt Haggis hier ohne zu zögern die Brechstange aus. Sein Ansatz gegen Rassismus lautet, man möchte es kaum glauben, noch mehr Rassismus. Das bedeutet im filmischen Kontext nicht nur, dass sich alle Charaktere fast ausschließlich durch ethnische Klischees definieren, sondern auch eine unaufhaltsam hereinbrechende Sturmflut an rassistischen Beschimpfungen, wahllos aus der Luft gegriffenen Anschuldigungen und zu guter Letzt natürlich auch maßlos überzeichneten Einsichten und Versöhnungen. Was „L.A. Crash“ zu einem wirklich üblen Machwerk macht, ist die moralinsaure Inszenierung, Haggis allseits erhobener Zeigefinger. Wie selbstverständlich enttarnt er jede einzelne Figur als hasserfüllten Rassisten, belehrt sogar Zweifler eines Besseren. Anstatt echter und greifbarer Emotionen setzt er auf billige Schockmomente, der komplett überzogene Einsatz von inszenatorischen Mitteln wirkt wie der verzweifelte Versuch den Zuschauer zur Betroffenheit zu zwingen. [...]

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      Die verzweigten Wege von zwölf Menschen verbinden sich im Verlauf von 36 Stunden in Los Angeles zu einem komplexen Gewebe von Beziehungen. Regisseur Paul Haggis hält mit einem hochkarätigen Schauspielerensemble eine feine Balance zwischen raffinierter Konstruktion und dokumentarischer Beobachtung. [Anke Sterneborg]

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        Rassismus? Kennste? Kennste?

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          Episodisch strukturiert, verknüpft das humanistische Drama auf virtuose Weise eine Fülle von Geschichten und Schicksalen, in deren Brennpunkt die Frage nach Kommunikation und Mitgefühl einer urbanen Gesellschaft steht, die sich in einem Dschungel aus Wohnvierteln, Highways, Geschäften, Hochhäusern, Restaurants und Neonlichter verzweifelt durchs Unterholz von Rassismus, Intoleranz, Korruption und Angst hackt. Ein verzweifelter Kampf ums Überleben der eigenen Seele, ausgetragen auf dem Rücken der eigenen Humanität. So wird bei Paul Haggis fulminanten Regiedebüt, das zum Teil etwas zu oft ins kitschige abdriftet, der Zusammenprall verschiedener Kulturen zu einem gefühlvollen Gesellschaftsporträt eines gigantischen Schmelztiegels und gleichzeitig ist „L.A. Crash“ auch ein intelligentes Plädoyer für die Barmherzigkeit.

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            Steve Martins “L.A. Story” von 1991, die liebevolle Hommage an seine kalifornische Wahlheimat, gehört zu meinen Lieblingskomödien. Auf eine ganz andere Art und Weise hat sich der Regisseur Paul Haggis, unlängst bekannt geworden durch das Oscarprämierte Drehbuch zu Clint Eastwoods „Million Dollar Baby“, der amerikanischen Metropole angenommen. Das Ergebnis ist ein bildgewaltiges Soziodrama., das gelegentlich an „Magnolia“ von 1999 erinnert.

            Die hohe Kriminalität hat genauso wie der noch immer vorhandene Rassismus als Spiegelbild der Realität in Hollywood-Filmen eine lange Geschichte. Immer wieder waren diese Themen Gegenstand von Filmen wie z.B. „Colors - Farben der Gewalt“ mit Robert Duvall. Dort wird der Alltag und die Machtlosigkeit zweier Streifenpolizisten im Kampf gegen die Gewalt in einer amerikanischen Großstadt porträtiert. „L.A. Crash“ steht in bester Tradition solcher Filme.

            „L.A. Crash“ beginnt mit dem Unfall der Polizisten Graham (Don Cheadle) und Ria (Jennifer Esposito) auf einem Highway in den Vororten von Los Angeles, dem Fundort einer Leiche. Um 36 Stunden rückblickend gewährt der Film nun Einblicke in das Leben ganz normaler Leute, deren Wege sich kreuzen. Grahams Bruder Peter (Larenz Tate) überfällt mit seinem afroamerikanischen Kumpel Cameron (Terence Howard) den Bezirksstaatsanwalt Rick Cabot (Brendan Fraser) und seine Frau Jean (Sandra Bullock) und stiehlt ihnen dabei ihr Auto. Jean wiederum beleidigt rassistisch den Latino-Schlosser Daniel, der zu Hause die Türschlösser austauscht. Dieser wiederum ist trotz seines abenteuerlichen Aussehens ein liebevoller Familienvater, einzige um das Wohl seiner kleinen Tochter bemüht. Angelehnt an die sehr menschlich gezeichneten Charaktere verflicht der Film etliche Handlungsstränge, die sich während der knapp 2 Stunden immer wieder überkreuzen. Immer wieder kreist der Inhalt der Handlung dabei um die Themen Angst, Gewalt und Rassismus und schildert diese auf gleichermassen bedrückende als auch berührende Art und Weise. Bewirkt wird dieser Eindruck neben der erstklassigen Untermalung durch den Soundtrack vor allem durch die durchweg beeindruckenden schauspielerischen Leistungen. Und auch wenn eine wirkliche Identifikation mit den Figuren nur bedingt möglich ist, da die einzelnen Szenen bewusst Momentaufnahmen sind, bekommt man einen guten Eindruck davon, mit welchen Sorgen und Nöten die Bewohner einer amerikanischen Großstadt von heute konfrontiert sind. Nach dem 11. September 2001 findet sich auch ein deutlicher Anklang auf die Angst vor Terror, die sich in Gewalt und Rassismus gegen arabischstämmige Landsleute entlädt. Doch dass sich über 40 Jahre nach Aufhebung der Rassentrennung auch Menschen unterschiedlichster anderer Abstammung (auch Weiße) mit rassistischen Äußerungen konfrontiert sehen, dafür scheint Haggins hier eine filmische Lanze zu brechen. Dabei konzentriert er sich ohne große Wertung oder Aussage auf die fast dokumentarisch anmutende „Beobachtung“ dieser Vorgänge. Verschiedene Journalisten haben Haggis dafür kritisiert, sich nicht klar zu positionieren, ich stimme mit diesem Urteil jedoch nicht überein.

            Für mich ist „L.A. Crash“ eine faszinierend anrührende Momentaufnahme amerikanischen Großstadtlebens mit dem Hauptaugenmerk auf den Sorgen und Nöten des Durchschnittsbürgers, die sowohl inhaltlich als auch formal wirklich großes Kino ist. Nicht umsonst dürfte der in Filmkreisen gefürchtete amerikanische Filmkritiker Roger Ebert „L.A. Crash“ zu seinem persönlichen „Film des Jahres 2005“ gekürt haben. Ein Urteil, dem ich mich nur deshalb nicht anschließen kann, weil ich diese „Ehrung“ schon für „King Kong“ verbraten habe. Aber den habe ich im Gegensatz zu „L.A. Crash“ ja auch im Kino gesehen.

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            • 1 .5

              Paul Haggis will uns wohl erzählen, daß man über niemand und gar nichts urteilen soll, weil es bei jedem Menschen, egal wie er aussieht und wo er herkommt, gute und böse Seiten gibt und ein jeder Schuld trägt, bewußt oder unbewußt. Und genau so pillepalle ist auch sein breitärschiger Film, pathetisch, selbstverliebt und schnulzig.

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              • 7 .5

                "L.A. Crash" kann man getrost als ein Muss für Liebhaber des anspruchsvolleren Kinos bezeichnen. Abseits von den ausgetretenen Mainstream Pfaden bekommt der Zuschauer hier von Paul Haggis einen Film serviert, der zum Nachdenken einlädt und gewiss nach Filmende noch einige Zeit in den Köpfen der Zuschauer nachwirkt.

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                  [...] Denn bei aller Mühe, die sorgfältig entwickelten Stränge in einen Zusammenhang zu bringen, krankt der Film an seinen plump aufbereiteten Ansprachen, die er vor dem Zuschauer hält und ihn dabei einer aufdringlich moralinen Lehrstunde aussetzt. Auf die anfänglich abschreckenden, den automatischen Antirassismus des Publikums heraufbeschwörenden Sequenzen voller Gewalt in Wort und Tat folgen alsbald Zufälle und überkonstruierte Begegnungen der Figuren, die ausschließlich Läuterung und Selbsterkenntnis mit aussöhnender Vergebung koppeln und floskelartige Weisheiten predigen, anstatt den ungemütlichen Weg differenzierter Konfrontation zu gehen. Nicht Ohnmacht, nicht Unlösbarkeit finden hier Erwähnung, sondern vielmehr die bemüht unbemühte Erforschung der Ursachen des Rassismusproblems, die in verkalkuliertem Populismus mündet. [...]

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                  • 8 .5

                    Starker Film, der den noch stark in der Gesellschaft verwurzelten Rassenkonflikt mal von einer anderen Seiten beleuchtet und aufzeigt, wie stark Rassenfeindlichkeit auch heutzutage in den Köpfen der Menschen verankert ist, selbst wenn dieser sich für sehr aufgeschlossen und tolerant hält. Stimmt einen doch sehr nachdenklich.

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                      Banalkitschiges episodisches Panorama über den Alltagsrassismus in L.A. im Aufeinandertreffen diverser Ethnien, das in der sicherlich gut gemeinten Behandlung seines Themas inhaltlich nicht über das Niveau einer besseren Seifenoper hinauskommt, sich allerdings durch das Casting diverser Stars Prestige zu versprechen scheint. [...]

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                      • 8 .5

                        Die Stars spielten für wenig Geld um der Sache willen, und entsprechend engagiert sind ihre Auftritte: Bei jedem spürt man, wie wichtig ihm seine Rolle war, wie er schon am eigenen Leib die Zerrissenheit und den Schmerz erlebt haben muss angesichts des Teufelskreises der Vorurteile.

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                          Obgleich die humanistische Gutmenschen-Botschaft während der gesamten Laufzeit deutlich spürbar ist, wirken Paul Haggis Alltagsepisoden nie belehrend. Sein Kunststück besteht vor allen Dingen darin, Rassismus, Intoleranz und Vorurteile in all ihren Facetten auch dort aufzuspüren, wo sie der Zuschauer zunächst nicht vermutet. Durch eine meisterliche Inszenierung, deren Wirkung auch der stimmungsvollen Musik von Mark Isham zu verdanken ist, sowie überraschend gute Schauspielleistungen entsteht eine melancholisch-hoffnungsvolle Collage über das Miteinander der Menschen.

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                            Paul Haggis hält sich an alle Spielregeln der Standardwerke wie "How To Write A Script in 10 Days" und moralisiert auf Teufel komm raus. Hollywood liebt ihn dafür.

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                              Gut gespielter aber berechenbarer Zeigefingerfilm, der trotz guter Absichten dem Thema Rassismus nicht wirklich viel neues hinzuzufügen hat.

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