Der Fremde am See - Kritik

L'Inconnu du lac

FR · 2013 · Laufzeit 100 Minuten · FSK 16 · Drama · Kinostart
Du
  • 6

    Ja , Männer stehen im Wald und werfen sich offensive Blicke zu. Das ist aber nichts besonderes an so einem Treffpunkt. Genau das passiert an solchen Orten. Meine vergebenen Sternchen resultieren aus der schönen Stimmung die der Film ausstrahlt und das nur mit Naturgeräuschen.

    • 10

      Männer stehen im Wald. Sie werfen sich verstohlene Blicke zu. Sie werfen sich offensive Blicke zu. Männer sind auf der Pirsch. Unbeholfen staksen sie durch das kniehohe Gras und scheinen sich ihrer stammesgeschichtlichen Wurzeln erinnern zu wollen, wenn sie das Spiel der Jagd nach einem schnellen, unkomplizierten Fick spielen. Der See wird in diesem brütend heißen Erotikthriller zum Sinnbild für die Sehnsüchte der Männer, die sich unter der spiegelglatten Oberfläche verbergen. Michel ist der Inbegriff des Reizes der Gefahr, in die sich die Cruiser begeben - im doppelten Sinn. Auch Franck erliegt seinem Charme, wohlwissend, dass er ein Mörder ist. Dabei bietet sich ihm an derselben Stelle auch ein Gegenentwurf zu der oberflächlichen Leidenschaft an. Mit Henri kann man reden, seine äußere Erscheinung steht in keinem Verhältnis zu der Gelassenheit und Selbstgenügsamkeit, die er ausstrahlt. Auch der Kommissar stellt die Liebe der Cruiser infrage, wenn er sich wundert, dass die Sachen eines Toten tagelang am Strand liegen können, ohne dass es jemanden interessiert. Modellhaft werden so zwei Liebesentwürfe gegenüber gestellt, das Jagen und Gejagt werden neben die Selbstaufopferung, das Begehren neben das Loslassen.

      1
      • 5
        Markbln 24.05.2016, 14:30 Geändert 24.05.2016, 21:04

        Der Hauptdarsteller in DER FREMDE AM SEE ist hübsch, jung und geil. Dass er sich am Cruising-See ausgerechnet den dicksten und unattraktivsten zum Reden aussucht, ist total unglaubwürdig. Am Ende soll man wissen, wieso. Nach viel Schwänzeleckerei und französischer Philosophiererei. Das ist leider so verkorkst, dass sich die herausragende, oszillierende Sommer-Atmosphäre, die der Film in Bild und Ton so wunderbar aufgebaut hat mitsamt seinen Figuren in Luft auflöst.

        2
        • 10
          Was-raus-muss 10.05.2016, 17:08 Geändert 21.05.2016, 12:38

          Cruising ist eine alternative Realität.

          Die Nacktheit in der Natur lässt die Moderne vergessen
          und katapultiert den Geist in ein urzeitliches Lebensgefühl.
          Wie ein Tier oder Insekt wird lange auf einem sorgsam
          gewählten Platz verhaart, gewartet, beobachtet, gelauscht
          Und teils non-verbal kommuniziert.

          „Der Fremde am See“ gibt diese Lebenskultur sehr authentisch
          wieder – mit dem dazugehörigem, langsamen Rhythmus.
          Der Mord ist überraschenderweise kein politisches
          Vehikel (wie bei Tatort) und auch nicht das Resultat eines
          verzweifelten Drehbuchautors der nur so dem Motto
          „ohne Konflikt, keine Story“ folgen kann.
          Vielmehr unterstreicht er, wie auch der explizite Sex,
          das animalisch prähistorische und ist vor allem
          Teil eines Portraits.

          Als Zuschauer ist es möglich völlig mit dieser Welt
          zu verschmelzen, weil die Figuren meistens
          (ebenso wie er selbst) sitzen, wenig sprechen
          und beobachten. Dementsprechend erzeugt der Film
          seine Spannung aus der Frage: „Wonach halten sie Ausschau?“

          Was sucht Michel?
          Was sucht Frankh?
          Was sucht Henri?

          Es gibt klare Antworten,
          aber auch offene Fragen – letztere sind jedoch nicht frustrierend,
          weil nichts an diesem Film willkürlich anmutet.

          PS
          Wer einen unterhaltsamen, Adrenalin getriebenen Thriller
          sucht wird hier bitter enttäuscht. Es ist kein Genrefilm.

          ~.~.~.~.~.~.~.~.~.~.~.~.~.~.~.~.~.~.~.~.~.~.~.~.~.~.~.~.~.~.~.~.~.~.~.~.

          Ich vergebe ausschließlich 10er Wertungen.
          Immer dann, wenn ein Film bei mir Redebedarf & Schreiblust auslöst.
          Also einen persönlichen Nerv getroffen hat.
          Das kann auch bei einem schlechten Film vorkommen
          und ist Kompromiss meiner Hassliebe gegenüber Wertungssystemen.

          • 4 .5

            Was sollte denn das sein!?
            Überall wird "Der Fremde am See" in höchsten Tönen gelobt und doch wird in 80% der Kritiken immer nur doppelt und dreifach hervorgehoben, wie mutig der Film mit seinen offenherzigen Sexszenen doch sei. Ja, der Film ist sehr explizit und kommt mit einer lobenswerten Natürlichkeit der Personen daher, die ich lange nicht mehr in einem Film so gesehen habe. Das war es dann aber in meinen Augen aber auch fast schon! Aufregend (im positiven Sinne) finde ich nur, dass Hardcore-Sexszenen für die FSK wohl heutzutage gar kein Problem mehr zu sein scheinen.
            "Der Fremde am See" lebt von seinem starken Setting. Der See mit dem angrenzenden Cruising-Wald als locus amoenus, an dem die Figuren ihren Alltag hinter sich lassen können, wird sehr atmosphärisch in Szene gesetzt, was noch davon unterstrichen wird, dass der Film auf akustischer Ebene nur von den Naturgeräuschen untermalt wird. Nun ist "Der Fremde am See" ein Arthaus-Erotikthriller. Erotik? Naja. Es gibt ständig Sexszenen, aber ist der Film dadurch gleich Kunst? Und lohnt sich dadurch das Anschauen? Ich glaube nicht.
            Die Thrillerstory ist unfassbar dünn gestrickt und führt nirgendwo hin. Stattdessen wird der Film dadurch von Minute zu Minute langweiliger und mit dem Cliffhanger zum Schluss gibt man einfach vor, unfassbar schlau zu sein, der weitere Verlauf dieser Abwärtsspirale wäre ja sowieso klar. Nein, ist er nicht! Francks (Pierre de Ladonchamps) Verhalten ist schlichtweg nicht nachvollziehbar und eine Fallhöhe wird kaum aufgebaut. Stattdessen ist das Ende einfach nur Quatsch und wirkt so, als wäre den Machern plötzlich eingefallen, dass sie ja eigentlich einen Thriller drehen wollten. Cliffhanger sind ja schön und gut, wenn sie denn passend sind, aber hier finde ich ihn einfach nur feige, weil die Macher scheinbar selbst keinen Ausweg für ihre Hauptfigur aus diesem sommerlichen Gefühlschaos wussten.
            Fazit: "Der Fremde am See" ist sehr natürlich, offenherzig und atmosphärisch und man kann Arte nur für seinen Mut loben, dass auch solche andersartigen Filme im Fernsehen immer wieder gezeigt werden, aber mir fehlen ehrlich gesagt echte Argumente, die eine Empfehlung für diesen Film rechtfertigen würden.

            1
            • 4

              Sehr langatmig und sehr ermüdend. Die Prämisse klang sehr interessant, die Inszenierung war jedoch sehr schwach. Der Film ist ein einziger Kreislauf aus rumgeficke und belanglosem Gelaber. Tiefsinnigkeit Fehlanzeige. Nach der x-ten Sexszene habe ich auf die Uhr geschaut und das Ende herbeigesehnt. Wieder einer dieser Festival-Filme, die ihre Aufmerksamkeit nur ihrer Grundthematik zu verdanken haben. Otto Normal Hetero fühlt sich ganz kultiviert, wenn er Homosexuelle beim cruisen beobachten darf. Kann ich auch auf Pornoseiten im I-Net. Ganz ohne das prätentiöse Gehabe.

              3
              • 7

                Die unaufgeregte Sinnlichkeit schmeichelt ein, trügt allerdings auch die Stimmung - das lässt sich sowohl für die inhaltliche Ebene von Alain Guiraudies Film wie auch für dessen gestalterische Wirkung an sich sagen. Denn die wonnige Erotik der Natur will zur oberflächlichen Körperlust keine Gesichter kennen lernen; jedenfalls erst so richtig, sobald das Herz mitspielt - zudem in einem hitzigen Wechselspiel aus Furcht und Liebe, für das Protagonist Franck (auch egoistische) Kompromisse der Abhängigkeit eingeht, während weiterhin scheinbar lockere Verhältnisse von Cruising sowie schlicht asexueller Freundschaft angestimmt werden sollen. Dementsprechend behutsam und konkret - ohne extravagantes Kamerahandling und musikalische Untermalung, zudem auf ein konzentriertes Areal befestigt - stellt sich die Inszenierung dem inneren Konflikt, der von außen hin schwelgt, sich jedoch von Sonne und Schönheit blenden lässt. Der kriminalistische Thrill und die leidliche Erfüllung individueller Zuneigung ziehen allerdings allmählich die Schlinge zu; verdrängen Wunschträume ewigen Sommers und offenbaren moralische Wahrheiten, die ihre Eskalation so lautlos und doch direkt ausleben wie zuvor schon der Samenerguss ins Bild schoss. Zum Schluss hin bleibt in der Aussicht auf das Schicksal Francks eine finstere Ungewissheit und gleichsam eine unvermeidliche Gewissheit, wie es der Gesamteindruck des durch und durch ökonomischen Films von Vornherein implizierte. Das geht ganz natürlich runter wie Schweißtropfen in der Sonne und gibt sich als Filmerfahrung erfrischend und spannungsgeladen - eine facettenreiche Lichtquelle voll windiger Eleganz und körperlicher Intensität.

                9
                • 7
                  Enzian 23.12.2014, 00:45 Geändert 23.12.2014, 00:46

                  Würde ich DER FREMDE AM SEE mit nur einem Wort beschreiben wollen, wäre es wohl "unaufgeregt".
                  Der Film geht mit seinen Themen vollkommen gelassen um, sei es nun Nacktheit, Homosexualität, Sex an sich und auch Mord. Wir verlassen das schöne Plätzchen am See nicht, als Soundkulisse dienen meistens einzig das Rauschen der Wellen und der Bäume.
                  Das alles ist sehr angenehm und eigentlich fallen mir wenig echte Kritikpunkte ein – allerdings fehlen mir genauso die Gründe, eine noch höhere Wertung zu geben.
                  Am Ende war ich einfach zufrieden einen guten, sympathischen Film gesehen zu haben und gebe deswegen gerne 6 ganze Punkte.

                  3
                  • 8 .5

                    What a movie!
                    Christophe Paou sieht wirklich sehr gut aus.

                    • 6 .5

                      Ziemlich viele Pimmel, aber doch ganz schön.

                      5
                      • 2 .5

                        Was ist das denn für ein Film? Wieso ist der auf MP?
                        Die Punkte gibt's allein für den See und meinen Wunsch nach Urlaub am Strand.

                        • 8

                          1500 auf Moviepilot:
                          Einen Film in einem Raum oder an einem Standplatz zu drehen und ihn darüber hinaus effektiv zu gestalten, hat immer mein größtes Interesse. Sommer, Sonne, See. Der Wind saust, die kleinen Wellen am See sind in ständiger Bewegung. Diese Idylle fängt Alain Guiradie außergewöhnlich gut ein. Da macht es auch nichts aus, dass man oft dieselben Abläufe serviert bekommt. Aber mal im Ernst: Gehst du jeden Tag an denselben Ort, lernst du auch zwangsläufig die Menschen, die sich dort aufhalten, etwas kennen. In diesem Gebiet des Sees tummeln sich nur Schwule, was Guiradie als selbstverständlich darstellt und sich nicht zu schade ist, Begegnungen, Gespräche bis hin zum Sex authentisch reproduziert. Es fühlt sich alles aus dem Leben gegriffen, alles echt, weswegen ich dadurch die Laufzeit nie wirklich wahrnahm und ich überrascht war, wie schnell doch wieder die Zeit vergeht.
                          Ein Film, über die Liebe, die Suche nach einer festen Bindung. Nicht nur ein schnelles Techtelmechtel. Das verfolgt Franck (Pierre Deladonchamps) die gesamte Dauer über. Doch merkt auch er, wie schwer es ist, jemanden Passenden zu finden, auch wenn Franck bemerkt, dass er sich recht schnell verlieben kann. Er ist ein offenherziger Mensch, der auf den Menschen zugeht, mit ihm über allerlei sprechen will. Dargestellt wird er als grundsätzlich sympathisch gegenüber seinen Mitmenschen, denen er nichts Böses will, sondern sich nach dem Schönsten und Natürlichstem auf der Welt sehnt: Der Liebe.
                          In „L'inconnu du lac“ regiert mit zunehmender Dauer auch der Suspense Faktor, der mich sofort herausgefordert hat, mitzurätseln. Doch verliert Guiradie meiner Meinung nach nicht den Halt, jetzt plötzlich ein anderes Genre aufzutischen und das Vorherige zu vergessen, sondern kombiniert beide vortrefflich miteinander und ließ mir verlauten, dass der Kern – die Suche nach der Liebe – immer noch zentral im Raum steht.
                          Und so verdient dieser Film Respekt für seine Offenheit, Freiheit und zeigt auf - wie auch schon beim Cannes Gewinner „Blau ist eine warme Farbe“) -, dass Liebe, egal wer mit wem, immer noch den sinnlichsten Stellenwert in unserer Gesellschaft hat.

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                          • 6

                            Spannend war er nun nicht gerade. Bringt aber irgendwie eine seltsam aufgehitzte Sommerstimmung rüber. Seltsamer Schluss...

                            • 4

                              Neben expliziten Sexszenen hat "Der Fremde am See" leider nicht besonders viel zu bieten. Die ruhige Atmosphäre weiß am Anfang noch zu gefallen, doch die Stille wirkt irgendwann arg prätentiös und täuscht eine nicht vorhandene Tiefsinnigkeit vor, denn das bisschen Handlung hätte sich jeder Depp zusammenbasteln können. In den besten Momenten kommt dennoch Suspense auf, doch letztendlich überwiegt die Belanglosigkeit und der Schluss ist beinahe eine Frechheit.

                              9
                              • 7 .5

                                Der Fremde am See bewegt sich elegant und scheibar schwerelos zwischen den Genres, spielt dabei ständig mit den Erwartungen des Publikums ohne sich je zu positionieren, ohne je greifbar zu werden verhandelt er eine Vielzahl von Themen und Eindrücken, ist dabei aber niemals oberflächlich oder gehetzt.
                                Formal hart und mit beobachtendem jedoch immer auch empathischem Blick lässt Alain Guiraudie seine Geschichte am Zuschauer vorbeiziehen, ohne Anfang und erst recht ohne Ende, nicht mehr als ein Ausschnitt aus einem Sommer am See.
                                Es ist kein Film über Homosexualität, Guiraudie behandelt sie als das was sie ist, etwas selbstverständliches. Es ist ein Film über die Liebe, wie sie unserem Leben Sinn gibt und uns unserer Sinne berauben kann und es ist auch ein Film über Freundschaft und Opferbereitschaft, von weitem betrachtet also ein Film über all die schillernden und dunklen Facetten des Liebens und des Geliebt werdens.
                                Einer der besten Filme des Kinojahres, eine unerwartete Überraschung, ein komplexer, wundervoller Film, der mit jeder Sichtung wächst.

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                                • 8

                                  [...] Wo sich das maskierte Absatteln von jedem Zwang nun als purer Schein entpuppt, entfesselt sich im gleichen Augenblick langsam ein emotionaler Orkan und zieht seine Runden. Es kommt zu den Ängsten und introspektiven Unruhen, die uns nicht nur an unserem gegenwärtigen Sein zweifeln lassen, sondern auch die Zukunft mit einem unbehaglichen Fragezeichen verziert. Und wie Guiraudie diese aufkeimende, sprudelnde Verzweiflung visualisiert, resultierend aus dem sehnsüchtigem Rückzug in die Arme des nächsten und doch so nahen Fremden, zwischen den verspielt-liebevollen Penetrationen im Dickicht, die sich treiben lassende Männer im Sonnenuntergang, das hedonistische Erkunden und ihre mit Ejakulat bespritzten Körpern, ist ein Gleichnis der versierten Kategorie – Ohne sich an plumpen Formulierungen zu vergreifen. So erwachsen, so subtil, so vielschichtig und reif wie das Innenleben im Würgegriff in „Der Fremde am See“ aufgezeigt wird, wird es das Gros der Zuschauer weder ansprechen noch begeistern.

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                                  • 3 .5

                                    Überwiegend Sexfilm, und das bisschen Thriller kann nicht wirklich überzeugen. Der Regisseur schafft es zwar immer wieder unter völligem Verzicht von Musik und in ruhigen Bildern Spannung zu erzeugen, aber die Story ist schwach (besonders das Ende) und voller Logiklöcher.

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                                    • 8

                                      Hätte Michael Haneke jemals vorgehabt einen Schwulenporno zu drehen, "Der Fremde am See" wäre wahrscheinlich dabei herausgekommen. Aber Spaß beiseite, denn "Der Fremde am See" ist wirklich ein beeindruckender, intensiver und spannender Film.

                                      Tatsächlich ist der Film sehr explizit und am Anfang fragt man sich, ob das alles wirklich nötig ist. Die klare Antwort lautet ja. Genau dadurch wird der Zuschauer automatisch selbst zu einem dieser Männer die andere Männer beim Sex beobachten. Der Zuschauer ist der Voyeur, der Spanner. Man wird dadurch ein Teil des Geschehens und kann nicht wegschauen. Man hinterfragt die Motive des Hauptprotagonisten, man schüttelt den Kopf, man will wissen wie es weitergeht.

                                      Der Mörder wird hier sehr real und subtil dargestellt und wirkt dadurch noch bedrohlicher. Keine Musik, ruhige Schnitte und wiederholenden Sequenzen tragen zu der ohnehin angespannten Atmosphäre bei. Schließlich wird der Film durch ein wirklich tolles Ende, welches viele vielleicht nicht zufrieden stellen wird, abgerundet. Insgesamt ist "Der Fremde am See" wirklich ein einzigartiger Film, der den Zuschauer auf eine unangenehme Reise mitnimmt und sicherlich nicht kalt lässt.

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                                      • 9

                                        "Warum willst Du heute Nacht nicht mit zu mir kommen?" "Weil ich mein eigenes Leben hab."
                                        DER FREMDE AM SEE spielt im Sommer in Frankreich an einem Badestrand mit angrenzendem Cruisingwaldstück. Hierhin zieht es täglich Franck, der dort Henri kennenlernt, der stets allein und abseits der anderen Gäste sitzt. Es entwickelt sich eine zarte Freundschaft, in der Sex nur in Gesprächen thematisiert wird. Ganz anders verhält es sich mit Michel, von dem sich Franck magisch angezogen fühlt, der aber gefählicher ist, als es den Anschein hat.
                                        DER FREMDE AM SEE zählt zu einem der stärksten Filme, die ich in diesem Jahr gesehen habe. Regisseur Alain Guiraudie schafft es seinen Film ausschließlich an einem Ort spielen zu lassen und erschafft eine Spannung, die sich zunächst ganz leise anpirscht. Der Film ist großartig gefilmt mit vielen weiten Einstellungen, in der sich die Kamera nicht bewegt. Es ist ein Genuss das Wasser zu hören, das Rauschen des Windes und sich ein wenig in der Ruhe zu verlieren, die der Film auch in vielen Momenten hat. Weiter besticht der Film durch einen tollen frischen Cast (waren mir alle unbekannt), die schlicht klasse und vollkommen ungeniert aufspielen (die beiden Hauptdarsteller sind mehr aus- denn angezogen).
                                        Der Zuschauer wird unweigerlich zu einem Voyeur, der fasziniert dem Treiben der Männer zuschaut. Und es gibt so einiges zu bestaunen, so dass es mich erstaunt, dass die FSK den mit einer 16 durchgewunken hat. Wobei ich hier keine Pornographie sehe (das ist nun wirklich noch mal was ganz anderes), sondern die intensiven Sexszenen sind ein wichtiger erzählerischer Bestandteil der Geschichte. Da darf doch bitteschön auch mal ejakuliert werden, ohne dass gleich alle rote Ohren kriegen.

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                                        • 7 .5

                                          also der film war ins gesamt ganz gut.
                                          das der regisseur es dennoch schafft mit seinem kleinen see und dem wald noch einen guten film zu machen.
                                          besonders als es sich dem ende neigte und man sah wie michelle den typen im see umbringt wurde es spannend. das einzige wo ich schon geschockt war, waren manche sexszenen. das man zb voll sah wie der ejakuliert und einen geblasen bekommt.. also sowas sieht man nicht mal in anderen filmen die im kino laufen.. zumindest habe ich das noch nich gesehen... also die porno szenen hätten nicht sein müssen.. hätte auch gereicht wenn man nur den wippenden kopf im bild sieht und sich denken kann was der da unten macht xD

                                          • 7

                                            [...] Ebenso ist es eine fein kalibrierte Skizze über die Moralität oder Amoralität eines freigeistigen Lebensstils. Guiraudies kontrollierter Einsatz des Schauplatzes, seine frustrierend realistischen Charaktere, seine außerordentliche Verwendung von atmosphärischen Geräuschen und seine dezent naturgebundene Bildgestaltung kumulieren in einer fesselnden, emotional vielschichtigen Klimax. Es ist ein komplexes und bisweilen rätselhaftes Werk, das ein Stück homosexuellen Lebens offenlegt, welches größtenteils versteckt für die Uneingeweihten liegt. Es ist herausfordernd. Es ist konfrontierend.

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                                            • 6 .5

                                              Bis zur 90. Minute war das ein ganz toller Film. Authentisch, nachvollziehbar, sympathisch, verträumt, verrucht, wahrhaftig, spannend, melancholisch. Ganz langsam schlich sich der Nervenkitzel in diesen flirrenden Sommer und ließ einen nicht mehr los.
                                              Aber dann.
                                              Dann kamen leider die letzten zehn Minuten, die dem Film zwar nicht den Todesstoß versetzten, aber doch ziemlich viel Glaubwürdigkeit im See ertränkten.

                                              ACHTUNG, SPOILER AHEAD!

                                              Warum hat Henri sich auf diese Weise geopfert? Okay, er war lebensmüde, aber hallo!? Er hatte gerade einen Freund gefunden, um den er sich sorgte! Den hat er durch seine Aktion ja mal voll ins offene Messer laufen lassen, wortwörtlich! Woher wusste Henri überhaupt so genau, wer der Mörder ist? "Du gehst ja nicht sehr subtil vor" behauptet er Michel gegenüber. Sorry, aber bullshit. Es gab keine Beweise, nicht mal Indizien. Dass Michel dem Bullen ein Kartoffelschälmesser in den Bauch rammt und dann einfach weitergeht, finde ich auch nicht sehr glaubwürdig. Zu groß die Wahrscheinlichkeit, dass der Mann diese Stichverletzung überlebt. Und zum Schluss versteckt Franck sich zwar erst brav im Wald, ruft am Ende dann aber nach seinem Lover. WTF!?

                                              SPOILER ENDE!

                                              Es hätte ein heißer Anwärter auf den besten Film des Jahres werden können, aber zum Schluss musste dann leider mehr Plot her, als nötig gewesen wäre. Auf den letzten Metern abgewürgt. Schade.

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                                              • 7 .5

                                                Ich flüstere "Abspann, jetzt!" vor mich hin und eine Sekunde später wird das Bild dunkel, Abspann. Ich liebe diese Kinomomente. ♥

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                                                • 7

                                                  Die Geschichte ist nett, besonders wenn man schon immer wissen wollte was Homo-, Bisexuelle in Cruisingbereichen so treiben. Wozu es jedoch diesen Porno dazu braucht, kann ich leider nicht sagen. Es gibt in Berlin durchaus Menschen, welche im Kino auch bei zu kurzen Szenen die Hose öffnen um an sich rumzuspielen. Ich persönlich kann mit diesen Bildern (siehe auch xxx Romance, Shortbus) in einem "normalen" Kino nichts anfangen und möchte auch das Publikum nicht in der Nähe haben (ich bin nicht prüde!).
                                                  Der Film hat dies ansich nicht nötig.

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                                                  • 8

                                                    Eigentlich mag ich es ja nicht so gegen deutsche Synchros zu wettern aber schaut es euch lieber im OmU an. Es erwartet Jesse Eisenberg-Stimme für den Protagonisten. Grade bei diesem Film ist das wirklich ärgerlich, geht es doch so sehr um frische, authentische Darstellung.
                                                    Auch wenn der Film enorm kreativ mit seiner Kamera umgeht und sich in sonstigen Dingen als enorm stilsicher erweist, ist das leider nicht der ganz große Wurf, den ich mir erhofft habe. Viel besser wäre der Film ohne seine Thriller-Ebene ausgekommen. Das scheint von den wirklich wichtigen Dingen abzulenken, die Fragen des Kommissars über die etwas unüblichere Art zu lieben dienen nicht zwischenmenschliche Bindungen zu ergründen, sondern einen Mord zu klären. Das drängt die Handlung voran und verleiht den Momenten nicht mehr die großartige Tiefe aus der ersten Hälfte des Films.

                                                    So, nun muss ich mir endlich das Eisenberg-Gesicht aus meinem Gehirn streichen um mich wieder an den Protagonisten anständig erinnern zu können.

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