La Grande Bellezza - Die große Schönheit - Kritik

La grande bellezza

IT/FR · 2013 · Laufzeit 147 Minuten · FSK 12 · Drama, Komödie · Kinostart
Du
  • Film ist ok. Aber schon eine Frecheit dass er bei den Oscars gegen Broken Circle und die Jagd gewonnen hat !

    • 7

      Wunderschöne Aufnahmen von Rom und Umgebung und auch von Innenräumen. Die Bilder haben mir insgesamt gut gefallen, malerisch geradezu. Das ist der erste Film über italienische Intellektuelle und Künstler bzw. Leute, die gern welche wären, den ich bewusst gesehen habe. Schade, dass ich kein italienisch spreche. Ich habe den Eindruck, hier tatsächlich etwas darüber zu erfahren, was manche Italiener heutzutage so beschäftigt. Erinnert mich in gewisser Weise an Woody Allen: Es geht um den Sinn des Lebens, Altwerden, Sterben bzw. die Abwehr der Gefühle, die einem das macht und gelungene mehr oder weniger neurotische Charakterzeichnungen. Mit schonungsloser Offenheit und bitterböse werden die Absurdität so mancher Kunstprodukte, Events der High Society und auch der Katholizismus durch den Kakao gezogen.

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      • 7 .5
        oliver.roth.5059 19.03.2018, 16:25 Geändert 19.03.2018, 16:52

        Sorrentinos " La Grande Bellezza" erzählt den Lebensrückblick des alternden Dandys Jep Gambardella. Den Mief des Lebens und die Wehmut über seine Vergänglichkeit allmählich fühlend, stellt sich auch für den im Kreis der elitären Gesellschaft Roms verkehrenden Gambardella am gefühlten Wendepunkt die große Sinnfrage.
        Die große Schönheit besticht durch eine reichhaltige Bilderflut, geschliffene Dialoge und zynisch-sperrigen Witz; Toni Servillo glänzt zudem in der Hauptrolle des weltmüden Schriftstellers und verleiht dem Film Balance und echten Charakter. Ein opulenter filmischer Brocken, der nicht ohne kleine Längen daherkommt und einerseits zwar durchaus dick aufträgt, andererseits aber auch Raum für den Nachhall stiller Momente lässt. Sorrentino hat ein scharfes Auge für die Spleens und Unzulänglichkeiten seiner Charaktere, und beweist dabei dennoch Empathie und Zuneigung zu seinen Figuren.
        Fazit: Mit genüsslicher Dekadenz angereichertes Gemälde und liebevoll-sarkastischer Abgesang einer sinnentleerten Oberschicht der ewigen Stadt. Ein Film der manchem übertrieben prätentiös erscheinen mag, aber das ist beispielsweise eine Saltimbocca Romana letztlich auch. Und es würde wenig Sinn ergeben mit einem Römer darüber zu streiten, ob man ein Kalbsschnitzel zusätzlich mit luftgetrocknetem Schinken umhüllen sollte oder lieber nicht.

        7.5

        • 8

          La grande bellissima... das ist ein Kompakt geschnürtes wundervolles fast 150 Minuten Kinopaket.
          Bildersprache, Acting, Performance, Musik und Geschichte sind harmonische Einheiten die zusammen einen Starken Film hervorbringen.
          Der Goldjunge für den besten fremdsprachigen Film, war zwangsläufig fällig!

          9
          • 8

            [...] Paolo Sorrentino erzählt diese Sinnsuche auf die einzig mögliche Art und Weiße. Er greift sich Momente und bläst diese zu Ewigkeiten auf. Als vagen Gedankenstrom verknüpft, wechselt er unzusammenhängend zwischen einzelnen Szenen, verwebt Traum und Wirklichkeit, Realität und Einbildung. In seinem gänzlich eigenen Tempo erzeugt La Grande Bellezza schnell einen genüsslichen Sog, der beinahe schwerelos durch die üppige Laufzeit des Films trägt. Der herrlich anachronistische Soundtrack verwebt Klassik mit Pop, Zeitloses mit Zeitgeschichte und findet in diesem Widerspruch seine ganz eigene Schönheit. Ebenso wie die kräftigen Bilder, welche den oftmals opulenten Glanz der ewigen Stadt in eindrucksvollen Farben einfangen. Die verwinkelten Gassen, romantischen Gärten, hermetischen Hinterhöfe und imposanten Bauten erscheinen dabei so plastisch als würde man selbst durch die Straßen der Metropole streifen. [...] Die traumhaften Bilder bringen indes jene Oberflächlichkeit auf den Punkt, die Sorrentino auf der Inhaltsebene kritisiert. Doch ebenso, wie sich diese Bilder nicht auf ihre polierte Fassade reduzieren lassen, wäre es auch zu einfach, die dekadente Gesellschaft leichtfertig zu verdammen. Sorrentino ist sich der zwiespältigen Natur der Angelegenheit bewusst und bewegt sich deswegen vornehmlich in einem Spannungsfeld aus gesunder Neugier, verführerischer Anziehung und begründetem Zweifel. Indem er nicht schlichtweg verurteilt, sondern auch die Verlockung und Faszination eines solchen Lebens spürbar macht, beweist er seine Klasse. Seine Botschaft ist einfach und doch bezaubernd. Wahre Schönheit gibt es überall, es liegt im Auge des Betrachters, ob man diese erkennen oder sich ihr verschließen mag. [...]

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            • 3 .5

              Sorry, aber ich war nach einer halben Stunde durch. Es war unerträglich. Selten so ein langweiligen Müll gesehen.
              Ich schließe mich da voll und ganz Niotq an, denn es gibt nicht mehr zu sagen über so viel Schwachsinn.

              La Grande Bullshitta würde es eher treffen

              • 8
                MolaRam 03.07.2017, 17:11 Geändert 03.07.2017, 17:39

                Oh ja, ich kann mich sehr gut mit Toni Servillo identifizieren...
                Mit solch oberflächlich denkenden Individuen mit Kirchturmhorizont
                hat man es heutzutage fast überall zu tun.

                Ein großer Pluspunkt des Films. Dazu käme dann noch ein traumhafter
                Gänsehaut-"Soundtrack", malerische Bilder und diese erfrischende
                Leichtigkeit gepaart mit Augenzwickern, die ich sonst fast nur von den
                Franzosen kenne.

                Es tat gut, nochmal einen aktuellen Film aus Bella Italia zu sichten.

                Möchte ich jedem "Drama-Muffel" mal ans Herz legen.

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                • 8 .5

                  Auf der Suche nach der großen Schönheit durchlebt Protagonist Jep Gambardella die Kuriositäten des Lebens. Liebe, Glaube, Freundschaft, Oberflächlichkeit, Hedonismus und Selbstdarstellung begegnen ihm und dem Zuschauer auf der Reise durch die gehobene Gesellschaft Roms.
                  ---------------------------mehr auf: The Blog Cinematic------------------------------------
                  https://theblogcinematic.wordpress.com/2017/04/28/la-grande-bellezza-das-leben-die-liebe-und-der-ganze-rest/

                  • 8 .5

                    Notiz an mich: 23.04.17/VoD/herausragendes Werk über das Leben und GEsellschaft; vielschichtige Charaktere und wunderschöne Bilder

                    • 9
                      shortybuster 25.04.2017, 11:23 Geändert 25.04.2017, 11:25

                      Der mit Abstand schönste Film der jüngeren Kinogeschichte wird seinem großen Titel vollkommen gerecht. Während Einmal-Schriftsteller, Journalist und vor allem Lebemann Jap Gambardella von einer hedonistischen Lust zur nächsten wandert und dazwischen geistreich mit seinen Intellektuellenfreunden daherquatscht, sucht er eigentlich diese große Schönheit, die sein Schöpfer, Regisseur Paolo Sorrentino, mit seinem Film, mit diesen berauschend schönen panoramahaften Rom-Bildern und diesem mal laut pochenden mal gefühlvoll streichelnden, d.h. jede Stimmung gezielt treffenden Score schon längst gefunden hat.
                      In unzähligen losen Episoden lässt Sorrentino den überragend stilsicher spielenden Toni Servillo als alten Mann durch die Straßen und Gassen Roms flanieren oder sich schwermütig in Hängematte und Bett räkeln. Einst hatte Jap Gambardella eine zarte Liebesbeziehung und eine Autorenstimme, die ihn zu einem Roman verhalf. Jetzt herrscht statt großer Schönheit vielmehr große Leere und so schweigt gewissermaßen die Stimme der Muße, weswegen Jap keine Bücher mehr schreiben kann. Mit seinem 65. Geburtstag nimmt aber auch die Lust ab, alles mitzumachen, das Alter ist unausweichlich und so wird die neue Lebensmaxime, sich nur noch mit Dingen zu beschäftigen, an denen man Spaß hat. Gleichwohl ist Jap seit seiner Ankunft in Rom als junger Mann immer noch der selbsternannte König der Mondänen.
                      Damit ist zugleich aber klar: dieses Leben und dieser Film als Porträt desselben ist reines Feuilleton im obersten Stock des Elfenbeinturms. Denn das Luxusleben von Jap in all seiner Pracht und Opulenz, das geistreiche aber brotlose Sinnieren über Nichtigkeiten im Kreis Gleichgesinnter ist natürlich nicht jedem vorbehalten. Dennoch kreist der Film um doch völlig existenzielle Themen-Tripletten wie Leben, Vergänglichkeit, Tod und Liebe, Beziehung, Sex. Denn letztlich stellt sich immer noch die Frage, wenn schön von scheinen kommt, ist das alles hier nur schöner Schein? Und hat man sich etwa eine ganze Zeit lang nur in Nichtigkeiten verloren? Auch Jap ist ein Suchender, den wir so liebend gerne begleiten, weil wirklich alles das Auge und das Ohr umschmeichelt - und weil sich dieser Film auch erlaubt, ungezwungen humorvoll zu sein, wenn das Leben nun mal so ist.

                      6
                      • 7

                        Ein echt schöner Film.. vorallem die Bilder. Habe nur die Handlung nicht kapiert xD

                        • 7 .5

                          Dieser Film gehört zu denen für die man grundsätzlich einen gewissen IQ und ein Verständnis für künstlerischen Anspruch besitzen sollte. Jedem der diese Eigenschaften nicht mitbringt sage ich ganz ausdrücklich:"FINGER WEG !!!" Den anderen garantiere ich hier feinsten Filmgenuss mit wunderschön inszenierten Bildern, saustarkem Schauspiel und viel Stoff zum Nachdenken und Interpretieren. Wenn man sich ganz und gar auf den Film einlässt wird man viel Freude damit haben

                          • 9

                            "Reisen das ist mal was Nützliches, da kriegt die Phantasie zu tun. Alles andere bringt nichts als Enttäuschungen und Mühsal. Unsere Reise hier findet ganz und gar in der Phantasie statt. Das is ihre Stärke. Sie führt vom Leben zum Tod. Menschen, Tiere, Städte und Dinge, alles ist erdacht. Dies ist ein Roman, eine ganz und gar fiktive Geschichte. Littre sagt das, und der irrt sich nie.

                            Und außerdem kann jeder es halten wie er will. Man braucht nur die Augen zuzumachen. Es ist auf der anderen Seite des Lebens."

                            Der Film beginnt nun mit diesem Zitat von Louis-Ferdinand Celines "Reise ans Ende der Nacht". Nicht zufällig ein Roman, der erbarmungslos den Schein des gehobenen Bürgertums attackiert, und das mit einem sprachgewaltigen Zynismus. Im Film begleiten wir Jep Gambardella auf seiner Reise durch Rom, in Kreisen der High Society, welche zwar weniger auf Sprache setzt, sich dafür aber in einer wahren Bilderflut in das Bewusstsein des Zuschauers drängt. Paolo Sorrentino sieht sich vielleicht nicht in der Rolle des gesellschaftskritischen Regisseurs, aber geistliche Personen, welche nichts besseres können als Kochrezepte zum Besten zu geben, oder Botox-Ärzte, welche sich inszenieren wie bei der heiligen Messe, kann man, untertrieben gesagt, schon als kleinen Seitenhieb verstehen. "Wenn die Analyse nicht hilft, tuts vielleicht gleich der Psychiater". Hollywood hat richtig Selbsthumor mit der Oscarvergabe bewiesen.

                            Es ist trotzdem alles andere als ein politischer Film. Solls ja auch geben. Die andere Seite des Films, welcher nicht nur der Architektur Roms ein Denkmal setzt, die Seite, in welcher wir die vergessene Suche nach "La grande bellezza" sehen, kann man durchaus mit dem Wort "magisch" beschreiben. Wenn also der Chor anfängt beispielsweise William Blakes "The Lamb" zu trällern und Sorrentino seine Kamera ansetzt, um Tony Servillos Charakter zu begleiten, ab dem Moment, wo dieser an dieser ganzen Lebensweise langsam zu zweifeln beginnt, ihrer überdrüssig wird, begibt sich der Film auf eine hypnotische Ebene, der man sich nur schwer entziehen kann. Jep Gambardella ist ein Zyniker, ein "enttäuschter Idealist", vielleicht ein stark angeknackster Romantiker und Melancholiker. Vielleicht hatte ihn einst eine Suche nach der großen Schönheit nach Rom geführt, wo sich letzten Endes aber auch das Verschwinden einer Giraffe nur "als Trick" erweist. Vielleicht ist alles nur ein Trick und Worte sind und waren nichts weiter als "bla,bla,bla" (wie poetisch). Aber Bilder sprechen manchmal mehr als Worte, wie wenn man jeden Tag ein Foto von sich gemacht hätte. In einer der stärksten Szenen zeigt Sorrentino auch, dass Schönheit die Grenzen von unterschiedlichen Glaubensrichtungen durchbrechen kann. Am Ende existiert sie weiter in unseren Träumen und Erinnerungen, auch wenn man sie vielleicht nur einen einzigen Moment gesehen hat. Auf der anderen Seite des Leben halt, wovon dieser Film handelt.

                            “I realized that searching was my symbol, the emblem of those who go out at night with nothing in mind, the motives of a destroyer of compasses.” Julio Cortazar

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                            • 8

                              Ständig machen wir uns Gedanken darüber, was wir tun, was wir machen, wie wir leben. Bis zum Lebensende werden wir wohl etwas suchen, was wir nicht finden können. Wir können nur uns finden oder uns wenigstens zurechtfinden in der großen eigentlich so wunderschönen Welt, die so unendlich viele Möglichkeiten bietet aber auch ein Quell ewiger Langeweile sein kann.

                              Der Film entlarvt uns Menschen und demaskiert uns bis auf den Knochen. Ständig sind wir auf der Suche nach Glück, nach der „großen Schönheit“ die uns umgibt, lassen dabei aber mehr Gedanken schweifen als Taten folgen. Worte und Erklärungen als Schutzschild und Rechtfertigungen für unseren Lebensstil und unseren Weg. Was folglich heißt, dass wir den richtigen Pfad einfach noch nicht gefunden haben, weil wir ihn noch suchen. Doch während wir ihn suchen entgeht uns die große manchmal auch grausame Schönheit des Lebens. Regisseur Paolo Sorrentino fängt das Leben mit seinem Witz, seiner Missgunst, seiner Ruhe und seinen freudigen manchmal aber auch obskuren, seinen falschen und seinen richtigen Momenten zu jeder Zeit in würdevollen und fantastischen Bildern ein.

                              Ein Film, der das Leben wie kaum ein Anderer zuvor ausführlichst beschreibt und versinnbildlicht. Willst du ein Buch schreiben? Schreib es, denk nicht darüber nach ob. Willst du tanzen gehen, dann geh verdammt nochmal tanzen. Willst du eine gute Mutter sein, dann sei eine gute Mutter und erkläre nicht, dass du eine bist. Das Leben ist Tun und Wirken. Wir sollten nicht die Schönheit suchen, denn wir sind sie. Alles andere ist Bla Bla Bla...

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                              • 8 .5

                                Unglaublich schöner Film. Schon alleine wegen der Kameraführung, Bilder und Musik verdient er tolle Kritiken. Das man die "Grande Bellezza" nicht nur in der High Society Gesellschaft findet, sondern im alltäglichen Leben wurde in diesem Film gut beschrieben. Auch die eine oder andere Kritik der römischen Gesellschaft war nicht zu überhören. Sehr sehenswert.

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                                • 8

                                  Ein großer Glücksgriff. Ein ganz fantastischer Film, aber bestimmt nicht jedermanns Sache!

                                  Der Film lebt von schönen Bilder, bizarren Momenten, seichten Sticheleien und teilweise absichtlich (?) faden Dialogen, die aber nie lang(atmig) sind.

                                  Ich könnte ein Buch darüber schreiben, fass mich aber kurz: pure Kunst! Einer meiner besten Filme 2016!

                                  • 9
                                    BigRhodos93 19.10.2016, 04:01 Geändert 19.10.2016, 19:55

                                    Egal ob gut gelaunt, schlecht gelaunt, müde oder anderweitig abgelenkt...dieser Film saugt mich immer wieder in sich auf.
                                    Man kann ihn, meiner Meinung nach, schlecht bewerten, denn er baut seine ganz eigene Atmosphäre auf, mal lustig, mal traurig, mal dramatisch und mal skurril.
                                    Klar wird der Eine oder Andere sagen, dass er langatmig oder langweilig wäre, aber bei genauerer Betrachtung sagt der Film so viel über das Leben aus.
                                    Wo liegen unsere Prinzipien?
                                    Kann man einen Menschen schon nach dem ersten Eindruck beurteilen?
                                    Ist Schönheit objektiv oder subjektiv?

                                    Jep Gambardella versucht dies auf oft unterhaltsame Weise heraus zu finden.

                                    • 4 .5

                                      Es tut mir fürchterlich leid, aber: nein.

                                      Nein, ich war nicht in der Lage, Paolo Sorrentinos gefeiertem Film, der mancherorts sicher nicht zu Unrecht als Fellini-Hommage bezeichnet wird, auch nur irgendetwas abzugewinnen. Zumindest irgendetwas, das sich nicht auf großartig gefilmte, glänzende Oberflächen und liebevollste Ausstattung bezieht.

                                      Ich bin mir vollkommen im Klaren darüber, dass die Hauptfigur Jep Gambardella nicht als Sympathieträger konzipiert ist, sondern als zynischer, scheinbar über den Dingen thronender Been-there-done-that-Literat, der sich immer mehr gelangweilt von Party zu Party schleppt und oberflächliche Bekanntschaften pflegt, die ihm nichts bedeuten. Viel mehr passiert in diesem Film auch nicht, abgesehen davon, dass manch einer in seinem Umfeld das Zeitliche segnet, was aber abgesehen von spontaner Trauer nicht viel auszulösen scheint, und einigen larmoyanten, dekadenten Ach-wir-sind-ja-so-kaputt-Diskussionen bei Luxuspartys über den Dächern von Rom. Ich möchte betonen, dass ich mir kein radikales Damaskuserlebnis erwartet habe, das Jep von einem Moment auf den nächsten zum Umdenken bewegt, weil sich das Leben schlicht und ergreifend in den wenigsten Momenten so verhält. Und ja, "La grande bellezza" ist schlichtweg unglaublich schön anzusehen.

                                      Aber: All das kriecht spätestens nach einer Stunde auf dem Zahnfleisch daher, und mehr als die Hälfte dieses Reigens wartet noch auf uns. Es ist ein Film, der unfassbar viel zeigt, und dabei doch so wenig zu erzählen hat - ein wenig kommen hier die dunklen Erinnerungen hoch, die ich noch von "La dolce vita" habe, wobei es wohl sehr vielsagend ist, dass das einzige Fellini-Werk, das mich bislang restlos begeistern konnte, ein Kurzfilm ist. "La grande bellezza" ist unfassbar aufgeblähte Kost, die ebenso schwer in die Gänge kommt wie Jeps Umdenkprozess. Mir ist natürlich klar, dass der Film mit seiner Machart die Inhaltsleere und Oberflächlichkeit von Jeps Leben begreifbar machen möchte, aber bei aller Liebe: Das bekomme ich wesentlich kompakter und spannender etwa in Luca Guadagninos "Io sono l'amore" serviert, und dessen Story ist zwar etwa so komplex wie ein Rosamunde-Pilcher-Film, aber er HAT wenigstens etwas zu erzählen, es gibt Wandlungen, es gibt Eruptionen, es ist kein stetes, fades-Vor-sich-hin-Köcheln wie die gesamte Laufzeit dieser verfilmten Ödnis.

                                      Das konnten leider auch surreale Einsprengsel aus der Tierwelt nicht mehr wettmachen - "La grande bellezza" ist bei all der oberflächlichen Schönheit ein Film, der mich eher gelangweilt - insbesondere die letzte halbe Stunde war dann eine ziemliche Geduldsprobe -, irritiert und verärgert zurückgelassen hat als sonst irgendetwas. Eine der größten filmischen Enttäuschungen der letzten längeren Zeit.

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                                      • 6 .5

                                        na, der ging leider völlig an mir vorbei.

                                        • 6

                                          Das mit Signor Sorrentino und mir gestaltet sich nach wie vor schwierig, auch wenn ich den hier schon deutlich schmerzfreier genießen konnte als den Holocaust-Selbstfindungstrip davor. Er hat immer noch die sehr anstrengende Eigenschaft sich an netten Kleinigkeiten und visuellen Ergüssen aufzuhalten, die mir irgendwie nichts geben wollen. Manchmal gerät man, wenn man Oberflächlichkeiten darstellen will, halt oberflächlich. Dafür hatte LA GRANDE BELEZZA deutlich schönere Begegnungen und die eingestreuten Anekdoten haben jeden ihren kleinen Reiz.
                                          Leider steht keiner der interessanten Nebenfiguren (tatsächlich sind die Nebenfiguren so gut wie alle großartig), weder der kochende Kardinal, noch der erfolglose und liebeskranke Freund, noch die kleinwüchsige und schlagfertige Chefredakteurin im Zentrum. All die hätten eine bessere Hauptfigur abgegeben als dieses langweilige Midlife-Crisis-Väterchen, dessen Probleme sich darauf erstrecken, dass er sich zu oft an sein (absolut austauschbares) erstes Mal zurückerinnert und zu keinem Besäufnis Nein sagen kann. Sevillos einnehmendem Spiel zum Trotz hab ich über die ganzen zweieinhalb Stunden keinen Draht zu diesem Typen aufbauen können und die Postkartenbilder haben mir das auch nicht gerade erleichtert.
                                          Zum Glück gibt es einige schöne, gefühlvolle Momente wie wenn der Witwer seiner Ex plötzlich vor seiner Tür stehen und die schlagen auch die platten satirischen Momente (sei es sein Interview mit der pseudointellektuellen Ein-Frau-Theatermacherin oder wenn er seiner Bekannten all ihre Lügen und Heucheleien vorhält) so spaßig diese Szenen auch sein mögen.

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                                          • 9

                                            Was für geschliffene Dialoge oder besser Monologe. Hier wird deutlich, dass Worte Waffen sind. So eine literarische Pracht in Aufnahmen die einen dahin schmelzen lassen. Das ist also italienisches Sommerkino vom Allerfeinsten. Einen Bonuspunkt gibt es für die exzellente Musik im Film, welche dramaturgisch kontrastreich, intelligent gesetzt ist.

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                                            • 8

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                                              Eine 104 Jahre alte, wie eine Heilige verehrte Nonne namens Maria, wird wie eine kostbare Mumie zur Schau gestellt. Als man sie fragt, selbst über ihr Leben zu erzählen, antwortet sie: "Ich bin mit der Armut verheiratet. Man kann nicht über Armut reden. Man muss sie leben."
                                              Man kann nicht über La Grande Belleza reden. Man muss den Film erleben.

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                                              • 9
                                                Amarawish 18.07.2016, 18:29 Geändert 01.03.2017, 11:32

                                                „Meine Bestimmung war es der Sensible zu sein. Meine Bestimmung war es Schriftsteller zu werden. Meine Bestimmung war es Jep Gampardella zu sein.“

                                                Ich betrachte während des Genußes der ersten Zigarette mitsamt Espresso den für meine Augen und Ohren vergnüglichen Vogelflug am hellen Morgenhimmel. Schon in den frühsten Stunden des Tages erwacht Rom mit seinem ganzen Charme und taucht das Kolosseum in ein leuchtendes, gar göttliches Dasein. Atemberaubend. Bei Tag erkennt man die sensible Schrillheit der Farben, die die belebende Sinnlichkeit der Straßen und verwunschenen Gassen ihren romantischen Zauber verleihen. Begleitet werden diese Tage von intensiven Nächten, die seit meiner Jugend meine liebste Tageszeit darstellen. Doch es schmerzt mich feststellen zu müssen, die zahlreichen Verlockungen der Sommernächte sind nicht mehr so süss wie früher.

                                                "Sieh dir diese Leute an, diese Gestalten. Das ist mein Leben, und es ist nichts."

                                                Die Vergänglichkeit hat mich eingeholt. In meiner Welt von Dekadenz und Oberflächlichkeit gesellt sich die bittere Wehmut. Ich flaniere und philosophiere in meinem stehts mondän gekleideten Ich zwar weiter vor mich hin, aber die plötzlich zu verspürende, schmerzliche Leere, die langsam aber sicher meinen Geist in der völligen Melancholie ertränkt, ist nicht mehr zu ignorieren. Rauschende Feste und gut inszenierte Partys mit allerei Unterhaltungsaspekten waren der Mittelpunkt meines Lebens und ich war ihr König. Jetzt ist es bloß unerfüllter Zeitvertreib.

                                                Erfreut haben mich lediglich, wohl gar ein klein wenig Glückseligkeit beschert haben mir die spärlichen Augenblicke von Schönheit, die ich wohl mein Leben lang nicht vergessen werde. Die Suche nach ihr begann für mich in dem Sommer, als ich das erste Mal einer Frau, nicht nur mit den Augen näher kam. Ich setze sie fort, die Suche, die vielleicht in die Ewigkeit führt, nach der großen unvergleichlichen Schönheit, die unsere Welt mit dem Mantel der Vergänglichkeit umhüllt.

                                                Die Ewigkeit selbst gibt es für uns nicht. Der Wert des Gelebten würde entschwinden und uns mit in unseren Abgrund reißen. Vielleicht hilft es nur nach dem zu streben, was uns am Leben erfreut, uns einen Sinn gibt, und nicht, was wir tun, um den Schein des Glücks zu wahren in der ewigen Stadt, Rom.

                                                "Reisen ist ein Gewinn, lass die Fantasie arbeiten. Der Rest ist Enttäuschung und Mühe.“ - Louis-Ferdinand Céline

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                                                  Als ich las, dass "La Grande Bellezza" besser sein soll als "The Tree Of Life", dachte ich mir das ich diesen Film UNBEDINGT sehen muss und ging -dadurch er eben mit Malicks Meisterwerk verglichen worden war- mit sehr großen Erwartungen an diesen Film heran.

                                                  Anfänglich war ich wie hypnotisiert von den Bildern und von der Musik, dass ich kaum meinen Blick abwenden konnte und dies war bis -auf ein paar einzelne Szenen- zum Ende des Filmes so (der zugegeben mit einem wunderbar genialen Zitat endete!).

                                                  Jedoch wurden meine riesigen Erwartungen nicht erfüllt und deswegen lies mich "La Grande Bellezza" eher unbefriedigt zurück!

                                                  Fazit: Ein wahrlich wunderschöner Film, mit einem auf die Rolle perfekt zugeschnittenen Hauptdarsteller und einer grandiosen Musik, der mich jedoch nicht so ansprach wie "The Tree Of Life"!

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                                                    Langatmiger, pseudointellektueller, prätentiöser, unrhythmischer Überlängenwulst, der mit solch einem Krampf versucht poetisch, gesellschaftskritisch und in der Tat belanglos zu sein, dass man sich nur noch das Ende herbeisehnt. Zum Schluss bringt es der Film selbst gut auf den Punkt:
                                                    "This is how it always ends. With death. But first there was life, hidden beneath the blah, blah, blah..." Und von diesem Bla Bla Bla hat der Film wahrlich genug gezeigt, darüber konnten auch die durchaus reizvoll ästhetischen, satten Kamerabilder Roms nicht hinwegtäuschen.
                                                    PS: Wer eine kleine Reise durch die italienische Hauptstadt will, kann gleich beim Abspann einsteigen. Wer poetische High Society Leere und Filmkunst als Selbstzweck mag, kann sich auch den ganzen Film antun.

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