Lady Macbeth - Kritik

Lady Macbeth

GB · 2016 · Laufzeit 89 Minuten · FSK 12 · Drama · Kinostart
Du
  • 3
    sithlord80 19.11.2017, 20:08 Geändert 19.11.2017, 20:28

    Der Trailer wirbt mit Schlagzeilen wie "Umwerfend und Originell, Erfrischend und Elektrisierend" welche von diversen Kritikern stammen. Dieses Werk ist alles andere als das. Man baut keinerlei Emotionen zu den Figuren auf, somit sind einem die Geschehnisse vollkommen gleichgültig. Dieser Film ist unglaublich belanglos. Des Weiteren ist Lady Macbeth für den rücksichtsvollen Nacho & Popcorn Esser ein absoluter Alptraum, weil so gut wie keine musikalische Begleitung vorhanden ist. Dieser Streifen ist so ruhig das man das Schlürfen der Protagonisten beim Tee trinken deutlich wahrnehmen kann und die trinken verdammt viel Tee. Positiv zu erwähnen ist die Leistung der Hauptdarstellerin und die teils wunderschönen aber viel zu kurz geratenen Landschaftsaufnahmen.

    5
    • 7

      Die sparsamen, limitierten Locations des Historienfilms sind beinahe an einer Hand zu zählen. Einen stilistischen Sinn hat dieses Vorhaben allemal: Nachdem Katherines unbehaglicher Ehemann sie über unbestimmte Zeit allein mit seinem Vater und den Dienstmädchen im großen Anwesen lässt, ist die unglücklich Verheiratete endgültig sozial isoliert. Schließlich beginnt sie eine Affäre mit Sebastian, ein Arbeiter aus dem Dorf, und spielt immer mehr mit dem Feuer. So ist es ihr Schlafzimmer, das als einziger Rückzugsort vor ihrem Stiefvater und einem möglichen Skandal dient. Der angespannte, erzogene Ton, sowie die authentische Ausstattung und Kostümierung schaffen damit ein intimes Kammerspiel mit Gespür für die lebensstilistische Atmosphäre des 19. Jahrhunderts.

      Es ist eine klassische Geschichte um Intrigen, die trotz Konventionen durchaus auch mit den Erwartungen zu spielen weiß. Die Literaturvorlage ist dabei aufgrund der Umsetzung als recht trocken einzuschätzen. Der Film besitzt dafür das, was das Buch nicht hatte: Eine unglaubliche Hauptdarstellerin. Ihr, der jungen Florence Pugh, sei zweifellos eine große Karriere zu wünschen. Sie verfügt über geradezu finsteren Charme, der sie trotz aller amoralischen Handlungen zur vollkommen funktionierenden Identifikationsfigur macht. Nicht nur Sebastian verfällt ihr, sondern ebenso der vom Film eingenommene Zuschauer.

      Die vielen kleine, wirkungsvollen Momente machen Lady Macbeth zu einem ganzen Stück Indie-Perle. Dass das Psychodrama keineswegs viel gekostet haben kann ist zwar bemerkbar, doch verursacht es keine deutliche Schwächung bei seiner Intensität. Eine klare Empfehlung für alle, in deren Nähe der Film zu sehen ist. [Robin Längert]

      1
      • 7

        Das Lob, das die Kritiker über den Film ausgeschüttet haben, rührt wohl größtenteils auf der stringenten optischen Gestaltung her. Der Vergleich mit Hitchcock und den Brontës ist dabei vielleicht etwas hoch gegriffen. Der Meister hätte es spannender gemacht und der Brontë-Touch kommt nur von den weiten Ebenen (Yorkshire Moors bzw. die Highlands) oder der unglücklichen Ehe. Die Bilder sind oftmals symmetrisch durchkomponiert, wobei ein Minimalismus eine nicht ganz unwichtige Rolle spielt. Lange Pausen mit absoluter Stille und ohne Musik lassen viele Bilder als düstere Stillleben ihre Wirkung tun. Karge Dialoge verbreiten ein Klima der tiefen Ernsthaftigkeit, in dem es kein Lachen gibt und bereiten den Nährboden für Sex und Gewalt vor. Hier wird der Mensch dem Menschen ein Wolf. Hier bricht sich das unterdrückte Gefühl der alleingelassenen Katherine (Florence Pugh) ganz vehement Bahn. Dabei geht sie über Leichen und wird am Ende doch ihren Kopf aus der Schlinge ziehen und ihren Lover Sebastian (Cosmo Jarvis) und ihre Zofe Anna (Naomi Ackie) an den Galgen bringen.
        Was das mit Shakespeares Frau von Macbeth zu tun hat, weiß der Himmel. Wahrscheinlich hat sich das so nach der Vorlage eines russischen Romans/Kurzgeschichte so ergeben. Hier sehen wir nur eine unglückliche Frau, die je nach Zählweise an mehreren Morden beteiligt ist. Sie wird aus Liebe zur Serienmörderin, indem sie aus der gesellschaftlichen Enge des 19. Jahrhunderts ausbricht. Voll Arthouse!

        • 8

          Mit der Verlagerung ins England des 19. Jahrhunderts kommen in der äußerst packenden Verfilmung zum Schlachtfeld Geschlecht auch das von Klasse und Ethnie hinzu. Ein in dichter Inszenierung und exzellenter Kamera (Ari Wegner) sehr eindrucksvolles Kinodebüt von William Oldroyd. [Günter H. Jekubzik]

          • 8
            SpiegelOnline 02.11.2017, 09:12 Geändert 02.11.2017, 09:12

            Oldroyd macht [aus Lady Macbeth] ein intimes Kammerspiel, dessen Bilder die Starre und Enge der Gesellschaft des 19. Jahrhunderts so sinnlich vermitteln, dass man sie förmlich körperlich zu spüren vermeint. [Oliver Kaever]

            • 7

              [...] In seiner Romanverfilmung Lady Macbeth drückt Regisseur William Oldroyd die anfängliche Ohnmacht seiner zur unentwegten Passivität verdammten Protagonistin vorwiegend durch die Inszenierung aus, indem er sie in einzelnen Szenen wiederholt an den äußeren Rand der Einstellungen drängt. [...] Lady Macbeth wird regelmäßig von solchen auffällig komponierten Einstellungen dominiert. In diesen fängt Oldroyd ein vordergründig minimalistisches Ereignis mit statischer Gelassenheit ein und setzt dabei mit kleinen Details wie ein Lächeln, das sich für Sekundenbruchteile auf einem Gesicht in der Ecke des Raumes abzeichnet, oder ein schweres Röcheln aus dem unsichtbaren Nebenraum des Bildabschnitts für einen kurzen Moment ganze Schwälle von Emotionen in den ansonsten kühlen, reduzierten Schauplätzen frei. [...] Gemeinsam mit dem fantastischen Schauspiel von Hauptdarstellerin Florence Pugh (The Falling), die nach ihrer Leistung in diesem Film sicherlich einer noch größeren Karriere als gefragte Schauspielerin entgegenblicken dürfte, inszeniert der Regisseur die Geschichte gleichermaßen als feministisch geprägtes Befreiungsmanifest, in dem Katherine mehr und mehr zur dominierenden Größe innerhalb des Anwesens heranwächst, wie als zunehmend bedrohliche Betrachtung wechselhafter Machtverhältnisse. Während bereits der Titel des Films eine offensichtliche Verbindung zu den Werken von William Shakespeare andeutet, entwickelt sich Lady Macbeth durch das präzise Ausloten von zwischenmenschlichen Abgründen, unstillbarem Verlangen und rasender Eifersucht zu einer bitteren Tragödie shakespearschem Ausmaßes, in der kaltblütige Morde und schwere Intrigen das zerrüttete Porträt moralisch verwerflicher Seelengräber vervollständigen. [...]

              10
              • 6

                William Oldroyds im viktorianischen England spielende Verfilmung von Nikolai Leskows »Lady Macbeth aus Mzensk« besticht durch formale Virtuosität. [Sascha Westphal]

                • 8

                  Florence Pugh spielt die Rolle der Katherine mit Bravour. Sie hat mich völlig gefesselt und den Film zu etwas besonderen gemacht. Beeindruckende Bilder, ein starker Wille und ohne Rücksicht geht Lady Macbeth ihren Weg. Absolut empfehlenswerter Film.

                  Mehr dazu unter: https://vandesei.com/2017/10/15/filmkunstmesse-leipzig-2017/

                  • 8

                    "In William Oldroyds "Lady Macbeth" geht es nicht um menschliche Konflikte und bewusste Entscheidungen, sondern um Naturkräfte und stumme Gesetze." [Philipp Schwarz]

                    • 7 .5

                      In kaum 90 Minuten entfaltet Oldroyd dieses vielfältige, moralische Tableau, in dem unterschiedlichste Klassen- und Rassenfragen angedeutet werden, die in niederträchtiges Verhalten kulminieren, das einem Shakespeare-Drama würdig ist. [Michael Meyns]

                      • 8

                        Pughs und Ackies Leistungen [in Lady Macbeth] sind elektrisierend und ausdrucksstark [...]. Am Ende dieser verdrehten, rätselhaften Geschichte war meine Brust so eng wie eines der Korsetts der Hauptfigur Katherine. [April Wolfe]

                        • 7 .5

                          Dass Anna von einer dunkelhäutigen Schauspielerin und Katherine von einer Weißen gespielt wird, bringt das Thema Rasse und Rassismus mit ein, was die Geschichte von weiblicher Unterdrückung und Überlegenheit, Macht und Privilegien noch erschütternder. [Manohla Dargis]

                          • 8

                            Exakt und anspruchsvoll, gemacht mit großem Können und unerschütterlichem Fokus, ist Lady Macbeth ein Film, der es fordert, bewundert zu werden und sich wenig darum kümmert, ob man ihn tatsächlich mag. [Kenneth Turan]

                            • 8

                              Lady Macbeth ist ein intelligent geschriebener und imposant gespielter Kostüm-Noir-Film, der die Konventionen des viktorianischen Melodramas ausspielt, um einen modernen Kommentar zu Unterdrückung, Vorurteilen und Moral abzuliefern. [David Parkinson]

                              • 7

                                William Oldroyds Erstlingswerk ist nichts für Zartbesaitete und braucht Sitzfleisch, doch es bleibt sehenswert. [Diane Rolny]