Lawrence von Arabien - Kritik

Lawrence of Arabia

GB · 1962 · Laufzeit 202 Minuten · FSK 16 · Drama, Abenteuerfilm, Historienfilm · Kinostart
Du
  • 9

    Eigentlich ist alles gesagt über diesen Film, der nicht nur als Epos ein Klassiker mit verdientem Legendenstatus ist, sondern auch filmisch ein modernes, bahnbrechendes Kunstwerk darstellt. Eine Fülle an memorablen Kinomomenten - Omar Sharifs erster Auftritt; der Motorradfahrer, der"Who are you" ruft; der Ausruf "No prisoners" - und ein von der Nouvelle Vague geprägter Filmschnitt machen LAWRENCE OF ARABIA auch heute noch zum eindrücklichen Erlebnis, an dem auch die ambivalente Zeichnung der Hauptfigur und ihre Darstellung durch O'Toole maßgeblichen Anteil hat.

    15
    • 9 .5

      Wenn einer eine Reise macht, hat er viel zu erzählen... Teil 14
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      Liebes Tagebuch,

      es ist ein langer Flug gewesen, vom Irak bis nach Sierra Leone. Einmal quer über Afrika. Viele Stunden dauerte er. Aber die Arab-Air-Lines, mit der Jeff und ich geflogen sind, hat sich ein wunderbares Programm ausgedacht, um die Fluggäste zu unterhalten. Cocktails gratis, ein geniales Menü und zum Schluss der Höhepunkt: eine Vorführung des großen Filmklassikers „Lawrence von Arabien“ von Regisseur David Lean. Passend zur langen Flugdauer ein langer Film? Warum nicht! Hab den immerhin noch nicht gesehen. Und diesen Film sollte jeder mal gesehen habe. Also begann, gerade als wir den arabischen Luftraum verlassen haben, der Film, der mir und all den anderen Fluggästen Arabien näher brachte.

      Zuerst zu nennen ist wohl die unglaubliche Optik des Films. Große Naturaufnahmen. Das Meer, die Wüste, Sandstürme, während die Menschen nur ganz klein während dieses Schauspiels gezeigt werden. Die Natur als Faszination. Als etwas Fremdes und Unberechenbares. Gepaart mit dem fantastischen Score von Maurice Jarre bleiben diese Bilder lange in Erinnerung, beeindrucken, dominieren das Geschehen. Neben Natur und Musik sind es aber auch noch so gigantische, wahnsinnige Massenszenen. Fantastisch, wie Lean diese Schlachten, Angriffsstürme, Massaker und noch vieles mehr ins Bild gerückt hat. Opulent ist wahrscheinlich noch untertrieben. Die schiere Größe des Films alleine reicht schon aus, dass er beeindruckt. Und das über beinahe 4 Stunden.

      Aber dann ist ja noch die Geschichte. Die Geschichte eines Mannes namens T. E. Lawrence, der wirklich während des ersten Weltkrieges für die britische Armee den Araber Prinz Faisal und dessen Entwicklungen mit Arabien beobachten sollte. Aber Lawrence ist anders als normale Soldaten. Er passt sich der Kultur an, er steht für das ein, was er für richtig hält, vielleicht zu idealistisch, aber nach seiner Sicht ist es eben das einzig Richtige. Dort in Arabien findet er anscheinend das, was er in England, was er in seiner Heimat nicht gefunden hat: Freiheit. Gerechtigkeit. Ehre. Hier kann er sie ausleben, so scheint es. So wird er nach und nach durch sein Geschick und seine Überzeugungskraft vom einfachen britischen Soldaten zur Galionsfigur der Araber, er wird das Symbol der Revolution gegen die Osmanen und als Held und großer Anführer verehrt. Und er steigert sich selbst immer mehr in diese Überzeugungen hinein. Er passt sich der Kultur der Araber immer mehr an, genießt seinen Status als Held, bis er selbst nicht mehr zwischen richtig und falsch unterscheiden kann. Bis er selbst nicht mehr weiß, wo er hingehört. Ob er Brite ist oder Araber. Und bis er als alleiniger Anführer verehrt wird, während er selbst am Rande des Wahnsinns steht. Umso tragischer dann, als Lawrence erkennen muss, dass auch hier, fern ab von der Zivilisation, in die er anscheinend nicht passte, dass er hier in der Wüste ebenso keine Chance auf Freiheit, Gerechtigkeit und Ehre hat. Er ist auch hier nur ein Teil der Maschinerie, gegen die er nichts ausrichten kann. Die letztlich überall gleich ist.

      Peter O’Toole meistert diese tiefgründige Charakterentwicklung hervorragend. Den naiven und gewitzten Soldaten T. E. Lawrence nimmt man ihn genauso ab wie den beinahe größenwahnsinnigen Anführer „El ‘awrence“. Innere Zerrissenheit, Desillusion, Mut und Autorität vereinigt O’Toole, als ob es ein Klacks wäre. Neben O’Toole können unter anderem Omar Sharif, Alec Guinness, Jack Hawkins und Anthony Quinn glänzen und runden dieses geniale Schauspielensemble ab.

      Was bleibt also am Ende über dieses optische und schauspielerische Meisterwerk zu sagen? Eigentlich gar nichts. Worte bringen hier nichts, man muss den Film selbst gesehen haben, ihn einfach auf sich wirken lassen. Man kann höchstens noch feststellen, dass für genau solche Filme das Kino erfunden wurde. Wo sie wirken können und wo sie den gebührenden Platz bekommen. Nun, zum Glück hab ich diesen Film auf einem ziemlich großen Bildschirm gesehen, in diesem Flugzeug. Diese Bilder brauchten einfach den Platz, um zu wirken. Das haben sie sofort geschafft, mich in den Film hineingezogen und bis zum Ende nicht mehr losgelassen.

      Dank dieses Meisterwerks der Kinogeschichte verging unser Flug wie…. Naja, wie im Flug eben und ich war immer noch total aus dem Häuschen, als wir in Sierra Leone, an der Westküste des schwarzen Kontinents angekommen sind, wo Jeffs Ralley stattfindet, von der er Fotos machen soll. „Spektakuläre Bilder werden das“, hat er gemeint. Wir gingen in ein internationales Journalisten-Camp, um von dort aus weiter zur Ralleystrecke zu fahren. Er stellte mir dort einige seiner Kollegen vor. Besonders die ausgesprochen hübsche Maddie Bowen hat es mir angetan. Als sie mich fragte, ob ich nicht mit ihr zusammen auf Tour gehen wollte, da machte mein Herz einen kleinen Hüpfer und ich brauchte nicht lange überlegen. Jeff verstand das. Ich wünschte ihm noch Hals- und vor allem Beinbruch und verabschiedete mich von ihm. Und gleich brechen Maddie und ich auf, irgendeine Reportage über Diamanten oder so. Eigentlich egal, Hauptsache ist, ich kann in Maddies Nähe sein. Ich muss mich jetzt beeilen, bis dann.

      Dein Kobbi

      PS: Meine bisherige Route: http://www.moviepilot.de/liste/mein-filmisches-reisetagebuch-kobbi88

      25
      • 9

        [...] In diesen 50 Jahren ist viel passiert, wir haben viel kommen und gehen sehen, auf den Leinwänden dieser Welt – genauer gesagt, wir haben ALLES gesehen. [...] Und doch – wenn man heute, nach 50 Jahren, diesen Film ansieht, dann ist sie einfach da, diese Magie. Pur und echt, keine Sekunde zweifelt man daran, etwas einzigartiges zu sehen. Kein Quäntchen seiner Wucht, kein Bisschen seiner Intensität und nicht das geringste seiner Sogwirkung hat dieser Film über die Jahre eingebüßt. [...]

        22
        • 9

          Gigantisch, überlebensgroß, fast schon größenwahnsinnig: David Leans "Lawrence Von Arabien" sprengt in seiner Opulenz eigentlich jeden Rahmen. Ungeduldige Zeitgenossen und ADHS-Patienten dürften ihre Schwierigkeiten bekommen, fast 4 Stunden Laufzeit sind schon eine Ansage und können einem Werk durchaus das Genick brechen.
          Diese Gefahr läuft das Mammutwerk schon nach wenigen Minuten nicht mehr, zu sehr ziehen seine atemberaubenden Kulissen, seine prunkvoll-detaillierte Ausstattung und seine unglaublich aufwändigen Massenszenen, begleitet von Maurice Jarres fantastischen Score, den Zuschauer in seinen Bann. Diese Akribie, diese unfassbare Hingabe, ohne computeranimierte Tricks und Spielerein, wirkt eindrucksvoller als jede neuzeitliche Materialschlacht.
          Doch "Lawrence Von Arabien" hat weitaus mehr zu bieten als seine inszenatorische Perfektion. Vor seinem historisch ungemein interessanten Hintergrund erzählt er die Geschichte einer Persönlichkeit, den Aufstieg eines Nobodys zum Helden und Revolutionsführers eines versprengten Volkes, sowie seine charakterliche Wandlung im Lauf der Ereignisse. Die Figur des Lawrence wird facettenreich beleuchtet, verändert sich, droht gar dem Wahnsinn zu verfallen. Er ist kein makellos strahlender Held, an dem die Geschehnisse und sein Rolle darin keine Spuren hinterlassen. David Leans gelingt es somit, sein aufwendiges Epos nicht nur durch seinen Gigantismus wirken zu lassen, was sich vielen heutigen Großproduktionen unterstellen lässt. In Kombination mit seiner fesselnden Geschichte und seinem ambivalenten Protagonisten ergibt sich ein beeindruckendes Erlebnis, ein extravagantes Meisterwerk und ein Stück Filmgeschichte, das nach über 50 Jahren noch erstaunen lässt. Zeitlos.

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          • 8 .5

            [...] Sand. Hitze. Wüste. Unendliche Weiten. Lebensfeindliches Land. Die grausame Gewalt Gottes. Der Sand giert nach Blut, ernährt sich davon, verlangt zeitlebens seinen mörderischen Wegzoll und ist unersättlich; der große Feuerball am Himmel glüht währenddessen unnachgiebig und verbrennt ausgemergeltes Fleischgewebe. Kein Araber liebt die Wüste – er sehnt sich nach grünen Wiesen und erfrischendem Wasser. Nur adipöse Ausländer halten sie fälschlicherweise für einen übergroßen Abenteuerspielplatz, der nach ihren idealistischen Regeln funktioniert. Schnell sollte man diese ablegen, möchte man in der real gewordenen Hölle auf Erden bestehen. Grausame Barbaren. Schlachten sich gegenseitig für eine Karaffe voll Wasser ab – kennen keine andere Sprache als metallische Gewalt, argumentieren schlagfertig. Oh, er war Dein Freund? Nun, die Wüste wollte es nicht anders. Sie wird verzeihen. Nicht mehr lange und auch Du wirst verstehen.
            [...]
            Obwohl einige Ereignisse fiktiven Ursprungs sind: David Lean zeigt, aber er wertet nicht. Wir erleben beflügelnde Augenblicke unendlicher Schönheit gleichermaßen wie hoffnungslose Eindrücke von der Düsternis des menschlichen Seins. Wir sind verantwortlich dafür, ob wir in Lawrence einen friedenbringenden Propheten, einen desillusionierten Kriegstreiber, der die Achtung vor dem Leben verloren hat, oder eine menschliche Waage beider Extreme sehen wollen. Legenden wurden schon immer vom Volk selbst erschaffen; und von denen, die ihre Geschichte manipulativ niederschreiben. LAWRENCE OF ARABIA als durchdachtes Werk von biblischer Omnipotenz, welches jeden Kritikpunkt mit Leichtigkeit abzuwehren vermag. [...]

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            • 9 .5

              Gute Monumentalfilme glänzen durch berühmte Schauspieler, schöne Bilder und großartige Kompositionen. Im Gedächtnis bleiben jedoch nur die, die mit differenzierten Figuren und essenziellen Themen aufwarten können, so wie Lawrence von Arabien

              • 8

                Ein Film den man eigentlich nur im Kino sehen darf, damit die Wüste richtig wirken kann. Ein monumentales Epos mit hochkarätigen Schauspielern und gelungenem Score von Maurice Jarre.

                • 7 .5

                  Dass heldenhafte Kämpfer in der Schlacht zu fallen haben, ist eine romantische Kinovorstellung. Regisseur David Lean, der dieser Tage 100 Jahre alt geworden wäre und sich für Meisterwerke wie "Oliver Twist", "Die Brücke am Kwai" und "Dr. Schiwago" verantwortlich zeichnet, bedient sie in seinem bildmächtigen Wüstenepos "Lawrence Of Arabia" nicht. Sein Einstieg ein Abstieg - mit tödlichen Folgen: Thomas Edward Lawrence stirbt am 19. Mai 1935 in Clouds Hill nach einem Motorradunfall mit seiner Brough Superior. Ein Ende, das in geradezu wüstem Gegensatz zu einem an bedrohlichen Szenarien reichen Leben steht.

                  • 7

                    „Lawrence von Arabien“, geschrieben nach wahren Begebenheiten, ist eines der größten Epen der Filmgeschichte; so breit, dass eigentlich nur eine große Kinoleinwand seiner würdig ist. Hat man diese gerade nicht zu Hand, bleiben trotzdem sehr schicke Wüstenaufnahmen durch exzellente Kameraarbeit, eine großartige Titelmelodie, beeindruckende Massenszenen, charismatische Darsteller und eine rätselhafte Charakterstudie; das alles episch präsentiert in manchmal anstrengenden dreieinhalb Stunden. Eine besondere Vorliebe für monumentale Klassiker sollte man hierfür auf jeden Fall mitbringen. Andernfalls wird die Länge zum Problem.

                    2
                    • 10

                      Der Rückzug von Lawrence aus dem arabischen Raum, seine Rückkehr nach England, erscheinen im Film wie eine Flucht vor sich selbst. Und trotzdem lässt Lean vieles von dem, was Lawrence bewegt haben mag, offen; der Mann bleibt bis zu einem gewissen Grad ein Rätsel. Die monumentalen Aufnahmen der Wüste, die Weite, Leere, Hitze – das alles hat Lawrence fasziniert, angezogen, ja geradezu überwältigt – und Lean lässt uns diese großartigen Bilder der Wüste genießen, die uns zugleich stellenweise erschrecken. In Lawrence selbst entsteht – das vermittelt der Film auf nachdrückliche Weise – das Bild einer Einheit des Lebensraums, der Landschaft, der Menschen – eine Einheit, in der niemand anderes etwas zu suchen hat. Und es sind neben diesen phantastischen Aufnahmen – die eigentlich nur auf einer großen Kinoleinwand so richtig zu genießen sind – die Schauspieler O’Toole, Guinness natürlich, und Omar Sharif, der wie O’Toole durch diesen Film zum Star wurde, Hawkins, Ferrer und die vielen anderen, die „Lawrence of Arabia”, einer der ersten Filme, die in Super Panavision 70 gedreht wurden, zu einem immerwährenden Genuss machen.

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