Lincoln - Kritik

Lincoln

US/IN · 2012 · Laufzeit 152 Minuten · FSK 12 · Drama · Kinostart
Du
  • 5

    Spielberg bittet zur drögen Geschichtsstunde. Alles handwerklich und darstellerisch auf höchstem Niveau, keine Frage. Nur was nützt das wenn der Film langsam vor sich hinplätschert, sich sehr zurücknimmt und außer scheinbar endlosem Politikgeschachere über den 13. Zusatzartikel und der damit verbundenen Abschaffung der Sklaverei nichts erzählt. Da kann man auch ein Buch über Lincoln lesen, das hätte den gleichen Effekt gehabt. Spielberg könnte es besser.

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    • 7 .5
      Kritiker56 02.09.2018, 07:47 Geändert 02.09.2018, 08:10

      Wer sehr gute Schauspieler sehen will und sich für die Geschichte der USA interessiert, vor allem für Abraham Lincoln, dem wird ein gutes Erzählkino präsentiert. Es gibt sehr gute und natürlich auch viele Dialoge und Debatten, denen man aber zuhören muss. Und das ist das Problem. Wer dies nicht kann, und auf Action- und Bürgerkriegsgefechte wartet, der ist hier völlig falsch.
      Daniel Day-Lewis hat hier auf jeden Fall seinen Oscar verdient.

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      • 3

        Ich mag langsam erzählte Filme, aber das hier? *schnarch*

        Nach 30 Minuten ausgeschaltet.

        • 8

          "Eher langatmig" - das hört und liest man, wenn es um Spielbergs Historiendrama "Lincoln" geht. Sicherlich ist das nicht sein Meisterwerk und auch kein Film, der übermäßig viel Spannung in sich trägt. Dennoch ist das gewohnt solide Kost des Hollywood-Regisseurs.
          Zunächst mal hat er sich wieder eine spannende Episode der Menschheitsgeschicht ausgewählt. Und angenommen er hat das historisch adäquat verarbeitet, kann ich nur staunen, wie volksnah so ein Präsident doch sein kann. Heute "mal eben so" ins Weiße Haus spazieren - unvorstellbar. Zumindest in diesem Film wir der Sitz des Präsidenten als volks-belebtes Regierungsgebäude dargestellt.
          In der Geschichte um den 13. Zusatzartikel der US-Verfassung, die die Sklaverei verbieten soll, geht es im wesentlichen oder eigentlich ausschließlich um Politik. Und diese ist - ob im 19. Jahrhundert oder dem Zeitalten von House of Cards immer irgendwie ähnlich. Der eine will was und braucht Stimmen - dann muss er den anderen was anderes geben, um diese zu bekommen. Ein Hin- und Hergeschacher beim dem es scheinbar selten um die eigentliche Sache geht. Letztlich muss man sagen, dass "Lincoln" mehr was für Politik- als Historienbegeisterte ist.
          Alle begeistert haben dürfte jedoch die Darstellerleistung von Daniel Day-Lewis (wieder einmal), der dem berühmten US-Präsidenten viel Würde verleiht und definitiv einen bleibenden Eindruck hinterlässt.
          Alles in allem ein rundum gelungener Film!

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          • 6 .5

            Weil ich manchmal Einschlafprobleme habe, schaute ich diesen Film in einigen Etappen am Abend; das beruhigt und man lernt was dabei. "Lincoln" ist wirklich ruhig und facettenarm, denn es gibt nur diese eine düstere, nachdenkliche Atmosphäre, die irgendwas zwischen Endzeitstimmung und Neuanfang verbreitet. Und man merkt allen Akteuren an: Historisches liegt in der Luft. Diese eine Atmosphäre ist dafür umso stärker.
            Ich bin der Meinung, dass Filme, die historische Genauigkeit implizieren, auch historisch genau sein sollen. "Lincoln" hält sich bis auf kleinere Fehler daran, soweit ich dies beurteilen kann. Es ist aber schon ein sehr amerikanischer, patriotischer und zuweilen beschönigender Film auf die Biografie eines zweifellos einzigartigen Mannes.
            Und nochmals eine Warnung: So wortlastig und düster - manchmal ein wenig wie "House of Cards" für gemächliche und historisch interessierte Menschen - ist dieser Spielberg-Film nicht für diejenigen, die Spannung und Unterhaltung suchen.

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            • 7

              2,5 Stunden Geschichtsdrama dank Spielberg ist sicherlich nicht jedermanns Sache. Wie der Titel schon sagt geht es um Abraham Lincoln, gespielt von Daniel Day-Lewis, der versucht mit aller Kraft einen Zusatzartikel gegen die Sklaverei durchzusetzen. Schaden kann ein wenig Vorwissen zur amerikanischen Geschichte nicht. Falls dieses nicht vorhanden ist, lernt man sicher einiges Neues dazu. Daniel Day-Lewis (Oscar als bester Hauptdarsteller) und Tommy Lee Jones ragen in dem hervorragend besetzten Historienfilm heraus, allerdings zieht sich für mich der Film zu sehr in die Länge. Einerseits verfolgt man manche Abschnitte stark konzentriert. Andererseits gibt es Zeitpunkte an denen es schwer fällt mit den Gedanken beim Film zu bleiben. Schwere Kost!

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              • 5

                Puh. Steven Spielbergs Film über Abraham Lincoln ist zuersteinmal top besetzt. Und zwar bis in die kleinste Nebenrolle. Was da alles für erstklassige Darsteller gesetzt werden, ist wirklich beneidenswert. Der Film ist auch großartig ausgestattet und jedes Bild sitzt. Spielberg halt.

                Nichtsdestotrotz erzählt er nicht viel Neues. Und Lincoln ist mir hier zu sehr Ikone. Das ist sicherlich nicht völlig falsch, aber diese ständigen Geschichten, die ausschweifenden Parabeln, nicht selten wirkt der Film wie ein einziger Monolog Lincolns, eine große Rede halt. Dazu wird die Titelfigur auch ständig im Profil abgefilmt, mit entsprechendem Schattenwurf, aus der Untersicht - die Huldigung ist subtil, aber immer präsent. Ist okay, aber bei weit über zwei Stunden Laufzeit auch irgendwie anstrengend und monoton.

                Guckt man aber trotzdem. Wegen Daniel Day-Lewis und der Darsteller generell.

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                • 7

                  Ein interessanter und wichtiger Film.

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                  • 8 .5

                    Großartig!

                    Kleine Notiz am Rande: Da einige meckerten, Spielberg hätte sich zu lange auf den 13. Zusatzartikel konzentriert - das hat er nicht, das war einfach so.

                    • 7

                      Jetzt mal ehrlich: mehr richtig machen kann man doch nicht. Daniel Day-Lewis ist ein Kerl der nur dann und wann mal einen Film dreht und dann meist in der jeweiligen Rolle geradezu „versinkt“; mit Regisseur Steven Spielberg auf dem Stuhl kann ebenso wenig schief gehen und auch die weiteren Rollen sind mit Stars und Talenten wie Sally Field, Joseph-Gordon Levitt und Tommy Lee Jones bestens ausgestattet. Über die Historische Genauigkeit vermag ich wenig zu sagen, hab aber bei den Beteiligten ein hohes Maß an Vertrauen dass diese das gegebene Thema entsprechend gut behandeln und „bearbeitet“ haben. Auch hat man richtig begrenzt: statt zu versuchen Lincolns Erleben des Krieges zu komprimieren geht man nur auf die Monate kurz vor seinem Tod vor. So mancher Historiker oder Freund von Kostümfilmen wird diesen Film sehr gut und sehr spannend und mitreißend finden – der gemeine Konsument wie ich hat hier einen bleischweren Laberfilm in dem jede Menge Typen in schicken Kostümen in einem Parlamentsraum stehen und einander die spitzen Sprüche um die Ohren hauen. So toll es auch inszeniert und gespielt ist – mit fast zweieinhalb Stunden verliert der Film jede Möglichkeit unterhaltsam zu sein und ist somit nur eine sehr sehr lange Tortur.

                      Fazit: Zwar toll gespielt und in Szene gesetzt, trotzdem eher anstrengende Geschichtsstunde!

                      • 9

                        Eine Verneigung vor einem der größten unserer Zeit, diese Geschichtsstunde hat mich gepackt und ist mit einem überragenden Daniel Day-Lewis perfekt Brillant besetzt.
                        Ein wundervolles Schaupielensemble kompletieren diese tolle Biografie und Zeitgeschichte, die uns teilhaben läßt, an dem harten Weg zu dem was eigentlich selbstverständlich ist und immer hätte sein sollen!

                        Steven Spielberg setzt mit Perfektion, Abraham Lincoln ein würdiges filmisches Denkmal.

                        Ein Meisterwerk!

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                        • 7 .5

                          "Lincoln" ist sicherlich nicht für jedermann. Ich schätze man wird nur Spaß daran haben, wenn man sich für die amerikanische Geschichte interessiert und evtl. auch schon Vorwissen über die Biographie Abraham Lincolns hat.

                          Auch wenn der Film streckenweise recht zäh ist darf man stets die hervorragenden Darsteller und die überragende Regiearbeit von Steven Spielberg bewundern.
                          Daniel Day-Lewis liefert hier eine weltklasse Leistung ab die man so ganz selten sieht.

                          Großartig inszeniertes Schauspiel Kino mit einer sehr wichtigen historischen Geschichte.

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                          • 5
                            smartbo 24.10.2016, 17:21 Geändert 05.11.2016, 22:51

                            Steven Spielberg präsentiert Abraham Lincoln in diesem typisch amerikanischen, pathetischen Streifen als unfehlbaren patriotischen Helden, der moralisch und ethisch absolut integer ist. Solche Filme, die eine historische Persönlichkeit unkritisch auf ein unfehlbares Denkmal setzen, wirken auf mich unehrlich und wenig authentisch, was ganz klar zu Lasten der Qualität und der Bewertung geht. Eine kritischere und ehrlichere Sichtweise auf Lincoln hätte dem Film selbst und seiner Reputation, historisch betrachtet, sicherlich keinen „Zacken aus der Krone gebrochen“. Kritik übe ich auch daran, dass es in dem Film vor aufgeblähter amerikanischer Nationaltümelei nur so wimmelt. Deshalb kommt er partiell bei mir rüber, überspitzt formuliert, wie ein politscher Propaganda-Film. Ansonsten ist der Film handwerklich zweifelsfrei gut gemacht.

                            Fazit: allein aus Respekt vor Steven Spielberg, der sicherlich schon viel bessere Filme gedreht hat, vergebe ich noch die 5. Zu mehr reicht es jedoch aus meiner Sicht nicht aus.

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                            • 7 .5

                              Lincoln bietet starke darstellerische Leistungen, gute Dialoge und eine vor allem anfangs eher schleppende Erzählweise. Kein Film für jedermann, geschweige denn für die Masse, man sollte sich eventuell für politischere Themen interessieren.

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                              • 7

                                Man kann Steven Spielbergs historischem Polit-Drama "Lincoln" auf den ersten Blick augenscheinlich nicht viel vorwerfen. Die Ausstattung, die Kostüme, Kulissen, dass Make-Up, wirklich alles wirkt detailgetreu und ist auf höchstem Niveau. Auf handwerklicher Ebene lässt sich Spielberg ohnehin kaum etwas ankreiden. Auch das Darsteller-Ensemble macht einen ausgezeichneten Job und ist bis in die letzte Rolle passend besetzt. Eine besondere Erwähnung verdient sich der herausragende Daniel Day-Lewis als Abraham Lincoln. Er hat sich so sehr in die Rolle vertieft, man könnte meinen, er sei wahrhaftig der 16. Präsident der USA gewesen. Dieser Mann ist ein Ausnahme-Charakterdarsteller und hat seinen Oscar dafür redlich verdient.

                                Inhaltlich fokussiert sich der Film auf eine kleine Zeitebene rund um den 13. Verfassungszusatz, den Lincoln mit allen (un)erlaubten Mittel durchboxen will. Und genau hier kommt mein kritischer Einwurf. Denn der Film konzentriert sich leider nur nebensächlich für Lincoln als Privatperson, stattdessen glorifiziert er ihn zu einem fast gottgleichen Wesen, das bei nahezu allen Leuten absolute Hochachtung genoss.
                                Eine kritische Auseinandersetzung mit Lincoln findet kaum statt. Zudem sind echte Emotionen im Film beinahe Mangelware, was an Spielbergs Inszenierung liegt. So fühlt sich "Lincoln" mehr wie eine Geschichtsstunde im Schulunterricht an, anstatt wie ein Unterhaltungsfilm. Thematisch ist das Gezeigte zwar höchst Interessant - Es hilft durchaus, bereits Vorkenntnisse über diese komplexe Thematik zu besitzen - wird aber so dermaßen staubtrocken präsentiert, dass es extrem ermüdend und zäh ist bis zum Ende durchzuhalten. Die Laufzeit von satten 150 Minuten kann dabei für manch einen sogar durchaus zu einem echten Hindernis werden. Nichtsdestotrotz ein empfehlenswerter Film, bei dem vornehmlich Rhetoriker ganz sicher ihren Spaß haben werden, den galanten Reden und tollen Dialogen zu folgen.

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                                  Robert Sinclair 23.04.2016, 17:37 Geändert 23.04.2016, 17:45

                                  "Nearly all Men can stand adversity, but if you want to test a man`s character, give him power."

                                  Der Mensch braucht immer irgendwas an das er glauben kann, was einen hoffen und weitermachen lässt und einen die eigenen Ansprüche höher legen lässt, um nach irgendetwas zu streben. An irgendetwas zu glauben, fällt bei jedem natürlich komplett anders aus, ob es Gott, man selbst oder Religionen sind.
                                  Ich habe seit einigen Jahren mehre Künstler und Politiker, die mir persönliche Vorbilder sind und mir Kraft geben, so wie sie mir moralische Richtwerte geben, nach denen ich selbst zu streben versuche.
                                  Da wären Bob Dylan, Helmut Schmidt, Hermann Hesse, seit dem vergangenem Jahr Bernie Sanders und mit gewissen Abstrichen auch der 16te US-Präsident Abraham Lincoln. Diese Leute mögen teils sehr unterschiedlich sein, haben sogar manchmal unvereinbare Weltanschauungen, haben aber trotzdem allesamt starke Ausprägung auf mein Denken und Handeln, in der Art wie ich selbst diese Personen betrachte.

                                  Der Witz ist, ich kenne ja keines dieser Vorbilder persönlich, vielleicht haben sie alle in Wahrheit recht wenig mit dem Bild was ich von ihnen habe zu tun. Vielleicht ist Lincoln eine historisch total verklärte Figur, die privat wenig von dem abwägendem, ruhigen Führer hatte, den uns Spielberg hier präsentiert.
                                  Aber was das angeht, nehme ich es mit der Wahrheit nicht so genau, sicher ist es verklärend, wenn ich die negativen Seiten meiner Vorbilder, von denen es sicher welche gibt, bei denen ich auch mit manchem nicht übereinstimme, nicht so hochhalte, wie das was ich an ihnen schätze aber am Ende des Tages schadet es keinem, wenn mein moralischer Kompass einen Abraham Lincoln entspricht, der so wie in Spielbergs "Lincoln" gehandelt und gelebt hat.

                                  Der ideale Anführer, auf Ausgleich und Gerechtigkeit bedacht, das Wohl aller und nicht einiger Wohlhabenden im Sinn, stets den Anspruch die richtige Entscheidung zu fällen und die vielen Vor und Nachteile dafür abzuwägen.

                                  Geschichte schreiben und die Sklaverei für immer beenden, wofür man den brutalsten Krieg der US-Geschichte noch ein paar Tage mehr in Kauf nimmt.
                                  Oder das Abschlachten der eigenen Bevölkerung sofort beenden und dafür riskieren, dass die Ungerechtigkeit von Schwarzen als Leibeigenen auf unbestimmte Zeit fortgesetzt wird ?
                                  Ein moralisches Ringen für die richtige Entscheidung, die ewige Frage ob der Zweck die Mittel heiligt. Für das "Gute" und aus eigener Sicht "Richtige" in den wichtigen Entscheidungsfragen auch einmal die Rechtsstaatlichkeit umgehen.
                                  Viele historische Anführer standen vor derartigen Entscheidungen, manche scheiterten, manchen gab die Geschichte recht.
                                  Lincoln der auch noch einen Martyrertod starb, bekam am Ende einen glorreichen Platz in der US-Geschichte.

                                  Der Film "Lincoln" geht ausführlichst auf solche Entscheidungen ein, zeigt den Honest Abe in dem Licht, wie ich ihn mir vorstellte und gefiel dem typischen Spielberg Publikum dann eher weniger.
                                  Für mich jedoch ist es eine seiner reifsten Arbeiten, ruhig und ohne Hektik oder zuviel Pathos wird hier eine Geschichte erzählt trotzdem sehr persönlich, um den Mensch Abraham näher zu bringen, die mir persönlich zu den liebsten Spielberg und Biopic Arbeiten überhaupt zählt.
                                  So wie dieser Mann hier denkt, handelt und regiert, ist er mein Vorbild, ob wirklich wahr oder nicht.

                                  Ein Film für Idealisten und Geschichtsinteressierte die etwas Geduld und Interesse mitbringen und ganz nebenbei auch ein stark inszeniertes Hochglanzwerk, was nicht zuletzt durch beeindruckende Schauspieler begeistert, von der kleinsten Nebenrolle bis hin zu Daniel Day Lewis, der hier als US-Präsident ganz neue Maßstäbe setzt.

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                                  • 7 .5

                                    Lincoln ist, glaube ich, der erste Spielberg-Film, der mich richtig überzeugt hat. Als Spielberg seinerzeit begann, vermehrt ernstere Filme zu drehen, war er da jweils nicht konsequent genug aus meiner Sicht. So hat er oft immer noch mit einem Auge auf das Box Office geschielt mit dem Ergebnis, dass er die behandelten Streifen trivialisiert hat. Den Filmen fehlt meist die nötige Tiefe. Das ist bei Lincoln gnz anders. Die Story ist alles andere als oberflächlich und übrigens trotz des trockenen Stoffs aus meiner Sicht nicht nur interessant sondern auch spannend.Hier war dem Regisseur die Massentauglichkeit offenbar egal. Statt dessen war eine möglichst detailgetreue Darstellung der Ereignisse, die zur Verabschiedung des 13. Zusatzartikels führten, wichtig. Spielberg hat nie Probleme gehabt, Stars für seine Filme zu begeistern. Was in Lincoln an bekannten Darstellern aufgefahren wird, ist aber wahrlich beeindruckend. Bis in die kleinsten Nebenrollen ist der Film top-besetzt.

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                                    • 6

                                      Bevor uns Steve McQueen in "12 Years a Slave" das schreckliche Kapitel der Sklaverei von all ihren grausamen Seiten gezeigt hat, hat also Steven Spielberg hier ein Jahr zuvor das Thema af politischer Ebene beleuchtet. Spielberg-Lincoln-Kampf gegen Sklaverei-Historienfilm-amerikanische Geschichte. Hört sich schon extrem nach einem Oscarköder an? Ist es auch! Nichtsdestotrotz ist "Lincoln" ein sehr guter Film geworden. Daniel Day-Lewis läuft einmal mehr zu schauspielerischer Höchstform auf und ist hier tatsächlich ein absoluter Pflichtkandidat für den Oscar als bester Hauptdarsteller. Das einzige, das ich etwas schade finde, ist, dass ich mir von ihm noch ein paar mehr Charaktermomente gewünscht hätte, denn größtenteils ist er hier eben nur der schlaue, eloquente Politiker, der nicht sehr oft echte Gefühle zeigen darf. Aus handwerklicher Sicht ist das hier grandios! Das Setdesign mit der ganzen Ausstattung ist umwerfend, dazu kommen noch ein subtiler Soundtrack und eine tolle Kameraarbeit. Man merkt, dass hier jemand vom Theater das Drehbuch geschrieben hat, denn wie ein Theaterstück fühlt sich der ganze Film an, spielt er doch fast durchgängig nur in wenigen Räumlichkeiten. "Lincoln" ist durchgängig stark geschrieben und hat richtig tiefgründige Dialoge zu bieten, bei denen man keinesfalls abschalten kann, nur ist das leider über 150 Minuten ehrlich gesagt nicht selten an der Grenze zur Langeweile! Der Film kommt nur unfassbar schleppend voran und ist viel zu sehr in die Länge gezogen. Vor allem würde ich jedem raten, sein Geschichtswissen vorher aufzufrischen, denn "Lincoln" verlangt seinem Zuschauer schon so einiges ab. Schlimm ist daran aber vor allem, dass mich der Film leider in der ganzen ersten Hälfte emotional eher kalt gelassen hat. Dafür gibt es dann am Ende zwei emotionale Höhepunkte, die mich doch noch etwas versöhnt haben, weil diese trotzdem auf übertriebenen Pathos verzichten.
                                      Fazit: Insgesamt fällt es mir etwas schwer, eine Empfehlung für eine bestimmte Zielgruppe auszusprechen. "Lincoln" ist hervorragend gespielt, geschrieben und inszeniert, aber leider eher Langeweile auf hohem Niveau. Wenn man sich mit der Geschichte auskennt, dürfte man sich häufig langweilen, weil der Film beinahe dokumentarisch seine Story erzählt, wenn man Neuling auf dem Gebiet ist, dürfte man wohl etwas überfordert und ebenfalls gelangweilt sein.

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                                        RingoRockstar 10.02.2016, 12:29 Geändert 10.02.2016, 12:32

                                        Muss ich meinen Kopf gegen die Wand schlagen nur weil manche
                                        Leute ihre Hohlheit in Filmkritiken verbreiten und mich manchmal
                                        frage ob ich einen anderen Film gesehen habe.
                                        Wenn man einen historichen Film schaut lohnt es mal bei Wikipedia
                                        reinzuschauen ob einen die Thematik anspricht.
                                        Und nur weil man sich nicht angesprochen fühlt, bzw. die Thematik
                                        nicht verstanden hat muss der Film ja nicht schlecht sein.......
                                        Steven Spielberg hat daran gedacht, die Geschichte des amerikanischen Bürgerkriegs aus Lincolns Perspektive zu erzählen. Ein Vorhaben, das ihm am Ende doch zu groß erschien. Sein Film beschränkt sich auf die letzten Monate im Leben des 16. US-Präsidenten und seinen Kampf für die Abschaffung der Sklaverei. Das Eigentumsrecht auf Sklaven war in der amerikanischen Verfassung festgeschrieben. 1860 wurde Abraham Lincoln, der die Sklaverei zunächst nicht verbieten, sondern nur beschränken wollte, zum Präsidenten gewählt - was insgesamt elf Bundesstaaten zum Austritt aus der Union veranlasste. Als die konföderierten "Slavenhalterstaaten" US-Militärstützpunkte auf ihrem Gebiet besetzten, kam es zum Bürgerkrieg, der bis zum Sommer 1865 über 650 000 Menschenleben forderte. Die Kriegshandlungen selbst werden nur angedeutet, Spielbergs Schlachtfeld ist das Repräsentantenhaus in Washington, wo sich die progressiven Republikaner mit den damals noch konservativen Demokraten erbitterte Wortgefechte liefern. Sein Fokus richtet sich auf die diplomatischen Winkelzüge und die schmutzigen Tricks, mit denen Lincoln - und schließlich auch sein parteiinterner Rivale, der Abgeordnete Thaddeus Stevens (brillant: Tommy Lee Jones) - ver­suchen, die Oppo­sition von ihrem Vorhaben zu überzeugen: das Ende der Sklaverei durch einen Zusatzartikel in der Verfassung zu verankern. Spielberg betreibt keine Heldenver­ehrung, sein Lincoln ist ein Mensch voller Widersprüche: kühler Macht­poli­tiker, besorgter Familien­vater, begnadeter Geschichten­erzähler. Dem Ringen um politi­sche Mehrheiten kann der Film eine Reihe bewegender Momente abgewinnen. Und doch würde uns all das kaum berühren, wäre da nicht Daniel Day-Lewis, der die historische Lichtgestalt auf magische Weise zum Leben erweckt. Die hagere Statur, das zerfurchte Gesicht - unser Lincoln-Bild wird auf ewig mit seiner bewegenden Interpretation verbunden bleiben.

                                        https://de.wikipedia.org/wiki/Lincoln_%282012%29

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                                          ChristianKA 20.11.2015, 22:49 Geändert 24.02.2018, 20:29

                                          Muss ich diesen Film toll finden, weil Lincoln ein großer Mann war? Oder vielleicht, weil er von Spielberg ist und Oskars bekam? Oder wegen der namhaften Schauspieler? Nein, muss ich nicht. Tue ich auch nicht.

                                          Obwohl ich Geschichte immer schon interessant fand und die Produktion optisch hochwertig ist, wirkt „Lincoln“ sterbenslangweilig auf mich. Ist wohl nur für US-Patrioten interessant - und ein solcher bin ich nun weiß Gott nicht.

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                                            RoboMaus 29.09.2015, 16:20 Geändert 29.09.2015, 17:44

                                            Also..........das packende Geschichtsepos bleibt leider aus. Handwerklich sehr gut, wie auch der Cast, und wie kaum anders zu erwarten bei einem Spielberg-Produkt. Seine Filme sind immer ambitioniert und keine halben Sachen, auch nicht 'Lincoln'. Doch scheint mir der Film mit soviel Ambition befrachtet, dieses Stück amerikanischer Geschichte adäquat und glaubwürdig darzustellen, dass er mit dieser Last kaum laufen kann. Dazu kommt, dass die Story nur einem einzigen Aspekt folgt: wie Lincoln den 13. Zusatzartikel durchbrachte, der schlussendlich die Sklaverei in Amerika abschaffte. Naturgemäss ist sie damit recht dünn, denn der Weg dorthin wäre in ein paar Sätzen erzählt. So beleuchtet Spielberg, wie Lincoln und seine Gefolgsleute jeden einzelnen Abgeordneten um seiner Stimme Willen überzeugen oder kaufen, wie die damaligen Debatten der Politiker um diese Frage ablaufen und welchen Einfluss der gleichzeitige Krieg mit den sklavenhaltenden Südstaaten auf den politischen Prozess im Norden hat. Nach der Mitte wird es zunehmend anstrengend dem Austausch von Argumenten zu Sinn oder Unsinn dieser Gesetzesinitiative zu folgen, zumal das Ergebnis als geschichtliches Faktum sowieso klar ist. Lincoln siegte auf der ganzen Linie, auch im Krieg, den sein 13. Zusatzartikel mit beenden half - damit, und natürlich mit dem bitteren Ende, verbringt der Plot die letzte Phase und wird dadurch etwas interessanter.
                                            Sicherlich kein schlechter Film, aber viel zu eindimensional und definitiv keiner, den ich mir zweimal ansehen würde.

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                                            • 6 .5

                                              Ziemlich schwere Kost die Spielberg da einem abverlangt. Der Beginn ist sehr zäh, aber mit der Dauer wird der Film immer intensiver. Was auch für die Darstellung von Daniel Day Lewis betrifft.

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                                              • 7 .5

                                                Für viele war diese 2 Stunden Geschichte wohl die langweiligsten ihres Lebens. Doch ich war ab einem gewissen Punkt wie gefesselt. Ja ich gebe zu....der Film braucht wirklich eine Weile und es dauert auch bis man versteht worum es hier eigentlich geht. "Lincoln" ist in meinen Augen großes Historienkino was beweist das Spielberg es noch kann. Er beweist es mit großen Bildern und einer erstklassigen Ausstattung. Der Hauptgrund weshalb dieser Film funktioniert sind natürlich seine Darsteller. Sally Field....der immer noch viel zu unterschätzte David Strathairn und Tommy Lee Jones der höchstens noch in "Auf der Flucht" besser war. Abraham Lincoln wird absolut überzeugend von Daniel Day-Lewis dargestellt. Sein 3. gewonnener Oscar war also mehr als gerechtfertigt. Dazu kommen noch
                                                Joseph Gordon-Levitt, Jackie Earle Haley, Hal Holbrook und Jared Harris in wichtigen Nebenrollen.
                                                Wer also ein wenig Geduld und einige Geschichtliche Vorkenntnisse mitbringt kann mit diesem bewegendem Historiendrama wirklich was erleben.

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                                                • 7
                                                  Graf Krolock 22.06.2015, 20:26 Geändert 22.06.2015, 20:27

                                                  Der Titel lässt nicht gleich vermuten, dass der Film mehr oder weniger nur die Periode der zweiten Amtszeit Lincolns behandelt, in der er, das Ende des Krieges vor Augen und in den Händen entscheiden muss, ob der Krieg und damit das Sterben weiterer zig Tausender beendet, aber möglicherweise die Chance, der Sklaverei endlich ein Ende zu setzen, verpasst wird. Durch mehr oder weniger korrupte Mittel, unlauteres Taktieren und gewiefte Schachzüge gelingt es Lincoln schließlich die Abschaffung der Sklaverei durch den 13. Verfassungszusatz zu besiegeln. Der Zweck heiligt die Mittel. Der Krieg endet etwas später. Einen Spoiler braucht man an der Stelle sicherlich nicht zu setzen. Der ganze Film kommt, bis auf eine Szene am Ende ohne Kriegsaction, Graumsamkeit usw. aus. Er beleuchtet ausschließlich Lincolns taktisches Spiel, um den 13. Verfassungszusatz durchzusetzen und damit letztendlich das, was Lincoln groß gemacht hat - alles verfeinert mit der kurzen Geschichte um sein Privatleben (Frau, Sohn usw.) und dem Ringen mit den politischen Gegnern sogar innerhalb der eigenen Partei. Insofern muss man sagen, ist der Film schon ziemlich unterhaltsam. Ein Geschichtsstück, dem vor allem Daniel Day-Lewis das Gesicht gibt.

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                                                    Die Abschaffung der Sklaverei, geboren aus dem Geist eines Politthrillers: Steven Spielberg zeigt Lincoln als genialen Politiker und lässt nebenbei Daniel Day-Lewis sich für den Oscar empfehlen. [Martin Schwickert]

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