Lost in Translation - Kritik

Lost in Translation

US/JP · 2003 · Laufzeit 105 Minuten · FSK 6 · Komödie, Drama · Kinostart
Du
  • 10

    Obgleich alle Elemente eines Liebesfilms vorhanden sind, ist „LOST IN TRANSLATION“ von Sofia Coppola („The Virgin Suicides“ [1999]) mehr ein modernes Märchen über zwei Menschen, die auszogen, um das Leben zu erfahren. Bob (alternd, in keiner glücklichen Beziehung) und Charlotte (jung, gerade verheiratet) könnten unterschiedlicher nicht sein. Doch schon während ihres ersten gemeinsamen Streifzugs durch Tokio und dem anschließenden gemütlichen Beisammensein in Bobs Zimmer merken die beiden Amerikaner zwischen den gesprochenen Zeilen, dass sie eines eint: die Unzufriedenheit über ihr derzeitiges Sein. Erst die Gespräche fördern diese Tatsache, die keiner von beiden bewusst aussprechen wollte, ans Tageslicht, und Bob und Charlotte erkennen, dass sie diesen neuen Blick auf ihr Leben so lange gemeinsam auskosten sollten, wie ihnen noch Zeit bleibt.

    [...] Der leise Film fängt die intensive Freundschaft zweier Gleichgesinnter in ruhigen, angenehmen Bildern ein und nimmt sich viel Zeit dafür, die Protagonisten auf ihrer Reise durch Tokio zu beobachten. Es wird nicht viel gesprochen, vielmehr ist zwischen den Zeilen zu lesen, denn was Sofia Coppola auf der für den Zuschauer nicht sichtbaren Ebene transportiert, ist bemerkenswert. Trotz seiner Ruhe schafft es der Film nämlich, einem die Charaktere in plastischerer Form nahe zu bringen, als es ein Dialogstück jemals schaffen könnte. [...]

    5
    • 8 .5

      [...] Sofia Coppola besticht durchgehend mit ihrem ruhigen Erzähltempo, welches zu keiner Sekunde schleppend wirkt, sondern die Figuren und ihr wankendes Innenleben immer weiter offenbart. Zwei Menschen finden sich in der Fremde und geben sich selbst den liebevollen Halt, den sie im Farbenmeer von Tokio, in der Isolation des Hotelzimmers und dem eigentlichen Wahnsinn der Metropole, verloren haben. "Lost in Translation" ist die authentische Geschichte über zwei Charaktere, die seit der Ankunft mit den gleichen Problemen ringen und nur in den gemeinsamen Stunden den fühlbaren Frieden mit sich selbst finden können. Zwischen Tragik und Komik wird ein intimes Netz aus Melancholie, Authentizität und echten Gefühlen gesponnen, das sich zu keinem Zeitpunkt in abgedroschenen Rührseligkeiten verläuft oder den Fehler macht, die sexuelle Ebene zu betreten. Hier geht es um Nähe, Zärtlichkeit und um die gegenseitige Annahme, um Seelenverwandtschaft, menschliche Fehler und um die Ehrlichkeit. "Lost in Translation" ist warmherziges, berührendes und wunderschönes Kino zum immer wieder neu Verlieben. [...]

      26
      • 8 .5

        [...] „Lost in Translation“ ist ein ruhiger Film über dessen Daseinsberechtigung man womöglich diskutieren könnte, wenn da nicht die zwei herausragenden Hauptdarsteller wären. Vor allem Scarlett Johansson beweist in diesem Film eindrucksvoll, dass ihr Talent über ihre äußerlichen Vorzüge hinausgeht und sie mehr sein kann als nur „schmuckes Beiwerk“. „Lost in Translation“ hat die Möglichkeit dem Zuschauer aufgrund seiner begnadeten Hauptdarsteller ein Filmerlebnis zu bieten, welches sich in puncto Authentizität und Intensität auf einer neuen Ebene bewegt und nicht aufgrund seiner Geschichte als solches überzeugt, sondern als Charakterstudie, als Lebensabschnittsbericht zweier Menschen, die das selbe Schicksal teilen. Und selbst jene, die etwaige Begegnungen noch nicht selber erleben durften, werden dank des feinfühlig sensiblen Spiels zweier grandioser Darsteller zumindest nachvollziehen können was es bedeutet echte Zuneigung , fernab von familiären Zwangsbindungen und gesellschaftlichem Arschgekrieche, erfahren zu dürfen. Coppola zeichnet den Mythos der Seelenverwandtschaft als Privileg, das es zu schätzen gilt und macht nicht den Fehler sich den romantisierten Mainstream-Pfaden hinzugeben. Sex gibt es nicht zu sehen und auch inwiefern die beiden ein Paar darstellen sollen, wird im Dunkeln gelassen, ist – sobald der Abspann abgelaufen ist – aber auch nicht weiter wichtig. Vielmehr konzentriert sich Copolla auf die Kraft der Dialoge, zelebriert den Seelenstriptease ihrer Charaktere angenehm zurückgenommen und beweist Mut zur Stille, setzt darüber hinaus sicher humoristische Akzente und verewigt gleichzeitig die Stadt Tokio in einer zwei Stunden andauernden Hommage. „Lost in Translation“ aufgrund seiner wenigen skurrilen Momente als Komödie oder aufgrund seiner melancholischen Thematik als Drama zu bezeichnen wäre jedoch zu einfach, er erweitert vielmehr Genre-Grenzen, verknüpft Tragik und Komik sowie Charakterstudie und Liebesfilm miteinander und erzählt eine Geschichte wie das Leben sie schreibt. Themen wie Freundschaft, Treue und Einsamkeit werden dabei völlig authentisch und unvoreingenommen behandelt und bilden die zentralen Leitmotive des Filmes. Und obwohl der Film die traurigen Schicksale zweier sehr ähnlicher Menschen aus sehr verschiedenen Welten behandelt, macht „Lost in Translation“ vor allem eines: Hoffnung.

        26
        • 8

          Na und? Dann werden die Japaner eben auf's Korn genommen; dann werden sie eben (meistens) als völlig durchgeknallt dargestellt; dann können sie eben - klischeemäßig - das "R" nicht richtig aussprechen, aber der Film überzeichnet das alles doch bewusst, um nur noch mehr diese Verlorenheit der beiden Protagonisten auszudrücken.
          Die Geschichte handelt von 2 Amerikanern, die sich in der Großstadt Tokyo befinden. Durch ihren Jetlag können sie nachts nicht schlafen. Um ihre Zeit zu vertreiben und ein wenig Spaß zu haben, "stürzen" sie sich in das Nachtleben der Großstadtmetropole und gehen aus. Dabei werden ihre nächtlichen Ausflüge mit solch einer optischen Wucht vermittelt, dass es mir schon fast wie ein surrealer Traum vorkam. Allerdings ein sehr schöner. Währenddessen entwickelt sich eine wunderbare Freundschaft zwischen den beiden. Er, dessen Ehe immer unromantischer wird und dessen Frau ihn schon garnicht mehr zu brauchen scheint; und sie, die sich auch immer mehr fehl am Platze ihres Mannes fühlt.
          Sie fühlen sich beide alleingelassen und verloren im Wirrwarr aus anderer Sprache, fremder Kultur und grellen Lichtern. Deshalb suchen sie die Nähe des anderen. Sie lernen sich kennen und fangen an, über ihr bisheriges Leben nachzudenken. Besonders schön fand ich dabei die Szene, als sie nebeneinander im Bett lagen und er seine Hand auf ihren Fuß legte. Unglaublich, wie solch eine kleine "Geste" so viel aussagen kann.
          Scarlett Johansson spielt sehr glaubwürdig/überzeugend und dadurch überaus liebenswert. Bill Murray mimt den Mann mittleren Alters in der Midlife Crisis auch perfekt. Schauspielerisch ist das Ganze also auch wirklich überragend. Ach, ich mach's kurz: Ich glaube, ich habe mich in den Film und in Scarlett Johansson verliebt. So ein(e) schöne(s) Melodrama/Romanze/Was-auch-immer habe ich noch nie gesehen. Danke Sofia Coppola.

          15
          • 7

            Japan. Das Land des Lächelns. Auf heimischem Terrain bringt man damit kleine, wild fotografierende Menschein in Zusammenhang. Kampfsport und Samurai-Ehre. Doch Japan ist weit mehr als das. Und das bedeutet nicht zwangsläufig, dass man diese Menschen oder deren so völlig fremdartiges Verhalten dann in deren Land besser verstehen würde. Und diese Verlorenheit zweier Amerikaner im anonymen Großstadtdschugel Tokios ist dann auch, wie der Titel schon sagt, das Thema dieser etwas anderen Komödie, die dieser Tage von allen Filmkritikern über den Klee gelobt wird.

            Bob Harris (Bill Murray), ein alternder US-TV-Star inmitten der besten Midlife-Crisis, hat das hochbezahlte Werbeangebot einer japanischen Whisky-Marke angenommen und reist für eben diese Werbeaufnahmen nach Tokio. Nach einem Tag Fotoshooting lernt er schlaflos vom Jetlag an der Hotelbar die frischverheiratete Charlotte (Scarlett Johansson) kennen. Diese begleitet ihren Mann, einen erfolgreichen Fotografen auf einer Geschäftsreise in Japan und verbringt so viel Zeit alleine, wenn ihr Mann bei der Arbeit ist. Bob dagegen ist von dem desillusionierten Dasein seiner eigenen Ehe völlig angeödet. Und so kommen sich die beiden verlorenen Seelen in der Fremde auf einer freundschaftlich-platonischen Ebene näher und verbringen von nun an viel Zeit mit gemeinsamen Unternehmungen. Man gibt sich gegenseitig Halt in der Verlorenheit und Einsamkeit in der Fremde.

            Das außergewöhnliche daran ist, dass „Lost in Translation“ keine Liebesgeschichte ist. Immer wieder erwartet man den entscheidenden Kuss, aber der kommt nicht. Muss er auch nicht. Denn wie gesagt ist dies kein Liebesfilm. Es ist eine Komödie, wenn man den trockenen Witz Murrays als Maßstab nimmt, es ist ein berührendes Drama der anderen Art, wenn man die durch die fantastische Bildersprache eingefangene Verlorenheit der Hauptdarsteller in einem völlig fremden Land nimmt und es ist gleichermaßen ein treffendes Soziogramm des modernen Japans und eine anrührende Metapher auf die Einsamkeit jedes Einzelnen.
            Und genau diese Elemente bzw. deren Mischung sind es dann auch, die das besondere an diesem Film ausmachen.

            Und so lässt sich dann auch verstehen, warum dieser Film vor ein paar Tagen für die 4 wichtigsten Oscars (Hauptdarsteller, Film, Regie und Drehbuch) nominiert wurde. Und wenn sicher jede dieser Kategorien ein Recht auf den Preis hätte: Die Regie von Sophie Coppola, die das hervorragende Drehbuch so zu einem Gesamtwerk zusammenzustellen wusste, und Murray mit seinem trockenen Charme, würden, hätte ich dies zu entscheiden, ohne eine Sekunde des Zögerns mit diesem filmischen Ritterschlag belohnt. Für mich die besten Leistungen im vergangenen Jahr in den beiden erwähnten Kategorien.

            4
            • 8

              Wunderbarer Film mit einer großartigen Scarlett Johansson und einem ebenso großem Bill Murray.

              1
              • 10

                "Lost in Translation" ist einer der Filme die man gesehen haben muss. Eine tolle Geschichte, tolle Bilder und tolle Schauspieler machen den Film zu einem Genuss. Dieser Film hat den Oscar für das beste Drehbuch wahrlich verdient.

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                • 10

                  [...]Sofia Coppola fängt diese Emotionen und Stimmungen ein und kleidet sie in feinsinnige Bilder, die stets den richtigen Ton treffen. Ihr Inszenierungsstil ist behutsam und zurückhaltend. Kein Wort zu viel kommt über die Lippen der Akteure, es sind viel mehr die Bilder die hier sprechen. Der Plot, die zu Grund liegende Story-Line ist simpel, es geschieht Wenig und doch aber so Viel. Das lakonische Spiel Bill Murrays, das nuancierte und bezaubernde Spiel von Johansson tragen diesen Film, lassen ihn ruhig daher gleiten. Jeder Ton des wundervollen Scores, der sich in perfekter Weise an seine jeweilige Umgebung anpasst, ist an der richtigen Stelle. Nichts wirkt aufgesetzt, nichts übertrieben,[...]

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                  • 8 .5

                    "Lost in Translation" ist eine zauberhafte Großstadt-Odyssee, die durch das subtile Spiel der beiden Hauptdarsteller überzeugt, was ihnen jeweils eine Golden-Globe-Nominierung einbrachte. Während Murray sein komödiantisches Talent voll entfalten kann, brilliert die 19-jährige Johansson durch ihre vielfältige Ausdruckskraft, wofür sie bereits bei den 60. Filmfestspielen von Venedig mit dem "Premio Controcorrente" ausgezeichnet wurde.

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                    • 9 .5

                      Im Grunde sind es vertraute Witze über das Land der aufgehenden Sonne, aber Coppola reißt sie nicht zur Charakterisierung des Einheimischen, sondern des Fremden. Sie beschreiben nicht die Ulkigkeit der Söhne Nippons, sondern die Verlorenheit des Besuchers. [...] "Lost in Translation" ist so frisch und verspielt, wie man es von einer 32-jährigen Filmemacherin erwarten darf. Und zeugt zugleich von so viel Reife und Weisheit, wie sie die meisten 64-Jährigen noch nicht haben.

                      • 9

                        LOST IN TRANSLATION ist zart und versponnen, reserviert und scheu, ohne jede Hybris. Komödie und Tragödie treffen sich. Alles ist möglich in der zärtlichen Geschichte dieser beiden Gestrandeten, bis zum Ende. Aber es bleibt unspektakulär.

                        • 8

                          [Die Regisseurin] blickt nicht hinter die Stereotypen, sondern belässt es dabei, sie als Teil eines unlösbaren Rätsels vorzuführen. Was ihren Film gerettet hat, ist ihr Mut zum Innehalten: Beharrliche Einstellungen in stillen Hotelzimmern geben ihren Darstellern die Möglichkeit, ihre Figuren zum Funkeln zu bringen.

                          • 4

                            Aufgeblasene Allgemeinplätze mit wichtiger Mine serviert. Arthaus für Lehrerehepaare die schon American Beauty für gewagt hielten.

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