Loving Vincent - Kritik

Loving Vincent

GB/PL · 2017 · Laufzeit 94 Minuten · FSK 6 · Animationsfilm, Kriminalfilm, Drama · Kinostart
Du
  • 8
    mariega 19.08.2018, 18:33 Geändert 19.08.2018, 19:36

    ÖL AUF LEINWAND
    Es gibt Maler, die die Sonne in einen gelben Fleck verwandeln. Es gibt aber andere, die dank ihrer Kunst und Intelligenz einen gelben Fleck in die Sonne verwandeln können.
    Pablo Picasso

    So wie eine neue Brille oder einen roten Lippenstift braucht man manchmal eine neue Perspektive, um die Dinge des Lebens zu ändern. Die Idee mit Bildern von Vincent van Gogh zu drehen fand ich überraschend ästhetisch.

    26
    • 7 .5
      Strackymandias 14.08.2018, 01:28 Geändert 14.08.2018, 01:29

      Wunderschön (wortwörtlich) bebildert und von Clint Mansell gewohnt gekonnt vertont, ist Loving Vincent vor allem audiovisuell ein verdammt starkes Ding. Leider bleibt er erzählerisch recht konventionell, ereignisarm und oberflächlich. Die Geschichte ist natürlich inherent emotional, das Drehbuch selbst kommt jedoch wenig überraschend daher. Als Laie habe ich einiges über sein Leben, insbesondere aber seinen Tod gelernt, denke aber nicht, dass der Film absoluten Van-Gogh-Experten viel Neues bieten wird. Diese können sich die Zeit dafür dann damit vertreiben, alle Anspielungen an Van-Gogh-Gemälde zu entdecken. Alles in allem ein empfehlenswerter Film und ein interessantes, filmisches Experiment, aber bei weitem kein Meisterwerk.

      • 8

        Rein visuell ist „Loving Vincent“ ein Ausnahmefilm, den man gesehen haben muss. In mühseliger Kleinstarbeit erweckten 125 Maler und einige Schauspieler eine Reihe von Gemälden von Vincent van Gogh zum Leben. Inhaltlich ist das weniger spektakulär, aber immer noch sehenswert: Die Suche nach dem Menschen van Gogh ist mit Krimi- und Coming-of-Age-Elementen gespickt, die zwar nicht viel bringen, aber doch noch die eine oder andere Frage stellen.

        • 8
          Mekridi 14.06.2018, 10:51 Geändert 14.06.2018, 11:06

          https://www.youtube.com/watch?v=8mSn6djfBm0 Tripple♥

          Rein emotional würde ich wohl sofort die 10 zücken. War tief drin. Clint Mansell natürlich, schluck. Was für ein Score. Tiefste, nachempfindbare Melancholie fiedelt einem tonnenschwer durch den Gehörgang. Groß. Schon beim Openingstück hab ich gejauchzt. Inhaltlich? Gelangweilt habe ich mich zwar zu keiner Sekunde, aber neutrale, sachliche Worte kann ich leider noch keine finden. Ich war wohl zu sehr abgelenkt von dieser Schönheit, der fühlbaren Dramatik, diesem wunderschönen Fluss von Bildern und Tönen. Würd sagen, ich guck nochmal und dann eventuell mehr...

          Bis dahin verbleibe ich mit den Worten: I'm LOVING VINCENT

          6
          • 5
            admiralthrawn 28.05.2018, 10:11 Geändert 28.05.2018, 20:57

            Schade, habe mir mehr erhofft. Weder die Story noch die Musik haben mich abgeholt. Lediglich der Schlusssong, welcher jedoch auch kein Original ist, was ich eben erfahren habe.
            Das das Bild "Sternennacht" das letzte im Film sein würde, habe ich schon vorher geahnt.
            Von den Animationen war das auch nur gut für mich, aber nichts was mich aus den Socken gehauen hat.
            Sorry, gerade die Schauspieler, welche dann ja "übermalt" wurden, haben mal so gar nicht in die Bilder dazu gepasst, das wirkte zu gekünstelt.

            Wem der Stil des Films gefallen hat, empfehle ich Alexander Petrow´s Filme z.b. "The Old Man and the Sea" nach dem Roman von Ernest Hemingway, oder "Meine Liebe".
            Beides sind Öl-auf-Glas-Animations-Kurzfilme. Ersterer wurde sogar mit dem Oscar ausgezeichnet, letzterer dafür nominiert.

            Die Filme sind auf youtube zu sehen:

            https://www.youtube.com/watch?v=W5ih1IRIRxI

            https://www.youtube.com/watch?v=47l1bcPFPEQ&list=PL3E3C848656054DE1

            1
            • 6 .5

              Loving Vincent ist ein stilistisches Experiment, das zumindest inszenatorisch als geglückt betrachtet werden muss. Ein visuelles Meisterwerk, das aus über 65.000 ölgemalten Einzelbildern besteht und den einzigartigen Stil Vincent van Goghs hervorragend einzufangen versteht. Inhaltlich offenbaren sich zwar durchaus Schwächen, doch obgleich dem Film im letzten Drittel leider etwas die Puste ausgeht und sich ein wenig Langatmigkeit einstellt, fängt er in seiner Erzählweise und durch Clint Mansells wunderbaren Soundtrack ein Gefühl der Melancholie ein, das zum tragischen Leben van Goghs passt. Und so ist Loving Vincent vor allem eines: Ein würdiges Denkmal dieses einzigartigen Künstlers.

              Vollständige Kritik: https://movicfreakz.de/loving-vincent/

              1
              • 7

                Partiell in Rückblenden erzähltes und um Versatzstücke des Kriminalfilms angereichertes teilbiografisches Drama, das inhaltlich nicht über die gesamte Spielzeit zu überzeugen vermag, dank der Umsetzung als Animationsfilm, der sich aus zehntausenden, am Stil und teilweise auch direkt an den Werken van Goghs angelehnten Ölgemälden zusammsetzt, aber ein vorerst einmaliges, wenn auf Dauer auch leicht anstrengendes Spielfilmerlebnis bietet.

                2
                • 8 .5

                  Ein gemalter Krimi?
                  Ein gemalter Krimi über van Gogh?

                  Als jemand, der in Sachen Kunst eher bei Hopper, Lichtenstein oder Helmut Newton stehengeblieben ist, die schönen Künste aber wirklich schätzt, musste ich diesen Film sehen.

                  Und was hierbei herausgekommen ist, ist mit Kleinod noch unzureichend beschrieben.

                  In Zeiten von immer gleichen Animationsfilmen, die, Fastfood gleich, die Lichtspielhäuser überschwemmen, ist "Loving Vincent" ein wahrer Hoffnungsschimmer. Eine Erinnerung daran, wie großartig das Genre "Trickfilm" sein kann.

                  Detailverliebt und detailversessen windet sich der Film auf den letzten Pfaden von Vincent van Gogh, trumpft mit wunderschönen Ideen auf und nimmt den Zuschauer tatsächlich komplett gefangen, sofern dieser nach Jahren voller gleichförmiger Animationsfilme noch in der Lage ist, hochwertige Kunst als solche zu erkennen.

                  12
                  • 10

                    Traumhaft schön werden hier die Bilder van-Goghs umgesetzt, und zudem mit einer leicht fasslichen Geschichte umgesetzt. Der Film braucht die große Leinwand, ist aber einer meiner Oscarfavoriten gewesen.

                    • 9 .5

                      Es ist zweifellos eine einzigartige, wunderschöne Bio-Pic. Co-Regisseur Welchman (Oxon.) hat gut recherchiert, sodass wir einen Einblick in die letzten Jahre des Maler-Genies bekommen und zugleich mitten in die tragische Problematik seines Lebens geführt werden. Ausgehend von Portraits, die in gekonnter Art und Weise animationsmäßig in Bewegung gesetzt werden, entsteht ein Plot, der stets mit der bekannten Realität in Kontakt bleibt. Situationen aus dem persönlichen Umfeld von van Gogh könnten sich durchaus so oder so ähnlich zugetragen haben. Echte Über- oder Untertreibungen sind mir dabei nicht aufgefallen. Die biometrischen Daten von namhaften Schauspielern wie z.B. Saoirse Ronan, Helen McCrory oder Aidan Turner und Eleanor Tomlinson haben Verwendung gefunden und wurden im Malstil van Goghs umgesetzt.
                      Den Leitfaden liefert Armand, der Sohn des Postmeisters Roulin, der nach Vincents Tod seinem Bruder Theo einen Brief zustellen soll. Weil der aber inzwischen auch nicht mehr lebt, ist Armand gezwungen, alle möglichen Kontaktpersonen aufzusuchen. Bei seinen Nachforschungen geht es auch um die näheren Umstände von Vincents Tod: Selbstmord oder ein makabrer Scherz seiner Saufkumpane oder etwa Tod aus Versehen? Der großartige Song von Don McLean ‘Starry, starry Night‘ der am Ende erklingt, gibt eine wunderschöne, lyrische Antwort. (Leider singt Don nicht selbst, sondern Lianne La Halvas ?!). ‘Vincent, du hast dir das Leben genommen, so wie es Verliebte oftmals tun. Aber ich hätte dir schon sagen können, Vincent, diese Welt war nichts für jemanden, der so wunderbar war wie du.‘
                      Der Film ist ein Erlebnis. Pinselstriche werden lebendig und verdeutlichen die sich ständig verändernden Farbnuancen. Hier wird Kunst im wahrsten Sinne des Wortes lebendig. Die mitunter etwas niederwertige Spannung wird durch den Zauber der in Bewegung gesetzten Bilder van Goghs mehr als wettgemacht. So entsteht ein Sog, der weit über die Grenzen eines statischen Gemäldes hinausgeht. Zu den vielen Preisen würde ein Oscar gut passen.

                      2
                      • Bei den Oscars 2018 ist der britisch-polnische Animationsfilm “Loving Vincent” einer der Anwärter auf den Besten Animationsfilm. Wie unwahrscheinlich der Gewinn bei Gegnern wie dem Pixar-Film “Coco – Lebendiger als Leben” (2017) und dem Blue-Sky-Studios-Film “Ferdinand – Geht STIERisch ab” (2017) auch sein mag, hätte “Loving Vincent” ihn als erster vollständig gemalter Film mehr als verdient.

                        4
                        • 6 .5
                          Adrian.Cinemacritics 03.02.2018, 17:37 Geändert 03.02.2018, 17:38

                          Es kommt heutzutage nicht mehr so oft vor, dass man von einem Animationsfilm behaupten kann, dass er ein visuelles Erlebnis abgeliefert hätte, wie man es nur selten erlebt hat, was äußerst verwunderlich ist, da es heutzutage Animationsfilme wie Sand am Meer gibt.
                          Viel zu oft bekommen wir dieselben quietschbunten Animationen mit denselben quietschbunten, putzig aussehenden Charakteren zu sehen, die zwar nicht unbedingt hässlich anzusehen sind, aber dafür keinen besonderen Eindruck bei dem Betrachter hinterlassen, was dafür sorgt, dass diese Animationsfilme stilistisch keine Identität haben, die sie von so vielen anderen unterscheidet.
                          Doch statt einige Schritte voraus zu gehen, geht LOVING VINCENT mit dem Look des Films einige Schritte zurück in die Vergangenheit - und das ist eine gute Sache!
                          Dieser Film ist ein ästhetisch meisterhaftes Kunstwerk, wie man es nur selten im Kino erlebt hat. Man hat wirklich das Gefühl, dass die Bilder des großen Künstlers Vincent Van Gogh zum Leben erweckt wurden.
                          Jedes Bild könnte man in einem Museum ausstellen und stundenlang betrachten, die impressionistische Handschrift des Künstlers ist zu jeder Sekunde spürbar.
                          Was uns hier gezeigt wird, ist wortwörtlich wahre Kunst.
                          Doch der visuelle Augenschmaus ist nicht das einzig Lobenswerte an dem Film.
                          Auch wenn sich der Film hauptsächlich um das Rätsel von Van Goghs Selbstmord dreht, zeigt die Geschichte kein Interesse daran, den Charakter zu entmystifizieren, sondern bietet uns verschiedene Standpunkte, wie dieses eigenartige Genie sich dazu entschieden haben könnte, seinem Leben ein Ende zu bereiten.
                          Wir lernen zwar etwas von ihm, doch der Film geht zum Glück nie zu weit, sodass wir ihn am Ende immer noch als das mysteriöse Individuum sehen, das er war.

                          Wenn man sich auf LOVING VINCENT einlässt, wird einem eine einzigartige Seherfahrung zuteil, die man so schnell nicht vergessen wird. Und auch wenn manche sich über gewisse inhaltlichen Schwächen beklagen mögen, ist es das größte Kompliment überhaupt, wenn man einen Film dafür loben kann, etwas abgeliefert zu haben, das man noch nie zuvor gesehen hat.

                          10
                          • 7

                            [...]
                            Es ist ein einfaches, sich bei „Loving Vincent“ ausschließlich auf die Technik zu konzentrieren; nur über das Visuelle zu reden. Jeder Freund und Liebhaber der bildenden Kunst wird daran seine helle Freude haben. Aber auch all jenen, die Leben, Wirken und Tod des großen Vincent van Gogh mit Interesse betrachten, sei diese große Hommage herzlichst empfohlen.
                            [...]
                            Vollständige Kritik: https://aboutthepictures.wordpress.com/2018/02/01/loving-vincent/#more-597

                            10
                            • 9 .5

                              Ein wunderschöner Film, der auf jeden Fall im Kino angesehen werden sollte.

                              2
                              • 8

                                Loving Vincent ist ein filmisches Werk, das es so noch nicht gab! Die Bedeutung des Film als bewegte Bilder bekommt hier eine völlig neue Bedeutung und auch die Handlung kann sich meiner Meinung nach sehen lassen. Für mich ein ganz großer persönlicher Favorit für den Oscar, auch wenn ich nicht glaube, dass er ihn gewinnt.

                                Ersteinmal muss ich gestehen, dass ich kein großer Kenner auf dem Gebiet der Malerei bin. Dennoch finde ich die Verbindung aus Film und Malerei absolut einzigartig. Mit realen Schauspielern gedreht und schließlich im Stile von van Gogh auf Ölgemälde übertragen, ist der Film mit Sicherheit ein enormer Aufwand gewesen und das sieht man ihm an. Besonders wenn zum Schluss die Gegenüberstellung der Figuren aus dem Film mit den echten Portraits erfolgt, dann merkt man die Detailverliebtheit. Auch wenn man eine gewisse Zeit braucht, um sich an so eine Art der Darstellung zu gewöhnen, so kann man schließlich völlig in den wunderschönen Bildern versinken. Künstlerische Genauigkeit oder Werktreue zu van Gogh kann ich leider nicht beurteilen.
                                Auch wenn ich einigen Kritikern widerspreche, so finde ich auch die Grundidee der Erzählung ausgesprochen geschickt gewählt. Dadurch, dass ein Außenstehender sich an die Orte des Lebens von van Gogh begibt, wird die Möglichkeit geschaffen die Bilder, die van Gogh dort gemalt hat in den Film zu integrieren. Weiterhin werden die Rückblenden durch das Schwarz-Weiß gekennzeichnet. An sich ist das bereits ein bekanntes filmisches Mittel, gewinnt hier jedoch eine neue Bedeutung. Es wird nicht nur der Vielfalt des kreativen Schaffens des großen Künstlers gehuldigt, sondern es entsteht ein weiteres verblüffendes Phänomen: Die Schwarz-Weiß-Zeichnungen sind so verblüffend echt, dass es in einigen Bildern wie eine reale Aufnahme aussieht. Die Vergangenheit scheint also deutlich fixierter zu sein, als dass was unserem Hauptprotagonisten geschieht, denn hier werden besonders die Hintergründe durch die dicken Pinselstriche manchmal nur angedeutet. Das könnte ein Hinweis auf das zunehmende Interesse des Protagonisten an van Gogh darstellen und den eigenen weichenden Realitätsbezug bedeuten.
                                Auch die Handlung an sich ist nicht banal. Technisch erinnert sie an Citizen Kane, durch die interviewhafte Erzählung. Als spannendes Element wirkt natürlich die Frage nach den Umständen des Todes von van Gogh. Diese wird auch durch die teils sehr mysteriösen Charaktere aufrechterhalten, sodass man lange nicht weiß, wem zu glauben ist und wem man nicht trauen darf.
                                Weiterhin geht es aber weniger um die anderen Charaktere, sondern vielmehr um die Reaktionen der Gesellschaft auf einen merkwürdigen Außenseiter, wie van Gogh. Sein Leben wird gar nicht so viel beleuchtet, wie man vllt annehmen mag. Dafür wird ein toller Mythos um diesen verschlossenen kunstversessenen Menschen gemacht, welcher sich auch in der Literatur über ihn wiederfinden lässt. Kaum jemand scheint ihn damals wirklich verstanden oder akzeptiert zu haben, sodass Reaktionen auf ihn von Ablehnung, über Mobbing bis hin zu Ausnutzung reichen. Die Anerkennung eines Genies ist schließlich ein seit Jahrhunderten problematisches Thema. Das Vermächtnis eines Künstlers wird somit auch an mehreren Stellen thematisiert.
                                Mitunter finden wir auch 2-3 namenhafte Schauspieler im Cast, bei denen es mir allerdings schwer fällt ein Urteil zu bilden, da es schließlich alles gezeichnet worden ist.
                                Negativ könnte man hervorheben, dass der Film einem etwas langatmig vorkommen kann, wenn man sich nicht für die Thematik interessiert. Es ist jedoch ein Film auf den man sich einlassen muss, um von ihm gefesselt zu werden. Weiterhin könnten wahrscheinlich die Verbindungen zwischen der Malerei und der Filmkunst noch etwas vielfältiger thematisiert werden, aber auch hier wurden einige Ideen gelungen umgesetzt.

                                Alles in Allem ist Loving Vincent ein spannender Film, der besonders durch seine visuelle Wucht auf der großen Leinwand seine Wirkung entfaltet, wenn man sich auf ihn einlässt. Außerdem schafft es der Film durch die Kreation des Mythos van Gogh, den keiner genau beschreiben kann, dass man sich nach dem Kinobesuch ersteinmal etwas zu van Gogh und seinem Leben und Wirken durchlesen möchte. In diesem Sinne macht der Film also alles richtig, indem er Interesse weckt. Wer sich allerdings schon gut mit der Biografie auskennt, den dürfte die Handlung zu großen Teilen kaum überraschen.
                                Insofern also eine dringende Empfehlung an alle künstlerisch Interessierten und für mich der ambitionierteste Animationsfilm dieser Oscarsaison.

                                • 6

                                  Im abstrakten Vorspann sieht man in der Großaufnahme dem Entstehem blauweißer Flächen in Ölfarben zu. Jede Kontur der einzelnen Farbtupfer ist zu erkennen, sodass der Zuschauer in einer Unmittelbarkeit mit der Materialität eines Ölgemäldes konfrontiert wird, wie sie sonst nur die Maler selbst kennen. "Loving Vincent" zeigt auf diese Weise so früh wie möglich auf, welche eigentümlichen Qualitäten sein fleißig beworbener Animationsstil hat.
                                  Danach allerdings ist der Film so damit beschäftigt, ganz so auszusehen wie die Malerei seiner Titelfigur, dass es ihm nicht gelingt, etwas substanzielles über Van Gogh oder seine Kunst zu sagen, geschweige denn, ihr etwas hinzuzufügen. Er interessiert sich nicht dafür, dass ein Gemälde nicht dasselbe ist wie ein Film, auch wenn er aus Gemälden besteht, und dass eine Hommage nicht in der Imitation stecken bleiben muss. Als technisch bemerkenswerte Leistung und ausgesprochen hübsch illustrierte Biographie im "Citizen Kane"-Format anzuerkennen, erschöpft sich der eigene Wert des Films so neben der sicherlich berechtigten symbolischen Verbeugung vor Vincent im visuellen Zitateraten fürs gebildete Arthouse-Publikum. Und weil sowas snobistisch ist, gucke ich mir jetzt lieber noch mal Tarkovskis "Andrej Rubljow" an.

                                  3
                                  • 9 .5

                                    In der App vom Thega Filmcenter, dem einzigen Kino in Hildesheim mit 7 Sälen von 32 bis 250 Zuschauer , stand das "Loving Vincent " in Thega 6 einen Saal mit ca.250 Plätzen läuft . Nun ist es so das wenn solche Filme in Hildesheim laufen die meist in dem Saal oder besser Zimmer mit 32 Plätzen laufen . So ging ich also von einem Computer Fehler aus . Und war umso angenehmer Überrascht das er doch im großen Saal läuft . Und das ist auch gut so . Ich weiß nicht wie viele sogenannte 3D Filme ich hier gesehen habe ,bei denen ich mich gefragt habe warum ich mir die im Kino anschaue . So viele Filme bei denen die Größe der Leinwand oft verschenkt wurde . Nicht so bei "Loving Vincent " . Da kein Phrasenschwein in der Nähe ist könnte man jetzt sagen :Film ist ein visuelles Medium ! Ja und Mallorca hat auch schöne Ecken . Ja aber es ist ja auch so . "Loving Vincent " nutzt die Möglichkeiten des Films um ein neues besonderes visuelles Erlebnis zu erschaffen . Aus und mit den Bildern von Vincent van Gogh wird die Geschichte seines Todes und ein paar kleine Episoden aus seinem Leben erzählt . Die Gemälde von van Gogh erwachen dabei zum Leben . Film das sind bewegte Bilder - nie hat das so gestimmt wie hier . Gemälde in Bewegung unterlegt von im Hintergrund bleibender harmonischer Musik. So entsteht ein beeindruckendes Gesamtkunstwerk . Die Geschichte ist nichts besonderes aber auch nicht schlecht . Sie hat genug Tiefgang und Entwicklung der Hauptfigur ,des Sohnes vom Postmeister damit der Bilderrausch nicht langweilig wird .
                                    So ist "Loving Vincent " Kino pur . Beeindruckend und durch seine einzigartige Machart dürfte der Film sich auch in die Geschichtsbücher des Films einschreiben . In denen er durch seine Qualitäten ohnehin stehen wird .

                                    6
                                    • 8

                                      Genial, Kunst trifft Film. Der Film ist ein Kunstwerk für sich.
                                      Freue mich schon auf weitere Filme dieser Machart.

                                      1
                                      • 7

                                        "Loving Vincent" ist definitiv ein Film für visuelle Menschen, gerne auch mit mehr Kunstbildung als ich sie habe... :D

                                        Während der sechsjährigen Produktion hat das Team hinter dem Kriminalfilm um das Ende Vincent van Gogh's Erstaunliches geleistet.
                                        Etwa 60.000 Ölgemälde wurden von Hand gemalt und hintereinander gepackt, um den bislang wohl einzigartigen Spielfilm-Look zu kreieren, der auf Van Gogh's Werk basieren soll. Wenn man seine Werke einigermaßen kennt, merkt man wohl auch schon während des Films (und nicht so wie ich erst danach), dass auch einige seiner Werke mehr oder weniger direkt und ziemlich unscheinbar in den Film eingebunden wurden.
                                        Gut, visuell und vom Produktionsaufwand also definitiv ein sehr außergewöhnlicher Film.
                                        Die Story ist recht simpel und geradlinig, zeichnet (ha!) aber doch ein recht genaues und aufmerksames Bild der Beziehungen zwischen den Figuren, auch wenn diese nicht besonders tiefgehend und mehrdimensional sind.

                                        Wie man sich schon fast denken kann, wird "Loving Vincent" ein absoluter Nischenfilm sein und bleiben, der bei uns in Frankfurt soweit ich weiß auch in keinem größeren Kino lief. Dafür musste dann schon ein technisch eher mäßiges, dafür sehr charmantes Programmkino herhalten.
                                        Für den Mainstream ist das Alleinstellungsmerkmal, die visuelle Power, dann wohl auch genau zu viel. Über 90 Minuten ist der zumeist recht grobe und vor allem in "Totalen" eher schemenhafte Malstil wirklich nicht gefällig fürs Auge, sondern anstrengend. Das Auge respektive Gehirn muss die teils abstrakten Formen und Farben erstmal in einen logischen Zusammenhang bringen, während diese sich natürlich bewegen und somit verändern, während man noch versucht, die Perspektive der Einstellung zu erfassen. Das erfordert definitiv allen Fokus.
                                        So sind die in Schwarz-Weiß gehaltenen Rückblenden fast schon eine wohltuende Pause, da sie deutlich feiner gezeichnet sind. Vielleicht kann mir jemand beantworten, ob die Szenen überhaupt gemalt worden sind oder doch direkt abgefilmtes Material waren. Da haben sie sonst die Schauspieler schon extrem nah getroffen. Dass sich das Auge in ebendiesen Sequenzen mal entspannen kann, war aber wohl auch beabsichtigt.

                                        Also: Definitiv ein Seh-Erlebnis, was man mal mitgenommen haben kann, aber kein Film für nebenbei.

                                        • 7

                                          Letzten Endes ist es nur die Tatsache, dass der Film handgemalt daherkommt, welche ihn interessant macht.
                                          Das Drehbuch ist langweilig ne die Schauspieler die als Vorlage dienten machen auch nichts her.
                                          Trotzdem weiß der Film zu unterhalten.

                                          • 7

                                            Wunderschönes, im Stil von Vincent van Gogh handgezeichnetes Kriminaldrama das ein wahrer Augenschmeichler geworden ist. Bedauerlicherweise ist der Film durch seine rudimentäre Erzählstruktur etwas zäh geraten. Bedingt durch seine wundervollen Bilder und dem schönen Score gibt es einen positiven Ausschlag in der Bewertung. Wer mal etwas abseits von seinen gewohnten Sehgewohnheiten erblicken möchte, wird hier bestens bedient.

                                            18
                                            • 6 .5

                                              Tolle Idee mit den über 100 Künstlern, die van Gogh's Bilder zum Laufen bringen. Trägt bei der Dauer von über 90 Minuten aber nicht, da die Story zu simpel ist und die Bilder irgendwann anstrengend wirken, auch wenn es Spaß macht, während der Handlung Originale vom impressionistischen Vordenker und Meister einfließen zu sehen.

                                              Gut bis sehr gut fand ich (wieder mal) die Musik von Clint Mansell, bekannt seit "Pi" und spätestens seit "Requiem for a dream". Sein Score trägt und prägt den Film vor allem in der ersten Viertelstunde, bleibt dann etwas mehr im Hintergrund und ist auch solo für sich stehend absolut hörenswert.

                                              5
                                              • 3
                                                loveissuicide 09.01.2018, 21:12 Geändert 09.01.2018, 21:14

                                                Leider eine bittere Enttäuschung. Dabei hab ich vorher eh schon befürchtet, dass der Reiz des Neuen, der Bilder, nach ein paar Minuten vorbei sein würde. So war es dann auch. Also Hauptaugenmerk auf die Handlung, und die war leider echt langweilig und uninteressant. Die Minuten haben sich ziemlich gedehnt, hätte ich den Film zuhause und nicht im Kino gesehen, hätte ich vorzeitig w.o. gegeben. Und ich stelle die Sinnfrage, wieso man sich diese Arbeit angetan hat, wo das doch sicher alles in derselben Qualität auch mit einem Computerprogramm möglich gewesen wäre.

                                                1
                                                • 7

                                                  125 Künstler. 14 Monate Arbeitszeit. 57600 einzelne Ölgemälde. So zumindest lauten die harten Fakten, die einer Besprechung von Loving Vincent wohl fast zwangsweise zugrunde liegen müssen. An sich schier unglaubliche Werte, die dem künstlerischen Endergebnis dennoch kaum gerecht werden. Die hohle Phrase mehr als die Summe seiner Einzelteile zu sein, trifft bei diesem Werk tatsächlich zu. Denn es nicht nur der Aufwand und die Hingabe, sondern vor allem die virtuose Schönheit und Magie, welche von den faszinierenden Bildern ausgeht. Erwachen diese erst einmal zum Leben, gilt es sich in den von Vincent Van Gogh erdachten Bildwelten zu verlieren. Welche Gespräche wurden wohl im Nachtcafé geführt? Was verrät Dr. Gachets melancholischer Blick? All das sind Bilder, die für die große Leinwand gemacht sind. Bilder, die einen ganz und gar in ihren Bann schlagen. Die inhaltlich mäßig fesselnde Kriminalgeschichte fungiert als herrlicher Kniff den typischen Erzählstrukturen einer Filmbiografie aus dem Weg zu gehen und Van Gogh stattdessen aus den Erzählungen alter Weggefährten auferstehen zu lassen. Rekonstruiert anhand zahlreicher Briefe und eingebettet in die eigens von ihm erschaffenen Welten geht es dabei vor allem um die mysteriösen Umstände seines Todes. Freilich wird das Genie Van Goghs hier wenig analysiert, seine Kunst nicht diskutiert oder in genauerer Betrachtung seziert. Loving Vincent ist vielmehr ein visueller Museumsgang und leistet etwas weitaus Essentielleres, nämlich die Begeisterung für Van Gogh und vor allem dessen Kunstwerke aufrechtzuerhalten. Hätte Pixar die Oscars nicht ohnehin auf sich gepachtet, so hätten wir hier unseren diesjährigen Gewinner.

                                                  9
                                                  • 6

                                                    Man kann kaum glauben, was Dorota Kobiela und Hugh Welchman hier auf die Leinwand bringen. In 56.800 Frames ist „Loving Vincent“ ein komplett handgemalter Film geworden, der sich auf eine visuell vollkommen neuartige Weise dem Künstler nähert.

                                                    Armand Roulin (Douglas Booth) ist der Sohn eines Postmanns (Chris O'Dowd), der Zeit seines Lebens die zahlreichen Briefe des Vincent Van Gogh (Robert Gulaczyk) zustellte. Nach dem Tod des berühmten Malers ist ein einziger Brief übrig, den der Postmann seinem Sohn übergibt, um ihn dem Bruder Van Goghs zuzustellen. Eine Reise in Van Goghs Vergangenheit beginnt.

                                                    Was hier audiovisuell geliefert wird macht „Loving Vincent“ gleich zu Beginn zu einem Film, den man gesehen haben sollte. Verbunden mit Clint Mansells („Pi“) fantastischem Soundtrack, werden Van Goghs Bilder zu einer flirrenden, fast betäubenden Erfahrung. Künstlerisch zwar nicht durchgängig auf gleich hoher Qualität, werden seine Bekanntesten Gemälde lebendig und überfordern das Auge schon fast mit Detailreichtum und Respekt vor dem Werk des Malers. Die Bilder sind zugleich Rettung und Verhängnis von „Loving Vincent“.

                                                    Und da beginnen die Probleme. Mit Armand Roulin eine Hauptfigur zu wählen, die persönlich kaum mit Van Gogh verbunden war, entpuppt sich schnell als eine weniger kluge Entscheidung. Bereits zu Beginn fehlt Motivation für den Charakter, während Booth mäßiges Schauspiel auch im finalen Akt kaum Gründe bietet, warum man Armand Roulins Faszination für Van Gogh Glauben schenken solle. Durch den gewählten Zeitraum, wird Van Goghs Leben auch bewusst in Rückblenden gedrängt, was für qualitativ sehr hochwertige Rückblenden sorgt, die Gegenwart aber zu einem mühseligen, mäßig erzähltem Krimi werden lässt. Robert Gulaczyk spielt Van Gogh sehr überzeugend, wird aber mit viel zu wenig Screentime beschenkt, als dass man den inneren Konflikt seiner Figur irgendwie tiefer zu spüren bekäme. Durch die seltsam-distanzierte Erzählweise als eine Art Procedural, entfernt sich „Loving Vincent“ viel zu sehr von seiner Figur und hangelt sich mit fortlaufender Laufzeit merklich von Gemälde zu Gemälde.

                                                    Mir ist bewusst, dass Dorota Kobiela und Hugh Welchman eine Geschichte vom Hörensagen erzählen wollen. Einem missverstandenen Charakter, der in seinen Briefen viel mehr darlegte, als er es in Realität jemals konnte. Eine tragische Geschichte, die weit über Selbstverstümmelung hinausgeht. Eine Geschichte über Mobbing, Liebe und Sucht. Eine Geschichte, die in den richtigen Händen zu einem Meisterwerk geworden wäre, hier aber abseits der audiovisuellen Pracht viel zu stiefmütterlich behandelt wird. Respektvoll, fleißig am Ende aber doch überraschend mutlos.

                                                    „Loving Vincent“ ist definitiv eine Erfahrung. Zu gleichen Teilen Meilenstein wie Fehlschlag. Ein Film der Neues wagt und dann vor anderen Dingen zurückschreckt. Wer visuell weggeblasen werden will, der sollte dringend sein Ticket lösen, wer jedoch irgendetwas Neues von Van Gogh erfahren möchte, der sollte lieber seine Erwartungen dämpfen.

                                                    „Days seem like weeks to me. Days are weeks.“

                                                    3