Lucky - Kritik

Lucky

US · 2017 · Laufzeit 88 Minuten · FSK 0 · Drama, Komödie · Kinostart
Du
  • 8
    MrDepad: Moviebreak 06.01.2018, 23:46 Geändert 07.01.2018, 00:11

    [...] Die Atmosphäre der spröden, geradezu banalen Elegie des Alltags, die das Regiedebüt von Schauspieler John Carroll Lynch (The Invitation) durchweht, erinnert an Jim Jarmuschs bislang letztes Werk Paterson. Der bedeutenden Ikone des Independent-Films ging es vor allem darum, pure Schönheit in den gewöhnlichsten Situationen des Lebens zum Vorschein zu bringen und eine Ode an die Einfachheit zu entfachen. Lynch nutzt seinen Film dagegen für eine Meditation über die Vergänglichkeit des Lebens sowie den Versuch, sich der eigenen Sterblichkeit im Angesicht der konkret werden Endlichkeit bewusst zu werden. [...] Mit kargen, minimalistisch komponierten Einstellungen, in denen die Gesichter einzelner Figuren ganz eigene Landschaften bilden, lenkt der Regisseur den Fokus seines unscheinbaren, zurückhaltenden Films zunehmend auf die Begegnungen zwischen Lucky und den Menschen in seinem Umfeld. Bei Gesprächen, die dezent philosophisch-existenzielle Denkanstöße streifen, skurrile Eigenarten zutage befördern oder ganz und gar unspektakuläre Themen anschneiden, öffnet Lynch für den Betrachter die Schwelle zwischen scheinbar unbedeutenden Nebensächlichkeiten und wertvollen Offenbarungen, die Lucky in ein Gemälde der aneinandergereihten Momentaufnahmen und repetitiven Beiläufigkeiten verwandelt, in denen die Melancholie und zugleich Schönheit des Lebens noch schimmern darf. Ruhen lässt der Regisseur seinen Film hierfür auf den Schultern von Hauptdarsteller Harry Dean Stanton (Pretty in Pink), dem ewigen Nebendarsteller und treuen Begleiter jener Sorte Kino, die sich zumeist in ruhigeren, abseitigeren Gefilden fernab des massentauglichen Bewusstseins einen Weg zum Zuschauer bahnt. Auch Stanton war über Jahrzehnte hinweg irgendwie da, doch das große Rampenlicht hat ihn abseits von Rollen wie in Wim Wenders‘ Paris, Texas nie sonderlich oft für sich beansprucht. Wie auch in diesem Film scheint Stanton im wahren Leben stattdessen eher der unaufhörliche Wanderer und Suchende gewesen zu sein, der regelmäßig am Rand aufgetaucht ist, um anschließend wieder zu verschwinden, als sei er nie wirklich dagewesen. Bevor der Schauspieler im September 2017 im Alter von 91 Jahren starb, ist er für Lynch also noch einmal in die Rolle seines Lebens geschlüpft, um durch die letzten verbleibenden Überreste seines eigenen Daseins zu wandern, die sich hier Lucky nennen. Auch Begegnungen mit Nebendarstellern wie beispielsweise Regisseur David Lynch (Eraserhead), dessen Figur eine über 100 Jahre alte Schildkröte namens President Roosevelt entlaufen ist und somit selbst eine Randnotiz aus den Filmen des großen Surrealisten darstellen könnte, oder Tom Skerritt (Harold and Maude), neben dem Stanton schon in Alien - Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt spielte und dessen Figur eine besonders bewegende Anekdote über seine Vergangenheit im Krieg erzählen darf, wirken somit eher wie ein letztes Wiedersehen mit alten Bekannten und Weggefährten. Ein wehmütiges und doch optimistisches Wiedersehen, das den Hauptdarsteller mit einem ungewohnten Lächeln auf dem Gesicht in die unendlichen Weiten der Prärie entlässt, wo er sich auf ewig auf die Suche begeben darf. Die Antworten auf seine Fragen liegen vielleicht schon längst in seiner eigenen Kinogeschichte verborgen, die gleichzeitig seiner Lebensgeschichte entspricht. [...]

    14
    • 8

      Grandios - eine Alterskomödie mit philosophischem Touch. [...] John Carroll Lynch setzt mit seinem Kinodebüt dem großen Menschendarsteller Harry Dean Stanton ein wunderbares Denkmal: ein humorvoller Film über das Altsein und das Glück zu leben. [Gaby Sikorski]

      1
      • 7 .5

        "In seinem letzten großen Einsatz fürs Kino gerät Harry Dean Stanton ins Grübeln über Leben und Tod. Inzwischen grämt sich David Lynch in einer Nebenrolle um seine entlaufene Landschildkröte." [Till Kadritzke]

        • 7 .5

          Je besser man mit Stantons Leben und seinen Filmen vetraut ist, desto länger hallen die lange Stille und die ziellos umherirrenden Rhythmen Luckys nach. [Justin Chang]

          • 8

            Philosophisch und witzig, ist Lucky eine Abschieds-Performance, auf die jeder Schauspieler stolz wäre. [John DeFore]

            • 7 .5

              Die Ansammlung von auf den Punkt gebrachten Darbietungen und alt-bekannten Gesichtern, Kleinstadt-Routinen und staubigen Drehorten, fügt sich letztendlich zu einem Gesamtbild zusammen, das größer ist als die Summe seiner oft klischeehaften Teile. [Jeannette Catsoulis]