Mit siebzehn - Kritik

Quand on a 17 ans / AT: Being 17

FR · 2016 · Laufzeit 116 Minuten · FSK 12 · Drama · Kinostart
Du
  • 7

    [...] Die Auseinandersetzung und Konfrontation mit der überwiegend unkontrollierten Körperlichkeit seiner Figuren zeichnet sich durch diese anfänglichen Szenen schnell als eine Art Leitmotiv ab, das sich durch André Téchinés (Weit weg) Mit Siebzehn zieht. Der Regisseur inszeniert seine Geschichte über jugendliches Heranwachsen und die verschiedenen Komplikationen damit einhergehender Emotionen als einen Film, der sich selbst dauerhaft in Bewegung befindet und dort ansetzt sowie nach tiefgreifenden Gefühlen forscht, wo die dazu passenden Worte ausbleiben. Losgelöst vom eigentlichen Inhalt der Bilder erzählt bereits Julien Hirschs leicht unruhig geführte Handkamera von einem nervösen Zittern, das sich unmittelbar auf die zentralen Figuren übertragen lässt. Neben dezent eingestreuter Musikuntermalung ist es das einzige auffällige Stilmittel, das Téchiné verwendet, um einen nach außen verlagerten Ausdruck für die innere Verfassung von Thomas und Damien zu finden. [...] Befriedigende Erfüllung und wütende Auslastung scheint sich bei den beiden, aus so unterschiedlichen erzieherischen Milieus stammenden, Jugendlichen jedoch nur einzustellen, sobald ihre Körper wuchtig und schmerzhaft in wiederholten Konfrontationen aufeinanderprallen und erst hierdurch unverfälschte Empfindungen zum Vorschein bringen. Vergleichbar mit dem 2013 erschienenen, vierten Spielfilm Sag nicht, wer Du bist! des 28-jährigen Regie-Talents Xavier Dolan (Mommy), in dem sich sexuelle Spannungen zwischen den Protagonisten über physisch kraftvolle Auseinandersetzungen und bedrohliche Machtspiele entluden, folgt der mittlerweile 74 Jahre alte Téchiné einem ähnlichen Ansatz des filmischen Erzählens. Ebenso roh wie sinnlich widmet sich der Regisseur der adoleszenten Phase im Leben von Thomas und Damien mit neugieriger Spannung, die von einem überraschend einfühlsamen Gespür für die vielschichtigen, komplexen Charakterfacetten der jungen Hauptfiguren zeugt. Neben dem starken Schauspiel der männlichen Hauptdarsteller Kacey Mottet Klein (Winterdieb) und Corentin Fila (Lieber Leben), die Damien und Thomas in all ihrer sensiblen Verletzlichkeit sowie aggressiven Unsicherheit verkörpern, räumt der Regisseur das Feld gelegentlich für Sandrine Kiberlain (Männer und die Frauen) in ihrer Rolle als Marianne. Da die sympathische, im Umgang mit Patienten oftmals selbstlose Ärztin der Auslöser dafür ist, dass sich das Verhältnis zwischen den Jugendlichen zuspitzt, wird sie von Téchiné als bedeutende Schlüsselfigur gezeichnet. Inmitten des unreifen Kräftemessens der Jugendlichen, dem der Regisseur schlussendlich mit intensivem Optimismus neue Tore öffnet, hat Damiens Mutter ihre ganz eigenen Kämpfe auszutragen, die sie hinter einer warmherzigen, langsam bröckelnden Fassade verbergen muss. [...]

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    • 8

      Der französische Filmemacher André Téchiné hat als 73-Jähriger eines der eindrucksvollsten Jugenddramen seit langem gedreht. Das verdankt Mit Siebzehn auch Sandrine Kiberlain. [Michael Pekler]

      • 6 .5

        Aufgrund dieser Schwächen ist Téchinés bester Film seit langem aber noch lange kein großer Film. [Patrick Holzapfel]

        • 7 .5

          Regie und Drehbuch loten ein enormes Spektrum der Gefühle aus - große Trauer und zart aufblühende Liebe - und halten dabei so sehr die Balance zwischen Gewalt und Zärtlichkeit, dass der Film Mit siebzehn noch lange nachwirkt. [Jens Büchsenmann]

          • 8

            Mit siebzehn bringt zwei lebenshungrige junge Männer (und zwei der aufregendsten Filmemacher Frankreichs) zusammen: Mitreißender könnte man nicht vom Jungsein und vom Schwulsein erzählen. [Jan Künemund]

            • 7 .5

              Mit siebzehn sticht innerhalb seines Oeuvres vor allem durch den Optimismus heraus, mit dem er die Figuren in ihren verwirrten Gefühlswelten zeichnet. Zusammen mit seiner Co-Autorin Céline Sciamma, [...], beweist der 1943 geborene Regisseur ein erstaunliches Gespür für die lebensnahe Abbildung jugendlicher Empfindsamkeit. [Marius Nobach]

              • 8

                Tatsächlich sind eine ganze Menge (erotischer) Entwicklungen möglich in diesem Coming-Of-Age-Film, der sich auch den großen Themen des Lebens mit dem ihm eigenen realistischen Blick zuwendet. Und deshalb eben kein Film ist, wie man ihn schon zuhauf gesehen hat, sondern ein sehr stimmiges Werk. [Claudia Nitsche]

                • 8

                  Der Titel verweist auf Arthur Rimbauds Diktum, man sei nicht ernsthaft mit siebzehn Jahren. Aber »Mit siebzehn« dementiert es mit wachsam zärtlichem Blick. Vor der Kulisse eines abgeschiedenen südfranzösischen Tals erzählt André Téchiné von den Umbrüchen im Leben zweier anfangs verfeindeter Jungen, die ihre Liebe zueinander entdecken. [Gerhard Midding]

                  • 8 .5

                    André Téchiné, bald Mitte siebzig (seine ersten Arbeiten sind vor über vierzig Jahren im Windschatten der Nouvelle Vague entstanden), hat hier einen der lebendigsten Filme des jüngeren französischen Filmschaffens inszeniert. [Patrick Straumann]

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                    • 8

                      Mit faszinierender Leichtigkeit inszeniert der französische Altmeister sein Jugenddrama. Psychologisch präzise, visuell virtuos, atmosphärisch dicht sowie sehr überzeugend gespielt. [Dieter Oßwald]

                      • 7 .5

                        Being 17 lässt auf wunderbare Weise die Grenze zwischen Wut und Verlangen verschwimmen. [Justin Chang]

                        • 8

                          Being 17 hat eine konsequente Dynamik, die die Filme von André Téchiné seit wilde Herzen (1994) vermissen ließen. [Melissa Anderson]

                          • 9
                            NewYorkTimes 07.10.2016, 11:42 Geändert 07.10.2016, 14:26

                            Being 17 ist der beste Film seit vielen Jahren von Regisseur André Téchiné. [Stephen Holden]

                            • 9

                              Quand on a 17 ans enthält im Kleinen vieles, was Frankreich, Europa und die Welt heute bewegt. Und vereint dabei glückliche und traurige Momente. [Andreas Fanizadeh]

                              • 6

                                Das Duo geht in Being 17 behutsam mit dem Thema erste Liebe und Homosexualität um, bietet erzählerisch aber kaum Neues. [Swantje Oppermann]