Monsieur Claude und seine Töchter - Kritik

Qu'est-ce qu'on a fait au Bon Dieu?

FR · 2014 · Laufzeit 97 Minuten · FSK 0 · Komödie · Kinostart
Du
  • 4

    [...] „Monsieur Claude und seine Töchter“ will ganz bestimmt keine Vorurteile schüren oder gar gewisse Bevölkerungsgruppen als minderwertig darstellen, die Botschaft von Toleranz und Gleichheit ist sicher ernst gemeint, anderes lässt sich ihm kaum unterstellen. Nur geht er dabei massiv ungeschickt vor, in dem überhaupt nichts dafür getan wird, dass auch nur eine der handelnden Person MAL NICHT über seine Herkunft, Nationalität und Religion definiert wird. Im Gegenteil, die machen den ganzen Tag scheinbar auch nichts anderes. Jeder stellt sich und seine ethnischen Wurzeln pausenlos in den Mittelpunkt bzw. kehrt die der anderen hervor, um hämische Klischee-Scherzchen über sie zu machen. Haben diese Menschen nichts Besseres zu tun? Mal ehrlich, wie oft sieht sich jeder von uns im Alltag als Deutscher und wird nicht müde, dass bei jeder sich bietenden oder nicht bietenden Gelegenheit seinem Gegenüber, der vielleicht einen anderen kulturellen Hintergrund hat, aufs Brot zu schmieren? [...]

    Dazu kommt noch, dass hier ja nicht gerade sozialschwache, kaum integrierte oder besonders exotische Ehemänner präsentiert werden. Das sind alles Franzosen, zwei von ihnen sogar mit Jobs, die sich jeder Schwiegervater nur wünschen würde, Sprachbarrieren oder Culture-Clash existieren überhaupt nicht. Wenn es nicht andauernd thematisiert werden würde, große Unterschiede zwischen ihnen würde doch niemand bemerken. Genau das hätte „Monsieur Claude und seine Töchter“ mal lieber in den Mittelpunkt stellen könne. Einfach mal nicht alle zwei Minuten einen Witz auf dieser Grundlage bringen, dann würde sich das erstens nicht so abnutzen und zweitens vielleicht tatsächlich zu einem glaubhaften Plaidoyer für ein aufgeschlossenes, gleichberechtigtes Zusammenleben werden. Natürlich kann und darf da auch mal ein Klischee ausgegraben und sich über die einzelnen Gruppen amüsiert werden, etwas Spaß und Selbstironie sollte jeder verkraften, wenn es nicht abwertend oder bösartig wird. Abwerten oder bösartig ist auch der Film nicht, er ist nur plump und erweckt so manchmal den Eindruck, er würde die eigene Botschaft nicht verstehen, letztlich mit und nicht über Ressentiments lachen, was völlig kontraproduktiv ist. [...] Ein Film wie ein Eigentor, das frenetisch bejubelt wird. Aber funktioniert ja, bon travail.

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    • 6

      Eine flott zusammengedrechselte Heirats­komödie aus dem multikulturellen Frankreich, die mit ihrem bourgeoisen Personal aber an die realen Probleme einer Einwanderungsgesellschaft wenig rührt. [Silvia Hallensleben]

      • 3

        [...] Der Film müsste richtigerweise “Monsieur Claude und seine Schwiegersöhne” heißen, denn die Töchter bleiben bestenfalls schmückendes Beiwerk und haben keinerlei Profil, sind absolut austauschbare Figuren. Die Schwiegersöhne weisen klischeehafte (zu viele, um es aufzuzählen) und anti-klischeehafte Eigenschaften auf (z.B. ist Muslim Rachid ein Jurist und der Jude David ein erfolgloser Geschäftsmann), aber ein umgedrehtes Klischee ist eben immer noch ein Klischee. Jetzt muss die Frage erlaubt sein, ob ein Mittelschichtspublikum im Alter zwischen 40 und 50, für die dieser Film offensichtlich gemacht wurde, nicht doch noch viel zu weit weg von Integrationsbereitschaft ist, wenn es über die dämlichst-möglichsten und oberflächlichsten Stereotyp-Stichwort-Witze lacht. Aber so richtig böse kann man dem Film nicht sein, da vermutlich die Kinder der Zielgruppe selbst ihre ersten Beziehungen mit Kindern des Multikulturalismus eingehen. Und bei all den bescheuerten Gags macht “Monsieur Claude und seine Töchter” immerhin unmissverständlich klar, dass Ausländer gemeinhin nette Kerle sind. [...]

        3
        • 7 .5

          Ja auch in Frankreich ist Rassismus ein schwerwiegendes gesellschaftliches Thema. Der Film mag daher im ersten Moment sehr leichtfüßig erscheinen, aber ist es denn nicht besser gemeinsam über die üblichen Klischees einer jeden Kultur zu lachen als miesepeterig Integration zu erzwingen? Nehmt den Film nicht zu ernst und lacht mit! Letztlich haben sich alle entschieden (im Film) in Frankreich zu leben, welche Gründe auch immer dahinter stecken (hier: Liebe). Letztlich sind sich sowieso Monsieur Claude und Uncle Ben – äh, ich meine Monsieur Koffi, am nächsten und kommen durch klassische Slapstick zur gleichen Erkenntnis...

          • 6

            Gerade weil die Komödie den Rassismus in Frankreich nur antippt, sorgt sie für viele Lacher. [...] Monsieur Claude ist zwar nicht rassistisch, aber ein bisschen männerfeindlich ist er schon.

            • 2

              Monsieur Claude ist vielleicht besser gemacht und gespielt als die deutsch-türkische Variante Einmal Hans mit scharfer Soße, aber nicht raffinierter. Alles ist arg schwarz-weiß gezeichnet, es überwiegen simple, dumme Scherzchen. [...] ein ziemlich blöder Film.

              • 3

                Der Film könnte eine Antwort auf den Rechtsrutsch in Frankreich sein. Doch anstatt Stereotype zu demontieren, bestätigt der Film sie in einer Abfolge von Kalauern.

                • 8 .5

                  Christian Clavier [...] gelingt eine herrliche Parodie des französischen Spießbürgers. Das ist bissig, sarkastisch, aber trotzdem unverkrampft und höchst amüsant. Philippe de Chauveron ist damit ein kleines Kunststück gelungen: eine locker leichte Komödie über ein ernstes Thema - den alltäglichen Rassismus.

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                  • 7 .5

                    Der Film bewegt sich unterhaltsam an der Grenze zwischen Schenkelklopf- und hintersinniger Komödie. Nicht zu tiefschürfend, aber auch nicht unangenehm platt. Nicht zu brav, aber auch nicht politisch unkorrekt

                    • 8

                      Drehbuchautor und Regisseur Philippe de Chauveron gelingt es, die alltäglichen Vorurteile und Klischees derart ironisch auf die Spitze zu treiben, dass „Monsieur Claude und seine Töchter“ eine lustige und dennoch mit Überzeugungen und Glauben respektvoll umgehende Komödie geworden ist. Dass die romantische Seite von de Chauverons Film ebenso übertrieben kitschig ausfällt, passt darüber hinaus vollkommen ins Bild.
                      Interview mit Drehbuchautor und Regisseur Philippe de Chauveron siehe www.textezumfilm.de.

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                      • 7

                        Chao, Rachid, David und Charles, die Schwiegersöhne, bilden so etwas wie einen Querschnitt durch die nicht-angestammten Ethnien Frankreichs. Ihre Symmetrie untergräbt nicht nur die Glaubwürdigkeit der Story; sie unterstreicht auch die problematische Grundthese des Films. Denn nicht anders als Claude werfen Chao, Rachid und David mit Klischees nur so um sich.

                        • 6 .5

                          Die Strategie systematischer Abnutzung der Stereotypen, bis der Mensch hervorkommt und die Liebe siegt, geht [...] auf. Oder zumindest einigermaßen.

                          • 6

                            Es scheint, als habe Frankreich seinen neuen „Ziemlich beste Freunde“ gefunden. Nachdem der Überhit in Deutschland wie dort Rekorde einfuhr, schickt sich „Monsieur Claude und seine Töchter“ an, das zu wiederholen. Ungefähr 10 Millionen Zuschauer in unserem Nachbarland sprechen eine deutliche Sprache.
                            Und tatsächlich, das (Erfolgs-)Rezept scheint sich nur geringfügig verändert zu haben. Claude Verneuil hat vier Töchter, drei davon verheiratet. Als Schwiegersöhne stehen ein Jude, ein Araber und ein Asiate zu buche. Der konservative Vater setzt nun alle Hoffnungen auf Kind Nummer vier um endlich einen akzeptablen Schwiegersohn willkommen heißen zu dürfen. Statt der sozialen Unterschiede in „Ziemlich beste Freunde“ widmet sich „Monsieur Claude und seine Töchter“ nun dem Kampf der Kulturen. Schon Erstgenannter schöpfte die Vielzahl seiner Gags aus den verschiedenen Ansichten zweier Menschen, die nicht demselben Bildungsniveau entsprachen. Nun sind es eben andere Kulturkreise, die es zu versöhnen gilt.
                            Der Film planscht genüsslich im Fahrwasser sämtlicher Klischees, die jemals eine der oben genannten Bevölkerungsgruppen etablierte. Die Schwiegersöhne konkurrieren untereinander und Claude erträgt sie allesamt nicht mehr. Daraus resultieren ohne Frage einige witzige Szenen, ohne jedoch wirklich bissig zu sein. Stets fährt der Film die „Feel Good“-Schiene und weicht nicht ab von ausgetretenen Pfaden. Sorgte die stimmende Chemie zwischen Philippe und Driss in „Ziemlich beste Freunde“ noch für Sympathie, fehlt diese persönliche Komponente in „Monsieur Claude und seine Töchter“ völlig. Hier wird Charakterzeichnung dem nächsten Gag geopfert, was teilweise gelingt, andererseits aber kaum überrascht.
                            Die Quintessenz des Films ist es, dass im Grunde jedes Volk mehr oder weniger rassistisch ist. Die Schwarzen gegenüber den Weißen, die Juden gegenüber den Arabern, die Asiaten gegenüber den Christen. Selbstverständlich auch andersherum. Natürlich schweißt das am Ende zusammen und die Völkerverständigung hat in Verkörperung der Familie um Claude stattgefunden. Angesichts des Erdrutschsieges der extrem rechten Front National in Frankreich zur Europawahl ist das fast schon ein wenig heuchlerisch. Aber sei’s drum. Schließlich sind wir alle gleich und das Wahlergebnis war sowieso nur eine Wutwahl. Die Zeit wird es zeigen.
                            „Monsieur Claude und seine Töchter“ ist nett und kurzweilig – keine Frage. Doch hätte mit etwas Mut ein weitaus besserer Film entstehen können. Das wiederum ist wahrscheinlich nicht die Intention der Macher gewesen. Der Film ist nämlich seichte Unterhaltung, wie man sie zum Abschalten gerne sieht. Deshalb wird er auch garantiert sein Publikum finden und das nicht zu knapp. Inkonsequent? Vielleicht. Aber erfolgreich ganz sicher.

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                            • 9

                              Der Clash of Cultures – ein Zusammenprall von Kulturen – ist nicht ohne Grund immer häufiger ein Thema im Kino. Doch selten war er so lustvoll und provokant, so boshaft und doch gleichzeitig so liebenswürdig wie hier.