Moonlight - Kritik

Moonlight

US · 2016 · Laufzeit 111 Minuten · FSK 12 · Drama · Kinostart
Du
  • 9

    Das ist er also nun. Der große Oscargewinner von 2017, der dank eines historischen Fehlers, doch noch mit dem Oscar als bester Film ausgezeichnet wurde. Ich muss ehrlich gestehen, dass mir die großen Oscarfavoriten stets gefallen haben. Nicht alle waren in meinen Augen Meisterwerke, aber es waren immer hervorragend gemachte Filmwerke. Jetzt haben wir mit Moonlight ein Drama, der sich in ein neues Territorium bewegt und genau zur richtigen Zeit gedreht wurde. Es ist ein unfassbar intensives Drama, mit authentischen Gefühlen und echten Emotionen.

    Drei Lebensabschnitte. Eine Geschichte. Schon als Kind hatte es Chiron nicht leicht. In der Schule wird er schwer gemobbt und zu Hause muss er sich mit seiner drogensüchtigen Mutter herum quälen. Als er eines Tages wieder vor seinen Peinigern flieht und sich in einer Bruchbude versteckt, findet ihn ein Mann namens Juan, der ein kleiner Lichtblick in Chirons Leben wird. Als Jugendlicher wird er weiterhin schwer gemobbt und als es zu einer schwerwiegenden Konfrontation kommt, brennt ihm eine Sicherung durch. Als Erwachsener ist Chiron ein großer Dealer geworden, der jedoch noch immer einen inneren Konflikt führt.

    Das Thema Homosexualität in einem afroamerikanischen Gangsterfilm hatten wir bisher noch nicht und der Film packt einen emotional total und die drei Lebensabschnitte sind äußerst intensiv inszeniert. Ich kann auf jeden Fall sagen, dass jeder Oscar hochverdient ist und auch alle 8 Nominierungen, obwohl ich persönlich La La Land noch ein Fünkchen besser fand. Moonlight verzichtet glücklicherweise auf sämtliche Klischee-Szenen und zeigt uns ziemlich nüchtern und authentisch Chirons emotionale Suche nach sich selbst. Die Kamera-Arbeit ist durchweg herausragend und auch der Soundtrack ist nahezu perfekt.

    Chiron wird logischerweise von drei verschiedenen Darstellern verkörpert. Das erschreckende war für mich jedoch, dass alle drei so gut und eindringlich spielen, dass ich immer das Gefühl hatte, es sei ein und die selbe Person. Alex R. Hibbert spielt Chiron als Kind und es ist der pure Wahnsinn was der in seinem Alter hier raus haut. Besonders seine Bindung zu Juan ist in jeder einzelne Szene berührend. Ashton Sanders spielt Chiron in der Jugend und er führt die Genialität seines Vorgängers weiter. Auch er haut eine Weltklasse Performance raus und in diesem Abschnitt gibt es wohl die heftigste Szene im gesamten Film. Trevante Rhodes spielt Chiron letztlich im erwachsenen Alter und obwohl er optisch sich stark verändert hat, bringt er immer noch diese innere Zerbrechlichkeit mit. Aber auch die Nebendarsteller sind alle herausragend. Mahershala Ali hat seinen Oscar sowas von verdient, denn er haut eine überragende Leistung raus. Ich gebe aber zu, dass ich gerne mehr von ihm gesehen hätte. Naomi Harris als drogensüchtige Mutter hat ihre Oscarnominierung auch verdient, denn sie spielt wie von einem anderen Stern und man empfindet Wut, aber auch Mitleid mit ihr.

    Fazit : Einfühlsam, realistisch und einzigartig. Moonlight ist einfach ein herausragender Film, der echte Gefühle sehr glaubwürdig herüber bringt. Es ist ein Film für Cineasten und für Freunde von ruhigen Arthouse Filmen. Moonlight übermittelt echte Gefühle und innere Konflikte und durch den brillanten Soundtrack und den herausragenden Bildern kann einen der Film noch sehr lange beschäftigen. Für mich persönlich war zwar La La Land der bessere Film, aber Moonlight hat die Preise genauso verdient. Wer wirklich gute und überragende Schauspielkunst genießen will, darf sich Moonlight nicht entgehen lassen.

    9/10

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    2
    • Moonlight ist Kino, das vor Leben pulsiert.“ SPIEGEL ONLINE

      In einem Armen viertel von Miami aufgewachsen, lebt der schüchterne, in sich gekehrte neunjährige Chiron, der von anderen nur „Little“ genannt wird. Er leidet unter der Drogensucht seiner alleinerziehenden Mutter.

      Auf der Straße lernt er Juan und dessen Freundin Teresa kennen. Ihnen gegenüber öffnet er sich. In deren Gegenwart beginnt er langsam, sich nicht nur wohl und geborgen, sondern vor allem auch verstanden zu fühlen.

      Durch seine analysierende Beobachtungsgabe erkennt er schnell, dass auch Juan Drogendealer ist. Dennoch entwickelt sich eine enge Beziehung zu ihm und seiner Freundin, die sich im Laufe der Zeit wie eine eigene Familie anfühlt.

      Im zweiten Teil macht Chiron einige Jahre später seine ersten homosexuellen Erfahrungen mit seinem Klassenkameraden Kevin, der auch gleichzeitig sein bester Freund ist. Diese andere sexuelle Orientierung stößt auf wenig Toleranz in seiner Highschool und lässt ihn in große Schwierigkeiten geraten, die sogar im Gefängnis enden.

      Im dritten Teil des Filmes - Chiron ist mittlerweile Ende 20 - beschliesst er, nicht mehr länger in der Opferrolle leben zu wollen. Mit dem Namen „Black“ ist auch er zu einem eiskalter Drogendealer geworden.
      Doch hinter der Fassade des muskulösen starken Mannes verbirgt sich sein weicher innerer Kern und seine verletzlichen Gefühle.

      Doch dann erhält er nach vielen Jahren ganz überraschend einen Anruf seines besten Freundes Kevin…
      Filmrezension über den Film „Moonlight“

      Das Titelbild des Filmes zeigt das Gesicht des Hauptdarstellers Chiron in drei Teilen und drei Farben aufgeteilt. Dies entspricht den drei Lebensabschnitten, die der Film beschreibt:

      In der Kleidung, die Chiron als Erwachsener trägt, wird zum Ausdruck gebracht, dass er nicht mehr zu den Armen wie einst in seiner Kindheit - gehört. Er fährt teure Autos, trägt goldene „Grillz“ und teuere Goldketten.

      Die Schauplätze des Geschehens sind nicht sehr abwechslungsreich; der Schwerpunkt liegt eher auf der Hauptfigur Chiron, der immer im Vordergrund steht mit den jeweiligen Beziehungen zu seiner Mutter, seinen Mitschülern und zu Juan und dessen Freundin. Zudem ist der Soundtrack mit dem Titel „The Middle of the World“- eine schnelle Geigensequenz- von Nicholas Briten fasziniert sehr und unterstreicht das erhabene Gefühl, das Chiron und Juan gerade erleben, als Juan ihm das Schwimmen beibringt. Juan sagt in diesem Moment zu ihm: „ Jetzt bist du in der Mitte der Welt.“

      In die Geschichte des Films konnte ich mich sehr gut hineinversetzen, sodass ich die 2 stündige Dauer als äusserst kurzweilig empfand. Dem Filmemacher gelang es, die Spannung der Geschichte bis zum Schluss zu halten. Ich finde außerdem ist die Altersbeschränkung 12 Jahre genau richtig.
      Denn die Tragik der drogensüchtigen Mutter, die glaubt, ihrem Sohn nicht genug Zuwendung gegeben zu haben und die Tatsache, dass Chiron in Juan und dessen Freundin eine Art Ersatzfamilie findet, machen den Film sehr emotional.
      Besonders gut gefiel mir, wie die Gefühlswelt von Chiron hinter seinen aufgebauten Muskelpaketen versteckt wurden.

      Damit waren die Charakteren von Chiron und auch von Juan sehr überzeugend dargestellt. Es kam mir so vor als würde Chiron am Ende wie Juan aussehen.
      Ich kann den Film nur weiter empfehlen denn er hat mich sehr berührt.

      Von A.Theobald

      • Moonlight (2016)

        „An einem bestimmten Punkt musst du für dich entscheiden wer du sein willst. - Moonlight“
        Am Strand erzählt Juan dem 9 Jahre alten Chiron vielleicht einen der wichtigsten Sätze überhaupt. Dieser Satz begleitet Chiron sein Leben lang und Juan sollte damit rechtbehalten.

        Der Film erzählt von einem afroamerikanischen Außenseiter Namens Chiron. Das Geschehen wird in 3 Kapiteln erzählt. Im ersten Abschnitt ist Chiron 9 Jahre alt und leidet unter der Drogensucht seiner Mutter. Durch den verständnisvollen Juan und seiner Freundin, bekommt er eine neue Familie bzw. eine Ersatzfamilie. Wegen seiner neuen Familie kommt er immer mehr aus sich heraus. Im zweiten Kapitel, als Chiron 15 Jahre alt ist findet er gefallen an seinem Freund und Mitschüler Kevin. Da er Schwul ist bekam er in seiner High-School Zeit Größe Probleme, die ihm dann auch später zu dem machten was er im dritten Teil ist. Im dritten Teil ist Chiron schonende zwanzig und sehr muskulös. Er wurde nun auch Drogendealer wie sein Ersatz-Vater. Es kommt einem so vor als wolle er nicht mehr nur der Verlierer sein sondern, auch jemand, der über anderen Menschen steht. Nach dem Anruf von seinem damaligen Freund Kevin, macht er sich auf dem Weg zu ihm. Man merk das er immer noch der kleine Junge vom Anfang ist, trotz das er sich eine Fassade aufgebaut hat.

        Der erste Abschnitt kommt einem in Brennpunkten noch sehr bekannt vor. Es geht um Armut, um Drogen und seine Familie vernachlässigt ihn. In diesen typischen Dramen gibt oft nur Gewalt und Verbrechen als Perspektive für die Darsteller.
        Ausgerechnet ein Drogendealer (der währenddessen Crack an seine Mutter verkauft) wird der Ersatzvater von Chiron. Er und seine Freundin kümmern sich liebevoll um ihn. In einer wunderschönen Szene bringt er Chiron das Schwimmen bei. Dies klingt paradox, da er ja der Drogendealer ist und dadurch auch ein bisschen an dem Familiendrama schuld ist. Aber dieses Handeln gibt einen großen Hoffnungsschimmer in der düsteren Umgebung von Chiron.
        Was ich außerdem sehr überraschend fand, dass seine ersten Sätze zu seiner Ersatzfamilie diese waren: „Was ist eine Schwuchtel? Wann weiß ich, ob ich eine bin?“ . In dieser Stelle wird das eigentliche Hauptthema von dem Film Moonlight angesprochen. Diese Einbindung des Hauptthema finde ich sehr Klever gemacht, weil man in diesem Moment nicht annähernd mit so einem Anfang rechnet. Nach dieser Stelle bin ich ins Grübeln geraten und wollte den Film unbedingt zu Ende sehen.
        Im zweiten Abschnitt Plätschert das Geschehn weiter vor sich hin.

        Im dritten Abschnitt verändert sich nochmal alles. Als er seinen Freund besucht, lässt der Regisseur die Zuschauer ins Leere laufen. Er inszeniert das letzte Kapitel in den Perfekten Punkten so, dass man merkt, wie der kleine Junge langsam wieder zum Vorschein kommt.
        Der Regisseur traut sich in diesem Kapitel besonders viel und räumt damit auch den großen Gewinn ab.
        Wenn ich jetzt noch einmal an das Ende des Films denke, dann muss man erkennen, dass das Leben einen oft zu jemanden macht, der man eigentlich gar nicht sein will. Diese Worte sind knallhart, aber werden auch genauso vom Film wiedergespiegelt.
        Die Erzählstruktur ist immer klar ersichtlich, wiederum gibt es sehr große Zeitsprünge die einerseits passend sind, aber andererseits scheint es dem Zuschauer in manchen Punkten zu wenig Informationen geben. Wie die Situation mit dem Gefängnissaufenthalt. Beim ersten überlegen fehlt einem die gefängnissaufenthalts Szene. Beim zweiten Überlegen merkt man aber doch, wie die Erklärung am Ende des Films ausreichend Inforationen beinhaltet.
        Soundtrack und Schnitt fand ich ab den ersten Sekunden schon Klasse. Die leicht Klassisch angehauchte Musik hat in allen Punkten gepasst, die Kameraführung war einfach nur grandios. Wie sie sich so spielerisch um Juan gewendet hat.
        Die Handlungsorte waren stets passend und haben gut zu den Handlungen gepasst.

        Mein Fazit nach dieser Schwärmerei. Anschauen, fühlen und sich selbst ein Bild von dieser schönen Handlung und Umsetzung machen.

        Der Film wurde in der USA produziert und ist 2016 in den Kinos erschienen. Der Film ist im Stil der Dramaturgie gehalten, was ihn sehr mystisch macht. Der Film ist ab Zuschauer von 12 Jahren, was ich völlig angemessen finde. Der Regisseur ist Barry Jenkins, dieser war heterosexuell und seine Mutter war Drogenabhängig. Dadurch konnte er sich sehr gut in die ausgedachte Lage von Chiron hineinversetzen und seine Aufgabe als Regisseur voll und ganz erfüllen. Jetzt komme ich mal zu den Schauspielern. Der Beste Nebenschauspieler ist Mahershala Ali. Dieser erhielt auch für seine Rolle einen Oscar. Der Film dauert 111 min, die im Flug vorbeigingen.

        • Moonlight (2016)
          Man kann die ganze Welt anlügen, jedoch nicht sich selbst.

          Barry Jenkins Film „Moonlight“ erzählt die Geschichte des Jungens Chiron, der in einer Sozialbausiedlung am Rande Miamis aufwächst, die von Gewalt und Drogen geprägt ist.
          Chirons Geschichte ist in drei Teile aufgeteilt: „Little“, „Chiron“ und „Black“.
          Diese zeigen die prägensten Abschnitte aus seinem Leben als Kind, Jugendlicher und Erwachsenen.
          Gepielt wird Chiron von Alex R Hibbert, Ashton Sanders und Trevante Rhodes.
          Weitere wichtige Charaktere sind Chirons Mutter Paula, Drogenhändler Juan und seine Freundin Teresa, welche sich um Chiron wie einen Sohn kümmern, sowie sein Freund und späterer Liebhaber Kevin.

          Chiron wird als Kind an seiner Schule gemobbt wegen der Art, wie er geht und spricht.
          Nur Kevin ermutigt Chiron immer wieder sich nicht unterkriegen zu lassen und baut ihn auf.
          Auch seine drogenabhängige Mutter kann ihm nicht helfen sich im Leben zurecht zu finden.
          Zuflucht findet er in dieser Zeit öfter bei dem Drogenhändler Juan und seiner Freundin Teresa.
          Juan merkt erst später, dass Littles Mutter eine seiner Kunden ist.

          Als Teenager haben sich die Drogenprobleme seiner Mutter, sowie das Mobbing an seiner Schule verschlimmert. Er findet weiterhin Zuflucht bei Teresa. Juan ist mittlerweile Tod.
          Auch hat er eine erste intime Erfahrung mit Kevin.
          Nachdem er sich an einem seiner Mobber gerächt hatte, wurde Chiron von der Polizei abgeführt wurde.

          Als Erwachsener lebt Chiron in Atlanta, nachdem er dort seine Zeit in einer Jugendstrafanstalt abgesessen hatte. Seine Mutter ist nun in einer Anstalt für ehemalige Drogenabhängige.
          Kevin hat zwar ein Kind, ist jedoch frisch geschieden und arbeitet in einem Diner.
          Dieser ruft Chiron nach vielen Jahren wieder an und die beiden treffen sich.
          Chiron gesteht Kevin, dass er der einzige Mensch war, der ihn in seinem Leben bislang berührt hat.

          Besonders gut gefiel mir, dass wirklich in einer armen Siedlung am Rande von Miami gedreht wurde, welche auch der Handlungsort des Films ist.
          Dadurch war die Umgebung sehr authentisch.

          Außerdem gefiel mir die Filmmusik, die größtenteils aus klassischen Instrumenten bestand, gut.
          Diese verstärkte einerseits die Momente der Intimität, aber auch die Momente der Einsamkeit und des Leidens.

          Ein weiteres Highlight war die schauspielerische Leistung von Mahershala Ali als Chirons Wächter. Ich wünschte er wäre mehr in die Geschichte involviert worden.

          Der Film hat ohne Zweifel alle drei Oscars (Bester Film, Beste Regie, Bestes adaptiertes Drehbuch) verdient, da es sich bei „Moonlight“ um ein sehr ergreifendes Drama handelt und viele aktuelle wichtige Themen behandelt werden. Es ist ein durchdachtes Stück Kunst, welches man durchaus gesehen haben sollte.

          • 6

            (22.01.17 vgkm! Vorhersage 6,8) Moonlight ist für mich wie "Lala Land" ein überbewerter Film.
            Er ist schon tiefgründig, aber manchmal auch etwas zu langatmig.

            • 8

              Da ich viele Filme ohne jede Vorkenntnis sehe, hat mich dieser Film extrem überrascht, geht er doch in eine ganz andere Richtung als es zunächst aussieht.

              Sehr guter Film der sofort fesselt!

              Spoiler
              Einzig der Abschnitt mit Juan hätte ein wenige ausführlicher sein können wie er ihn und sein Tod beeinflusst.

              1
              • 9 .5

                Ein sehr fokussierter Film, ohne viele Nebenschauplätze, volle Konzentration auf die Hauptfigur und eine Handvoll Nebendarsteller. Das hat mir an "Moonlight" besonders gefallen. Weniger ein klassischer LGBT-Film, viel mehr eine Geschichte über eine andauernde Identitätsfindung unter erschwerten Bedingungen mit einigen wirklich starken Dialogen, besonders ganz zu Beginn (mit Juan) und ganz am Ende (mit Kevin).

                • 4
                  Marius Kausch 05.08.2018, 22:19 Geändert 05.08.2018, 22:23

                  Moonlight ist der erste Oskar-prämierte Film der letzten Jahre, dem ich mal so gar nichts abgewinnen kann. Vielleicht sind schwule, schwarze Mobbing-Opfer aber auch einfach nicht mein Thema, obwohl ich die Schwulen-Thematik, die mittlerweile in jüngeren Filmen gerne thematisiert wird sehr interessiert verfolge.

                  Dieser Film allerdings kommt mir wie eine Aneinanderreihung von Szenen vor in denen uninteressante Charaktere langweilige Dialoge daher nuscheln. Lediglich das Kindheitskapitel mit Ali in der Rolle als Juan sticht positiv hervor. Außerdem ist für mich die Besetzung des erwachsenen Chiron einfach nicht glaubwürdig.
                  Aber auch die Arthouse-Filmelemente wie die typischen Break-Cuts, laute Klassik und verschwommene Bilder überladen den Film und lassen keinen eigenen, individuellen Stil erkennen.

                  Die Hoffnung, dass der Film noch mit einem cleveren oder mutigen Ende aufwartet, stirbt dann auch zuletzt.

                  Erstaunlich, wie gut der Film von der Community bewertet wurde.

                  • 5 .5
                    J.F.Lannister 03.08.2018, 17:15 Geändert 03.08.2018, 17:31

                    Nach den überbordenden Kritiken und diversen Awards bin ich leider entäuscht von "Moonlight", auf dem Papier funktioniert die Geschichte meiner Meinung nach besser denn als Film.

                    In den 3 x 35-40 Minuten für die drei Lebensabschnitte als Kind, Jugendlicher und Erwachsener findet "Moonlight" kaum Zeit, die Handlung, die inhaltlichen Themen (Mobbing, Homosexualität, vaterloses Aufwachsen, Drogen und Kriminalität unter Afroamerikanern) sowie die Charaktere vernünftig auszuarbeiten. Weil "Moonlight" so stark auf den Hauptcharakter Chiron zugeschnitten ist, müssen für viele der Nebencharaktere Schablonen herhalten, zum Beispiel der Bully in der Highschool, die drogenabhängige Mutter oder der beste Freund, bei dem man nie so wirklich weiß, warum er mit Chiron überhaupt befreundet ist. Aufgrund der großen Zeitsprünge zwischen den Kapiteln fallen zudem wichtige und prägende Ereignisse im Leben Chirons weg, mit denen man sich bei so einer Charakterstudie auf jeden Fall hätte auseinandersetzen müssen.

                    Das mit Abstand beste Kapitel ist "Little", jenes über die Kindheit.
                    Über Chiron (Cheiron aus der griechischen Mythologie), der ohne Vater und mit einer drogensüchtigen Mutter aufwächst und aufgrund seines sonderbaren Verhaltens von den anderen Kindern gejagt und als Schwuchtel beleidigt wird, ohne zu wissen, was das überhaupt bedeutet. In dem Drogendealer Juan (Johannes der Täufer) und dessen Freundin Teresa (Mutter Teresa) findet er Ersatzeltern und eine emotionale Stütze. Alle drei fühlen sich zueinander hingezogen, was dazu führt, dass Juan schmerzhaft sein eigenes Leben als Drogendealer reflektieren muss.
                    Wegen Mahershala Ali als Juan und Naomi Harris als Chirons Mutter ist dies auch in schauspielerischer Hinsicht das qualitativ hochwertigste Kapitel des Films.

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                    • 9 .5

                      Moonlight erzählt eine emotional aufwühlende Geschichte, die den Zuschauer noch eine Weile begleitet. Das Storytelling ist sehr okönomisch, man muss selbst eine Lücken schließen, aber die Infos, die man bekommt, lassen das Ganze sehr organisch und authentisch wirken. Der Film zeigt die Probleme eines armen schwarzen schwulen Jungen, wodurch man einige extrem emotionale Szenen sieht, die schwer anzusehen sind, weil man eine tiefe Empathie von Anfang an entwickelt. Die 3 Jungs, die Chiron spielen, machen ihre Sache sehr stark, sie schaffen es, die inneren Konflikte und die Unsicherheit gut rüberzubringen und auch die zeitlichen Übergänge zwischen den Schauspielern sind nahezu nahtlos. Auch Mahershala Ali, den man davor hauptsächlich aus House of Cards kannte, hat hier seine Breakout-Role und spielt fantastisch. Jonelle Monáe kommt oft zu kurz in den Besprechungen, finde ich, denn auch sie spielt toll. Naomie Harris schafft es, trotz ihrer geringen Screentime, eine ihrer Karrierebestleistungen abzuliefern.
                      Der Film fühlt sich überhaupt nicht wie 2 Stunden an und erzählt eine packende dramatische Geschichte mit einem ungewöhnlichen Skript. Einer der besten Filme des Jahres 2017.

                      • 7 .5

                        Unerwartet schweres Drama, das sich mit der Themendichte von Drogenmissbrauch, Armut, schwarzer Community und LGBT den Teller teilweise zu vollgeladen hat. Obwohl der Film strukturell in 3 Teile gegliedert wurde, leidet er mitunter an mangelndem Fokus. Trotz der mehr als ungewöhnlichen Erzählweise überzeugt Moonlight allerdings in seiner emotionalen Schwere bis bin zur überraschend optimistischen Gestaltung des Endes. Für Moonlight muss man sich Zeit nehmen, Zeit auch um hier und da zwischen den reich befüllten Zeilen zu lesen. Ein herausragender Film, der den Zuschauer fordert und ihn auf eine unangenehme Achterbahnfahrt mitnimmt. Kino für Fortgeschrittene.

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                        • 5 .5
                          Handlanger184 08.06.2018, 11:11 Geändert 08.06.2018, 11:12

                          man hat öfter von dem Film gehört, mitbekommen das er einen Oscar in der Kategorie bester Film gewonnen hat, man denkt so schlecht kann er doch gar nicht sein.
                          und dann wird einem dieser unerträglich klischeeüberladene, vor Stereotypen nur so strotzende Nonsens präsentiert. man ist enttäuscht, nach einer Stunde hab ich die DVD rausgeschmissen.
                          der Hauptdarsteller ist in seiner erwachsenen Version eine beinahe 1 zu 1 Kopie des Mainstreamrappers 50Cent, ich weiß nicht ob das irgendwie beabsichtigt ist aber es macht den Film nochmal ne Nummer lächerlicher als er ohnehin schon ist. die Schauspieler geben sich ja durchaus Mühe aber da ist einfach nichts Tiefgründiges in dieser Story, absolut gaar nichts mit Substanz.
                          aus amerikanischer Sicht mag das freilich anders zu bewerten sein, da zeigt ein farbiger Regisseur scheinbar großteils seine eigene Biographie (zumindest bis ins Teenageralter) und dann überlegt er sich was wohl noch möglich/naheliegend gewesen wäre und kommt zu der bahnbrechenden Erkenntnis das man mit der Vorgeschichte wohl zwangsläufig nur Drogendealer werden kann.
                          man kann das mutig/selbstreflektiert finden ich persönlich find die Machart des ganzen Films unfassbar vorhersehbar und von daher absolut nicht zu empfehlen.
                          ich würde den Film auch noch deutlich schlechter bewerten aber die teilweise ordentlichen Versuche schauspielerisch etwas zu leisten haben mich davon abgebracht.
                          wie so ein Schrott einen Oscar gewinnen darf sollte man sich nichtsdestotrotz schon zu fragen trauen.

                          • 7

                            Sieht super aus, hat einen sehr guten Score und überzeugende Darsteller. Aber sonst? Oscar für das beste Drehbuch? Nicht im Ernst. Das ist doch schon eine sehr schlichte Erzählung.

                            • 9 .5

                              Als Schwarzer hast du mit Diskriminierung zu kämpfen. Als Homosexueller aber auch noch mit Diskriminierung aus den eigenen Reihen. Dies ist nur eines von vielen Themen, die dieser Film unterbringen will. Das ganze wird erzählt in drei Akten. Wir sehen die Kindheit, mit wahnsinnig tollen Kinderdarstellern, die Jugend und auch als er erwachsen wurde. Die Mutter Cracksüchtig findet er Unterstützung, welch Ironie, von einem herzerwärmenden Drogendealer. Auch wenn dieser nie ihn da hineinziehen wollte, so wird er als Erwachsener auch ein Dealer. Schon als Kind wird offensichtlich, dass sich Chiron dem gleichen Geschlecht zugezogen fühlt und als Jugendlicher sammelt er weitere Erfahrungen. Dieser ganze Film erzählt nicht wirklich eine abgeschlossene Geschichte, sondern gibt und einen Einblick in das Leben von Chiron, die prägend für ihn waren. Am Ende wird aus dem Mobbing-Opfer Chiron, das typische Gangsterklischee doch der Kreis soll sich schließen und die Fassade bröckelt.

                              Dieser Film kann im Grunde nicht erzählt werden. Seine Wirkung kann man sich nicht entziehen und so bleibt nur zu sagen: Gucken!

                              2
                              • 7

                                "Moonlight" ist ein etwas anderer Ghettofilm. Der Ort des Geschehens ist nicht wie sonst in dem Genre üblich New York oder Los Angeles. Dieses Mal ist es das sonnenverwöhnte Miami. Auch hier haben es die Schwarzen nicht leicht. Vor allem dann nicht wenn man schwul und die Mutter eine Drogensüchtige ist. Doch trotzdem sucht Chiron einen Weg aus dem Ganzen.
                                "Moonlight" ist ohne Zweifel stark besetzt, toll gespielt und unglaublich Gefühlvoll. Einige Momente gehen sozusagen direkt ins Herz. Ob die vielen Auszeichnungen und in erster Linie die 3 Oscars wirklich an die richtige Adresse gegangen sind sollen andere entscheiden. Nur mir hat dieses bewegende Drama gefallen.

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                                • 4

                                  Als schwuler schwarzer Halbwüchsiger im Drogenghetto hat mans auch nicht leicht. Wer das wirklich noch nicht geahnt hat, kann hier knappe zwei Stunden dem entsprechenden Protagonisten dabei zusehen, wie er mit hängenden Schultern und traurigem Dackelblick durch die Hood schlurft.

                                  Künstlerisch ist so ein „Geknechtete Minderheiten“-Overkill mit Klassikklängen natürlich oberwertvoll, aber vor allem -fast ebenso natürlich- leider auch langweilig, langatmig, mühselig...

                                  So ein BISSCHEN Handlung, Spannung oder ein halbwegs überraschender Twist könnte schon nicht schaden, denn sorry: Ich gucke Filme tatsächlich immer noch zu Unterhaltungszwecken, und nicht, um mich deprimieren oder wegdösen zu lassen...

                                  Bei Durchschnittswertung 7,5 scheinen bei moviepilot wohl nur Hardcore-Cineasten unterwegs zu sein, oder jede Menge Lemminge, die Kritikerlieblingen automatisch Höchstwertungen verpassen...

                                  Übrigens, wussten Sie schon: Nachts sind nicht nur alle schwarzen Jungs blau, sondern auch alle Katzen grau und kälter als draußen ist es auch...

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                                  • 3

                                    Man ist der Film langweilig.

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                                    • 7

                                      Schön, schön langweilig. Ein richtig schwuler Film aber der hat was. Etwas zäh. 8 Oscar Nominierungen sind schon echt übertrieben. Einmal ansehen und abhaken, es ist kein Film den man sich zweimal geben muss. Die Story ist so einfach gestrickt und handlungsarm das ich ihn wahrscheinlich nie vergessen werde und wenn doch, dann werd ich ihn trotzdem nicht noch einmal gucken.

                                      Ein Satz aus Full Metal Jacket ist mir spontan bei der Strandszene eingefallen: "Sie sind doch garantiert diese Art von Typ der fickt jemanden in den Arsch und hat dann nichtmal den Anstand ihm wenigstens auch einen runterzuholen!". Naja, zum Glück gab es keine Arschfickszene wie bei Brokeback Mountain. Der beste Homo-Film meiner Meinung nach ist und bleibt Prayers for Bobby.

                                      • 10

                                        Ein Film aus dem Farbigensicht.
                                        was möchte uns dieser Film zeigen, erst wird gezeigt ein Weichei der ein Milchbubby ist, und von ein anderen großen Schwarzen groß erzogen wird, zu einem Mann, das Problem ist die mutter von den Jungen, sie hält nicht zu ihm, nach einer weile erfahren wir, drogenprobleme,schwule, und so weiter.

                                        • 6 .5

                                          Die Film wird mit fortschreitender Laufzeit stärker. Am Anfang plätschert er ziemlich lustlos vor sich in. Besondere Stärken des Filmes sind seine Botschaften, die er vermittelt. So kann man den Film als Plädoyer dafür sehen, dass man zu sich selbst stehen soll. Die im Film gespielten Charaktere spielen alle eine Rolle, die ihr wahres Ich verbirgt. Die Hauptperson muss diesen Prozess erst schmerzhaft lernen. Indem sie in der Schule das Mobbingopfer ist und später auch die sexuelle Gefühle unterdrückt. Denn unsere Gesellschaft bestraft allzu häufig die Personen, die aus der Masse ausscheren. Die Spirale der Gewalt ist für den Hauptdarsteller unausweichlich. Erst als er sich zu dieser bekennt, kann er nach Außen in Frieden leben. Auch wenn sein Innerstes darunter leidet. Letztendlich demaskiert der Film auch die Macho-Kultur in den Ghettos. Alles bloße Maskerade um in der harten Umgebung zu (über)leben.

                                          Stellenweise hat der Film einige Längen. Besonders den ersten Akt finde ich zu lang. Auch ist die Geschichte natürlich nicht neu. Auch muss sich der Film die Frage gefallen lassen, ob dieser Film ein solches positives Echo bekommen hätte, wenn die Darsteller alle weiß gewesen wären. Wer auf Art-House Kino steht, sollte mal reinschauen. Oder auch wer einfach mal den Hype um den Film nachgehen will.

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                                          • 5 .5

                                            Jedes Genre hat seine typischen Elemente ,die dann mehr oder weniger variiert werden . So ist es auch Unsinn einem Film vorzuwerfen das er das Genre nicht neu erfindet sondern nur alt bekanntes zeigt . Denn das machen fast alle Filme . Es kommt halt darauf an wie es präsentiert wird . Wirkt es aufgesetzt oder natürlich . In dem Moment in dem mir klar wird das der "Tote Hund " mich jetzt nur manipulieren soll ,ist es vorbei . Moonlight kommt leider die ganze Zeit sehr bemüht daher . Der Junge der an der Schule der Außenseiter ist . Und dann die Mutter . Wäre Sie Weiß würde Sie trinken ,da es aber Afroamerikaner sind ist Sie Drogen abhängig . Dann noch was mit sexueller Orientierung .Und was auf keinem Fall fehlen darf ist die Auto Fahrt auf einsamer Straße unterlegt wahlweise mit Geigen- oder Klaviermusik . Auch den Film in Kapiteln einzuteilen ist ein klares Zeichen von Großer Kunst ....... mit der Brechstange . Ja da haben die Filmemacher an der Filmhochschule den Drama Kurs besucht . Nur das das ganze Seele haben muß ,bei der Stunde haben sie gefehlt . Wie so viele ! Da muß es irgendwo Freibier gegeben haben . So wird man sich noch lange rumschlagen müßen mit seelenlosen Dramen wie "Manchester by the Sea " oder Moonlight .

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                                            • 6
                                              Sternenkind68 02.02.2018, 06:07 Geändert 02.02.2018, 06:18

                                              Irgendwie habe ich doch glatt immer dieses schlechte Gewissen, weil ich nicht die hohen Punktzahlen raushaue, die hier todsicher erwartet werden.
                                              Die Mehrheit ( ist jedenfalls mein Empfinden ) schreit "Meisterwerk", muss ich das dann auch tun ? Vor allem nach dieser Oscar-Verleihung ?
                                              Allerdings springe ich auch aus keinem Fenster, nur weil das jemand sagt, von daher...
                                              Von der Machart her hat mich der Film an "Half Nelson" erinnert, für den Ryan Gosling eine Nominierung als "Bester Hauptdarsteller" einsacken konnte.
                                              Bei "Moonlight" nervte mich öfters die Wackelkamera.
                                              Dann habe ich hier nichts gesehen, was ich nicht auch schon anderswo gesehen hätte ( allerdings vergisst man ja auch so leicht ).
                                              Das Thema Drogenabhängigkeit ist ein beliebiges, es könnten auch weiße Leute sein, hier sind es halt schwarze.
                                              Muss ich den Film in der Wertung nun höher ansiedeln ?
                                              Bullshit, natürlich nicht.
                                              Ein Schwarzer leidet unter seiner Drogenabhängigheit sicher genauso wie ein Weißer.
                                              Dass jemand mit Drogen dealt, würde die Justiz in jedem Fall bestrafen, ob es nun ein schwarzer oder weißer Dealer tut.
                                              Immerhin etwas Außergewöhnliches nehme ich für mich hier mit: der Einsatz klassischer Musik war zwar überraschend, aber super für meine Ohren.

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                                              • 8 .5

                                                Selten habe ich gegen Ende eines Filmes so an den Lippen der Charaktere gehangen wie in diesem wuchtigen Tryptichon aus Empathie, Enttäuschungen und Erwartungen. Die Herangehensweise drei kurze Zeitabrisse aus dem Leben von Chiron, einem Jungen der bei einer Crack-süchtigen Mutter aufwächst und Gefühle für einen anderen Jungen entwickelt, mögen bis in den zweiten Akt hinein etwas unaufgeregt wirken, aber mit welch emotionaler Tragweite am Ende alles zusammenläuft, ist famos.

                                                Zwei Menschen begegnen sich wieder, deren Leben einen unterschiedlicheren Verlauf hätte nicht nehmen können. Kunstvoll bebildert lässt die Kamera ihre Protagonisten nie aus dem Auge. Handwerkliche Kniffe immer nur dazu eingesetzt die Gefühlswelten der Figuren zu stützen und das Erleben von Chiron auf den Zuschauer zu übertragen.

                                                Völlig geerdet und klasse gespielt erzählt „Moonlight“ uns eine Geschichte von Menschen, die gemacht wurden. Was soll aus einem werden wenn schon das Fundament bröckelt? Die jeden Tag darum kämpfen ein wenig so sein zu können wie sie sind. Die Vergangenheit lässt einen nicht los, reißt einen hin und her, vor und zurück, schüttelt einen hinein in eine Zukunft, die man bekommt, nicht verdient.

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                                                • 4 .5
                                                  YupYum 23.01.2018, 23:46 Geändert 29.01.2018, 04:08

                                                  "Moonlight" ist in jeder Hinsicht und mit allen Ingredients typisches "Arthouse-Kino": In extremer Slow-Motion erzählt, mit vielen offenen Metaphern (die vom Zuschauer verlangen, dass er quasi mit seiner Imagination das ausgestreute Puzzle selbst im Kopf fertig denkt), einer Thematik kreisend um eine sogenannte Randgruppe (hier Schwarze, die nicht gay sein dürfen), soziologisch angesiedelt in der Unterschicht, (zwischen Crack, Knast und Entziehungskur), handwerklich eher in einer unteren Qualität - und um das Ganze noch anspruchsvoller erscheinen zu lassen, wurde in typischer Arthouse-Manier der Film noch in drei Kapitel unterteilt, ohne ein solches jeweils zu Ende zu erzählen. In der letzten Szene sind die Dialoge dann so minimalistisch gehalten und in die Länge gezogen, dass ich fast verzweifelt bin.

                                                  Diese Art von Filmen kommen beim (Indie-)Publikum immer sehr gut weg, denn böse Zungen behaupten, was man nicht wirklich versteht, bewertet man dementsprechend hoch. Vor allem die ausufernde und ermüdende Dramaturgie machten mir hier (mit allem Wohlwollen zu Beginn) zusehends Mühe. Oscar hin oder her, ein im Kern deprimierender und langfädiger Film, den ich als Fazit sicher nicht ein zweites Mal anschauen werde.

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                                                  • 8
                                                    Heckenritter 16.01.2018, 19:06 Geändert 16.01.2018, 22:19

                                                    Ja, starker Film, stark gespielt, sehr kreativ umgesetzt, fast schon
                                                    genial, so einfühlsam als auch behutsam erzählt und gespielt, die
                                                    Rolle des Außenseiters in der wortkargen Selbstfindung ohne
                                                    Selbstwertgefühl geht nahe. Mir gefällt besonders gut, dass Chiron
                                                    von drei Darstellern unterschiedlichen Alters verkörpert wird, endlich
                                                    ist man davon weg einen Mittzwanziger als Teen zu verkaufen und ihm
                                                    anschließend Perücken und Bärte anzukleben. Die Sensibilität von
                                                    Regisseur Barry Jenkins ist bemerkenswert, ebenso die Vielschichtigkeit
                                                    in Moonlight, die so harmonisch in einem ruhigen und nachdenklichen
                                                    Ausgang zusammenfließt und auströpfelt. Schön, der Film hat noch
                                                    einige versteckte Allegorien dabei, nur kann man die als Zuschauer
                                                    nicht erkennen, es kann zumindest keiner erwarten, dass es bei dem
                                                    Namen Chiron klingeln sollte und meine Enzyklopädie der griechischen
                                                    Mythologie in Gedanken ausgerollt wird. Es macht den Film nicht
                                                    besser im Sinne der Unterhaltsamkeit, ist natürlich immer nett, wenn
                                                    die Sezierer und Wikipedialeser wieder einen Grund bekommen, das
                                                    Altpapier später wegzubringen.

                                                    Den superstarken Film des Jahres der übergeordneten Relevanz
                                                    kann ich jedoch nicht sehen. Man möge bedenken, der Oscar ist
                                                    ein amerikanischer Filmpreis, der Themen auszeichnet, die für die
                                                    amerikanische Gesellschaft von Bedeutung sind, alles andere
                                                    interessiert sie erstmal nicht. Es ist immer das gleiche, siehe
                                                    auch jüngst Fences, Mudbound, Detroit, entweder geht es um
                                                    das Ghetto, den Rassismus, die Drogen,die Angst auf der Straße,
                                                    die Kriminalität, Homophobie und der ewige Minderwertigkeits-
                                                    komplex der schwarzen Bevölkerung. Solange solche Filme
                                                    mit medialem Gekreische immer in den Himmel gelobt werden,
                                                    frage ich mich, wie dieses Land es jemals schaffen will, dass sich
                                                    die Menschen auf Augenhöhe begegnen können. Die Amerikaner
                                                    kommen nicht in die Strümpfe und drehen sich seit Jahrzehnten
                                                    im Kreis, die Themen nerven. Dieser Aktionismus "dieser Film ist
                                                    besonders wichtig, weil er bestimmte Themen anspricht" wird
                                                    nichts ändern, David Simon (The Wire) hat in der Miniserie
                                                    "Show me a hero" detailreichst analysiert, wo die wirklichen
                                                    Probleme zwischen Politik, den Verlustängsten der weißen
                                                    Mittelschicht, Medien und Bedürftigkeit der Bevölkerung zu
                                                    suchen sind. Er zeigt klar die Baustellen auf, an denen gearbeitet
                                                    werde müsste, es hat reichlich Preise geregnet, wenn es nach
                                                    dem Inhalt geht, müsste Simons komplexe Analyse dreimal so
                                                    laut abgefeiert werden, als alle diese Filme zusammen.

                                                    Ich bin an einem Punkt des nicht-mehr-tangiert-werdens angelangt,
                                                    diese immer gleichen Themen spielen in meiner Lebenswelt
                                                    keine besondere Rolle mehr. Solange dieses medienwirksame
                                                    Brimborium darum gemacht wird, können Autoren und Filmmacher
                                                    noch lange auf darauf warten, dass dies Früchte tragen wird.
                                                    Es ist immer der gleiche Kram, die Gesellschaftsentwicklung
                                                    stagniert nicht erst seit gestern, warum muss mich das als Europäer
                                                    zum hundersten mal so interessieren, tut es nicht mehr, das Fass
                                                    ist längst voll. Zum Glück ist Moonlight in jeder Hinsicht auf der
                                                    persönlichen Ebene von Chiron, Mahersali Ali , Naomi Harris und
                                                    Janelle Monáe ein umwerfender Film, das war Barry Jenkins erster
                                                    großer Film, ein Ausnahmetalent das auch nicht das geringste Maß
                                                    an Feinschliff mehr nötig hat. Davor ziehe ich meinen Hut (schwupp).
                                                    Ansonsten: I don`t give a fuck for Oscar, I`m not american

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