Moonlight - Kritik

Moonlight

US · 2016 · Laufzeit 111 Minuten · FSK 12 · Drama · Kinostart
Du
  • 5 .5
    Handlanger184 08.06.2018, 11:11 Geändert 08.06.2018, 11:12

    man hat öfter von dem Film gehört, mitbekommen das er einen Oscar in der Kategorie bester Film gewonnen hat, man denkt so schlecht kann er doch gar nicht sein.
    und dann wird einem dieser unerträglich klischeeüberladene, vor Stereotypen nur so strotzende Nonsens präsentiert. man ist enttäuscht, nach einer Stunde hab ich die DVD rausgeschmissen.
    der Hauptdarsteller ist in seiner erwachsenen Version eine beinahe 1 zu 1 Kopie des Mainstreamrappers 50Cent, ich weiß nicht ob das irgendwie beabsichtigt ist aber es macht den Film nochmal ne Nummer lächerlicher als er ohnehin schon ist. die Schauspieler geben sich ja durchaus Mühe aber da ist einfach nichts Tiefgründiges in dieser Story, absolut gaar nichts mit Substanz.
    aus amerikanischer Sicht mag das freilich anders zu bewerten sein, da zeigt ein farbiger Regisseur scheinbar großteils seine eigene Biographie (zumindest bis ins Teenageralter) und dann überlegt er sich was wohl noch möglich/naheliegend gewesen wäre und kommt zu der bahnbrechenden Erkenntnis das man mit der Vorgeschichte wohl zwangsläufig nur Drogendealer werden kann.
    man kann das mutig/selbstreflektiert finden ich persönlich find die Machart des ganzen Films unfassbar vorhersehbar und von daher absolut nicht zu empfehlen.
    ich würde den Film auch noch deutlich schlechter bewerten aber die teilweise ordentlichen Versuche schauspielerisch etwas zu leisten haben mich davon abgebracht.
    wie so ein Schrott einen Oscar gewinnen darf sollte man sich nichtsdestotrotz schon zu fragen trauen.

    • 7

      Sieht super aus, hat einen sehr guten Score und überzeugende Darsteller. Aber sonst? Oscar für das beste Drehbuch? Nicht im Ernst. Das ist doch schon eine sehr schlichte Erzählung.

      • 9 .5

        Als Schwarzer hast du mit Diskriminierung zu kämpfen. Als Homosexueller aber auch noch mit Diskriminierung aus den eigenen Reihen. Dies ist nur eines von vielen Themen, die dieser Film unterbringen will. Das ganze wird erzählt in drei Akten. Wir sehen die Kindheit, mit wahnsinnig tollen Kinderdarstellern, die Jugend und auch als er erwachsen wurde. Die Mutter Cracksüchtig findet er Unterstützung, welch Ironie, von einem herzerwärmenden Drogendealer. Auch wenn dieser nie ihn da hineinziehen wollte, so wird er als Erwachsener auch ein Dealer. Schon als Kind wird offensichtlich, dass sich Chiron dem gleichen Geschlecht zugezogen fühlt und als Jugendlicher sammelt er weitere Erfahrungen. Dieser ganze Film erzählt nicht wirklich eine abgeschlossene Geschichte, sondern gibt und einen Einblick in das Leben von Chiron, die prägend für ihn waren. Am Ende wird aus dem Mobbing-Opfer Chiron, das typische Gangsterklischee doch der Kreis soll sich schließen und die Fassade bröckelt.

        Dieser Film kann im Grunde nicht erzählt werden. Seine Wirkung kann man sich nicht entziehen und so bleibt nur zu sagen: Gucken!

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        • 7

          "Moonlight" ist ein etwas anderer Ghettofilm. Der Ort des Geschehens ist nicht wie sonst in dem Genre üblich New York oder Los Angeles. Dieses Mal ist es das sonnenverwöhnte Miami. Auch hier haben es die Schwarzen nicht leicht. Vor allem dann nicht wenn man schwul und die Mutter eine Drogensüchtige ist. Doch trotzdem sucht Chiron einen Weg aus dem Ganzen.
          "Moonlight" ist ohne Zweifel stark besetzt, toll gespielt und unglaublich Gefühlvoll. Einige Momente gehen sozusagen direkt ins Herz. Ob die vielen Auszeichnungen und in erster Linie die 3 Oscars wirklich an die richtige Adresse gegangen sind sollen andere entscheiden. Nur mir hat dieses bewegende Drama gefallen.

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          • 4

            Als schwuler schwarzer Halbwüchsiger im Drogenghetto hat mans auch nicht leicht. Wer das wirklich noch nicht geahnt hat, kann hier knappe zwei Stunden dem entsprechenden Protagonisten dabei zusehen, wie er mit hängenden Schultern und traurigem Dackelblick durch die Hood schlurft.

            Künstlerisch ist so ein „Geknechtete Minderheiten“-Overkill mit Klassikklängen natürlich oberwertvoll, aber vor allem -fast ebenso natürlich- leider auch langweilig, langatmig, mühselig...

            So ein BISSCHEN Handlung, Spannung oder ein halbwegs überraschender Twist könnte schon nicht schaden, denn sorry: Ich gucke Filme tatsächlich immer noch zu Unterhaltungszwecken, und nicht, um mich deprimieren oder wegdösen zu lassen...

            Bei Durchschnittswertung 7,5 scheinen bei moviepilot wohl nur Hardcore-Cineasten unterwegs zu sein, oder jede Menge Lemminge, die Kritikerlieblingen automatisch Höchstwertungen verpassen...

            Übrigens, wussten Sie schon: Nachts sind nicht nur alle schwarzen Jungs blau, sondern auch alle Katzen grau und kälter als draußen ist es auch...

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            • 3

              Man ist der Film langweilig.

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              • 7

                Schön, schön langweilig. Ein richtig schwuler Film aber der hat was. Etwas zäh. 8 Oscar Nominierungen sind schon echt übertrieben. Einmal ansehen und abhaken, es ist kein Film den man sich zweimal geben muss. Die Story ist so einfach gestrickt und handlungsarm das ich ihn wahrscheinlich nie vergessen werde und wenn doch, dann werd ich ihn trotzdem nicht noch einmal gucken.

                Ein Satz aus Full Metal Jacket ist mir spontan bei der Strandszene eingefallen: "Sie sind doch garantiert diese Art von Typ der fickt jemanden in den Arsch und hat dann nichtmal den Anstand ihm wenigstens auch einen runterzuholen!". Naja, zum Glück gab es keine Arschfickszene wie bei Brokeback Mountain. Der beste Homo-Film meiner Meinung nach ist und bleibt Prayers for Bobby.

                • 10

                  Ein Film aus dem Farbigensicht.
                  was möchte uns dieser Film zeigen, erst wird gezeigt ein Weichei der ein Milchbubby ist, und von ein anderen großen Schwarzen groß erzogen wird, zu einem Mann, das Problem ist die mutter von den Jungen, sie hält nicht zu ihm, nach einer weile erfahren wir, drogenprobleme,schwule, und so weiter.

                  • 6 .5

                    Die Film wird mit fortschreitender Laufzeit stärker. Am Anfang plätschert er ziemlich lustlos vor sich in. Besondere Stärken des Filmes sind seine Botschaften, die er vermittelt. So kann man den Film als Plädoyer dafür sehen, dass man zu sich selbst stehen soll. Die im Film gespielten Charaktere spielen alle eine Rolle, die ihr wahres Ich verbirgt. Die Hauptperson muss diesen Prozess erst schmerzhaft lernen. Indem sie in der Schule das Mobbingopfer ist und später auch die sexuelle Gefühle unterdrückt. Denn unsere Gesellschaft bestraft allzu häufig die Personen, die aus der Masse ausscheren. Die Spirale der Gewalt ist für den Hauptdarsteller unausweichlich. Erst als er sich zu dieser bekennt, kann er nach Außen in Frieden leben. Auch wenn sein Innerstes darunter leidet. Letztendlich demaskiert der Film auch die Macho-Kultur in den Ghettos. Alles bloße Maskerade um in der harten Umgebung zu (über)leben.

                    Stellenweise hat der Film einige Längen. Besonders den ersten Akt finde ich zu lang. Auch ist die Geschichte natürlich nicht neu. Auch muss sich der Film die Frage gefallen lassen, ob dieser Film ein solches positives Echo bekommen hätte, wenn die Darsteller alle weiß gewesen wären. Wer auf Art-House Kino steht, sollte mal reinschauen. Oder auch wer einfach mal den Hype um den Film nachgehen will.

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                    • 5 .5

                      Jedes Genre hat seine typischen Elemente ,die dann mehr oder weniger variiert werden . So ist es auch Unsinn einem Film vorzuwerfen das er das Genre nicht neu erfindet sondern nur alt bekanntes zeigt . Denn das machen fast alle Filme . Es kommt halt darauf an wie es präsentiert wird . Wirkt es aufgesetzt oder natürlich . In dem Moment in dem mir klar wird das der "Tote Hund " mich jetzt nur manipulieren soll ,ist es vorbei . Moonlight kommt leider die ganze Zeit sehr bemüht daher . Der Junge der an der Schule der Außenseiter ist . Und dann die Mutter . Wäre Sie Weiß würde Sie trinken ,da es aber Afroamerikaner sind ist Sie Drogen abhängig . Dann noch was mit sexueller Orientierung .Und was auf keinem Fall fehlen darf ist die Auto Fahrt auf einsamer Straße unterlegt wahlweise mit Geigen- oder Klaviermusik . Auch den Film in Kapiteln einzuteilen ist ein klares Zeichen von Großer Kunst ....... mit der Brechstange . Ja da haben die Filmemacher an der Filmhochschule den Drama Kurs besucht . Nur das das ganze Seele haben muß ,bei der Stunde haben sie gefehlt . Wie so viele ! Da muß es irgendwo Freibier gegeben haben . So wird man sich noch lange rumschlagen müßen mit seelenlosen Dramen wie "Manchester by the Sea " oder Moonlight .

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                      • 6
                        Sternenkind68 02.02.2018, 06:07 Geändert 02.02.2018, 06:18

                        Irgendwie habe ich doch glatt immer dieses schlechte Gewissen, weil ich nicht die hohen Punktzahlen raushaue, die hier todsicher erwartet werden.
                        Die Mehrheit ( ist jedenfalls mein Empfinden ) schreit "Meisterwerk", muss ich das dann auch tun ? Vor allem nach dieser Oscar-Verleihung ?
                        Allerdings springe ich auch aus keinem Fenster, nur weil das jemand sagt, von daher...
                        Von der Machart her hat mich der Film an "Half Nelson" erinnert, für den Ryan Gosling eine Nominierung als "Bester Hauptdarsteller" einsacken konnte.
                        Bei "Moonlight" nervte mich öfters die Wackelkamera.
                        Dann habe ich hier nichts gesehen, was ich nicht auch schon anderswo gesehen hätte ( allerdings vergisst man ja auch so leicht ).
                        Das Thema Drogenabhängigkeit ist ein beliebiges, es könnten auch weiße Leute sein, hier sind es halt schwarze.
                        Muss ich den Film in der Wertung nun höher ansiedeln ?
                        Bullshit, natürlich nicht.
                        Ein Schwarzer leidet unter seiner Drogenabhängigheit sicher genauso wie ein Weißer.
                        Dass jemand mit Drogen dealt, würde die Justiz in jedem Fall bestrafen, ob es nun ein schwarzer oder weißer Dealer tut.
                        Immerhin etwas Außergewöhnliches nehme ich für mich hier mit: der Einsatz klassischer Musik war zwar überraschend, aber super für meine Ohren.

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                        • 8 .5

                          Selten habe ich gegen Ende eines Filmes so an den Lippen der Charaktere gehangen wie in diesem wuchtigen Tryptichon aus Empathie, Enttäuschungen und Erwartungen. Die Herangehensweise drei kurze Zeitabrisse aus dem Leben von Chiron, einem Jungen der bei einer Crack-süchtigen Mutter aufwächst und Gefühle für einen anderen Jungen entwickelt, mögen bis in den zweiten Akt hinein etwas unaufgeregt wirken, aber mit welch emotionaler Tragweite am Ende alles zusammenläuft, ist famos.

                          Zwei Menschen begegnen sich wieder, deren Leben einen unterschiedlicheren Verlauf hätte nicht nehmen können. Kunstvoll bebildert lässt die Kamera ihre Protagonisten nie aus dem Auge. Handwerkliche Kniffe immer nur dazu eingesetzt die Gefühlswelten der Figuren zu stützen und das Erleben von Chiron auf den Zuschauer zu übertragen.

                          Völlig geerdet und klasse gespielt erzählt „Moonlight“ uns eine Geschichte von Menschen, die gemacht wurden. Was soll aus einem werden wenn schon das Fundament bröckelt? Die jeden Tag darum kämpfen ein wenig so sein zu können wie sie sind. Die Vergangenheit lässt einen nicht los, reißt einen hin und her, vor und zurück, schüttelt einen hinein in eine Zukunft, die man bekommt, nicht verdient.

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                          • 4 .5
                            YupYum 23.01.2018, 23:46 Geändert 29.01.2018, 04:08

                            "Moonlight" ist in jeder Hinsicht und mit allen Ingredients typisches "Arthouse-Kino": In extremer Slow-Motion erzählt, mit vielen offenen Metaphern (die vom Zuschauer verlangen, dass er quasi mit seiner Imagination das ausgestreute Puzzle selbst im Kopf fertig denkt), einer Thematik kreisend um eine sogenannte Randgruppe (hier Schwarze, die nicht gay sein dürfen), soziologisch angesiedelt in der Unterschicht, (zwischen Crack, Knast und Entziehungskur), handwerklich eher in einer unteren Qualität - und um das Ganze noch anspruchsvoller erscheinen zu lassen, wurde in typischer Arthouse-Manier der Film noch in drei Kapitel unterteilt, ohne ein solches jeweils zu Ende zu erzählen. In der letzten Szene sind die Dialoge dann so minimalistisch gehalten und in die Länge gezogen, dass ich fast verzweifelt bin.

                            Diese Art von Filmen kommen beim (Indie-)Publikum immer sehr gut weg, denn böse Zungen behaupten, was man nicht wirklich versteht, bewertet man dementsprechend hoch. Vor allem die ausufernde und ermüdende Dramaturgie machten mir hier (mit allem Wohlwollen zu Beginn) zusehends Mühe. Oscar hin oder her, ein im Kern deprimierender und langfädiger Film, den ich als Fazit sicher nicht ein zweites Mal anschauen werde.

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                            • 8
                              Heckenritter 16.01.2018, 19:06 Geändert 16.01.2018, 22:19

                              Ja, starker Film, stark gespielt, sehr kreativ umgesetzt, fast schon
                              genial, so einfühlsam als auch behutsam erzählt und gespielt, die
                              Rolle des Außenseiters in der wortkargen Selbstfindung ohne
                              Selbstwertgefühl geht nahe. Mir gefällt besonders gut, dass Chiron
                              von drei Darstellern unterschiedlichen Alters verkörpert wird, endlich
                              ist man davon weg einen Mittzwanziger als Teen zu verkaufen und ihm
                              anschließend Perücken und Bärte anzukleben. Die Sensibilität von
                              Regisseur Barry Jenkins ist bemerkenswert, ebenso die Vielschichtigkeit
                              in Moonlight, die so harmonisch in einem ruhigen und nachdenklichen
                              Ausgang zusammenfließt und auströpfelt. Schön, der Film hat noch
                              einige versteckte Allegorien dabei, nur kann man die als Zuschauer
                              nicht erkennen, es kann zumindest keiner erwarten, dass es bei dem
                              Namen Chiron klingeln sollte und meine Enzyklopädie der griechischen
                              Mythologie in Gedanken ausgerollt wird. Es macht den Film nicht
                              besser im Sinne der Unterhaltsamkeit, ist natürlich immer nett, wenn
                              die Sezierer und Wikipedialeser wieder einen Grund bekommen, das
                              Altpapier später wegzubringen.

                              Den superstarken Film des Jahres der übergeordneten Relevanz
                              kann ich jedoch nicht sehen. Man möge bedenken, der Oscar ist
                              ein amerikanischer Filmpreis, der Themen auszeichnet, die für die
                              amerikanische Gesellschaft von Bedeutung sind, alles andere
                              interessiert sie erstmal nicht. Es ist immer das gleiche, siehe
                              auch jüngst Fences, Mudbound, Detroit, entweder geht es um
                              das Ghetto, den Rassismus, die Drogen,die Angst auf der Straße,
                              die Kriminalität, Homophobie und der ewige Minderwertigkeits-
                              komplex der schwarzen Bevölkerung. Solange solche Filme
                              mit medialem Gekreische immer in den Himmel gelobt werden,
                              frage ich mich, wie dieses Land es jemals schaffen will, dass sich
                              die Menschen auf Augenhöhe begegnen können. Die Amerikaner
                              kommen nicht in die Strümpfe und drehen sich seit Jahrzehnten
                              im Kreis, die Themen nerven. Dieser Aktionismus "dieser Film ist
                              besonders wichtig, weil er bestimmte Themen anspricht" wird
                              nichts ändern, David Simon (The Wire) hat in der Miniserie
                              "Show me a hero" detailreichst analysiert, wo die wirklichen
                              Probleme zwischen Politik, den Verlustängsten der weißen
                              Mittelschicht, Medien und Bedürftigkeit der Bevölkerung zu
                              suchen sind. Er zeigt klar die Baustellen auf, an denen gearbeitet
                              werde müsste, es hat reichlich Preise geregnet, wenn es nach
                              dem Inhalt geht, müsste Simons komplexe Analyse dreimal so
                              laut abgefeiert werden, als alle diese Filme zusammen.

                              Ich bin an einem Punkt des nicht-mehr-tangiert-werdens angelangt,
                              diese immer gleichen Themen spielen in meiner Lebenswelt
                              keine besondere Rolle mehr. Solange dieses medienwirksame
                              Brimborium darum gemacht wird, können Autoren und Filmmacher
                              noch lange auf darauf warten, dass dies Früchte tragen wird.
                              Es ist immer der gleiche Kram, die Gesellschaftsentwicklung
                              stagniert nicht erst seit gestern, warum muss mich das als Europäer
                              zum hundersten mal so interessieren, tut es nicht mehr, das Fass
                              ist längst voll. Zum Glück ist Moonlight in jeder Hinsicht auf der
                              persönlichen Ebene von Chiron, Mahersali Ali , Naomi Harris und
                              Janelle Monáe ein umwerfender Film, das war Barry Jenkins erster
                              großer Film, ein Ausnahmetalent das auch nicht das geringste Maß
                              an Feinschliff mehr nötig hat. Davor ziehe ich meinen Hut (schwupp).
                              Ansonsten: I don`t give a fuck for Oscar, I`m not american

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                              • 9 .5

                                Wow, manchmal kann gerade das Einfache so besonders sein. Und es braucht wohl bisweilen einige Zeit, das Spezielle im einfachen Leben zu finden. Gechweige denn den richtigen Weg, das Simple richtig einzufangen und trotzdem anspruchsolle (Film-)Kunst mit eindringlichem Realitätsbezug daraus entstehen zu lassen.

                                "Moonlight" ist auf bestem Wege, mein persönliches Totschlag-Argument der nächsten Zeit zu werden. Andere brauchen Gesangs- und Tanzeinlagen, drehen unsere Gemüter durch den Emotions-Fleischwolf mit Streichersätzen, bedeutungs-vollen Pausen und Geschluchze. Wollen Zeichen setzen und rütteln ihr Publikum mit wie Presslufthammer wach. Jetzt mal übertrieben ausgedrückt ;-)

                                Barry Jenkins bedient sich keiner dieser Kunstkniffe. Sein "Moonlight" ist eine stille, gar fragmentierte Erzählung, die sich weder in überladener Symbolik ergeht, noch in den reinsten Betroffenheits-Kitsch abdriftet. Dabei wäre es doch genau das, was wir zwangsläufig erwarten, wenn Worte wie unterstes soziales Milieu, Drogensumpf und Schwarz fallen.

                                Aber das bleibt aus. Stattdessen schafft es dieser Film, wichtige Momente im Leben des heranwachsenden Chiron darzustellen, ohne uns Zuschauer gleich mit Leuchtschrift niederzuknüppeln, damit wir verstehen, dass dies alles sehr wichtig ist. Denn das ist es ohnehin. Obwohl "Moonlight" im Grunde eine Geschichte erzählt, wie sie tausendfach jeden Tag geschieht.

                                Doch das besondere Element daran ist auch, wie ein kleiner verschlossener Junge ausgerechnet im Drogendealer Juan und dessen Freundin ein gefestigtes Ersatz-Zuhause findet, welches seine Mutter ihm nicht geben kann. Es ist sehr wohl wichtig, dass Chiron schwarz ist und sich irgendwann seiner Homosexualität bewusst wird. Schließlich wird er damit nicht hausieren gehen.

                                Umso radikaler auch seine Wandlung, die wiederum das typische Klischee von der Kriminalitäts-Vorbestimmung einer Bevölkerungsgruppe zu bestätigen scheint. Aber eben auch die Maskulinität hinterfragt, die erstrebenswert stilisiert wird.

                                Es ist schon ganz große Kunst, eben jene episodenhaften Ausflüge nicht als Kreuzung aus "Boyz N The Hood" und einem farbigen "Boyhood" zu verkaufen. Die Faszination besteht auch darin, mit jeder neuen Szene selbst die Punkte zu verbinden, die uns schon präsentiert wurden. Und da offenbart sich auch die eigentliche, große Schwäche von "Moonlight": Was soll ich davon erzählen, wenn es jeder und jede Zuschauerin selbst erleben muss? Ihr braucht es nicht zu mögen. Aber zum Urteilen bedarf es das Anschauen.

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                                • 6 .5
                                  Ecto1 04.01.2018, 11:04 Geändert 06.01.2018, 13:20

                                  Meinen ersten Gedanken nach der Sichtung, möchte ich hier auch gleich als erstes rausballern! Warum hat „Moonlight“ den Oscar als bester Film erhalten? Und warum hat Mahershala Ali den Oscar als bester Nebendarsteller bekommen? Aber lassen wir das, möglicherweise, politische Geplänkel mal aussen vor und konzentrieren uns auf den Film. Warum war dies also meine erste Reaktion?

                                  Nun, auch wenn ich kein Musical Fan bin, muss man zumindest „La La Land“ doch zugestehen, dass der Film handwerklich eine ganz andere Hausnummer ist und mich als Gesamtwerk mehr zu beeindrucken wusste als „Moonlight“, der dagegen (was völlig ok ist) wie ein kleiner Indie-Film wirkt, welcher in irgend einem Arthaus-Kino sicher zu begeistern weis. Da gehören unscharfe Bereiche im Bild zum guten Ton, wirkt der Film damit doch gleich handgemachter und ehrlicher. Mich hat dies mehr gestört.

                                  Aber hier zählen ja auch weniger die Schauwerte, sondern die Schauspieler und deren Geschichte. Habe ich mich noch darüber brüskiert, dass Christoph Waltz bei „Django Unchained“ den Oscar als bester Nebendarsteller abgestaubt hatte, obwohl sein Part eigentlich gefühlt eine zweite Hauptrolle ist, so verhält es sich mit Mahershala Ali umgekehrt. Bereits nach dem ersten Akt bzw. Kapitel, verschwindet seine Figur ohne weitere Erklärung. Über sein Charisma, welches mir schon bei Netflix „Luke Cage“ zu gefallen wusste, muss man nicht diskutieren, der Typ kann Emotionen wecken. Wie gross seine schauspielerischen Fähigkeiten wirklich sind und ob selbige über den Part des charmanten Ghetto-Buben hinausgehen, muss er mir aber erst noch in anderen Rollen beweisen. Jedenfalls hätte ich mir eine längere Präsenz seiner Figur gewünscht, da so schnell eine Lücke im Film entsteht welche nicht zu füllen ist.

                                  Als Schwulendrama in einer von Machismo regierten „Ghetto-Welt“, hatte „Moonlight“ bei mir eine grosse Freikarte. Mutig, spannend….wie zeigen sich hier die Kontraste, was will mir der Film nun erzählen. Ein verwandtes Szenario lieferte mir ja schon „Brokeback Mountain“, wo zwei Männer in einer männlichen Cowboy-Welt mit ihrer Homosexualität klarkommen müssen. Doch „Moonlight“ lässt diese Fragen zu weiten Teilen offen und wagt sich nicht an Konflikte dieser Art. Es geht um den kleinen Chiron und seinen Platz in einer Welt – welche sich in diesen Gegenden oft innerhalb von zwei Blocks abspielt – welche seine sexuelle Orientierung niemals offen akzeptieren würde.

                                  Der Fokus auf diese Figur, unterteilt in drei Kapitel, war nicht genau die Herangehensweise welche ich mir gewünscht habe. Und doch hat sie mich berührt, gerade im letzten Akt, wo der gestählte Chiron als oberflächliches Testosteron-Monster seinen Gefühlen nachgeht und mit seiner Pimp-Karre seine erste, einzige und flüchtige Jugendliebe aufsucht. Hier war der starke Kontrast, welcher mich direkt an meinen eigenen Vorurteilen zu packen wusste. So ein Typ, schwul…..das passt nicht! Doch, es passt und man sollte dies akzeptieren und genau hier hat der Film vortreffliche Arbeit geleistet.

                                  Dank diesem starken Finale, hat „Moonlight“ bei mir die Kurve gekriegt und sich eingebrannt. Auch wenn ich nach wie vor der Meinung bin, dass man aus einer homophoben Macho- und Gangster-Welt, in welcher sich ein homosexueller Junge behaupten muss, einen noch intensiveres Erlebnis hätte machen können. Würde man hier den Aspekt der sexuellen Orientierung ausser Acht lassen, was ja langfristig das Ziel in unserer Gesellschaft sein sollte, wäre „Moonlight“ aber wohl um einiges belangloser aufgenommen worden.

                                  Ein guter Film, bei dem ich nicht recht weis in welche Wertungsschublade ich ihn stecken soll.

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                                  • 7

                                    Wäre die 2. Hälfte so gut wie die 1. Hälfte, hätte der Film 8/10 bekommen. Mahershala Ali's Präzens lässt den Film mega unterhaltsam werden. Moonlight ist ausdruckskino.

                                    • 6 .5

                                      Gelangweilt hat er mich nicht (das Ende kam sogar etwas zu schnell), aber ob ich ihn aus einem anderen Grund geschaut hätte, als um herauszufinden, ob er verdient den Oscar „La La Land“ oder „Arrival“ weggeschnappt hat? Eher nicht.

                                      Was mich jedoch positiv überrascht hat war, dass man nicht versucht hat, dem Zuschauer die Ideologie, Schwarze seien die großen Opfer unserer Gesellschaft, aufzuzwingen. Trotzdem hat der Film den Oscar offensichtlich aus politischen Gründen gewonnen.

                                      Ganz großes Lob jedoch an Nicholas Britell für den wunderschönen Soundtrack, den er komponiert hat. Ganz besonders für „The Middle of the World“. Gänsehaut am ganzen Körper!

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                                      • 9
                                        clarkkent 18.12.2017, 23:07 Geändert 18.12.2017, 23:08

                                        Ein leises Indi- lowbudged- coming of age-Drama, das durch seinen hervorragenden Cast besticht und ein sauberes Drehbuch vorzuweisen hat.
                                        Kein Gejammert,
                                        keine Stereotypen,
                                        kein Scheiß.
                                        Ein "BROKEBACK MOUNTAIN" in der HOOD sozusagen.
                                        Tolle Kamera und Screenplay.
                                        Bin wirklich geflasht von MOONLIGHT.
                                        Wer auf ruhige und eindringliche Storys mit Substanz steht, muss praktisch einen Blick riskieren.

                                        Highly recommended!!!

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                                        • 7 .5

                                          Ungewöhnliches Coming Of Age eines homosexuellen Afroamerikaners im Miami der 80er Jahre. Inmitten der denkbar homophobsten Umwelt zwischen Schulhänseleien, Gang-Gehabe und Drogenkriminalität wird das Heranwachsen eines eigenbrötlerischen Jungen poträtiert. Die empathische Kamera versteht die schwierige Identitätsfindung zwischen der Ersatzvaterfigur, abwesender Mutter und vom Machismo durchtränktem sozialen Umfeld in schwärmerische Bilder zu verpacken, ohne an Authentizität zu verlieren. Dabei ist die metaphorische Tiefe und mythologische Referenz vielleicht nicht immer sofort erfassbar, die vermeintlich hoffnungslose Suche nach Anerkennung und Liebe scheint in ihrer Botschaft jedoch universale Geltung zu erlangen. Ein eindrucksvoller Film, der dieses Jahr zu Recht die Herzen der Oscar-Jury gewonnen hat.

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                                          • 4

                                            Nichts gegen den Film an sich. Er ist ein Episodendrama und erfüllt die dramaturgischen Erwartungen dieses Genres. Allerdings finde ich, dass Regie und Drehbuch zu oft auf die "Tränendrüse" drücken, um Emotionen für die eigentlich doch recht oberflächlichen Figuren zu erwecken.
                                            Es klingt vielleicht hart, aber würde es hier nicht um einen schwarzen, schwulen Jungen aus der Unterschicht gehen, wäre der Film in der Belanglosigkeit verschwunden und nicht zum (für mich jetzt erst recht unverständlich) besten Film bei den Oscars gekührt worden.
                                            Ein absoluter Schlag ins Gesicht für die Mitnominierten "La La Land", "Arrival", "Hacksaw Ridge" und "Manchester by the Sea", die durchweg in vielerlei Hinsicht einfach besser waren.
                                            Ein Film, der einzig durch die tolle Leistung von Mahershala Ali einen Blick wert ist. Ansonsten haben eher die aktuellen (politischen) Umstände als die Qualität des Films für die Lobpreisungen gesorgt.

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                                            • 3 .5

                                              In der Hood aufzuwachsen reicht heute nicht mehr. Man muss dort aufwachsen und schwul sein. Dann wirds auch was mit dem Oskar.

                                              Sorry, aber das war mal gar nichts. Langweilig und belanglos.

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                                              • 5

                                                Ein sehr seichtes Episodendrama mit einer formelhaften Erzählweise. Hin und wieder kommen gefühlsvolle Momente und hübsche Momentaufnahmen zum Vorschein. Ansonsten wird die Handlung von einer eintönigen Hauptfigur getragen, inklusive dazugehörigen simplen Dialogen und einem bedeutungsarmen finalen Akt.

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                                                • 2 .5
                                                  allroundt 10.10.2017, 00:30 Geändert 10.10.2017, 00:35

                                                  Was für Bewertungen! Aber um einen Oscar zu bekommen, muss man einfach so mutig sein,und homo Momente zwischen zwei Schwarzen zeigen.Unterhaltsam fand ich nichts an dem Film.Hatte auch was ganz anderes erwartet.

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                                                  • 3

                                                    Habe ein Gangster-Sozial-Drama ala "City of God" erwartet, da ich zuvor nicht viel über diesen Film gelesen habe.
                                                    Die Szene als die Mutter sich bei Ihrem Sohn entschuldigt war der einzig starke Moment in dem Streifen.
                                                    Ich denke in den USA kann man auch als schwarzer, schwuler "frei" sein Leben gestaltet, deshalb hat der Rest mich absolut kalt gelassen - aber Geschmacksache der Film hat schließlich einen Oscar erhalten und durchweg gute Kritiken erhalten.