Mord im Orient Express - Kritik

Murder on the Orient Express

US · 2017 · Laufzeit 114 Minuten · FSK 12 · Kriminalfilm · Kinostart
Du
  • 6

    Remakes soweit das Auge reicht. Dass Hollywood teilweise ganz schön unkreativ ist, ist ja bekannt, aber eigentlich habe ich nichts gegen Remakes, wenn eine größere Zeit vergangen ist. Der sehr altmodische Krimi „Mord im Orient-Express“ musste 2017 auch mal dran glauben. Viel war davon nicht zu erwarten, aber so schlecht ist der Film gar nicht geworden.

    Basierend auf dem Roman von Agatha Christie, ist „Mord im Orient-Express“ 2017 einfach eine weitere Verfilmung von dem Stoff, welcher bereits 1974 sehr gelungen umgesetzt wurde. An der Story hat man selbstverständlich nicht besonders viel verändert, was auch keineswegs erwünschenswert gewesen wäre. Berechtigt ist allerdings die Frage, wie sehr es diesen Film gebraucht hat, weil das Drehbuch doch dieselbe Geschichte erzählt. Kennt man das Original bereits, kennt man auch die Auflösung des Falles und was macht den Streifen dann noch sehenswert?

    Ganz klar die Aufmachung und die Darsteller. Natürlich darf sich das im Jahre 2017 nicht mehr alles nur im Zug abspielen. Das Mainstreampublikum erwartet eben kein Kammerspiel, braucht etwas mehr Schauplätze und benötigt mehr Action. Wo das Original noch ohne Computereffekte auskam, muss man hier die Umgebung teilweise damit entwerfen. So richtig zu verachten ist das eigentlich nicht, denn für ein Produkt aus Hollywood hält sich „Mord im Orient-Express“ doch sehr zurück was Action und Effekte betrifft. Es gibt ein bisschen mehr davon, aber immer noch ziemlich wenig. Von daher hat Kenneth Branagh seine Sache ganz gut gemacht, weil er so wenigstens der altmodischen Vorlage gerecht wird. Trotzdem hat es mich ein wenig gestört, dass man den Zug so oft verlassen hat. Rein optisch und vom Handwerk kann man dem Ganzen jedoch wenig Vorwürfe machen.

    Ich hätte mir ja irgendwie Pierce Brosnan in der Rolle des Poirot gewünscht, aber Branagh gab sich lieber selbst die Hauptrolle und macht das definitiv gut. Die weitere Besetzung kann sich sehen lassen. Da hätten wir einen Johnny Depp, der tatsächlich noch normal spielen kann und einen soliden Willem Dafoe. Beides leider nur kleine Rollen, ebenso wie die von Michelle Pfeiffer. Penélope Cruz und Judi Dench sind ebenfalls mit dabei. Über mangelnde Größen bei den Darstellern kann man sich also echt nicht beklagen und das wird alles gut gespielt.

    Nun war mein Problem der Unterhaltungswert, denn „Mord im Orient-Express“ ist anno 2017 einfach nicht sonderlich aufregend. Das liegt eben daran, dass ich das Original kenne und dieser Film dem Ganzen nichts hinzuzufügen hat. Ein paar ganz interessante Kameraperspektiven sorgen für Abwechslung und die Auflösung des Falles ist immer noch ordentlich, doch wenn man das bereits gesehen hat, kann dieser Film nicht begeistern. So war ich dann auch nicht böse darüber, als das Geschehen zu Ende war. Trotzdem ist das alles gut gemacht und auch der Score funktioniert ordentlich.

    Fazit: „Mord im Orient-Express“ ist ein solider Film und er bleibt zum Glück ziemlich altmodisch, hält sich recht dicht am Original auf und so erfreulich das auch ist, es birgt ein Problem mit sich. Der Film von 1974 ist nämlich trotzdem besser gemacht und deshalb gibt es eigentlich keinen Grund diese neue Version der alten vorzuziehen. Und kennt man das Original, dann ist das Werk von 2017 einfach nicht so unterhaltsam, weil sich vieles ähnelt. Im Endeffekt bleiben also die handwerklich souveräne Umsetzung und die tollen Darsteller übrig, weshalb dieses Werk seine Daseinsberechtigung hat. Es soll ja schon bald eine Fortsetzung geben. „Tod auf dem Nil“ habe ich noch nicht gesehen, aber etwas mehr Eigenständigkeit wird da schon nicht schaden!

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    • 5 .5

      Natürlich ist Kenneth Branagh nicht nur ein herausragender Schauspieler, sondern auch ein vielseitiger Regisseur. Dennoch geht das Starensemble in diesem Film unter, einzig Branagh und Johnny Depp stechen heraus. Viel mehr ist dann auch nicht zu sagen - die Auflösung ist in Ordnung, aber genauso nichtssagend wie der Rest des Films. "Murder on the Orient Express" ist deshalb wie eine lange Zugfahrt selbst: ziemlich dröge und langweilig.

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      • 10

        Jedes Remake muss sich die Frage gefallen lassen, was der Grund seiner Existenz ist. Ganz abgesehen davon, dass man auf diese Weise Filmgeschichte lebendig erhält, indem man gleichsam auf ein Original verweist, besteht in einem Remake stets die Möglichkeit (ob gewollt oder ungewollt), unter Beibehaltung des roten Fadens, der Geschichte einen neuen soziokulturellen Anstrich zu verpassen. Filme sagen eben immer auch etwas über denjenigen aus der sie macht, wie über diejenigen, an die sie sich richten. Kenneth Branagh hat schon mit "1 Mord für 2" bewiesen, dass ein Remake dem Original an Brillanz in nichts nachstehen muss und es dennoch ganz anders machen kann. "Mord im Orientexpress" ist wieder so ein Beispiel für ein radikales Umdenken. Sidney Lumets Poirot ist im Grunde genommen ein Misanthrop, der sich für nichts interessiert, außer des Rätsels Lösung. Lumet entließ seine Zuschauer ebenso wie Poirot die Zuggäste im Finale in die Ratlosigkeit der moralischen Ambivalenz. Man wünschte sich, das Verbrechen wäre gesühnt, der Täter bestraft, irgendeine Art von ausgleichender Gerechtigkeit eingetreten. Aber das passiert eben nicht und es ist ein Wesenszug von Poirot sich keinen Deut um Gerechtigkeit zu scheren. Im Kontext des einstmals realen, bald nicht mehr existierenden Luxuszuges eines Kontinents, der in den ersten Weltkrieg schlafwandelte, wird diese Botschaft sogar noch einmal nachdrücklich betont.
        Schnitt.
        Branaghs Poirot ist die Antithese zu Lumets. Zwar auch verschroben, keine Frage, aber auch vom heiligen Ernst des Kämpfers für die Wahrheit und Gerechtigkeit erfüllt. Und so kommt es, dass am Ende dieser Poirot eben jene Absolution erteilt, die sich der andere Poirot zu erteilen nicht gestattete. Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Was ist Gerechtigkeit? Rechtfertigt Mord, aus welchen Motiven auch immer, einen Vergeltungsmord? Kann so ein Mord verziehen werden? Branagh beantwortet diese Frage mitunter etwas zu selbstbewusst, breitbeinig und schnauzbärtig mit JA!

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        • 4 .5

          Puh erstmal das Gute. Kenneth Branagh macht seine Sache als Darsteller recht gut und bringt die Rolle des Hercule Poirot charmant und markant rüber. Ansonsten fällt mir dazu nicht viel ein. Die restlichen Stars und Sternchen wie Michelle Pfeiffer, Johnny Depp, Judi Dench, etc. wurden verschenkt und spielten sich relativ austauschbar, unaufgeregt durch die Szenerie. Wie so oft bleibt auch bei diesem Remake der Charme, der geistreiche Wortwitz weitestgehend auf der Strecke.

          So gut Branagh seine Rolle als Darsteller meistert, so unüberzeugend agiert er als Regisseur. Keinen der Darsteller kann er Besonderes entlocken, Dialoge bleiben kaum haften und das Vorantreiben des Kriminalfalls wird verbeamtet. Schleppend, kompliziert, anstrengend. In glattgebügelter Optik mit immerhin schönen Landschaftsaufnahmen und der ein oder anderen gelungenen Kamereinstellung werden dann krampfhaft Actionszenen hineinmontiert um den Zuschauer wieder aus seinem Sofa wachzurütteln. Denn man vermutet sich zwischenzeitlich im Schlafwagon. Ein Mord, viele verschenkte Stars und verdammt viel Langeweile tuckern hier im Orientexpress umher. Nee danke ich steig aus.

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          • 5

            Ausstattung und Cast sind TOP, aber der eigentliche Film hat mich schnell gelangweilt. Auch ohne die Vorlage zu kennen, die Lösung des Falls ist relativ offensichtlich.

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            • 6 .5

              Über diese Neuinterpretation im Remake von 2017 kann und müsste man eigentlich geteilter Meinung sein,
              da die Geschichte um „den“ Mord natürlich hinreichend bekannt sein sollte,
              da eben zwangsläufig auch bekannt ist, erwartet man als Zuschauer natürlich bestimmte Szenen und Geschehnisse bzw. darauf, wie der Ablauf derselben in diesem Film eingeflochten ist.
              Was dem modernisierten Film leider, aber irgendwie auch erwartungsgemäß(?/!) abgeht,
              ist der unbestrittene Charme, den die klassische Version (1974) aufweist.
              Den Part des unsympathischen Mordopfers Ratchet, das in besagter alten Version noch Richard Widmark verkörpert hatte, wird diesmal von Johnny Depp übernommen, der es allerdings versteht, den dargestellten Unsympath erst so richtig zu präsentieren bzw. auch ein bisschen zu kokettieren
              Ich empfinde es – wenn auch filmisch gekonnt – schon ein etwas befremdlich, wenn auch kaum störend, dass einige detailliertere(!) Aufnahmen bzw, Darstellungen des Zuges eindeutig CGI sind. Der abschließende Zwiespalt, in den Hercule Poirot quasi geworfen wird, ist allerdings eine Erfindung dieser neuen Fassung und eigentlich wirklich nicht uninteressant.
              FAZIT: ein etwas besseres "ganz gut" (6,5)

              • 7 .5

                Erstsichtung: 25.03.2018
                Vorhersage 6 --> Bewertung 7,5

                Spannender Krimi mit guten Schauspielern und tollen Settings
                Außer SEHENSWERT, gibt es dazu eigentlich nicht zu sagen.

                • 7

                  Ich wusste diesen Film gab es schonmal, ich wusste auch der ist ziemlich bekannt, allerdings hatte ich noch kein Hintergrundwissen. Auf meinem letzten Flug hatte ich den Film in der Mediathek und habe mir ihn endlich mal angesehen. Ich fand den gut, ich muss den Film jetzt nicht nochmal sehen, hat mich aber gut unterhalten, tolle Schauspieler, spannender Plot.

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                  • 5

                    Problem Nr. 1: Ich kannte bereits das Ende, daher blieb die Spannung leider gänzlich weg.
                    Problem Nr. 2: Es fiel mir echt schwer, Kenneth Branagh als Poirot zu sehen. Auch wenn sein Schnurrbart gigantisch war.
                    Problem Nr. 3: So viele gute Schauspieler aber jeder einzelne war in seiner Rolle eine Verschwendung. Die Rollen hätte man durchaus an "billigere" Schauspieler vergeben können. Einzig Michelle Pfeiffer stach hervor.

                    Eigentlich will ich keine so schlechte Bewertung abgeben, weil ich das Gefühl hatte, dass man sich mit dem Film echt viel Mühe gemacht hat. Aber das Flair vom Original fehlt leider.
                    Für Leute, die das Ende nicht kennen wird er wahrscheinlich interessanter sein.

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                    • 5 .5
                      Dr.Hasenbein 20.06.2018, 20:45 Geändert 22.06.2018, 20:09

                      Ach man!
                      Was habe ich mich doch auf diesen Film gefreut!
                      Der Stoff ist genau meins, Keneth Branagh als Regisseur der richtige Mann,
                      und die Drastelleriege kann sich wirklich sehen lassen.
                      Und doch wollte das ganze bei mir nicht so richtig zünden.
                      Am Schauwert, der hier gehörig aufgefahren wird kann es auf jeden Fall nicht liegen, denn dieser ist über jeden Zweifel erhaben.
                      Aber irgendwie mag mir Branagh in der Doppelrolle, also als Regisseur und Hauptdarsteller nicht so richtig schmecken.
                      Setzt er sich und seinen Schnurrbart sehr gut und immer recht prominent in Szene,
                      müssen all die anderen tollen Darsteller unter diesem Narzissmus leiden,
                      und werden bestenfalls zu prominente Stichwortgebern degradiert.
                      Was bei Schauspielern wie Judi Dench, Willem Dafoe, Penelope Cruz, Michelle Pfeiffer, Daisy Ridley und Johnny Depp doch ziemlich dämlich und wirklich schade ist.
                      Verschiesst man damit doch ein wunderbares Kammerspiel dass auf schauspielerisch höchstem Niveau hätte funktionieren können.
                      So bleibt das ganze aber weit hinter den Erwartungen zurück,
                      hat keinen einzigen Aha Effekt zu bieten, bleibt leider völlig Spannungsarm, und kann auch am Ende nichts mehr heraus reissen.
                      Vielleicht war Branagh doch nicht der richtige Mann für den, oder die Jobs, und hätte sich besser auf eine Sache konzentrieren sollen.
                      Denn so bleibt ein nett anzusehenes, aber auch sehr selbstverliebtes Kriminalspiel,
                      dass, wenn man das Original (oder eines davon) kennt, bis auf die (zugegeben) wirklich tolle Ausstattung nicht viel zu bieten hat.
                      Da hoffe ich doch mal, dass der nächste Poirot Ausflug (auf dem Niel" deutlich besser ausfällt!

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                      • 4 .5

                        Was bei Sherlock funktioniert, funktioniert hier eben nicht. Solche Geschichten kann man nicht mehr auf diese Art glaubhaft erzählen. Natürlich weiss man, was man bekommt, aber das nächste Kriterium wäre dann eben das Flair der alten Filme. Die nämlich funktionieren zeitlos.

                        • 8

                          In Zeiten von ganz viel Kawumm, noch mehr Bang und immer weniger Story ist so ein "ruhiger" Streifen eine wahre Wohltat für die Cineasten Seele.
                          Mir hat das ganze richtig gut gefallen, wobei ich zugeben muss das ich keine der früheren Verfilmungen kenne.

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                          • 6 .5

                            Altmodisches Erzählkino trifft auf CGI-Welt und gebiert eine, aus der Zeit gefallene, Mischung aus Polarexpress, Computerspiel-cutscene und Theateraufführung.
                            Das hört sich aber schlechter an, als es der Film tatsächlich ist. Ein illustres Ensemble, angeführt von einem, in sichtbarer Spiellaune befindlichen Kenneth Branagh, gelingt es, die altbackene Geschichte unterhaltsam auf die Leinwand zu bringen.
                            Dennoch stellt sich mir die Frage, ob es wirklich Sinn macht, eine so angestaubte und bekannte Geschichte zum 4. Mal zu verfilmen, erst Recht, da sich Kenneth Branagh nicht bemüht, die Inszenierung deutlich zu modernisieren.

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                            • Ok, aber nichts besonderes.

                              • 4

                                Bereits auf die Frage, wie denn der Meisterdetektiv das Verbrechen zum Auftakt des Remakes aufgeklärt habe, bleibt er eine schlüssige Erklärung schuldig – eigentlich das Salz in der Suppe eines jeden Krimis. Nun denn, ungesalzen geht es also weiter im Programm…

                                Alles einsteigen, zurücktreten bitte, Vorsicht an der Bahnsteigkante!

                                Der Orient Express setzt sich in Bewegung. Hübsch anzusehen sind die folgenden Außenaufnahmen, trotz des oftmals eher unliebsamen CGI-Einsatzes. Und ja, auch die Passagiere sind bekannt. Viele von ihnen gehören inzwischen zwar zweifellos zur ausgemusterten Sorte, aber das geht dennoch soweit okay. Nur leider will der Zug gar nicht so recht Fahrt aufnehmen, was u.a. auch daran liegt, dass der Hauptakteur Hercule Poirot mit Kenneth Branagh, der zugleich als Regisseur fungiert, eher suboptimal besetzt ist. Und somit drängt sich schließlich dann doch wohl unweigerlich der Vergleich zur Erstverfilmung des Agatha Christie Klassikers auf, der zwar seinerzeit mit diversen Leinwandgrößen besetzt wurde, dennoch nicht gerade zu den cineastischen Meisterwerken zählt. Festzustellen bleibt aber im Grunde dennoch, dass das nicht perfekte Original, welches immerhin satte 43 Jahre mehr auf dem Buckel hat, insgesamt ein gutes Stück besser inszeniert ist, was natürlich nicht zuletzt der Regie-Ikone Sidney Lumet (u.a. „Die 12 Geschworenen“ und „Hundstage“) zuzuschreiben ist.

                                Bleibt somit festzuhalten, dass man sich die am Ende förmlich aufdrängende Neuverfilmung zu „Tod auf dem Nil“ daher getrost schenken darf!

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                                • 7

                                  Im Zeichen des ReMAYkes #2
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                                  Original: Mord im Orient Express (1974)
                                  https://www.moviepilot.de/movies/mord-im-orient-express
                                  Bewertung: 7,0

                                  $25.000.000 - so viel hat es gekostet, um Henry Cavills Schnurrbart in JUSTICE LEAGUE mittels CGI zu retuschieren*. Für das Geld könnte man Hercule Poirots Bart höchstens ein wenig an den Ecken stutzen. Kenneth Branagh trägt hier tatsächlich einen solch gigantomanischen Schnäuzer unter der Nase, das es einem schwerfällt wegzuschauen. Ich würde sogar soweit gehen zu behaupten, dass der Bart diesen Film trägt.

                                  Genug der haarigen Worte - hier handelt es sich um ein beinahe 1zu1-Remake des alten Films, lediglich der Beginn weicht etwas davon ab. Wir sehen hier somit keine Neuinterpretation der Geschichte von Agatha Christie, sondern eher eine Modernisierung der alten Verfilmung. Dies ist sowohl seine Stärke - ich würde diesen Film ebenso empfehlen wie die alte Version - als auch seine große Schwäche. Kennt man die Geschichte in ihrer Gänze inkl. der Auflösung des Falles, so fehlen einem die wirklich überraschenden Momente.

                                  Der Film ist dennoch gut gemacht und vereint ein großes Staraufgebot, sowie der alte Film die Stars der damaligen Zeit zusammenbrachte. Es bleibt also dem Zuschauer selbst überlassen, welche Hollywood-Größen er gerne an Bord des Orient-Express sehen möchte.

                                  Fazit:
                                  Steht auf einer Stufe mit der alten Verfilmung und ist definitiv einen Blick wert.

                                  Der Link zur Liste:
                                  https://www.moviepilot.de/liste/kommentarreihe-im-zeichen-des-remaykes-leinzi

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                                  • 3

                                    Da ich mich an das Original kaum noch erinnere, dachte ich ich könnte hier schön mitraten wer denn nun der Mörder ist. Allerdings wurde das alles so unspannend und langweilig inszeniert, das meine Begeisterung zum Mitraten schnell verflogen war.
                                    Auch die "Detektivarbeit" habe ich hier so ziemlich vermisst, so dass noch nicht mal ein "Aha"- oder "Wow"- Moment aufkam. Die Figuren sind alle mehr als blass, so dass ich zu diesen keinen Zugang fand. Da hat das Staraufgebot rein gar nichts genützt, was ich super schade fand, da ich viele der Schauspieler sehr gern sehe.

                                    Die Auflösung sollte dann sicherlich emotional mitreißen und Verständnis mitbringen aber da mir hier so ziemlich alles egal war, fand ich das Ende dann auch ziemlich schnarchig. Auch die ganz schönen Kostüme und Schauplätze konnten hier nichts mehr reißen.

                                    Einzig die Kameraarbeit kann ich hier loben, da hat man wirklich sehr gute Arbeit geleistet.

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                                      Laudania 23.04.2018, 20:53 Geändert 23.04.2018, 20:54

                                      Ich weiß gar nicht, warum der Film so verrissen wird. Ich fand, hier wurde ein solider Krimi inszeniert und Kenneth Branagh hat ganze Arbeit geleistet.
                                      Der Film glänzt an Bildern, Spannung und interessanten Charakteren und sein Poirot ist eine nachvollziehbare Hauptfigur, um die sich der Film nun einmal dreht.
                                      Sein Bart ist wirklich etwas groß geraten, aber hey, es gab eben Zeiten, in denen trug man wirklich solche Bärte. ;)
                                      Ja, es war nichts wirklich Neues, aber das musste es auch gar nicht sein. Wer will schon eine Neuauflage des Stoffes, die anders ist und das Flair des Romans nicht rüberbringt. Dann hätten sich alle deshalb aufgeregt. Denn Aufregungspunkte gibt es ja immer.
                                      Nein, ich kann irgendwie nicht wirklich etwas schlechtes an dem Film finden.
                                      Und ich freue mich auf den nächsten Teil.
                                      Außerdem hat mir der Film Hoffnung darauf gegeben, dass Johnny Depp doch noch nicht verloren ist...

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                                        Davon, dass Hollywood sich hier etwas komplett Neues hat einfallen lassen, kann wirklich keine Rede sein. Doch Regisseur Kenneth Branagh versucht auch erst gar nicht, in seiner Version des Agatha Christie Romans von 1934 das Rad neu zu erfinden. Vielmehr setzt er in weiten Teilen auf Altbewährtes und fügt nur hier und da neuartige Elemente hinzu. Und damit liegt er vollkommen richtig.

                                        Bei ihm wird "Mord im Orient Express" zu einer fantastischen Reise, die besonders im ersten Drittel mit viel Humor aufgelockert wird, nach und nach aber auch immer ernstere Töne erhält. Der titelgebende Zug wird dabei wunderbar märchenhaft in Szene gesetzt und wird damit zu einem eigenen Akteur in der Handlung. Natürlich spielen dabei zahlreiche Computereffekte eine Rolle, diese sind aber nie so aufdringlich oder von schlechter Qualität, dass sie negativ auffallen würden. Insbesondere was die unterschiedlichen Kameraperspektiven angeht, greift der Film auf immer neue Ideen zurück, um den Orient Express aus jedem erdenklichen Winkel zu präsentieren.

                                        Wie schon in der 1974er Adaption ist auch hier der Cast nur so mit Stars gespickt. Kenneth Branagh als Detektiv mit dem exorbitanten Schnurrbart fällt dabei der größte Part zu. Er gibt den stolzen Belgier mit einer ähnlichen Selbstverliebtheit wie einst Gilderoy Lockhart in "Harry Potter". Die amüsant-trotteligen Einschübe über den gesamten Film hinweg sorgen jedoch stets dafür, dass seine Figur nicht zu unsympathisch gerät. Auch der Rest der Zugreisenden um prominente Namen wie Judi Dench, Willem Dafoe, Penelope Cruz oder Michelle Pfeiffer bietet eine ansprechende Performance und sogar Johnny Depp spielt hier zur Abwechslung mal keine Jack-Sparrow-Kopie.

                                        Branagh bricht bei der Inszenierung das starre Korsett des Kammerspiels immer wieder auf, in dem er Verhörszenen nach draußen verlagert und die eine oder andere kleine Actionszene mit einbaut. Dabei wahrt er jedoch den Respekt vor der Vorlage und verkauft die Seele der Geschichte niemals für Gekloppe, Schießereien oder platte Gags. Stattdessen baut er ein paar interessante Referenzen mit ein, die seine Herkunft als Shakespeare-Experte verdeutlichen oder auch mal der Kunsthistorie entnommen sind. Unterlegt wird das Geschehen indes mit einem wunderbar klassisch gehaltenen Score, der meist unaufdringlich, in den kurzen Actionszenen aber auch mal vorpreschend daherkommt.

                                        So ist "Mord im Orient Express" insgesamt eine absolut gelungene und kurzweilige Neuverfilmung des Stoffes, die eine wunderbare Atmosphäre und geradezu magische Bilder bietet. Branaghs Version stellt kein typisches Popcorn-Kino dar, sondern hat vielmehr etwas Retrohaftes an sich. Wer damit etwas anfangen kann oder vielleicht einfach nur Fan von Agatha Christie ist, dürfte hier allemal auf seine Kosten kommen. Eine Fortsetzung ist wohl schon beschlossene Sache und meine Vorfreude darauf ist nach dieser Sichtung riesengroß!

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                                          Schon wieder keine neue Idee aus Hollywood.Hier wurde schon wieder ein unnötiges Remake produziert, altes Material wieder neu aufgewärmt. Man lockte mit einem Star Aufgebot nur leider nützt das nicht. Ich finde die passen alle nicht zu einander. Johnny Depp finde ich sowieso seit Jahren nur noch fremdschämend.

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                                          • 6 .5

                                            Schön anzusehender Krimi mit Starbesetzung, der das eigentliche Kammerspiel vor allem am Anfang durch viele opulente und am Computer aufgehübschte Bilder wettzumachen versucht. Der Fall selbst unterscheidet sich nicht nennenswert von der Variante von 1974, so dass es inhaltlich leider keine Überraschungen gibt, wenn man den Vorgänger noch in Erinnerung hat. Das ist schade, aber angesichts des Fallkonstrukts kaum zu umgehen gewesen. Auch die für den Fall notwendige Back-Story wirkt immer noch recht aufgeblasen und konstruiert, ich fand es schon im Original ein wenig schade, dass der gesammte emotionale Hintergrund dem Zuschauer rückblickend erzählt wird und sich der eigentliche Fall nach dem Mord quasi nicht mehr weiterentwickelt. Das Original kann natürlich mit nostalgischem Charme und der Besetzung seiner Zeit punkten, rein vom Unterhaltungswert finde ich diese Version aber nicht weniger gelungen und sogar einen Tick kurzweiliger.

                                            • 6

                                              Kann mir gut vorstellen, das der Film wenn man die Story bereits kennt, noch schlechter bewertet wird.

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                                              • 5
                                                sachsenkrieger 05.04.2018, 22:50 Geändert 05.04.2018, 22:50


                                                Nichts gegen gut gemachte Remakes wie das von DREDD (hihi), ROBOCOP (hoho) oder BEN HUR (huhu), aber das hier war eher weniger gut. Mit Kenneth Brannagh bin ich noch nie so richtig warm geworden, zu theatralisch waren mir seine bisherigen Inszenierungen. Klar ist bei MORD IM ORIENT EXPRESS die Auflösung des Ganzen mittlerweile auf dem Bildschirm eingebrannt, aber trotzdem hat es bei einigen weniger subtilen Hinweisen im Film gewaltig unter der Schädelplatte geziept. Trotz vieler blass bleibender Schauspieler kein wirklicher Vergleich mit dem Original ... in dem übrigens nicht Peter Ustinov den Detektiv Hercule Poirot mimt...

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                                                • 5 .5
                                                  RedMoon-1973 02.04.2018, 19:51 Geändert 03.04.2018, 01:58

                                                  Ich kenne die beiden Originalgeschichten von Agatha Christie von gefühlt vor 30 Jahren. Kann mich aber kaum an etwas davon erinnern, auch die Auflösung kannte ich nicht mehr, war ja damals ein pubertierender Draufgänger ;-)

                                                  Ich musste mich zeitweise duch die Handlung quälen. Der Anfang war aufgrund der phantastischen optischen Eindrücke wirklichg gut. Das Ende dann aufgrund der überraschenden Auflösung auch sehr kurzweilig.

                                                  Aber der Mittelteil war stellenweise richtig langatmig. Auch die befragten Fahrgäste vermochten kein Interesse in mir zu wecken, verblieben sie doch stellenweise wie blasse Fassaden in der Landschaft (jetzt rede ich schon wie Poirot).

                                                  MiOE ist beileibe kein schlechter Film, aber auch nicht der große Wurf, den ich mir erhofft hatte. Vielleicht habe ich mir einfach zu viel erhofft.

                                                  Aber trotzdem werde ich mir auch den Nil-Fall ansehen, denn Besetzung, Optik und das "Agatha-Christie Feeling" sind über alle Zweifel erhaben.

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                                                  • 7

                                                    Ist natürlich schwierig hier den Zuschauer, der das Original kennt wirklich zu überraschen da die Story und dessen Ende bekannt ist . Also bleibt quasi nur die Machart und die darstellerische Leistung. Ich hab eins gelernt nach vielen Enttäuschungen in der Filmbranche, steck die Erwartungen nicht zu hoch. Darum muss ich sagen mir hat der Film ganz gut gefallen. Bestimmt kein Meisterwerk aber besser als ihn die Kritiker und die Zuschauer bewertet haben.

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