No! - Kritik

No!

CL/US/FR · 2012 · Laufzeit 118 Minuten · FSK 6 · Drama · Kinostart
Du
  • 7 .5

    Ein durchaus problematischer Film. Menschen sind manipulierbar. Die Demokratie hängt von einzelnen Strippenziehern ab, die Emotionen nutzen. Inhalte bleiben auf der Strecke, Daten sind unwichtig, Fakten ohne Bedeutung.

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    • 8

      Es ist mehr als nur eine Dokumentation des Referendums in Chile von 1988 und auch das Ende sieht keinen klaren Sieger, auch wenn General Pinochet Hände schüttelt und Orden verleiht. Der Film will nur ein begleitender Kommentar sein, um eine Diktatur abzuwenden. Das zeitlose Thema ist die Macht der Medien und die Manipulation der Bevölkerung. Da trifft es die Nähe zu ‘Wag the Dog‘ schon eher. In einer Zeit mit Trump als Präsident und den Fake News allenthalben bleibt es ein wichtiger Film.
      Es ist ein TV Krieg zwischen der No-Champagne (ein bunter Regenbogen aus Pinochet Gegnern) und der Si-Champagne (staatlich gelenkte Aktivität) um eine Volksabstimmung. Jede Seite erhält 15 Minuten Sendezeit. Die Diktatur gibt sich liberal, weil sie siegessicher ist.
      Meinungsverschiedenheiten innerhalb der No-Leute und der Austausch der wichtigsten Argumente könnten fast überall hin passen. ‘Ja Sagen‘ zum Beibehalten des Wohlstandes mit Hinweis auf die wirtschaftlichen Erfolge der Diktatur. So haben bei uns schon kurz nach 1933 die Nazis gepunktet. Aber die Regierung ist nicht ganz untätig: es läuft eine diffamierende Schmutzchampagne mit den üblichen Stigmata ‘Die No-Leute sind Homosexuelle und Kommunisten.‘ Man wird beobachtet oder durch Telefonterror eingeschüchtert. Und um es anschaulicher zu machen, steht der Werbefachmann René (Gael Garcia Bernal, der einzige Profi im Ensemble) als geschiedener Vater mit Sohn im Mittelpunkt des Films. Internationale Stars wie Steve Reeves; Jane Fonda oder Richard Dreyfuss sind zu sehen und wie eine Demo der No-Leute von der Polizei platt gemacht wird. Die Zuschauer in Chile und überhaupt müssen selber entscheiden, was Sache ist. Darauf kommt es Regisseur Pablo-Jackie-Larrain wohl an. Auch dass die No-Champagne erfolgreich war, spielt für den Fortgang der Ereignisse in Chile letztendlich kaum eine Rolle. Nur das Motto der No–Champagne bleibt ‘Chile, die Freude erwartet uns!‘

      • 2

        Konnte leider mit dem Film nichts anfangen, weil das Thema für mich zu weit weg war. Interessant scheint er zu sein, aber spannend oder sonst was war er nicht genug um mich konzentriert vorm Bildschirm zu halten.

        • 8

          THE REVOLUTION WILL BE TELEVISED

          Chile 1988: General Pinochet beugt sich dem internationalen Druck und ruft sein Volk zur Wahl auf. Der Opposition werden großzügig tägliche fünfzehn Minuten Sendezeit im staatlichen Fernsehen gewährt. Schließlich ist das Prozedere eh nur pro forma als demokratischer Akt zu verstehen. Bis ausgerechnet Werbe-Fachmann René an Bord kommt und dseinem Volk das NO der Pinochet-Gegner in einer gewitzten und neuartigen Marketing-Kampagne näherbringt.

          Geschichtstunde einmal anders. Das ist "NO!". Ein Film über eine Revolution, bei der sich nicht hunderttausende auf den Straßen mit entblößtem Oberkörper den Waffen der unterdrückerischen Militär-Macht entgegenstellen. Wo nicht aller fünf Minuten zur tiefsinnigen und vor Bedeutung triefenden Jahrhundert-Rede ausgeholt wird.

          Stattdessen wagt sich dieser Film an den langen Weg zur einheitlichen Kampagne der verschiedenen Fraktionen, die Pinochet endlich stürzen wollten. Da muss René seine Ideen wie bei einem Werbe-Meeting geradezu verkaufen und wird noch für seine "lebensnahen" und "schicken" Spots angegangen. Weil so mancher Clips ohne Mahnung und Todeszahlen als Verhöhnung der zahllosen Opfer des Regimes ansehen.

          Ich will ganz ehrlich sein. "NO!" könnte den Blick auf die damaligen Ereignisse und die Rolle der realen Kampagne sogar leicht verklären. Keine Frage verläuft alles in diesem Film etwas zu geschmeidig. Erst laufen die Köpfe bei den Debatten rot an, dann schlagen die einzelnen Sende-Beiträge doch volle ein.

          Eines jedoch stimmt auch. Dass "NO!" mit seiner Sichtweise ein gutes und vielschichtiges Bild einer Gesellschaft einfängt, in der die meisten Mauern in den Köpfen der Menschen gezogen wurden. Leute wie Renés Haushaltshilfe flüchten sich lieber in die Vorstellung, dass ihnen doch gut geht. Und reduzieren die Toten und Verschwundenen lieber auf die Last schwarzer, vergangener Tage. Während Pinochets Stab, nicht ganz unlustig, den General in schwülstigen Spots zum umsorgenden Landes-Papa stilisieren, dem sich weinende, dankbare Kinder um den Hals schmeißen.

          Und wie gesagt, auch der Fokus auf die NO-Kampagne erzählt eine überaus interessante und erwähnenswerte Geschichte. Die einer Werbung, die versuchen musste, das Volk ohne Holzhammer-Rhetorik und Schreckensbilder zur Abwahl des falschen Staats-Chefs zu bewegen. Dabei mag "NO!" ein wenig wirken wie der Film zum Mauerfall 1989, der ausschließlich im SED-Büro spielt.

          Aber dieser Blick über die Schulter der Macher lohnt sich. Allein schon wegen der Video-Optik samt kleinem Bildformat. und weil die Werbespots, ob sie nun nachgestellt wurden oder nicht, durchaus so spannend und bewegend sein können wie Szenen von Massen-Demonstationen und Leuten, die sich vor Freude in die Arme fallen.

          3
          • 7

            Natürlich hat man schon sehr viel über die damalgen Vorfälle ehört und gelesen, war aber altersbedingt und geographisch dann doch zu weit entfernt. Ob der Film nun historisch absolut korrekt ist spielt nicht die größte Rolle, da der Film auf jeden Fall funktioniert.

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            • 8 .5

              Ganz feiner, klug durchdachter (und witziger!) Film über das Ende der Pinochet-Diktatur, weniger ein Sieg der Demokratie als ein Sieg der Werbung. Aus Untertan mach Konsument.

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              • 7

                Larrains großes Verdienst ist, über diese geschichtlich vor allem für Chile relevante und deswegen nicht jedermann geläufige Volksabstimmung aufmerksam zu machen. Ob das nun historisch korrekt wiedergegeben oder fiktiv und verklärt ist, mag dahingestellt sein. Selbst wenn der Regisseur alles tut, um authentisch zu sein, und sogar alte Videokameras zum Filmen einsetzt. Wichtig ist hier letzlich nur der originelle Blickwinkel seitens der Werbeagenturen, die mit der Erstellung der Spots für die jeweiligen Kampagnen betraut waren.

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                • 6 .5

                  Ein inhaltlich hochinteressanter Film; der Widerstand gegen Diktatoren ist halt ein großes Thema. Der Film hätte allerdings etwas aufregender sein dürfen.

                  • 7 .5

                    [...] Unterhaltsam, aufklärend und historisch relevant bleibt "No!" jedoch ohne Zweifel. Zudem bietet er einen Blick in die Welt der Werbung, zeigt die Mechanismen ihrer Funktionalität und die Macht, die von zielgerichteter, gut durchdachter Propaganda ausgehen kann. Sie kann ein ganzes Volk aus der Lethargie reißen, ihm neuen Mut und Kraft verleihen und letztendlich für eine Veränderung sorgen, die nicht mehr für möglich gehalten wurde. Natürlich kann sie auch als negatives Instrument genutzt werden, was die Vergangenheit schon hinreichend gelehrt hat. "No!" zeigt mal positive Manipulation durch die Kraft der Bilder und die Wirksamkeit gezielter Schlagworte. Ein guter und wichtiger Film. Nur eben nicht optimal.

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                    • 5

                      NO! NADA! NADIE! NUNCA!
                      NEIN! NICHTS! NIEMAND! NIE!

                      NEIN! Ich habe einen Schrei erwartet, eine gewaltige Empörung, die mich überrollt! NICHTS! Ich habe gewusst, Gael García Bernal (René Saavedra) ist der perfekte Schauspieler für diese Rolle! Ich liebe ihn! NIEMAND! Ich dachte nach jeder Szene, jetzt wird der Film losgehen! NIE! Er wurde sogar langwierig. Ich hatte alles gehofft: Die Werbekampagne der Gegner Augusto Pinochets im Vorfeld des nationalen Referendums im Jahr 1988 ist ein Thema, das mich hätte fesseln müssen. Ich wusste, dass die Recherche historisch korrekt war. Pinochet verliert am Ende gegen alle Erwartungen die Abstimmung mit 44 zu 56 Prozent der abgegebenen Stimmen!: Das hätte die ganze Zeit eine unerhörte Spannung bringen können um auf eine gigantische Euphorie zu enden. Aber, welche Enttäuschung! Der Film war langweilig, unpersönlich und überhaupt nicht mitreißend. Es war ein interessanter Bericht aber: NEIN! Kein guter Film!

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                      • 7

                        [...] Wenn man „¡No!“ etwas vorwerfen möchte, dann, dass die Synergie aus dokumentarischem, zeitgemäßem Kolorit und die konsequente Differenzierung der Gut/Böse-Dialektik zu schwammig geraten ist, um Larraíns Film zu einem wirklichen Meisterwerk machen zu können. [...] Während „¡No!“ aber die Mechanismen der Werbekampagnen als ironischen Kleinkrieg zwischen den Fronten der Demokratie und Diktatur zementiert, ist es René Saavedra, der mit Jingles, Esprit und bunten Farben das Regime in die Knie zwingen möchte, dabei aber auch eine Entwicklung als Vaterfigur durchmacht, ohne diese Emotionalität als puren Selbstzweck verschleudern zu wollen. ¡No!“ ist kurzweiliges, aber niemals anspruchsloses Polit-Kino. [...]

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                        • 7 .5

                          No! besticht einerseits durch Zeitkolorit, andererseits ist der Film so sehr auf seine zentralen Ereignisse bezogen, dass die sozialen Stimmungen und Schwankungen, um die es aber ja im Hintergrund zwingend auch geht (die Kampagne spielt ja nicht im luftleeren Raum), etwas zu sehr in den Hintergrund geraten und dadurch Empathie verloren geht.

                          Technisch wie auch darstellerisch ist nichts auszusetzen, im Gegenteil, es ist schon oft benannt worden: Durch das Drehen im gleichen Format und Material wie die originalen Ausschnitte wurde sehr viel Authentizität im Äußeren erreicht (auf der Tonspur fällt dann doch auf, was Original und was Film ist, aber das werte ich eher als Pluspunkt, dass dem Publikum zumindest die Chance eingeräumt wird, zu wissen, was "echt" und was nachgedreht ist).

                          Aber die ganzen gesellschaftlichen Konflikte werden eben vernachlässigt. Die Freude der jungen Menschen über das Ergebnis wird im Vorfeld nicht nahe gebracht, weil die Stimmung bei den GegnerInnen Pinochets nicht vermittelt wird. Ebenso wird nur sehr sehr fragmentarisch darauf eingegangen, warum es so viele Anhänger eines der übelsten Diktatoren der Geschichte in der breiten Bevölkerung gab (wird mal kurz angerissen in 10 Sekunden Frage an die Haushälterin, aber (auch dort) deutlich zu oberflächlich).

                          Auch der Konflikt über die Frage, wo die ethische Grenze des Vertretbaren liegt, eine politisch-humanistische Frage mit kommerziellen Werbemitteln zu lösen zu versuchen, wird in wenigen Sekunden angerissen und dann ignoriert, weil der Fragende explodiert und geht.

                          Das ist sehr schade, weil eben so viel Handwerkszeug stimmt. Etwas mehr Herz, und der Film hätte "historisch mehr mitreißen" können, so bleibt die Darstellung für meinen Geschmack etwas zu nüchtern.

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                          • 7

                            Guter Geschichtslektion im Kino.

                            Chile Ende der 80er, Pinochet muss weg. Der Wahlkampf kommt in die heisse Phase. Das, ich nenne es mal, "Demokratie-Komittee" hat gerade mal 15 Minuten Fernsehzeit pro Tag, die sie nutzen will um den Chilenen das Ende der Pinochet-Herrschaft schmackhaft zu machen. Was der Film zeigt ist zum einen, ein im Retro-Stil gehaltener Film über die Zustände im Pinochet-Chile und andererseits eine Dokumentation über die Macht von guter Werbung.
                            Die einzige Schwäche des Films liegt darin, sich nicht zwischen Dokumentarfilm und Spielfilm entscheiden zu können. Was daraus resultiert ist eine bewusste Verschmelzung aus Originalbildern und Bildern im Retro-Look, was mir persönlich nur mässig zugesagt hat.

                            Ansonsten ist der Film jedoch sehr gut und für jeden, der sich für eines der Themen (Werbung bzw. Pinochet) interessiert ein Pflicht-Kinobesuch oder ein Pflicht-DVD-Kauf.

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                            • 8

                              Es muss ein tolles Gefühl sein einen Moment mitzuerleben, in dem Geschichte geschrieben wird, der Moment in dem ein ganzes Volk von kollektiver Aufbruchsstimmung erfasst wird oder zumindest alle Gleichgesinnten eines Volkes. In "No!" wird von so einem geschichtsträchtigen Moment erzählt und von denen, die diese Veränderung in die Wege leiten. Das Volk Chiles wird zum ersten Mal wählen, SI und NO stehen zur Auswahl, SI steht für den Diktator Pinochet und seinen Machterhalt, NO führ eine Machtablösung und die Demokratie. Man begleitet den Werbefachmann René Savaadra, der die NO-Kampagne leitet und die Bevölkerung Chiles so vom Nein gegen Pinochet überzeugt. Stilistisch ist der Film überaus gelungen, denn es wurde mit der Technik der 80er Jahre gedreht und so wirken die Aufnahmen gekoppelt mit dem Archivmaterial wie aus einem Guss. Der Film ist mit schwarzem Humor angereichert und nimmt den Zuschauer gefühlvoll mit in diesen besonderen Moment des chilenischen Volkes. Gael García Bernal verkörpert die Hauptfigur herausragend und ist einer der wichtigen Bausteine für diesen packenden Film.

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                              • 8

                                PiNO!chet muss weg!
                                "No!" erzählt wie Ende der Achtziger auf internationalen Druck hin der chilenische Diktator Pinochet eine Volksabstimmung über seine Herrschaft zuließ und diese (Spoiler for History) tatsächlich verlor. Man weiß also wie es ausgeht und so folgt man mehr fasziniert und amüsiert als gespannt wie Gael García Bernal als Werbeprofi gegen den Widerstand der politischen Opposition eine positive (!) Kampagne für das Nein-Votum gegen Pinochet entwirft, die erfolgreicher ist als die staatliche Sí-Propaganda, die sein Chef betreut. Rund 30 Prozent des oscarnominierten Films bestehen aus Archivmaterial und man merkt dies als Zuschauer kein bisschen, da die Filmemacher No! auf die gleiche Weise, d.h. mit gleichem Material, gedreht haben wie die Werber damals ihre 15-minütigen Spots, mit denen sie bis zur Abstimmung einen Monat lang täglich auf Sendung gingen. Bei eben jenen Werbeclips handelt es sich ganz sicher um die Originale.

                                Unbedingt als Chile-Double Feature mit Costa Gavras' ausgezeichnetem "Missing" (1982) mit Jack Lemmon schauen, der nach dem Militärputschs Pinochets gegen Allende spielt. Also zuerst "Missing", dann "No!".

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                                • 7

                                  Ein Geschichtsfilm! Wir erinnern uns an den Putsch gegen Allende 1973 und an die blutige Diktatur von Pinochet. Das alles taucht im Film auch immer mal wieder als Dokumentarmaterial auf. Der Film ist geschickt mit alter Technik gemacht (etwas weniger ins Gegenlicht gefilmt hätte aber auch gereicht), so dass man die Übergänge zum verwendeten Originalmaterial kaum bemerkt. Die Handlung hält nicht immer die Spannung, zeigt aber gut die Macht der Bilder und Werbebotschaften um Menschen zu erreichen. Das alles steht im Widerspruch zu den harten Fakten von tausenden Verschleppten, Gefolterten und Ermordeten. Wenn man aber diese Bilder zeigt, kann man keine Mehrheiten mobilisieren.

                                  Und das alles ist, 25 Jahre später, in noch ausgeklügelteren Kampagnen, überall auf dieser Welt, nicht anders geworden.

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                                  • 7

                                    Die professionellen Darsteller um Bernal und Alfredo Castro als sein Gegenspieler sind so brillant wie das auf einem Theaterstück von Antonio Skármeta beruhende Buch und die präzise Inszenierung. So hält der Film seine Zuschauer 118 Minuten unter Hochspannung, obwohl der Ausgang der Geschichte bekannt ist. Zum Oscar hat es, im Schatten von Hanekes „Liebe“, zwar nicht gereicht. Doch auch so bleibt „¡No!“ das Wunder eines unterhaltsamen und gänzlich unheroischen Politfilms, der uns mehr auch über unsere Demokratie erzählt, als wir vielleicht wissen wollen.

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                                    • 9 .5

                                      Obwohl die Handlung bisweilen märchenhaft oder doch wenigstens absurd anmutet, wirkt No! äußerlich wie ein Dokumentarfilm. Eine Ambivalenz, die den Film grundsätzlich bestimmt

                                      • 8

                                        Die Politik des Nein-Sagens und des Widerstands macht Spaß in dem klugen und packenden historischen Drama No!.

                                        • 7 .5

                                          Eine kluge, nachdenkliche und unterhaltsame Metapher über die Werbemechanismen im Wahlkampf, Zivilcourage und den Mut, sich in einer Diktatur zu wehren.

                                          • 7 .5

                                            Pablo Larraíns Film "No!" ist mehr als chilenischer Geschichtsunterricht. In den Zeiten neu entstehender bürgerlicher Teilhabe, demokratischer und antikapitalistischer Bewegungen, führt dieser Film vor, dass es einmal möglich war, einem Diktator in einem Referendum die Stirn zu bieten. Mit einer Mischung aus Werbung, Anarchie, Überzeugung und Glück.

                                            • 7 .5

                                              Spannendes Drama, dass das Referendum um die Amtszeit Pinochets mittels einer Werbekampagne auf's Korn nimmt. Exzellente Darsteller, kammerspielartige Szenen und ein 90er Jahre Videolook bringen authentisches Kino auf die Leinwand. Oscarnominierung für den besten ausländischen Film und verdienter Gewinner zahlreicher Festivalpreise.

                                              • 8

                                                Mit der Figur und der Kampagne des konsumbewussten, Skateboard fahrenden Werbers feiert "No!" einerseits eine Pop-oppositionelle Haltung, die in Losungen wie "Subversion durch Affirmation" ihren Ausdruck fand. Andererseits bestätigt deren Erfolg die Funktionstüchtigkeit eines Systems, das auf entpolitisierten Oberflächenglanz baut.

                                                • 7

                                                  Regisseur Larraín macht kein Hehl daraus, wem seine Sympathien gelten, was sich bereits in der Schauspieler-Auswahl abzeichnet: Der „Gute“ René Saavedra wird von einem Sympathieträger dargestellt, einem der beliebtesten spanischsprachigen Schauspieler, obwohl dies erforderlich machte, dass sich der Mexikaner Gael García Bernal einen chilenischen Akzent aneignen musste. Den „Bösen“ Luis Guzmán verkörpert der chilenische Darsteller Alfredo Castro hingegen mit finsterer Miene und deutlicher Humorlosigkeit. Trotz dieser Parteinahme umschifft Pablo Larraín die Gefahr, zu ideologisieren, die Pinochet-Anhänger zu sehr als Abziehbilder darzustellen. Seinen Film zeichnet vielmehr dieselbe Leichtigkeit, die feine Ironie aus, die auch die darin beschriebene Werbekampagne charakterisiert. Dennoch: Dass bei der freien Volksabstimmung 46 Prozent mit „Ja“ stimmten, war gewiss nicht nur darauf zurückzuführen, dass die Diktatur (fast) die gesamte Medienlandschaft kontrollierte. Darüber hinaus muss Augusto Pinochet bei einem nicht zu vernachlässigenden Teil der Bevölkerung Rückhalt gehabt haben. Was für Menschen diejenigen waren, die Pinochet gewählt haben, bleibt bis auf die klischeehafte Figur des Luis Guzmán als Handlanger der Diktatur völlig im Dunkeln. Schade, dass dies Pablo Larraíns Film um der politischen Korrektheit willen kaum anreißt.

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                                                  • 6

                                                    Lehrreich und interessant ist No durchaus geworden [...]. Spannend wird es hingegen eher selten, und selbst der Unterhaltungswert der Medienkampagne kann nicht über die unangenehm spürbaren Längen hinwegtrösten.