Parasol - Mallorca im Schatten - Kritik

Parasol

BE · 2015 · Laufzeit 77 Minuten · FSK 12 · Komödie · Kinostart
Du
  • 6 .5

    [Valéry Rosier] hat sein Langfilmdebüt ungeheuer sicher und stilbewusst inszeniert und komponiert, voller Poesie, Melancholie und leiser, absurder Komik. Er mischt Laien mit professionellen Schauspielern, dreht, wenigstens vermeintlich, auch spontan an Originalschauplätzen. [Julia Teichmann]

    • 8 .5
      AktionMorgenluft 12.06.2016, 12:55 Geändert 12.06.2016, 12:57

      Parasol besteht aus drei episodisch verlaufenden Geschichten. Pere ist Touristenführer in Mallorca und Fahrer einer Bimmelbahn, mit welcher er Touris durch die Gegend befördert. Seine Tochter, die eigentlich bei ihrer Mutter lebt, ist zu Besuch bei ihm und will ihren Geburtstag feiern. Rentnerin Annie aus Belgien möchte endlich ihre Internet-Bekanntschaft treffen. Damit sie dieses Treffen realisieren kann, ist sie mit einer Seniorengruppe nach Mallorca gereist, der sie auch noch ständig aus dem Weg gehen muss. Der Brite Alfie ist mit seinen Eltern nach Mallorca gekommen, damit aber nicht so ganz glücklich. Er will Spaß und die große Ferienliebe.

      Parasol gewann seinen Publikumspreis in der Schweiz beim Festival du Film Français d’Helvétie. Der sympathische Regisseur Valéry Rosier stand nach der Vorstellung für Publikumsfragen zur Verfügung. Mit einem winzigem Budget und einem 4-Mann-starken Team wurde Parasol in Mallorca realisiert. Sein Film fiel vor allem durch die visuelle Gestaltung auf. Die Hauptfiguren agieren häufig nur auf einer Seite der Szene, welche außerdem symmetrisch aufgebaut ist, wie man es bereits aus Filmen Ulrich Seidls kennt. Dadurch wirken Rosiers Figuren alle deplatziert und vom Rest ihrer Umgebung isoliert.

      Mit liebevoller Zuwendung nähert man sich diesen entrückten drei Charakteren an und bangt mit ihnen, auf dass sie zu ihrem Glück kommen mögen. Alle Darsteller in Parasol sind Laien, die von der Insel kommen und aus der Zeitung rekrutiert wurden, außer Julienne Goeffers, die aus Belgien stammt und die Figur der Annie spielt. Rosier gab an, dass der Film demnach eine große Lüge enthält: Es gibt dort nämlich keine Deutschen. Der Seitenhieb auf die dort vorherschende Tourismus-Maschinerie sorgt auch für so einige Schmunzler und gibt dem Film eine ganz eigene Note. So entwickeln sich die Touristen Stück für Stück zurück, werden ausgelassener und infantiler. Rosier verglich den Tourismus im Nachhinein auch mit einer Mutter, die ihre Kinder umsorgt - das von der Realität sicherlich nicht ganz so weit entfernt ist.

      Parasol ist durch und durch von einer stillen Melancholie geprägt, welche die eigentlich vorherrschende Urlaubsstimmung ins Gegenteil verkehrt. Alle Figuren sind zögerlich und behutsam, gieren aber nach der Veränderung und nehmen dafür einiges in Kauf. Es ist die Stimmung aller drei Episoden, die eine Verbindung zwischen den Figuren und auch dem Zuschauer schafft. Dieser dürfte sich nämlich an einigen Stellen wiedererkannt haben, sei es im falschen Stolz, in unbegründeten Ängsten, dem Grad der Anpassung oder dem Gefühl, einsam zu sein. Das sind Rosiers Themen und er vermittelt sie virtuos.

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