Playing God - Kritik

Playing God

DE · 2017 · Laufzeit 95 Minuten · FSK 6 · Dokumentarfilm · Kinostart
Du
  • 6

    [...] Der Titel zielt darauf ab, ob es nicht Gott vorenthalten sein sollte, über den Wert eines Menschen zu richten und stellt ganz grundlegend die Frage, ob es nicht unethisch ist, so viel Macht in einer Einzelperson zu bündeln – gerade angesichts der einflussreichen, religiösen Lobby in den USA eine Frage von ungeheurer Sprengkraft. Es macht aber auch deutlich, wie ohnmächtig private Einzelkläger gegenüber den großen US-Konzernen sind, die sich nach groben Fehltritten der schützenden Hand des Staates sicher sein können. Besonders eindringlich wird dies durch die Gegenüberstellung von Pensionären und Rentnern veranschaulicht, die im ganzen Land um ihre Renten fürchten müssen und den Gehaltskürzungen von Investment-Bankern, die Feinberg im Zuge des großen Finanzcrashs vornehmen musste. Während mit der vollständigen Rückzahlung staatlicher Kredite in den großen Banken wieder die Millionen-Boni flossen, gehen Rentner wieder arbeiten, weil das Geld nicht zum überleben reicht. [...]

    1
    • 7

      In ihrem Film Playing God porträtiert die deutsche Regisseurin Karin Jurschick Feinberg und seine Arbeit. In ruhigen, zurückgenommenen Bildern zeigt sie ihn als einen erfolgreichen, aber nicht unsympathischen Ostküstenanwalt, einen scharfsinnigen, kühl argumentierenden Mann. [Alexandra Endres]

      • 6 .5

        Karin Jurschicks aktuelles Werk Playing God ist gänzlich unaufgeregt bei der Bildauswahl, und das ruhige Wesen der Doku passt genau zum Protagonisten, ohne langweilig zu wirken. [Claudia Nitsche]

        • 7

          Die Dokumentaristin Karin Jurschick spinnt entlang von Nachrichtenbildern, Archivaufnahmen, Interviews mit Betroffenen und ruhigen Landschaftsimpressionen im Golf von Mexiko in Playing God ein bewundernswert komplexes Netz, um Feinbergs ambivalentes Wirken in allen Facetten zu durchleuchten. [Alexandra Wach]

          • 6

            Vielfältige Fragen wirft Jurschick auf, ohne sie beantworten zu können oder zu wollen. [...] „So ist eben das System“, sagt er einmal und er ist nur ein Teil davon. Befriedigend ist das vielleicht nicht, aber die Realität. [Michael Meyns]

            • 7

              Der Filmtitel wirkt an keiner Stelle überzogen. Am deutlichsten wird dies bei den Szenen, die in Feinbergs Haus entstanden sind, zum Beispiel spät abends, in der Küche: Gott im Kapitalismus ist ein müder Mann mit Strickjacke, der nach einem langen Arbeitstag seinen hungrigen Kopf in den Kühlschrank steckt.
              "Playing God" ist ein zutiefst philosophischer Film.
              (Amnesty Journal 2-3 2018)

              • 8

                Der Filmemacherin Karin Jurschick (»Danach hätte es schöns ein können«) gelingt es in ihrem Dokumentarfilm vortrefflich, das eher trockene Sujet staatlicher Entschädigungszahlungen mit einer klugen kommentarlosen Montage zu einer erhellenden und mitreißenden Reise in die Abgründe institutioneller Vernunft zu nutzen. [Silvia Hallensleben]