Pleasantville - Kritik

Pleasantville

US · 1998 · Laufzeit 123 Minuten · FSK 6 · Drama, Komödie, Fantasyfilm · Kinostart
Du
  • 7 .5
    EudoraFletcher68 31.05.2018, 07:20 Geändert 22.07.2018, 21:08

    Zwei Geschwister werden in die gleichnamige sw-Familienserie aus den 1950ern, in der eine sexualitäts- uns aggressionsfreie absolute Idylle herrscht, hineingezogen und müssen schauen, wie sie da zurechtkommen. Es handelt sich um die Lieblingsserie vonDavid/Bud Parker (Tobey McGuire).
    ANFANG kleiner HandlungsSPOILER: Die Schwester bringt die Welt der Idylle durcheinander und verführt einen Jungen zum Sex. Jeff Daniels, den ich seit „the Newsroom“ sehr schätze in einer schönen Nebenrolle als Besitzer des Cafés mit künstlerischen Ambitionen, dem sein Leben zu langweilig ist. Aufgrund des Verhaltens von David/Buds Schwester beginnt die Welt in Pleasantville Farbe anzunehmen. Total nett, wie Mary Sue (Rees Witherspoon) ihre Mutter über Sex aufklärt. Als diese dann zum ersten Mal einen Orgasmus erlebt, gibt es eine kleine Explosion.
    ENDE HandlungsSPOILER

    Man weiß nach einiger Zeit gar nicht mehr, ob man den Einwohnern von Pleasantville ihre Naivität zurück wünschen würde, denn die Veränderungen bringen eigene Probleme mit sich.

    26
    • 8
      Ecto1 13.04.2018, 07:59 Geändert 13.04.2018, 08:04

      Fast jeder kennt wohl die Situation. Man wirft einen Film in den Player den man bis dahin noch nie auf dem Schirm hatte, einfach weil sich die Synopsis spannend liest und klingende Namen auf dem Cover strahlen. Man sitzt also ohne grosse Erwartungen im Heimkino und ist 120 Minuten später nur noch begeistert.

      So erging es mir vor vielen Jahren mit „Pleasantville“, einem Film der trotz drei Oscar Nominationen irgendwie immer unterhalb meines Radars geflogen ist. Und vor kurzem durfte ich mich wieder von meinem Ersteindruck bestätigt fühlen.

      „Pleasantville“ ist eine Hommage an das Kino und die Kunst, Geschichtsfilm, Komödie, Liebesdrama und Seifenoper in einem. Nie zu schwer und leicht verständlich, sondern mit der richtigen Portion Leichtigkeit und Naivität.
      Ein Film voller Magie, der dennoch auf dem Teppich bleibt und die Grenze zwischen Wunderland und Realität auf gekonnte Weise zu verwischen weis.

      Natürlich könnte man das Drehbuch im Detail bemängeln, z.b dass keine echten Konfliktsituationen eintreten und die Spannung dadurch eher mässig ist. Keine Figur kommt hier in echte Gefahr, es gibt keine tickenden Zeitbomben oder ausweglose Situationen.

      So brav wie der Ort Pleasantville ist – ob in Farbe oder nicht – so brav spult der Streifen auch seinen Geschichte herunter. Aber gerade diese Art macht „Pleasantville“ für mich zu einem echten Wohlfühl-Film.

      Wer sich auf dieses harmlose aber grandios umgesetzte Werk einlässt, bekommt als Belohnung wunderschöne, kontrastreiche Bilder und tolle Schauspieler zu sehen. Unterlegt mit einem vorzüglichen Soundtrack, lädt „Pleasantville“ oft zum Träumen ein.

      Es gibt einfach Momente wo solche Filme der Seele gut tun. Es geht im Kern um Selbstverwirklichung, das Ausbrechen aus dem Alltags-Trott. Nebenbei werden noch Themen wie weibliche Emanzipation, sexuelle Revolution, die rebellische Jugend der späten 50er Jahre, Patriotismus und Rassismus in den Plot geflochten.

      Und auch wenn die meisten Themen mit denen sich der Film beschäftigt eher an der Oberfläche schwimmen, zielt die Umsetzung direkt in das Herz des geneigten Zuschauers. „Pleasantville“ ist wie Kaminfeuer an kalten Wintertagen, es fühlt sich einfach gut an.

      Und bei Filmen mit so viel Herz, sehe ich gerne über dramatische Schwächen hinweg.

      5
      • 8 .5

        Nette Erinnerung: der Film lief an einem Donnerstag Abend im örtlichen Kino und an eben jenem Tag hatte ich meine zweite ABI LK Klausurgeschrieben und nahezu meine gesamte Stufe war dort und man konnte die erleichterte Stimmung regelrecht spüren. Aber der Film kam auch noch positiv dazu – klar, der eigentliche Handlungsansatz von jemandem der in eine Fernsehserie oder einen Film gesogen hat ist steinalt (z.B. Arnies „Last Action Hero“), aber aus dieser Option entwickelt sich „Pleasantville“ zu einem ungemein tiefsinnigen Film. Vordergründig scheint es nur eine quietschige Satire auf die piefige Spießerwelt zu sein in der er spielt, aber erst wenn der Film so richtig in Gang ist enthüllt sich was das ganze Wirklich ist – ein ausgiebiger „Essay“ über Selbstverwirklichung und die Wichtigkeit freien Denkens. Diese Botschaft, verpackt in einen fröhlichen und unterhaltsamen Film gepackt der unter anderem mit „Spiderman“ Tobey Maguire, Reese Witherspoon und Paul Walker aus „The Fast & The Furious“ besetzt ist. Ein unterhaltsamer Film mit tieferer Botschaft!Fazit: Spannender Film mit Tiefe, Tragik viel Herz und tollen Darstellern – rundum gelungener Spaß auf hohem Niveau!

        1
        • 7 .5

          Pfiffige Politparabel, Mediensatire und zauberhaftes Märchen mit herrlichen Tricks.

          • 9

            Mein Fazit:

            Die Serie „Pleasantville“ ist im Grunde langweilig, fade und ohne irgendwelche Highlights. Gartenzäune, Männer mit Hut, stets strahlende Frauen mit Schürze und einem Teller voller Kekse, Mädchen mit Pferdeschwanz und Jungs mit Pomade im Haar und alle strahlen um die Wette. Es gibt kein Regen, kein Gewitter, sogar noch nicht mal Feuer. Die Feuerwehr kennt nur Einsätze, wo eine Katze gerettet werden muss.

            Aber es ist die Heile Welt, die die Fernsehwelt den Zuschauern präsentieren will und die sich David herbei sehnt, denn er fühlt sich von seiner wahren Mutter im Stich gelassen. Sie kümmert sich eher um ihr Liebesleben als um die Kinder. Auch Jenni wünscht sich im Grunde mehr Rückhalt von der Mutter, denn sie kennt keine wahren Grenzen und flirtet mit Jungs hemmungslos.

            David und Jenni merken schnell, welche Folgen ihr Verhalten hat, das sich die Menschen in der Serie verändern. Einige sind neugierig und aufmerksam und freuen sich, das sich etwas verändert, während ander vor dem Unbekannten zurück schreckt und nahezu rebellieren mit törichten Regeln oder dem symbolischen Verbrennen der Bücher (die vorher leer waren, sich aber im Laufe der Zeit mit Geschichten füllen). Es ist ziemlich typisch für den Menschen, denn Veränderungen bringen nicht nur positive Dinge. Man läuft Gefahr, sich zu verrennen oder -wie in Pleasantville- sich zu verbrennen (selbst das Feuer war ihnen unbekannt!!!).

            Technisch gesehen ist der Film absolut spitze, denn das Gemisch von schwarz/weiß und bunt wurde konsequent eingehalten. Für mich war nicht ein einziges mal ein Fehler zu sehen. Und auch die Kulisse und Kostüme passten absolut hinein. Die Schauspieler haben allesamt eine glaubwürdige und authentische Arbeit abgegeben, da gibt es nichts zu meckern.

            Dies ist ein Film, der die Lachmuskeln anregt, aber auch den Geist. Und der Film wirbt auch um mehr Toleranz dem Neuen gegenüber, Offenheit für andere Formen des Lebens. Ich kann diesen Film empfehlen und gebe ihm für die den tollen Gesamteindruck 95%.

            Anmerkung: Die Rezension stammt vom 07.06.2009.

            • 6 .5

              Herzig und amüsant! Regt zum Nachdenken an (Gesellschafts-Strukturen).

              • 7 .5
                RoboMaus 24.02.2016, 07:44 Geändert 24.02.2016, 10:42

                Wer noch daran zweifelt, dass Sex Farbe ins Leben bringt, wird in 'Pleasantville' eines Besseren belehrt :)

                Beim zweiten Hinsehen fiel mir noch deutlicher auf, dass uns Gary Ross eine gut durchdachte Parabel präsentiert, die Themen wie Rassendiskriminierung, Gruppenzwang, gesellschaftlicher Wandel und Zivilcourage aufgreift. Die Farbigen im Film sind wirklich bunt und definieren damit ihre Andersartigkeit gegenüber den schwarz-weissen Figuren, die die Macht haben und ihre alten Gewohnheiten mit allen Mitteln aufrechterhalten wollen.

                Die Ausgangsgesellschaft ist die einer 50er-Jahre US-Fernsehserie, in der das Leben seinen immer gleichen Gang geht - schliesslich ist es nur eine Kleinstadtwelt aus Drehbuch, Schauspielern, Requisiten und Kulissen, worin alles schwarz-weiss und das Klo nur ein leerer Raum ist. Tobey Maguire und seine Schwester werden durch eine magische Fernbedienung aus den 90ern in diese Welt gesaugt und treten eine Revolution los......

                Neben der Parabel ist 'Pleasantville' auch eine gelungene Timeshift-Komödie, die ihre Gags u.a. aus 40 Jahren kulturellem Unterschied bezieht. Darüber mag man lachen oder nicht - ich fand's lustig. Dabei ist der Plot nie zu aufdringlich - die Message kommt nicht mit dem Holzhammer, sondern wird langsam, mit Charme und Witz aufgebaut. Gleichzeitig liegt hier der einzige Kritikpunkt: den Aktionen fehlt bis auf eine Ausnahme der Biss. An manchen Stellen hätte das ruhig etwas derber, sarkastischer ausfallen können, aber man kann eben nicht alles haben :)

                8
                • 6

                  schön den mal wieder gesehen zu haben...

                  1
                  • 8

                    Mit seinem Erstling verarbeitete Ross auch Erfahrungen seines Vaters: Arthur Ross, selbst Drehbuchautor (darunter „Brubaker“), geriet als Liberaler in den 50er-Jahren in die Mühlen der Kommunistenhatz des republikanischen Senators Joseph McCarthy. „Ich wuchs mit dieser Erinnerung auf: Man kann in einer vermeintlich sicheren, offenen Umgebung leben und dennoch Repressalien zum Opfer fallen“, so Gary Ross.

                    „Pleasantville – Zu schön, um wahr zu sein“ ist famos besetzt, tricktechnisch perfekt, märchenhaft, komisch, satirisch, nachdenklich, bewegend – einfach ein wunderschöner Film.

                    Ausführlich bei DIE NACHT DER LEBENDEN TEXTE.

                    2
                    • 10
                      LilQ 24.11.2015, 23:30 Geändert 24.11.2015, 23:31

                      Die Befreiung aus dem Paradies *Achtung Spoiler*

                      Es war eine schöne, laue Nacht, als die Sünde ihren Weg nach Pleasantville fand. Und wie die Sünde nun einmal ist, agiert sie anfangs im Verborgenen, Intimen, in der Dunkelheit, oh ja, nicht immer ist die Schlange, für uns alle sichtbar, an der höchsten, mittigsten Stelle im Paradies. Nein, sie ist unter uns und tastet sich langsam vor. Der Weg zu unseren unschuldigen Seelen ist manchmal lang und mühsam. Doch ist er einmal gefunden und betreten, so ist er gerade und breit.
                      Die Saat, die sie säte in jener Nacht, war so rot, wie unser aller Blut und so sündig schön, wie die sternenklare Nacht, unter der diese Rose erblühte.
                      „Im Anfang war das Wort [...] Alles ist durch das Wort geworden und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist“, heißt es im Johannes-Evangelium. Auch die Sünde wurde durch das Wort. Wäre das kleine Stelldichein unter jenen zwei Menschen geblieben, die in dieser verhängnisvollen Nacht am Lovers' Lake sich vergnügten, so wäre das Ganze ohne Folgen geblieben. Doch das Wort ist mächtig, mächtiger als jede von Menschenhand geschmiedete Waffe es je sein könnte und es bahnte sich seinen Weg in unserer aller Köpfe.
                      Zuerst leise, flüsternd, dann lauter, mutiger, bis es dann irgendwann offen ausgesprochen wurde: AM LOVERS' LAKE WIRD GEBUMST.
                      Was?! Ne, das habe ich nie geschrieben, du hast dich verlesen, lieber Leser. Doch jetzt weiter im Text. Komm.
                      Der Teufel hatte sich manifestiert, in Worten. Einige von euch fragen sich nun, warum Worte, wenn man eine Schlange sein kann? Und ich sage euch, die Schlange ist das Wort und das Wort ist die Schlange. Wir alle kennen die Geschichte, nicht wahr, meine Lieben. Schlange, Apfel, Eva, Terror, Adam und Eva raus, Tor zu, kein Paradies, bäh.
                      Doch versteht ihr auch die Geschichte? Den Akt?
                      Die Schlange redete und redete, sie streute Zweifel, sie fragte, sie schmeichelte, sie drohte, sie lockte. Es waren Worte, nichts als Worte, und doch … Eben doch, hach, diese Worte.
                      Was geschah an den folgenden sonnigen, schönen Tagen mit exakt 24° und ohne eine einzige Wolke am Himmel in Pleasantville? Nachdem Lovers' Lake durch fröhliche Akrobatik bunter und bunter wurde, wollten alle auf einmal mehr, mehr als nur ...
                      Egal, die Bücher füllten sich, sie füllten sich mit Worten. Mit welchen genau? Mit Geschichten, mit Ideen, mit Meinungen, mit Wünschen, mit Träumen, mit Zweifeln und Ängsten, mit Flüssen und Straßen, die nicht im Kreis verlaufen. Ich sag euch was, etwas sehr kluges sogar, wenn ihr also die Ohren spitzt, dann könnt ihr das euren Enkeln noch erzählen und sie damit beeindrucken. Mit Büchern, meine Freunde, werden Kriege gewonnen, den jeder Krieg findet zuerst im Kopf statt.
                      Ist es Sünde, zu denken, ist es Sünde, zu lieben, zu begehren, zu hassen, zu zweifeln? Ja, das ist es. Guck nicht so, es ist so. Im Paradies wird nicht gedacht, da wird, naja, dahin vege ... existiert, für immer, bei 24° und schlechter Ernährung.
                      Ist das alles? Das soll das Paradies zum Wanken bringen, Matratzensport und Bücher, mehr hat der Teufel nicht drauf? Wenn ihr wüsstet. Es gibt da so ein Ereignis, wieder gleicher Ort, gleiche Zeit. Zwei junge Menschen, vertraut, verliebt und glücklich, verbringen, wie so viele vor ihnen, ihre gemeinsamen lauen, wolkenlosen Nachtstunden am Lovers' Lake. Margret pflückt einen roten Apfel und reicht ihn Bud, er soll ihn kosten. Ich habe es ja oben schon eingeläutet, aber nun kommen wir zur Sache.
                      Der bewusste Akt der Sünde macht die Sünde zur Sünde. Vorher waren sie alle in ihrer unschuldigen Naivität vor Bestrafung gefeit, doch nun, da Bud, und Bud muss es ja wissen, bewusst sündigte, bricht die Hölle auf Erden los. Es regnet.
                      Nicht nur das, nein, das Essen steht nicht mehr auf dem Tisch, sie gewinnen nicht mehr beim Basketball und müssen sich bald alle ein Doppelbett kaufen. Schlimm, das kommt davon.
                      Nicht nur das Paradies wandelt sich, sondern auch die Menschen in ihm. Plötzlich werden alle „Farbige“, oh, Schreck, auf einmal leben unter Weißen Nichtweiße. Das muss dann doch die Hölle sein!
                      Doch warum werden manche bunt und andere nicht? Wisst ihr, zunächst dachte ich immer beim Schauen von Pleasantville, beim ersten und zweiten mal, sogar noch beim dritten, dass es daran liegt, dass sie etwas besonderes an sich entdecken, was sie dann nach außen aufleuchten lässt. Aber ich bin manchmal auch nicht die Hellste, liebe Leser, ich war dumm und naiv, verzeiht mir.
                      Unsere Wünsche, Ängste, Träume, die kennen wir doch alle:
                      Wie Bill Johnson, der immer eine, zwei Sekunden länger auf Dinge starrte, weil er etwas ihn ihnen sah, aber nie recht wusste, wie er es ausdrücken könnte. Oder Betty, die sich schon immer in Bill's Nähe ganz seltsam fühlte.
                      Mary-Sue, die eigentlich mehr wollte, als nur „Spass“ haben, aber nie eine Alternative dafür angeboten bekommen hatte und Bud, der eigentlich immer schon so mutig sein wollte, aber sich nie traute, seinen Schwarm um ein Date zu bitten. Bud's Dad, Georg, der seine Frau liebte, aber keine Worte fand, um es ihr zu sagen.
                      Es geht nicht um ihr Innenleben, sondern um das Handeln.
                      Versteht ihr? Das ist der Knackpunkt! Wir alle, ausnahmslos alle, sind was besonderes! Aber nur die, die sich wirklich ausleben, die ihr Innerstes nach Außen kehren, die das umsetzten, was sie sich erträumen, nur die machen ihre Umwelt bunter!
                      Bill malte mit diesen neuen Farben an sein Schaufenster. Betty entdeckte ihre Sexualität und ließ sich von Bill komplett nackt zeichnen. Mary-Sue fand eine Welt, in der sie alles sein konnte, was sie wollte, etwas was ihre alte Welt ihr verweigerte. Bud zeigte, in dem er Betty verteidigte, Zivilcourage, was viel Mut erforderte.

                      Das Paradies ist der Ort, wo wir uns verstecken, nichts von uns zeigen, kein Risiko eingehen, uns immer im Kreis drehen. Wir fürchten uns vor der Reaktion der anderen, wenn wir so sind, wie wir sind oder sagen, was wir denken oder zeigen, was wir mögen. Deshalb machen wir weder das eine, noch das andere, bleiben lieber in uns drin, bei 24° ohne Wolken. Kein Risiko, kein schlechtes Wetter. Aber manchmal, manchmal haben wir auch Glück und es kommt jemand mit einem Apfel vorbei und sagt zu uns: Du willst doch mehr, du willst die Welt verstehen, du willst nicht mehr nackt und naiv sein, du willst doch du selbst sein, willst die Welt sehen, willst, dass die Welt dich sieht, willst so sein wie Gott, trau dich [...]

                      9
                      • 10
                        MickeyPosthuman 13.07.2015, 02:18 Geändert 13.07.2015, 02:23

                        Neulich war ich seit langem mal wieder in meiner alten Heimat unterwegs, in der ich bereits seit einigen Jahren nicht mehr lebe. In dieser Zeit sind in meiner Welt so unglaubliche Dinge passiert, viele davon einzig alleine deswegen, weil ich sie wagte und nicht, weil ich wartete. Manche liefen unfassbar schief, andere wiederum überraschenderweise wirklich gut und auf eine dunkle Nacht folgte wie durch ein Wunder immer ein heller Tag, wie eine Bestätigung, dass es immer der richtige Schritt war, sich weiterzuentwickeln und in Bewegung zu bleiben. Durch positive und negative Wagnisse lernte ich gleichermaßen.

                        Nun war ich halt dort und es war wie eine Reise zurück in die Vergangenheit. Es hatte sich sehr wenig verändert, die Häuser standen, wo sie immer standen, die Menschen taten, was sie immer taten. Ich traf ehemals geliebte und verhasste Personen und nach einigen Gesprächen bemerkte ich, was ich anfangs noch nicht wirklich realisierte. Mir dämmerte etwas, wovon ich im Grunde genommen schon seit Jahren ausging: Kaum jemand von Ihnen war bereit für Veränderungen. Sie waren immer noch exakt die Gleichen, sie hatten ein Alter erreicht und verknöcherten seitdem vor sich hin. Der Bierbauch wurde größer, die Haare spärlicher, doch sie selbst blieben die gleichen alten Schatten. Sie hatten im Laufe der Jahre wenig gewagt., wohnten immer noch bei ihren Eltern oder im gleichen Ort, arbeiteten noch immer in den gleichen Firmen, fuhren jedes Wochenende noch immer auf die gleichen Zeltfeten und in die gleichen Diskotheken. Die Gespräche deprimierten, es wurde zwar viel gesagt, zu erzählen hatte jedoch keiner etwas. Sie waren in der Zeit erstarrt und ich konnte mir bereits ausmalen, wie ihre restlichen Leben verlaufen würden: Sie würden auch weiterhin auf der Stelle treten, irgendwann in einer Midlife-Crisis landen, irgendetwas Unbekanntes vermissen und sich wundern, warum sie nur immer so traurig waren. Sie würden weiter ihr fades Leben leben und dahinschwinden, wie ein Gemälde unter zu starker Sonneneinstrahlung, und das, obwohl sie die Sonne nie wirklich sahen. Auf der anderen Seite wurde ich argwöhnisch beäugt, nur weil ich ihnen nichts gleich tat. Für sie war ich ein Fremdkörper und ein Feind, obwohl ich doch nichts Schlimmes getan hatte. Ich spürte ihre abwertenden Blicke. Ich verstand sie nicht und sie mich nicht. Ich beschloss, nicht mehr zurück zu kehren.

                        Daran musste ich gestern Nacht denken, als ich nach langer Zeit mal wieder Pleasantville schaute, ein Werk über innere und äußere Revolutionen, über das Erweitern des eigenen Horizonts und über die ewigen Konflikte mit mittelalterlichen Reaktionären, die dazu verdammt waren, dahinzurosten, da sie nicht die Fähigkeiten hatten, sich weiterzuentwickeln. Pleasantville ist eine kreative Metapher über selbstständiges Denken, den Ausbruch aus altbekannten und den Aufbruch in neue Welten und dafür wird dieses Meisterwerk immer einen Platz in meinem Herzen haben. Bei so vielen verdammt großartigen Filmmomenten sieht man auch gerne über manch überdrehten Schauspieler und Tobey Maguire hinweg, der irgendwie immer so wirkt, als ob er einmal zuviel Crack geraucht hat.

                        „Den Fortschritt verdanken die Menschen den Unzufriedenen.“
                        Aldous Huxley

                        5
                        • 8

                          Mit der Idee 2 Teenies der 90er in eine Spissige Fernsehserie der 50er Reinzuteleportieren und diese in Punkto Moral und Spass Verstäntnis einmal so richtig aufzumischen wurde auf jeden Fall ein zimmlich interssante Fanatsy, Komödienstreifen mit Dramaelementen geschaffen der dank der Bilder durchaus Einzigarig ist. Die Besetzung mit den damaligen Jungstars Tobey Maguire und Reese Witherspoon ist Top gewählt und die Nebenrollen strotzen ebenfalls vor vielen mittlerweile Bekannten oder damals schon starken Talenten. Durchaus geniales Teil das ma nin diesem Stil nicht alle Tage zu sehen bekommt.

                          3
                          • 7

                            Die Idee hinter Pleasentville ist ziemlich clever und auch gar nicht mal so uebel umgesetzt. Da ich aber sowieso ein unendlich grosses Faible fuer die 50er und ihre schmierigen Scheitelfrisuren habe, kann ich wohl kaum was negatives ueber diesen Film sagen. Von daher: Sehenswert.

                            1
                            • 6

                              „Oh Gott, wir stecken fest, im Dorf der Bekloppten!“

                              Eine satirische Srewball-Komödie mit William H. Macy (Juhu!), J. T. Walsh (Ja, geil!), Jeff Daniels (Warum nicht!?), Tobey Maguire (Och, der Superman-Bengel geht doch eigentlich auch in Ordnung!) und Reese Witherspoon (Diese blonde Dumpfbacke? Nö, nech?!). Was soll ich sagen? Ausgerechnet die verhasste Nervensäge, macht in ihrer wohl besten Rolle eigentlich so ziemlich alles richtig!

                              Schön zudem mitanzusehen, wie die prächtigen Farben nach und nach Einzug ins Geschehen halten. Und auch die kritischen Zwischentöne (kein Zutritt für Farbige, entartete Kunst, Bücherverbrennung, die eingeworfene Schaufensterscheibe) verfehlen nicht ihre Wirkung.

                              "Pleasantville" hat mich wirklich angenehm überrascht und habe ich daher gewiss nicht das letzte Mal gesehen!

                              12
                              • 9

                                Süße, originelle Storyline mit einer filmischen Umsetzung, die ein Schmaus fürs Auge ist, und einer tollen musikalischen Untermalung. Trotz teilweise nachdenklich stimmenden Szenen und Grundaussage ein echter Wohlfühlfilm. Besonders sympathisch: Tobey McGuire, der nach Spiderman-Art vom unbeholfenen Teenager zum selbstbewussten jungen Mann heranreift.
                                Toller Film, den man ruhig öfter sehen kann. Bring Farbe in dein Leben!

                                • 8

                                  gute Story super effekte

                                  • 6 .5

                                    [...] Es ist unübersehbar, dass „Pleasantville – Zu schön, um wahr zu sein“ mittels Form des Kinos den Mythos des Fernsehens reflektiert und daher als cleveres Meta-Werk das Sagenhaft, das Unglaubliche, das Sentimentale und das Verträumte zurück in die Lichtspielhäuser bringt. Jennifer, die natürlich so überhaupt nicht davon begeistert ist, in einem so arretiert-bigotten Universum ihr Dasein zu fristen, gibt diesem Mikrokosmos schlussendlich den Anstoß, um doch noch zum Makrokosmos heranzuwachsen, in dem Grenzen gesprengt und vor allem die Gedanken endlich frei rotieren dürfen. [...]

                                    19
                                    • 7 .5

                                      Das Leben besteht nicht nur aus Freude und gutem Wetter. Auch nicht nur aus Regeln oder aus Sicherheit. Zum Leben gehört auch mal Regen, Abwechslung, Angst und ja, sogar Probleme! Melancholische Momente, glückliche Momente und viele, viele mehr. Erst dieser Mix aus allem, aus guten und schlechten Dingen, gibt dem Leben Farbe und Licht. Was passiert als nächstes? Wenn man zu jeder Zeit die Antwort auf diese Frage kennt, wo bleibt dann der Spaß? Das Ungewisse, die Gefahren und all das, sind ein Zeichen dafür, dass wir noch leben und da sind.

                                      Pleasantville ist der Ort, an dem es diesen Mix nicht gibt. Ohne Ausnahme ist dort alles "perfekt". Auch wenn alle so glücklich erscheinen, merkt man, dass die Menschen hier wie Maschinen ihren geregelten Tagesablauf erledigen und nichts vom Leben haben. Erst als David und Jennifer an diesen Ort gesandt werden, kommt Hoffnung in diese Stadt. Die Menschen lernen plötzlich, dass nicht alles vorherbestimmt ist. Das nicht alles geregelt ist und man Dinge tun kann, die man vorher nie getan hat. Da es aber auch Menschen gibt, die nicht bereit für Veränderungen sind, entstehen Probleme und der Film bekommt dadurch etwas Spannung in die sonst eher sympathische Inszenierung. Ist Pleasantville bereit die Welt zu entdecken? Bereit für die Liebe auch Gefahren und Regen in Kauf zu nehmen und plötzlich nicht zu wissen, was als nächstes kommt?

                                      Spoiler:

                                      Ja! Pleasantville ist bereit! Denn "es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben!"

                                      4
                                      • 7

                                        Pleasantville - Meine LieblingsTV-Serie aus den 50ern. Wie viel schöner ist es dort als hier in dieser Welt voller Probleme, Arbeitslosigkeit, Einsamkeit und komplizierten Beziehungen und Freundschaften. Für mich ist Pleasantville ein Paradies. Wieso kann ich nicht in dieser Zeit, in dieser Sitcom leben? Alles wäre weniger kompliziert, standhafter und irgendwie schöner – wenn auch ohne Farbe. Aber hey, was solls. Auf irgendwas müsste ich dann eben verzichten. Farbe wird doch eh überschätzt...

                                        Wer würde nicht gern mal das Leben mit seinem Lieblingsserien-(oder film-)charakter tauschen? Wer hatte noch diesen Wunsch, diesen Gedanken?
                                        Naja was solls. Möglich ist es ja sowieso nicht. Zumindest dachte ich das bis zu dem Abend, als ich mich mal wieder mit meiner Schwester um die Gewalt über das Fernsehprogramm stritt. Schwestern... Ich sags euch. Sowas nerviges. Vor allem MEINE Schwester ist wohl der Inbegriff dieses Wortes.
                                        Ich weiche ab. Darauf wollte ich nun eigentlich nicht hinaus.
                                        An besagtem sagenumwobenen Abend landeten wir also in Pleasantville. Ja wirklich! IN MEINER LIEBLINGSSERIE. Ich wurde zu Bud und meine Schwester zu Mary-Sue. So begeistert ich auch war, gefiel es ihr natürlich überhaupt nicht. Hach, ich liebe diese heile Welt. Es gibt keinen Streit, es passieren keine Unglücke und die Frauen sind nur dafür zuständig das es ihrer Familie gut geht.

                                        Doch nach einiger Zeit… nun irgendwie schien alles mehr schein als sein. Alles war reine Fiktion. Kein Regen, kein Feuer… Ihr werdet jetzt sagen: „Was bist du denn für ein Idiot?! Ist doch klar. Es ist eine SERIE. Das weißt du ja wohl. Du sagst es doch selber: Pleasantville ist meine LieblingsSERIE!“
                                        Hm, ja irgendwie habt ihr damit ja recht. Aber nach einiger Zeit, natürlich durch den Einfluss meiner Wenigkeit und auch etwas der meiner Schwester (vielleicht auch etwas mehr…) wurden aus den steifen Figuren richtige Menschen. Pleasantville verwandelte sich: Aus einer Kulisse wird eine pulsierende Stadt.
                                        Und so kommt auch nach und nach Farbe in die Stadt. Glaube, Persönlichkeitswandel, Entdeckungen lassen die Menschen farbig werden. Sie entfliehen aus der tristen, kalten, schwarz-weißen Welt. Die Jugend, also wir, entdecken das Leben, scheinbar auch die „Sünde“, die langsam auch die Erwachsenen „befällt“ und Bücher, dessen leere Seiten sich nach und nach mit Texten füllen.
                                        Was genau ist denn „Sünde“? Dafür gibt es viele verschiedenen Definitionen von vielen verschiedenen Menschen. Nur in Pleasantville scheinen alle die gleiche Vorstellung davon zu haben.
                                        Es hätte alles so wunderbar sein können. Aber die übriggeblieben Menschen, die immer noch an ihrer tristen, farblosen Welt festhalten, schließen sich zusammen und erlassen eine ganze Reihe von Regeln. Es artet aus und wird zu Faschismus. Vor den Geschäften stehen nun Schilder wie: No colored People.

                                        Aber wir haben uns dagegen aufgelehnt. Wir haben trotzdem noch die Musik gehört, die wir mochten, auch wenn sie verboten war. Alles ist unerwünscht, was Spaß macht und in den Augen der farblosen Sünde ist. Meine Serienmutter hat noch lange versucht sich unter Make-Up zu verstecken und farblos zu bleiben. Doch irgendwann hat auch sie den Mut gefunden, sie selbst zu sein und ihrem Mann entgegenzutreten, der an dieser schwarz-weißen Welt festhält.
                                        Meine Schwester hat auch festgestellt, dass sie mit ihrer Art auch anderen Menschen schaden kann und ändert sich für sich selbst und wird viel weniger nervig.

                                        Wie es natürlich nicht anders sein kann in einer Serie, geht alles gut aus. Der Bürgermeister, unter dem die farblosen sich zusammen taten um gegen uns vorzugehen, bekennt im wahrsten Sinne des Wortes, farbe.

                                        Es war eine schöne Erfahrung. Ich habe gute Menschen kennen gelernt und viel über mich und das Leben gelernt. Nicht immer ist alles wunderbar, auch die schlechten Seiten des Lebens gehören dazu. Und meine Schwester? Nun, ich bin jetzt ein Einzelkind. Es passierte etwas, womit ich nicht rechnete: Sie blieb in Pleasantville. Sie wurde ein anderer Mensch. Zumindest haben sich viele ihrer Ansichten geändert. Warum sie blieb? Sie wollte aufs College. Dies wäre ihr in unserer Welt nicht möglich geblieben. Irgendwie vermiss ich sie sogar und scheinbar liebe ich sie sogar, denn ich möchte nur das Beste für sie und freue mich, dass sie ihren Weg gefunden hat und auch ich werde meinen finden.

                                        "Es gibt keine Regeln, wie das Leben sein soll."

                                        Für die liebe LilQ, da ich ohne ihren fabelhaften Kommentar, diesen Film wohl noch länger eine weitere Sichtung schuldig geblieben wäre. Auch wenn meine Punkte weit von deiner Liebe entfernt sind, hoffe ich trotzdem, dass ich dich nicht mit meinem kleinen Kommentar enttäuscht habe.

                                        19
                                        • 7

                                          Die Idee dass alles im Skript steht, damit die Figuren wissen was sie machen und dann in Situationen geraten die nicht im Skript stehen, ist genial. Eine gute Mediensatire mit Herz.

                                          2
                                          • 10

                                            En toller Film. Die Aussage ist Klasse umgesetzt und das Spiel mit den Farben und unserem Schubladendenken ist wirklich gut gelungen. Und wenn Etta James die ersten Takte singt, dann ist es rum und die Wasserfälle kommen. ;-)

                                            • 8 .5

                                              Genau dafür braucht man das österliche Fernsehprogramm... um Filme wiederzuentdecken, die man irgendwo in den hintersten Winkeln seines Gehirns versteckt hatte... so wie dieses kleine Schätzchen heute, den ich vermutlich vor über zehn Jahren das letzte Mal gesehen habe.
                                              Und er ist noch immer klasse, heute vielleicht noch mehr als damals... ganz einfach, weil ich langsam beginne, seine Message ansatzweise zu begreifen. Es geht nicht zuletzt um Zivilcourage, Wagnisse, den Mut einfach mal überkommene Meinungen über den Haufen zu werfen und die Welt mit eigenen Augen zu sehen und zu entdecken, egal wie das jeder für sich persönlich tut. Bei einigen ist es die Liebe, bei einigen das Verlangen Dinge zu tun, die sie sich nie zugetraut haben (die Welt des Wissens entdecken, sich künstlerisch kreativ zu entfalten, einfach mal aus dem verfahrenen "Panzer" einer Gewohnheitsehe ausbrechen). Und wie faszinierend ist es mit anzusehen, wie die "reaktionären" Kräfte versuchen die Farbe, die dadurch in ihr Leben Einzug hält, im Zaum zu halten und welcher Mittel sie sich dazu bedienen. Verbote, Beschimpfungen und Diffamierungen, Vandalismus und selbst vor einer Bücherverbrennung schreckt man nicht zurück... alles Mittel, die sich im Laufe der Geschichte weit mehr als einmal zugetragen haben, überall auf der Welt. Und doch ist die Veränderung von Morgen nicht aufzuhalten, bricht die Kontinuität des Gestrigen. Doch egal wie sie zukünftig die Kontinuität brechen wird, so wird es im Vorfeld immer Menschen geben, die sich davor fürchten und es mit allen Mitteln zu verhindern suchen werden (der Mensch fürchtet einfach Dinge, die anders sind) oder die danach vor den Trümmern des Gestrigen sitzen und sich fragen: Wie geht es jetzt weiter? Was machen wir jetzt? Dafür war der Film eine wunderbare Parabel.
                                              Ach ja, und der junge Tobey und die junge Reese sind in diesem frühen Werk ihrer Karriere schon umwerfend, das sollte auch mal erwähnt werden.

                                              4
                                              • 10

                                                Pleasantville die heile Fernsehwelt der 50er, in die zwei Teenager gezogen werden.
                                                Zunächst Schwarz/Weiß - ist die Welt von Pleasantville genau so einfach gestrickt. Es gibt keine Konflikte, jeder lebt sein Leben - innerhalb der gesellschaftlichen Ordnung. Schnell wird aber klar das diese Welt nicht Perfekt ist. Gesellschafliche normen werden Hinterfragt.

                                                • 8

                                                  FIRE! FIRE! FIRE! FIRE! FIRE! ... Cat? :D

                                                  • 7 .5

                                                    "Wir stecken fest im Dorf der Bekloppten!" konstatiert die verzweifelte Jennifer (Reese Witherspoon), die mit ihrem Bruder David (Tobey Maguire) im idyllischen Vorort der schwarz-weißen 50er-Jahre-Sitcom Pleasantville gelandet ist.
                                                    Die beiden Teenager, die eigentlich in den 90er Jahren leben, streiten sich zuvor um das Fernsehprogramm des Abends. Jennifer will sich mit ihrem Date ein MTV-Konzert ansehen, während David darauf besteht, den TV-Marathon seiner Lieblingsserie Pleasantville zu verfolgen.
                                                    Prompt geht dabei die Fernbedienung kaputt, doch steht sofort ein mysteriöser Fernsehmechaniker vor der Tür (einer von der Sorte Typen, die auch Zeitmaschinen reparieren) und liefert den Geschwistern ein brandneues Exemplar. Das dient aber nur als weiterer Zankapfel und katapultiert David und Jennifer hinein in den Fernsehapparat und in die Serie Pleasantville.
                                                    Nach einem ersten Schock müssen sich die beiden als Hauptfiguren Bud und Mary Sue mit ihrer biederen Serienfamilie und ihrem perfektionistischen Umfeld arrangieren. David, der die Serie bestens kennt, geht voll in seiner Rolle auf. Mary Sue jedoch stellt als eigensinnige Querulantin das routinierte Leben in Pleasantville auf den Kopf und schon bald färbt sich das buchstäblich auf die Bewohner ab.
                                                    Die satirisch überzogene Serien-Prüderie in Pleasantville hält dem spießbürgerlichen Amerika vergangener Jahrzehnte den Spiegel vor. Alles läuft wie am Schnürchen, aber immer gleich ab.
                                                    Die braven Bewohner sind immer ekelhaft gut gelaunt, sodass man vielen von ihnen gerne eine knallen würde. Zudem sind die eindimensionalen Charaktere in einer Routine gefangen, deren kleinste Abweichung sie hilflos erscheinen lässt. Die Feuerwehr rückt nur aus, wenn sich ein Kätzchen auf einen Baum verirrt hat und der Besitzer des Fast-Food-Restaurants poliert die immer gleiche Stelle des Tresens, die dadurch schon abgenutzt ist.
                                                    In diese langweilige Perfektion platzen die beiden Protagonisten David und Jennifer, und vor allem Letztere bringt Farbe ins Spiel. Mit ihrem Querkopf und ihrer Offenheit stößt sie zunächst an, doch schon bald überträgt sich ihr Verhalten auf die Einwohner von Pleasantville.
                                                    Und nach einer Sex-Szene ist es dann auch die Farbe der Liebe, welche die erste rote Rose in der schwarz-weißen Sitcom erblühen lässt. Die Menschen in der Serie entdecken nach und nach neue Seiten an sich und wollen aus ihrem alten, öden Leben ausbrechen. Ihre Unschuld blättert langsam ab, sie beginnen damit, ihren gewöhnlichen Tagesablauf zu hinterfragen und fangen an, Bücher zu lesen; sie frönen der Leidenschaft und der Kunst. Es ist ihre Aufklärung und Veränderung, die sie selbst und Pleasantville immer bunter werden lassen. Verlangen, Wut und Risikobereitschaft sähen zwar auch Konflikte, doch gerade dadurch reifen die Bewohner zu plastischen, kontrastreichen Charakteren.
                                                    Neben Tobey Maguire ist es vor allen Dingen Reese Witherspoon, die mit ihrem passend frechen, ausdrucksstarken Spiel begeistern kann und so für die nötige Dynamik in der Serie, respektive dem Film, sorgt. Auf der anderen Seite verkörpert der ideal besetzte William H. Macy den absolut spröden Serienvater in einer ulkigen Darbietung, während Joan Allen die immer lebendiger werdende Mutter spielt.
                                                    Pleasantville ist eine unterhaltsame Komödie, die sowohl lustige als auch nachdenkliche Momente vereint und zusätzlich mit tollen Spezialeffekten aufwarten kann.