Die Taverne von Jamaika - Kritik

Jamaica Inn

GB · 1939 · Laufzeit 100 Minuten · FSK 12 · Kriminalfilm, Abenteuerfilm, Drama · Kinostart
Du
  • 6
    Co-Pilot 18.05.2015, 03:06 Geändert 18.05.2015, 03:13

    Beginnend mit Werken der 30er Jahre ist DIE TAVERNE VON JAMAICA ein weiterer halt während unserer Hitchcock-Wochen.

    Da er wohl kein sehr hohes Ansehen genießt waren unsere Erwartungen entsprechend geringst... Nach all den großartigen Filmen musste/durfte ja auch mal was schlechteres bei herauskommen.

    Stellte sich nur die Frage:"wie bewerten"? Als Hitchcock? Oder normalen Film?
    Hmm...

    Haben uns dann für eine normale Bewertung entschieden und sagen; es war eine überdurchschnittlich unterhaltsame und relativ rasante Abenteuergeschichte. Und eine willkommene Abwechslung. Wahrscheinlich eine Rarität, da es diese Kombi "Kostüm-/Abenteuer-/Hitchcockstil" nicht häufig gibt. Auch gleichwertige Kost sollte Recht selten sein...

    Getragen wird der Film zweifelsfrei von Ch.Laughton, es macht Riesenspaß ihm zuzusehen. Leider verblasst der übrige Cast sehr neben ihm, was aber nicht bedeutet, dass es schlechte Darstellungen sind. Laughton überspielt halt seine Kollegen zumeist. Man hält im Grande Finale beinahe schon zu ihm und nicht zu O'Hara :)

    Wir sagen - man sollte sich die Zeit nehmen um DIE TAVERNE VON JAMAICA einmal zu besuchen. Allein schon weil es ein in dieser Art recht seltenes Werk ist & auch wegen Laughton's Spiel.

    *Sehenswert - Ja / Empfehlenswert - Ja*

    2
    • 6

      Hitchcock’s letzter Film vor der Übersiedlung in die USA gilt als einer seiner schwächsten, was auf dem Niveau noch lange kein Todesurteil ist. „Die Taverne von Jamaika“ (der deutsche Titel ist nur im Detail, dafür unglaublich irritierend transferiert) fällt deutlich aus dem Rahmen seiner Vita, bleibt dennoch (was ein Kunststück für sich ist) ein Hitchcock durch und durch. Was ein untypischer Kostümfilm zu sein scheint, ist auch im Herzen eine Geschichte um Betrug, Verrat, doppelte Identitäten. Was er halt konnte. Flachlandpiraten rauben gekenterte Schiffe an einem britischen Todesriff aus. Eine zufällig gestrandete Schönheit rettet einen Abtrünnigen vor der Lynchjustiz und sorgt so erst für die Aufklärung eines Komplotts. Kaum in ein Genre einzuordnen, unter widrigen Umständen produziert, macht Hitchcock unter den Bedingungen das Beste aus der Sache und zeigt sein unverkennbares Talent für das Geschichtenerzählen. Trotz des eindeutigen Alters auf dem Buckel wirkt „Die Taverne von Jamaika“ narrativ extrem frisch, unverbraucht, niemals gebremst. Die Geschichte ist okay, seine Inszenierung in Anbetracht der Möglichkeiten mehr als souverän. Die Kulissen erinnern an eine Hammer-Produktion, der Wind pfeift unerbittlich. Noch bevor man in eine klassische Gruselstimmung verfallen könnte, kommt Charles Laughton als Karneval-Karikatur um die Ecke. Praktisch identisch mit dem fetten Restaurantkritiker aus „Little Britain“, speziell heute wirkt das unglaublich überzeichnet. Aber gewollt und unterhaltsam. Wie der Film an sich. Geht flott rein und raus, hat erstaunlich wenig über die Jahre verloren und ist ein Beweis dafür, dass Hitchcock selbst bei seinen schwächeren Arbeiten noch auf einem gehobenen Niveau agierte.

      15
      • 10

        Wieder nal kann ich wohl nur schreiben, dass ich diesen absoluten Klassiker liebe,
        wunderbare Optik bietet vor allem die geniale Maureen O'Hara, deren Spiel es aber nur schwer aufnehmen kann mit der brillanten Darstellung von Charles Laughton als hinterhältiger Richter, der in Wahrheit als Kopf der berüchtigten Riff-Piraten fungiert.
        Leslie Banks brilliert in seiner Darstellung auch außerordentlich.
        Mehr als richtungsweisend empfinde ich den Show-Down, in dem der "in die Enge getriebene" Oberschurke vom Mast eines Schiffes in den Tod springt ("Platz da für Pangallan")
        Eigentlich dürfte es zur damaligen Zeit noch(?) nicht oft gesehen worden sein,
        dass ein Bösewicht im Film einen Freitod wählt.
        Allerdings wird in diesem Film auch glänzend thematisiert, was es doch heißt Macht zu besitzen bzw. auch auszuüben,...zumindest lässt das Charles Laughton als abgründiger Pangallan seine Untergebenen durchweg dauernd spüren, besonders wenn er mit überbordender Dekadenz agiert und glänzt.
        Amüsant ist außerdem, wenn man sich mal die einzeln.en Charaktere im Original zu Gemüte führt, denn Charles Laughton agiert dermaßen übertrieben, dass in der englischsprachigen Originalfassung nur schwer allzu viel verstanden werden könnte, da Charles Laughton eigentlich(?/!!!) nur unverständlich brabbelt bzw. schon richtiggehend lallt.

        PS.: Eine Anmerkung möchte ich allerdings noch nachreichen, zumindest finde ich es durchaus interessant, dass seitens des ZDF bei dessen ehemals alljährlichen Weihnachtsmehrteilern einige Namen von Jamaica Inn herangezogen wurden, um diese wiederzuverwerten,...jedenfalls gleichen die Namen einiger Protagonisten den Charakteren dieses Films,...jedenfalls aus "Die Schatzinsel"(80'er Jahre) [u.a. mit dem damals noch recht jungen Michael "Gerd Heymann"(aus Der Alte) Ande]

        • 6

          "Die Taverne von Jamaika" (deutscher Alternativtitel: "Riff-Piraten") ist Daphne-du-Maurier-Schauertheater, wie es sein sollte: flüsterleise, schattenfixiert, vage. Angsterfüllt. Der Sturm spült die Wellen an die Klippen des Ufers, an dem sie brechen – wie schallgedämpftes Feuerwerk hört sich das meist an. Und mitten in einer englischen Grafschaft, verlassen, abgestorben und isoliert, durchsetzt von Erde, Schlick und Geröll, liegt ein verrufenes, verwunschenes, rustikal gearbeitetes Landhaus, eine "Räuberhöhle" (mit einer Hoffnungsspendendes und Verderbendes in sich vereinenden Hitchcock-Treppe zum Schatz), ein Nest stinkender, unrasierter Gauner, Schmuggler und Mörder, tief verstrickt in Diskussionen, Anteile und Stammtischgejohle. In den ersten Minuten evoziert Hitchcock atmosphärische Kälte allein aus der verwinkelt-expressiv gefilmten Kulisse, die, etwa wie in "Nummer Siebzehn" oder "Rebecca", nicht auf ikonografische Horrorcodes verzichtet. Als einem nie überflüssiger Weitschweifigkeit unterworfenen, beziehungsvertrackten Kostüm-, Versteck- und Abenteuerschinken (drollig: die dilettantische Studioherkunft) schrulligster Verkomplizierungen zählt dieser Film zu den kurzweiligsten, wiewohl altmodischsten Hitchcocks, dessen tragisch-konfliktbeladene Note aufgrund des manipulativen Zuschauervorwissens über bestgehütete Geheimnisse eigens verführt, berührt und schmerzt, wenn sie wissen, dass sie, die unglücklichen Helden, ihr Unheil nicht abwenden werden. Ins Gedächtnis brennend derweil: Charles Laughtons unwiderstehliche Eitelkeiten, der einen prall gefüllten, aufgedunsenen Rechtsverdreher gebührend großtuerisch verzerrt und auch im Untergang über allen thronen muss. Ein archaischer, passgenauer Groschenheft-Hitchcock.

          12
          • 7

            "Die Taverne von Jamaika" (auch bekannt als "Riff-Piraten") war der letzte Film von Alfred Hitchcock bevor er nach Hollywood ging. Sicherlich nicht der größte Wurf des Meisters, aber für einen verregneten Sonntagnachmittag taugt er allemal. Wobei auch gesagt werden muss: ohne Maureen O'Hara wäre die Bewertung ein paar Punkte niedriger ausgefallen. Tolle Schauspielerin!

            • 4

              Da feiert Meister Hitch mal unter der Leitung von Charles Laughton erbärmlich Karneval - mit viel Pengpeng und ohne Suspense. Missratene und misslungene Piratentravestie. Einzig bedeutsam als Maureen O'Haras Filmdebut.

              3
              • 7 .5

                Kein Hitchcock, aber dennoch spannend, wenn es auch nichts weniger ist, als ein Meisterwerk. http://209.85.129.132/search?q=cache:JC1j6QnCAYAJ:www.sopos.org/aufsaetze/48447bca4e507/1.phtml+littell+Wohlgesinnten+%22Denis+Scheck%22+%22nichts+weniger+als+ein+meisterwerk%22&cd=4&hl=de&ct=clnk&gl=de