Rosemaries Baby - Kritik

Rosemary's Baby

US · 1968 · Laufzeit 136 Minuten · FSK 16 · Thriller, Horrorfilm, Drama · Kinostart
Du
  • 7

    [...] Der Horror von Rosemaries Baby besteht darin, uns daran zu erinnern, dass es nicht die unsterblichen Serienkiller wie Freddy Krueger oder Jason Vorhees sind, vor denen wir uns in Acht nehmen müssen, sondern die Gefahr in unserem Alltag lauert: Hinter den Fassaden unserer Mitmenschen könnten Wahnsinn und Krankheit gedeihen, der eigene Geist kann unser schlimmster Feind werden. Polanskis Regie versteht es meisterhaft, mit scheinbar Offensichtlichem zu spielen und das Hintergründige in kleinen Häppchen zu servieren. Er trifft genau den richtigen Ton, um sein Kammerspiel bedrohlich wirken zu lassen, ohne auf platte Metaphern oder Klischees zurückgreifen zu müssen, und findet einige tolle Bilder. Der Film baut ganz ohne dramatische Spitzen oder visuelle Gewaltdarstellung einen immer größeren Druck auf seine Protagonistin auf und zieht damit die Spannungsschraube für das Publikum stetig fester.

    Dank der psychologischen Spannung [...]

    7
    • 10

      Der Film ist einfach gut. Er bietet nervenzerreißende Spannung vom irgendwie unangenehmen Schlaflied, mit dem er beginnt bis zum Abspann. Darüber hinaus lädt er ein, ihn zu interpretieren.

      1
      • 10

        !SPOILER!
        [...]Dabei macht Polanski es dem Zuschauer alles andere als leicht und erzählt in einer ausführlichen Exposition von den Lebensumständen in der Wohnung, ersten Bekanntschaffen und der Angewöhnung ans neue Umfeld. Der Zuschauer bekommt von der Inszenierung die eindeutige Identifikationsfigur, Rosemary, in den Fokus gerückt, bis der Film nach einer dreiviertelstunde seine gesamte Wucht entfaltet. Man erlebt die Investigation am eigenen Leibe mit, wird mit Themen wie Satanismus, Okkultismus und schwangerschaftlicher Paranoia immer wieder an den Rand des Wahnsinns getrieben. Man wird gezwungen zu distinguieren ob es sich lediglich um eine gedankliche Manifestation der Angst handelt, eine Paranoia da sich das Umfeld beginnt abzuspalten und zu verändern (oder ob es selbst nur aufgrund der Schwangerschaft tut) oder ob die Vergewaltigung lediglich eine Halluzination im Traum wahr. Dabei sperrt Polanski Rosemary immer wieder in ein Gemäuer aus Hinterfragung und Zweifel, während sich die Wände mit ansteigender Laufzeit kontinuierlich verengen. Es ist die pure Suggestion, die das Handeln beherrscht. Die Paranoia beginnt Besitz zu ergreifen, die Atmosphäre drückt sich ungemütlich in den Vordergrund, lässt die Indiziensuche verstummen und gipfelt in einem Finale, dass in seiner Spannung nahezu unerträglich ist.

        Es vermengen sich Realität und Fiktion und das aussichtslose Ende offenbart sich in mimischer Erschütterung. Wir erkennen, dass die Ausgeburt des Teufels durch Rosemary auf die Erde gekommen ist und jegliche Todesfälle von Freunden Rosemarys, nicht nur eine Verkopplung von ungünstigen Ereignissen oder die Erblindung von Guys Schauspielkonkurrenten ein Unfall war. Am Ende herrscht das blanke Entsetzen in den Augen von uns und der jungen Mutter. Ein Entsetzen, dass schlussendlich in Liebe endet, als Rosemary ihr Babyglück erkennt und mit einem Lächeln die Wiege ins Schaukeln bringt, während sich der unvergessliche Score ein letztes Mal aus dem Hintergrund erhebt. Rosemarys Baby ist mit Sicherheit einer der besten Horror/Psychothriller, der je auf die Leinwand losgelassen wurde. Ein beängstigend langsamer kalter Hauch in den Nacken mit extremer Nachhaltigkeit, nach dem es sichtlich schwer fällt, beruhigt in den Schlaf zu gleiten.

        7
        • 9

          Kinematographische Einstimmung auf das Fest der Toten von souli und tee.
          05#05

          [...] Für Roman Polanski war es wichtig, die im urbanen Kosmos ständig als höchstes Gut einer intakten Gesellschaftsform verstandene Rationalität zu torpedieren und schließlich auch zu brechen. [...] Es schwingt eine gewisse Satire in „Rosemaries Baby“ mit, die dem Aberglauben jener und unserer Zeit mit einem bewusst spitzfindigen Kommentar begegnet, seine inszenatorische Brillanz schöpft der Film aber vollständig aus dem psychologischen Wechselspiel der verzerrten Bewusstseinsebenen. Sind es letzten Endes nur die Komplikationen einer Schwangerschaft, die Rosemarie in diese erdrückende Ohnmacht getrieben haben, oder weisen die spekulativen Andeutungen, die sukzessiv Misstrauen schürenden Eventualitäten, die Polanski unaufdringlich verteilt hat, tatsächlich auf die infernalische Fährte des Gehörnten, der seinen Sohn erwartet? Roman Polanski setzt eine Bereitschaft zur Interpretation voraus und begegnet seinem Publikum mit einem Vertrauen, wie man es heute schmerzlich vermissen muss. Das sublim trügerische Spiel mit unserer Wahrnehmung führt durch ein Tal der Illusionen und Tatsachen, der Verschwörung, Verwirrung und Erschöpfung, ohne dem Ungreifbaren schlussendlich doch noch ein Gesicht verleihen zu müssen. Was bleibt, bevor das Wiegenlied erneut ertönt, ist ein Lächeln. Rosemaries Lächeln. Das Lächeln einer Mutter.

          30
          • 8

            Polanski tat gut daran, weder den Okkultismus, noch das zunehmend ersichtliche Intrigen- und Verschwörungsnetzwerk rund um Rosemarie zu konkretisieren, sondern sich ganz und gar der Ohnmacht seiner Protagonistin und somit auch der damit einhergehenden Ohnmacht seines Publikums zu widmen. Denn es ist immer das Ungreifbare, das ungute Gefühl, welches dich zwar fortwährend begleitet, aber selten wirklich an konkreten Szenen festzumachen ist, das "Rosemaries Baby" letztlich so effektiv werden lässt. Auf eine Visualisierung dessen, vor dem sich sowohl seine Protagonistin (herausragend: Mia Farrow), als auch sein Publikum fürchtet, verzichtet Polanski gänzlich. Es wird immer nur angedeutet, nuanciert Fährten gelegt und beinahe alles der Vorstellungskraft des Zuschauers überlassen; weil Polanski seiner Zuschauerschaft etwas zutraut und ihnen nicht jede Einzelheit ausformuliert auf die Leinwand knallen muss. Sein Horror ist ein psychologischer, einer der kaum spürbar seine Spuren hinterlässt, aber dennoch für ein tiefes Unwohlsein lange nach der Sichtung verantwortlich ist.

            Und während der sinnlich-beunruhigende Intro-Score von Anfang an wie ein nihilistischer Schatten über dem zunächst scheinbar idyllischen Geschehen schwebt, beginnt spätestens mit Beginn der Schwangerschaft der subtile Horror seine implizite Wirkung zu entfalten. Dann - wenn das gemächlich eingeführte Figurengefüge einer stetigen Veränderung unterzogen wird, die unsichtbare Bedrohung immer wieder die Maske wechselt, unscheinbar durch die Reihen schleicht und nichts mehr so ist, wie es zu seien scheint. Wenn der Zuschauer plötzlich beginnt an seiner eigenen Wahrnehmung zu zweifeln, das eigene Urteil mit jeder Geste, jedem gesprochenen Wort ins Wanken zu geraten scheint, dann beginnt „Rosemaries Baby“ ungemütlich zu werden. Polanski streut die Finte dabei ebenso zielsicher ein, wie er sie an späterer Stelle, mitsamt des scheinbaren Twists, wieder relativiert. Und an genau dieser Stelle macht sich dessen vermeintlich überlange Einführung bezahlt...

            Wir bangen, wir rätseln und wir zittern mit, weil Figuren existieren, die uns kümmern, die wir kennengelernt haben und die wir mögen oder an denen wir zweifeln. Eben deshalb, weil Polanski ihnen zuvor eine unaufgeregte und sorgfältige Exposition zugestanden hat. Und ehe die mephistophelische Brut das Licht der Welt und den Kreis obsessiver Satanisten erblickt, hat das Chaos längst unsere Gedanken okkupiert und die Hoffnung auf einen üblichen Verlauf etwaiger Umstände zunichte gemacht. Das Finale ist Wahnsinn und der wahre Horror ist der Moment, in dem uns Polanski dabei zuschauen lässt, wie auch seine Protagonistin selig lächelnd vor der höheren Instanz kapituliert. Langsamer wiegen soll sie es. Weil es weint, wenn es zu schnell gewogen wird. Diese Rolle solle lieber sie übernehmen. Und die Augen des Vaters hat es. Und die Finger erst. Er ist zu Höherem bestimmt. Der kleine Teufelsbraten.

            25
            • 6 .5

              [...] Lange passiert im Grunde fast nichts, aber Polanski hält mit subtilen Andeutungen, hypnotischer Musik, schrägen Traumsequenzen und guter Besetzung bei der Stange. Schließlich, nach der sanften Wiege der Ungewissheit, eine schön böse Pointe, die konsequent ist, weil sie Befürchtungen wahr werden lässt, und gerade weil sie eigentlich zu nichts führt, fragmentarisch bleibt, vor den Kopf stößt und keine bestimmte Botschaft verfolgt, auch wenn man im Anschluss über Religions- und Gesellschaftskritik diskutieren kann. Ein hübscher Paranoia-Thriller mit Gruseleinschlag und eine Freude für alle, die nicht dauernd alles ausformuliert und visualisiert haben möchten, weil es unnötig ist; für das andere Extrem unter Umständen langweilig.

              • 8

                "Awful things happen in every apartment house." -

                Mit "Rosemary's Baby" setzt Roman Polanski da an, wo er drei Jahre zuvor mit "Repulsion" aufgehört hat: Der Visualisierung des Ungreifbaren.
                Obwohl weder "Rosemary's Baby" noch sein inoffizieller Vor- bzw. Nachfolger mit grafischer Gewaltdarstellung oder ähnlichem aufwarten, so hat sie sich die Mieter-Trilogie doch mehr die Huldigung als "Terror-Kino" verdient, als alle modernen Produktionen, die mit diesem Prädikat versehen worden sind: Polanski zieht seine Schreckensvisionen weniger aus dem okkulten Überbau, als vielmehr aus der Ohnmacht seiner Hauptfigur (göttlich: Mia Farrow) gegenüber der eigenen Umwelt, der Hilflosigkeit, in einem tiefschwarzen Netz der Verzweiflung gefangen zu sein - der Dämonisierung des Alltags.
                Folgerichtig ist der Horror in "Rosemary's Baby" keiner, der sich durch Schocker manifestieren würde, sondern einer, der schleichend aber nachhaltig die Abgeklärtheit seines Publikums demontiert und Verstörung zurücklässt.
                Wenigen Filme dieses Genres gelingt es, dass man sich nach ihrer Sichtung unwohl in seiner Haut und seiner Wohnung fühlt - Polanksi hat es gleich dreimal geschafft.

                Großes und technisch einwandfreies Kino, welches man nicht gesehen haben sollte, sondern gesehen haben muss!

                15
                • 8 .5

                  [...] Die scheinbare „normale“ Alltagsrealität, wird immer wieder durch die Schattenseiten des Lebens der Woodhouses ausgeleuchtet. [...] Das moderne Großstadtleben bildet den Nährboden für die Paranoia. Polanskis Manipulation macht den Film zu einer schicksalhaften Begegnung mit den Traumillusionen.

                  • 10

                    Die Ruhe, mit der Polanski die Bilder, die zurückhaltende und dennoch gespenstische Musik und natürlich die unwerfenden Mia Farrow (die einen gewissen Beschützinstinkt weckt) inszeniert belebt einen nüchtern- makaberen Alptraum, der raffiniert mit der Kraft der Suggestion und der Angst rund um den Verlust der Kontrolle über den Körper, des Verstandes und den privaten wie gesellschaftlichen Alltag spielt ohne dabei zu tief in die Effektkiste zu greifen. Ein unheimlich guter Horrorfilm, vielleicht sogar einer der besten den es je gab!

                    4
                    • 10

                      Einer der wirklich perfekten Filme für die Ewigkeit.

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