Shoplifters - Familienbande - Kritik

Manbiki Kazoku / AT: Family

JP · 2018 · Laufzeit 121 Minuten · FSK 12 · Drama · Kinostart
Du
  • 6 .5

    [...] In Wahrheit lernt Yuri in ihrer neuen Familie, in ein Leben geworfen zu werden, das ihr zwar viel abverlangt, aber zugleich einlädt, dass sie in ihm wirken kann und als mündiges Subjekt Zeugin ihres "Personwerdens" (Niklas Luhmann) wird. Koreeda spielt, ohne den melodramatischen Unterbau allzu sehr auszubauen, subtil auf Yuris leibliche Eltern an. Dazu genügt eine markante Verbrennung auf Yuris Arm, und dadurch schafft der Filmemacher die Bedingungen für ein pädagogisches Gedankenexperiment: Was wäre, wenn Yuri andernorts jene Liebe und Zuneigung erfährt, die ihr – offenbar – verweigert wurde? Das heißt nicht, dass "Shoplifters" für ein Erziehungskonzept plädiert. Gleichwohl erprobt der Film eine funktionale Vorstellung von Erziehung innerhalb außerschulischer Sozialisationsbedingungen und verpackt es in ein raffiniertes, erlebensreiches Aneignen von Welt. [...]

    10
    • 8

      [...] Shoplifters feiert auf hinreißende Weise Wahlverwandtschaften und übt sanfte Kritik an der rigiden japanischen Gesellschaft [...].

      • 8

        Fazit

        Eine etwas träge aber warmherzige erste Hälfte wird durch eine überaus emotionale zweite abgelöst. Feinfühlig und nicht zu aufdringlich erzählt Regisseur Hirokazu Kore-eda in "Shoplifters" von einer ungewöhnlichen Wahlfamilie, die in vielerlei Hinsicht ihr Herz am richtigen Fleck haben. Die Konflikte, vor die sie zum Ende hin gestellt wird, und ihr Umgang damit zerreißt einem förmlich das Herz.

        2
        • 8 .5

          Was macht eine Familie aus? Mit „Shoplifters“ widmet sich Hirokazu Kore-eda wieder seinem Lieblingsthema, wenn er eine wild zusammengewürfelte Außenseitertruppe vorstellt. Das ist gleichzeitig ungewöhnlich und alltäglich, geht nach einem fordernden Start schnell zu Herzen, ohne sich dabei auf Kitsch ausruhen zu müssen, und erinnert daran, was es heißt, inmitten der kalten Großstadt ein Mensch zu sein.

          • 8

            In seinem Cannes-Gewinnerfilm »Shoplifters« zeichnet Kore-­eda das sensible Porträt einer eigentümlichen Familie von Dieben und Betrügern. Sein stiller Film ist gleichermaßen das Por­trät japanischer Rezessionsverlierer und eine Reflexion über die Definition von »Familie«. [Kai Mihm]

            • 8 .5

              "(...) Was eine Familie ausmacht, die Biologie oder Soziologie, bildete bereits den Kern [früheren Werken Kore-edas] (...) Insofern erfindet [er] sich hier nicht neu. Vielmehr liefert er eine Art Best of der Themen seiner jüngeren Werken (...) Sympathisch ist Manbiki kazoku, nicht nur wegen Kore-edas Stammpersonal wie Lily Franky und Kiki Kirin, sondern vor allem dank Sasaki Miyus Niedlichkeit. Fraglich jedoch, ob der Film die enthüllenden Entwicklungen in der zweiten Hälfte respektive gerade im Schlussakt wirklich nötig hatte – selbst wenn sie ironischer Weise den Film von den Vorgängern abheben. Manbiki kazoku erzählt letztlich nicht nur davon, was eine Familie als Konstrukt ausmacht, sondern auch, was sie ihren Mitgliedern bedeutet (...) Wie von Kore-eda-san gewohnt, liefert er mit Manbiki kazoku ein warmes Familien-Drama mit humorvollen Untertönen über Menschen mit Makel, die zwar nicht viel im Leben haben, aber immerhin sich selbst."

              3
              • 9
                NZZ 14.12.2018, 11:17 Geändert 14.12.2018, 11:48

                Der feinfühlige Film liest sich wie ein leiser Abgesang auf das schöne japanische Bild einer Gesellschaft des Zusammenhalts und der gegenseitigen Unterstützung [...]. Vor allem aber rührt er auch an ein Tabuthema: [...] Kinderarmut und Kindsmisshandlung.

                • 8

                  Ein tief berührendes Drama

                  • 9

                    Ein berührendes Lehrstück in Humanismus und Nächstenliebe - ganz ohne Zeigefinger oder moralinsaure Predigt.

                    • 8

                      "Hirokazu Koreeda krakelt in Shoplifters mal wieder am japanischen Familienkonzept herum. So radikal wie vorher noch nie." [Till Kadritzke]

                      • 7 .5

                        Shoplifters ist so ein Film zum richtig Gernhaben, auch wenn die Handlung in diesen zwei Stunden aufgrund der nicht gleich wichtigen Figuren ein paarmal ins Stocken gerät. [Christoph Schelb]