Sin Nombre - Kritik

Sin Nombre

US/MX · 2009 · Laufzeit 95 Minuten · FSK 16 · Drama, Thriller · Kinostart
Du
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    CharlesBronson 23.03.2018, 21:13 Geändert 24.03.2018, 10:42

    Nicht schlecht, aber da wo der Film noch eine Schippe hätte drauf legen müssen, wo er einfach zu Gunsten der Story kompromissloser hätte sein müssen, kneift er, verkitscht teilweise sogar. Ab dem Mittelteil streckenweise dann auch etwas dröge.

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    • 8

      Das Filmdrama "Sin Nombre" punktet durch seine ungeheure Authentizität, die besonders auf die überdurchschnittlichen Schauspieler, die jedoch (mir zumindest) unbekannt sind, zurückzuführen sind. Der Kontrast zwischen einem Action- und Romantikfilm ist sehr gelungen, sodass sich der Film weder in kitschiges Liebesgeplänkel verirrt, noch in einen reinen Actionfilm mutiert. Leider lässt die für einen Streifen mit dieser Thematik recht kurze Laufzeit nicht zu, dass man allen wichtigen Handlungsträgern die nötige Charaktertiefe verleiht, was dazu führt, dass einige Randfiguren, wie z.B. El Smiley, blass bleiben. Trotz dessen kann ich in diesem Falle nur eine klare Empfehlung aussprechen.

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        Chionati 19.01.2018, 19:30 Geändert 19.01.2018, 20:01

        Sin Nombre (US/MX 2009) ist ein guter Thriller mit großen Dramaanteilen der durch seine Authentizität punktet.
        Aufgrund der Hoffnungslosigkeit im eigenen Land machen sich abertausende Lateinamerikaner jedes Jahr auf den beschwerlichen Weg um in die Staaten zu gelangen. Nicht einmal die Hälfte wird das Ziel erreichen. Willi/El Casper wächst in einer Welt voller Gewalt auf, bei einer der gefährlichsten Gangs der Welt, der MS 13. Nachdem dort etwas schief läuft bleibt ihm ausser Flucht kein Ausweg mehr, denn aussteigen gibt es nicht und so wird er für "Vogelfrei" erklärt und gnadenlos verfolgt. Auf der Flucht lernt er Sayra kennen, die mit Familienangehörigen ebenfalls auf dem Zug ist. Der Film zeigt aber auch die allgemeinen Gefahren der schwierigen Reise und hat auch ein paar gute Wendungen. Ein dramatisches Finale machen ein gelungenes Szenario und man bleibt mit einer gewissen Fassungslosigkeit zurück.

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          "Sin Nombre" ist kein schlechter Film, aber ein Film, den die Welt nicht unbedingt gebraucht hat. Den Anfang der Geschichte hat man in ähnlichen Filmen, allen voran "City of God" bereits zur Genüge abgehandelt und danach ist mehr und mehr Flaute im Film. Zwar ist immer eine gewisse Grundspannung da, aber so richtig identifizieren kann man sich mit den Figuren nicht - irgendwie zieht das alles mal wieder einfach an mir vorbei. Immerhin ist der Film noch optisch gelungen und kann auch durchaus mit schauspielerischen Qualitäten glänzen.

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            Mr.Torrance 20.05.2017, 12:43 Geändert 20.05.2017, 12:44

            "Sin Nombre" führt die Schicksale zweier Teenager auf dem Dach eines fahrenden Zuges zusammen. Beide Geschichten eint die Hoffnung, dem Elend der gewaltgeplagten Slums zu entrinnen, um in den Vereinigten Staaten ein besseres Leben zu finden. Fukanaga reduziert seinen Blick auf den schweren Alltag in Lateinamerikas Armenvierteln, in denen weiträumige Zonen dem Kreis der Gewalt und Armut hoffnungslos unterjocht sind. Er präsentiert keine Lösungen für die Probleme, was allerdings auch vermessen wäre.

            Der Blick in den Alltag von Willy führt uns in die mörderische Welt der berüchtigten Mara, einer Latino-Gang dessen Schergen ganz Lateinamerika sowie etliche Bundesstaaten der USA unterwandert haben. Sein Traum vom Ausstieg aus der Gang ist gleichbedeutend mit einem Todesurteil. Die porträtierten Mitglieder der Mara jagen ihm von nun an hinterher. In seiner recht schonungslosen Darstellung von Gewalt bleibt Fukanaga wohl noch weit hinter der Realität zurück. Hier hätte man ruhig noch tiefer in die Gangstrukturen, bzw. in die Bedeutung der MS13 für die Zivilbevölkerung in vielen Teilen der Welt vordringen können. Das wirkte mir dann doch etwas stiefmütterlich anhand des Schicksales von Willy abgehandelt. Immerhin ist die MS13 in Mittelamerika für viele Menschen eine regelrechte tödliche Seuchenplage, die in ihrer Parallelwelt aus Tattoos, Aufnahmeritualen, Gewalt sowie Treue und Gehorsam einen roten Blutteppich über weite Landstriche hinter sich herzieht.

            Die zweite Geschichte erzählt von der jungen Sayra, die hofft durch illegale Einwanderung in die USA ein besseres Leben fernab vom sozialen Exitus in der Heimat zu finden. Die Motive für ihre Flucht werden sichtbar, allerdings für mich nicht spübar. So erging es mir eben in beiden Geschichten. Richtig gefesselt hat der Film, trotz seiner Qualitäten nicht. Durch den romantischen Anteil kommt die Eisenbahn-Fahrt auch das ein oder andere Mal leicht ins Stocken. Besonders das Ende hat es dann aber wieder in sich, auch weil hier mal bewusst vom üblichen Happy-End Mist abgewichen wird. Die Realität sieht eben anders aus.

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              sehr realisstisch und dann noch gruselig

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                pabloundtrish 19.07.2016, 12:09 Geändert 20.07.2016, 13:16

                Wenn du mal nicht einschlafen kannst, schau Sin Nombre aka "Die schönsten Bahnstrecken Südamerikas". Es sind ja auch echt schöne Bilder, aber das war es auch schon. Das ist mal einer der wenigen Filme, über die ich so gut wie gar nichts gutes zu sagen habe, also die vier Punkte täuschen vielleicht. Sie sind, weil ich die Stimmung und einige der Bilder echt sehr gelungen fand.

                Die Mara wurde zu so kitschigen Filmbösewichtern romantisiert, zu so einer kleinen Hütte mit 20 Möchtegern Gangstern mit ein paar improvisierten Waffen. Eigentlich ist es den Medien und Insider Berichten nach eine weltweite Organisation, vor der sogar die Polizei Schiss hat und draußen vor dem Hochsicherheitsgefängnis mit 2500 Insassen wartet, während die Mara es inklusive Krankenhaus, Kantine usw leitet. Die weiblichen Mitglieder werden im Alter von 10-16 durch Massenvergewaltigungen aufgenommen und die männlichen durch Schläge, aber nicht wie im Film, sondern so, dass sie auch tödlich ausgehen können. Und es sind nicht nur über tausend wie im Film gesagt. Es sind 50.000-100.000 Gangmitglieder, auch schon zum Teil in Europa, ihre Zentrale ist das Land mit der höchsten Mordrate weltweit und Gangmitglieder werden selten älter als 30. Also wenn man bedenkt, dass mindestens 50.000 Leute dadurch aufgenommen wurden, dass sie neben dem Abhärtungsritual auch noch jemanden (=50.000 andere Leute) getötet haben und das zu dem Zweck, dass es nicht bei diesem einen Mord bleibt und dazu sicher noch täglich neue rekrutiert werden, weil ja auch jeden Tag welche sterben, ist das ein großer Krieg. Es ist aber kein Kriegsfilm, sondern geht um ein paar Kleinkriminelle, die einen Verräter jagen. Sie werden im Film wie Banditen gezeigt, die Züge überfallen, statt die Drogen- Waffen- und Menschenhändler sowie Regierungsposten und Kriegsführer, die sie sind. Und alles aus Mara Sicht, mit Porträts der einzelnen Mitglieder, befeindeten Gangs als anonyme wehrlose Beutetiere und immer wieder der kleine coole Junge mit seiner Knarre und seinem Lebenstraum, Mara zu werden. Dass sie ihm drohen, verstoßen zu werden, ist auch quatsch, denn eigentlich ist es wohl eher andersrum, dass die Maras niemanden gehen lassen.

                Ich will das jetzt auch nicht dramatisieren und so gewagte Behauptungen aufstellen, wie dass eine andere Regierung in irgendeiner Weise weniger kriminell oder kompetenter wär, denn das ist nunmal ein kapitalistischer Ausbeuterplanet und diese Hoheiten nehmen sich alle nichts. Aber so eine Verharmlosung ist auch ein sehr falscher Weg, das sieht ja schon fast aus, wie ein Werbefilm für die Mara. Das macht Fukunga auf jeden Fall unsympathisch. Genau so was finde ich kacke, vor allem wenn dann noch alle betonen, wie unbeschönt und realistisch der Film ist. Wenn ihr mal einen richtig unbeschönten Film sehen wollt, schaut Disneys Pocahontas, dann erfahrt ihr die knallharte Wahrheit darüber, wie realistisch sie 100 mio Ureinwohner auf ganz romantische Weise einvernehmlich totgestreichelt haben. Aber vor allem als Filmemacher mit viel Reichweite, hat man eben auch Verantwortung. Scarface hat schon gezeigt, wie viele echte Gangsterbosse sich an einem Film orientieren und zum Teil seine Villa 1:1 nachbauen usw. So einen Effekt wird dieser Film auch haben, weil er im Grunde einfach nur Lobgesang auf die Mara ist. Es würde mich nicht wundern, wenn da sogar ein paar echte Mitglieder mitgespielt und / oder hinter der Kamera mit bestimmt haben.

                Also entweder so ein seichter Gangsterfilm, wo sie dann aber nicht Mara heißen und bestenfalls von ihnen inspiriert sind, oder ein Kriegsfilm, nur Hauptsache nicht so ein Propagandafilm. Oder so wie ich es mir erhofft habe, eine Geschichte um die Reise der Flüchtlinge, wo es nur am Rande um diesen Mafia Kram geht statt andersrum. Dafür kann der Film zwar nichts, aber ich habe mir irgendwie so ein richtiges Flüchtlingsdrama erhofft, mit weniger Hollywood Action und stattdessen ein bisschen Tiefe.

                Diese nervige Hetzjagd und die "Geschichte" an sich fand ich sehr einfallslos und dünn gestreut. Da wurde Inhalt mit dem Potenzial eines 15-30 minütigen Films auf ganze 90 Minuten gestreckt. Die Schauspieler sind alle sehr einschläfernd und statisch, keine Ahnung, wo man so schlechte Schauspieler herbekommt. Vor allem wo es so energielose Jugendliche gibt, vielleicht hat er sie aus der Klapse und die waren alle auf Downern oder er hat sie direkt aus dem Methadonprogramm - anders kann ich es mir nicht erklären. Als absolute Glanzleistung ist dem Film sogar gelungen, schlechte Latino-Musik zu erfinden. So ein wehleidiges sich immer wiederholendes Geklimper, das jetzt noch nachklingt, wenn ich dran denke. Timing und Inszenierung sind auch oft so was von dilettantisch und steif. Der Film hat mich irgendwie sehr an Spring Breakers erinnert und das nicht nur wegen den tätowierten Gangster Typen, sondern weil er auf eine ähnliche Art noch leerer und schlechter, noch geltungsbedürftiger und pseudodramatischer als Spring Breakers ist.

                Im großen ganzen einer dieser Filme, die einfach nur Aufmerksamkeit saugen und nur wenig zurück geben. So ein Film, der einen vor lauter Unterforderung schon aufregt. Ich weiß, wertvolles Prädikat, ungewöhnlicher Drehort und so, bestimmt auch ein Arsch voll Preise, aber das heißt noch nicht, dass du diesem Film irgendwas schuldest. Lieber City of God oder Slumdog Millionaire gucken.

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                • El Norte - das ist die Losung vieler Südamerikaner, die sich aufmachen nach Norden, in die USA. Sin Nombre, was soviel heisst wie "ohne Namen", hat eine verheerende Wirkung auf mich! Das ist die Geschichte einiger, die ihr Glück riskieren, auf dem Zug in die Vereinigten Staaten. Höchstes Risiko, Gewalt, eine Romanze, vor allem aber das Leid, die Heimat zurückzulassen - all das führt uns Sin Nombre vor Augen. Zwei Geschichten werden erzählt. Die erste handelt von Sayra (Paulina Gaitan), einem Mädchen aus Honduras. Gemeinsam mit ihrem Vater und ihrem Onkel unternimmt sie eine Odyssee über Mexiko, um zu Verwandten nach New Jersey zu gelangen. Die zweite handelt von Casper (Edgar Flores), einem Gang-Mitglied aus dem Süden Mexikos, der alles hinter sich lassen will. Cary Fukunaga erweist sich nicht nur als Meister darin, diese Geschichte mit fulminanten Bildern umzusetzen - er kennt die Situation. Fukunaga fuhr selbst mit in einem der Flüchtlingszüge, erfuhr das Leid, aber auch den unumkehrbaren Willen, das eigene Leben zu verbessern. Darüber hinaus hat er die real existierende Gang Mara Salvatrucha studiert, ihre Rituale, ihren Habitus. Fukunaga, anfang 30, gehört zur Generation von Filmemachern, die wieder klassisch erzählen wollen. Sin Nombre wurde auf 35mm gefilmt und darf als leuchtendes Beispiel dafür gelten, einen handwerklichen, altmodischen Film zu inszenieren! Dementsprechend einfach und geradeaus wirkt die Geschichte Sayras. Sie glaubt, in New Jersey den Himmel auf Erden zu finden und strebt einfach nur vorwärts. Doch wo befindet sie sich tatsächlich? Wo, wenn nicht in der Hölle auf Erden? Die wird offenbar in den Hinterzimmern der Gang. Sie alle sind tätowiert, keiner von ihnen aber mehr als der Anführer Lil' Mago (Tenoch Huerta Mejia). Das ist die Hölle, in der Casper lebt, deshalb springt er auf den Zug, trifft Sayra und von nun an, ist ihr Schicksal eins. Der Effekt, den die Gang auf ihre Mitglieder hat, erleben wir mit dem erst zwölfjährigen Smiley (Kristyan Ferrer). Für ihn ist der Anführer Lil' Mago nichts anderes als ein Gott. Smiley befindet sich in Trance: Er ist bereit, zu töten und getötet zu werden. Sin Nombre hallt allein wegen Smiley noch lange nach! Das Schicksal der Menschen auf dem Zug Richtung Norden - nach dem Abspann bleiben die Bilder noch lange vor Augen. Illegale Immigration ist ein Thema, dass wir nicht einfach abtun können. Menschen lassen ihr Leben und riskieren ungeheures Leid, nur um bei uns etwas Besseres zu finden als die Heimat. Es ist die eine Sache, darüber in der Zeitung zu lesen, eine andere, es unmittelbar vor Augen geführt zu bekommen. Wie in Sin Nombre.

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                    Echt gut und realistisch gemacht!

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                    • 8 .5

                      Wenn man die ersten 10-20min übersteht, sieht man ein wirklich tollen Film.

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                      • 8
                        RolfMuller 08.12.2015, 13:45 Geändert 08.12.2015, 13:47

                        Nach so einem Film merkt man erst einmal wieder wie gut es einem eigentlich geht und man wird auf bedrückende Weise auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt.

                        El Casper ist Mitglied einer mexikanischen kriminellen Jugendgang. Lil Mago ,der Ganganführer, tötet sein Mädchen. Bei einem Überfall der Gang auf einen Flüchtlingszug tötet El Casper Lil Mago, der gerade dabei war das Flüchtlingsmädchen Sayra zu vergewaltigen. Sayra und El Casper versuchen über die mexikanische Grenze zu fliehen, doch El Caspers Gang macht Jagd auf ihn...

                        Das Ganze klingt fast nach einem 08/15 Thriller ist aber so erschreckend realistisch und bodenständig inszeniert, dass man das Gesehene auch nicht im Geringsten anzweifelt, was seine Wirkung auf den Zuschauer nur noch größer erscheinen lässt. Das ist in erster Linie der Verdienst des Regisseurs Cary Fukunaga, der uns in letzter Zeit auch mit der tollen Serie „True Detective“ beglückte und verzückte.

                        Die Darsteller in diesem spannenden und auch actionreichen Indie-Drama machen Ihre Sache hervorragend.
                        Allen voran der Hauptdarsteller Edgar Flores, der uns mit seinem zurückhaltenden aber auch emotionalen Schauspiel gar keine andere Wahl lässt, als mit ihm mitzufiebern.

                        „Sin Nombre“ hat mich überrascht, fasziniert, erschreckt und mit einem unguten Gefühl zurückgelassen, weil er zeigt wie nahe doch Hoffnung und Hoffnungslosigkeit auf unserer Welt zusammenliegen können.

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                        • 10

                          Sehr guter Film. Real!

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                          • 6 .5
                            Andron 07.11.2015, 03:35 Geändert 07.11.2015, 03:38

                            Mara für immer, Homie...

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                              Eisenbahn-Romantik für Fortgeschrittene.

                              Für einmal geht die Reise nicht durch Baden-Württemberg oder Rheinland-Pfalz, der "Zug der Hoffnung" mit den "Namenlosen" durchquert Honduras, Guatemala und Mexico.

                              Hart und schonungslos.
                              Einmal "Mara" (Salvatrucha) immer "Mara".
                              Stark, aber schon noch ein Paar Stationen vom genialen CITY OF GOD entfernt. Trotzdem sehenswert.

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                              • 8
                                huababuar 14.09.2015, 03:27 Geändert 15.09.2015, 16:39

                                Ein toter Junge liegt am Ufer, sein Gesicht zur Hälfte im Sand vergraben. Die Armut, der Krieg, die Ungerechtigkeit des Lebens haben ihren Tribut gefordert. Ich spreche nicht über Aylan Kurdi, den im Mittelmeer ertrunkenen, syrischen Flüchtlingsjungen, der jüngst zum niederschmetternden Symbol der derzeitigen Flüchtlingstragödie, der lang anhaltenden Passivität der westlichen Industriestaaten und der daraus resultierenden humanitären Verantwortung geworden ist. Das Ufer liegt auch nicht an der europäischen Außengrenze, es befindet sich mitten in Zentralmexiko.

                                „Mexiko?“, wird sich so Mancher gerade bestimmt verwundert fragen. „Ja genau!“, ist die Antwort. Mexiko, das scheinbar so glückselige und temperamentvolle Schwellenland der Sombreros, Nachos und des Tequila. Wo bei uns tagtäglich über einen nicht zu bewältigenden Zustrom aus Syrien, Pakistan, Afghanistan, den Balkan-Ländern und Afrika berichtet, diskutiert und auch lamentiert wird, vergessen viele, dass es sich bei Flucht (ob nun aus wirtschaftlichen oder politischen Gründen) um ein globales Problem handelt. Und während man hierzulande in diesem Jahr mit gut 800.000 Hilfesuchenden rechnet, überqueren auf der anderen Seite des Kontinents im selben Zeitraum gut 350.000 Mittelamerikaner die Grenze Mexikos zu den USA, die – ähnlich ruhmreich, solidarisch und weltoffen wie Magyarendespot Viktor Orbán – dem Ansturm mittels eines groß angelegten Schutzzauns trotzen wollen.

                                Sie alle sind auf der Suche nach einem besseren Leben. So auch Willy und Sayra im amerikanisch-mexikanischen Filmdrama „Sin nombre“. Er, ein ehemaliges Mitglied der berüchtigten Jugendgang „Mara Salvatruca“, muss nach einem Verrat an der Ersatzfamilie um sein Leben fürchten und will deshalb so schnell wie möglich mit seinem alten Leben abschließen. Sie, eine honduranische Schönheit, hofft zusammen mit ihrem Vater und ihrem Onkel durch die illegale Einwanderung in die USA auf eine erstrebenswerte Zukunft.

                                Regiedebütant Cary Fukunaga verwebt diese beiden Schicksale und die zwei ihnen anhaftenden, symbolisierten Brandherde in Mittelamerika – nämlich zum einen eben die Flüchtlingsbewegung in Richtung Norden, zum anderen die Überhand nehmende Banden- und Jugendkriminalität – geschickt und behutsam und zeichnet dabei ein bewegendes Portrait über marode Sozialstrukturen, eine verrohte Welt und die Ängste der Betroffenen.

                                Lösungen hat Fukunaga nicht parat. Bewusst vermeidet er es, zu politisieren und über die Ebene der bloßen Elendspräsentation hinwegzuschreiten. So ist „Sin nombre“ mehr gelungene Studie der vorherrschenden Bedingungen und Gefahren als tiefgreifender Diskurs, funktioniert aber auch oberflächlich betrachtet dank seiner so kraftvollen, nahbaren, authentischen und grandios verkörperten Charaktere ganz ohne moralisch-politische Komponente als Schicksalsdrama.

                                Und dennoch: Gewalt als legitimes Mittel, um Machtpositionen zu etablieren und den Lebensunterhalt zu bestreiten, Sehnsucht, Hoffnung und Liebe als helle Lichtstrahlen in einer sonst so düstere Welt, vor allem aber Armut als Ursache allen Leids, als Geißel der Menschheit – „Sin nombre“ lässt alltägliche Probleme wie wir sie in Europa haben plötzlich ganz nichtig, ja fast schon lächerlich erscheinen. Und auch wenn Fukunaga seine Anfangsprinzipien mit der Zeit ein wenig vernachlässigt, sich mit fortlaufender Spielzeit mehr um seine zwei fiktiven Einzelschicksale und weniger um die allgemeine Problematik kümmert und damit kaum merklich etwas ins gängige, leicht kitschige Blockbustertum abwandert, ist sein Erstlingswerk – obwohl es nun schon knapp sechs Jahre auf dem Buckel hat – zeitgemäßer und aufrüttelnder denn je. Aylans Schicksal - das Ende einer Reise, die der dunklen Seite des Lebens den Rücken kehren sollte und jäh in den Gewässern endete, die Krieg von Rettung trennten – ist kein Einzelfall. Die Schwachen und Unschuldigen, die, die ihre Zukunft noch vor sich hatten, trifft es tragischerweise immer als erstes. Nicht nur in Syrien, nicht nur in Afrika, auf der ganzen Welt.

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                                  Sin Nombre kommt ziemlich authentisch hinüber und kann einem einen guten Einblick in die Hierarchie der mexikanische Gangs geben, der Chef ist erschossen worden, obwohl er eine Frau vergewaltigen und dann noch ausversehen umbrachte, wird er als Opfer des Rächers angesehen. Dabei reden alle in der Gruppe die ganze Zeit von Familie. Aber die Hauptfaszination ist die gefährliche Reise nach Amerika, es wird nach der Beweggründen gefragt und es stellt einem die Frage, ob es nicht völlig unmenschlich ist, solche Flüchtlinge wieder zurück ins Elend zu schicken, denn eigentlich sind die amerikanischen wie europäischen Länder Schuld, weil sie in solchem Elend leben, wir haben ihnen Bodenschätzen geklaut und heutzutage werden sie von internationale Konzerne als billige Arbeitskräfte missbraucht.
                                  Kein Film stellte mich mehr vor der Frage, ob es überhaupt Täter und Opfer gibt.
                                  Obwohl der Film wegen seiner dünnen Handlung gegen God of City verliert, überzeugte er mich sehr mit seinen Dialogen und Szenen die einem zum nachdenken bringen.

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                                    Gewalt in einer Slum-Gang in Guatemala.
                                    Hier geht es dreckig zu und es gibt keinen Ausweg aus der Misere.
                                    Als ein Junge sich zu fliehen entschließt und einen folgenschweren Fehler macht, ist er zum Abschuß freigegeben.
                                    Nett gedreht und ziemlich realistisch erzählt.
                                    Jedoch fehlt mir das Besondere wie z. B. bei "City of God".
                                    Dieser Vergleich ist unnötig, denn "Sin Nombre" hat nicht den Hauch einer Chance.
                                    Insgesamt trotzdem ein guter Film, den man aber nicht gesehen haben muss.

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                                      SIN NOMBRE (Namenlos) ist eine gewalttätige Odyssee durch die nördlichsten Länder Lateinamerikas. Es ist eine Reise, nein ... eher eine Flucht aus einem höllischen Paradies in eine paradiesische Hölle. Sayra, ihr Onkel und ihr Vater fliehen vor den Lebensumständen in Honduras, Willy flieht vor den Dämonen einer Vergangenheit, die den Namen Mara trägt. Es handelt sich dabei allerdings nicht um den niedlichen Pampashasen, der uns suboptimal an eine solche Umwelt angepassten Gringos hierzulande als Argentinisches Wildkaninchen verkauft wird. Denn das ist das exakte Gegenteil der Mara salvatrucha, einer Bandenfamilie, deren Mitglieder extrem gut auf ein Leben in der Hölle auf Erden vorbereitet sind.

                                      Die Mara Salvatrucha, wie wir sie im Film erleben, hat ironischerweise ihren Ursprung im Herzen der Filmindustrie Amerikas. In den 80er Jahren wurden Flüchtlinge aus El Salvador, die der dortigen Guerilla angehörten, in LA angesiedelt. Dort wurden sie von den ortsansässigen Verbrecherorganisationen nicht gerade freundlich empfangen und bildeten eine "Schutzgang". Aufgrund ihrer militärischen Kenntnisse konnten sie sich rasch gegen ihre Gegner durchsetzen und übernahmen der Einfachheit halber gleich ihre "Unternehmungen". Die von der Polizei festgenommenen Banditos wurden dann zurück in ihre Heimat geschickt, wo sie schließlich den Grundstein für das heutige Syndikat legten, das heute sogar nicht mehr vor Übergriffen gegen Mitglieder der Regierung zurückschreckt.

                                      Sich ein Leben in Mittel- und Südamerika vorzustellen, ist für die meisten von uns wohlbehüteten Mitteleuropäern, die schon einen Nervenzusammenbruch bekommen, wenn sie 10 Minuten im Stau stehen, nahezu unmöglich. Spanier und Portugiesen, von ihrer Gier angetrieben, nahmen dem Subkontinent das Gold, das den Menschen hier nicht viel bedeutete. Aber sie nahmen ihnen auch ihre Identität und hinterließen ihnen einen Gott, um den noch kein Volk auf diesem Planeten gebeten hat. SIN NOMBRE ist ein Spiegel für jeden, der glaubt, alle Verbrechen an der Menschlichkeit wären nur in der Vergangenheit und nur von den anderen begangen worden.

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                                      • 7 .5

                                        Guter und authentischer Film. So geht es halt nun mal ab an der Grenze ins gelobte Land. Allerdings gibt die Teenage-Lovestory, die leider zu ausgiebig beschrieben wird, Abzüge in der B-Note. Ansonsten sehr gut gemachter Film-

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                                        • 7 .5

                                          Dieser Film kommt auch ohne wahnsinnig viel Dialog klar, was ihn etwas anders und auch schöner macht.
                                          Dadurch kommt man atmosphärisch, gerade bei der Zugfahrt, voll auf den Geschmack der lateinamerikanischen Welt. Die Musik gibt auch einiges her.
                                          Bleibt ein kleiner Geheimtipp von mir.

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                                          • 8
                                            DrunkenCherry 16.11.2014, 14:44 Geändert 16.11.2014, 14:45

                                            Absolut bildgewaltiges und überwältigendes Kino. Die ganze Gang-Story erscheint mir hier sehr authentisch erzählt. Die Charaktere sind allesamt irgendwie sympathisch. Selbst der Gangboss wirkt menschlich, als er mit seinem Baby auf dem Arm gezeigt wird.
                                            Natürlich ist die Geschcihte endlos traurig, aber auch sehr spannend erzählt. Ich habe bis zum Schluss mit Casper mitgefiebert.

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                                            • 5

                                              Sin nombre hat mir persönlich nicht viel gebracht. Angekündigt wurde mir der Film als Spiegel für die extremen Verhältnisse rund um die kriminellen Banden in Mittelamerika. Abgesehen davon, dass ich die gezeigten Bilder nicht besonders schockierend fand, ist die Inszenierung für meinen Geschmack viel zu lahm und höhepunktarm ausgefallen. Ein Vergleich mit City of God drängt sich geradezu auf, auch wenn dieser eine andere Region auf der Welt behandelt, wobei dieser deutlich rasanter, spannender und eindrucksvoller daherkommt.

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                                              • 8

                                                Der Film zeigt auf realistische Weise, das schwere Leben der Menschen in Mittelamerika. Ein ausgezeichneter Einblick in die sonst so unbekannte Mara Salvatrucha und deren Brutalität und Kaltblütigkeit. Die Darsteller überzeugen auf ganzer Linie.

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                                                • 7 .5

                                                  Ein sehr guter Film von Regisseur Fukunaga. Der Mann kann was, das beweißt er mit seinem Film Jane Eyre aber deutlicher, als mit diesem Werk. Sin Nombre hat mich berührt. Ich finde es sehr realistisch gestaltet und auch die Darstellung fällt brutal aus. Ich schwanke zwischen 7,5 und 8 Punkten. Eigentlich sollte man bei einer solchen Thematik immer die höhere Punktzahl geben, doch aus rein cinematographische Sicht wäre ich eher bei 7,5.

                                                  • 8

                                                    Ein bewegender Film der vor allem durch seine dichte Atmosphäre überzeugt. Ein authentisch wirkendes Werk, was einen nachdenklich stimmt und sich einprägt. An sich gibt es nichts zu bemängeln. Mich hätte allerdings mehr über die Gang Thematik interessiert, da hier schon solide Grundsteine gelegt worden sind zu Beginn des Films. Allerdings verliert diese sich im Laufe des Films, respektiv wird sie nur zu einer Menschenjagd degradiert. Wäre doch mal ne gute Idee für ein Prequel, vor allem der Gangleader hat mich schauspielerisch sehr überzeugt, definitiv zu wenig Screen Time ^^

                                                    Fazit: Sehr sehenswert ;)

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