Spur der Steine - Kritik

Spur der Steine

DE · 1966 · Laufzeit 150 Minuten · FSK 6 · Drama, Komödie · Kinostart
Du
  • 9
    drahdinedum 19.01.2017, 16:51 Geändert 19.01.2017, 18:04

    Ich bin wieder hier… hatte ich noch im Vorjahr geschrieben, nun denn… wird Zeit, Worten auch Taten folgen zu lassen und zumindest ein paar Filmhighlights meiner inaktiven Zeit zu kommentieren.

    Eines der größten war sicherlich „Spur der Steine“!

    Allein Manfred Krug, der den kantigen Brigadeleiter Hannes Balla verkörpert zuzusehen... eine Freude!

    Balla hält nicht viel von Regeln und von Planwirtschaft schon mal gar nix… so verschafft Er sich fehlendes Material auch mal mit rohen Mitteln. Die „Ballas“ werden aber aufgrund Ihrer hohen Produktivität dennoch geduldet und Fehltritte heruntergespielt.

    Umso verwunderlicher, dass ausgerechnet zwischen Balla und dem neuen Parteisekretär Horrath nach anfänglichem Kräftemessen eine Art Hassliebe entsteht.
    Wobei Balla Horvath zu schätzen lernt, weil Er zu seinem Wort steht und Horrath Balla von Beginn an für seine Arbeit schätzt.
    Es gelingt Horrath durch Balla sogar ein Mehrschichten-System durchzusetzen.

    Zur gleichen Zeit wie Horrarth kommt auch die junge Ingenieurin Kati Klee auf die Baustelle… welche sich zunächst den Respekt in der harten „Männerwelt“ erarbeiten muss, aber eisern ihren „Mann“ steht… sozusagen.
    Balla ist beeindruckt von der Willensstärke Klee’s und wirft mehr und mehr ein Auge auf Sie, doch diese verliebt sich in den sensibleren Horrath und trotz der Tatsache, dass dieser bereits verheiratet ist, beginnen die beiden eine Affäre.

    Es ist ein einmaliger Einblick in die Arbeitswelt DDR: Planungsfehler, Materialrückstand, horrende Bürokratie, Männer auf falschen Posten und und und…

    Zwischendrin ein Horrath, der für die Baustelle und die Partei alles gibt, aber selbst immer häufiger in den Bürokratiestrudel gesogen wird und gleichzeitig von seinem Fehlverhalten -der heimlichen Liebschaft- und den möglichen Folgen weiß…
    Balla, der unglücklich verliebt ist und Katie Klee, die Horrath hilft, alles geheim zu halten, obwohl Sie Ihn natürlich am Liebsten nicht mit der Ehefrau teilen würde…

    Mit Katie’s Schwangerschaft beginnt eine Posse, welche heute (wie vermutlich auch damals) für großes Kopfschütteln sorgt…
    (Und wohl auch zum Aufführungs-Verbot aufgrund „Antisozialistischer Tendenzen“ des Filmes führten, so dass dieser erst Ende der 80er wieder in den Kinos lief.)

    Doch geht es trotz den Widrigkeiten des Baustellenlebens hauptsächlich um den „Menschen im System“. Seine Sehnsüchte, Ängste, Schwierigkeiten, aber auch jede Menge zwischenmenschliche Herzlichkeit. Wunderschöne, auch grandios humorvolle Szenen. (Weihnachtsgeschenke… Muhaha)
    Ich glaube kaum ein anderer Film war so nah dran.

    Und dann immer wieder dieser Krug (R.I.P.) mit harter Schale, aber weichem Kern, kantigen Sprüchen und jeder Menge Esprit.

    „Mit Ihnen würde ich sogar in nen DEFA-Film gehen“

    Aber gerne doch! ;-)

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    • 9

      Auch nach 50 Jahren noch gut anzusehen; ein echter Klassiker. R. I. P. Manfred Krug.

      • 8
        alexander.ziemann.71 13.07.2015, 06:30 Geändert 30.03.2017, 15:01

        Nie wieder war Manfred Krug so gut besetzt und gut aufgelegt wie hier. Die Cowboys von der DDR Baubrigade mit Anleihen bei den 7 Samurai - ein geniales Drehbuch trifft auf bestes Filmhandwerk. Dass man sich in der DDR für eine Trennung vor dem Arbeitskollektiv und dem Parteisekretär rechtfertigen musste und wie bei der Planerfüllung gemogelt und beschissen wurde - selten hat man die skurrile gesellschaftliche Wirklichkeit der Nachkriegszeit in der DDR mit ihrem gewaltigen Nachholbedarf im Bau so gekonnt auf den Punkt gebracht wie hier. Dass der Film damals ein großer Aufreger war, können aber wohl nur Zeitgenossen nachempfinden. Zu brav und handwerklich sauber im besten Sinne ist die hier eingeflochtene Satire. Und das ist auch das einzige Manko dieses Films. Er ist (wie viele DEFA-Produktionen) manchmal einen Tick zu brav und clean wegen der hohen Wertschätzung für handwerkliche Qualität, die wohl damals als Folge der kollektiven Arbeitsweise und zahlreichen Abstimmungsprozesse vorherrschend war.

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        • 10

          Ich bin echt beeindruckt. Der Film nimmt kein Blatt vor den Mund, ist ehrlich, intelligent, charmant, anarchistisch und dadurch so menschlich.

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          • 8

            „Ich wollt' sie nämlich ins Kino einladen. Mit ihnen würd' ich mir sogar n' DEFA-Film angucken.“

            Nachdem mich Frank Beyers Film „Nackt unter Wölfen“ nicht wirklich überzeugen konnte und letztendlich mehr Propaganda als Spielfilm war, ist ihm mit „Spur der Steine“ ein richtiges Kleinod gelungen.
            Hannes Balla, Kopf der Balla-Brigade auf einer Großbaustelle, ist ein dreckiger kleiner Rebell: Parteilos, große Klappe und klauen tut er auch noch – sowas kann die SED ja wirklich nicht gebrauchen! Aber Balla macht gute Arbeit und hat die Großbaustelle in der Tasche. Eines Tages steht dann Werner Horrath vor der Tür und eine junge Ingenieurin namens Kati Klee krempelt das Leben der beiden ordentlich um.
            Drei Tage hatten die DDR-Bürger Zeit um die „Spur der Steine“ im Kino zu bewundern. Danach war aber Sense. Zu gewitzt und zu scharfsinnig nahm Frank Beyers Baustellen-Western die Planwirtschaft, Parteihörigkeit und kommunistische Moralvorstellungen auf die Schippe. Während „Nackt unter Wölfen“ noch wortwörtlich nach „der Partei“ schrie, scheint sich hier ein gewisser Zynismus eingestellt zu haben, ein Zynismus der geradezu großartig von Manfred Krug alias Hannes Balla auf den Zuschauer übertragen wird. Mit großer Leichtigkeit und smarter Selbstironie haucht Krug seiner Figur Leben ein. Ein Wunder eigentlich, dass die „Spur der Steine“ nicht zu einem echten Klassiker geworden ist. Systemkritisch, unterhaltsam und wunderbar geschrieben, war keine der 132 Minuten langweilig. Der Film beweist Mut und hat weit mehr Eier als manch' ein moderner Polit-Film und Hannes Balla hat jetzt einen festen Platz in meinem Herzen. Einen Platz mit genug Baumaterial, Bier, ein Platz an dem auch die Parteilosen eine gerechte Behandlung erfahren.
            Hier ist meine DEFA-Tour also erstmal auf dem Höhepunkt angelangt, hoffen wir, dass es so hochkarätig weitergeht.

            9
            • 7 .5

              DDR-Baustellen-Western mit Manne Krug als Belmondo. Alles im Plan!

              5
              • 9

                witzig, extrem kritisch, tiefgehend und sehr unterhaltsam. einer der besten deutschen filme aller zeiten.

                • 7 .5

                  Wie ich eben feststellen musste, kennen nur drei meiner MP-Freunde „Spur der Steine“, oder haben ihn zumindest bewertet. Da ist das doch eine gute Gelegenheit diesen Klassiker des deutschen Films, mal etwas mehr in den Fokus zu rücken ;).

                  Hannes Balla, alias Manfred Krug, spielt einen bei seinen Kollegen stark angesehenen Bauarbeiter, der sich nicht scheut auch vor der Partei seine Meinung zu äußern. Einen Mann, der eben ist wie er ist und dem es schwer fällt sich auf Grund gesellschaftlicher Akzeptanz, an damals übliche Gepflogenheiten anzupassen. Folglich war er auch kein SED-Mitglied, was allerdings allgemein akzeptiert wurde, da er und seine Baugruppe gute Arbeit ablieferten. Balla war ein aufrechter Kerl, der sich um seine Mannen kümmerte und sich stets für sie einsetzte, zugleich war er aber auch kantig, schlug sich oft und trank ab und an einen über den Durst, was ihm des Öfteren eine Schelte von oben einbrachte. Eines Tages bekommt die Baustelle einen neuen Parteisekretär und eine Junge Frau wird als Ingenieurin. Sowohl Balla, als auch der neue Parteisekretär haben ein Auge auf die junge Dame geworfen, doch Balla scheitert bei seinen Bemühungen, während der Sieger dieses Duells bald auch auf anderer Ebene einen Treffer landet – Es steht eine Schwangerschaft ins Haus ;). Das große Problem, unser feiner Parteisekretär ist verheiratet und so langsam dämmert ihm das Unheil, woraufhin die Schwangerschaft geheim gehalten werden soll.

                  Von nun an spitzt sich die Lage auf der Baustelle zu. Materialknappheit und Fehlplanungen führen dazu, dass die beiden Streithähne enger zusammenrücken, dennoch fühlt sich nun die obige Gewalt dazu genötigt durch neue Anweisungen, neue Arbeitsbedingungen zu schaffen, damit der Auftrag noch rechtzeitig von Statten gehen kann. Dies führt zu reichlich Sprengstoff … aber seht selbst, schließlich soll das hier keine Inhaltsangabe werden ;).

                  Das ganze klingt vielleicht ein wenig altbacken und irgendwie uninteressant, was nicht zuletzt auch an der allseits bekannten Zensur des DDR-Regimes lag, die ja für jeden Filmemacher einen Spagat zwischen öffentlicher und offensichtlicher Kritik und eben der Kritik zwischen den Zeilen darstellte. „Spur der Steine“ ist jedoch - auch heute noch - sehenswerten und historisch äußerst interessanten. Es wird aufgezeigt das die Menschen des damaligen DDR-Staats oft im Konflikt zwischen sich Selbst und eben den wirtschaftlichen und moralischen Vorstellungen des damaligen Staats-Apparates standen.

                  Regisseur Beyer, den man sonst noch durch Filme wie „Nackt unter Wölfen“ oder „Jakob, der Lügner“ kennen könnte, kreiert ein äußerst spannendes Szenario aus gegensätzlichen Charakteren, Problemen im Privatleben und auf der Arbeit, Verantwortungsgefühl, leeren Parteiphrasen, taktischem Gerangel und Machtinteressen.
                  Dabei schafft es Beyer seinen Figuren eine Einzigartigkeit und Realitätsnähe ein zu hauchen, die mir alt zu oft in modernen Filmen fehlt. Nicht zu letzt besitzt der Film aber eine solch einprägende Komponente, weil die Darsteller – allem voran Manfred Krug – bestens gecastet sind und auf ganzer Linie überzeugen.

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                  • 7

                    Drei Tage hatten die DDR-Bürger Zeit Frank Beyers „Spur der Steine“ in einigen Lichtspielhäusern unter die Lupe zu nehmen, bevor der heute zurecht zum DEFA-Klassiker ernannte Film von der SED verboten wurde. Bereits die ersten Minuten zeigen warum: Ausnahmsweise ohne rosaroter Sozialistenbrille wird der selbsternannte Kern des Staates, die einfache Arbeiterschaft, als eine ungeordnete Horde voller Individualisten dargestellt. An ein und demselben Strang zieht hier eigentlich keiner, nicht einmal die Parteimitglieder. Die Arbeitsbedingungen im Bau sind miserabel, von der Materialknappheit bis zur unkoordinierten Chefetage und inmitten dieser alltäglichen Verwirrung müssen dennoch wichtige Entscheidungen getroffen werden. Im Mittelpunkt der Diskussionen steht das Parteiausschlussverfahren um den Bauleiter, ein eigentlich idealistisches SED-Mitglied, der sich den Fehltritt erlaubte, trotz Ehe eine Affäre aus Liebe zu seiner Arbeitskollegin zu beginnen. Ein Verstoß gegen die Moral und obendrein unzumutbar für das Prestige der Partei. »Ist Liebe denn unmoralisch?«, fragt Brigadeleiter Hannes Balla, hervorragend von Manfred Krug verkörpert, und bringt damit als kritischste und divergenteste Figur des Films erneut spitzzüngig das höchst instabile Gedankenkonstrukt der herrschenden Sozialisten ins Wanken, welche drauf und dran sind, das Leben zweier Liebenden, an der Grenze psychischer Belastung angelangt, in den Abgrund treiben zu lassen. Mit hintergründigen NS-Vergleichen und der Enttarnung kapitalistischer Tendenzen systemtreuer Bürger durch feine Gesten, wie der gierigen Umklammerung wertvoller Konsumgüter, komplettiert Beyer seine harsche, nie zu plakative, Kritik am Staatsapparat der Deutschen Demokratischen Republik. Dazu gehört eine Menge Freigeist und Mut, was gar nicht hoch genug geschätzt werden kann, trotz dass die DDR natürlich auch ihre guten Seiten hatte. Doch aus dem damaligen Blickwinkel betrachtet, war einzig und allein gut überlegte und wohl dosierte Kritik vonnöten, die uns der Film einwandfrei vermittelt. Schade nur, dass wir erst heute etwas davon haben.

                    11
                    • 8 .5

                      Mit 17 gesehen. Letzte Vorstellung unseres Dorfkinos, bevor es sich mit dem Erdboden einigen musste. Damals eine Ahnung gehabt von diesem Film, aber zu langweilig gewesen für mein damaliges Alter. Gestern wieder gesehen und begeistert. Sehr heutig, witzigerweise. Sehr spannend, wie ein Krimi. Ganz ohne Effekte - wunderbar! Die Provokation liegt im Innern des Films: Wie weit darf der Staat bestimmen, inwieweit private "Verfehlungen" begrenzt werden müssen. Ab wann ist es überhaupt eine Verfehlung? Spannend - und nein, ich nenne jetzt keine Namen und aktuellen Bezüge. Und natürlich auch super gespielt - die Geschichte spinnt sich ja noch weiter in meinem Kopf: Stoßen wir nicht ständig auf Leute wie den Anführer der Zimmermannsbrigade, dem noch nie jemand seine Grenzen aufgezeigt hat, der aber soviel Energie in sich hat, gerade weil er rebelliert. Sollte mal wieder ins Kino kommen.

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                      • 10

                        Wer deutsches Kino grundsätzlich ablehnt, sollte sich unbedingt Manfred Krug als Brigardier Balla ansehen. Das ist ganz großes Kino -- eine Verbeugung vor John Sturges "Glorreichen Sieben" ebenso wie eine (halb hoffnungsvolle, halb resignierte, aber stets hochintelligente) vorgezogenen Analyse des Scheitern des sozialistischen Experimentes DDR. Und nicht zu vergessen eine einfach nur sprachlos machende Liebesgeschichte mit wundervollen Stars. Das geht nicht alles zusammen? Und ob das geht, und Spur der Steine kann noch ganz viel mehr!

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                        • 9 .5

                          Sehr guter Film ... Manfred Krug ist beeindruckend

                          • 7

                            Respekt...Manfred Krug ist echt ein richtig genialer Schauspieler. Die Rolle des Bauarbeiters, der seinen eigenen Prinzipien und nicht denen der Partei treu bleibt, ist wie gemacht für ihn.
                            Der Film ist ein bisschen lang, aber die Geschichte überzeugt.

                            • 9

                              Ein sehr, sehr intensives Drama, dass ein Problem behandelt, dass natürlich nicht nur zu DDR-Zeiten Relevanz hatte. Inwieweit müssen Führungskräfte auch privat moralisch integer sein? Und wie verhalten sie sich richtig, wenn sie privat fehltreten, aber ihre Arbeit mit den besten Absichten gut machen?
                              Dieser Film ist bis in die Nebenrollen hinein differenziert ausgearbeitet und sehr gut gespielt. Und allein Manfred Krug als Brigadeführer ist das Anschauen dieses Films wert.
                              Spur der Stein ist wohl einer der besten deutschen Filme überhaupt.

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                              • 8 .5

                                Vor allem im Vergleich zu den meisten anderen DEFA-Filmen absolut herrausragend. Die Narration ist gelungen und macht den Film bis zum Ende interessant. Außerdem ist der Film erstaunlich kritisch.

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                                • 8

                                  "Gehen wir ins Kino? - Mit Ihnen würde ich mir sogar einen DEFA-Film anschauen."

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