Stories We Tell - Kritik

Stories We Tell

CA · 2012 · Laufzeit 108 Minuten · Dokumentarfilm · Kinostart
Du
  • 7
    strangelet 10.02.2017, 21:58 Geändert 28.02.2017, 12:05

    Wenn Sarah Polley in ihrem eigenen Film gefragt wird, warum sie ihn auf diese Weise machen will, kommt sie sehr ins Schwimmen und windet sich mit halbgaren postmodernen Philosophierereien über verschiedene Blickwinkel auf die Wahrheit herum, die fast ein bisschen zum Fremdschämen sind.

    Aber das beweist nur, dass echte Künstler nicht immer eine linkshirnige Begründung brauchen für alles, was sie tun. Letztlich gibt "Stories we tell" keinerlei Aufschluss über die Natur der Wahrheit oder andere langweilige Tiefsinnigkeiten, aber er macht aus einer eher mittelmäßig interessanten Geschichte einen durchaus sehenswerten Film. Und das ist schließlich das, was wirklich zählt.

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      flimmy 28.03.2016, 16:31 Geändert 28.03.2016, 17:09

      Trotz der vielen bisher überdurchschnittlichen Bewertungen erlaube ich mir diese Pseudo-Dokumentation richtig ärgerlich zu finden. Um den eigentlichen und sehr dünnen Nachrichtenwert des Geschehens zu transportieren hätte es gereicht, ein 2-minütiges Selfie-Video auf den entsprechenden Seiten zu veröffentlichlichen. Und auch für diese Plattformen bin ich mir sicher, dass es dann nicht signifikant häufig angeklickt werden würde.

      Hier also der Nachrichtengehalt:

      (Ach ja: VORSICHT SPOILER)

      Eine junge Schauspielerin aus einer Schauspielerfamilie erfährt, dass sie ein Kuckuckskind ist, das aus einer Affäre ihrer Mutter (Schauspielerin) mit einem Film-Produzenten hervorgegangen ist. Unwissend darüber wuchs die junge Schauspielerin jedoch im Hause des Ehemanns (Schauspieler) ihrer Mutter auf, von dem sie glaubte, er wäre ihr biologischer Vater.

      ----Ende des Spoilers---

      WOW! Wie das Leben so spielt...da hat man ja schon Stoff für 2 Minuten Telenovela!

      Mehr Ironie brauche ich nicht, um meine Verärgerung zum Ausdruch zu bringen. Selbstverständlich ist es aus einer jeweils persönlichen Perspektive der Beteilgten heraus von besonderem Eigengewicht, aber warum sollte das Geschehen um diesen singulären dysfunktionalen Aspekt einer Familie irgend jemanden da draußen interessieren können? Mir fehlt die symbolische Strahlkraft in die Gesellschaft hinein, das was über diese rein private Selbstinszenierung und Selbstbeweihräucherung hinausgehend Wirkung entfalten könnte. Die später aufgesetzte Botschaft für den Film, dass jeder Beteiligte dieses Geschehen nur aus der persönlichen Blase heraus betrachtet und sich diese nur begrenzt überschneiden, ist wohl eher ein verzweifelter Versuch, überhaupt irgend eine erkennbare Gesamtaussage zu finden. Die Schublade rein privater z. B. "Ich und meine Katze"-Videos wird nicht verlassen.

      Frau Polley scheint wohl irgendwie schmerzfrei zu sein, sie überläßt dem Zuschauer unfreiwillig das Fremdschämen, wenn sie die Zusammenstellung des Filmmaterials mit zusammengecasteten Schauspielern zeitlich streckt. Sie addiert Aufnahmen, die in künstlich schlecht gefilmten und nachgespielten Familienszenen im 8mm-Charakter familienprivates Geschehen nachstellen. An diesen Punkten wird die Ebene einer dokumentarischen Authenzität verlassen, und aus einem Privatgeschehen mit für den einzelnen Beteiligten evtl. schützenswerten Anteilen, eine Kitchgeschichte für die Öffentlichkeit zusammengestellt.

      ...und diese Geschichte ist nicht besonders spannend, nein sie ist belanglos. Jede Familie hat wohl ihre eigenen dysfunktionalen Aspekte und ganz sicher wird es für die meisten fruchtbarer sein, zu lernen, mit diesen umzugehen, als sich mit den nachinszenierten einer Schauspielerfamilie zu beschäftigen. Gerne würde ich diese Fake-Dokumentation nur uninteressant finden...uninteressant, wie irgendein Katzenvideo irgendwo im Netz.

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        oliver.roth.5059 09.01.2016, 21:30 Geändert 15.01.2016, 22:54

        Polleys Doku, eine Form der Sinnsuche in Familienerinnerungen, geprägt von der Vielfalt persönlichen Empfindungen und deren Einfluß auch die Sichtweise der Geschehnisse der Vergangenheit, dem interpretierbaren Wahrheitsbegriff im zwischenmenschlichen Kontext, ist ein kluger Zerrspiegel und in seiner Form sehr gelungene Dokumentation.
        Selbstreflektierend und facettenreich in seinen aus verschiedensten Blickwinkeln erzählenden Versatzstücken, Reaktionen und auslösenden Emotionen aller Beteiligten, wird der Film, obwohl seine eigenen Geschichte keine sonderliche Außergewöhnlichkeit darstellt, letztlich zum Medium im Medium; insbesondere weil Polley selbst Distanz wahrt, unterschiedlichste Rückblicke zulässt, und zwar in ihrer eigentlichen Betrachtung des Lebenswegs ihrer Mutter eine neutrale Interviewer-Position einnimmt, aber trotzdem Teil ihrer eigenen Geschichte bleibt und eine eigene Wahrnehmung in sich trägt, die letztlich Einfluß auf das Gesamtbild und die Produktion hat.
        Erzählerisch sehr gut aufgebaut, am Ende vielleicht ein ganz klein wenig zu lang geraten aber sehr ehrlich und stellenweise faszinierend.

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        • 7

          Ich fand die Geschichte und die Idee eine gebrochene Familiensaga aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu erzählen ganz gut. Was ich etwas befremdlich fand, waren die Reaktionen der Familienmitglieder, die mal wieder bestätigen mussten, dass Schauspieler-Familien - gelinde gesagt - anders ticken: Da erfährt eine Tochter, dass sie einen anderen biologischen Vater hat, und die umittelbare Reaktion aller Beteiligten ist nicht "Furchtbar, was passiert nun mit unseren Familien?", sondern "Oh, geile Story! Da mach ich gleich mal ein Buch/Memoiren/Dokumentarfilm drüber!" Wenn selbst die privatesten Momente nur noch als als Futter für die eigene Profilierungssucht herhalten müssen, und man sich am Ende fast noch streitet, wer was wie veröffentlichen darf und das Monopol auf die Geschichte hat, dann sagt das mehr über diese Familie und dieses Milieu aus, als die Affäre einer Mutter.

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            Sarah Polleys Doku über die bewegte Historie ihrer Familie besticht durch Wahrhaftigkeit, leisen Humor und allgemeingültige Erkenntnisse über Familie und Erinnerung. [Kai Mihm]

            • 7

              ein Film über eine Frau, welche die erste Gelegenheit nutzt um sich von anderen Kerlen außerhalb ihrer Ehe vögeln und dann auch noch schwängern zu lassen.Natürlich nur, weil sie Anerkennung vermisst....

              Und wie Kinder, Ehemann und Liebhaber das Leben mit dieser Frau empfunden haben, verbunden mit der Frage, wer ist denn nun der Vater ?

              Man kann den Film sich anschauen, da er aufgrund des Doku-Charakters die Gefühle glaubhafter erscheinen läßt .... und die Erkenntnis gewinnen, die Angehörigen doch recht liebevoll von dieser Frau sprechen, die eben gerade nicht fremd gegangen ist, weil sie Liebe vermisst hat, sondern nicht genug bekommen konnte.

              • 8

                Sarah Polley, die ich vor allem als Coixet-Darstellerin kenne (Mein Leben ohne Mich; Das Geheime Leben der Worte) und schätze (deutlich mehr als Coixet selbst), legt eine Puzzle-Doku vor: Vieles, was man in den ersten 20-40 Minuten sieht, kann man erst später einordnen oder korrekt einordnen; vor allem die Personen selbst. Das macht zwar den Einstieg etwas mühsam, wenn man das Ziel der Reise nicht kennt (und das würde ich aber dennoch dringend empfehlen, den Film ohne Wissen um den genauen Inhalt anzuschauen), dafür im weiteren Verlauf umso spannender. Die Struktur empfand ich jedenfalls in Summe als klares Plus.

                Inhaltlich will ich eigentlich gar nichts vorwegnehmen. Es ist keine Geschichte, die es noch niemals gab, aber eine, die sehr persönlich präsentiert und an mehreren Stellen emotional sehr kräftig wird. Wenn auch eine Person zum Ende hin meine Sympathien leider verloren hat, gilt über weiteste Strecken eher das Gegenteil: Alle sind irgendwie recht nah, niemand grundunsympathisch, sprich: Man hört gerne zu, zumal sehr unterschiedliche Gedanken zur Vergangenheit vorgetragen werden.

                Gestört habe ich mich mehr an der theoretischen Prämisse, die Polley vorgibt: Dass es um Wahrheit ginge und darum, wie wir davon geprägt werden, wer welche Story wie erzählt. Der Begriff "Wahrheit" wird für mich als Mathematiker/Philosoph hier (von mehreren Personen) arg missbraucht, es geht um Wahrnehmung statt Wahrheit, auch wenn das "nur" ein Begriff ist - für mich ein entscheidender. Und aus der Wahrnehmung heraus ergibt sich auch die "Story someone tells".

                Diese aus meiner Sicht theoretischen Mängel sind aber letzten Endes nicht besonders tragisch, weil die Geschichte und ihre Psychologie absolut ausreichend spannend sind - auch was die Frage betrifft, wie man selbst in der einen oder anderen Person / Position handeln & denken würde. Der kleine Mangel an Empathie, die etwas überzogene Ich-Bezogenheit fast aller Personen (dennoch mit klaren Unterschieden), das sind Ausgangspunkte, die ich wichtig zu diskutieren finde, aber das kann man ja nach dem Film mit seinen MitschauerInnen machen, das muss der Film nicht auch noch leisten.

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                • 5

                  Nach den ersten 60 Minuten gab meine Frau auf und nach weiteren 30 Minuten daemmerte ich so langsam dahin. Al ich dann sah, dass ich noch weitere 30 Min vor mir hatte gab ich auf. Es ist ja sicher ganz spannend erzehlt, aber dieses Ganze "Video-auf-S8-Niveau-herunter-verhuschen" ging mir dann doch ein wenig auf die Nerven. Vieleicht geben ich mir den Rest nochmal die Tage...auf der Faehre....enttaeuscht.

                  • 9

                    Wie fange ich an? Am besten mit der Frage, wie ich anfangen soll.
                    Ich fand Polley sympathisch und hab mich in den Film gesetzt, was ich absolut nicht bereut habe.

                    Ich liebe Dokus. Wirklich.
                    Das schöne an 'Stories We Tell' ist jedoch, dass einem zunehmend klar wird, dass das Leben nun mal die verrücktesten Geschichten schreibt. Das dürfte keine Neuigkeit sein, aber ich staune trotzdem jedes Mal wieder darüber, und es wäre auch schade, wenn nicht.

                    Während des Filmes reflektierte es in meinem Kopf. Ratatatatat. Ohne Ende. Irgendwie habe ich das Gefühl, etwas ist passiert in mir, und das ist genau das Gefühl, das ich haben will, nach einem Film.
                    Ob gut oder schlecht.
                    Irgendetwas muss passieren. Eine Auseinandersetzung.
                    Und das ist passiert.
                    Das ist schön.

                    Außerdem sind die Leute in der Doku einfach erste Sahne.
                    Man könnte meinen das sind geskriptete Charaktere,
                    aber nein, stimmt ja. So ist das Leben.
                    Hier tummeln sich ein paar perfekte Vorlagen für richtig schöne Filme.
                    Auch deswegen macht die Doku Spaß.

                    Und weil die Polleys unglaublich offen sind.
                    Und auch die nicht Polleys.
                    Das ganze Ding ist für sich einfach ein kleines Meisterwerk,
                    ich würde es mit nichts zu vergleichen wissen.

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                    • 6 .5

                      Diese Familiengeschichte wird in lebendigen Interviews und Einschüben rekonstruiert – samt den widersprüchlichen Erinnerungen der Beteiligten. Wie entstehen Geschichten? Das ist das eigentliche Thema des Films, dessen private Basis bei aller Sympathie nicht immer ganz dem Anspruch gerecht werden kann.

                      • 8

                        In ihrem mitreißenden Dokumentarfilm Stories We Tell geht [...] Sarah Polley der Frage nach, wer ihr leiblicher Vater ist. Herausgekommen ist ein faszinierendes Familienporträt, das gleichzeitig von Lebensträumen und Lebenslügen erzählt.

                        • 7 .5

                          Sarah Polley hat wahrlich ein außergewöhnliches Talent Geschichten zu erzählen. "Stories we tell" hat mir auf jeden Fall wieder ausgezeichnet gefallen und ich freue mich jetzt schon weitere Filme dieser famosen Dame sehen zu dürfen.

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                          • 7 .5

                            Der unterhaltsame Dokumentarfilm legt seine formalen Mittel wiederholt offen und hinterfragt selbstkritisch die eigene Position. Das verleiht ihm ein hohes Maß an Selbstreflexivität.

                            • 8

                              Geschichten erzählen kann niemand so gut wie Familie Polley: Stories We Tell ist eine Offenbarung.

                              • 8

                                Wie wir wurden, was wir sind. Schlaue Antworten auf schwierige Fragen.

                                • 8

                                  Eine Reise in die eigene Vergangenheit. Unentdecktes Aufdecken. Regisseurin Sarah Polley interviewt zahlreiche Familienmitglieder über ihre Mutter, die schon früh verstarb. Jeder von ihnen hat seine eigene Geschichte, vergangene Eindrücke zu erzählen. Dabei treten die Personen vor der Kamera sehr sympathisch auf und wirken unverkrampft, sodass ich ihnen über die gesamte Laufzeit gerne zugehört hatte. Auch werden witzige, intuitive Momente gezeigt, die die Betroffenen nur noch sanftmütiger werden lassen.
                                  Die allseits bewehrte Frage steht auch im Raum, was ist nun wahr an ihren Geschichten und was nicht? Der Film respektiert beide Seiten der Medaille und wertet sie deswegen nicht gegeneinander ab. Vielmehr möchte Sarah Polley uns auf dem Weg geben, dass jede eigene Geschichte ihre Berechtigung hat und jegliche deswegen zu respektieren gelten.
                                  Vor allem – und das ist gewiss sehr gelungen – zeigt uns der Film bilderbuchartig und mit viel Liebe und Warmherzigkeit alte Aufnahmen alter Aktivitäten der Familie und deren Angehöriger. Es wirkt wie eine alte Diashow, die man sich im Wohnzimmer noch einmal ansieht, um über die alte Zeit zu reden, Momente noch einmal festzuhalten, darüber zu lachen oder manchmal auch zu weinen.
                                  Allemal ist dieser Film es Wert, gesehen zu werden, weil er einen sehr vertraulichen, humanen Zug nachweist. Auch weil Polley sich zutraut, ihre intime Vergangenheit nach und nach aufzudecken und dabei keine Angst vor Ungünstigkeit hat, sondern sie so akzeptiert, wie sie ist.

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                                    Zusammengestellt aus Interviews mit Verwandten und Freunden, echten und falschen Archivaufnahmen entwickelt die kanadische Schauspielerin und Regisseurin einen faszinierenden Film, der gleichermaßen persönlich wie universell ist.

                                    • 7 .5

                                      Die besten Geschichten schreibt wohl doch das Leben. Gedanken über Liebe, Leben und Storrytelling von echten Menschen vorgetragen. Die stärksten Momente werden geschaffen, wenn die verschiedenen Perspektiven sich nicht überschneiden, denn dort wird die Einfachheit und die Kompelxität von Geschichten deutlich.

                                      • 9

                                        […]Unvollkommenheiten, scheinbar Überflüssiges, kleine Fehler, Widersprüche, all das ist Teil der Geschichte(n), die Polley erzählen möchte. Es geht, oberflächlich betrachtet, um Polleys Mutter, früh verstorben und somit das einzige Mitglied der Familie, dessen Version der Geschichte wir nicht erfahren. Es geht aber auch um die Unzuverlässigkeit von Erinnerungen und darum, wie wir unsere eigene Geschichte schreiben, unsere eigene Wahrheit erschaffen, weil es die eine, objektive Wahrheit nicht gibt.[…]

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                                        • 8

                                          Da dieser Film von 2012 zwar schon seit geraumer Zeit im Ausland (auch fürs Heimkino) erhältlich ist, hier aber erst nächstes Jahr im Kino läuft (!), versuche ich mal nicht allzu viel zu spoilern. In dieser Dokumentation erleben wir jedenfalls Sarah Polley's Versuch, ihre eigene Vergangenheit und vorallem die ihrer Familie soweit zu rekonstruieren, dass ein möglichst komplettes Bild der Ereignisse entsteht, die Vergangenheit unter jenen Mitmenschen & Beteiligten in endgültigen Einklang gebracht wird und um, in ihren eigenen Worten, das Wesen ihrer Mutter zum Leben wiedererwecken zu lassen/ein Denkmal zu setzen, ihre Beweggründe hinter ihren Handlungen zu verstehen, etc., etc.

                                          Insgesamt hält sie sich dabei sogar mit allzu plakativen, emotionalen Sentimentalanflügen angenehm zurück, erhebt jene im Film erzählten Familienschicksale nicht in 'spezielle' Sphären, dürften sie doch irgendwo in jeder Familie ebenso profan vorkommen. Viel spannender wirkt dabei das übergreifende Konzept des Films, der nicht umsonst 'STORIES WE TELL' heißt, eine gewisse Meditation über das Geschichtenerzählen und des Erinnerns an Lebensgefährten, -Ereignissen und -Gefühlen versucht - dabei die Notwendigkeit und 'Unmöglichkeit' narrativer Objektivität aufbringt, auch ein gutes Stück die Formeln und Mittel klassischer Erzählstrukturen und *SPOILER* mitunter manipulativer Dokumentationsvariationen *SPOILER ENDE* erläutert. Ihr hättet mal mein Gesicht sehen sollen, als so manches fast schon nebensächlich im Rahmen des dritten Akts aufgedeckt wurde!

                                          Entzaubert werden diese narrativen Hilfsmittel allerdings keinesfalls, schließlich bleibt die Geschichte an sich eine wahre und auch jene Gefühle der Befragten zur Geschichte kommen wahrhaftig zum Vorschein (auch wenn Polley da doch noch in einer sentimentalen Montage etwas affektiert auf die Tränendrüse drückt - wahrscheinlich aber auch, um jene erzähltechnischen Werkzeuge nochmals greifbar zu vermitteln). Von daher ein sehr interessanter Beitrag in diesem Genre, das meiner Meinung nach immer irgendwo funktioniert, hier aber auch ein gutes Stück aufgemischt wird (ähnlich THE GREATEST MOVIE EVER SOLD) und dabei auch noch eine herzzereißend-ehrliche & höchst-persönliche (aber auch im Endeffekt gezwungenermaßen subjektive) Lebensgeschichte lückenlos nachvollziehbar macht, die uns deutlich macht, wie schön das Leben mit all seinen Facetten und Irrwegen doch sein kann.

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                                            [...] Verlauf, Entwicklung, Korrektur: Wir können genauso wenig wie Sarah Polley sicher sein, dass die entdeckte Wahrheit der tatsächlichen Wahrheit entspricht. Immerhin bleibt Stories We Tell formell ausgedrückt nur die (subjektive) Fassung einer Geschichte und eine bewusst montierte dazu. Trotzdem beherbergt die Bebilderung autobiographischer Berichte, Anekdoten und Erinnerungen einen geradezu schmerzhaft aufrichtigen Ansatz, der im letztendlichen Resultat weit mehr als ein oberflächlicher Blick in einen familiären Spiegel ist. Als tragische wie bewegende Momentaufnahme, die mit jeder weiteren Minute wächst und gleich darauf wieder in sich zusammenbricht, versucht Stories We Tell diesen Wahnsinn hingebungsvoll zu filtern, zu verarbeiten und anzuordnen. Am Ende gibt es versöhnliche Worte und nachdenkliches Schweigen, die musikalische Untermalung zerreißt die verbliebenen Überlegungen. Im Grunde der manipulative Ausgang einer jeden Dokumentation. Sarah Polley verwandelt diese finalen Züge jedoch in etwas unbegreiflich Ehrliches – voller innerlicher wie unfassbarer Zerrissenheit.

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                                              [...] Deswegen ist „Stories We Tell“ zugleich eine Reihe von Erzählungen, die eine zentrale Wahrheit suchen, und eine Reihe von Finten, die nicht nur den uns aufgedrängten Prozess infrage stellen, sondern die erinnerte und persönliche Realität in unseren Geschichten. Fern seines Mysteriums und der zwingenden Unwiderstehlichkeit seiner Charaktere beeindruckt die Dokumentation schließlich indem sie die Künstlichkeit hinter all den Stellungnahmen aufbricht und entdeckt. [...] Statt Fakten von Lügen auszusieben, umarmt sie die Unzuverlässigkeit der Erinnerung und dadurch ebenso die Meinungsvielfalt, warum ein Individuum eine Geschichte in genau jener Weise mit eben jenen Auswirkungen erzählt.

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                                                ich kannte die regisseurin nur aus wenigen filmen und wußte nichts. um so freudiger bin ich überrascht über diesen filmischen diamanten über das leben in all seinen vaariationen. viel weisheit, viele tolle momente und tief berührend.
                                                sollte man gucken.

                                                auch nach dem ich diesen film geguckt habe lässt er mich nicht los und ich denke oft über ihn nach und reflektiere ganz anders über das leben.

                                                es gibt natürlich immer etwas für die leute, die danach suchen, aber für mich war der film perfekt.

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                                                  In "Stories We Tell", führt uns Regisseurin Sarah Polley durch die Vergangenheit ihrer Familie. Als Erzähler dieser Geschichte fungieren alle ihre Familienmitglieder und sämtliche enge Freunde, und im Mittelpunkt ihrer Erzählungen steht die schon lange verstorbene Mutter. Dabei tritt nach und nach ein Vorkommnis ans Licht, welches das Familiengefüge bis ins Innerste erschüttert hat.
                                                  Letztendlich ist die wahre Protagonistin jedoch die Regisseurin selbst, für die der Film ein Weg ist, das Geschehene zu verarbeiten. Ihre Montage des Films verrät, wo ihre Zuneigungen liegen, jedoch ohne dabei manipulativ zu sein. Ihre Version der Geschichte ist genau so subjektiv und unvollständig wie die aller Erzähler im Film. Es ist ungemein witzig zu beobachten, wie sich die Erinnerungen der unterschiedlichen Beteiligten unterscheiden und dadurch unterbewusst viel über ihre Gefühlswelt und Einstellung gegenüber dem Geschehnis verraten.
                                                  Was sich zunächst wie ein fröhlicher Familientreff anhört, entpuppt sich als eine wundervolle und ungemein spannende Reflexion über Erinnerung, Liebe in all ihren Formen und die wegweisenden Entscheidungen im Leben.

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                                                    Als ob sie ein Familien-Fotoalbum in eine Rashomoneske Dokumentation verwandeln würde, legt Polleys facettenreicher und provokanter Film 'Stories We Tell' die komplexe Geschichte ihrer Familie dar und sucht darin den Ursprung ihrer eigenen Existenz.