Strähl - Kritik

Strähl

DE/CH · 2004 · Laufzeit 83 Minuten · FSK 16 · Drama, Thriller · Kinostart
Du
  • 7

    Authentisches Schweizer-Kino welches in meiner Heimatstadt spielt und wohl vor allem für Zürcher viele bekannte Locations zu bieten hat. Roeland Wiesnekker ist als Antiheld überaus amüsant und gleichzeitig bieten die Figuren hier eine recht breite Palette an glaubwürdigem Verhalten. Vom "Bünzli" bis zum "Drögi" konnte ich in meinem Leben bereits ganz ähnliche Menschen kennenlernen.

    Das Drehbuch bietet genügend Tempo und gleichzeitig gefühlvolle Momente, um unterhaltsame 80min anzustimmen. Einzig die Dialoge konnten mich nicht immer abholen und wirken manchmal etwas steif, was aber auch an der merkwürdigen Vertonung liegen könnte die sich "anfühlt" als ob alles im Studio noch einmal nachgesprochen worden ist.

    Für mich dennoch - auch dank Local Bonus - einer der besten Millieu-Filme aus der Schweiz, welcher gleichzeitig Zeitdokument ist, da ihm ein gewisser 90er Jahre Groove anhaftet.

    1
    • 7

      Bad Lieutenant Strähl hetzt durch die Zürcher Langstrasse: schlafgestört, geschieden, tablettensüchtig. Stets vollgepumpt und mit geringer Toleranzschwelle seinen Mitmenschen gegenüber prügelt, flucht, bescheisst und brüllt er sich durch auf dem Weg, seinen ruinierten Ruf wiederherzustellen, seinen Job zurückzubekommen und einen berüchtigten, albanischen Drogenboss einzubuchten. Roeland Wiesnekker spielt diesen Mann mit virtuoser Wucht und stellt den klaren Höhepunkt des Films dar.
      Das Drehbuch ist über weite Strecken clever und sorgt zusammen mit dem rastlosen Schnitt und der mobilen Digitalkamera dafür, dass „Strähl“ nicht lange herumfackelt, sondern von Beginn an Gas gibt und kontinuierlich eskaliert. Dennoch ist nicht alles gelungen: So ergeben sich einige Peinlichkeiten im Verlauf des Films, sei es wegen einer kaum nachvollziehbaren Liebesgeschichte, sei es wegen abstrusen Evozierens Schweizer Geschichte gegenüber Drogendealern, sei es wegen Mike Müller.
      Dennoch: Roeland Wiesnekker in Topform rechtfertigt allein die Sichtung von „Strähl“. Und hundertmal besser als „Achtung, Fertig, Charlie!“, der meinem Vernehmen nach erfolgreichste Schweizer Film der letzten 30 Jahre (!), ist er sowieso.

      10
      • 9

        Cooler Cop-Movie der es mit internationalen Filmen locker aufnehmen kann. Das Psychogramm des abgewrackten Strähls im Zürcher Drogenkreis 4 wirft ein anderes Bild auf die schöne heile Schweizer Welt. Und diese Augenringe lassen wohl selbst Harvey Keitel vor Neid erblassen.

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