The Big Lebowski - Kritik

The Big Lebowski

US · 1998 · Laufzeit 112 Minuten · FSK 12 · Komödie · Kinostart
Du
  • 10

    [...] Die junge und aufreizende Frau (Tara Reid, American Pie) des stadtbekannten Millionärs Jeffrey Lebowski (David Huddleston, Frantic), ein im Rollstuhl sitzender Wohltäter, nämlich wurde von Unbekannten entführt, und da es sich bei den Kidnappern vermutlich um die gleichen Typen handelt, die auch schon dem Dude zuvor einen unerfreulichen Besuch in seiner Wohnung abgestattet haben, soll dieser nun eine Lösegeldübergaben abwickeln, um die Entführer zu identifizieren. Und an diesem Punkt begrüßt The Big Lebowski seine Zuschauer zum Film noir, den die Gebrüder Coen hier natürlich keinesfalls reproduzieren, sondern ihm auf die bestmögliche Art und Weise Tribut zollen: Sie dekonstruieren ihn, indem sie das obligatorische Repertoire an Themen und Motiven dieser filmischen Strömung aufgreifen und im Laufe der Handlung respektive im Wust der Missverständnisse konsequent ad absurdum führen.

    Zusammen mit seinen Bowlingpartnern, dem Vietnamveteran Walter Sobchak (John Goodman, Argo), der in dem Entführungsfall natürlich auch eine Verbindung zu Vietnam sieht und das Regelwerk der Bowlingbahn im Notfall auch mal mit der durchgeladenen Handfeuerwaffe unterstreicht, und dem begriffsstuzigen Donny (Steve Buscemi, Boardwalk Empire), gibt sich der Dude alle (Nicht-)Mühe, nicht auf Abwege zu kommen und seine persönlichen Lebensphilosophie zu verraten: Wie mit der Kugel auf der Bahn ist es eben so, dass man manchmal alle Pins abräumt und manchmal auch mal die Kugel in die Gasse schlägt. Und es tut gut, zu sehen, dass es Filmemacher wie die Coens gibt, die es vollkommen berechtigt als notwendig erachten, Geschichten über Menschen zu erzählen, die nichts geleistet haben und es deswegen wert sind, dass man über sie spricht.

    Das brillante, bis ins kleine Detail liebevoll ausgefeilte Drehbuch stachelt den exzellenten Cast dabei zu Höchstleistungen an: Ob Jeff Bridges und John Goodman jemals besser waren? Schwer zu sagen, The Big Lebowski jedoch ist der Film, mit dem sie Ewigkeit überdauern werden. Nicht nur, weil sie vollends mit ihren Charakteren verschmelzen, sondern weil der Film, die Coens, diese Charaktere ernst nehmen, egal, wie töricht und ungehalten sie sich auch benehmen dürfen. The Big Lebowski ist ein Werk, das sich dem Moment hingibt, in diesen hineinlebt, ausufert, aber dennoch niemals plätschert, sondern ganz gezielt von A nach B schlendert. Es ist die Zurückweisung von Initiative, von Ehrgeiz, von Bemühungen, etwas zu vollbringen, was die Menschen in Erwartung stellen. The Big Lebowski ist ein Treueschwur an das Kino und eine Liebeserklärung an ein Leben, das dazu da ist, gelebt zu werden. Herzerwärmend. [...]

    28
    • 6

      Neben Pulp Fiction zählt The Big Lebowski sicherlich zu den bekanntesten und beliebtesten postmodernen Werken der Neunziger Jahre und erfährt seit vielen Jahren eine Verehrung als Kultfilm. Wo Tarantino noch klar ausformulierte Genrebestandteile nutzte, gingen die Gebrüder Coen deutlich konsequenter zu Werke und ließen kaum ein Plotelement auf dem anderen, dekonstruierten die Figurenanordnung und das Handlungsgerüst derart, dass sich durchaus sagen lässt, The Big Lebowski handele letztlich von gar nichts mehr und macht dabei dennoch einen Heidenspaß.

      Das Drehbuch orientiert sich grundsätzlich an [...]

      2
      • 9

        Wie schon »Hudsucker« gehört »The Big Lebowski« zu den Produktionen, die man – wenn es so etwas gibt – als Perlen des postklassischen Kinos bezeichnen könnte. Zwischen Hollywood und Independent, sehr smart, tricky und mit einer exzessiven Genre- und Medienreflexivität. [Jan Distelmeyer]

        • 7

          „Ich erwähne das weil es manchmal auch ein Mann gibt...ich würde nicht sagen ein Held, denn was ist schon ein Held? Aber manchmal da gibt es ein Mann, ich rede hier von dem Dude, also manchmal da gibt es einen Mann, das ist der richtige Mann am richtigen Ort, zur richtigen Zeit. Der passt genau da hin. Und so einer war der Dude.“

          In „The Big Lebowski“, Joel und Ethan Coens absolut genialen „Remake“ des Film Noir Klassikers „The Big Sleep“, schicken sie anstatt dem Hard Boiled Detective Philipp Marlowe den Dude auf eine Odyssee voller Gewalt, Habgier und Erpressung in der Stadt der Engel.
          Unter all den habgierigen, gewalttätigen, cholerischen, verlogenen Figuren ist der Dude der einzig vollkommen friedliche und unschuldige Charakter im Film, er ist voller kindlicher Naivität, will niemandem etwas Böses, er will nur Bowlen und seinen Teppich zurück bekommen, denn der hat die Bude erst richtig gemütlich gemacht. Die Figur des pessimistischen, harten, desillusionierten Philipp Marlowe haben die Coens in einen kiffenden, bowlenden, pazifistischen Althippie verwandelt und damit eine der besten Filmfiguren in der Filmgeschichte geschaffen.
          Der Zuschauer wird durch ein Sammelsurium an Skurrilen Figuren gejagt, da gibt es Kinderschänder, Kapitalisten, Nihilisten, Choleriker und ganz nebenbei wird noch das Vietnamtrauma der USA verdeutlicht, während uns Bush im Fernseher in der Eröffnungsszene schon von dem nächsten Krieg berichtet.
          Die wundervolle, detailverliebte Regie der Coens, das großartige Spiel des wundervollen Casts, allen voran natürlich Bridges in der Rolle seines Lebens und der perfekte Soundtrack machen „The Big Lebowski“ zu einem Film, der die Einordnung „Lieblingsfilm“ verdient wie kaum ein anderer.

          12
          • 7

            Nett. Das ist das erste Wort das mir in den Kopf kam als der Abspann beginn. Gaaaanz nett.
            Klar, die Coen-Brüder zeigen einmal mehr das sie toll inszenieren können, das vereinzelte Sequenzen stark gemacht wurden, das sie es handwerklich eben einfach drauf haben. Und doch ist der Dude-Funken nicht auf mich übergesprungen. Nicht ganz jedenfalls. Klar habe ich auch gelacht, aber die Lacher-Ausbeute war nach den knapp 2 Stunden sehr gering.
            Auch fande ich den Dude, den eigentlichen Protagonisten, neben Walter (John Goodman)
            in den Hintergrund gedrängt, denn der geht hier richtig ab. Das ganze Dude-Gemache hat mich nach einer Zeit auch einfach nur noch genervt, viel zu oft wurde in viel zu kurzer Zeit mit dem Wort "Dude" gespielt. Punkten kann "The Big Lebowski" aber mit einer Menge skurriler Charaktere, da hat man sich Mühe gegeben.
            Das Ende war meiner Meinung nach richtig schwach, da hätte man nach solch einer Odyssee ruhig mehr erwarten können. Der Unterhaltungswert? Naja, die, 2 Stunden kamen mir wirklich langatmig vor, die Spannung hat nicht einmal Hallo gesagt, Action kam auch nie wirklich vor. Der Humor den man hier zu spüren bekommt ist speziell, nicht jeder kann über den Dude lachen.
            Mich würde mal interissieren wie viele Leute die dem Film eine hohe Punktzahl gegeben haben von Marihuanna, Alkohol oder einer anderen Droge berauscht waren, denn mit Drogen könnte ich mir vorstellen das der Film witzig gewesen wäre.
            PS: Jeff Lebowski hat einen geilen Style.

            13
            • 10

              Ein leichthändiger und unverschämt witziger Film, der auf den Spuren von Raymond Chandler wandelt und geschickt mit dem Skurrilen und Bizarren changiert ohne dass der Film je ins billige der Lächerlichkeit absickert. Eine Komödie und gleichsam ein modernes cineastisches Kunststück, denn bei "The Big Lebowski" wird der vernarrte Nerd ebenso glücklich wie Zufallsgucker, denn die Coen schöpfen ihre Gags aus einem großen Kessel des Humors und so geben sich clevere Anspielungen auf Politik, Gesellschaft und Kunst die Klinke in die Hand mit einfachen aber wirkungsvollen Angriffen aus der Parodien-, Klischee- und Kalauerfront und trotzdem wirkt alles an dem Film wie aus einem Guss, es bleibt sogar noch Raum für einen emotionale Momente, besonders herausragend die Szene mit dem Dude und Walter an der Klippe, ein Meisterwerk in Sachen Freundschaft, Tragik und Witz. Ebenso famos der Soundtrack eine wilde, hemmungslose aber überaus liebenswürdige Mischung aus Bob Dylan, Mozart, Country und Ethno- Gebrabbel. Kurzum "The Big Lebowski" ist einfach ein verdammt guter Film bzw. Filmklassiker oder um es mit drastischen Worten klar zu machen: Wer diesen Film nicht liebt, sollte nie mehr im Leben einen guten Film sehen dürfen!

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              • 7

                Der Dude, seine Dudeness, El Duderino, Dudelidowski. Was für ein spaßiger und ideenreicher Film! Er lebt von seinen extrem charmanten Charakteren und den immer wieder genial verlaufenden Story-Verkettungen, die für die Protagonisten immer am allerungünstigsten verlaufen - und das tut er verflucht nochmal verf*ckt gut! Es wechseln sich absolut köstliche Situationskomik mit gelegentlich auftauchendem und mindestens ebenso delikatem Slapstick ab, den man so erst selten in einem Film erleben durfte. Es ist eine irrwitzige Odyssee auf der Suche nach einem Teppich. Und dabei wirken die Charaktere dermaßen real und authentisch, obwohl sie maßlos überzeichnet sind, dass man sich schon fast wünscht, man würde selbst zu ihrer etwas absonderlichen "Clique" gehören. Da ist der wohl entspannteste Mensch auf Erden, der Dude (brilliant gespielt von Jeff Bridges), ein pseudojüdischer, waffennärrischer, extrem cholerischer (und dadurch auch urkomischer), fluchender Vietnamveteran (fantastisch: John Goodman) und da ist dieser kleinlaute Donny, der nie zu Wort kommt, weil er ständig unterbrochen wird; eigentlich ist aber jeder einzelne der Nebencharaktere einfach nur schrullig charmant. THE BIG LEBOWSKI entzündet ein Gag-Feuerwerk vom Allerfeinsten. Wer wünscht sich manchmal nicht, einen zu kennen, der auch nur ansatzweise wie der Dude ist?!
                Der gesamte Handlungsverlauf ist wieder einmal Coen-typisch brilliant verstrickt und bescherte mir darüber hinaus ein paar der größten Lachanfälle, die ich je in einem Film hatte. THE BIG LEBOWSKI ist ein Film wie ein guter Freund: Man hat ihn gern, lacht und unterhält sich mit ihm und es ist einem völlig egal, ob das nun besonders tiefgründig oder geistreich ist, oder nicht; alles was zählt, ist der Spaß, den man miteinander hat. Und, Jesus!, den hat man garantiert mit diesem Film! Das Ende ist dann das bittersüße Sahnehäubchen auf dieser genialen Humor-Torte. Es ist schön zu wissen, dass es immer einen Menschen geben wird, der die gesamte Gelassenheit der Welt in sich trägt.

                Fuck it, Dude, let's go bowling.

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                • 4

                  [...] Bridges' Odyssee nach einem Teppich ist in vielerlei Hinsicht das auf eine Filmrolle gebannte Endergebnis eines Malen-Nach-Zahlen-Workshops zum Thema "Wie erschaffe ich Kult": Angefangen bei der Grundidee um die Teppichhatz, weiter über die "flippigen" Figuren mit ihren absonderlichen Eigenschaften bis hin zu diversen Dialogen und der ihnen innewohnenden "Do Drugs"-Attitüde - "The Big Lebowski" verkauft die Debilität seines Plots und die Skurrilität seiner Protagonisten als philosophischen Subtext, als Metaebene, die es zu erkennen gilt, über die man nachdenken soll, obwohl es eigentlich nichts intellektuell Verwertbares gibt. [...]

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                  • 7

                    Die Noir-Slackerkomödie der Coen-Brüder wartet mit irrwitzigen Dialogen und amüsantem Situationswitz auf, wird aber nicht zuletzt vor allem durch die brillante Performance von Jeff Bridges getragen. Die kalkulierte Coolheit und permanente Selbstgefälligkeit ist nicht zu leugnen, besonderen Spaß bereitet der simpel gestrickte Film dafür jedoch umso mehr, wenn er sich mit zahlreichen Kinozitaten von THE THIEF OF BAGDAD bis hin zu Busby Berkeley vergnügt.

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                    • 9

                      Wer die Coens nicht schon für Barton Fink und Fargo verehrte, der hatte nach diesem Film eigentlich keine Entschuldigung mehr. Dude.

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