Florida Project - Kritik

The Florida Project

US · 2017 · Laufzeit 111 Minuten · FSK 12 · Drama · Kinostart
Du
  • 4

    [...] „The Florida Project“ birgt die unausstehlichsten Hauptfiguren seit Jakob Lass‘ „Tiger Girl“, mit Ausnahme des Motel-Managers, gespielt von Willem Dafoe („Antichrist“), der mit seiner noblen Haltung gegen Windmühlen kämpft. Eine Milieustudie, die narrativ ins Leere läuft, mag legitim sein, doch wenn es dermaßen schwer ist, dabei Mitgefühl zu empfinden wie hier, wird die Sichtung zur Mühsal. Schade um das interessante Schauspielkonzept und die gelungene Bildgestaltung. Dieser Film macht wütend, aus den falschen Gründen. Doch Empathie geht die unterschiedlichsten Wege – ein Großteil des Feuilletons und Publikums feiert „The Florida Project“ als einen der besten Filme des Jahres.

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    • 7 .5

      Der Newcomer-Regisseur Sean Baker machte mit modernen Filmen, die den Finger auf die richtigen Stellen legen, auf sich aufmerksam. Seine Inszenierung ist dabei bunt und laut wie in seinem komplett mit dem Smartphone gedrehten Film “Tangerine L.A.” (2015). Auch sein neuestes Werk “The Florida Project” (OT: “The Florida Project”, USA, 2017) ist vieles auf einmal und wurde mit seinem bekannten Nebendarsteller Willem Dafoe sogar mit einer Oscarnominierung bedacht.

      • 6 .5

        Im Schatten des Wunderlandes bekommt der Sommer eine traurige Note. Jeden Tag spielen sie und balgen sich und nerven und betrügen, die Kinder der Sonne. Sie verlieren sich, ohne zu wissen, dass sie jeden Tag überleben. Es liegt eine beißende Ironie in diesem Film, denn einige Gehminuten von Disney entfernt leben, verharren, vegetieren die Ärmsten der Armen in einem Motel. Täglich müssen sie um die Miete feilschen – oder sie aufbringen, erschnorren und ergaunern. Sean Baker erzählt in "The Florida Project" von existenziellem materiellem Abgeschnittensein, von einem ausweglosen Alltag um die Suche nach kleinsten Chancen. Wenngleich die Kinder die Hauptrolle spielen, so skizziert Baker anhand der alleinerziehenden Mutter Halley (Bria Vinaite), wie illusorisch der Weg hinaufführen kann. In wiederkehrenden Fragmenten sehen wir Halley beim Vermindern von Kräften, denen sie nicht standhält – der Kreislauf ist unausweichlich. Beinah zynisch wirkt dabei die retrofuturistische, pastellfarbene Kulisse einer Harmonie, die schreiend, aber doch verloren den Traum eines Versprechens aufrechterhält: Inmitten von orangenförmigen Gebäuden und schrillen Werbetafeln wellt sich das Heilige längst an den Fassaden der Wirklichkeit. [...]

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        • 8

          Sean Bakers Film The Florida Project zeigt, wie sich Kinder an den Rändern der US-Gesellschaft einrichten. Grandiose Laiendarsteller machen einen Film zum Ereignis, der kindliche Lebensfreude feiert, ohne die soziale Realität aus dem Blick zu verlieren. [Karl Gedlicka]

          • 8

            Wieder bleibt er [Sean Baker] trotz einer gewissen Vorliebe für Klischees gekonnt weit entfernt davon, seine Hauptpersonen und die Umgebungen [...] auszubeuten. The Florida Project ist trotz Moonees köstlicher Quäkstimme und ihrer unbestrittenen frechen Niedlichkeit keinesfalls ein romantisierendes Sozialdrama [...]. [Jenny Zylka]

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            • 8 .5

              The Florida Project lässt sich treiben, hat kein Ziel und folgt nur selten einer Dramaturgie. Deswegen schafft der Film etwas Seltenes: Er macht in seiner zerstörerischen Wucht glücklich, weil die Kinder in ihrer Unbedarftheit glücklich sind. [Andreas Fischer]

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              • 8

                Micky Maus auf Hartz IV? Klingt komisch, ist als Sozialdrama Florida Project vor den Toren von Disneyworld in Florida ein erstaunlich buntes und sehr bewegendes Meisterwerk. [Günter H. Jekubzik]

                • 8
                  Filmszene.de 15.03.2018, 10:27 Geändert 15.03.2018, 15:05

                  Eine richtig stringente Geschichte mit einer typischen Charakterentwicklung gibt es hier allerdings nicht zu sehen [...]. Der Kontrast, ist natürlich augenfällig und auch beabsichtigt [...], eine Anklage oder Abrechnung mit der Konsumwelt des Disney-Konzerns stellt The Florida Project aber dennoch nicht dar. [Volker Robrahn]

                  • 8

                    Doch so unbedingt der Film sich und seinen Figuren jede Larmoyanz verbietet, so frisch und wahr und einzigartig stellt sich dieses Leben aus den Augen der Kinder dar [...]. Mit The Florida Project legt er [Sean Baker] einen Schutzschild um die Figuren, der sie vor der Hässlichen in der Wirklichkeit schützen soll. [Tim Slagman]

                    • 7 .5

                      The Florida Project zeigt, wie sich ein kleines Mädchen eine Kindheit abtrotzt. Wie Moonee, der kleine Wirbelwind, das Hotel, seine Parkplätze und Betriebsräume zum Abenteuerspielplatz, zu ihrer Welt macht. Disneyworld ist nur ein paar Meilen entfernt, könnte aber auch am Südpol liegen, der Eintritt ist einfach zu teuer. [Katja Nicodemus]

                      • 9

                        Wo Magie draufsteht, da ist oft nur Schund drin, knallbunte Fassaden kaschieren den Abgrund dahinter. „The Florida Project“ nimmt uns mit in eine Motelanlage, wo wir einen Sommer lang mit Menschen am Rande der Gesellschaft verbringen. Und am Rande des Existenzminimums. Das ist anstrengend und mitreißend, ungeschminkt realistisch und zugleich schrill und überdreht. Ein Anblick, den man so schnell nicht wieder vergessen kann, ob man es nun will oder nicht.

                        • 7

                          "(...) Sean Baker erzählt mit The Florida Project keine Geschichte im eigentlichen Sinne, sondern lässt das Publikum in Auszügen an dem Leben seiner Protagonisten teilhaben. Die Armut der Figuren ist dabei immer präsent, aber zugleich selten im Fokus. Zum Beispiel wenn Halley täglich Moonee mit Scooty zu dessen Mutter Ashley (Mela Murder) schickt, die als Kellnerin in einem Diner ein paar Waffeln bei Seite schafft. Das alles ist aber nie wirklich Sozialkritik, sondern eher soziales Kolorit und erinnert dadurch ein wenig an “slice of life”-Filme wie Andrea Arnolds American Honey oder die Werke eines Harmony Korine. Es gelingt Baker überaus geschickt, die beiden parallel nebeneinander existierenden Welten im Kontrast zueinander zu zeigen (...)"

                          • 9

                            Sean Baker schildert eine Kindheit am Rande des Existenzminimums in einem Motel in Florida, und verbindet dabei dokumentarisches Gespür mit visueller Lust am Erzählen. »The Florida Project« ist ein schmerzlich wahrhaftiges Sozialdrama mit der Magie eines Märchens. [Anke Sterneborg]

                            • 8

                              Am Rande der Glitzerwelt von Disneyland leben die Vergessenen der amerikanischen Gesellschaft in armseligen Motelanlagen. Sean Baker hat ihnen einen so erschütternden wie rührenden Spielfilm gewidmet, der eine solidarische Parallelwelt zeigt. [Lukas Stern]

                              • 9
                                Noergolas 23.01.2018, 17:17 Geändert 23.01.2018, 17:19

                                [...] Der Kamerablick fällt selten auf die Kinderfiguren herab, bleibt die meiste Zeit wortwörtlich auf einer Höhe mit ihren offenen Gesichtern und abenteuerlustigen Blicken. Prostituiert sich die Mutter im Nebenzimmer, dann erfahren wir davon nur zufällig, weil sich der Freier ins Badezimmer verirrt, wo die junge Hauptprotagonistin gerade mit ihren Quietscheentchen in der Badewanne sitzt. Auch die märchenhaft entrückte Farbpalette des Films wird zum Ausdruck dieser erzählerischen Perspektive - der bunte Anstrich längst zerfallener Häuserfassaden zeugt von einem Seifenblasentraum vom Leben, in den schon vor langer Zeit jemand mit der Nadel gestochen hat.

                                Sean Baker gelingt der Balanceakt, von diesen sozialen Missständen zu erzählen, ohne dabei wehleidig Mitleid für seine Figuren zu erbetteln. Gleichzeitig ist den traumhaft schönen Bildern aber auch zu keinem Zeitpunkt eine verklärende Romantisierung eingeschrieben. Ein schlichtes Abbilden verschiedener erzählerischer Vignetten, in deren erarbeitetem Raum die Figuren miteinander agieren, genügt um stets den richtigen Ton zu treffen. Auch ein Leben am Existenzminimum ist von Ambivalenz durchdrungen, von Schmerz und Schönheit gleichermaßen. Die füreinander aufgebrachte Empathie inmitten dieses sozialen Desasters; der unmögliche wie unendliche Zukunftstraum der aufgeweckten Kinderfiguren; all das ist auf eine subtile Weise ungemein bewegend. In einem der vielen bezaubernden Momente des Films sitzen Moonee und Jancey bei einem Picknick zusammen. "You know why this is my favorite tree?", fragt Moonee. "Because it's tipped over, and it's still growing." [...]

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                                • 9

                                  Ein verstecktes Königreich unter dem Regenbogen: Das Magic Castle in The Florida Project scheint jeden Traum vom Märchenland zu erfüllen. Getaucht in sattes Lila ragt das Schloss aus dem grünen Boden ins ewige Blau des Himmels, während strahlend die Sonne auf- und untergeht, nie nie verlegen, die Landschaft in ihr magisches Licht zu hüllen. Ein Idyll vor den Toren des Walt Disney World Resort in Orlando – und dennoch findet Sean Baker in seinem jüngsten Werk wenig von dem unbeschwerten Gefühl eines Disney-Märchens, das trotz fieser Hürden zuversichtlich auf ein Happy End zusteuert, sodass sich Prinzessin und Prinz in die Arme fallen können, ehe der lang ersehnte Kuss in den Abspann überleitet. Stattdessen offenbart sich das Magic Castle als 35-Dollar-Motel, das zwar Erinnerungen an eine heile Welt weckt, in Wahrheit jedoch längst als trostlosen Bestandsaufnahme eines heruntergekommenes Amerikas fungiert. [...]

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                                  • 8 .5

                                    Eine wunderschöne Ode an die Kindheit und zugleich authentische Mileustudie einer wenig beachteten sozialen Randgruppe, die durch die fantasievolle Ästhetik und den großartigen Schauspielleistungen auf ein weiteres Level an Qualität gehoben wird. Ein cineastischer Genuss!

                                    • 8

                                      Beinahe wie ein Dokumentarfilm gedreht, ist Bakers betörend realistisches Independent-Drama ein ziemlich raffinierter Kommentar zur Lage der USA und dazu noch witzig und berührend. Toll! [Gaby Sikorski]

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                                      • 9
                                        NewYorkTimes 06.10.2017, 16:35 Geändert 06.10.2017, 16:46

                                        The Florida Project schafft etwas Unglaubliches. Der Film zieht einen in den Bann, aber ist gleichzeitig sehr ehrlich. [A.O. Scott]

                                        • 7
                                          HollywoodReporter 06.10.2017, 14:12 Geändert 06.10.2017, 15:00

                                          Gegen Ende wirkt The Florida Project etwas ernüchternd, jedoch wird es ab einem Zeitpunkt sehr emotional, wodurch der Film sich retten kann. [David Rooney]

                                          • 8 .5
                                            VillageVoice 06.10.2017, 14:03 Geändert 06.10.2017, 16:49

                                            Mit The Florida Project, dem Nachfolger von Tangerine, stattet Baker seine armen Charaktere erneut mit Menschlichkeit und Humor aus. Nur dieses Mal vielleicht mit einem etwas größeren Budget - und einer richtigen Kamera. [April Wolfe]

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                                              LATimes 06.10.2017, 11:02 Geändert 06.10.2017, 11:06

                                              The Florida Project hat den gleichen, intimen Suchcharakter sowie die Faszination mit marginalisierten Subkulturen wie Tangerine. Aber es ist auch etwas Größeres: Szene für Szene versammelt der Film die ansteckendsten und aufregend-lebendigsten Porträts von Kindheit, die ich jemals gesehen habe. [Justin Chang]

                                              • 6 .5

                                                Die visuelle Umsetzung steht im krassen Gegensatz zum tristen Alltag der Menschen dieser tiefen sozialen Schicht, den Baker schonungslos und unverblümt darstellt. Es ist nicht alles Gold, was glänzt. [Gianluca Izzo]

                                                • 8 .5

                                                  "Sean Baker spürt im Schatten von Disneyland kindlichen Energien und solidarischen Verkettungen nach. Und Willem Dafoe räumt hinterher." [Till Kadritzke]

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