The Killing of a Sacred Deer - Kritik

The Killing of a Sacred Deer

GB/US/IE · 2017 · Laufzeit 121 Minuten · FSK 16 · Drama, Horrorfilm · Kinostart
Du
  • 7

    Den Regisseur Giorgos Lanthimos habe ich damals mit „Dogtooth“ kennengelernt, danach aber völlig aus den Augen verloren. Mittlerweile dreht der Mann auch mit amerikanischen Schauspielern; also hat er es ganz schön weit gebracht. „Dogtooth“ war sehr unkonventionell, gefiel mir jedoch gut und am Stil von Lanthimos hat sich scheinbar nichts verändert, wie ich bei der Sichtung von „The Killing of a Sacred Deer“ festgestellt habe. Das wird die Meinungen spalten, doch ich fühlte mich relativ gut unterhalten.

    Steven ist ein angesehener Herzchirurg, glücklich verheiratet und hat zwei Kinder. Seit einiger Zeit trifft sich Steven mit dem 16-jährigen Martin, weil sein Vater gestorben ist und Steven sich dafür verantwortlich fühlt. Er stellt für Martin eine Art Ersatzvater dar, doch eines Tages dreht sich das Blatt. Martin weiß nämlich genau, dass es Stevens Schuld war, dass sein Vater nun tot ist und dafür möchte er eine Gegenleistung haben. Diese Handlung könnte so direkt aus einem Horrorfilm stammen, denn im Grunde genommen handelt es sich hier um einen simplen Racheplot mit übernatürlichen Einschüben. Doch durch die Erzählweise von „The Killing of a Sacred Deer“ wirkt das Ganze irgendwie doch etwas größer und nicht ganz so stumpf. Inspiriert ist das wohl von den Geschichten um Iphigenia, die vom griechischen Dramatiker Euripides geschrieben wurden. Da kommt auch der seltsame Filmtitel her. Ich kenne mich weder mit diesem Dramatiker oder sonst noch besonders gut in der griechischen Mythologie aus, so dass ich hier keinerlei Vergleiche anstellen kann. Das Drehbuch wurde aber auf jeden Fall recht interessant geschrieben.

    Die Situation besitzt durchaus ihren bedrohlichen Reiz und wird dann stets dramatischer. Giorgos Lanthimos hat seinen eigenen Stil beibehalten, den er schon bei „Dogtooth“ präsentierte. So gibt es gerne mal ungewöhnliche Kameraperspektiven und sowieso ist die gesamte Aufmachung eher unkonventionell. Da wird auch auf die Erwartungshaltung des Publikum gepfiffen. Sowas nennt man dann wohl Kunst, wobei sich hier nicht alle einig sein werden. „The Killing of a Sacred Deer“ ist auf keinen Fall ein Werk für jeden, wird aber mit Sicherheit seine Fans haben. Allgemein ist das Tempo des Filmes äußerst langsam, teilweise vielleicht etwas zu langsam. So richtig unnötig wirken die Szenen jedoch nicht. Erst in der zweiten Hälfte schraubt die Atmosphäre dann an der Bedrohlichkeits-Skala. Allerdings schafft es Lanthimos von Anfang an irgendwie, dass der Film unheilvoll wirkt. Der wirklich bedrohliche Score sorgt sicherlich mit dafür. Handwerklich ist das auf jeden Fall gut gemacht, selbst wenn es für meinen Geschmack noch etwas verspielter hätte sein dürfen. Was den Film aber am ehesten sehenswert macht, ist diese Atmosphäre, die am Ende auch knallhart durchgezogen wird. Irgendwie ist das Horror, dann aber auch wieder Drama und der bitterböse, schwarze Humor lockert das Geschehen nicht unbedingt auf.

    Zusätzlich ist „The Killing of a Sacred Deer“ mit starken Darstellern gesegnet. Colin Farrell bringt seine Hilflosigkeit glaubwürdig herüber. Ich bin absolut kein Fan von Nicole Kidman, doch auch sie überzeugt in ihrem Part durchaus. Barry Keoghan ist nicht ganz so stark, agiert aber brauchbar und Raffey Cassidy ist ebenfalls gut. In einer kleinen Nebenrolle gibt es noch Alicia Silverstone zu sehen. Die Figurenzeichnung funktioniert ziemlich gut. Die Charaktere sind seltsam, das sollen sie aber auch sein. Auf der einen Seite ist das bodenständig und glaubwürdig, auf der anderen Seite merkwürdig steril und surreal. Daraus ergeben sich so manch eigenwillige Handlungen und auch die Dialoge überraschen manchmal. Zwar konnte ich als Zuschauer nicht unbedingt sehr viel mit den Charakteren anfangen, aber belanglos wirkten sie auf mich auf keinen Fall.

    Fazit: „The Killing of a Sacred Deer“ ist nicht so sperrig, wie es „Dogtooth“ einst war, aber leicht zugänglich ist der Film trotzdem nicht. Die simple Grundhandlung erfährt eine interessante Aufmachung und die handwerkliche Arbeit hat mir gut gefallen. Hinzu gesellen sich ordentliche Darsteller. Das ist zwar nicht ganz frei von Längen und mit dem langsamen Erzählton muss man sich abfinden können, dafür wird man aber mit einer sehr guten Atmosphäre belohnt, die konsequent immer düsterer wird und mit einem bösen Ende aufwartet. Dass es nebenbei trotzdem schwarzen Humor gibt, das Ganze sexuell noch etwas aufgeladen ist und die Figurenzeichnung recht merkwürdig ist, macht das Ganze vielleicht nicht gerade zugänglicher, aber auf jeden Fall interessanter. Absolute Geschmackssache, aber ich fand den Film sehenswert!

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    • 1 .5
      robertlitz 19.09.2018, 13:53 Geändert 19.09.2018, 14:23

      extrem hölzerne Dialoge, die kaum auszuhalten sind und eine langweilige, sinnlose Story - äußerst schwacher Film

      • 7 .5

        In "The Killing of a Sacred Deer" spielt Colin Farrell den Chirurgen Steven Murphy, bei dem ein paar Jahre vor Beginn des Films eine Operation durch Eigenverschulden schief läuft und in Folge dessen dieser Patient stirbt. Für einen Chirurgen sind solche "Unfälle" nicht immer leicht zu verarbeiten wie man im Laufe des Films feststellen wird.

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        Besonders auffällig bei diesem Film ist von Anfang an die sehr bedrückende Atmosphäre, obwohl zuerst alles den Anschein erwecken sollte, als ob alles in Ordnung sei. Doch mit der Zeit wird der Zuschauer in eine Welt voller Metaphern und Absurditäten entführt. Wobei man sich aber nie zu weit von der Realitätsebene entfernt. Stets stellt man sich die Frage ob das Gesehene nun zur Wirklichkeit zählen soll oder eher als Metapher gemeint ist.

        Colin Farrell und Nicole Kidman liefern dabei in den Hauptrollen beide eine ganz richtig gute Performance ab. Vor allem Colin Farrell hat mir hier sehr gut gefallen.
        In den Nebenrollen kommen größtenteils unbekannte Schauspieler zum Tragen, die allesamt ganz ordentlich spielen. Eine kleine Rolle im Film übernimmt Alicia Silverstone, die man leider schon seit einigen Jahren nicht mehr in großen Rollen sehen durfte.

        Was die Inszenierung betrifft bewegt sich "The Killing of a Sacred Deer" auf einem sehr hohen Niveau. Vor allem die Kameraarbeit, mit einigen sehr kunstvollen Aufnahmen, weiß dabei voll und ganz zu überzeugen. Auch die Kulisse hat einen gewissen Style, der dem Film einen Stempel aufdrückt.
        Mit seinen atmosphärischen Tönen trägt der Soundtrack seinen Teil zur Atmosphäre bei.

        "The Killing of a Sacred Deer" ist wahrlich kein Film bei dem es leicht ist, ihm bis zum Schluss zu folgen. Manchen wird der Film wahrscheinlich zu anstrengend sein. Wenn man sich jedoch die Mühe gibt und es auch schafft all die Metaphern richtig zu interpretieren, wird man es nicht bereuen und so bekommt man auch ein sehr gelungenes Ende geboten.

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        Angelehnt an die griechische Tragödie rund um Iphigenie, inszenierte Yorgos Lathimos mit "The Killing of a Sacred Deer" einen Thriller bzw. Horrorfilm der vollgespickt mit Metaphern ist und den Zuschauer durch einen enormen Tiefgang den Zuschauer fesselt. Wem dieser Film gefallen hat, dem kann ich auch "The Lobster" durchaus empfehlen.

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        • 7
          Filigrano 29.08.2018, 02:07 Geändert 29.08.2018, 02:20

          bei Lanthimos darf man nicht den Fehler machen, eine reale Welt/ Gesellschaft zu sehen/erwarten, auch wenn das alles sehr real wirkt... den Fehler habe ich bei "Lobster" gemacht und diesen Film schwach bewertet...

          natürlich fehlt hier die Erklärung warum die beiden Kinder nicht mehr gehen können bzw. der Psycho-Kackjunge es schafft auf die Kinder so dermaßen körperlich einzuwirken....

          ich fand den Film sehr spannend!

          • 7

            Einmal eine völlig andere Rachegeschichte.
            Inspiriert von einer griechischen Tragödie.
            Gute Kamerafahrten und Sets.
            Ein Drama nicht für den Massengeschmack aber gut und spannend gemacht.
            Am Ende muss jemand sterben, weil zuvor ein anderer gestorben ist. Jemand oder gleich drei - das ist das Drama.
            Praktisch sowas wie Auge um Auge.

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            • Der Siegemund 25.08.2018, 21:20 Geändert 25.08.2018, 21:30

              "The Killing of a Sacred Deer" hat mich wenig geistig beschäftigt, entweder weil ich die Metaebenen nicht erkannt habe oder weil er sinnentleert war.

              Das was ich verstehe, also die übernatürliche Rache von Martin an dem Chirurgen, der sein Vater hat sterben lassen, ist mir zudem zu emotionsarm inszeniert. Dabei beklage ich nicht mal den übernatürlichen Teil.

              Da ich ratlos bin und keine Werkanalyse betreiben kann, werde ich mir eine Bewertung, die entsprechend niedrig ausfallen würde, aber dem Werk vielleicht nicht gerecht würde, ersparen.

              Ich lese mir auch jetzt keine Kommentare durch, um danach in meiner eigenen Analyse einen Feinsinn vorzuspielen, der mir hier nicht zuteil wurde.

              Ich bin aber bereit mir auf die Sprünge helfen zu lassen, vielleicht erkenne ich es nicht, habe keinen Zugang zu dem was gemeint ist und jemand kann es besser erklären, dann könnte es sein, dass ich nachträglich eine gerechte Wertung finde.

              Mir fällt gerade auf, dass "The Lobster", mit dem ich viel mehr anfangen konnte tatsächlich auch von Lanthimos ist, der auch "Dogtooth" verbrochen hat, der mich nur angeekelt hat.

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              • 7 .5
                Botwin 24.08.2018, 21:22 Geändert 24.08.2018, 21:36

                Manometer was war das den, mir fehlen fast die Worte. Der Film war sehr speziell, befremdlich mit verstörenden Dialogen und einem sehr düsteren Soundtrack! Dieser Film löste in mir eine sehr unangenehme Stimmung aus. Schauspielerisch konnte der ganze Cast überzeugen aber Barry Keoghan war beängstigend genial.

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                • 5 .5

                  Ich wähle den hier selten gesehenen Mittelweg. Der Film ist spezial und man fühlt sich nie wohl in der Haut von allem, es sehr grotesk und schlicht anders. Das machte ihn in diesem Fall positiv speziell, was mir weniger gut gefallen hat, war, dass er zeitweise auch etwas langatmig war.

                  • 8 .5

                    “ …kann ich deinen mp3 Player haben wenn du tot bist? Bitte bitte.. “
                    Von seltsamen Gestalten hab ich noch bei P.T. Anderson gesprochen aber da geht noch mehr.
                    Kidman und Farrell haben dann hoffentlich jetzt ihre eigentliche Bestimmung gefunden ( A.Silverstone wurde ebenfalls gefunden, wo war die denn?) und zappeln ähnlich wie ich, was Giorgos sich wohl als nächstes ausdenkt , sehr geil auch B.Keoghan , diese Abgefucktheit muss man erstmal so spielen wie Gorgi sich das vorstellt.
                    Wichtiger Faktor auch die Musik, geht von Bach, Schubert ( es operiert sich dazu am besten am offenem Herz) bis Pendereki und Ligeti plus Soundscapes die durchgehend sicher stellen, dass du weißt in welchen Kosmos du dich befindest .
                    Interessierte googlen noch schnell Euripides zum überfliegen, Vorsicht der kannte noch keine political correctness, (empfehlenswert dabei auch die " Medea" Verfilmung von Pasolini, für die denen das Mad Max Setting
                    zu schlaff und albern ist).
                    Und klaro, die allgemeine Rezeption von Dwayne The Rock Johnson Fans ist hier "sinnloser Film, bescheuert, langweilig, wtf, der letzte scheiß“ isso, also klares Zertifikat das Lanthimos auch diesmal nicht enttäuscht.
                    Keine Empfehlung von mir es sei denn du hast nen hübschen Dachschaden denn hey, logisch ist jetzt nur ein Kind zu töten, vor allem weil wir ja noch ein neues machen können, tja von wegen unlogisch.
                    Rationale Argumente muss man erstmal widerlegen.
                    Kunden interessierten sich auch für: Jagdgewehr, Spagetti, Handjobs und Uhrenlederarmband.

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                    • 1

                      So Freunde...Mythologie hin oder her...Der Sinn, der Tenor, die Aussage und die Ideologie des Filmes ist unbestritten interessant und interpretationswürdig. Nur...sieht man es schlicht, ohne den pseudo - intellektuellen Bezug, bleibt für den normalen Zuschauer lediglich ein Film bei dem ALLE Darsteller agieren als wären sie ein Cast aus "Gute Zeiten, schlechte Zeiten" Niemals habe ich Collin Farell dermaßen mies agieren gesehen. Dass das Ganze eine Groteske ist, macht die Langeweile, die der Film bis zum ende Zelebriert nicht besser. Etwas mehr Liebe, Nähe und Empathie zum Publikum wäre hilfreich.

                      Und wer immer sich nun aufschwingt um mir zu erlkären, das dies hohe Kunst sei....lass es...Aus Scheiße wird kein Gold nur weil ein paar Kritiker es sagen. Ob ein Film gut ist....wissen nur die normalen ZUSCHAUER

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                      • 6
                        FrettchenCGN 02.07.2018, 23:15 Geändert 02.07.2018, 23:18

                        Hmpf... Die erste Stunde hat mir aufgrund der Stimmung gefallen, diese z.T. sinnentleerten Einzeiler und Kühle in allen Dialogen "Meine Tochter hat ihre erste Menstruation gehabt" - "Oh, schön".

                        Auch kann ich dem Film insgesamt die künstlerische Aufbereitung nicht absprechen.

                        Achtung, evtl Spoiler:

                        in der zweiten Hälfte tat ich mich dann aber doch zu schwer damit, die Iphigenie-Neuinterpretation zuzulassen. Griechische Götter haben nun mal mehr drauf als ein Junge, der zwischen Autos und den Protagonisten rumläuft (davon abgesehen habe ich im Vorfeld gelesen, dass der Film davon handeln soll, dass der Junge den Vater erpresst, was einfach nicht der Fall ist - er hatte nur mehr Durchblick in das Schicksal der Familie. Die wären also auch umgekippt, hätte es den Jungen nicht gegeben).

                        Somit ist mir dies "Mystische Ereignisse kommen über die Familie, aber erst nachdem ein Junge in Erscheinung tritt, der aber nix damit zu tun hat und trotzdem eins auf die Zwölf bekommt" zu wirr. Ich geb mal ne 6.

                        ... Und noch was Persönliches, da Sternenkind hier schrieb, dass Farrell unter der Dusche nicht mehr sexy aussieht. Bart und bissel Bauch find ich an dem ganz lecker!

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                        • 0

                          Das war mit Abstand der sinnentleerteste Film der mir seit langem untergekommen ist. Die Aussagen und Handlunge der Charaktere waren nicht im Kleinsten nachvollziehbar. Ich meine welches 14-jährige Mädchen sagt einem Jungen den sie erst seit ein paar Minuten kennt, dass sie ihre erste Periode bekommen hat??????? Und das ist nur ein Beispiel unter vielen.
                          Manche Szenen wurden einfach nur gedreht um den langweiligen Kram durch Schock-Momente aufzupeppen.
                          Und kranke Kinder oder nicht: die Handlungen von Steven und Anna waren mehr als überzogen und passten überhaupt nicht zu dem, am Beginn von ihnen gezeichneten Charakterbild.
                          Man bekommt nicht mal den Hauch einer Erklärung, warum Martin (Psycho hin oder her) seine Kinder wie von Zauberhand krank machen kann.
                          Die Hoffnung auf eine Erklärung war das einzige, was mich die 2h durchhalten hat lassen und dann ... gar nichts. Was für eine traurige Zeitverschwendung.
                          Und wie immer bei so einem Haufe Sch**** nennt man das dann Kunstfilm.

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                          • 3

                            Wtf ...trockene sinnlose Dialoge ohne Gefühl ,was wahrscheinlich so gewollt war aber hat bei mir jetzt keinen erwünschten Effekt ausgelöst .
                            Man fragt sich die ganze Zeit wann der Film an fahrt gewinnt und dann im zweiten Teil des Filmes schafft er es auch ...macht es dann aber mit dem Ende wieder zu Nichte .

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                            • 7 .5
                              haujobb. 18.06.2018, 00:36 Geändert 19.06.2018, 02:08

                              Enorme Wirkung, perfekt inszeniert:
                              der Inhalt, die Bilder, (z.T. aus ungewöhnlicher Perspektive) und die klassische Musik fügen sich passend zusammen zu einem bedrohlichen Szenario, dass einem fast das Blut gefrieren lässt.
                              Lanthimos muss man nicht zwingend mögen, aber mir gefällt dieser Film. Und ein Künstler ist er in jedem Fall.
                              Ist vielleicht auch eine Frage der jeweiligen Stimmung: The Lobster hat bei mir auch funktioniert, Dogtooth allerdings nicht...

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                              • 0

                                Der schlechteste, langweiligste & verstörenste Film den ich in den letzten 30 Jahren im Kino gesehen habe. Ein Punkt gibts für Colin’s Aussehen.

                                • 8 .5

                                  Yorgos Lanthimos, auf dem Weg zum Next Big Thing im Business, wenn er dort nicht sogar schon angekommen ist. Griechische Mythologie als moderne, abstrakte und bitterböse Farce. In seinen Bildern glasklar, beinah aseptisch und nah am Kubrick-Perfektionismus, immer wieder durchbrochen von aufbrausenden Disharmonien, in seiner inhaltlichen Ausrichtung wiederum nie konkret festgelegt. Lanthimos erweist sich mal wieder als sezierender Beobachter sozialer, gesellschaftlicher und moralischer Strukturen, um sie anschließend als biestige Groteske einerseits ad absurdum zu führen, andererseits daraus trotzdem eine emotional ergreifende Tragödie zu schaffen. Zwischen enormer Anspannung, verstörender Bedrohung und erschütternder Grausamkeit finden sich so oft Momente pechschwarzer Ironie, dass man als Zuschauer fast schon in einen Gewissenskonflikt kommt, wenn man das Lachen gerade noch so mit dem Klos im Hals herunterschlucken kann…oder darf. Der Funny Games Effekt. Einer der besten Filme der letzten Jahre von einem der wohl spannendsten Regisseur dieser Zeit.

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                                    GetarnteKatze 29.05.2018, 20:30 Geändert 29.05.2018, 20:30

                                    Mystery-Thriller über einen erfolgreichen Chirurgen, der eine Art Vaterfigur für einen seltsamen Klassenkameraden eines seiner Kinder ist. Nach und nach wird dieser Person aufdringlicher und es kristallisiert sich das Verhängnis dieser Beziehung heraus.
                                    Es ist im Grunde ein klassischer Mystery-Film, der Anleihen in der griechischen Tragödie aufweist. Der Regisseur ist bereits aus Filmen wie “Dogtooth” bekannt, und wer diesen Film gesehen hat, weiß um das Geschick interessante und merkwürdige Charaktere zu erschaffen. Die Dialoge wirken auch in diesem Film teilweise unnatürlich, sind häufig monoton gesprochen und insgesamt roboterhaft. Was fasziniert ist viel mehr die Konstellation der Hauptfiguren und die besondere Handlung.
                                    Negativ fällt eine fehlende Mehrdeutigkeit ins Auge. Ist ein Mystery-Film nicht erst dann vollständig, wenn man das Geschehen sowohl durch natürliche als auch übernatürliche Umstände plausibel erklären kann?
                                    Insgesamt ein gelungener Film, mit Starbesetzung, der es gut versteht, ein Gefühl zu transportieren, aber an einer Handlung, die cleverer sein könnte, scheitert.

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                                    • 7 .5

                                      Puuuuhhhh......das war schon ein Brett. Für mich war der Film in erster Linie befremdlich, da ich ein sehr emotionaler Mensch bin und ich diese kälte im Film nur ganz schwer ertragen konnte. Gab es im Film eigentlich auch nur eine einzige Szene, die wirkliche wärme versprüht hat....in der Emotionen....lachen....gezeigt wurden? Kann mich nur an 10 sek. erinnern in denen Steven geweint hat....mehr war da nicht, glaub ich ^^ Die Story war klasse (Stichwort: Iphigenia) und die schauspielerische Leistung ebenso. Bin mal gespannt auf Lanthimos nächstes Werk.

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                                        Daggiolone 20.05.2018, 00:01 Geändert 20.05.2018, 00:25

                                        Irgendetwas muss bei Lanthimos Psychoanalyse schief gelaufen sein. So stelle ich mir das vor. Wie kann man sich nur immer wieder einen solch kranken Scheiß ausdenken?
                                        The Killing of a Sacred Deer stellt dabei sein bisher wohl verstörendstes Werk dar. Es gibt Szenen, da lief es mir eiskalt den Rücken runter. Andere Szenen verstören dadurch, dass sie irgendwie komisch sind, obwohl es absolut nichts zu Lachen gibt. Eine psychologische Metapher in einem Gewand, das einen strapazierenden Spagat zwischen einer Story wie aus einem bösen Märchen und einem Thriller ausübt. Die Angst von den Eltern nicht genug geliebt zu werden, der Kampf ihnen alles Recht machen zu wollen, Anspielungen über Missbrauch. Ein Film der tief unter die Haut geht, bei dem es einem manchmal hochkommt und bei dem man Momente erlebt, die man lieber vermieden hätte.
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                                        Ich hätte mir ein alternatives Ende gewünscht. Nach ein paar Schüssen ins Leere fällt ein Schuss, man sieht nicht auf wen, und das Bild wird schwarz. ENDE

                                        Dann hätte ich 10 Punkte vergeben...

                                        6
                                        • 7 .5
                                          smartbo 16.05.2018, 14:56 Geändert 12.06.2018, 14:30

                                          - Der Kommentar enthält Spoiler -

                                          Der Film handelt von der gutsituierten Familie Murphy, die zu der amerikanischen Oberschicht gehört und in einem Vorort in einem großen Haus lebt. Der Vater Steven ist Arzt an einem Krankenhaus, die Mutter Anna ist Hausfrau. Die zwei Kinder, Tochter Kim und Sohn Bob, gehen zur Schule. Der Familie geht es gut. Der Vater fährt einen dicken Benz, das Familienleben ist harmonisch, offene Probleme gibt es nicht. Bis, ja bis ein mysteriöser 16jähirge Junge namens Martin auftaucht und sich zuerst mit dem Vater und dann mit der gesamten Familie anfreundet. Ab da beginnt die albtraumhafte Geschichte des Filmes, und es geht so richtig los.

                                          Der Film wird unter dem Genre Drama/Horror geführt. Okay, Drama ist es schon. Aber schaut man genauer hin, kann vom Horror keine Rede sein. Vielmehr ist es meiner Meinung nach ein Familienfilm der anderen Art. Warum? Er schildert beängstigend und grausam wie sich das Familienleben, das bisher so gut funktionierte, von einer harmonischen Idylle zu einem egoistischen Kampf auf Leben und Tod untereinander entwickeln kann. Der Film entlarvt, wie heuchlerisch und verlogen das Familienleben sein kann, das oft nur darauf ausgerichtet ist, nach außen hin eine heile Welt vorzugaukeln. Die gelegentlich vorgebrachte Auffassung, es sei primär ein Rachethriller, teile ich nicht. Martin steht zwar mit seiner Vergeltung im Vordergrund der Geschichte. Sein Handeln ist jedoch nur der Anstoß für die eigentliche Filmhandlung, die im Mittelpunkt steht, nämlich der schmerzliche Zerfall einer Familie.

                                          Der etwas merkwürdige Filmtitel „The Killing of a sacred deer“, (ins deutsche w o r t w ö r t l i c h übersetzt -Die Tötung eines heiligen Hirsches-), bezieht sich auf die griechische Mythologie in der es um Agamemnon geht, der zu Beginn des Trojanischen Krieges in einem Wald einen heiligen Hirsch tötete und daraufhin zur Strafe Artemis, der Göttin des Waldes, seine Tochter Iphigenia als Opfer anbieten musste. Darum geht es auch im weitesten Sinne in der Filmstory und desweiteren: im Film hat Kim Murphy, die Tochter des Arztes, eine Klassenarbeit über Iphigenie geschrieben. Wunderbar ist es auf Wikipedia erläutert: https://de.wikipedia.org/wiki/The_Killing_of_a_Sacred_Deer#Bedeutung_des_Filmtitels

                                          Gut finde ich an dem Film den originellen Plot, dessen Grundidee unverkennbar auf der oben skizzierten Episode aus der griechischen Mythologie basiert. Auch wenn die Story außergewöhlich ist, kommt der Film dank der ausgezeichneten Inszenierung atmosphärisch glaubwürdig rüber. Schauspielerisch überzeugt vor allem Barry Keoghan, der brillant den Martin spielt. Allerdings hat mir seine monotone deutsche Synchro nicht gefallen, was schon Chionati in seinem Kommentar weiter unten explizit herausgestellt hat. Dass mit der emotionslosen Monotonie in der Stimme dramaturgische Effekte erreicht werden sollen, ist mir schon klar. Es ist jedoch nach meinem Empfinden zu überspitzt. Das schmälert aber die insgesamt gute Bewertung des Filmes nicht. Schauspielerisch vorzüglich sind darüberhinaus –ganz klar- Collin Farrel in der Rolle des Vaters Steve Murphy und Nicole Kidman als Mutter Anna Murphy. Bemerkenswert ist, wie gut Nicole Kidman mit ihren 50 Jahren noch aussieht. Wow.

                                          Fazit: Daumen hoch, ich kann den Film ohne Vorbehalt als sehenswert empfehlen

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                                          • 7 .5

                                            Genau wie bei A Beautiful Day gilt, der Film ist eher was für Cineasten! Regisseur Yorgos Lanthimos, inszeniert mit The Killing of a Sacred Deer ein extrem unkonventionelles und verstörendes Psychodrama, dass absurde Komik mit bösartigem Horror vereint! Das gewollt künstliche sehr kühle Schauspiel von Größen wie Nicole Kidman und Colin Farrell, könnte so manchen verstören, aber Jungmime Barry Keoghan als jugendlicher Psychopath ist der eigentliche Star des Films! Und so entfaltet der Film während der gesamten Laufzeit eine ungemein bedrohliche und unterkühlte Atmosphäre und steuert auf ein Finale zu, dass einer griechischen Tragödie ähnelt! The Killing Of a Sacred Deer, ist kein Film für die breite Masse und hat eher absurde Szenarien eines David Lynch und schaurige Gewaltexzesse eines Michael Haneke an Board.

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                                              Anton Gorodezki 08.05.2018, 20:32 Geändert 08.05.2018, 22:47

                                              Davon ausgehend, dass das absolut unnatürliche und distanzierte Verhalten der Eltern beabsichtigt ist, ist die schauspielerische Darbietung makellos; was man von Collin Farrell und Nicole Kidman allerdings auch erwarten konnte. Barry Keoghan ist herausragend, und ich würde mich freuen, ihn als unheimlichen "Psycho" noch in weiteren Filmen zu sehen.

                                              Das alles ändert allerdings nichts daran, das The Killing of a Sacred Deer ein völlig unsinniger Film mit nur sehr mäßigem Unterhaltungswert ist. Symboljäger können der Geschichte vermutlich etwas abgewinnen, aber zu dieser Spezies gehöre ich zum Glück nicht.

                                              Die komplette Handlung, sowie das Verhalten einzelner Figuren sind überhaupt nicht nachvollziehbar und unlogisch, somit kann keine Empathie für irgendeine Figur entstehen. Keinerlei Fragen oder Themen werden auch nur im Ansatz beantwortet. Ich habe einfach keine Lust, mir selbst eine Geschichte zu einem Film auszudenken. Hinzu kommen maßlos übertrieben eingesetzte Soundeffekte, die dadurch nervig sind.

                                              Einen Film mit diesem Cast gegen die Wand zu fahren ist wohl gar nicht so einfach, aber hier gelingt es (leider).

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                                                Scaramouche 08.05.2018, 14:51 Geändert 08.05.2018, 15:23

                                                Herzlich Willkommen im Filmolymp Mister Lanthimos.

                                                Ich bin mir nicht ganz sicher, ob hinter Lanthimos` Filmographie ein festes Konzept steckt, welches alle seine Werke zu einem grotesken Puzzle verschmelzen lässt, aber auch The Killing of a Sacred Deer erweckt den Eindruck, dass sich ein beständiger roter Faden durch sein Schaffen zieht. Dass sein zweiter Hollywoodfilm auf einer griechischen Tragödie aufbaut, versinnbildlicht ein wenig den Status, den Lanthimos akutell innerhalb der Filmlandschaft besitzt. Auch wenn er mittlerweile auf eine respektable Anzahl prominenter Schauspieler zurückgreifen kann, konfrontiert er den Zuschauer immer noch mit den für ihn typischen Unannehmlichkeiten, die bereits in Dogtooth verankert waren und dem ein oder anderen Publikum einen unangenehmen Filmgenuss verschafft haben.

                                                Wie nicht anders zu erwarten, verzichtet Lanthimos auf eine behutsame Eröffnung der Szenerie. Für einen kurzen Moment verharrt die Kamera beim Anblick eines offenen, pumpenden Herzens, ehe sie den zuständigen Chriug und Protagonisten Steven einführt. Die nächsten Szenen verschaffen etwas mehr Gewissheit - Stevens Leben bzw. sein Tagesablauf scheint einem unverrückbaren Schema zu folgen, welches auch seine Frau Anna und die beiden gemeinsamen Kinder Kim und Bob einschließt und einem perfektionierten Uhrwerk ähnelt. Den passenden Dialog dazu liefern Steven und sein Anästhesist in einer der ersten Szenen. Dass die Vollkommenheit der amerikanischen Oberschicht auch die ein oder andere Tücke verbirgt, wird im weiteren Verlauf klar, wenn der junge Halbwaise Martin in das Geschehen eindringt. Anfangs noch unsicher und auf eine spezielle Art nach Zuneigung fragend, reißt Martin das Lügenkonstrukt von Steven ein und konfrontiert ihn mit einem der dunkelsten Kapitel ihrer gemeinsamen Vergangenheit. Mit dem Wissen, dass Steven seiner psychischen Macht unterliegt, nistet sich Martin ähnlich einem Parasiten in dem Leben der Vorzeigefamilie ein und verwandelt das stahlende Anwesen in eine Art Vorhölle. Martin ist wie eine Eisenstange, die die Zahnräder zum Stoppen bringt, er bringt Steven in eine Situation, in welcher er die Verantwortung nicht einfach beliebig verschieben oder mit Alkohol betäuben kann. Stattdessen übergibt Martin ihm eine derart gigantische und folgenschwere Entscheidungsgewalt, an dessen Schwere er stückweise zerbricht.

                                                Ich bin ein wenig überrascht, dass so viele Zuschauer den Racheakt von Martin als zentralen Aspekt des Filmes sehen, für mich ist Martin eher ein Initiator, der das Trugbild entlarvt, hinter dem sich Steven verschanzt.

                                                Es ist immer wieder eine Freude, wenn Lanthimos den Zuschauer an seinen unterkühlten Impressionen teilhaben lässt. Wie schon in The Lobster und Dogtooth schickt Lanthimos sein Publikum auf eine mikroskopisch präzise Reise durch die Arglist einer modernen Gesellschaft und streut in den nervenaufreibendsten Momenten auch noch Salz in Form von bitterbösem Humor in die Wunde. Seine beiden großen Vorgängerwerke zeichnete vor allem aus, dass sie ihre Essenz in fein ausgearbeiteten Metaphern verschlüsselten, aber trotzdem recht deutlich auf das hinwiesen, was sie zu kritisieren versuchten. The Killing of a Sacred Deer ist da mMn etwas rätselhafter und stellt sicherlich für die Meisten, mich eingeschlossen, in mehreren Situationen ein Buch mit vielleicht nicht sieben, aber schon ein paar Siegeln dar. Es bleibt nur zu hoffen, dass Lanthimos auch noch in Zukunft seine Seziermesser schwingt, bis auch die letzten Synapsen die kollektive Überforderung melden.

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                                                  countcount 06.05.2018, 18:29 Geändert 06.05.2018, 18:48

                                                  Ich bin kein Fan von "Lanthimos" und habe habe mir diesen Film nur wegen der guten Besetzung angeschaut, denn sein Vorgänger "Lobster" war schon meiner Meinung nach sehr gekünstelt und so grässlich langweilig. Aber dieser Film hier toppt das nochmal. Die Handlung fast nicht vorhanden, die Darstellung total emotionslos. Der Soundtrack viel zu übertrieben und nervig. Die Kamera gefiel mir dagegen sehr gut.... und "Barry Keoghan" war hier ebenso ein Lichtblick....!!! :-) !! !Aber das war es dann auch an positivem. Das Motto des Regisseurs ist es wohl alles total "artifiziell" und aufgesetzt darzustellen, um es als "Kunst" verkaufen zu können.. Ich werde damit überhaupt gar nicht warm....

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                                                    Was zum Teufel war das?

                                                    Wieso ist der so unfassbar schlecht, während Lobster verdammt gut war? Ich verstehe Lanthimos nicht mehr.

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