The Man Who Wasn't There - Kritik

The Man Who Wasn't There

US · 2001 · Laufzeit 116 Minuten · FSK 12 · Drama, Thriller, Komödie · Kinostart
Du
  • 9 .5
    Mattscheibenvorfall 12.03.2018, 17:31 Geändert 12.03.2018, 17:35

    Coen-Retrospektive #9: The Man Who Wasn´t There

    "Me, I don’t talk much… I just cut the hair."

    Wo O Brother Where Art Thou? noch der wohl leichteste und bekömmlichste Film der Coen-Brüder war, da ist The Man Who Wasn´t There der vielleicht schwerste und sperrigste, sicherlich aber ihr reinster – zumindest auf die Ästhetik und Motive des Film Noir bezogen. The Man kommt nämlich gänzlich ohne den Mantel aus absurdem wie comichaftem Humor daher und trägt seine bleischwere Traurigkeit und die dunkle Tragik seiner Geschichte vollkommen offen und ganz unverhohlen vor sich her. Schicksal und Zufall liegen in ihren Filmen immer schrecklich dicht beieinander und kaum ein anderes ihrer Werke dürfte das so sehr zu seinem erzählerischen Prinzip erheben wie The Man, wenn das Leben für so manche der Figuren so erbarmungslos wie perfide zurückschlägt und geschmiedete Pläne durchkreuzt.

    Der Frisör Ed Crane ist ein eher durchschnittlicher, vielleicht auch langweiliger Typ, nicht unsympathisch oder unattraktiv, aber eben nicht allzu auffällig. Merklich heraus sticht nur seine Einsilbigkeit: ein Mann großer Worte ist Ed jedenfalls nicht, aber deswegen keineswegs dumm. Oft sieht man ihm regelrecht an, wie unzählige Gedanken sein Hirn durchzucken wie kleine Blitze, und seine Umwelt beobachtet er ganz genau. Nur sich mitteilen, das ist nicht so sehr sein Ding. Ein bisschen ist er das mustergültige Beispiel eines passiven und unmotivierten Mannes ohne nennenswerte Ambitionen, der eines Tages aufwacht und erkennen muss, dass sich sein Leben in einer Sackgasse befindet. Nun gilt es zum ersten Mal für ihn, aktiv die Initiative für sein Leben zu ergreifen, statt sich nur treiben zu lassen, doch weil die Kraft für den Weg zurück nicht reicht, soll eine bequeme Abkürzung das Problem lösen. Wohin diese führt, das ist bekannt.

    Dank der wunderschönen Schwarz/Weiß-Fotografie von Roger Deakins sind die Coens mit The Man so dicht an der Stimmung und Atmosphäre der Schwarzen Serie wie in noch keinem ihrer Filme zuvor und zaubern mit deren oftmals geradezu existenzialistischen Essenz brillant komponierte Bilder auf die Leinwand, welche jedes für sich einen Rahmen verdienen würde. Maßgeblich dafür ist die unglaublich stilvolle Lichtsetzung und das daraus resultierende Spiel mit Licht und Schatten. Aber genauso wenig wie O Brother Where Art Thou? sich einzig und allein auf die Odyssee von Homer reduzieren lässt, ist The Man auch nur ein lupenreiner Film Noir, vollführen die Coens mit ihrem nun mehr neunten Film doch darüber hinaus noch eine hübsche Reise quer durch die Kinogeschichte. Lolita von Stanley Kubrick wird da ebenso kurz aufgegriffen wie The Day The Earth Stood Still von Robert Wise oder Gerichtsdramen wie 12 Angry Men von Sidney Lumet. So manche Episode wirkt zwar etwas aus der Rahmenhandlung gefallen, aber im Kontext der ungezügelten Zitatwucht der Coens machen sie als kleine Ausflüge in andere Genre dieser Zeit durchaus Sinn.

    Und dann ist da noch Billy Bob Thornton in der Rolle des Ed Crane… sein Schauspiel ist zu jeder einzelnen Sekunde ein absoluter Genuss! So minimalistisch wie anziehend, so reduziert wie einnehmend. Niemand raucht eine Zigarette so wie er. Selten wurde mit so wenigen Mitteln zugleich so viel ausgedrückt. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob er jemals besser war wie in The Man. Ich glaube nicht. Und es ist ja nicht so, dass der Rest vom Cast es ihm leicht machen würde. Nein, ganz im Gegenteil, tummeln sich hier doch darüber hinaus noch Namen wie Frances McDormand, Jon Polito, James Gandolfini, Richard Jenkins oder Tony Shalhoub, und dennoch überstrahlt Billy Bob sie alle. Mühelos und mit Leichtigkeit.

    Der Viererpack bestehend aus Fargo, The Big Lebowski, O Brother Where Art Thou? und nun auch noch The Man Who Wasn´t There dürfte wohl der stärkste Block im Schaffen der Coens sein, vier allesamt herausragende Filme in Folge. Danach jedoch kündigte sich ein Novum an, eine Art Zäsur in ihrem Gesamtwerk, wenn sie mit Intolerable Cruelty erstmals in ihrer Karriere bei einem Film Regie führen sollten, dessen Drehbuch zwar von ihnen fertiggestellt, nicht aber geschrieben wurde.

    10
    • 8
      EudoraFletcher68 07.03.2018, 08:14 Geändert 08.03.2018, 22:22

      Hommage an den Film Noir. Die Bilder sind toll, die Schauspieler großartig (schön auch James Gandolfini alias Tony Soprano und Tony Shaloub alias Monk sind dabei), die Inszenierung perfekt. Ich persönlich steh auf diese Art Geschichte nicht. Die Idee, einen "unsichtbaren" Menschen, den Friseur als Hauptfigur zu wählen gefällt mir aber gut. Die Charaktere sind auch sehr schön heraus gearbeitet. Und die Kamera ist wie immer bei den Coens fantastisch. Und dann gibt es einen Vortrag des Rechtsanwalts der seine Verteidigung auf der Heisenbergschen Unschärferelation aufbaut, die ich genial fand: „You want to test something scientifically .... you got to look at it.... You can´t know the reality or what happened… So there is no “what happened”. Looking at something changes it. ... The more you look the less you know.“
      Dafür, dass ich mit dem Film Noir insgesamt nicht so wahnsinnig viel anfangen kann, fand ich diese Hommage ausgezeichnet. Mir gefällt die Vielseitigkeit und Experimentierfreude der Coen-Brüder. Kein Film ist wie der andere.

      18
      • 8

        Ein schön ruhiger Film, bei dem alles schief geht. Sehr gutes Drehbruch.
        Nach No Country for old men mein Lieblingsfilm der Coen-Brüder.

        1
        • 8
          sachsenkrieger 02.01.2018, 22:22 Geändert 02.01.2018, 22:22


          Was soll man dazu noch sagen? Den Stil der Coens, wenn sie denn überhaupt einen greifbaren haben, habe ich witzigerweise schnell erkannt, obwohl ich nicht wusste, das sie THE MAN WHO WASN`T THERE verzapft haben. Worum es geht? Keine Ahnung, ich bin kein Friseur. Aber was kann man falsch machen, wenn man die Coens ein Drehbuch schreiben lässt, Roger Deakins hinter der Kamera postiert und Leute wie Billy Bob Thornton, Richard Jenkins, Frances McDormand, James Gandolfini und Scarlett Johansson vor selbiger? In diesem Fall nichts! Ein Gedicht von einem Film, ein Kunstwerk, das man wohl, je näher man es betrachtet, umso weniger versteht und umso mehr liebt...

          17
          • 10

            Nach 15 jahren habe ich mir den Film endlich angedchaut und bin begeistert. Besser hätte ich den Moment nicht treffen können. Aus 116 minuten wurden 127 da ich teils einfach zurückspulen musste um mir gewisse szenen nochmals anzuschauen. Die Coens sind langsam aber sicher auf meinem Regisseuren Thron und Billy Bob auf dem Actor Thorn (ton). Danke. Habe den Film genossen.

            1
            • 10

              Von dem Bemühen, als moderner Mensch Frieden zu finden:

              Seit ca. 4 Jahren gehe ich beinahe jeden Tag eine Runde Joggen. Es ist immer dieselbe Strecke – der Fußweg führt an einem Waldstück entlang und trennt es von der Straße. Ein kleiner Bach verläuft dort auch, sein Plätschern begleitet mich. Damit ich es zeitlich hinbekomme, stehe ich oft sogar extra früh auf. Denn ein Tag, an dem ich nicht raus kann, ist kein besonders guter. Ich tue das nicht, um beispielsweise abzunehmen (offenbar funktioniert das bei mir auch gar nicht, da ich zum Ausgleich doppelt so viel esse), sondern, weil ich mich durch die Lauferei und insbesondere den Kontakt mit der Natur ausgeglichener fühle. Dabei war ich früher ein überzeugter Sportmuffel und jeder Versuch, mich für körperliche Aktivität zu motivieren, war so sinnlos wie Schlittenfahren in der Wüste. Über Morgennebel, Tau und den Liebreiz eines Sonnenaufgangs wusste ich überdies nicht viel zu erzählen, denn meistens verschlief ich all das. Doch jetzt will ich nicht mehr ohne.

              Wie und warum genau besagte Wendung eintrat, kann ich nicht beziffern... und wenn man mein kleines Ritual langweilig findet, verstehe ich es. Dass ich weder rauche noch trinke, macht meinen Charakter daneben wohl kaum aufregender. Doch ist meine Teilenthaltsamkeit auch eine Entscheidung, die ich zeitig und bewusst traf, da die Konfrontation mit Alkoholismus mich prägte. Darüber reflektiert habe ich eigentlich nie, aber ich glaube, eine große Angst von mir war/ist es, eines Morgens aufzuwachen und im Spiegel den Mensch zu erkennen, vor dem ich auf der Flucht bin. Letztens ermahnte mich jemand, ich müsse aufhören, anderen die Schuld anzulasten für die Person, die aus mir geworden ist. Das ist zwar hart, jedoch im Kern zutreffend. Tatsächlich arbeite ich genau daran, mit mäßigem Erfolg, schon mein halbes Leben lang.

              Gewählt habe ich also die Abgeschiedenheit. Weil sie mich so oder so andauernd einholt. Ich habe es gedreht, gewendet und nochmals gedreht. Ich tue keinem weh und niemand verletzt mich. Ein fairer Deal, schmerzlich selten – und immer seltener - breche ich ihn. Mein Blick in die Zukunft ist momentan ein ziemlich gleichgültiger. Etwa so wie der von Ed Crane, wenn er apathisch auf dem Sofa sitzt, seiner Frau Doris beim Bingo-Spielen Gesellschaft leistet oder den sowieso schon grauen Rauch seiner Zigarette in die schwarz-weißen Edelbilder der Coens bläst. Er wirft einen Schneeball, zurück kommt eine riesige Lawine, die ihn unter sich begräbt. Anläufe der Wiedergutmachung verschlimmern seine Situation (sowie die einiger Nahestehender) bloß noch mehr – bis zur Grenze des Absurden.
              Es gibt nicht viele Filmcharaktere, die mir so zu Herzen gehen wie Ed Crane. Vermutlich bewirkt es der Gleichmut, mit dem er dieses ganze Pech erträgt, welches ihm widerfährt – und einfach weiter schreitet, wie auch die Farbspirale vor dem Friseursalon seines Schwagers sich immerzu dreht. Eine Haltung, die wahrscheinlich nicht viele Menschen auf der Welt (nein, ich auch nicht) ihr Eigen nennen dürfen. Beiläufig lässt er die Liebesgeschichte mit seiner Frau Revue passieren – so beiläufig, dass man erst schwer einordnen kann, ob dieser Part für ihn egal oder nur zu selbstverständlich ist. Als der Protagonist unmittelbar vor dem Abspann schließlich genügsam die Hoffnung zum Ausdruck bringt, Doris an einem anderen Ort wieder zu treffen, bewegt es ungemein. Im Innersten des Zuschauers ohne Hammer und Bohrmaschine ein einsturzsicheres Haus zu errichten, das schaffen die wenigsten Regisseure.

              Und es kommt noch dicker, denn die Coens lassen Ed Crane alles durchgehen: Was er tat, was er nicht tat, was er vermasselte. Sein Verhängnis war es, für einen Augenblick zu dolle von einem besseren Leben geträumt zu haben. Zeigt mir jemanden, der das nicht kennt. Den Film durchdringt eine Weisheit, die mir Gänsehaut beschert und ich möchte nichts weiter als leise nicken. Je näher man eine Sache betrachtet, desto unschärfer wird sie. Dies mag stimmen, und doch schätze ich mich glücklich, hier nicht auf Distanz zu bleiben.

              Morgen in der Früh werde ich wie üblich meine Runde drehen. Eventuell begegne ich auf dem Rückweg ein paar bekannten Gesichtern aus der Nachbarschaft. Und wer weiß... vielleicht finden wir alle irgendwann die rechten Worte, um mitzuteilen, was wir jetzt noch nicht sagen können. Neue Ausdrucksformen, nach denen auch Ed Crane verlangt – the man who wasn't there.

              81
              • 3 .5

                Als kein offenkundiger Coen Fan konnte mich auch „The Man Who Wasn´t There“ wenig bis gar nicht überzeugen. Der Gedanke den Film vorzeitig abzuschalten, was praktisch nie bei mir vorkommt, wurde hier fast zur Realität.

                Ich schätze Fans der Coen Brüder entdecken in diesem schwarz/weiß Film einiges Positives, was die Kritiken vermuten lässt. Mir jedoch blieben diese Eigenschaften verborgen. Allzu handlungsarm, fast schläfrig und nichtssagend habe ich dieses Drama empfunden.

                Diese erneute Ernüchterung bei Filmen, wo die Coens auf dem Regiestuhl saßen (2 Ordentliche Filme bei 8 Versuchen, Burn after Reading / No Country for old Man) lässt mir die Überlegung zu einfach die Finger von diesen Filmen zu lassen und es den echten Fans zu überlassen diese „Kunstwerke“ zu bestaunen.

                1
                • 9 .5

                  Mein Fazit:

                  Nur zufällig habe ich in der Zeitung diesen Film gesehen und war neugierig geworden. Und was soll ich sagen? Das ist für mein absoluter Geheimtipp.

                  Der Film wurde 2001 gedreht, aber um der Wirkung willen wurde er in schwarz-weiß gedreht. Und es wurde das typische Amerika der damaligen Zeit gezeigt – alle haben sie wie verrückt geraucht und getrunken.

                  Billy Bob Thornton spielt hier in grandioser Form den stillen Mr. Crane, der nur äußerlich mit seinem Leben zufrieden ist. Eigentlich sehnt er sich nach ein bißchen mehr Aufregung und Spannung, aber die Umstände lassen es nicht zu. Die Ehe mit Doris ist eigentlich auch nur noch mehr eine Zweckgemeinschaft. Er nimmt es ihr noch nicht einmal übel, das sie eine Affäre mit ihrem Chef hat. Seine Figur steht im Mittelpunkt und um ihn herum passieren die Dinge, die er angestoßen hat. Obwohl er die Erpressung und den Mord begangen hat, wird er nicht behelligt. Selbst, als er es dem Verteidiger seiner Frau sagt, glaubt man ihm nicht. Ironisch und voll schwarzen Humor bleibt dem Zuschauer nichts anderes übrig als fasziniert die Geschichte zu verfolgen, die Mr. Crane doch noch einholt, aber von einer völlig unerwarteten Seite.

                  Ein absoluter Geheimtipp – absolut sehenswert! Von mir bekommt er 95%.

                  Anmerkung: Die Rezension stammt vom 04.06.2012!

                  • 9 .5
                    JohnDoe1999 26.12.2015, 14:01 Geändert 26.12.2015, 14:09

                    Ich saß gestern bestimmt zwanzig Minuten lang auf der Moviepilot-Seite von THE MAN WHO WASN´T THERE, und konnte mich nicht entscheiden, welche Punktzahl ich diesem Film geben soll. Schließlich wurden es überragende 9 Punkte, weil ich an diesem Film überhaupt nichts auszusetzen habe.
                    Das Lieblingsthema der Coens ist eindeutig ein einfaches Verbrechen, welches blutig nach hinten losgeht. Dieses Thema variieren die Brüder nach belieben: Mal wird es arg lustig („The Big Lebowski“, „Burn After Reading - Wer verbrennt sich hier die Finger?“), mal äußerst ernst („Fargo“, „Blood Simple“). THE MAN WHO WASN´T THERE gehört definitiv zu der zweiten Sorte, es ist sogar ziemlich eindeutig der seriöseste Film der Coen-Brüder, die hier (bis auf wenige lustige Dialoge) weitgehendst auf Humor verzichten. Und wenn es mal etwas lustiger wird, ist es meistens ein relativ subtiler Witz.

                    Der größte positive Aspekt dieses Filmes ist die Optik: Ich liebe es, wenn Regisseure neuere Filme klassisch schwarz-weiß drehen, um extra elegante Bilder zu erzeugen. Ähnlich wie in Lynchs „The Elephant Man“ gibt es auch hier viele Gründe, warum dieser Film schwarz weiß gedreht worden ist:
                    1. Dies passt einfach in die Zeit, in der THE MAN WHO WASN´T THERE spielt (Ende der 40er).
                    2. Der Zuschauer wird nicht von Nebensächlichkeiten abgelenkt, im Mittelpunkt bleiben die Figuren.
                    3. Wenn der Regisseur ein gutes Händchen für Bilder hat, kann man mit Schwarz-Weiß-Bilder eine wunderschöne Optik erschaffen. Dadurch, dass es heutzutage kaum neue Schwarz-Weiß-Filme mehr gibt, bleiben solche Bilder immer was ganz besonderes.
                    4. Der Film wirkt dadurch einfach zeitlos.

                    Wie eigentlich immer sind die Figuren und die Story bei den Coens selten gut konstruiert. THE MAN WHO WASN´T THERE zeigt den Zynismus des alltäglichen Lebens komplett natürlich: Hier wird den Zuschauer nicht aufgezwungen! Ed Crane (wunderbar gespielt von Billy Bob Thornton) ist die perfekte Identifikationsfigur, ich weiß nicht, ob es gut oder schlecht ist, dass ich mich ihn ihm so oft wiedererkenne. Er ist einer, der alles richtig machen will, aber dadurch nur alles schlimmer macht; Er ist der moderne Mensch, heißt es im Film...

                    Dies ist nun mein neuer Lieblingsfilm der Coen-Brüder, knapp vor „Fargo“ und „The Big Lebowski“. Aber leider ist dies gleichzeitig einer der Unbekannteren der genialen Brüder. Gibt THE MAN WHO WASN´T THERE eine Chance, denn dieser Film hat viel mehr Anerkennung verdient!

                    =>Fazit: Leise und (optisch) wunderschöne Tragödie.

                    8
                    • 9

                      Wenn über die Coen-Brüder gesprochen wird, kommen zweifelsohne direkt ihre Meisterwerke "The Big Lebowski" oder "No Country for Old Man" zur Sprache. Dies ist zwar auch absolut verständlich und nachvollziehbar - doch was ist eigentlich mit den ganzen anderen Filmen, die die beiden gedreht haben, wie beispielsweise "The Man Who Wasn't There"?
                      Viel zu selten bekommen genau solche Filme die nötige Beachtung geschenkt.
                      "The Man Who Wasn't There" glänzt nämlich mit einer Kameraführung, die einem jeden Cineast das Herz höher schlagen lässt. Jede Einstellung ist ein Hochgenuss, jedes Spiel mit dem Schatten weiß vollends zu überzeugen und jeder Schnitt ist zur richtigen Zeit gewählt. Auf Ebene der Inszenierung gibt es folglich nichts zu beanstanden - sie ist einfach über jeden Zweifel erhaben, da auch die erzählte Geschichte stringent vorgetragen wird, was schlussendlich in einem in sich schlüssigem Gesamtkonstrukt mündet. Es ergibt sich zudem durch die Off-Stimme - für diesen Film wurde dieses Element scheinbar erfunden - ein derartiger Erzählfluss, welcher den ganzen Film, und den Zuschauer gleich mit, auf einer Welle trägt, die nie zu brechen scheint. Gespür für Inszenierung nahe an der Perfektion.
                      Wird dazu noch das Schauspiel erwähnt, welches von wirklich allen Beteiligten mustergültig vorgetragen wird, müssen wir es hier eindeutig mit einem der besten Coen-Filme zu tun haben.
                      Musikalisch wird das Ganze dazu noch passend von Beethoven untermalt und fertig ist ein weitaus gelungenerer Film, als die meisten vielleicht anfänglich annehmen würden. Und überhaupt - wann hat, atmosphärisch gesehen, die Entscheidung, einen Film in schwarz-weiß zu drehen, einen solchen Mehrwert dargestellt? Auch hier bleibt einem nicht viel anderes übrig, als zu applaudieren, denn damit wurde von den beiden mal wieder alles richtig gemacht.
                      Die beiden oben genannten Coen-Werke haben also eindeutig Konkurrenz bekommen und auch die vorerst gewählte Bewertung scheint keine endgültige Lösung darzustellen - "The Man Who Wasn't There" ist somit die größte Überraschung aus dem Hause Coen seit langem.

                      22
                      • 9

                        Wie man es auch nennen mag, ob Zitat, Ironie oder postmodernes Pastiche, »The Man Who Wasn't There« entzieht sich solchen Begriffen und macht sie unmöglich. Aus allen vermeintlichen Sicherheiten heraus werden wir auf das Kino zurückgeworfen, oder wie Freddy Riedenschneider sagt: "The more you look, the less you know." [Jan Distelmeyer]

                        1
                        • 9

                          WOW. Damit hatte ich jetzt tatsächlich gar nicht mehr gerechnet.
                          Meine Erfahrungen mit den Coen-Brüdern waren bisher sehr gespalten. Angefangen habe ich mit den beiden großartigen Filmen "The Big Lebowski" und "No Country for old Men", doch was danach kam, ht mich leider nicht mehr so wirklich überzeugt. Erst kamen mit Burn After Reading, True Grit, Hudsucker und Fargo (leider nur die Synchro, vielleicht liegt es auch daran) nur mäßig bis kaum überzäugt, dann kam letztens sogar mit Inside Llewyn Davis der absolute Tiefpunkt, da ich diesen wirklich so schwach fand, dass ich ihn nach der Hälfte abgebrochen habe. Ich konnte mit der Musik nicht wirklich viel anfangen, der Humor hat mich gar nicht erreicht und auch ansonsten konnte ich ihm gar nichts abgewinnen.
                          Und dann entdecke ich plötzlich die ganzen enorm guten Bewertungen von Freunden hier auf moviepilot (vielen Dank hiermit an euch) und mache einen letzten Anlauf mit "The Man Who wasn't there". Was dann hier auf mich zukam, war jedoch ein gigantischer Wendepunkt in dieser Entwicklung, weil dieser Film für mich ganz eindeutig der beste Film der Coens ist, den ich bisher gesehen habe. Mit der klassischen Musik (fast nur Beethoven, aber der ist für mich im Moment mein viertliebster Komponist und gerade seine langsamen Sonatensätze sind Stücke, die ich sehr gerne mag; das Hauptstück habe ich selbst gespielt, daher verbinde ich natürlich auch viel damit) komme ich enorm gut klar. Die Inszenierung ist grandios, wie auch das Spiel von Billy Bob Thornton und allen anderen Darstellern. Und als wäre das nicht genug, setzt man auch noch eine phantastische, detaillierte Geschichte, einen Hauch Philophie und reihenweise tolle Charaktere und ihre komplexen Beziehungen zueinander (Da ich selbst ein Musiker bin, der vom Klavier kommt, ist die Beziehung zwischen Ed und Birdy für mich natürlich besonders interessant.) obendrauf.
                          Was dabei herauskommt, ist ein perfektes, poetisches Meisterwerk und für mich die Erkenntnis, dass ich wohl doch noch meine Freude an den restlichen Werken der Coen-Brüder haben könnte und dass ich definitiv einige Filme des "film noir" nachzuholen habe. Das lohnt sich allein schon deswegen, weil ich dadurch vermutlich noch weitere Seiten an diesem jetzt schon außergewöhnlichen Film entdecken werde und vermutlich sind da auch noch eine ganze Menge tolle Filme dabei, die ich noch nicht kenne.

                          12
                          • 8

                            Ich liebe die Coen-Brüder. Ich liebe sie für ihre wunderbaren Komödien, für ihre leichtfüßigen Dramen und für ihre melancholische Ader. „The Man Who Wasn't There“ hat mir noch gefehlt. Die Geschichte um den zynischen Friseur wird in stylischem Film-Noir-Look erzählt und ist ein weiterer Meilenstein in der Filmographie des Regie-Duos.
                            Der Friseur Ed Crane (Billy Bob Thornton) ist ein ruhiger Geselle. Er lässt sich nicht gerne auf langes Gelaber ein. Obwohl er es nicht so gerne zugeben möchte, ist er dennoch unzufrieden mit seiner Situation. So ein Leben unter der Fittiche seines geschwätzigen Kollegen (Michael Badalucco), kann ja auch nicht besonders angenehm sein. Als er von einem eigenartigen Geschäftsmann ein Angebot zu einem Trockenreiniger-Deal bekommt, wittert er seine große Chance. Fehlt nur noch das Geld. Da kommt ihm die Affäre seiner Frau mit ihrem Chef Big Dave (James Gandolfini) gerade recht.
                            Die Coens bestechen wie immer durch ihre angenehme und ruhige Erzählweise. Skurrile Charaktere gibt es zwar zuhauf, aber nie wird jemand aufdringlich inszeniert. Wir bekommen die Grundlagen, die Meta-Ebene darf der Zuschauer selbst entdecken. Ed Crane ist ein seltsam emotionsloser Mann, der von einer beschissenen Situation in die nächste rutscht. Trotz seiner offensichtlichen Probleme mit Empathie, wird er dennoch nie uninteressant. Gerade durch seine Gleichgültigkeit wird er schnell zu einem Rätsel, welches man nur zu gerne lösen würde.
                            Durch die perfekt eingefangene Atmosphäre und Thorntons schwer unterhaltsamen Off-Kommentar, fühlt sich „The Man Who Wasn't There“ an, wie ein waschechter Film Noir. Manche könnten mit dem langsamen Tempo Probleme haben, jedoch braucht der Film genau diese Zeit um seine ganze erzählerische Stärke zu entfalten. Das Ganze Ensemble funktioniert tadellos und verdichtet die einfache Handlung zu einem hochspannenden Film-Mix zwischen Charakterstudie, Comedy, verquertem „Whodunnit?“ und einem Drama. Genauso stelle ich mir zurückhaltende Unterhaltung vor, die ganz ohne großes Geprahle und übertriebenen Pathos funktioniert.
                            Für Leute, die gerne mal von vorgekauten Gefühlen befreit werden wollen und Film als eine Art gemeinsames Werk zwischen Regisseur und Zuschauer sehen, sollte „The Man Who Wasn't There“ ein sehr erfrischendes Erlebnis werden. Und wer schon immer hören wollte, wie Monk die Heisenbergsche Unschärferelation erklärt, der sollte auch einen Blick wagen!

                            „Life has dealt me some bum cards. Or maybe I just haven't played 'em right, I don't know.“

                            10
                            • 9

                              Je mehr ich über diesen Film schreibe, desto weniger verstehe ich ihn...

                              25
                              • 10

                                _Reise durch das Werk der Coens

                                STATION IX: THE MAN WHO WASN'T THERE

                                Wie beschreibt man einen Film, der einen völlig unerwartet aus den Socken gehauen hat? Eigentlich müsste ich über alle Maßen enthusiastisch diese Zeilen tippen, aber dafür ist die Melancholie in diesem Werk der Coens zu allgegenwärtig, zu bedrückend, zu intensiv.
                                THE MAN WHO WASN'T THERE hat nicht nur einen Titel, der wie die Faust auf's Auge passt, sondern er vereint auch die besten Punkte eines Films von Joel und Ethan Coen. Grandiose Darsteller, ein noch besseres Drehbuch und Roger Deakins.

                                Der Film erzählt uns von Ed Crane (Billy Bob Thornton!!!), der Ende der 40er-Jahre mit seinem Leben hadert. Nachkriegsgefühle der Leere, Einsamkeit, Depression und Melancholie werden hier nicht behandelt, sie werden von Thornton verkörpert. Es ist, als würde er alles Negative aufsaugen und an den Zuschauer weitergeben, ohne sich damit selbst zu entlasten. Er ist ein einsamer Mann, der seine Gefühle unterdrückt. Unnahbar bleibt. Bis zum Ende. Manchmal scheint er mit dem Hintergrund zu verschmelzen. Manchmal hat seine Kleidung die gleiche Farbe wie seine Haut. Er ist nur noch eine Fassade. Er ist wie eine Puppe in einem geschlossenen Kaufhaus. Crane scheint sich nicht weiterzuentwickeln, im Gegenteil. Es wirkt, als würde er Tag für Tag etwas von sich verlieren, ohne es zu bedauern. Er verliert Teile von sich, bis er zum Geist, zum Schatten wird. Gleichzeitig reißt Crane seine Mitmenschen in den Abwärtsstrudel mit.

                                Die Dialoge von Coen sind anfangs noch mit gewohnt schrägem Humor und kleinen typischen Äußerungen garniert. Mit der Zeit allerdings nimmt das ab und die oben beschriebenen Stimmungen nehmen Überhand. Das Voice-Over funktioniert dabei wie kein Zweites. Es ist nicht nur perfekt auf den Film abgestimmt, alles ist wie aus einem Guss. Die Dialoge sind einfach große Klasse.
                                Mit der Inszenierung arbeiten Joel und Ethan Coen vor allem mit Untertönen. Nichts kommt auf die 12, alles besteht aus Feinheiten und Kleinigkeiten, über die man erst ein wenig nachdenken muss. Der Film hat damit den gleichen Charakter, wie sein Protagonist Ed Crane.

                                Die Arbeit des Roger Deakins sucht seinesgleichen. Roger Deakins schafft es, einzig und allein mit Schattierungen Geschichten zu erzählen. In diesem Film ist die beste schwarzweiße Kameraarbeit zu bewundern, die ich je gesehen habe. Die Szenen, wenn Crane allein zuhause ist, die Szenen mit Tony Shalhoub... Deakins unterstützt die Charakterisierung Cranes und Stimmung des Filmes und führt diese gekonnt fort. Selten war ich so beeindruckt von der Arbeit eines Cinematographen.

                                Wenn man über Filme der Coen-Brüder nachdenkt, fallen einem (und fielen auch mir) zunächst Werke wie die Erzählung über den Dude und Barton Fink oder der Film mit Anton Chigurh ein. Nicht so in Zukunft. Ab jetzt wird unter meinen ersten Nennungen THE MAN WHO WASN'T THERE sein. Der Film ist ein Stück visuelle Kunst. Der Film ist ein Stück Gefühlsvermittlung in Perfektion. Der Film ist ein von vorne bis hinten komplett fehlerloses und durchdachtes Machwerk.

                                Nach diesem kleinen Film, der leider zu oft übersehen wird, lockt die nächste Station nicht nur mit einem Staraufgebot, sondern auch mit dem Ruf der seichten Komödie.
                                Nächste Station: EIN (UN)MÖGLICHER HÄRTEFALL

                                _Smooli

                                Vorherige Station: http://www.moviepilot.de/movies/o-brother-where-art-thou-eine-mississippi-odyssee/comments/1055626
                                Nächste Station: http://www.moviepilot.de/movies/ein-un-moeglicher-haertefall/comments/1056068

                                21
                                • 7 .5

                                  Bin heute zufällig über diesen Film gestolpert und ich bin sehr dankbar dafür.
                                  Mir fällt es schwer Kommentare über Dramen oder ähnlich 'ernste' Filme zu schreiben, daher will ich mich hier nur sehr kurz Fassen.
                                  Der beste Coen ist es mit sicherheit nicht. Die story ist gut aber leider nicht sehr gut umgesetzt. Der in schwarz-weiß gehaltene Stil gefällt mir super und schauspielerisch kann man auch nicht meckern. Das Ende finde ich nicht ganz gelungen und zwischendurch schleicht sich die ein oder andere Länge ein.
                                  Dennoch ein sehenswerter Film, der mich possitiv überrascht hat und dafür liebe ich Filme.

                                  3
                                  • 7

                                    Wird wohl nicht mein liebster Coen werden. Dafür fand ich ihn einen tucken zu langsam inszeniert (auch wenn das sicherlich so sein sollte) . Vor allem der letzte Akt mit Gefängnis und Tod kam mir dann im Kontrast zu ...naja...hektisch.
                                    Kamera (DEAKINS!) ist aber famos und jedes Bild bis ins letzte Detail wohlüberlegt. Die Schauspieler haben auch ganze Arbeit geleistet, selten hat so wenig Mimik so viel Ausdruck erbracht. Und die Musik hat mich oft an den Soundtrack von True Grit errinnert.

                                    • 8

                                      [...] Er ist der tendenzielle Wandler zwischen den Welten, ein Systemfehler von zugleich offenbar überdurchschnittlichem Wissen/Selbstbewusstsein (alà Doris) und unbedachter Inkompetenz, der jede Situation gründlich erfassen, sogar voraussehen könnte, aber dennoch (im Nachhinein betrachtet) die falschen Entscheidungen trifft. Über allem steht trotzdem irgendwie noch immer das Unbekannte, die höhere Macht, die gegen ihn arbeitet, sich einmischt und jeden gemachten Schritt zunichte macht, mehr noch als der Barbier es von alleine könnte. Eine schwierige Sache, auch für den Zuschauer, da einen plausiblen Schluss zu ziehen, denn das System des Lebens lässt sich eben auch nicht so einfach entschlüsseln, antwortet letzten Endes immer plump mit dem Tod - da lässt der Film reichlich Zweifel, aber eben auch reichlich Denkwürdiges übrig; in einer durchweg eleganten, stimmungsvoll-enigmatischen Fassung, die zunächst Schwarzweißmalerei vermittelt, aber immerzu über den Kopf wirft. Die Coens können "Realität" nun mal nicht anders behandeln, dafür kann man dankbar sein.

                                      9
                                      • 3

                                        Stilistisch ist der Film sicherlich ganz gut.

                                        Aber ansonsten ideal, wenn man Einschlafprobleme hat. Besser als ne Flasche Baldrian.

                                        Ich habe auch nix gegen Kommentare aus dem Off. Wenn Sie einen dann nicht ins Nirvana Schwadronieren.

                                        Die Coen haben einige Geniale Filme gemacht. Dieser viel bei mir aber komplett durch.

                                        4
                                        • 8 .5

                                          Nach "The Big Lebowski" erneut ein Blick der Coen-Brüder auf den Film noir. Anders als das komische Abenteuer des Dude, ist die Geschichte, die der unauffällige Mr. Crane zu erzählen hat aber eher ernst angelegt. Und zugleich eine wunderbare Hommage an die guten alten Zeiten. An die Zeiten, als die Welt noch Schwarz-Weiß war. Eine Zeit, in der modebewusst noch Hüte getragen und ununterbrochen Glimmstängel gequalmt wurden. Humor gibt es, aber subtil und wenig, weicht zumeist warmer Melancholie, ruhiger Lakonie, die den Film tragen. Die Besetzung ist hervorragend, Billy Bob Thornton ganz im Stil der 40er und der extrem wandlungsfähige Tony Shalhoub bleiben besonders hängen. Poetische Musik und perfekt durchkomponierte Bilder vollenden die stilvolle Inszenierung dieser Liebeserklärung - an das Kino, an Zufall und Fügung, an die Menschheit, an die unerträgliche Leichtigkeit des Seins.

                                          "Me, I don't talk much...I just cut the hair."

                                          22
                                          • 9 .5

                                            The Man Who Wasn't There ist zwar nicht mein Lieblingsfilm der Coens (bislang: The Big Lebowski. #2 A Serious Man, #4 Fargo), aber er ist ein Must-see. Um diesen Film kommt man nicht herum. Wer ihn nicht mag, sollte ihn noch einmal schauen. Man muss sich auf den Film und auf seine Hauptfigur einlassen, dann bekommt man eine grandiose Geschichte und noch deutlich mehr unter der Oberfläche. Mehr soll dieser Kommentar nicht bewirken: Ansehen, ansehen, ansehen und genießen. The Man Who Wasn't There wird von Minute zu Minute besser. Grandioser Humor auch hier wieder: Die Coens sind die Meister der Tragödie/Komödie, The Man Who Wasn't There ein herausragendes Must-see.

                                            6
                                            • 8

                                              “Time slows down right before an accident, and I had time to think about things. I thought about what an undertaker had told me once that your hair keeps growing, for a while anyway, after you die...”

                                              Dass die Coens gute Filme machen, ist inzwischen bekannt. Wahrscheinlich gehören sie sogar zu den beliebtesten Filmemachern unserer Zeit. Kein Wunder, schließlich haben sie schon für das ein oder andere Meisterwerk gesorgt. Viele denken dabei vor allem an NO COUNTRY FOR OLD MEN, FARGO, oder THE BIG LEBOWSKI. Aber es gibt auch noch einige nicht ganz so bekannte Werke von den Regie-Brüdern, die ähnlich genial sind wie die obigen. Man denke da an BLOOD SIMPLE, BARTON FINK, oder ganz besonders auch an THE MAN WHO WASN´T THERE.

                                              Aber warum wird dieser Film so oft übergangen, wenn man über die Coens spricht? Vielleicht weil es ihr untypischster ist und er nicht die ganz großen Erfolge feiern konnte. Weder an den Kinokassen, noch bei den großen Filmpreisen. Dabei liefern sie hier mit ihre beste Arbeit ab. „The Man who wasn´t there“ ist nicht nur eine Hommage an den Film Noir, sondern auch erstklassig erzählt, gespielt und bebildert. Stammkameramann Roger Deakins fängt stilvolle und beeindruckende Schwarz-Weiß-Bilder ein. Jede Einstellung scheint genau durchdacht und geplant, nichts wirkt einfach grundlos zur Schau gestellt. Wenn man die bekannten Darsteller nicht hätte, würde man ohne Zweifel denken, dies sei ein Film aus den 40ern.

                                              Aber es gibt sie natürlich, die Schauspieler. Und sie alle liefern eine grandiose Leistung ab. Natürlich ganz besonders Billy Bob Thornton, der die Hauptfigur spielt, Mr.Crane, ein Mann, der nicht viel redet, der kaum eine Miene verzieht. Der Mann, der nicht da war. Was er aus dieser Rolle herausholt ist einfach nur Wahnsinn. Seine aufs äußerste begrenzte Mimik und seine erzählende Stimme aus dem Off, bringen einem seine Figur so nahe, dass man die ganze Zeit über von ihr fasziniert ist. Auch weil man den Schauspieler hinter der Rolle vollends vergisst und nur noch die Person im Film sieht. Eine Meisterleistung von Thornton, viel mehr kann ein Schauspieler nicht erreichen.
                                              Natürlich profitiert er auch vom fantastischen Drehbuch der Coens, die ihm Monologe in den Mund legen, wie sie besser fast nicht sein können. Das hat mitunter schon literarische Züge, wie ein Buch und Film in einem. Vor allem die Art wie die Gedanken von diesem Mr. Crane rübergebracht werden ist faszinierend und zum Ende hin schon beinahe philosophisch.

                                              Außerdem wirft der Film einen makaberen Blick auf die Justiz und durchleuchtet das Schaffen von Anwälten auf groteske Weise. Typisch für die Coens wird an geeigneten Stellen eine Prise von schwarzem Humor beigemischt, obwohl der Grundton des Films eher melancholisch und ernst ist.
                                              Auch die ganze Geschichte ist von vorne bis hinten stimmig, die vielen Wendungen glaubwürdig und nicht voraus zu sehen. Eigentlich gibt es an „The Man who wasn´t there“ nichts auszusetzten. Er ist bis zum Ende perfekt, lässt einen ein Stück weit sprachlos und schwermütig zurück, aber auch mit dem Gefühl, einen tollen Film gesehen zu haben.

                                              “...and then it stops. I thought, what keeps it growing? Is it like a plant in soil? What goes out of the soil? The soul? And when does the hair realize that it's gone?”

                                              http://planetofpictures.blogspot.com/2013/08/the-man-who-wasnt-there-us-2001-joel_30.html

                                              25
                                              • 8 .5

                                                "Kurz vor einem Unfall verlangsamt sich die Zeit und ich hatte Zeit nachzudenken. Ich dachte daran was mir ein Bestattungsunternehmer mal gesagt hat, dass die Haare noch eine Zeit lang weiter wachsen wenn man tot ist. Irgendwann ist Schluss. Ich dachte darüber nach, was sie wachsen lässt. Ist es wie bei einer Pflanze im Boden? Was gibt ihr der Boden? Die Seele? Und wann merkt das Haar, dass die Seele nicht mehr da ist?"
                                                Mit „The Man Who Wasn’t There“ haben die Coen-Brüder 2001 einen großartigen Film Noir inszeniert. Der s/w-Film ist wie von den Coens gewohnt, fantastisch besetzt. In der Hauptrolle kann Billy Bob Thornton in der Rolle des verbitterten, vom Leben enttäuschten Friseurs Ed Crane herausragen. Seine wohl beste Karriereleistung bisher, neben der aus „Monster’s Ball“. Ebenfalls überzeugen kann einmal mehr die tolle Frances McDormand, der grandiose Tony Shalhoub (Monk) als selbstverliebter Starverteidiger, der leider kürzlich verstorbene James Gandolfini in einer wichtigen Nebenrolle, sowie Scarlett Johansson und Richard Jenkins.
                                                Ein sehr charmanter und eleganter Film, der eine starke Story bietet, welche sehr verzwickt und wendungsreich daherkommt. Dazu noch eine gehörige Portion schwarzen Humor und haufenweise geniale Dialoge. Mir hat besonders gefallen, wie unvorhersehbar der Film ist. Ständig passiert etwas, mit dem man überhaupt nicht rechnet. Das macht unter anderem einen guten Film aus! Ebenfalls hervorheben kann man die schöne Filmmusik, sowie die tolle Kameraarbeit und die mehr als gelungene Optik des Streifens.
                                                „The Man Who Wasn’t There“ ist ein weiterer Volltreffer aus dem Hause Coen, ein schräg-genialer und stark gespielter Streifen mit einem bitterbösen Ende (Das nennt man wohl Karma!), der sich zur Mehrfachsichtung lohnt, da man beim ersten Schauen wohl längst nicht alle Details erkennen kann. Da ist noch Luft nach oben, großartig!

                                                http://www.youtube.com/watch?v=PE4Cv1KwaiM

                                                Es war übrigens ziemlich schwer, nach dem Film nicht wieder mit dem Rauchen anzufangen, denn hier wird wirklich in nahezu jeder Szene eine Kippe nach der anderen durchgezogen, überwiegend vom famosen Hauptdarsteller…
                                                PS: Vielen Dank an Sven - Friedrich Wiese, der mich kürzlich mit seinem schwärmerischen Kommentar über Scarlett Johansson auf diesen Film gebracht hat, der bisher völlig an mir vorbeigelaufen war…

                                                31
                                                • 10

                                                  Da ich seinerzeit eine Studienarbeit über diesen Film geschrieben habe, werde ich hier ein kleines Fazit zum Besten geben, für alle die es interessiert …
                                                  -------------SPOILERGEFAHR-----------
                                                  Joel Coen hat in einem Interview einmal erzählt, woher die Inspiration zu THE MAN WHO WASN’T THERE kam, von einem Wandposter in einem Friseursalon das Haarschnitte der 40er Jahre zeigte, woraufhin sie begannen darüber nachzudenken, was für ein Typ das sein musste, der all diese Haarschnitte drauf hat. Doch der Film ist so wirksam, weil er sich weder im Genre (Noir/Neo-Noir) noch in der Psychologie der Figuren auflöst, sondern vielmehr lösen sich die Bedeutungen der Zeichen ganz unscheinbar auf, der Film spielt mit dem Trügerischen des ikonischen Zeichens, mit dem Mythos Wirklichkeit. Genau wie Barton Fink ist Ed Crane zugleich Autor und Medium, er erlebt seine Phantasie als Wirklichkeit, er ist zugleich Erzähler, Medium und Rezipient seiner Geschichte, worauf vielleicht jene Einstellung hindeutet, in der er in einem großen Konzertsaal inmitten von Publikum sitzt, - man könnte angesichts der Sitzreihen und der nach oben gereckten Hälse tatsächlich glauben, wir befänden uns in einem Kinosaal und alle starren gebannt auf die Leinwand, bezeichnenderweise wendet sich Crane beinahe ab, er erträgt diesen (seinen eigenen) Film nicht, sein Bewusstsein ist zwar für die Dinge zugänglich, nicht aber für deren Bedeutung, ihm ist der semantische Zugriff auf diese (fiktive) Welt nicht möglich, der Erzähler sieht sich einer Wirklichkeit gegenüber, die sich einem ordnenden Diskurs entzieht. Die Lösung sucht er im Detail, jedes einzelne Haar wird ihm (uns) zu einem Zeichen, dem er (die Kamera) besondere Aufmerksamkeit schenkt, als könnten sie zerbrechen, die Zigarren sind „Romeo and Julias“, die Haarschnitte, das geschwungene N von Nirdliger taucht immer wieder auf, als hätte es etwas mitzuteilen, an Kaufhaustüren, auf Paketen und Tüten, - was allerdings und ganz mechanisch nur dazu führt, dass er (wir) in all diesen Zeichen auch eine Bedeutung suchen, ein absurder Schematismus: „Wehe dem, der Symbole sieht!“ (Beckett) Doch ihm und uns wird es unmöglich, Sinn aus den leeren Zeichen zu ziehen,wir stehen genauso da wie Crane, verloren in endlosen Betrachtungen, wir, die wir (gewöhnlich) auf Sinnsuche sind, spiegeln uns in dem Film (in Crane) selbst, es wird uns unmöglich, zwischen Schein und Sein zu unterscheiden. „Wahrheit“ wird als eine (geradezu mathematische) Funktion allerdings ganz willkürlicher Verkettungen von Zeichen definiert, jede Interpretation offenbart sich als neurotischer Zwang, die große Leere deuten zu wollen. Crane ist genau diese Lehrstelle zwischen den Ereignissen, er wird zum Überschuss in einem Spiel, in dem die Ereignisse sich ohne sein weiteres Zutun verketten. In ihm sehen wir jemanden, der sich in diesen Informationslabyrinthen verloren hat, der jeden Sinn für die Relevanz eines Zeichens verloren hat. Gleichgültigkeit ist die deutlichste Auswirkung. Er hat weder Orientierung noch irgendeinen Antrieb, er akzeptiert, was geschieht und tut, was man ihm sagt. Crane ist das neurotische Abbild einer geradezu wahnhaften Sinnkonstruktion von Welt und Geschichte, die ihren Höhepunkt in dem Glauben an Ufos findet. Beginnend mit der Zerstörung der großen Mythen, die sich hier im „Bingo“ auflösen, haben sich auch alle anderen Zeichensysteme ad absurdum geführt, einschließlich jene des Kinos. Selbst die Kriegsmaschinerie existiert nur noch als Symbol, als Souvenir aus Neuguinea. In diesem kleinen, geradezu lächerlichen Zigarrenmesser, das zur Tatwaffe wird, zeigt sich metaphorisch, dass Zeichen zurückschlagen können, sie machen sich selbstständig und bilden eine eigene Realität, die alles Lebendige tötet. Deswegen verläuft Cranes Geschichte nicht so, wie das Genre es vorschreibt, die Zeichen haben sich von ihren Bedeutungen gelöst, Lampenschirme werden zu Ufos. Die Zeichen lassen sich nicht verorten, weder im Mimetischen, noch im Genre, sie stellen vielmehr neue (und zu unserm großen Schrecken eigene) Verbindungen untereinander her, als Abbild unserer gesellschaftlichen Realität, d.h. ihrer Verselbstständigung in mythischen Zeichenlabyrinthen. Obwohl Crane 1949 lebt, ist er eine Kunstfigur aus dem Jahre 2001, und man kommt nicht umhin, den modernen Menschen in ihm zu sehen, die 1940er verweisen auf jene Zeit, in der die kommerzielle mediale Bilder- und Sinnproduktion einsetzt und der Film macht das deutlich, da auch das Erzählen dieser Geschichte seinen Grund in den fünf Cent pro Wort hat, die Crane von einem Herrenmagazin bekommt. Ökonomie ist das einzige Relevanzkriterium und infolge der ausschließlich kommerziellen Ausrichtung haben Sinnangebote einen ritualisierten Charakter angenommen und damit ihren eigentlichen Wert, nämlich Sinn zu vermitteln, eingebüßt. Die Funktion des Zeichens darin besteht, die Realität verschwinden zu lassen und gleichzeitig dieses Verschwinden zu verschleiern. Zeichenwelten sind an die Stelle konkreter Realität getreten und doch tun wir so, als befänden wir uns in einer authentischen Wirklichkeit, ja als würden wir auf all den Bildschirmen, die uns täglich umgeben, die Wirklichkeit behandeln. Crane nimmt sich und seine Wirklichkeit nur noch in der Veränderung wahr, die immer gerade jene Bedeutung annimmt, die er ihr gerade zumisst. Wachsende Haare stehen zum einen für das Vergehen der Zeit, zum anderen sind sie ein Zeichen für das tote Leben. Allein ihre Eigenschaft, wie Nägel nach dem Tod weiter zu wachsen, setzt sie in den Symbolbereich des Zombies. Zwei Slow-Motion-Sequenzen (nach Doris’ Verhaftung und nach ihrem Tod) zeigen das. Crane: „it was like I was a ghost walking down the street.“ Es ist dieser Schattenbereich, in dem das Lebendige und das Tote nicht mehr zu trennen sind, eine Realität, die von toten Zeichenwelten bestimmt ist, welche sich ihrer Referenz im Wirklichen entzogen haben. Als Crane sich über das Wachstum der Haare wundert, hat sein junger Kunde ein Heft mit dem Titel "Dead Eye" in der Hand. Er scheint seine Umwelt nicht wahrzunehmen. Überhaupt definieren sich fast alle Figuren über ihre Zeitschriften und Magazine. Crane schaut ironischerweise in das "Life"-Magazin, Frank liest aus der Tageszeitung vor, Doris liest in der Badewanne ein Frauenmagazin, Birdy ebenfalls eine Zeitschrift und der Junge Westernhefte.

                                                  Cranes Zweifel zielen darauf ab, warum das alles nichts bedeutet und er ahnt, er selbst ist die Antwort, ein filmisches Zeichen, das Bedeutung schafft und einen künstlichen Überschuss an Sinn herstellt. Er lebt nicht nur in einer Welt der Zeichen, er selbst ist das Zeichen, denn Kein anderes Sinnbild hat es soweit gebracht wie der Held: Als stilisierter Film-Noir-Held erinnert er an Humphrey Bogart oder Clark Gable. Wie kommen hier in einen Bereich, und das ist das Revolutionäre an diesem Film, in dem sich die Figur selbst als Figur in einer Erzählung (in einem Film) wahrzunehmen beginnt. Crane lebt als Zeichen auf der Oberfläche einer Filmleinwand, inmitten einer vorgegebenen Zeichenwelt. Er scheint sichdieser Existenz als sinnstiftendes Zeichen bewusst zu werden, er glaubte von Anfang an nicht an sein Ich. Doch er weiß nicht nur, dass er vor einer Kamera steht, sondern er hat es auch aufgegeben, zu glauben, eine große Filmpersönlichkeit sein zu können. Crane ist es überdrüssig, in seiner Rolle als totes Zeichen eine lebendige Illusion zu verkörpern, die Wirklichkeit ersetzen zu müssen. Das Manierierte seiner Vorgänger fehlt ihm völlig. Einzig sein Äußeres, die Garderobe, der Hut sowie das Rauchen erinnern noch an einen Noir-Helden, semantische Betrugsmanöver. In seinem Auftreten hat er diese Rolle vollkommen abgelegt, was vielleicht am deutlichsten wird, als er aus dem Konzertsaal („Kino“) kommt und Birdy und Tony gegenübersteht: nach ein paar Worten kommt es zum verlegenen Schweigen, bis Crane beschämt davongeht, noch dazu in die falsche Richtung, zurück ins „Kino“, wo ein jedes Bogart-Imitat einen flotten Spruch auf den Lippen hätte. Er hat ein Problem damit, etwas zu bedeuten, Sinn zu stiften, genau wie Hamm im Endspiel (Beckett): „wir sind doch nicht im Begriff, etwas zu … zu … bedeuten?“ Genau wie Hamm erklärt sich auch Crane zum leeren Mythos, indem er die Perspektive auf außerhalb seiner selbst verlagert. Entsprechend strahlt das Ufo am Schluss gleich einem Scheinwerfer Crane direkt an. Die Kamera ist der entscheidende Dirigent seiner Existenz. Genau drei Mal schaut er direkt in die Kamera, uns an: Als er davon spricht, ein größeres Geheimnis zu kennen, meint man, er wisse darum, eine Filmfigur zu sein, als er nach dem Unfall erwacht und verhaftet wird, meint man, er hat nach der ikonischen Wiedergeburt endlich genug von seinen Autoren, da er immer noch in diesem Spiel aus Zeichen existieren muss, und als er am Schluss auf dem elektrischen Stuhl sitzt, könnte man meinen, aus ihm spricht vor allem Erleichterung, er schaut durch uns hindurch, der Zuschauer hört auf, ein solcher für ihn zu sein, seine Rolle als Objekt der Wahrnehmung endet hier. Die Coen-B. legen hier den Existentialismus neu aus: Es ist nicht mehr nur der Mensch, dessen Existenz das Zeichen abbildet, es ist das Zeichen selbst, das sich existieren fühlt, das verdammt ist zum Weitermachen, ausgeliefert an einen unberechenbaren Text eines unbekannten Autors. Cranes Problem ist, auch wenn er um die Abwesenheit von Sinn weiß, so kann er sich dem doch nicht entziehen, da er als Filmheld genau das zu erfüllen hat, da Fernsehprogramme und Filmgenres nun mal als Welterklärungssysteme fungieren. Die Krise der großen Systemtheorien hat nicht nur die Produktion von Bedeutung in Frage gestellt sondern auch die Autorenschaft selbst. Worauf kann sich ein Autor verlassen? Auf sein Leben, auf seine Wahrnehmung der Wirklichkeit, auf die Zeichen, die ihm diese Wirklichkeit vermitteln? So ist der Anwalt Riedenschneider als Autor geradezu ein "Künstler", der Wahrheit und Wirklichkeit so formt, dass den Geschworenen im wahrsten Sinne des Wortes Hören und Sehen vergeht. Wir sehen eine Welt, in der Mythen, Oberflächen, tote Zeichen die Autorenschaft übernommen haben, die so genannten Autoren sind nur noch Formgeber, Beschneider, eine Analogie dazu findet sich natürlich in der Hauptmetapher des Film, den Standard-Haarschnitten. Sie scheinen Crane (sprich die Autoren) überall, wo er geht und steht, zu verfolgen und jetzt verstehen wir auch, worum es den Coen-B. geht, ihr eigentliches Thema, sie können diese mythischen Zeichenwelten nicht ignorieren, nicht vergessen, nicht ausradieren, sie sind Gefangene, sie können sie lediglich beschneiden, ausformen, Frisuren müssen genau wie Filmgenres immer wieder nach den gleichen Formen geschnitten werden, um ihr Erhalten zu garantieren, sonst droht wildes Wuchern, das Verwachsen der Haare (der großen amerikanischen Mythen), und so verweist der Haircutter letztlich auf den Filmcutter und wir beginnen zu verstehen, wie aus einem Wandposter mir Frisuren ein Film wie dieser werden konnte.

                                                  11
                                                  • 9

                                                    """""Die Nacht der kurzprägnanten Kommentare - Teil 5"""""

                                                    Anlässlich dieser ruhmreichen Nacht widme ich die letzten drei Kommentare den drei Coen-Filmen die ich letzte Woche erstmalig sah.

                                                    'The Man who wasn't There' - Der wohl am plakativsten veranschaulichende Film der Coens zu ihrem Lieblingsthema des fallenden Mannes. Mit jeder Szene und jeder Blende rutscht Thornton tiefer in die Scheiße bis es in seiner Boshaftigkeit fast schon wieder bitterkomisch wird.

                                                    Ausufernd stark gespielte Noir-Reminiszenz, die mit ihrer schattigen Bebilderung zu den visuell schönsten Filmen aller Zeiten gehört. Eine Roger Dekans-Liebeserklärung würde dem heutigen Motto des Kurzprägnanten nicht gerecht werden. Deswegen kurz und prägnant: Meisterwerk des Neo-Noir.

                                                    5