The Rocky Horror Picture Show - Kritik

The Rocky Horror Picture Show

GB · 1975 · Laufzeit 100 Minuten · FSK 12 · Horrorfilm, Musikfilm, Science Fiction-Film, Komödie · Kinostart
Du
  • 9

    [...] Doch auch formal und inhaltlich macht der Film aus dem Jahre 1975 beinahe alles richtig. Es ist einfach wunderbar erheiternd, wie Sharman mit Versatzstücken und Referenzen aus diversen Horror- und B-Filmen der 1960er-Jahre nur so um sich wirft und eine Musical-Groteske der besonderen Art auf die Bühne zaubert. Diese dürfte auch jeglichen Musical-Muffel, zu denen ich mich selbst auch zähl(t)e, begeistern, solange sie nur irgendetwas für Filme übrig haben. Überdies schreit er geradezu danach, noch viele weitere Male gesehen zu werden, denn in jeder Szene finden sich viele kleine Details, die es zu entdecken und ergründen gilt. Das Markanteste davon ist sicherlich das immer wiederkehrende Motiv von Grant Woods berühmtem American Gothic, welches gekonnt die Veralberung des amerikanischen Pietismus unterstreicht, mit der der Film ohnehin schon bis zum Rand angefüllt ist.

    THE ROCKY HORROR PICTURE SHOW brach viele Konventionen, ist eine wunderbare Liebeserklärung an Trash aller Art und macht – simpel gesagt – einfach einen Heidenspaß. [...]

    10
    • 10

      „It was a night out, they are going to remember for a very long time“ -

      Leicht fällt es nicht, eine Rezension zu einem Film zu verfassen, der das Herz des Zuschauers schon nach wenigen Sekunden mit kleinen Verweisen und großen Gesten im Intro-Song für sich zugewinnen vermag - und in der Tat, bereits die Ouvertüre offenbart einen kleinen Einblick in die Konzeption von Sharmans Adaption der ebenso provokanten wie originellen „Rocky Horror Picture Show“ von Richard O‘Brien, die er in den darauffolgenden 90 Minuten zelebriert.

      Wenn der Film nicht nur die beiden Protagonisten, sondern auch das Publikum auf seine Toure de force von der kleinbürgerlichen Verlobungszeremonie hin zu seinem bestrapsten Finale vor einem sich absorbierenden Schloss mitnimmt, dann bewegt sich Sharman nahe an den Essenzen von mehreren filmischen Genres: Zwar verschreibt sich die Inszenierung der „Rocky Horror Picture Show“ konsequent den exaltierten und eskapistischen Mechanismen des Musicals, macht sich bei ihrer narrativen Ausgestaltung und in der Figurenzeichnung allerdings auch die Wirkungsweise des klassischen Horrorfilms zu Eigen: Das Naive (göttlich, und im Kontext ihrer streng katholischen Erziehung auch sehr selbstreflektierend: Susan Sarandon) bricht beim Kontakt mit dem Mysteriösen mit den eigenen Konventionen und emanzipiert sich - was in anderen Filmen des Genres oftmals im Konter der Bedrohung gipfelt, ist hier der Weg in die sexuelle Selbstentfaltung.
      Obwohl sich "Rocky Horror" natürlich in seinen satirischen Ansätzen und seinen Überspitzungen gefällt, verfällt er doch nie in die Fehler, die anderen Werken immanent sind: Er zelebriert Travestie auf seine Art und Weise, aber hintergeht sie nicht mit Peinlichkeiten - er nimmt sie bei aller Extravaganz ernst.

      Noch mehr als die meisten Bühnenfassungen flirtet die filmische Version des Grusicals dabei offen mit seiner bunten und frivolen Visualisierung, lässt sich aber trotzdem zu keiner Zeit von eben jener ersticken, sondern integriert sie als futuristisch-erotische Fassade in sein Spiel aus Hommage und originärer Eigenständigkeit: Wenn der, als Mischung aus Gene Simmons und Freddie Mercury angelegte, Curry-Charakter Frank-N-Furter in frankenstein‘scher Manie und Negligé, eine, in einer regenbogenfarbenen Badewanne deponierten, Mumie zum Leben erwecken möchte, dann sollte man sich nicht davor scheuen, es als das zu bezeichnen, was es ist: Eine noch nie dagewesene Innovation; und eines der wenigen Produkte aus der - in Retrospektive oftmals verklärten - 70er-Ära, die den Stempel „Kult“ zurecht tragen.

      Darstellerisch zentriert sich das Geschehen nach anfänglichem Prolog auf Tim Curry, der nicht nur seine Szenen, sondern die gesamte Szenerie zu beherrschen vermag, und zeigt, dass er mehr kann, als es große Teile seines sonstigen Schaffenswerkes kundtun.
      Dank gutem Timing bekommt jedoch auch der übrige Cast, aus dem neben der oben bereits erwähnten Sarandon, vorallem Meat Loaf, Nell Campbell als bessere Variante von Bonham-Carter und nicht zuletzt Autor Richard O‘Brien als buckliger Kammerdiener hervorstechen, die ihnen zustehende Aufmerksamkeit.

      Dass sich die „Rocky Horror Picture Show“ auch nach über dreißig Jahren noch immer als einer der - wenn nicht sogar als einziger - wirklich provokanter Genrebeitrag verstehen darf, sagt viel über den visionären Charakter von O‘Briens Stück aus; vielleicht aber auch etwas über unsere Zeit - diese Frage muss jeder für sich selbst beantworten.
      Fest steht aber: Kaum ein Musical kann auf ähnlichen Widerhall in der Popkultur zurückblicken, und nennt mehr leichtfüssige, aber trotzdem bitterböse Songs sein Eigen, als Sharmans „Rocky Horror Picture Show“.

      In diesem Sinne: „Stay sane inside insanity“

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      • 10

        „I’m going home“, singt Tim Curry kurz vor Schluss und verleiht der einfach nur wunderbaren, frechen und provokanten „ROCKY HORROR PICTURE SHOW“ damit einen Ernst, den man so wohl vorher nicht vermutet hätte. Begleitet von orchestraler Musik, einfühlsam gefilmt von Peter Suschitzky, schreitet der in Strapsen und Mieder gekleidete Furter in das grelle Scheinwerferlicht. In seine Welt, wo er hingehört. Es ist der Versuch einer leisen Flucht einer Person, die ihr Leben nicht geträumt hat, sondern schlicht so war, wie sie war. Ohne Bedenken, ohne Sorgen, bis zum bitteren Ende. Eine Zeitreise im kleinen Stil, eine Flucht in das, was einen ausmacht.

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        • 10

          Einmal im Leben muss man "The Rocky Horror Picture Show" gesehen haben und am besten noch ein zweites oder ein drittes Mal. Im besten Fall sieht man den Film in einer der Sondervorführungen die dann und wann mal stattfinden. Und spätestens danach ist man ein Fan der "Rocky Horror Picture Show" und will sie immer und immer wieder sehen. Und wer weiß, wenn man den "Time Warp" lange genug übt, klappt es ja vielleicht wirklich mit den Zeitreisen.

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            Und genau dieses aberwitzige Sammelsurium, in Verbindung mit der bis heute kaum weniger verstörenden, unorthodoxen Erzählweise, ist die Erklärung dafür, warum „The Rocky Horror Picture Show“ wohl auch in den nächsten Jahrzehnten die Filmfans spalten wird. Die einen erfreut es, die anderen gruselt es eben. Aber die meisten werden wohl sagen: „Let’s do the time warp again!”

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              Legendäres Musical, das für die damalige Zeit viele Tabus brach und einen gekonnten, anspielungsreichen Zitatenmix aus den klassischen Horror- und Science Fiction Filmen und Motiven der 30er-50er bietet. Das Setdesign veralbert die Popkultur und die Story stellt den Wertekosmos der WASP-Bürger in Frage. Alleine der initiale Auftritt Tim Currys ist das Ansehen wert. Einschränkung: Wirklich zur Geltung kommt der Film nur im Kino mit Gleichgesinnten, die ihn entsprechend zelebrieren und jede Textzeile mitsprechen können. Auf DVD und im TV bleibt er bestenfalls ein nostalgischer Filmgenuss, vermag aber nie seine wahre Wirkung zu entfalten.

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