Three Billboards Outside Ebbing, Missouri - Kritik

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

US/GB · 2017 · Laufzeit 116 Minuten · FSK 12 · Drama, Kriminalfilm, Komödie · Kinostart
Du
  • 9

    Spoilerfrei:)

    Warum bewerte ich Three Billboards Outside Ebbing, Missouri mit nahezu perfekten 9 Punkten?
    Um diese Frage zu klären, erzähle ich einfach mal, wie es so ist diesen Film zu schauen.

    Nun, der Film fängt an und im Prinzip werden direkt ein paar Dinge klar. Die Dialoge sind toll und werden im Laufe des Films immer besser, wobei häufig etwas (schwarzer) Humor eingeflochten wird. Dieser ist jedoch nie vorhanden, um einen Lacher zu generieren. Nein, stattdessen ist er ein sinnvoller Teil der Story und bringt auf diese Weise selbige und deren Charaktere voran und naja.. manchmal ist diese Art subtilen Humors einfach verdammt witzig.

    Das nächste, was auffällt, ist die brilliante schauspielerische Leistung der Darsteller, allen voran Frances McDormand. Kein Wunder, dass drei von ihnen für den Oscar nominiert wurden.

    Die Story entwickelt sich zunächst langsam. Den Charakteren wird in der Exposition viel Zeit gelassen, um den Zuschauern zu zeigen, wie toll sie geschrieben sind , was jedoch ein wenig zu lasten der Spannung geht. Dies bezieht sich allerdings lediglich auf das erste Drittel. Nach diesem Drittel kommt ein Umschwung, eingeleitet mit einer Szene, die in meinen Augen eine der... ach Mist ich darf ja nicht spoilern. Nun, die Szene ist toll, glaubt mir!

    Danach nimmt alles Fahrt auf und der Film wird zu dem Meisterwerk, für den ich ihn halte. Dabei wechselt er gekonnt zwischen mitreißender Tragik und passender Komik hin und her. Man könnte sagen, der Humor wird zu Menschlichkeit und verbindet sich mit der Tragik einer eigentlich traurigen Geschichte.

    Allgemein ist Three Billboards Outside unheimlich vielschichtig. Handlungen haben Konsequenzen und diese werden durch die toll geschriebenen Dialoge und Nebenfiguren aus einer Vielzahl von Perspektiven gezeigt. Die Kamera gefällt ebenfalls und die Figuren handeln nachvollziehbar, sodass der Zuschauer nicht immer überein stimmt, jedoch stets Verständnis hat und Mitgefühl hegt.

    Ein mitreißender Film, der an Vielschichtigkeit und schauspielerischer Leistung kaum zu überbieten ist!
    Das ist Three Billboards Outside Ebbing, Missouri.

    • [...] Three Billboards outside Ebbing, Missouri hat mich wirklich umgehauen. Die Story ist auf den ersten Blick ziemlich einfach erklärt, aber was daraus gemacht wird, ist große Klasse.

      Der Cast ist vielleicht sogar das Beste von allem. Jeder Darsteller ist handverlesen und passt wie die Faust aufs Auge. Woody Harrelson spielt eine für ihn ungewöhnliche Rolle, diese allerdings brilliant. McDormand drückt dem Film ihren Stempel auf und ich kann mir keine bessere Besetzung vorstellen.

      Das kleine Städtchen ist ebenfalls wie gemalt für den Film. Alles ist sehr eng beieinander, jeder kennt jeden und so macht sich ein Gefühl breit, als würde man selbst lange dort gelebt haben.

      Auf emotionaler Ebene hat mich der Streifen sogar überrascht. Die Chemie zwischen den einzelnen Figuren schlägt manchmal einfach komplett um und man ist etwas überfordert, was man nun davon halten soll. Bei der ein oder anderen Wendung kamen mir dann sogar die Tränen, das hatte ich absolut nicht erwartet, nach dem Trailer.

      Alles in allem muss ich sagen, dass Three Billboards outside Ebbing, Missouri für mich ein so gut wie perfekter Film ist. Ich gebe eigentlich keine 5/5 Wertungen ab, denn bei jedem Werk gibt es die ein oder andere Schwachstelle. Hier kann ich jedoch keine erkennen und kann und will nur die volle Punktzahl vergeben.

      Für mich der beste Film im Januar, einer der Streifen, auf die ich mich dieses Jahr besonders gefreut habe und wohl auch ein heißer Anwärter für die Top Filme 2018.

      • 8

        Beeindruckend wie oft ich in diesen brutalen Film gelacht habe.

        • 10

          Was für ein tolles Drama!! Weiss nicht wer mich mehr geflasht hat..Frances McDormand oder Sam Rockwells, für solche kleine Perlen lebt und wartet der Filmfan, die aufbau der Stadt und ihrer bewohner hat mich an eine meiner alten lieblings Serien erinnert Colorado Springs aus Medicine Woman Dr. Quinn! Jane Seymour war genauso eine Powerfrau mit Bergen an Talent wie Frances McDormand, kommt in meine Sammlung.

          3
          • 10

            Genial , hoffe dieser Film staubt ordentlich Oscars ab , er hat es verdient ! Gelungener Mix aus Dramatik und Humor:)

            • 7

              Ein guter Film, der den Hype aber nicht gerecht wird. Von der Stimmung erinnert er an Gran Torino. Ohne allerdings dessen Klasse zu erreichen. Im Grunde geht bei der Geschichte um das Thema Vorverurteilung und die Spirale der Gewalt. Cast ist durchweg hervorragend. An einigen Stellen zieht sich der Film. Generell ist der Film 20 min zu lang geraten.

              Zu lachen gibt es auch einiges. Aber nicht jeder Lacher will so recht sitzen. Es gibt auch unfreiwillig komische Sachen. Dazu zählt das peinliche CG-Reh. Hätte man besser gelassen. Geschichte ist wendungsreich und an einigen Stellen auch unerwartet. Nicht alle Dialoge können das hohe Niveau halten. Vor allem ein bestimmter Dialog zwischen den Polizeichef und seiner Frau ist einfach nur fremdschämen pur. Auch die ständigen Sprüche über die neue Lebenspartnerin des Ex-Mannes nutzen sich ab. Gleiches gilt für alle Witze über Kleinwüchsige.

              Das Ende kommt etwas abrupt. Befriedigend ist das Ende nicht, aber auch das wirkliche Leben ist oft nicht immer befriedigend. Der Film bietet einfach keine so schön geschlossene Geschichte, wie es z.b Gran Torino tut. Aufgrund der Zeitaktualität sollte man den Film mal gesehen haben. Sicherlich einer der stärkeren Filme in diesem Jahr.

              • 8

                Die schwangere Polizistin aus FARGO hier als unerbittliche und weichherzige Rächerin. Kann man noch im Kino sehen; da kommen die großen roten Billboards besser...

                • 8 .5

                  Durchaus sehenswert, aber mit Kanten, so daß mich nicht wundert, wie weit die Bewertungen auseinandergehen. Grenzwertig, wie viele Klischees erfüllt werden. Relativ viele, dabei durchaus glaubwürdige Nebenfiguren werden verbraucht, um die Hauptfiguren differenzierter zu charakterisieren. Ist das ein Land, wo die Leute gut und gerne Leben?

                  • 9 .5

                    Es ist der große Oscar-Favorit 2018. Nach den beiden kultigen Filmen "Brügge sehen und sterben" und "7 Psychos", die Beide genau meinen Humor getroffen haben, hat Regisseur Martin McDonagh den Sprung nach ganz oben geschafft. Mit seinem dritten Film, der den ungewöhnlichen, aber total treffenden Titel "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" trägt, wurde nun ein großes Meisterwerk kreiert, welches ganz dicht an filmischer Perfektion ist. Dieser Film hat mich in so vielen Punkten eiskalt erwischt, dass ich noch lange danach über das Gesehene nachgedacht habe. Kurz : Es ist bisher der beste Film des Jahres.

                    Es ist der größte Alptraum einer Mutter. Die Tochter von Mildred wurde auf brutale Art vergewaltigt, verbrannt und ermordet. 7 Monate danach wurde der Mörder noch immer nicht gefasst. Mildred kritisiert dafür die örtliche Polizei scharf und äußert ihren Unmut durch eine sehr kreative Aktion. Sie mietet drei große Werbetafeln, auf denen sie ihren Unmut über die Polizei-Arbeit freien Lauf lässt. Das kommt nicht nur bei der Polizei eher mäßig an, auch viele Bewohner sind so gar nicht begeistert von ihrer Aktion.

                    Man darf nicht den Fehler machen und einen "Wer ist der Mörder?" Thriller erwarten. Three Billboards ist ein reines Drama, mit schwarzhumorigem Einschlag, das brillant geschrieben ist und wahnsinnig zum Nachdenken anregt. Es geht hier nicht um irgendwelche korrupten Cops, die etwas vertuschen. Der Film kommt eher mit Verständnis auf beiden Seiten daher, denn ich konnte sowohl die emotionale Seite von Mildred, als auch die rationale Seite der Polizei vollkommen verstehen. Es gibt viele schockierende Momente, die total unerwartet kommen, doch es gibt auch viele witzige Momente, die immer wieder für eine gewisse Lockerheit sorgen. Besonders genial war das Ende, denn man hätte bei keiner besseren Stelle den Film beenden können.

                    Meine Güte haut Francis McDormand hier eine überragende Leistung raus. Sie ist eine beeindruckende Charakterdarstellerin, die schon einen Oscar als beste Hauptdarstellerin für Fargo erhalten hat. Hierfür dürfte sie ihren zweiten Oscar erhalten, denn ihre Leistung ist zu jeder Sekunde glaubwürdig. Man sieht es ihr, trotz ihrer starken Persönlichkeit, total an, dass sie einen schweren Schicksalsschlag zu verdauen hat. Ihre Entschlossenheit hat mich total beeindruckt und ich konnte ihr Verhalten zu jeder Zeit nachvollziehen. Sowohl Woody Harrelson, als auch Sam Rockwell haben eine Oscarnominierung als bester Nebendarsteller erhalten. Ich persönlich glaube, dass Rockwell die begehrte Trophäe gewinnen wird. Harrelson Spiel zwar unfassbar gut und ist in jeder Minute sympathisch und er ist auch Teil einer herzergreifenden Szene, aber Rockwells Charakter hat eine krasse Entwicklung, die sehr gut und plausibel geschrieben ist. Ihn schätzt man von allen Charakteren am meisten falsch ein. Auch Peter Dinklage hat ein paar tolle Auftritte, obwohl er nicht so häufig zu sehen ist. In weiteren starken Rollen sind noch Caleb Landry Jones, Clarke Peters, Lucas Hedges und John Hawkes zu sehen. Einzig Samara Weaving als Penelope brachte in den falschen Momenten unpassende Witze.

                    Fazit : Meisterhaft, emotional und trocken. Three Billboards Outside Ebbing, Missouri wird einige Oscar-Trophäen erhalten. Es ist ein intensiv inszeniertes Drama, mit überragenden Darstellern, wovon manche sogar über sich hinaus wachsen. Francis McDormand und Sam Rockwell werden wohl einen Oscar erhalten und auch in der Kategorie "Bester Film" darf sich der Film Hoffnungen machen. Mich hat dieses Werk auf vielen Ebenen umgehauen und es ist bis jetzt der beste Film, den ich dieses Jahr gesehen habe.

                    9,5/10

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                    • 9

                      Stark und intensiv gespielte und über weite Strecken von einer Mischung aus einem zuweilen absurd anmutenden und dabei tiefschwarz und knochentrocken präsentierten Humor und teilweise ergreifend ausgespielten Momenten des Schmerzes getragene Dramödie, die zudem mit einigen unerwarteten Entwicklungen in Bezug auf die Gesamtgeschichte und auch die Präsentation einzelner Figuren überzeugt und begeistert.

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                      • 4
                        Dachsman 12.02.2018, 21:02 Geändert 13.02.2018, 23:54

                        Der Film ist an erster Stelle die Aufregung nicht wert. Bin aber erstaunt, wie sehr sich Befürworter argumentativ verbiegen und Phrasen dreschen müssen, um McDonagh vom Westentaschen-Tarantino zum querdenkenden Enfant terrible zu machen. Witzfiguren dummes Zeug quatschen lassen, aber jede zweite Szene entweder Blut oder Tränen fließen zu lassen, machen einen Film nicht relevant - egal, wie häufig irgendwer "nigger" sagt. Das Drehbuch von "Three Billboards" ist bemüht, die Inszenierung inkonsequent (kann man sich natürlich als "erwartungenunterlaufend" schön reden, klar) und die Darsteller unauffällig. Frances McDormand spielt halt eine Frances-McDormand-Rolle und das macht sie gut. Aber die Rolle ist, nun einmal so flach und plakativ wie eine Werbetafel. Spätestens, wenn die Gute ein Reh aus dem Computer anflennen darf, leistet der Film den Offenbarungseid.

                        10
                        • 6

                          Ich denke in ein paar Jahren wird dieser Film auf keiner Bestenliste der 2010er enthalten sein.

                          Der downfall of protagonist ist schön anzusehen. Aber die Motive sind absolut nicht nachvollziehbar dargestellt.

                          Der schwarze Humor ist oftmals zu falschen Momenten eingestreut und ruiniert so manche starke Momente. Und ist dann nicht mal sonderlich witzig.

                          Zum Positiven:
                          Die Charaktere sind zerrissen und zwiegespalten, wie in kaum einem anderen Film jemals.

                          Der Film stellt wunderbar dar, wie Menschen zerfallen können, wenn sie in der Einöde keinen größeren Sinn in ihrem Leben zu finden vermögen.

                          Sam Rockwell in diesem Film ist unglaublich.

                          Insgesamt erinnert mich der Film an Fargo, und im Vergleich dazu ist Three Billboards einfach lahm.

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                          • 8 .5

                            Three Billboards Outside Ebbing, Missouri hinterlässt mich nachhaltig beeindruckt. Auch in den Tagen nach der Sichtung wollen mir einige Szenen nicht aus dem Kopf und Score und Soundtrack werden rauf und runter gehört. Schon länger hat mich ein Film im Kino nicht mehr so emotional berührt. Daher eine dringende Empfehlung, denn ich halte ihn für den besten Oscarfilm dieses Jahres (von denen, die ich bisher gesehen habe). Minimale Schwächen auf hohem Niveau werde ich im weiteren Text erwähnen. Um das jedoch zu tun muss ich hier eine ausdrückliche SPOILER-Warnung aussprechen.

                            Die Story ist wirklich toll konzipiert. Besonders den drei Hauptfiguren wird viel Raum zur Charakterisierung und zur Entfaltung und Wandlung gegeben. Auch wenn wir mit keinem der Charaktere vollkommen sympathisieren (am ehesten noch mit Woody Harrelsons Charakter), so sind uns die Beweggründe durchaus vertraut und wir verstehen die Handlungen und Reaktionen der Figuren. Das ist meiner Ansicht nach eine Paradebeispiel für intensive Charakterportraits.
                            Doch nicht nur die drei Hauptfiguren wirken absolut menschlich und real, sondern auch die kleinsten Nebenfiguren bekommen ihre Facetten und somit wirkt das kleine Städtchen Ebbing stets lebendig und der Zuschauer hat das Gefühl die Atmosphäre dort regelrecht aufzusaugen. Denn das ist es worum es geht: Wie reagieren Menschen (sowohl die direkt betroffenen, als auch die außenstehenden) auf Schicksalsschläge. Wie geht die Gemeinschaft mit Individuen in schwierigen Situationen oder mit Beeinträchtigungen (man denke an den Zwerg, Sam Rockwell oder die zurückgebliebene neue Freundin des Ex-Ehemanns) um? Dabei zeichnet der Film ein interessantes Bild. Die Gemeinschaft ist an sich mitfühlend und spricht von Unterstützung, geht es aber um konkrete Unterstützung oder Involviertheit so halten sich Außenstehende lieber bedeckt und verstecken sich in der Masse derjenigen, die nichts gesehen haben wollen. In ihrer behüteten Umgebung wollen sie von der Trauer nichts wissen und sie verdrängen (selbst der Sohn). Das trifft z.B. auf den Zwerg zu, der nur faktisch gleichbehandelt wird, aber nicht im direkten Umgang mit den Menschen. Auch Sam Rockwell wird zwar in der Polizei geduldet, erhält aber kaum Unterstützung und ein emotionaler Ausbruch endet sofort mit einem Rauswurf. Mildred versucht nun die Aufmerksamkeit der Bevölkerung zu erzwingen, denn in ihren eigenen Worten ist jeder der schweigt und damit Mitglied der nichtssehenden Masse ist, ebenfalls schuldig! Natürlich ist ein Bezug auf die aktuelle "Me-Too-Debatte" nicht von der Hand zu weisen.
                            Die Figuren selbst handeln durch ihre emotionale Involviertet meist impulsiv und unüberlegt, sodass letztendlich mehr Schaden angerichtet wird als zuvor. Jedoch sind diese Handlungen keinem der Charaktere vorzuwerfen. Sie können in diesem Moment nicht anders. Dies wirft auch Fragen des Rechts auf. So zeigt dieser Film so eindrucksvoll wie nur möglich, was es bedeutet, dass die Würde eines Menschen unantastbar ist. In mehreren Situationen verkommen Menschen hier zu Objekten der Ursache. Ihnen wird die Schuld für den derzeitigen qualvollen Moment zugesprochen. Doch wie es im Film so schön heißt: "Anger begets greater anger!". Und erst ganz zum Schluss, wenn sich alle Figuren gegenseitig (und damit durch einen Kreisverlauf selbst) geschadet haben, beginnen die Figuren ihre Impulsivität zu hinterfragen und zu denken. Denn das ist es was uns Menschen ausmacht: Impulskontrolle! Ausgelöst wird dieses stets durch Mitgefühl - das wohl menschlichste Gefühl. Sei es für den Zwerg, die dumme Freundin des Exmannes, den krebskranken Chief oder auch den von seiner Umwelt gequälten Polizisten, welcher erst durch Zuspruch und Verständnis seines großen Vorbildes seinen "richtigen" Weg findet. Wer ist also befähigt über Situationen angemessen urteilen zu können, wenn doch jeder Mensch ein emotionales Wesen ist? Was passiert, wenn Macht im Sinne eines staatlichen Amtes (Polizist oder wenn man weiter denkt auch Soldaten) durch emotionale Entscheidungen beeinflusst wird? Wäre der objektive genetische Überwachungsstaat, wie von Mildred gefordert, eine Lösung?
                            Für mich schafft es der Film also große Themen aufzugreifen und umfassend und intensiv darzustellen. Jedoch will er manchmal in einigen wenigen Momenten etwas zu viel. Die Rückblende mit der Tochter war absolut unnötig. Es hätte gereicht, wenn der Exmann die Streitsituation später thematisiert. In dieser Situation drückt der Film etwas zu stark auf die Tränendrüse. Außerdem wird die Tochter als neuer agierender Charakter eingeführt, was jedoch für die Handlung völlig irrelevant ist. Sie stellt eigentlich den klassischen McGuffin dar, welcher die Handlung ins Rollen bringt, ohne selbst explizit thematisiert zu werden. Eine weitere Szene, die zwar atmosphärisch gelungen ist, aber aus späterer Sicht wenig Sinn ergibt ist die Szene, in der Mildred bedroht wird. Diese Szene spielt keine weitere Rolle und wird nichteinmal erneut thematisiert. Unlogisch ist auch, dass der schwer verwundete Sam Rockwell im gleichen Krankenhauszimmer landet, wie der von ihm verdroschene Junge. In einer Kleinstadt sollte sich der Vorfall herumgesprochen haben. Ein erneutes Aufeinandertreffen der beiden wirkt hier also etwas konstruiert. Diese Szenen zu kritisieren ist allerdings Meckern auf sehr hohem Niveau.
                            Handwerklich halte ich den Film für ein kleines Meisterwerk! Die Atmosphäre gleicht häufig der von alten Westernfilmen. So findet die Handlung ebenfalls in den Südstaaten statt und es geht um einsame Figuren, die glauben für sich allein gegen die Gemeinschaft und ihre Umwelt kämpfen zu müssen. Auch die Zeitlupen und Aufnahmen, wie Figuren die Straße entlanggehen oder fahren in Verbindung mit einem tollen Score unterstützen diesen Vergleich. Überhaupt ist die Kamera fantastisch. Die Bilder von Landschaften (man denke allein an die grandiosen Aufnahmen der teilweise übermächtig erscheinenden Billboards) sehen grandios aus. Weiterhin finden wir eine großartige Farbgebung und Bildkonstruktion vor und auch einige intensive Plansequenzen (besonders die Prügelei zwischen Sam Rockwell und dem gegenübersitzenden Vermieter der Billboards). Weshalb hier keine Oscarnominierung für die Beste Kamera entstanden ist (man vergleiche die dunkelste Stunde oder Mudbound) ist mir ein absolutes Rätsel.
                            Sowohl der Score von Carter Burwell, als auch der Soundtrack passen in jedem Moment und sind fantastisch konzipiert. Gleiches gilt für den Schnitt und allgemein für die Regiearbeit (auch hier könnte man eine Nominierung geben). Die Stimmung ist einfach toll in Szene gesetzt und ich saß mehrfach staunend im Kinosessel.
                            Negativ sind allerdings die visuellen Effekte zu nennen. Das merkwürdig animierte Reh kann eventuell noch durch die Thematik der mystischen Reinkarnation erklärt werden, aber die Flammen sehen zum Beispiel ausgesprochen unglaubwürdig aus.
                            Schauspielerisch kann man absolut nicht meckern. Der gesamte Cast (bis in kleinste Nebenrollen) spielt überdurchschnittlich gut. Besonders hervorstechend sind natürlich Frances McDormand und Sam Rockwell, welche hier wohl ernsthafte Ambitionen und Chancen haben, einen Oscar bald ihr Eigen nennen zu dürfen. Beide stellen sowohl die verletzliche Seite ihres Charakters, als auch die gleichzeitige harte Außenfassade der Umwelt gegenüber absolut stark und berührend dar.

                            Insgesamt liefert Three Billboards outside Ebbing, Missouri ein ergreifendes Drama mit leicht schwarzhumorigem Einschlag, der meist aber sehr passend eingesetzt wird, sodass man mehrfach laut lachen kann und einem manchmal aber auch das Lachen im Halse stecken bleibt. Die Handlung ist dabei kaum erahnbar und besonders in der Mitte passiert etwas unerwartetes, dass den Film in eine neue Richtung schickt und ihm somit neuen Impuls gibt. Handwerklich ganz große Kunst ist der Film meiner Meinung nach bei den Oscarnominierungen sogar unterrepräsentiert. Der Streifen besitzt Tiefgang, Anspruch, Emotionalität, Humor und Spannung, sodass er für jeden geeignet sein sollte. Mit nur minimalen Schwächen ist es definitiv einer der besten Filme dieser Oscarsaison und das Geld für das Kinoticket in jedem Fall wert!

                            • 8 .5

                              Three Billboards ist ein Film, der besonders duch seinen exzellenten und glaubwürdigen Cast glänzt.
                              Großes Lob an Frances McDormand als engstirnige Antiheldin und Sam Rockwell als konstant betrunkenen Pseudo-Polizisten; Diese beiden haben sich ihre Oscarnominierungen wirklich verdient. Besonders letzterer liefert eine unglaublich packende Performance und schafft es, die ohnehin schon berührende und inspirierende Entwicklung seines Charakters sehr glaubwürdig darzustellen.
                              Auch Woody Harrelson macht seine Sache sehr gut, doch obwohl sein Talent in keinster Form bestritten werden kann, war seine Performance in diesem Film für mich nicht oscarwürdig. Das bedeutet allerdings nicht, dass seine Figur nicht extrem interessant geschrieben ist, und, ohne spoilern zu wollen (zum Zeitpunkt dieser Kritik ist der Film noch nicht lange in den deutschen Kinos), für den größten Twist in der gesamten Handllung sorgt.
                              Eben jener hat mich wirklich mit runtergeklappter Kinnlade sitzen lassen, und den Film, der bis zu diesem Punkt zwar interessant aber bestenfalls dezent überdurchschnittlich war, in eine derart gewagte neue Richtung gelenkt, derartige Spannung erzeugt, dass ich seine Nominierung als besten Film sehr gut nachvollziehen kann.
                              Auch der Soundtrack ist exzellent gewählt, da er durchgehend mit seinen Country-Klängen und der die Gefühle der handelnden Personen widerspiegelnden Songauswahl die Atmosphäre des Films untermalt.
                              Ein gewagter, allerdings hervorragender Schachzug der Filmemacher ist der den Film auszeichnende schwarze Humor. Man hätte den Streifen auch als reines Drama aufziehen können, doch der spezielle Humor sorgt dafür, dass die Zuschauer bei der Stange gehalten werden. Für mich haben alle diese Witze gezündet, und der Reaktion meiner Mitkinobesucher zu urteilen war ich da nicht der Einzige. Gekonnt werden auch die einzelnen gesellschaftskritischen Statements vermittelt, denn in Three Billboards wird mit so ziemlich allem abgerechnet: Rassismus, Polizeigewalt, ja sogar mit den teils fragwürdigen militärischen Aktionen Amerikas im Ausland. Einige der angesprochenen Themen haben mit der Handlung zwar wenig bis gar nichts zu tun, durch den bereits angesprochenen Humor fällt das allerdings kaum auf. Im Gegenteil: Durch seine Aktualität macht es den Film nur noch zu einem heißeren Oscarkandidaten!
                              Abzüge gibt es für mich allerdings für besagte erste Hälfte. Der Film macht zwar einen großartigen Job, den Zuschauer an die Handlung zu fesseln, indem er ihn sofort in das Geschehen einführt und die Hintergrundgeschichten und Motive seiner wichtigsten Figuren durch Dialoge und geschickt eingesetzte Flashbacks erklärt, verharrt allerdings auch zu lange in der Zwickmühle, in der sich die Akteure befinden. Dadurch kommt zwar natürlich ein Mitleidsgefühl beim Zuschauer auf, auf das aber in meinen Augen zu lange vertraut wird. Andererseits kann ich aber auch behaupten, dass sich für mich lange kein Film dieser Länge (immerhin knapp zwei Stunden) mehr so kurzweilig angefühlt hat. Ein weiterer Wermutstropfen für mich war das Ende der Geschichte. Zwar ein netter Abschluss des Dramas, mir persönlich allerdings viel zu offen und ehrlich gesagt auch ziemlich sinnlos.

                              All diese kleineren Kritikpunkte erscheinen jedoch weniger wichtig, wenn man das Werk als ganzes betrachtet. Die Unterhaltung wird kaum geschmälert und es ist und bleibt ein sehr gefühlvolles, starkes Drama, dass seine Nominierung wirklich verdient hat.

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                              • 7

                                Schauspielerisch eine tolle Darbietung von Sam Rockwell und Frances McDormand, die Geschichte dahinter ist jedoch nicht so besonders, auch wenn sie nett erzählt ist und mit einigen Klischees spielt.

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                                • 8 .5

                                  It just begets greater anger.

                                  • 9 .5

                                    Ein wundervoller Film über Schuld, Rache, Sühne und Versöhnung. Martin McDonagh trifft zu jeder Sekunde den Nerv des Zuschauers, er setzt eine Umgebung, die gefühlt einfach nur den Guten gehören kann, in ein Kontrastprogramm mit den Abgründen des menschlichen Charakters. Es ist an Zynik und Sarkasmus kaum zu überbieten, es birgt trotzdem einige Lacher und es wird einem mehrmals die Tränen in die Augen schiessen lassen.

                                    Fazit: Oscars 2018 Lead Actress Frances McDormand

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                                    • 9

                                      Definitiv ein Pflichtfilm; die 3 Hauptcharaktere machen ihre Sache echt sehr gut, vor allem Sam Rockwell hat mir imponiert; hier ist nichts, wie es auf den ersten Blick scheint, sowohl Handlung als auch Charakterzeichnung nehmen wohlig überraschende Wendungen.

                                      • 9

                                        Nach zwei Wochen des Frusts hatte ich doch noch Glück und das Kino meiner Stadt hat ihn doch noch, wenn auch verspätet, ins Programm genommen. Auf leichte Spoiler (eher Andeutungen) konnte ich nicht verzichten, also gilt hier Lesen auf eigene Gefahr. Vor unbemerkten Tippfehlern und Rechtschreibfehlern sowie überlangen Sätzen sei ebenso gewarnt.

                                        Ein wesentliches Kernelement von "Three Billboards..." ist der schwarze Humor. Jene Art Humor ist seit jeher ein kontroverses Thema. Manche können nicht ohne, manche sehen in ihn als menschenverachtende Unart. Erstere sagen "Humor darf alles", zweitere sagen "Humor hat Grenzen". Die Wahrheit wird wohl in der Mitte liegen, doch als bekennender Schwarzhumor-Fan vertrete ich die Meinung, dass das ins Lächerliche ziehen von düsteren, traurigen, deprimierenden Themen neben Verdrängung eine weitere Schutzfunktion der Psyche ist um mit den Schattenseiten unseres Lebens, unserer Welt zurechtzukommen ohne zu verzweifeln, man entzieht quasi dem Entsetzlichen ein bisschen die schreckliche Wirkung. Durch meine berufliche Laufbahn im sozialen Bereich hab ich schon einige, vom Schicksal bestrafte Menschen kennengelernt, bei denen ich einen Hang zum Galgenhumor beobachten konnte. Noch mehr konnte ich bei anderen Sozialberuflern diesen morbiden Humor ausmachen, eben jenen die jeden Tag so viele Formen von Leid sehen müssen. Ich habe zudem auch schon gehört, dass Seelsorger, die Zeugen oder Unfallhelfern (z.B. Feuerwehrleuten) schrecklicher Unfälle/Vorfälle betreuen, auch eben jenen Humor benutzen.
                                        Ebenso kontrovers kann es zu gehen, wenn Filme diesen Humor verwenden. Gar nicht zu Unrecht, denn schnell kann ein Witz dem Ton des Films widersprechen oder fügt sich nicht passend in die Inszenierung ein und wirkt eher wie ein unreflektiert der Lacher wegen eingebrachter Gag. Ein gewisser als ach so einzigartig abgefeierter Superheldenfilm hat zweiteren Fall exzessiv ausgelebt. Man kann es aber auch wie zum Beispiel die Coens oder Tarantino machen und dieses Stilmittel eben richtig einsetzen (die Marvin-Szene in "Pulp Fiction möchte ich da mal als gutes Beispiel nennen, welches ich hier aber nicht auführen werden weil ich mal langsam zum Hauptfilm kommen sollte).
                                        "Three Billboards" ist eben so ein Beispiel für den perfekten Einsatz schwarzen Humors, wenn man mal den Inhalt des Films betrachtet. Der Trailer mag zwar suggerieren, dass es sich plottechnisch um ein Gerechtigkeitsdrama handelt, dass nur von der Aufmachung her ein wenig anders, skurriler, als die sonstigen Dramen dieser Art, die vor allem zur Oscarsaison immer wieder auftauchen, daherkommt. Viel mehr ist es ein Film über gebrochene Menschen. Denn dieses kleine Kaff namens "Ebbing" in Missouri ist voll von diesen. All die zentralen Figuren haben alle eine traurige Vergangenheit, aber schlimmes erlebt und müssen noch immer mit den Folgen kämpfen, machen immer noch furchtbares durch. Allen voran steht da die Protagonistin, die ihre Tochter durch ein grausames Verbrechen verloren hat und ihre Trauer nicht verarbeiten kann, weil immer noch nicht geklärt ist, wer und wieso das getan hat. Ihren Zorn, ihre Trauer, ihre Verzweiflung katalysiert sie in ihrem derben Humor und ihrer aggressiven Sprache, in der sich eben natürlich die Gags und der Slapstick ergeben.
                                        Anderseits zeigt sie viele negative Persönlichkeitsfacetten, die sie klar von einem typischen Abziehbild einer Gerechtigkeitsdrama-Hauptfigur abhebt. Jene Grauzonen kann man in den erwähnten anderen Figuren erkennen. So ergeben sich nicht aus dem Plot, sondern aus den Figuren große Wendungen. Figuren, die zunächst wie das wandelnde Klischee von "bösen Menschen" erscheinen, entpuppen sich als ebenso gebrochene Menschen, mit guten Seiten, die sie durch den falschen Katalysator für ihre Verzweiflung haben schädigen lassen, den Hass. "Three Billboards" ist dadurch auch so was Ähnliches wie das verfilmte Yoda-Zitat "Hass führt zu unsäglichen Leid." All die üblen Taten die sich die Figuren gegenseitig antun, sind die Reaktion der üblen Tat eines anderen. Ein teuflischer Kommunikationskreislauf sozusagen.
                                        Diese erschlagende extrem aggressive Stimmung in jenem kleinen Kaff, spiegelt wunderbar unsere Gesellschaft wieder, in der vermehrt nicht mehr zugehört wird und man sich gegenseitig den "schwarzen Peter" zuschiebt. Eine Gesellschaft in der besonnenes Diskutieren durch Beleidigen und Schuldzuweisungen ersetzt wurde. War "The Hateful 8" die aggressive Allegorie auf den gegenseitigen Rassismus der amerikanischen Gesellschaft, so ist "Three Billboards" eine über die aktuelle Disskussionskultur.
                                        Aber wie auch "Hateful 8" ergibt sich dieser Film nicht dem Pessimismus. Eine Figur überwindet einfache Denkschemata mit großer Empathie und setzt so eine Art Kettenreaktion des Friedens in Gange, was auch zu einem überaus emotionalen Moment führt, in der einmal mehr eine Figur involviert ist, von der man es nicht erwartet.
                                        Das ganze zeugt von einem großartigen Drehbuch, doch noch viel mehr von einem Regisseur der den ständigen Spagat von Tragik und Komik, den dieses Script fordert, bravourös meistert, unter anderen auch, weil er die richtigen Darsteller versammelt und angeleitet hat.
                                        Das einzige was mich an diesem Film nervt ist, dass das Filmjahr ab jetzt nur schlechter werden kann.

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                                        • 9

                                          Ein etwas sperriger Titel für einen Film, aber ein gelungenes Stück Kino. Endlich wieder einmal ein Produkt aus Hollywood, dass den Namen Film verdient. Bei den Golden Globe Awards 2018 wurde der Film in sechs Kategorien nominiert und gewann vier Auszeichnungen, darunter als bester Film und für das beste Drehbuch. Zudem wurden Frances McDormand für ihre Rolle als Mildred Hayes als beste Hauptdarstellerin und Sam Rockwell als bester Nebendarsteller ausgezeichnet. Auch werden diese Protagonisten sicher bei den Oscarnominierungen dabei sein.
                                          Mildred Hayes (Frances McDormand) kann es immer noch nicht verstehen. Sieben Monate sind vergangen, das ihre Tochter vergewaltig und ihre Leiche am Tatort verbrannt wurde. Es hat den Anschein, dass der örtliche Polizeichef, der ehrenwerte William Willoughby (Woody Harrelson), nicht bereit ist der oder die Täter dingfestzumachen.
                                          So greift Mildred zu einem drastischen Mittel. Sie stellt drei riesig große Reklametafeln, die an der Straße zu ihrem Haus führen auf, mit sehr provozierenden Sprüchen um den Polizeichef endlich zum Handeln zu zwingen. Diese Aktion setzt ein Räderwerk an Gewalt in Gang, die sich wie Dominosteine über die kleine Gemeinde aneinanderreihen.
                                          Ein Film über eine typisch kleine Stadt in der amerikanischen Provinz des Westens. Mit schrulligen Charakteren und überraschenden Wendungen, die ein bisschen an die Filme der Coen-Brüder erinnern. Mit Schauspielern die in ihren Rollen trefflich passen. In Cinemascope, unterlegt mit einem Soundtrack, der diesen Streifen auf den Punkt ergänzt.
                                          Regisseur Martin McDonagh hat hier wirklich ein filmisches Werk geschaffen, das es lohnt anzusehen. Leider schwächt die deutsche Synchronisation die Wortgewalt des Originals sehr ab. Wenn es möglich ist, die Originalversion im Kino anschauen.

                                          • 7 .5

                                            Da hat einer einen blutig geprügelt. Der Werbungsverkäufer Red Welby (Caleb Landry Jones) wurde aus dem Fenster geschmissen. Sam Rockwell spielt den Übeltäter, einen tumben, schwerfälligen Cop: Comichefte, Kopfhörer, grenzenlose Aggression. Aber die Vergebung – sie wärmt in Ebbing die kleinen Leute und kleinen Dinge auf ihre Weise, eine Wärme, einem Kaminflimmern gleich. Als beide zur gleichen Zeit im gleichen Krankenhauszimmer Nachbarn werden, stellt der eine, der Verprügelte, dem anderen, dem Prügelnden, ein Glas Orangensaft auf ein Tischchen und dreht den Strohhalm in die entsprechende Richtung. Das ist eine der feinfühligsten Szenen, wie sie "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" aus dem Gedächtnis eines Landes schöpft, das im Sperrgebiet zur Welt kam. Ohne Technik, Technologie, Firlefanz eben. Nur das Wesentliche, die pure Seinsausschüttung. Denn – und dies sollte festgehalten werden – sind die Dinge an sich wichtig, immer noch und immer wieder. Hierin liegt die Nähe zu den Coens – auch Martin McDonagh lässt die Dinge fließen. Manche bedeuten etwas, andere nicht. Bewundernswert, dass ihm dabei ein Film gelingt, der gewalttätig, aber nie zu ausufernd am Zweifel verzweifelt. [...]

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                                            • 8 .5
                                              dantesque 09.02.2018, 10:02 Geändert 14.02.2018, 10:30

                                              Von den Oscar-Kandidaten (mittlerweile habe ich alle gesichtet) mein Favorit. Toller Film, schöne Aufnahmen, guter Soundtrack, und ein tadelloser Cast.

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                                              • 7 .5

                                                Was am Anfang nicht nur aufgrund von Frances McDormand wie ein typischer Coen-Film aussieht, in dem ein Haufen meist unsympathischer Charaktere in einem dramatischen Abwärtsstrudel unaufhaltsam einem gewalttätigen Ende zutaumelt, entpuppt sich schließlich als eine überaschend komplexe Charakterstudie. Gut, nicht alle Charaktere sind gleich gut ausgearbeitet (Peter Dinklage und die Neue vom Ex-Mann bleiben bloße Projektionsflächen), aber zumindest die Hauptfiguren sind angenehm ambivalente Wesen jenseits der Zuschauer-Identifikation, die den Achterbahn-Rhythmus des Films mit immer wiederkehrenden physischen wie psychischen Gewalteruptionen glaubhaft machen. Denn die Ausbrüche sind immer Zeichen bzw Folgen der Verletzungen, die die Charaktere mit sich tragen, und bleiben folgerichtig Solitäre, auch wenn sie gleichzeitig die Handlung vorantreiben. Dass gleichzeitig viel schwarzer Humor im Spiel ist führt aber dazu, dass der Film in seinem ständigen Auf und Ab schwer verdaulich ist und sich am Ende nicht ganz rund anfühlt.

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                                                • 7

                                                  Vielleicht liegt es an meinen viel zu hohen Erwartungen. Vielleicht bin ich nicht gemacht für so eine Mischung aus Kalten Humor und Drama oder vielleicht war es falsch dosiert.
                                                  Zudem bin ich mir nicht sicher ob ich die aussage des Films richtig verstanden habe? Heißt dieser jetzt Selbstjustiz gut?

                                                  Außerdem war ich mir unsicher wann der Film traurig war und wann ein Witz oder eine völlig kalte Aussage die Stimmung wieder unterbrach.

                                                  Naja, zuletzt bleibt mir trotz offensichtlicher Verwirrtheit, ein wirklich gute Schauspielleistung der Hauptrollen. Aber ich denke der Film wird doch besser gemacht als er eigentlich ist. Darf mich aber nicht zuweit aus dem Fenster lehnen, da noch so einiges unbegreiflich ist.

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                                                  • 7
                                                    chmul_cr0n 07.02.2018, 23:56 Geändert 08.02.2018, 00:40

                                                    Während mir McDonaghs Bemühen um ernstzunehmende, dramatische Momente in 7 Psychos bestenfalls herablassendes Gelächter oder Fremdscham zu entlocken vermochte und während all sein Bemühen in Brügge dafür sorgte, dass ich den Film einfach nur schlagen wollte, funktioniert das hier deutlich besser. Nicht alles, und auch nicht immer, aber für einen Film diesen Plumpheitsgrades gab es eine überraschende Anzahl an emotionalen Szenen mit einiger Tiefe. Wofür ich allerdings einzig und allein die Schauspieler verantwortlich machen würde.

                                                    Wenn es darum geht, seinen makabren Humor mit Substanz zu versehen, schießt McDonagh leider wieder voll in den Ofen. Irgendwie scheint er von einem zu erwarten, dass man auf Dinge, über die man aufgrund ihrer vereinfacht-sarkastischen Darstellung vorher noch kichern musste, nachträglich eine viel gehaltvollere Reaktion hat. Bloß, dass man gar nicht wusste, dass man sich während des Films selber eine realistischere oder komplexere oder weniger stilisierte Version des Gezeigten ausdenken soll. Vielleicht weil das halt irgendwie Aufgabe des Films ist.

                                                    Ist aber unterhaltsam genug. Auch wenn es ein paar Problemchen bezüglich Tempo und Struktur gibt. Was den Film deutlich länger wirken lässt als er ist.