Three Billboards Outside Ebbing, Missouri - Kritik

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

US/GB · 2017 · Laufzeit 116 Minuten · FSK 12 · Drama, Kriminalfilm, Komödie · Kinostart
Du
  • 8 .5

    Der Spielfilm “Three Billboards Outside Ebbing, Missouri” (OT: “Three Billboards Outside Ebbing, Missouri”, UK/USA, 2017) war der große Gewinner auf der diesjährigen Verleihung der Golden Globes. Von sieben Nominierungen erhielt er vier Preise. Auch bei den 90. Oscars war er einer der heißen Kandidaten und konnte dann in zwei der sieben nominierten Kategorien die begehrten Preise gewinnen. Der Film besticht mit seiner spannenden und gelungenen Mischung aus Tragik und Komödie.

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    • 0

      Billboards ist ein zynischer, herablassender und ausgesprochen doofer Film. Wenn Rockwell den verhassten Werbetafel-Vermieter verdrischt, ihn aus dem Fenster wirft und dann auch noch seiner Assistentin ins Gesicht schlägt, wird das als glorioser One-Take abgefeiert und auch noch mit aufgedrehtem Schweinerock heroisiert. Ist schon ganz klar, wo hier die Sympathien liegen. Auch McDormand bekommt ja ständig Szenen zu spielen, in denen sie Gewalt ausübt (Schulkinder treten oder - völlig gaga - den Zahnarzt anbohren), die vor allem humorig sein sollen und ihre Figur als "stark" darstellen. Billboards propagiert Gewalt als Lösungsmittel für alles, ungebrochener und gleichzeitig verlogener als jeder Vigilante-Thriller. Jeder andere Charakter ist ein Loser und ne Lachnummer, über Dinklage in der "Lustiger Zwerg"-Rolle straight from the 80s komm ich überhaupt nicht weg. Die Neue vom Ex-Mann ist natürlich dumm wie Holz, Harrelsons Frau ist ein stummes Top-Model und der neue Polizeichef vorsichtshalber mal schwarz. Eine fiese Mischung aus behaupteter Diversity und ausgewiesener Menschenverachtung.

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      • 1

        [...] Vielleicht wäre die pos(s)enhafte Selbstgenügsamkeit des Films erträglicher oder jedenfalls leichter zu ignorieren, wenn seine Räuberpistolensentimentalität nicht mit Tiefsinn verwechselt würde. Viele Kritiker meinten in ihm einen Diskussionsbeitrag zu erkennen, der "wichtige Fragen unserer Zeit" aufgreife, als handele es sich dabei um ein ernstzunehmendes künstlerisches Kriterium. Offenbar ist das Verlangen nach Gesinnungskino mittlerweile so ausgeprägt, dass auch der absurdeste Spielraumentwurf tagesaktuelle Zustandsbeschreibung sein muss – sogar eine Welt wie die von Martin McDonagh also, in der Menschen weder reden noch handeln wie Menschen, sondern allenfalls Schablonen für den nächsten Witz sind, beliebig hin und her geschoben auf einer vor Vulgärpsychologie strotzenden Landkarte. Die Oscar-Academy scheint so etwas zu lieben. Im letzten Jahr umarmte sie eine Reihe von Befindlichkeitsfilmen und Speckgürtelerzählungen über abgehängte, auf der Strecke gebliebene Menschen, jetzt soll es zusätzlich noch um Machtmissbrauch gehen. Mit "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" verläuft sich das so nachvollziehbare wie notwendige Interesse am Trump-Amerika in eine Affirmation des Ressentiments. [...]

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        • [...] Three Billboards outside Ebbing, Missouri hat mich wirklich umgehauen. Die Story ist auf den ersten Blick ziemlich einfach erklärt, aber was daraus gemacht wird, ist große Klasse.

          Der Cast ist vielleicht sogar das Beste von allem. Jeder Darsteller ist handverlesen und passt wie die Faust aufs Auge. Woody Harrelson spielt eine für ihn ungewöhnliche Rolle, diese allerdings brilliant. McDormand drückt dem Film ihren Stempel auf und ich kann mir keine bessere Besetzung vorstellen.

          Das kleine Städtchen ist ebenfalls wie gemalt für den Film. Alles ist sehr eng beieinander, jeder kennt jeden und so macht sich ein Gefühl breit, als würde man selbst lange dort gelebt haben.

          Auf emotionaler Ebene hat mich der Streifen sogar überrascht. Die Chemie zwischen den einzelnen Figuren schlägt manchmal einfach komplett um und man ist etwas überfordert, was man nun davon halten soll. Bei der ein oder anderen Wendung kamen mir dann sogar die Tränen, das hatte ich absolut nicht erwartet, nach dem Trailer.

          Alles in allem muss ich sagen, dass Three Billboards outside Ebbing, Missouri für mich ein so gut wie perfekter Film ist. Ich gebe eigentlich keine 5/5 Wertungen ab, denn bei jedem Werk gibt es die ein oder andere Schwachstelle. Hier kann ich jedoch keine erkennen und kann und will nur die volle Punktzahl vergeben.

          Für mich der beste Film im Januar, einer der Streifen, auf die ich mich dieses Jahr besonders gefreut habe und wohl auch ein heißer Anwärter für die Top Filme 2018.

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          • 7 .5

            Da hat einer einen blutig geprügelt. Der Werbungsverkäufer Red Welby (Caleb Landry Jones) wurde aus dem Fenster geschmissen. Sam Rockwell spielt den Übeltäter, einen tumben, schwerfälligen Cop: Comichefte, Kopfhörer, grenzenlose Aggression. Aber die Vergebung – sie wärmt in Ebbing die kleinen Leute und kleinen Dinge auf ihre Weise, eine Wärme, einem Kaminflimmern gleich. Als beide zur gleichen Zeit im gleichen Krankenhauszimmer Nachbarn werden, stellt der eine, der Verprügelte, dem anderen, dem Prügelnden, ein Glas Orangensaft auf ein Tischchen und dreht den Strohhalm in die entsprechende Richtung. Das ist eine der feinfühligsten Szenen, wie sie "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" aus dem Gedächtnis eines Landes schöpft, das im Sperrgebiet zur Welt kam. Ohne Technik, Technologie, Firlefanz eben. Nur das Wesentliche, die pure Seinsausschüttung. Denn – und dies sollte festgehalten werden – sind die Dinge an sich wichtig, immer noch und immer wieder. Hierin liegt die Nähe zu den Coens – auch Martin McDonagh lässt die Dinge fließen. Manche bedeuten etwas, andere nicht. Bewundernswert, dass ihm dabei ein Film gelingt, der gewalttätig, aber nie zu ausufernd am Zweifel verzweifelt. [...]

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            • 9 .5

              THREE BILLBOARDS ist ein Film, den man sich in die heimische DVD-Sammlung stellen sollte, denn ich bezweifle, dass dieser Film jemals auch nur in Ansätzen „schlecht wird“. Der schwarze Humor ist pointiert eingesetzt. Die Charakterzeichnung ist so gelungen, dass man hinterher mit allen Figuren mitfühlt und deren Motivation nachvollziehen kann. Frances McDormand ist eine Offenbarung, Sam Rockwell haut mich genauso um wie Woody. Toller Film.

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              • 8

                [...] Auf diesen Film dürfen (nicht nur) die Coen-Brüder neidisch sein. „Three Billbords Outside Ebbing, Missouri“ erforscht den Schmerz menschlichen Verlusts und überrascht dabei mit pfiffigen Dialogen voller Witz. Themen, über die im Kino vermeintlich schon alles erzählt wurde, erhalten durch spannende, vielschichtige Charaktere einen neuen Drall. Komponist Carter Burwell zückt seine typischen Country-Elemente und rundet die Geschichte mit seiner bis dato wohl markantesten Filmmusik-Arbeit ab. Am Ende geht alles mit viel weniger Pistolenschüssen über die Bühne als man es von McDonagh gewohnt ist. Und das ist gut so, denn hier liegt die Kraft in der Ruhe.

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                • 4

                  [...] Gerade im Zusammenspiel mit der angesprochenen, ambivalenten Thematik erweist sich diese Nachlässigkeit als wirkliches Problem. Martin McDonagh will mit Argumenten argumentieren, die er selbst nicht ernst nimmt. Immer wieder flüchtet er sich in ironische Brüche, blickt aus satirischer Perspektive auf das Geschehen und sabotiert mit willkürlichen Wechseln auf stilistischer wie tonaler Ebene munter die dramaturgische Kontinuität, bloß, um einen vermeintlich raffinierten Kommentar in seine Inszenierung zu schleusen. Subtil geht dabei nichts vonstatten, so penetrant und ignorant schmettert Martin McDonagh seine Botschaft zwischen die Zeilen, während er die Schlagfertigkeit seiner One-liner maßlos überschätzt. Trotzdem erweckt Three Billboards Outside Ebbing, Missouri oftmals den Eindruck, gar nicht zu wissen, was eigentlich schief läuft. Eifrig werden die Konflikte ausgerollt, als ginge es darum, jeden Schicksalsschlag in einen grotesken Streich zu verwandeln, der die Menschen erst entblößt und dann mit versöhnender Geste zusammenführen soll. [...]

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                  • 4 .5

                    ""Three Billboards Outside Ebbing, Missouri" will mehr sein als nur ein Kultfilm. Seine sieben Oscar-Nominierungen sagen aber vielleicht mehr über das gegenwärtige Hollywood aus als der Film selbst über den state of the nation." [Till Kadritzke]

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                    • 9 .5
                      Edward Nigma: CinemaForever 25.01.2018, 18:38 Geändert 25.01.2018, 21:47

                      [...] Wie humorvoll kann ein Schlag in die Magengrube sein? So mancher Kinozuschauer dürfte sich diese Frage nach der Sichtung des neuen Films von Brügge sehen… und sterben?-Regisseur Martin McDonagh stellen, denn der irisch-britische Filmemacher nimmt sich in Three Billboards Outside Ebbing, Missouri einem unangenehm harten Thema an: Der Kampf einer verzweifelten Mutter, deren Tochter ganz in der Nähe ihres Wohnhauses vergewaltigt, ermordet und anschließend verbrannt wurde, gegen die schleppend voranschreitende Ermittlungsarbeit der Polizei, die auch sieben Monate nach dem grausamen Gewaltverbrechen kaum Fortschritte vorzuweisen hat.

                      Kann ein solches Thema überhaupt als skurril-schwarzhumoriges Drama inszeniert werden, oder bleibt dem Zuschauer dabei nicht das Lachen im Halse stecken? Irgendwie gelingt Martin McDonagh dieser unmöglich erscheinende Spagat zwischen emotional-aufwühlendem Drama und absurder Komödie. Vielleicht auch, weil der Regisseur stets mit dem nötigen Feingefühl in der Charakterentwicklung vorangeht – und diese ist wirklich, wie schon in Brügge sehen… und sterben? oder auch seinem Oscar-prämierten Kurzfilm Six Shooter, das Herzstück des Films. Wie kaum ein anderer Regisseur versteht es McDonagh seine Charaktere nicht in erster Linie sympathisch, sondern menschlich zu zeichnen. Kein Anbiedern beim Publikum, keine Stützfigur, die dem Zuschauer stets in unverwundbarer moralischer Erhabenheit zur Seite steht. Three Billboards Outside Ebbing, Missouri ist emotional ambivalentes Kino, wie es sein muss, wie es nur noch viel zu selten produziert wird und für mich somit schon jetzt der wahrscheinlich beste Film des Jahres. [...]

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                      • 8 .5

                        Völlig zurecht ist Three Billboards Outside Ebbing, Missouri der Film der Stunde. Es ist bestes, amerikanisches Erzählkino: unterhaltsam, intelligent, humorvoll, böse, erschreckend, berührend – kurzum eine Tragikomödie, die niemanden kalt lassen kann. [Jörg Taszman]

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                        • 8

                          „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“ setzt ganz auf starke Dialoge mit viel schwarzem Humor. Aber es ist kein grobschlächtiger Humor, und er wird begleitet von etlichen überaus bewegenden Momenten, wenn sich die Tragik einiger Figuren offenbart. Die Dialoge erfordern Aufmerksamkeit, dennoch empfehle ich die Originalfassung, auch wenn sie aufgrund provinziellen Slangs noch mehr Konzentration erfordert. (...) Der ursprünglich aus dem Theater kommende Regisseur Martin McDonagh hat das Erzähltempo genau austariert. Im kleinen Ebbing – ein fiktiver Ort – geht es ruhig zu, das schlägt sich in der Handlung nieder. Dennoch sind über die gesamte Laufzeit keinerlei Längen zu verzeichnen. Große Schauspielkunst konnte erwartet werden, sie wird auch geboten.

                          Ausführlich bei DIE NACHT DER LEBENDEN TEXTE.

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                          • 8

                            Martin McDonaghs mitreißender Tragikomödie Three Billboards Outside Ebbing, Missouri gelingt eine wunderbare Balance zwischen tiefschwarzem Humor und zärtlich spröder Anteilnahme. [Krischan Koch]

                            • 8

                              Three Billboards Outside Ebbing, Missouri ist ein fulminantes Werk über Rache und Recht - und eindringliches Plädoyer für Humanität. [Andreas Günther]

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                              • Möge die Oscar-Season beginnen! Ein schräg-überraschender Film mit brodelnden Charakteren, die es lieben aus ihren Schubladen auszubrechen. Phantastisches Drehbuch, großartige Performances und ein Film für das Jetzt und Hier!

                                • 9

                                  Witzig, brutal und atemberaubend schön [Terri White]

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                                  • 9 .5
                                    Filmszene.de 11.01.2018, 13:02 Geändert 11.01.2018, 13:03

                                    Man braucht schon ganz schöne Eier, um sich solch einen Film wie Three Billboards Outside Ebbing, Missouri überhaupt auszudenken. Um ihn dann auch noch so konsequent durchzuziehen, braucht man begnadete Schauspieler und absolut virtuose Fähigkeiten als Drehbuchautor. McDonagh hatte hier beides. [Frank-Michael Helmke]

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                                    • 9

                                      Wendungsreicher Thriller von Drehbuchautor-Regisseur Martin McDonagh mit ganz starken schauspielerischen Leistungen.

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                                      • 6

                                        Kühne Mischung aus tiefschwarzer Komödie und gefühlvollem Drama: Aus Wut über die ungesühnte Ermordung ihrer Tochter versetzt eine Mutter eine ganze Kleinstadt in Aufruhr. Dank Frances McDormand, Woody Harrelson und Sam Rockwell ist das großes Schauspielerkino, in seiner überreizten Dramaturgie aber auch angeberisch. [Patrick Seyboth]

                                        • 9

                                          Erwartungen sind dazu da, gebrochen zu werden – so zumindest in „Three Billboards Outside Ebbing, Missouri“. Der Film kombiniert fabelhaft bitterböse Komödie mit schmerzerfülltem Drama, verschwimmt Grenzen zwischen gut und böse und schlägt auch inhaltlich unerwartete Haken. Das Ergebnis ist einer der besten Filme der letzten Jahre, unterhält mit einem sagenhaften Ensemble und regt doch zum Nachdenken und Verzweifeln an.

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                                          • 9 .5

                                            Dieser Film zeigt mit unglaublicher Gewalt, fantastischen schauspielerischen Leistungen und einem kräftigen Hauch schwarzer Komödie eine Gesellschaft, die verlernt hat miteinander zu arbeiten und dadurch voranzukommen. [Daniel Pramberger]

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                                            • 7
                                              NewYorkTimes 10.11.2017, 12:12 Geändert 10.11.2017, 14:44

                                              In Three Billboards Outside Ebbing, Missouri passt fast alles zusammen. Auch wenn es etwas chaotischer wirkt, machen die Darsteller gute Arbeit, wodurch der Film sich nicht erzwungen anfühlt. [Manohla Dargis]

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                                                Programmkino.de 09.11.2017, 09:03 Geändert 25.01.2018, 15:21

                                                Beißende Satire, explizite Brutalität und harscher Sozialrealismus verknüpft Martin McDonagh in Three Billboards outside Ebbing, Missouri zu einer nicht immer geglückten Melange. [Michael Meyns]

                                                • 9 .5

                                                  Eine durchs Band grossartige Mimen-Truppe spielt kleine Leute, die den grossen Dramen des Lebens Herr werden wollen. Mit Witz und Emotionalität muss sich die Mittelschicht im Midwesten der USA dem Fremden und dem Schlimmen stellen. [Roland Meier]

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                                                    Billboards Outside Ebbing, Missouri ist eine einzigartig bestrafende, doch versühnende Reise ins Herz des amerikanischen Landes. [David Rooney]